{"id":13559,"date":"2013-12-15T08:18:20","date_gmt":"2013-12-15T07:18:20","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13559"},"modified":"2013-12-15T09:49:24","modified_gmt":"2013-12-15T08:49:24","slug":"1-wuerzburger-ordnungstagwettbewerb-der-zentralbanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13559","title":{"rendered":"<small>\u201c1. W\u00fcrzburger Ordnungstag\u201c\u009d<\/small><br \/>Wettbewerb der Zentralbanken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Grunds\u00e4tzliches zum monet\u00e4ren Wettbewerb <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens seit Hayeks Vorschlag der Entnationalisierung des Geldes (1976), der den staatlichen Notenbanken das Monopol der Geldemission entziehen will, wird \u00fcber monet\u00e4ren Wettbewerb kontrovers gestritten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entmonopolisierung der staatlichen Geldbereitstellung und die damit verbundene Installierung von W\u00e4hrungswettbewerb privater Emittenten sollte dem monopolistischen Missbrauch der Geldentwertung aufgrund monet\u00e4rer \u00dcberexpansion entgegenwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Idee des W\u00e4hrungswettbewerbs basiert auf den dem Wettbewerb auf M\u00e4rkten grunds\u00e4tzlich zugeeigneten Wirkungen: Effizienz, Machtbegrenzung, Entdeckung innovativer L\u00f6sungen, institutionelles Lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A priori spricht nichts dagegen anzunehmen, dass dies auch f\u00fcr den Geldangebotswettbewerb zwischen Zentralbanken gilt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Zentralbankenwettbewerb im internationalen Wechselkurssystem<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den spieltheoretisch ausgerichteten Modellen der internationalen Makro\u00f6konomik werden die Zentralbanken als Instanzen kooperativer und nicht-kooperativer strategischer Spiele behandelt. \u201eWettbewerb der Zentralbanken\u201c fokussiert sich besonders auf die nicht-kooperativen Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entscheidend ist das internationale Wechselkursregime: feste oder flexible Wechselkurse, irreversible Randl\u00f6sungen, Bandbreitenregime, crawling pegs, currency boards, managed floating etc.? Das Wettbewerbsverhalten von Zentralbanken ist weitestgehend wechselkursdependent. Die Vielzahl der diesbez\u00fcglichen Modelle ist kaum noch \u00fcberschaubar, die empirische Robustheit der theoretischen Aussagen ist oft genug gering.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick auf die Diskussion um die zuk\u00fcnftige Entwicklung des internationalen W\u00e4hrungssystems kann diesbez\u00fcglich aber hilfreich sein. Die wichtigsten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Reform dieses Systems konzentrieren sich auf folgende Optionen: Welteinheitsw\u00e4hrung, zur\u00fcck zu Bretton Woods, zur\u00fcck zum Goldstandard, hin zu einem neuen Rohstoffstandard, Ausbau der Sonderziehungsrechte (SZR). Alle diese Vorschl\u00e4ge unterliegen der Philosophie der Weltmonopolw\u00e4hrung, die den W\u00e4hrungs- und also Zentralbankenwettbewerb ausschaltet, aber nicht zu einer kompetitiven Weltwirtschaft passt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Realit\u00e4t wird deshalb anders verlaufen: Es wird W\u00e4hrungswettbewerb zwischen verschiedenen Ankerw\u00e4hrungen geben. Das gegenw\u00e4rtige 3-polarige enge W\u00e4hrungsoligopol (US-Dollar, Euro, Yen) wird sich erweitern, als erstes um den chinesischen Renmenbi. Um die einzelnen Ankerw\u00e4hrungen herum wird es regionale \u201eAndockungen\u201c kleinerer W\u00e4hrungen \u00fcber mehr oder weniger feste Wechselkurse geben: Also ein Mix aus Ankerw\u00e4hrungswettbewerb und regionalen Kooperationen der nationalen Zentralbanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Welt der multiplen monet\u00e4ren coopetition der Zentralbanken erscheinen einige grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen relevant, die sich in drei Optionen f\u00fcr die Konzeption einer W\u00e4hrungsordnung f\u00fcr ein einzelnes Land niederschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Option besteht in der politischen Wahl zwischen dem Preisniveau und dem Wechselkurs als nominalem Anker. Wenn das Land das Preisniveau w\u00e4hlt, dann ist der Wechselkurs eine resultierende Variable. Eine autonome Geldpolitik ist m\u00f6glich, die Geldmenge ist der strategische Wettbewerbsparameter der Zentralbank. Fixiert das Land den nominalen Wechselkurs als Anker, dann entf\u00e4llt die autonome Geldpolitik, das Preisniveau ist die resultierende Variable. Hier ist der Wechselkurs der strategische Wettbewerbsparameter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist die Situation des vielf\u00e4ltig beobachtbaren Abwertungswettbewerbs zwischen Zentralbanken. So halten z. B. China und Japan ihre W\u00e4hrungen k\u00fcnstlich unterbewertet, um jeweils internationale handelsstrategische Vorteile zu realisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite Option besteht in der politischen Wahl zwischen einem nominalen Anker und einer realen Zielvariablen. Der nominale Anker impliziert, dass reale Preisvariablen relevant sind, um internes und externes Gleichgewicht herzustellen: reale Wechselkurse, Reall\u00f6hne, Realzinsen. Der Ansatz der Fixierung einer realen Zielvariablen bedeutet, dass der nominale Wechselkurs eine wettbewerbsrelevante instrumentelle Variable ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die dritte Option beinhaltet die Wahl zwischen einem unilateralen und multilateralen Wechselkurssystem. Im unilateralen Ansatz betrachtet das Land die internationalen Umfeldbedingungen als gegeben. Der multilaterale Ansatz bedeutet, dass L\u00e4nder einem System von obligatorisch bindenden Regeln beitreten. Beispiele sind das Bretton-Woods-System sowie die Europ\u00e4ische W\u00e4hrungsunion (EWU). Im letzteren System besitzen die nationalen Zentralbanken prinzipiell keine geld- bzw. wechselkursstrategischen Wettbewerbsparameter . Allerdings installieren innerhalb des TARGET-Verrechnungssystems die nationalen Zentralbanken durchaus einen (begrenzten) Geldsch\u00f6pfungswettbewerb.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. Parallelw\u00e4hrungen <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da im multilateralen Ansatz der EWU der Zentralbankenwettbewerb \u00fcber Geldmenge und Wechselkurs innerhalb der EWU ausgeschaltet ist, erscheint es angesichts der Krisenentwicklung der EWU sinnvoll, den Wettbewerb der nationalen Zentralbanken grunds\u00e4tzlich wieder einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstens ist monet\u00e4rer Wettbewerb zwischen Zentralbanken innerhalb der EWU sinnvoll, wenn aufgrund der anhaltend expansiven Geldpolitik der EZB die Inflation in der Euro-Zone signifikant wird und die Euro-Mitglieder sich durch eine kaufkraftgesicherte Parallelw\u00e4hrung (indexierter W\u00e4hrungskorb) stabilit\u00e4tspolitisch absichern wollen. Das war ja der britische Vorschlag f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer europ\u00e4ischen Gemeinschaftsw\u00e4hrung: Stabilit\u00e4tswettbewerb der EWU-Zentralbanken .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens k\u00f6nnen Parallelw\u00e4hrungen sinnvoll sein, um den Bedarf an Wechselkurs\u00e4nderungen im multilateralen EWU-Ansatz zu befriedigen. Sie dienen dann als marktliche Anpassungssubstitute gegen\u00fcber dem politisch fixierten \u201eEuro-Wechselkurs 1:1\u201c innerhalb der EWU sowie dem EZB-gesteuerten Euro-Kurs gegen\u00fcber Drittstaaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fokussierung sei hier exemplarisch auf Griechenland fixiert, einem Krisenland, das durch einen \u00fcberbewerteten Euro-Wechselkurs au\u00dfenwirtschaftlich quasi \u201eerdr\u00fcckt\u201c und von den wettbewerbsrelevanten internationalen Preisrelationen abgeschottet wird. Der Einf\u00fchrung einer neuen W\u00e4hrung ND (Neue Drachme), die durch eine kr\u00e4ftige Abwertung die internationale preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Landes relativ rasch (wieder) herstellen k\u00f6nnte, st\u00fcnde nicht entgegen, dass Griechenland den Euro als nicht abwertende Parallelw\u00e4hrung beibeh\u00e4lt, also in der Euro-Zone verbleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solches W\u00e4hrungsarrangement impliziert gravierende Folgewirkungen auf die Gl\u00e4ubiger- und Schuldnerbeziehungen des Landes. Jede Abwertung bedeutet, dass alle bisher in Euro denominierten Bestandsgr\u00f6\u00dfen (Forderungen und Verbindlichkeiten) sowie Stromgr\u00f6\u00dfen (L\u00f6hne und Geh\u00e4lter) mit der Abwertungsrate entwertet werden. Um einen bank run zu verhindern, in dem Inhaber von Sicht- und anderen Bankguthaben ihre Konten gegen Euro-Bargeld aufl\u00f6sen, m\u00fcssen die Banken Garantien geben, dass Bankguthaben so gut wie Euro-Bargeld sind. Diese Garantien k\u00f6nnten \u00fcber die EZB abgesichert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mit der Wertgarantie auf der Passivseite der Bankbilanzen bei gleichzeitiger Abwertung der Forderungen auf der Aktivseite verbundenen Verluste der Banken m\u00fcssten ausgeglichen werden, um einen m\u00f6glichen internationalen Bankenkollaps zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Kontext gilt es, die monet\u00e4ren Beziehungen zwischen der ND-Zentralbank und der Euro-Zentralbank EZB zu gestalten. Zun\u00e4chst ist zu kl\u00e4ren, ob die Abwertung der ND marktm\u00e4\u00dfig, also relativ abrupt, oder zum Beispiel durch einen crawling peg zeitlich gestreckt erfolgen soll. Vieles spricht f\u00fcr eine \u00fcber den Markt laufende schnelle Abwertung, um Griechenland rasch an die internationalen Wettbewerbsrelationen heranzuf\u00fchren und \u00fcber den Au\u00dfenwirtschaftssektor Wachstumsimpulse zu generieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist der Abwertungsprozess einigerma\u00dfen abgeschlossen, dann beginnt die Phase des Wettbewerbs der beiden Zentralbanken um die stabilere W\u00e4hrung innerhalb des Landes: Inflationiert die ND gegen\u00fcber dem Euro, so wird sie \u2013 bei beweglichem Wechselkurs zwischen beiden W\u00e4hrungen \u2013 vom Euro verdr\u00e4ngt. Und entsprechend vice versa. Inflationieren beide W\u00e4hrungen, kommt als dritte W\u00e4hrungsalternative die erw\u00e4hnte kaufkraftindexierte Parallelw\u00e4hrung in Betracht: Also multipler W\u00e4hrungswettbewerb.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>4. Zukunftsszenario: Freebanking<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Idee des multiplen W\u00e4hrungswettbewerbs zwischen staatlichen Zentralbanken verl\u00e4ngert sich in die Sph\u00e4re der privaten Geldproduktion (\u00c3\u00a0 la Hayek). Geld ist keine staatliche Erfindung , sondern ein Produkt des Marktes, es ist mithin (re)privatisierbar. In der globalisierten Welt kennt es zunehmend keine nationalen Grenzen mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zeigen uns die wie innovative Pilze aus dem Boden sprie\u00dfenden elektronischen Bezahlsysteme, wie wir sie bei Kreditkartenanbietern und Internetunternehmen (Amazon, Apple, eBay, Facebook, Google, Microsoft u. a.) oder auch durch Bitcoin-Algorismen erleben. Hier herrscht Wettbewerb zwischen privaten Geldanbietern, bei dem die nationalen Zentralbanksysteme zunehmend eher als einflusslose Zuschauer denn als wirkungsm\u00e4chtige Mitspieler erscheinen. Zwar greifen die privaten Bezahlsysteme heute \u00fcberwiegend noch auf die Basisdienstleistungen der staatlichen Geldinstitutionen zur\u00fcck (\u00dcberweisungsverkehr etc.), aber das kann und wird sich \u00e4ndern, bei Bitcoin ist dies bereits der Fall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem internationalen Wettbewerbssystem multipler Parallelw\u00e4hrungen, also dem Wettbewerb zwischen staatlichen Zentralbanken einerseits sowie zwischen diesen und privaten Geldanbietern andererseits, stellt sich die Frage nach der Vertrauensbildung: Ein dem staatlichen Geldsystem entsprechendes reines Privatzeichengeld wird nicht ausreichen, um im Vertrauenswettbewerb zwischen Staat und Privat bei den Nutzern zu bestehen. Privatgeld muss dann wohl materialgedeckt sein, am besten wohl in Gold.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wettbewerb, den die privaten Geldanbieter zunehmend erzeugen, bezieht sich dann einerseits auf deren Glaubw\u00fcrdigkeit, dass die Materialdeckung tats\u00e4chlich existiert, sowie auf die Qualit\u00e4t der privaten Zahlungssysteme. Beide sind private Aktionsparameter im Wettbewerb mit denen staatlicher Zentralbanken.Die geldsystemische Zukunft verspricht diesbez\u00fcglich ein hohes internationales Innovationstempo.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Beitr\u00e4ge des \u201c1. W\u00fcrzburger Ordnungstages\u201c\u009d<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13492\">Das Tarifkartell lebt (noch). Tarifeinheit oder Koalitionsfreiheit?<\/a><\/p>\n<p>Jan Schnellenbach: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13570\">Steuerwettbewerb ist m\u00f6glich und sinnvoll<\/a><\/p>\n<p>Wolfgang Scherf: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13472\">Chancen und Risiken des Steuerwettbewerbs<\/a><\/p>\n<p>Henning Klodt: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13721\">Baustelle Europa<\/a><\/p>\n<p>Gunther Schnabl: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13710\">Zentralbankwettbewerb untergr\u00e4bt die W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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