{"id":13710,"date":"2013-12-08T07:59:06","date_gmt":"2013-12-08T06:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13710"},"modified":"2013-12-08T14:31:17","modified_gmt":"2013-12-08T13:31:17","slug":"1-wuerzburger-ordnungstagzentralbankwettbewerb-untergraebt-waehrungsstabilitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13710","title":{"rendered":"<small>&#8222;1. W\u00fcrzburger Ordnungstag&#8220;<\/small><br>Zentralbankwettbewerb untergr\u00e4bt die W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t!"},"content":{"rendered":"<p>Der Wettbewerb unter Zentralbanken kann sowohl zu W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t als auch zu W\u00e4hrungsinstabilit\u00e4t f\u00fchren. Nach Vaubel (1986) verliert eine Zentralbank, die zu Inflation tendiert, reale Geldnachfrage an stabilit\u00e4tsorientierte Zentralbanken. Sie muss auf Einnahmen verzichten; die Wirkung geldpolitischer Entscheidungen auf die inl\u00e4ndische Wirtschaftsentwicklung wird untergraben. Dies wirke disziplinierend zugunsten der Geldwertstabilit\u00e4t, so Vaubel, der eine wichtige Nebenbedingung formuliert: Es d\u00fcrfe keine Verst\u00e4ndigung zwischen den einzelnen Zentralbanken in Form von Wechselkursstabilisierung (als \u201einternationales Preiskartell unter Geldproduzenten\u201c) oder internationaler geldpolitischer Koordination geben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aus dieser Sicht ist in den fr\u00fchen 1970er Jahren aus zwei Gr\u00fcnden ein starker Disziplinierungsmechanismus f\u00fcr die gro\u00dfen Zentralbanken geschaffen worden. Erstens wurden frei schwankende Wechselkurse zwischen den gro\u00dfen W\u00e4hrungen (Dollar, Deutsche Mark\/Euro, Yen) zugelassen. Zweitens wurden die gro\u00dfen Zentralbanken unabh\u00e4ngig, und deren Geldpolitiken streng auf inl\u00e4ndische Konsumentenpreisstabilit\u00e4t ausgerichtet. Dennoch beobachten wir wachsende Sorge hinsichtlich der W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t, die sich u.a. in einem starken Anstieg von Immobilien-, Aktien- und Rohstoffpreisen zeigt.<\/p>\n<p>Die schleichende Unterminierung der W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t liegt darin begr\u00fcndet, dass sp\u00e4testens seit den 1980er Jahren die Wirkung der auf Konsumentenpreisstabilit\u00e4t ausgerichteten geldpolitischen Rahmenwerke durch eine ver\u00e4nderte Transmission geldpolitischer Entscheidungen ver\u00e4ndert wurde. Bewirkten in den 1970er Jahren Zinssenkungen noch prim\u00e4r einen Anstieg der G\u00fcterpreise, wurden ab den 1980er Jahren zunehmend Preiseffekte auf den Finanzm\u00e4rkten ausgel\u00f6st. Damit konnte das Leitzinsniveau in den gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern strukturell absinken, ohne dass es zu hoher Konsumentenpreisinflation gekommen ist.<\/p>\n<p>Die US-Zentralbankpr\u00e4sidenten Greenspan und Bernanke konnten ihre Geldpolitik aktiv auf eine asymmetrische Stabilisierung der Finanzm\u00e4rkte ausrichten wie sie im sogenannten Jackson Hole-Consensus zum geldpolitischen Standard erhoben wurde: Taten sich auf den Finanzm\u00e4rkten m\u00f6gliche spekulative Blasen auf, war es der Zentralbank unm\u00f6glich diese ex ante zu erkennen, so dass sie nicht oder nur z\u00f6gerlich gegensteuerte. Platzten die Blasen, wurden die Finanzm\u00e4rkte hingegen immer schneller und entschlossener mit Liquidit\u00e4t geflutet. Im Ergebnis sanken die Zinsen in Krisen mehr als sie in den Aufschwungsphasen nach der Krise angehoben wurden (siehe obere Graphik).<\/p>\n<p>Diese geldpolitische Asymmetrie (Schnabl und Hoffmann 2011) der Federal Reserve, die \u00fcber die Zeit zu einem Absinken des US-Leitzinses gegen Null f\u00fchrte, wurde direkt von den L\u00e4ndern importiert, die \u2013 wie z.B. der Gigant China \u2013 ihren Wechselkurs eng am Dollar als Weltleitw\u00e4hrung gebunden halten. Dar\u00fcberhinaus sind aber selbst L\u00e4nder mit flexiblen Wechselkursen dem geldpolitischen Kurs der Federal Reverse gefolgt. Zwar gibt es keine wirksame formelle internationale geldpolitische Koordination im Sinne Vaubels (z. B. auf Weltwirtschaftsgipfeln). Zudem haben seit der Asienkrise (1997\/98) viele gro\u00dfe aufstrebende Volkswirtschaften wie Brasilien ihren Wechselkurs gegen\u00fcber dem Dollar flexibilisiert.<\/p>\n<p>Doch sorgt im Falle von Zinssenkungen in den USA der Aufwertungsdruck auf die W\u00e4hrungen an der Peripherie des informellen Weltdollarstandards daf\u00fcr, dass die L\u00e4nder entweder doch mit Dollark\u00e4ufen gegen die Aufwertung intervenieren oder durch Zinssenkungen den Aufwertungsdruck auf ihre W\u00e4hrungen zu d\u00e4mpfen suchen. Zinssenkungen in Reaktion auf Aufwertungsdruck werden dadurch erleichtert, dass \u00fcber schrumpfende Exporte und sinkende Importpreise der Inflationsdruck zun\u00e4chst abnimmt und nur auf den Verm\u00f6gensm\u00e4rkten sichtbar wird. Es kommt ausgehend von den USA als gr\u00f6\u00dftem Spieler im Weltw\u00e4hrungssystem zur quasi-automatischen internationalen Koordination der Geldpolitiken.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist ein in den 1980er Jahren einsetzender, destabilisierender Wettbewerb zwischen den gro\u00dfen Zentralbanken, der in Form eines \u201eRace to the Bottom\u201c das Leitzinsniveau in den gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern gegen Null gedr\u00fcckt hat (siehe obere Abbildung). Seitdem das Potential f\u00fcr Zinssenkungen ausgesch\u00f6pft ist, untergr\u00e4bt ein \u201ekompetitives Aufblasen der Zentralbankbilanzen\u201c (siehe untere Abbildung) das Vertrauen in unsere Papierw\u00e4hrungen.<\/p>\n<p>Die Nebenwirkungen der strukturell sehr expansiven Geldpolitiken zeigen sich auf den Weltfinanzm\u00e4rkten. Die stetig wachsende Liquidit\u00e4tszufuhr hat eine Welle von wandernden Blasen (Schnabl und Hoffmann 2008) begr\u00fcndet. Einzelne von Zentralbankliquidit\u00e4t befeuerte Finanzmarktblasen waren und sind Startpunkt immer neuer geldpolitischer Expansionsrunden. In den Krisen gl\u00e4nzen die Zentralbanken als Retter in der Not, w\u00e4hrend sie den N\u00e4hrboden f\u00fcr neue spekulative \u00dcbertreibungen bereiten. Fatal ist die Auswirkung auf die \u00f6ffentlichen Schuldenst\u00e4nde, die unbedenklich wachsen k\u00f6nnen. Denn ein strukturell absinkendes Zinsniveau und unkonventionelle Geldpolitiken halten den \u00f6ffentlichen Schuldendienst trotz stetig steigender Schuldenlast ertr\u00e4glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schnaboek.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Zentralbankwettbewerb\" alt=\"Zentralbankwettbewerb\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schnaboek.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Ist einmal ein Zinsniveau von Null erreicht, dann steigt der Druck auf die Zentralbanken, das Zinsniveau dort zu belassen (Hysterese der Nullzinspolitik). Denn w\u00fcrde der Zins am kurzen Ende angehoben, dann w\u00fcrden auch die Zinsen am langen Ende steigen, was den Zinsdienst f\u00fcr hochverschuldete Staaten unertr\u00e4glich machen w\u00fcrde. M\u00f6glicherweise kollabierende Finanzinstitute w\u00fcrden die Lasten f\u00fcr Staaten weiter erh\u00f6hen. Es ist aus dieser Sicht nicht erstaunlich, warum die Federal Reserve den Ausstieg aus der Niedrigpolitik vertagt hat, die neue japanische Regierung Abe die Bank of Japan an die Leine gelegt hat, und EZB-Pr\u00e4sident Draghi mit seiner geldpolitischen Bazooka droht.<\/p>\n<p>Die Folgen der resultierenden \u201eNullzins- und Hochverschuldungsfalle\u201c lassen sich in kurz- und langfristige unterteilen. Kurzfristig werden durch die \u00d6ffnung der Liquidit\u00e4tsschleusen Finanzsektoren, Unternehmen und Staaten stabilisiert. Langfristig d\u00fcrften die Folgen \u00e4hnlich wie in Japan sein, wo der Geldmarktzins seit 1999 bei Null verharrt und die Staatsverschuldung auf Weltrekordniveau gestiegen ist (Schnabl 2013). Die Flutung der Finanzm\u00e4rkte mit kostenlosem Geld hat die Signal- und Allokationsfunktion des Zinses zerst\u00f6rt. Sie hat zu risikoreicher Spekulation auf den Finanzm\u00e4rkten verleitet und Fehlinvestitionen beg\u00fcnstigt. Sie hat zur schleichenden Verstaatlichung von Finanzinstituten und Unternehmen beigetragen.<\/p>\n<p>Der Preis wird \u2013 wie im Fall von G\u00fcterpreisinflation \u2013 in Form von steigender Einkommensungleichheit, Stagnation und schleichenden Realeinkommenssenkungen sichtbar. Es ist deshalb h\u00f6chste Zeit den Ausstieg aus den sehr expansiven Geldpolitiken anzugehen. Dazu w\u00e4re mehr richtiger Wettbewerb um den Status der Weltleitw\u00e4hrung n\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Referenz:<\/strong><\/p>\n<p>Vaubel, Roland (1986): Currency Competition versus Governmental Money Monopolies. Cato Journal 5, 3, 927-942.<\/p>\n<p>Hoffmann, Andreas \/ Schnabl, Gunther (2011): A Vicious Cycle of Manias, Bursting Bubbles and Asymmetric Policy Responses \u2013 An Overinvestment View. The World Economy 34, 3, 382-403 (verf\u00fcgbar <a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=1513171\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Schnabl, Gunther (2013): The Macroeconomic Challenges of Balance Sheet Recession: Lessons from Japan for Europe. CESifo Working Paper 4249 (verf\u00fcgbar <a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2274638\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Schnabl, Gunther \/ Hoffmann, Andreas (2008): Monetary Policy, Vagabonding Liquidity and Bursting Bubbles in New and Emerging Markets \u2013 An Overinvestment View. The World Economy 31, 9, 1226-1252 (verf\u00fcgbar <a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=1018342\">hier<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Beitr\u00e4ge des &#8222;1. W\u00fcrzburger Ordnungstages&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13492\">Das Tarifkartell lebt (noch). Tarifeinheit oder Koalitionsfreiheit?<\/a><\/p>\n<p>Jan Schnellenbach: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13570\">Steuerwettbewerb ist m\u00f6glich und sinnvoll<\/a><\/p>\n<p>Wolfgang Scherf: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13472\">Chancen und Risiken des Steuerwettbewerbs<\/a><\/p>\n<p>Henning Klodt: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13721\">Baustelle Europa<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wettbewerb unter Zentralbanken kann sowohl zu W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t als auch zu W\u00e4hrungsinstabilit\u00e4t f\u00fchren. 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