{"id":13857,"date":"2013-12-22T08:09:14","date_gmt":"2013-12-22T07:09:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13857"},"modified":"2013-12-22T08:34:39","modified_gmt":"2013-12-22T07:34:39","slug":"managerverguetung-die-zweite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13857","title":{"rendered":"Managerverg\u00fctung, die Zweite"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Am 12.6.2013 beendete ich meinen <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12546\">Beitrag zur Managerverg\u00fctung<\/a> mit der Ank\u00fcndigung: \u201eFortsetzung folgt!\u201c. Nun ja, aktuell findet man gleich drei Ergebnisse samt einem Nachschlag auf einmal, so dass sich nunmehr diese (erste) Fortsetzung aufdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Da war zun\u00e4chst der ebenfalls bereits damals angek\u00fcndigte Schweizer Volksentscheid \u00fcber eine Deckelung der Managerbez\u00fcge auf das Zw\u00f6lffache des am niedrigsten entlohnten Mitarbeiters innerhalb des jeweiligen Unternehmens. Am 24.11.2013 sprach das Schweizer Wahlvolk: Rund 65% stimmten gegen die Initiative \u2013 nach der Bef\u00fcrwortung der Volksinitiative im M\u00e4rz erneut ein Ergebnis, das f\u00fcr das Differenzierungsverm\u00f6gen in dieser direkten Demokratie spricht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Am gleichen Tag wurde in der Welt am Sonntag das Ergebnis einer repr\u00e4sentative Umfrage der GfK ver\u00f6ffentlicht, die 994 Probanden in Deutschland \u00fcber die 1:12-Deckelung abstimmen lie\u00df. Das Ergebnis lag genau umgekehrt zu Verh\u00e4ltnissen in unserem Nachbarland: \u00dcber 73% stimmten zu. Trotz Unterschieden hinsichtlich Bildungsstand und regionaler Herkunft kam es in allen ausgewiesenen Untergruppierungen (Maximum f\u00fcr Befragte in Berlin mit knapp 95%, Minimum f\u00fcr Befragte mit Bildungsstand \u201eAbitur oder h\u00f6her\u201c mit gut 65%) zu einer deutlichen Bef\u00fcrwortung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Ebenfalls am 24.11.2013 wurde schlie\u00dflich von dpa-AFX als Zwischenergebnis der Koalitionsverhandlungen gemeldet, dass der Aufsichtsrat jedes b\u00f6rsennotierten Unternehmens k\u00fcnftig prozentual festlegen soll, um wieviel h\u00f6her der Verdienst jedes Vorstandsmitglieds gegen\u00fcber dem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen der Firma maximal sein darf. Im zwischenzeitlich ver\u00f6ffentlichten Koalitionsvertrag findet man hierzu freilich nichts, sondern nur die allgemeine Formulierung<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\" align=\"left\"><i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">\u201e<\/i><i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\"><span style=\"mso-bidi-font-size: 12.0pt;\">Um Transparenz bei der Feststellung von Managergeh\u00e4ltern herzustellen, wird \u00fcber die Vorstandsverg\u00fctung k\u00fcnftig die Hauptversammlung auf Vorschlag des Aufsichtsrats entscheiden.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Dies entspricht im Wesentlichen dem bereits im Juni-Beitrag angesprochenen Gesetzentwurf der alten Bundesregierung, der seinerseits offenkundig vom Votum zur Schweizer Initiative im M\u00e4rz beeinflusst war. Die Kommentare blieben nicht aus bis hin zum Bundesvorsitzenden des KKV, Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, der die Streichung der vorgesehenen Begrenzung im Koalitionsvertrag bef\u00fcrwortete.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Einstweilen wird es also sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland beim (bedingten) Kompetenzwechsel in Richtung General- bzw. Hauptversammlung bleiben. Grunds\u00e4tzlich erscheint dies auch vern\u00fcnftig. Kurzfristig wird sich hinsichtlich der Verg\u00fctungsniveaus \u2013 wie bereits im Juni beschrieben \u2013 allerdings eher wenig ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Indessen sollte man auf Seiten der betroffenen Top-Manager die Zeichen der Zeit erkennen und mehr Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das eigene Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis sowie seine Wahrnehmung in der \u00d6ffentlichkeit entwickeln. Ein von jener Seite gar nicht so selten zu h\u00f6rendes Selbstverst\u00e4ndnis, dass bei Gro\u00dfkonzernen mit hoher Gewichtung innerhalb bedeutender Aktienindizes in guten Jahren f\u00fcr den CEO ein zweistelliger Millionenbetrag angemessen sei, spricht hier f\u00fcr erheblichen Nachholbedarf. Bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr theoretische Ans\u00e4tze, mit denen man entsprechende Summen (mit welcher Motivation auch immer) in der Wissenschaft zu erkl\u00e4ren versucht, erscheint hier der Befund eines zumindest partiellen Marktversagens naheliegender. Wer in guten Jahren Millionen verdient, ohne in schlechten Jahren einen analogen Verlust bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, und bei Verlust des bisherigen Arbeitsplatzes regelm\u00e4\u00dfig nach Erhalt einer stattlichen Abfindung mit minimalem Aufschub einen vergleichbar hoch dotierten Job in Aussicht hat, sollte sich jedenfalls nicht \u00fcber fehlende gesellschaftliche Akzeptanz wundern. Das erste apostolische Schreiben des neuen Papstes mag in seinen marktkritischen Passagen (vgl. etwa \u201e<i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">W\u00e4hrend die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen, sind die der Mehrheit immer weiter entfernt vom Wohlstand dieser gl\u00fccklichen Minderheit<\/i>\u201c) zwar durch seine disziplin\u00e4re Brille verzeichnen, zeigt aber, dass auch in prominenten Bereichen das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unplausible Ergebnisse des Kapitalismus immer mehr verloren geht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Diese Aussage hat beileibe nichts mit einer generellen Ablehnung wettbewerblicher Lohn\/Preisfindung zu tun, denn auch unter liberalen \u00d6konomen ist die Frage \u201eMacht oder \u00f6konomisches Gesetz?\u201c ein Dauerthema f\u00fcr die Diagnose unplausibler Befunde. Vielmehr spricht unter anderem die N\u00e4he von vielen Top-Managern in wechselseitigen Vorstands-\/Aufsichtsratspositionen (neuhochdeutsch \u201eexecutives vs. external board members\u201c) daf\u00fcr, dass von einem perfekt funktionierenden Wettbewerb gem\u00e4\u00df wohlfahrtstheoretischen Idealen kaum die Rede sein kann.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Wie l\u00e4sst sich unter diesen Aspekten der schlagzeilentr\u00e4chtigste europ\u00e4ische Verg\u00fctungsexzess der letzten Wochen kommentieren? Dass der scheidende Chef von PSA Peugeot Citroen, Philippe Varin, nach heftigen medienwirksamen Protesten in Frankreich j\u00fcngst auf die aktuelle Regelung seiner Pensionsanspr\u00fcche verzichtete, f\u00fcr die in der Konzernbilanz 21 Millionen Euro an R\u00fcckstellungen gebildet worden waren, ist einerseits ein weiteres Zeichen f\u00fcr die steigende \u00f6ffentliche Anspannung in diesem Bereich. Andererseits h\u00e4tte eine von vornherein angemessene Dotierung den Aufruhr erst gar nicht entstehen lassen und die Peinlichkeit des R\u00fcckzugs erspart. Man k\u00f6nnte freilich \u00fcberh\u00f6hte Bez\u00fcge auch als Option auffassen, die man als satten Zuschlag behalten darf, wenn sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter kein Sturm der Entr\u00fcstung erhebt. Sollte diese individuell rationale Sicht die Mehrheitsmeinung unter Top-Managern darstellen und entsprechendes Verhalten f\u00f6rdern, wird es sicher weder hier noch in anderen zumindest dem Namen nach marktwirtschaftlich ausgerichteten L\u00e4ndern ohne tiefere Eingriffe in die Verg\u00fctungspraxis bleiben. Letztlich gilt unver\u00e4ndert: Fortsetzung folgt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12.6.2013 beendete ich meinen Beitrag zur Managerverg\u00fctung mit der Ank\u00fcndigung: \u201eFortsetzung folgt!\u201c. 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