{"id":14012,"date":"2013-12-24T06:49:21","date_gmt":"2013-12-24T05:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14012"},"modified":"2013-12-24T06:49:21","modified_gmt":"2013-12-24T05:49:21","slug":"freunde-helfen-einander-fremde-aber-auch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14012","title":{"rendered":"Freunde helfen einander, Fremde aber auch"},"content":{"rendered":"<p>Es ist der Traum von der ganz gro\u00dfen Freundschaft, den die Filmindustrie regelm\u00e4\u00dfig nutzt, um beim Kinopublikum intensive Emotionen hervorzurufen: Der Soldat rettet im Krieg seinen Freund unter Einsatz des eigenen Lebens, der von der Polizei (unschuldig) Gesuchte findet nur beim Freund Unterschlupf und nicht selten opfert sich der Held des Films f\u00fcr den Freund. Obwohl diese heroischen Taten auch zwischen Freunden keineswegs allt\u00e4glich sind, wird der Begriff der Freundschaft doch stets mit der Bereitschaft zur Unterst\u00fctzung des anderen verbunden. Die Hilfsbereitschaft ist jedoch keineswegs einseitig: In einer Freundschaft helfen sich die Freunde wechselseitig. So mag der Arzt den befreundeten Lehrer unentgeltlich behandeln, doch erwartet er auch, dass dieser Lehrer seiner Tochter ebenso unentgeltlich Nachhilfestunden erteilt. Eine einseitige Freundschaft ist keine Freundschaft!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Besondere an einer Freundschaft besteht darin, dass die Gegenleistung der urspr\u00fcnglichen Leistung nicht unmittelbar folgen muss. Da die wahre Freundschaft ewig w\u00e4hrt, wird sich ein geeigneter Zeitpunkt f\u00fcr die Erbringung der kompensierenden Gef\u00e4lligkeit einstellen. Aus diesem Grund erwartet man von Fremden nicht dieselbe Hilfsbereitschaft wie von Freunden, denn es ist durchaus fraglich, ob es jemals zu einer Gegenleistung kommen wird. Freundschaft ist neben der affektiven Seite auch durch ein Geben und Nehmen gekennzeichnet. \u00dcber Jahrtausende fanden die allermeisten Austausche von Waren und Dienstleistungen \u00fcber den Familien- und Freundeskreis statt.<\/p>\n<p>In der modernen Gesellschaft ist es den Menschen jedoch gelungen, diese Schranke zu \u00fcberwinden. Durch die Einf\u00fchrung eines freien und wettbewerblichen Marktprozesses kooperieren Tag f\u00fcr Tag Millionen einander v\u00f6llig fremder Menschen miteinander. In S\u00fcdkorea arbeiten Menschen, die es uns erm\u00f6glichen, preisg\u00fcnstige moderne Autos zu fahren; in Deutschland arbeiten andere Personen, die s\u00fcdkoreanische B\u00fcrger in die Lage versetzen, modernste Maschinen im Produktionsprozess einzusetzen. Wir alle tragen zum modernen Produktionsprozess bei und wir alle d\u00fcrfen die Leistungen anderer Menschen nutzen.<\/p>\n<p>Der zentrale Unterschied im Vergleich zum Austausch zwischen Freunden besteht im gleichzeitigen Austausch (eigentlich wertloser) Papierfetzen, die wir Geld nennen. Sie stellen ein auf Vertrauen basierendes Wertaufbewahrungsmittel dar, von dem wir erhoffen, dass es ein geeignetes Substitut f\u00fcr die Gegenleistung eines Freundes ist. Auf diese Weise sind wir nicht mehr darauf angewiesen, einen Arzt oder einen Lehrer im Freundeskreis zu haben.<\/p>\n<p>Ignorieren wir jedoch das \u00dcberreichen von Papierfetzen, so liefert der Markt genau das gleiche Ergebnis, wie wir es zuvor f\u00fcr den Freundeskreis beschrieben haben. Im Kern besteht die ethische Qualit\u00e4t des Marktes somit darin, dass fremde Menschen sich zueinander genauso verhalten, wie Freunde es tun w\u00fcrden. Wenn dies kein hoher Wert f\u00fcr eine Gesellschaft sein sollte, was dann?<\/p>\n<p>Doch es kommt noch besser! Der Markt hilft sogar, die Wirksamkeit der Kooperation ma\u00dfgeblich zu erh\u00f6hen. Sollte n\u00e4mlich, um in unserem obigen Beispiel zu bleiben, der Arzt keinen Bedarf f\u00fcr einen Nachhilfeunterricht seiner Tochter haben, sondern stattdessen die Reparatur seines Autos w\u00fcnschen, so kann der Lehrer nunmehr die Tochter des Automechanikers unterrichten, mit den sich hieraus ergebenden Einnahmen die Behandlung des Arztes bezahlen, der wiederum den Automechaniker mit seinem Honorar entsch\u00e4digen kann. In der Realit\u00e4t sind die sich einstellenden Ringtauschvorg\u00e4nge nat\u00fcrlich wesentlich komplexer als in diesem trivialen Beispiel. Doch betont dies nur umso mehr, wie wichtig der Austausch \u00fcber den Markt ist, der in privaten Freundschaftsbeziehungen nicht mehr koordinierbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Umso trauriger und irrationaler ist es, dass der Zeitgeist den Markt in immer st\u00e4rkerem Ausma\u00df und in den meisten F\u00e4llen ungerechtfertigt f\u00fcr alle Unvollkommenheiten der Wirklichkeit verantwortlich macht. Schauen wir uns einige der Irrt\u00fcmer an.<\/p>\n<p><strong>1. Irrtum 1: Der Markprozess bewirkt eine zunehmende Verarmung weiter Kreise der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Bevor wir \u00fcber die Zunahme der Verarmung sprechen k\u00f6nnen, muss zun\u00e4chst gekl\u00e4rt werden, was \u00fcberhaupt unter Armut zu verstehen ist. \u00dcblicherweise unterscheidet man zwischen absoluter Armut und relativer Armut. Die absolute Armut wird durch die Anzahl oder den Anteil derjenigen Personen definiert, die im Durchschnitt \u00fcber weniger als 1,25 US Dollar bzw. 2 US Dollar (jeweils kaufkraftbereinigt) am Tag verf\u00fcgen. Von relativer Armut spricht man zumeist, wenn ein Haushalt \u00fcber weniger als 60 Prozent des sogenannten Netto\u00e4quivalenzeinkommens (das Nettoeinkommen, bereinigt um die Anzahl und das Alter der Haushaltsmitglieder, die von diesem Lohn leben) verf\u00fcgt. Speziell f\u00fcr Deutschland spielt das Kriterium der absoluten Armut keine Rolle. Um also \u00fcber eine marktsystembedingte Zunahme der Armut in Deutschland sprechen zu k\u00f6nnen, beschr\u00e4nken wir uns im Folgenden auf die relative Armut bzw. deren Entwicklung.<\/p>\n<p>Weigel (in Anlehnung an Gei\u00dfler 1996) sch\u00e4tzt die Armutsquote f\u00fcr das Jahr 1963 auf einen Wert von etwa 24 Prozent.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Aktuell wird sie durch das Statistische Bundesamt mit knapp 16 Prozent angegeben. Damit kann nicht von einer langfristigen Zunahme der Armut gesprochen werden. Ein anderes Ma\u00df der Einkommensungleichheit ist der sogenannte Gini-Koeffizient, der die Abweichung der tats\u00e4chlichen Einkommensverteilung von einer fiktiven Gleichverteilung erfasst. Ein Gini-Koeffizient von null entspr\u00e4che einer vollkommenen Gleichverteilung aller Einkommen, ein Wert von eins entst\u00fcnde, wenn das gesamte volkswirtschaftliche Einkommen auf eine Person fallen w\u00fcrde. Die OECD gibt den Gini-Koeffizienten Deutschlands f\u00fcr das Jahr 1960 mit 0,49 an, w\u00e4hrend er im Jahr 2006 0,27 betrug. Auch hier l\u00e4sst sich keineswegs ein durch den Markt verursachter Verarmung-Trend feststellen.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Im internationalen Vergleich weist Deutschland damit einen der geringsten Gini-Koeffizienten auf, der im Wesentlichen nur von den skandinavischen Nationen \u00fcbertroffen wird (d.h. kleiner ausf\u00e4llt).<\/p>\n<p>Des Weiteren ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die Marktprozesse in den vergangenen 50 Jahren zu einer erheblichen Erh\u00f6hung der Einkommen gef\u00fchrt haben. Von Armut betroffene Menschen (in Deutschland) werden in vielen Bereichen besser mit Konsumg\u00fctern versorgt als der Durchschnittsverdiener vor 50 Jahren. Ein paar Beispiele gef\u00e4llig?<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> F\u00fcr das Jahr 2011 geben nur 30,3 Prozent der von Armut betroffenen Personen an, sich aus finanziellen Gr\u00fcnden kein Auto leisten zu k\u00f6nnen. Mit anderen Worten: 69,7 Prozent der armen Menschen waren dazu in der Lage, ein Auto zu finanzieren. Im Jahr 1962 besa\u00dfen hingegen nur 27,3 Prozent <i>aller<\/i> Personen ein Auto! 1962 besa\u00dfen 51,8 Prozent der Haushalte einen K\u00fchlschrank und 33,9 Prozent eine Waschmaschine. Die heutigen Werte hierf\u00fcr betragen 99,7 Prozent und 94,5 Prozent. Ein Durchschnittsverdiener aus dem Jahr 1962 wies damit eine deutlich schlechtere Konsumg\u00fcterversorgung auf als ein heutiger, als arm klassifizierter Haushalt. Der Marktwirtschaft deutscher Pr\u00e4gung vorzuwerfen, sie produziere Armut, erweist sich in diesem Licht als k\u00fchne Hypothese. Des Weiteren sollte nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass die heutzutage wesentlich bessere Konsumg\u00fcterversorgung (auch f\u00fcr \u201earme\u201c Haushalte) mit einer deutlich verringerten Arbeitszeit einhergeht.<\/p>\n<p>So bleibt letztlich nur noch die Behauptung, das Marktsystem w\u00fcrde die Armut auf globaler Ebene forcieren. Sie wurde zuletzt insbesondere vom \u00fcberaus popul\u00e4ren neuen Papst Franziskus vorgetragen und wird deshalb weit mehr Beachtung finden als alle wissenschaftlichen Gutachten zum Thema. Werfen wir einen Blick auf die Daten. Tabelle 1 liefert einen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der absoluten Armut auf internationaler Ebene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"129\"><\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"163\">\n<p align=\"center\">Welt<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"163\">\n<p align=\"center\">Ostasien \/ Pazifik<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"163\">\n<p align=\"center\">Subsahara-Afrika<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"129\"><\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">1990<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">2010<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">1990<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">2010<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">1990<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">2010<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"129\">\n<p align=\"center\">Armut<br \/>\n(&lt; 1,25 $\/Tag)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">1908<br \/>\n(43,2%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">1215<br \/>\n(20,6%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">926,4<br \/>\n(56,2%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">250,9<br \/>\n(12,5%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">289,7<br \/>\n(56,5%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">413,7<br \/>\n(48,5%)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"129\">\n<p align=\"center\">Armut<br \/>\n(&lt; 2 $\/Tag)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\"><\/td>\n<td width=\"82\"><\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">1333,3<br \/>\n(81%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">597,7<br \/>\n(29,7%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">389,2<br \/>\n(76%)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p align=\"center\">596,4<br \/>\n(70%)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"7\" width=\"619\">\n<p align=\"left\">Anzahl der betroffenen Menschen (in Millionen); Werte in Klammern: Prozentangaben<br \/>\nQuelle: Weltbank (<a href=\"http:\/\/povertydata.worldbank.org\/poverty\/home\">http:\/\/povertydata.worldbank.org\/poverty\/home<\/a>)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p align=\"center\"><b>Tabelle 1: Entwicklung der absoluten Armut seit 1990<\/b><\/p>\n<p>Tabelle 1 zeigt, dass die absolute Armut in der Welt seit 1990 gl\u00fccklicherweise deutlich gesunken ist. Dies liegt insbesondere an der Entwicklung in Ostasien. Zu Beginn der neunziger Jahre hat die Volksrepublik China grundlegende marktwirtschaftliche Reformen durchgef\u00fchrt, die die absolute Armut drastisch zur\u00fcckgef\u00fchrt haben. Im Gegensatz dazu hat sich in den Subsahara-Nationen Afrikas keine vergleichbare Wende zur Marktwirtschaft vollzogen, und folgerichtig ist die Armut in absoluten Zahlen gestiegen, in Prozents\u00e4tzen allerdings in etwa konstant geblieben. In Anbetracht dieser Zahlen ist es schon einigerma\u00dfen verbl\u00fcffend, wenn Marktprozesse f\u00fcr die Armut in der Welt verantwortlich gemacht werden. Die offiziellen Daten k\u00f6nnen solche Aussagen nicht st\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>2. Irrtum 2: Marktwirtschaftliche Systeme beg\u00fcnstigen Diskriminierung, Korruption und den Missbrauch von Machtpositionen<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es unstrittig, dass Diskriminierung, Korruption und der Missbrauch von Machtpositionen auch in Marktwirtschaften existieren. Die entscheidende Frage muss jedoch lauten, ob der Marktprozess solche Ph\u00e4nomene beg\u00fcnstigt oder nicht. Tats\u00e4chlich kann man argumentieren, dass genau das Gegenteil zutrifft.<\/p>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst das Ph\u00e4nomen der Diskriminierung. So wird es sicherlich zum Beispiel vorkommen, dass Arbeitgeber aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden weibliche Arbeitnehmer diskriminieren. Sollte es jedoch mehrere oder gar eine Vielzahl solcher Arbeitgeber geben, dann w\u00fcrde der Marktprozess ein derartiges Verhalten nicht belohnen, sondern bestrafen. Indem etwa manche Unternehmen nur m\u00e4nnliche Arbeitnehmer einstellen, obwohl es gleich gute oder gar besser qualifizierte weibliche Bewerber gibt, wird der Lohnsatz f\u00fcr die bevorzugten m\u00e4nnlichen Arbeitnehmer tendenziell steigen, w\u00e4hrend der f\u00fcr die weiblichen Arbeitnehmer eher sinken wird. Damit steigen auch die Kosten f\u00fcr den diskriminierenden Arbeitgeber, sodass andere Unternehmen, die weibliche Arbeitnehmer einstellen, einen Kostenvorteil erhalten, der ihre Marktposition ma\u00dfgeblich verbessert. In vielen F\u00e4llen wird diskriminierenden Unternehmen nichts anderes \u00fcbrig bleiben als entweder ihre diskriminierende Einstellungspolitik zu \u00e4ndern oder den Markt zu verlassen. Marktprozesse beg\u00fcnstigen somit keineswegs Diskriminierungen, sondern tragen langfristig dazu bei, genau diese abzubauen!<\/p>\n<p>Wie steht es um die Korruption? Nat\u00fcrlich tritt sie auch in Marktwirtschaften auf, doch eben nicht nur. Insoweit Korruption bei staatlichen Beh\u00f6rden ansetzt, ist es gerade nicht der Markt, der Korruption beg\u00fcnstigt, sondern staatliche Machtpositionen. Korruption innerhalb von Unternehmen wiederum f\u00fchrt zu erheblichen Kostensteigerungen und Gewinneinbu\u00dfen, sodass der Markt dem Ph\u00e4nomen der Korruption entgegenwirkt. Dar\u00fcber hinaus ist festzustellen, dass das Problem der Korruption besonders in den L\u00e4ndern auftritt, die gerade keine marktwirtschaftlichen Systeme aufweisen. Eine mehr als deutliche Graphik hierzu findet sich unter folgendem Link: <a href=\"http:\/\/cpi.transparency.org\/cpi2013\/results\/\">http:\/\/cpi.transparency.org\/cpi2013\/results\/<\/a>.<\/p>\n<p>So bleibt noch der Missbrauch von Machtpositionen in der Wirtschaft. Auch hier gilt, dass es individuelles Fehlverhalten in allen Gesellschaften und zu allen Zeiten gab. Es sind jedoch vorrangig die marktwirtschaftlichen Systeme, die es dem Arbeitnehmer erm\u00f6glichen, missbr\u00e4uchlichem Verhalten auszuweichen. In Zentralverwaltungswirtschaften ist die Machtf\u00fclle von Vorgesetzten deutlich gr\u00f6\u00dfer als in Marktwirtschaften, denn nur in den Letzteren k\u00f6nnen die Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber beliebig wechseln. Freiz\u00fcgigkeit, Wettbewerb und die freie Wahl des Arbeitsplatzes stellen die wirksamste Form der Begrenzung von Machtpositionen dar.<\/p>\n<p><strong>3. Die Verwechslung von Individual- und Ordnungsethik<\/strong><\/p>\n<p>Eine wesentliche Ursache f\u00fcr die oben diskutierten und weit verbreiteten Irrt\u00fcmer besteht darin, dass ethisch fragw\u00fcrdiges individuelles Verhalten einzelner Menschen damit erkl\u00e4rt wird, dass Marktprozesse den Menschen gr\u00f6\u00dfere individuelle Handlungsspielr\u00e4ume einr\u00e4umen. Diese Freiheit gilt nat\u00fcrlich nicht nur f\u00fcr ethisch w\u00fcnschenswertes Verhalten, sie erleichtert in gewisser Weise auch ethisch fragw\u00fcrdiges Verhalten, sodass das Marktsystem als Problemverursacher angesehen wird. Wie oben bereits diskutiert wurde, ist diese Sicht jedoch falsch, denn individuelles Fehlverhalten findet sich in allen Wirtschaftssystemen, und in den meisten F\u00e4llen bestraft der Markt (im Gegensatz zur B\u00fcrokratie) unethisches Verhalten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist allerdings zu betonen, dass die Individualethik \u2013 im Sinne einer Lehre \u00fcber das angemessene individuelle Verhalten \u2013 auch in marktwirtschaftlichen Systemen von gro\u00dfer Bedeutung ist. Zum einen habe ich keinen Zweifel daran, dass viele moralisch begr\u00fcndete Verhaltensempfehlungen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass derjenige, der die Normen aus \u00dcberzeugung befolgt, ein gl\u00fccklicheres Leben f\u00fchren wird. Zum anderen steht es au\u00dfer Frage, dass derartige Verhaltensregeln ganz wesentlich dazu beitragen, die Transaktionskosten der Durchsetzung von Vertragsvereinbarungen ma\u00dfgeblich zu senken. Auf diese Weise tr\u00e4gt die Individualethik ma\u00dfgeblich zum Gelingen von Marktprozessen bei.<\/p>\n<p>Trotzdem ist die Individualethik kein geeigneter Leitfaden f\u00fcr die Gestaltung der gesellschaftlichen Institutionen, denn die Forderung eines individualethischen Verhaltens ist noch lange nicht identisch mit der Umsetzung eben dieses Verhaltens. Die gesellschaftlichen Spielregeln d\u00fcrfen nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr wohlmeinende Gutmenschen formuliert werden, sondern sie m\u00fcssen dazu beitragen, dass auch egoistisch-opportunistische Materialisten ihren Beitrag zum Wohlergehen der Gesellschaft leisten. Aus diesem Grund ist jeder Regelsetzung eine Wirkungsanalyse vorzuschalten, die auch das eigenn\u00fctzig ausgerichtete Verhalten der meisten Menschen ber\u00fccksichtigt. Die Volkswirtschaftslehre hat gezeigt, dass unter geeigneten Rahmenbedingungen (Institutionen) auch rein egoistisches Verhalten zu guten wirtschaftlichen Ergebnissen f\u00fchrt. Naive Verbote vermeintlich unerw\u00fcnschter Verhaltensweisen \u2013z.B. durch die Vorgabe eines gesetzlichen Mindestlohns \u2013 f\u00fchren dabei nur sehr selten zu den gew\u00fcnschten Ergebnissen.<\/p>\n<p>Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich der wirtschaftliche Wohlstand, wie wir ihn heute kennen, (bislang) nur in marktwirtschaftlich organisierten Systemen entwickelt (hat). Nach dem heutigen Kenntnisstand entwickelt sich Reichtum vorrangig in Gesellschaften mit offenem Zugang zu M\u00e4rkten und politischen Positionen (North et al. 2009, Acemoglu und Robinson 2012) und mit der individuellen Freiheit, das eigene Interesse zu verfolgen und die individuell verf\u00fcgbaren Informationen in den Produktionsprozess einzubringen (Hayek 1945). Die Sicherung privater Eigentumsrechte, verbunden mit der Existenz offener und wettbewerblicher M\u00e4rkte, bildet die Grundlage daf\u00fcr, dass eine umfassende Kooperation nicht nur zwischen Freunden, sondern auch zwischen Fremden erm\u00f6glicht wird. Ganz nebenbei wird dabei Armut und Elend zunehmend in den Hintergrund gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste diese Einsicht bei den B\u00fcrgern unserer Gesellschaft eine mindestens ebenso gro\u00dfe Leidenschaft entfachen wie Fu\u00dfballspiele oder Unterhaltungsfilme. Da dies offensichtlich nicht der Fall ist, ist weitere Aufkl\u00e4rungsarbeit erforderlich. F\u00fcr heute mag es aber gen\u00fcgen, sich des Gl\u00fccks bewusst zu werden, in einer (noch) weitgehend offenen Gesellschaft mit offenen M\u00e4rkten leben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><b>Literatur <\/b><\/p>\n<p>Acemoglu, D. und J. Robinson (2012): Why Nations Fail, New York.<\/p>\n<p>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (2013): Datenreport 2013. Ein sozial Bericht f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2013.<\/p>\n<p>Gei\u00dfler, R. (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, 2. Aufl., Opladen.<\/p>\n<p>Hayek, F.A. (1945): The Use of Knowledge in Society, in: American Economic Review, Bd. 35 (4), S. 519-530.<\/p>\n<p>North, D., J.J. Wallis und B. Weingast (2009): Violence and Social Orders, Cambridge.<\/p>\n<p>Weigel, T. (2011): Armutsgeschichte, <a href=\"http:\/\/www.statistiker-blog.de\/archives\/armutsgeschichte-2\/729.html\">http:\/\/www.statistiker-blog.de\/archives\/armutsgeschichte-2\/729.html<\/a>, abgerufen am 16.12.2013.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. Weigel (2011) und Gei\u00dfler (1996).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Quelle: <a href=\"http:\/\/stats.areppim.com\/listes\/list_gini_1960x2011.htm\">http:\/\/stats.areppim.com\/listes\/list_gini_1960x2011.htm<\/a>, abgerufen am 16.12.2013.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Quellen f\u00fcr die folgenden Beispiele sind Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (2013) und das Statistische Bundesamt (alle Werte abgerufen am 12.12.2013).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der Traum von der ganz gro\u00dfen Freundschaft, den die Filmindustrie regelm\u00e4\u00dfig nutzt, um beim Kinopublikum intensive Emotionen hervorzurufen: Der Soldat rettet im Krieg &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14012\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFreunde helfen einander, Fremde aber auch\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":71,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,30,524,41],"tags":[532,1043,1387,1388],"class_list":["post-14012","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-distributives","category-ethisches","category-kooperatives","category-ordnungspolitisches","tag-diskriminierung","tag-korruption","tag-marktprozess","tag-ordnungsethik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Freunde helfen einander, Fremde aber auch  - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14012\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Freunde helfen einander, Fremde aber auch  - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Es ist der Traum von der ganz gro\u00dfen Freundschaft, den die Filmindustrie regelm\u00e4\u00dfig nutzt, um beim Kinopublikum intensive Emotionen hervorzurufen: Der Soldat rettet im Krieg &hellip; 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