{"id":14063,"date":"2014-02-27T07:35:43","date_gmt":"2014-02-27T06:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14063"},"modified":"2025-02-04T11:39:42","modified_gmt":"2025-02-04T10:39:42","slug":"gastbeitragsind-zentralbanken-noch-zeitgemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14063","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag<\/b><br\/>Sind Zentralbanken noch zeitgem\u00e4\u00df?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das politische Experiment einer gemeinsamen europ\u00e4ischen W\u00e4hrung ist an den selbst gesteckten Anspr\u00fcchen gemessen gescheitert. Der Euro sollte \u00f6konomische Stabilit\u00e4t und politische Einheit bringen. L\u00e4ngst ist die Krise das Hauptmerkmal des Euro-Systems in beiderlei Hinsicht. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion mit Ansage. Eine Geldpolitik f\u00fcr verschiedene L\u00e4nder bedeutet: \u201eone size fits none\u201c. Das wirft die Frage auf: Sind Zentralbanken noch zeitgem\u00e4\u00df? Erhellend ist es, die Funktionsweise monopolistisch-beh\u00f6rdlicher Zentralbanken mit freiheitlich-wettbewerblichen Geldordnungen zu vergleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>Zentralbanken sind Inflationsbeh\u00f6rden und leiden an strukturellem Wissensmangel<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausschaltung des Wettbewerbs zwischen nationalen europ\u00e4ischen W\u00e4hrungen per politisch oktroyierter Zentralw\u00e4hrung hat einen Krisenmechanismus erschaffen. Es ist allerdings falsch, den Zentralbanken einen Vorwurf zu machen. Das hie\u00dfe dem Glauben anzuh\u00e4ngen, sie h\u00e4tten besser handeln k\u00f6nnen, was nicht der Fall ist wie Anthony J. Evans argumentiert. Die herausragende Krisenlektion lautet vielmehr: Das Wesen eines Zentralbanksystems, n\u00e4mlich der Versuch ein Geldwesen zentral zu planen und zu steuern, ist eine Aufgabe, die Geldpolitiker und Mitarbeiter in Zentralbanken nicht ausreichend leisten k\u00f6nnen. Die Zentralbanken haben das Beste getan, nach bestem Wissen das geleistet, was f\u00fcr sie m\u00f6glich war; es hat zur Vermeidung und L\u00f6sung der Krise nicht gereicht. Vielmehr ist Geldpolitik geeignet, eine Krise epochalen Ausma\u00dfes zu erzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zentralbanken wohnen eine Reihe Funktionsdefizite inne, die sich weder beseitigen noch hinreichend kompensieren lassen:<\/p>\n<ol start=\"1\">\n<li>Zentralbanken sind nicht das Ergebnis eines evolution\u00e4ren Entdeckungsverfahrens, sondern durch Privilegien und Zwang entstanden. Regierungen haben zu beiderseitigem Vorteil eine Gro\u00dfbank, wie die Bank of England, privilegiert, die den staatlichen Finanzbedarf \u00fcber die Bereitschaft der Steuerzahler und Kreditgeber hinaus gestillt hat. Das Beispiel USA zeigt wie sehr den Gro\u00dfbanken an einer Institution gelegen war, die ihre Risiken senkte und zugleich steigende Gewinne erm\u00f6glichte.<\/li>\n<li>Zentralbanken sind in der W\u00e4hrungsgeschichte ein relativ junges Experiment, obwohl der \u201eStaat\u201c das metrische oder sogar faktische M\u00fcnzregal seit der Antike inne hatte. Noch j\u00fcnger ist die Absicht, realwirtschaftliche Entwicklungen durch einen Experten basierte Geldpolitik positiv beeinflussen und Stabilit\u00e4t f\u00f6rdern zu wollen. Tats\u00e4chlich ist das Gegenteil der Fall: Geldentwertung, Hyperinflationen und Finanzkrisen haben quantitativ und qualitativ seit der Einf\u00fchrung von Zentralbanken deutlich zugenommen. Wie Peter Bernholz zeigt, fanden alle 30 untersuchten Hyperinflationen bis auf eine Ausnahme nach 1914 im Jahrhundert der Zentralbanken statt. Zudem verzerrt politisiertes Geld Preise und Produktionsstrukturen.<\/li>\n<li>Ein Geldsystem, das eine Strategie der kontinuierlichen Geldmengenausweitung und damit Reduzierung der Kaufkraft verfolgt \u2013 bei j\u00e4hrlich 2% \u201ePreisniveauanstieg\u201c halbiert sich der Wert des Geldes alle 35 Jahren \u2013, verbessert weder die \u00f6konomische Leistungsf\u00e4higkeit noch die volkswirtschaftliche Stabilit\u00e4t. Zugleich hat sich der Versuch, Wirtschaftszyklen zu d\u00e4mpfen, als kontraproduktiv erwiesen (monet\u00e4rer Boom und Bust). Zentralbanken sind mit dem Doppelauftrag Preisniveaustabilisierung und Stimulierung des Wirtschaftswachstums bei nur einem verf\u00fcgbaren Mittel \u2013 Steuerung der Geldmenge \u2013 \u00fcberfordert. Derartige Zielkonflikte mehren sich mit der im Fall der EZB beabsichtigten \u00dcbertragung der Verantwortung f\u00fcr die Finanzmarktstabilit\u00e4t.<\/li>\n<li>Die Unabh\u00e4ngigkeit einer ohnehin kaum kontrollierten Zentralbank von politischem Einfluss ist grunds\u00e4tzlich unzureichend gesichert und der Unabh\u00e4ngigkeit im Wettbewerb stehender Institute unterlegen. Beh\u00f6rden, die wie die Fed wirtschaftlich nicht einmal gepr\u00fcft und deren Leiter wie bei der EZB nach politischer Ma\u00dfgabe ernannt werden, verf\u00fcgen \u00fcber weitreichende Steuerungsmacht. Ihre politische Perspektive l\u00e4dt zu politisch konformem Handeln gerade im Krisenfall ein. Banken retten Staaten, die wiederum Banken retten und anschlie\u00dfend durch die Zentralbank gerettet werden.<\/li>\n<li>Zentralbanken betreiben eine Form von Zentralplanwirtschaft. Sie konzentrieren und kontrollieren eine herausragende wirtschaftliche Institution in einem staatlichen Geldsystem. Das Expertenwissen der Zentralbanken reicht allerdings genauso wenig f\u00fcr die ad\u00e4quate und zeitgerechte Anpassung der Geldmenge an die Geldnachfrage wie es bei der Produktion von Autos, Stahl und S\u00fc\u00dfigkeiten durch Zentralplankomitees der Fall war. Die Unvollkommenheit menschlicher Erkenntnis bedarf keiner Zentralisierung mit der stets inh\u00e4renten \u201eAnma\u00dfung von Wissen\u201c. Der Markt ist in seiner Koordinations- und Entdeckungsfunktion allen anderen Mechanismen \u00fcberlegen. Das liegt an seiner dezentralen Koordination von Informationen durch Preissignale.<\/li>\n<li>Zentralbanken verursachen \u201eMoral hazard\u201c; sie gestatten es einem Akteur, die negativen Folgen seines Handelns auf andere Akteure ohne deren Zustimmung abzuw\u00e4lzen. Billiges Geld und die M\u00f6glichkeit, Verluste zu sozialisieren, sch\u00fcrt die Risikoneigung; Haftung und Entscheidung werden durch Bailouts entkoppelt. Die damit einhergehende Verzerrung der Anreizstruktur f\u00fchrt unweigerlich zu einem vermehrten Auftreten des ungew\u00fcnschten Verhaltens. Die Institutionalisierung eines \u201eKreditgebers letzter Instanz\u201c, der taumelnden Banken faul gewordene Forderungen abkauft, verwandelt nach und nach ein unternehmerisches Einzelrisiko in ein gesellschaftliches Systemrisiko.<\/li>\n<li>Monopole sind tr\u00e4ge und innovationsarm. Grundlegende Ver\u00e4nderungen stellen das System in Frage, das f\u00fcr die Politik alternativlos ist. Der Wettbewerb ist bekanntlich das beste Verfahren, um Anpassungen an unvorhersehbare Umst\u00e4nde und \u00c4nderungen zu gew\u00e4hrleisten. Es gibt keinen tragf\u00e4higen Grund, warum der \u201eWettbewerb als Entdeckungsverfahren\u201c (Friedrich A. von Hayek) und \u201eEntmachtungsinstrument\u201c (Franz B\u00f6hm) ausgerechnet beim Geld ausgeschlossen werden sollte. Geld erf\u00fcllt insbesondere nicht die Merkmale eines \u00f6ffentlichen Gutes.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zentralbanken sind staatliche Institutionen, die es auf einem freien Markt nicht geben w\u00fcrde. Sie h\u00fcten ein (nationales) Monopol, das per Gesetz geschaffen wurde und Wettbewerb verbietet. Das Monopol umfasst das Recht, eine zirkulierende ungedeckte Papierw\u00e4hrung auszugeben. Die Basisgeldmenge wird von Experten bestimmt, die mit der Generierung von Wissen auf M\u00e4rkten und deren Koordinationsf\u00e4higkeit unm\u00f6glich mithalten k\u00f6nnen. F\u00fcr die Kreditgeldsch\u00f6pfung durch die Gesch\u00e4ftsbanken gibt es keine wirksame Schranke im Wissen darum, dass die Zentralbank im Teilreservesystem als Kreditgeber letzter Instanz agiert und systemrelevante Gesch\u00e4ftsbanken mit staatlichen Subventionen vor dem Konkurs bewahrt werden. Bemerkenswerterweise w\u00e4re ein monet\u00e4res Wettbewerbssystem mit einer Zentralplanwirtschaft unvereinbar. So erhalten wenige Menschen viel Macht \u2013 ohne wirksame Kontrolle. Fehler werden zentralisiert, Lernen wird mangels Sanktionen f\u00fcr Fehlverhalten erschwert. Wilhelm R\u00f6pke urteilte daher: \u201eErst die Papierw\u00e4hrung hat uns gelehrt, was das Wort ,Inflation\u2019 bedeutet, ja es gibt kaum eine einzige Papierw\u00e4hrung, die nicht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter der Entwertung anheim gefallen ist, weil die verantwortliche Regierung entweder nicht imstande war oder gar nicht die Absicht hatte, die Geldmenge knapp zu halten.\u201c Manches spricht daf\u00fcr, dass Finanzsystem und Realwirtschaft ohne Zentralbank flexibler und effizienter arbeiten k\u00f6nnen \u2013 bei gr\u00f6\u00dferer Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i><strong>Angebots- statt Nachfrageorientierung<\/strong> <\/i><i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentlicher Unterschied zwischen Zentralbanken und einer wettbewerblichen Geldordnung besteht in der Angebotsorientierung der Zentralbanken und der Nachfrageorientierung eines freien Geldwesens. Dieses Merkmal unterscheidet bekanntlich auch Zentralplanwirtschaft und Marktwirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis fast zur Mitte des 19. Jahrhunderts war ein freies Geldwesen keine akademische Finger\u00fcbung f\u00fcr Sonderlinge, sondern eine intensiv diskutierte Realit\u00e4t, die ausgezeichnet funktionierte wie das Beispiel Schweden zeigt. Erst nach der Peel\u2019schen Bankakte von 1844 sind Zentralbanken zum Dogma geworden. Die undogmatische Alternative des Free Banking geriet hingegen weitgehend in Vergessenheit. Gleichwohl bestanden Geldwesen, die dem Free Banking nahe kamen, noch bis in das 20. Jahrhundert hinein. Der amerikanische \u00d6konom Kurt Schuler konstatiert: \u201eFree Banking war gebr\u00e4uchlich im Britischen Empire, dem Orient und in Amerika. Selten kam es dagegen vor in Nord- und Osteuropa, Afrika, dem Mittleren Osten und in Kolonien, au\u00dfer den britischen.\u201c Erfolgsbeispiele finden sich in China (bereits vor 1000 Jahren), Brasilien und Schottland. Insbesondere in kleinen L\u00e4ndern, gut dokumentiert z.B. f\u00fcr Schottland und Schweden, konnte sich Free Banking erfolgreich entwickeln. Die regulierende Rolle des Staates variierte dabei; Beschr\u00e4nkungen betrafen vielfach das Ausma\u00df, Banknoten im Verh\u00e4ltnis zum vorhandenen Kapital ausgeben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Free Banking l\u00e4sst sich in Anlehnung an Vera C. Smith definieren als ein wettbewerbliches Geldwesen, in dem Geld emittierende Banken genauso wie andere Unternehmen ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit nachgehen k\u00f6nnen so lange sie im Einklang mit den allgemeinen Handels- und Unternehmensgesetzen im Einklang stehen. Folglich ist es f\u00fcr eine Bank m\u00f6glich in den Markt einzutreten, sobald sie Gewinnm\u00f6glichkeiten aufzeigen, ausreichend Kapital sammeln und das Vertrauen der \u00d6ffentlichkeit in die Bank und ihr Geld gewinnen kann. Eine Erlaubnis ben\u00f6tigt sie hingegen nicht. Einer besonderen Regulierung unterliegt sie ebenfalls nicht; vielmehr hat sie die gleichen Rechte und Handlungspflichten wie alle anderen Akteure im Wirtschaftsleben auch \u00c2\u00ad\u2013 Freiheit und Haftung gehen Hand in Hand. Ihre Banknoten sind Zahlungsversprechen (\u201epromises to pay\u201c) und eintauschbar in was auch immer das Basisgeld ist, historisch zumeist Gold (und Silber). Unter dem Goldstandard w\u00fcrde jede Bank, die dieser Selbstverpflichtung nicht nachkommt, als bankrott gelten und liquidiert werden; ihr Verm\u00f6gen w\u00fcrde unter den Gl\u00e4ubigern verteilt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Welcher W\u00e4hrungsstandard ist der richtige?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein freies, gedecktes Geldwesen ist auf zweierlei Weise m\u00f6glich: Volldeckung oder Teildeckung mit Einl\u00f6sungsverpflichtung. In einem Geldwesen mit Volldeckung sind Banken keine Geldproduzenten, sondern lediglich Lagerst\u00e4tten f\u00fcr Geld, die das Verwahrungsgesch\u00e4ft \u00fcbernehmen und zus\u00e4tzlich Zahlungsverkehrsdienste anbieten k\u00f6nnen, darunter das Vermittlungsgesch\u00e4ft von Krediten. Im Kreditgesch\u00e4ft leiten sie ausschlie\u00dflich vorhandene Geldbest\u00e4nde weiter. Die volkswirtschaftliche Geldmenge bleibt durch die Aktivit\u00e4ten der Banken unver\u00e4ndert, da diese selbst kein Geld emittieren, sondern lediglich Lagerhaltungsscheine ausgeben, die den Halter berechtigen, jederzeit die Herausgabe einer entsprechenden Warenmenge (in der Regel Gold oder Silber) zu verlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verfechter eines Vollreservesystems sehen in der Ausgabe von Geld, das nicht durch Depositen gedeckt ist, ein betr\u00fcgerisches Handeln. Sie gehen davon aus, dass jede Vermehrung der Geldmenge Auswirkungen zu Lasten Dritter hat (Geldentwertung, Konjunkturzyklen). Ferner vertreten sie die Auffassung, dass auf freien M\u00e4rkten gedecktes Geld lediglich teil- oder ungedecktes Geld verdr\u00e4ngen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorteil eines Vollreservesystems mit einer Einl\u00f6sungsverpflichtung in Gold besteht darin, dass das Geld in einem festen Goldpreis nominal verankert ist. Ein solches wertstabiles Geld ist einfach zu handhaben und insofern unabh\u00e4ngig von politischen Einfl\u00fcssen und Partikularinteressen: \u201eGold hat die vorteilhafte Eigenschaft, nicht der Haftung eines souver\u00e4nen Herausgebers zu unterliegen und ist daher unabh\u00e4ngig von dessen Zahlungsf\u00e4higkeit, Redlichkeit oder Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr politische Wechsel.\u201c urteilt Lawrence H. White. \u00c2\u00a0Gutes Geld w\u00fcrde vermutlich zur Herausbildung einer internationalen W\u00e4hrungsgemeinschaft f\u00fchren, bei der lediglich unterschiedliche Denominationen desselben Basisgeldes auftreten. Der internationale Goldstandard des 19. Jahrhunderts vermittelt n\u00e4herungsweise einen Eindruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Geldwesen ohne Schw\u00e4chen: Wie jede Warengeldw\u00e4hrung beeinflusst das Goldangebot respektive die Goldproduktion das Verh\u00e4ltnis des Preises des Ankermediums im Verh\u00e4ltnis zu den allgemeinen Preisen. Zugleich ist die Geldmenge durch die Goldmenge beschr\u00e4nkt. Immerhin tendiert ein Goldw\u00e4hrungssystem langfristig zur nominalen Preisstabilisierung, da es automatische Ausgleichsmechanismen gibt. Im 19. und 20. Jahrhundert traten auch keine exogenen Angebots- und Nachfrageschocks auf. Inflations- oder Deflationstendenzen bestehen nur interimistisch. Die langfristige Entwicklung w\u00e4re sogar leicht deflation\u00e4r, weil die nat\u00fcrlichen Goldvorkommen ersch\u00f6pfbar sind \u2013 ein optimaler Entwicklungspfad nach Milton Friedman.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl besteht ein systematisches Risiko in den Vertragsbeziehungen bei Gold (oder anderen Waren zur Deckung), da Gl\u00e4ubiger von nicht antizipierten Erh\u00f6hungen des Goldpreises profitieren und im Gegenzug Schuldner von unvorhergesehenem Sinken. Auf den Goldpreis l\u00e4sst sich also wetten. Und aufgrund der unzureichenden Angebotselastizit\u00e4t sind kurzfristige Preisniveauschwankungen absehbar. Der Schwachpunkt von Vollreservesystemen liegt also erstens in der Wertentwicklung des Einl\u00f6semediums. Zweitens kann eine variierende Geldnachfrage bei gleichbleibender Geldmenge die \u00fcbrigen G\u00fcterpreise monet\u00e4r beeinflussen: Wenn die Geldnachfrage steigt und das Geldangebot unver\u00e4ndert bleibt, dann m\u00fcssen sich nach der Quantit\u00e4tsgleichung die Preise \u00e4ndern. Das Volldeckungssystem kann folglich eine \u00c4nderung des relativen Preisgef\u00fcges nach sich ziehen. Das ist unvereinbar mit der Forderung, dass Preise die unverf\u00e4lschten Pr\u00e4ferenzen der Marktteilnehmer widerspiegeln sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Volldeckungssysteme hatten historisch nie lange Bestand. Das lag nicht am Staatsinterventionismus, vielmehr wurden Teildeckungssysteme wegen der Zinszahlungen auf Einlagen und fehlenden Lagergeb\u00fchren bevorzugt. Zudem hielten die Anleger die Reserven f\u00fcr ausreichend, um die Cash-Nachfrage zu befriedigen. Stets spielte die Solvenz, nicht die Liquidit\u00e4t die entscheidende Frage. Obwohl es ausreichend Gelegenheit f\u00fcr 100%-Gesch\u00e4ftsmodelle gab, haben sich diese nicht etabliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i>Teilreservesysteme: Einl\u00f6severpflichtung und Geldsch\u00f6pfung<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die entscheidende Frage, die ein Volldeckungssystem von anderen freien Geldwesen trennt, lautet in Anlehnung an George Selgin: Sollen Gesch\u00e4ftsbanken Geld sch\u00f6pfen d\u00fcrfen? Konkret: Sollte es Gesch\u00e4ftsbanken erlaubt sein, \u00fcber ihre Reserve an Basisgeld hinaus, jederzeit einl\u00f6sbare Zahlungsversprechen in Form von Geld (einschlie\u00dflich Depositen und Banknoten) auszugeben? Und sollte es ihnen dar\u00fcber hinaus sogar erlaubt sein, Geld auszugeben, das sich nicht in Basisgeld eintauschen l\u00e4sst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wesentlich f\u00fcr die Beantwortung dieser Frage sind die Aspekte monet\u00e4res Gleichgewicht und potenzielle Sch\u00e4digung Dritter. Das monet\u00e4re Gleichgewicht, also die (tempor\u00e4re) \u00dcbereinstimmung von Geldangebot und Geldnachfrage, ist die Herausforderung jedes Geldwesens schelchthin. Beim Free Banking dient das Gewinnmotiv der Koordination. Das geschieht wie historische Beispiele illustrieren im Rahmen eines Clearingsystems.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teilgedeckte Geldwesen sind Ergebnisse eines Evolutionsprozesses, in dessen Mittelpunkt das Bem\u00fchen stand, die Kosten f\u00fcr die Abwicklung monet\u00e4rer Transaktionen zu verringern. Im Laufe der Zeit wurde zun\u00e4chst der physische Transport des Warengeldes unterlassen \u2013 es entwickelten sich Transfer- und Girobanken. Angesichts gro\u00dfer ungenutzter Warengeldbest\u00e4nde in den Tresoren der Banken, gingen sie dazu \u00fcber, Kreditgeld zu schaffen. Banken verliehen deponiertes Warengeld gegen Zahlung eines Zinses als Kredite, was eine banktechnische Innovation darstellte. Lediglich eine Vorsichtsreserve wurde zur\u00fcckgehalten. Das war aufgrund der Fungibilit\u00e4t des Geldes und des Gesetzes der gro\u00dfen Zahlen m\u00f6glich. Geldh\u00e4user als Depositenstellen verwandelten sich in Finanzintermedi\u00e4re. Innengeld entstand, d.h. emittiertem Geld stand kein physisches Warengeld mehr gegen\u00fcber, sondern Schulden anderer Wirtschaftssubjekte (Au\u00dfengeld = Einl\u00f6semedium). Dadurch entstand eine indirekte Beziehung zwischen Schuldner, Gl\u00e4ubiger und Emissionsbank. Die Vermittlung von Krediten war mit einer Fristentransformation verbunden. Gegenseitig akzeptierten Emissionsbanken vertrauensw\u00fcrdige Noten zun\u00e4chst in bilateralem Austausch, sp\u00e4ter multilateral durch ein Verrechnungssystem. Folglich wurde eine verminderte Reservehaltung m\u00f6glich, was weiter sinkende Kosten zur Folge hatte. Daraus entstanden Clearingh\u00e4user, die selbst zu einer Teildeckung der bei ihnen gehaltenen Guthaben \u00fcbergehen k\u00f6nnen, was wiederum Kosten senkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem freien Geldwesen m\u00fcssen Geldanbieter mangels Zwang eines gesetzlichen Zahlungsmittels die Nachfrager dazu bewegen, das von ihnen emittierte Geld als Noten und Depositen zu halten. Sie stehen dabei im Wettbewerb mit anderen Geldanbietern. Die Qualit\u00e4t des Geldes und der Dienstleistungen der Bank, darunter \u00d6ffnungszeiten, Informationspolitik, Geb\u00fchren und Personal spielen eine zentrale Rolle. Entscheidend ist die Vertrauensw\u00fcrdigkeit, die durch eine strikte Einhaltung des Einl\u00f6seversprechens gest\u00e4rkt werden kann. Die Kosten f\u00fcr die Liquidit\u00e4t und die Verzinsung f\u00fcr Depositen sind ebenfalls ma\u00dfgebliche Aspekte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie funktioniert die Steuerung der Geldmenge? Die Banken reduzieren bei steigender Geldnachfrage ihre Reserves\u00e4tze. Der Ausgleich von Kreditvergabe (Investition) und Geldhaltung (Ersparnis) kommt im nat\u00fcrlichen Zins zum Ausdruck an dem sich der Bankzinssatz ausrichtet. Sollte eine Bank ihren Zins (Darlehenszins) unter den nat\u00fcrlichen Zins absenken, dann wird zwar die ausgegebene Geldmenge ausgeweitet. Allerdings verliert die Bank \u00fcber den Clearingmechanismus Basisgeld, sobald das Publikum nicht bereit ist, das zus\u00e4tzlich ausgegebene Geld zu halten, sondern es abzieht. Umgekehrt entstehen Banken (und ihren Kunden) unn\u00f6tige Kosten aufgrund \u00fcberh\u00f6hter Liquidit\u00e4tsreserven. \u00dcberschreitet eine Bank ihre Liquidit\u00e4tsreserve, so kann das zur Illiquidit\u00e4t f\u00fchren, es sei denn, die Bank erh\u00e4lt von anderen Finanzinstituten oder einem Clearinghaus einen Kredit, der gegen h\u00f6here Zinsen bzw. Strafzinsen vergeben wird. Bei einer \u00dcberemission wirkt also ein automatischer Signal- und Korrekturmechanismus: das Prinzip der \u201eadverse clearings\u201c. Eine \u00dcberemission f\u00fchrt zu einem negativen Clearingsaldo und kann gegen\u00fcber anderen Banken nur durch einen Verlust an Warengeldreserven ausgeglichen werden. Einer expansiven Geldpolitik sind so automatisch Grenzen gesetzt. Der Anreizautomatismus sorgt auch daf\u00fcr, dass sich Kredit- und Depositenzinsen an den nat\u00fcrlichen Zins anpassen. Das Geldangebot folgt flexibel der Geldnachfrage, ohne das gegebene Preisniveau zu beeinflussen. In einem monopolistischen Geldsystem werden hingegen mangels Automatismus Boom- und Bust-Zyklen durch Abkopplung vom nat\u00fcrlichen Zins hervorgerufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorteilhaft gerade im Vergleich zum Volldeckungssystem ist, dass die Geldnachfrage verzugslos bedient werden kann. Dadurch entfallen monet\u00e4re Ungleichgewichte und monet\u00e4re Konjunkturzyklen, zumindest aber werden diese verk\u00fcrzt, was auch f\u00fcr Anpassungsprozesse bei \u201esticky prices\u201c relevant ist. Infolgedessen entfallen Fehlallokationen von Ressourcen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorwurf des Bankenruns geht weitgehend ins Leere.<b> <\/b>Das Beispiel des Sturms an der B\u00f6rse von 1907 illustriert dies anschaulich.<b> <\/b>Robert F.<b> <\/b>Bruner und Sean D. Carr kommen in ihrer Studie \u00fcber die Panik von 1907 zu dem Urteil: \u201eRuns k\u00f6nnten somit ein rationales Mittel sein, die Leistung von Banken zu \u00fcberwachen und Banken auf primitive Weise zu zwingen, ihren Anlegern offenzulegen, ob sie \u00fcber ausreichend Aktiva und Reserven verf\u00fcgen.\u201c Tats\u00e4chlich waren Bankenruns au\u00dferhalb der USA eine Seltenheit. In Amerika spielte die spezifische Banken- und Geld-Regulierung eine ma\u00dfgebliche Rolle als Krisentreiber. Zugleich wurde die schwere Finanzkrise 1907 ohne Staatshilfe \u00fcberwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i>Reputation als Perspektive?<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich August von Hayek konstatierte: \u201eBislang war die Kontrolle des Geldes noch nie in den H\u00e4nden von Institutionen, deren alleiniges und ausschlie\u00dfliches Interesse darin lag, dem Publikum ein Geld anzubieten, das von ihm unter mehreren angebotenen Arten als bestes gew\u00e4hlt wurde, und deren Existenz gleichzeitig davon abhing, dass sie die von ihm geweckten Erwartungen erf\u00fcllten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir nicht wissen wie pr\u00e4ferenzgerechte monet\u00e4re Institutionen und gutes Geld im Detail ausgestaltet sein sollten, sollte diese Entdeckung dem Wettbewerb und damit den unabh\u00e4ngigen Bestrebungen vieler Menschen \u00fcberlassen bleiben. Monopolisierte Systeme gleichen Evolutionsblockaden und Sackgassen. Bezeichnenderweise werden private Monopole gezielt zerschlagen. Ob sich vollgedecktes, konvertibilit\u00e4tsbasiertes oder gar reputationsbasiertes, also ungedecktes Geld auf einem freien Markt durchsetzen wird, l\u00e4sst sich prognostizieren, aber nicht mit Sicherheit vorhersagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hayek bezweifelt die Notwendigkeit, private Umlaufmittel in ein Reservemedium einl\u00f6sen zu m\u00fcssen. Entscheidend sei vielmehr, dass auf einer vertrauensw\u00fcrdigeren Basis gewirtschaftet werden m\u00fcsse, n\u00e4mlich \u00f6konomischem Druck infolge von Gewinnstreben und unternehmerischem Risiko, die staatlichen Institutionen fremd sind. Warum soll das Publikum Geld nicht auch als qualitativ hochwertig erachten, wenn der Emittent keine Konvertibilit\u00e4tsverpflichtung eingeht? Das kann dann der Fall sein, wenn die Reputation des Emittenten als Qualit\u00e4tssicherung gen\u00fcgt: \u201eQualitativ hochwertiges Geld wird im Markt mit einem Aufschlag in Form einer Qualit\u00e4tspr\u00e4mie angeboten. Diese Qualit\u00e4tspr\u00e4mie wird nicht im Markt erodiert, sondern h\u00e4lt sich \u00fcber einen leistungskonformen Qualit\u00e4tswettbewerb mit einem Aufbau von Vertrauenskapital.\u201c urteilt Paul Terres.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i>Ordnung der Freiheit<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marktwirtschaft und freies Geldwesen mit Haftung sind zwei korrespondierende Ordnungen. Preis und Zins bilden dann den nat\u00fcrlichen Koordinationsmechanismus. Das Schulder-Gl\u00e4ubiger-Verh\u00e4ltnis bleibt \u00fcber die Zeit hinweg wertbest\u00e4ndig. Langfristiges Denken und Handeln wird so unterst\u00fctzt. Verstreutes Wissen kann optimal genutzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wettbewerb ist ein Entdeckungs- und Lernprozess, ein Selektions- und Innovationsprozess. Es gibt keinen \u00fcberzeugenden Grund Geld von einer freien marktwirtschaftlichen Ordnung auszunehmen. Vielmehr wird der Wettbewerb absehbar auch auf anderen Feldern besser funktionieren, sobald ein freies Geldwesen wertbest\u00e4ndiges Geld in der jeweils ben\u00f6tigten Menge bereitstellt. Ein freies Geldwesen bringt die geeigneten Anreize f\u00fcr eine echte Qualit\u00e4tssicherung des Geldes mit sich. Erforderlich ist lediglich ein freier Handel mit Geld \u00e4quivalent zum Freihandel mit anderen G\u00fctern. Ein erster Schritt besteht darin, das Monopol wie bei der Telekommunikation und Post zu \u00f6ffnen, indem neben das gesetzliche auch private Zahlungsmittel treten d\u00fcrfen. Dabei muss die staatliche Akzeptanz im Minimum jede W\u00e4hrung umfassen, die von der zust\u00e4ndigen staatlichen Beh\u00f6rde (BaFin, FINMA) gepr\u00fcft und deren Geldhaus als solvent angesehen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von un\u00fcbersch\u00e4tzbarem politischen Wert ist die entstehende Dezentralisation von Macht. Hinzu kommen die Entpolitisierung des wichtigsten Tauschmittels und eine Begrenzung ausufernder Staatsverschuldung. Gedecktes wie reputationsbasiertes Geld d\u00fcrfte zudem der geradezu mythologischen Staatsgl\u00e4ubigkeit entgegen wirken. Die weitreichende Entmachtung und damit einhergehende Entflechtung privater und staatlicher Partikularinteressen bef\u00f6rdern eine funktionsf\u00e4hige und menschenw\u00fcrdige Wirtschaftsordnung. Ein freies Geldwesen sorgt \u2013 historisch bew\u00e4hrt \u2013 f\u00fcr ein funktionsf\u00e4higeres Preissystem und echte Geldwertstabilit\u00e4t, es erm\u00f6glicht freien Marktzugang, sch\u00fctzt das Privateigentum vor schleichender Umverteilung und gew\u00e4hrt Vertragsfreiheit auch in W\u00e4hrungsbelangen. Insbesondere dem Haftungsprinzip w\u00fcrde wieder zur Geltung verholfen werden und die Wirtschaftspolitik w\u00fcrde sich verstetigen. Der Staat w\u00e4re auf die Sicherung der Spielregeln beschr\u00e4nkt, w\u00fcrde aber nicht in den Wirtschaftsprozess eingreifen. Zugleich kann der Staat nicht Spielball von Interessengruppen wie systemrelevanten Banken werden. Ein freies Geldwesen st\u00e4rkt somit den zur\u00fcckgenommenen Staat \u2013 und \u00fcber den Primat von Recht und Freiheit eine funktionsf\u00e4hige, menschenw\u00fcrdige Wirtschaftsordnung.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das politische Experiment einer gemeinsamen europ\u00e4ischen W\u00e4hrung ist an den selbst gesteckten Anspr\u00fcchen gemessen gescheitert. Der Euro sollte \u00f6konomische Stabilit\u00e4t und politische Einheit bringen. 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