{"id":14347,"date":"2014-02-22T00:01:39","date_gmt":"2014-02-21T23:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14347"},"modified":"2014-02-21T18:51:00","modified_gmt":"2014-02-21T17:51:00","slug":"die-waehrungskrisen-sind-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14347","title":{"rendered":"Die W\u00e4hrungskrisen sind zur\u00fcck!"},"content":{"rendered":"<p>Die W\u00e4hrungskrisen in den Schwellenl\u00e4ndern sind zur\u00fcck! Argentinien, T\u00fcrkei, Russland, Indien und Brasilen sind in vorderster Front vom Absturz ihrer W\u00e4hrungen betroffen. Die geplante geldpolitische Straffung in den USA bringt die Zentralbanken der aufstrebenden Welt unter Druck. Zwei Modellgenerationen von W\u00e4hrungskrisen helfen die j\u00fcngsten Entwicklungen zu verstehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Krise in Argentinien geht mit der ersten Generation von W\u00e4hrungskrisenmodellen konform, die mit Blick auf Lateinamerika in den 1970er Jahren geschaffen wurde (z.B. Krugman 1979). Bei festen Wechselkursen werden zu hohe Staatsausgaben \u00fcber die Notenbank finanziert. Steigender Inflationsdruck unterminiert die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen, Spekulation antizipiert den Zusammenbruch des Festkurses und beschleunigt den Weg in die W\u00e4hrungs- und Staatsschuldenkrise.<\/p>\n<p>In Argentinien bek\u00e4mpften wechselnde Regierungen die Krise seit dem Jahr 2002 mit zus\u00e4tzlichen Ausgaben, die mit der Geldpresse finanziert wurden. Den resultierenden Inflations- und Abwertungsdruck versuchte man mit Preiskontrollen und Barrieren gegen Kapitalflucht einzud\u00e4mmen. Dies lie\u00df den offiziellen und den Schwarzmarktkurs des Dollars auseinanderdriften. J\u00fcngst konnte die Regierung dem spekulativen Abwertungsdruck auf den Peso nicht mehr standhalten und lockerte die Kapitalverkehrskontrollen. Abwertung, Inflation und Krise nehmen ihren Lauf. Die Schockwellen, die von Argentinien ausgehen, d\u00fcrften jedoch gering bleiben, da das Land seit 2002 weitgehend von den internationalen Kapitalm\u00e4rkten abgeschnitten ist.<\/p>\n<p>Anders eine gro\u00dfe Gruppe von aufstrebenden Volkswirtschaften, die seit 2002 \u2013 mit einer Z\u00e4sur um das Jahr 2008 \u2013 Ziel hoher Kapitalzufl\u00fcsse war. Getrieben von den Niedrigzinspolitiken in den gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern wurden \u2013 weitgehend unabh\u00e4ngig vom Wechselkursregime \u2013 gro\u00dfe Devisenreserven angeh\u00e4uft, die Geldbasis ausgeweitet und das Kreditwachstum beschleunigt. Die Ziell\u00e4nder der Kapitalstr\u00f6me gl\u00e4nzten mit hohen Wachstumsraten. F\u00fcr die Nachhaltigkeit von Kapitalzufl\u00fcssen ist es jedoch entscheidend, ob mit den internationalen Krediten renditetr\u00e4chtige Investitionen oder Konsum und Spekulation finanziert werden.<\/p>\n<p>In Folge der Asienkrise wurde durch die dritte Modellgeneration von W\u00e4hrungskrisen das Entstehen von nicht-nachhaltigen Investitionen vor dem Hintergrund unterentwickelter Finanzm\u00e4rkte nachgebildet (Corsetti \/ Pensenti \/ Roubini 1999). Spekulative Kapitalzufl\u00fcsse in die s\u00fcdostasiatischen Wunderstaaten hatten nicht nur Investitionen, Export und Wachstum gen\u00e4hrt. Es waren auch zunehmend Investitionsprojekte mit niedrigen erwarteten Renditen (\u00dcberinvestition) sowie Spekulation auf den Aktien- und Immobilienm\u00e4rkten finanziert worden. Da die Kapitalm\u00e4rkte in aufstrebenden Volkswirtschaften unterentwickelt sind, wurden langfristige Investitionen, die Renditen in inl\u00e4ndischer W\u00e4hrung generierten, mit kurzfristigen, fremdw\u00e4hrungsdenominierten Krediten finanziert, In den Bilanzen der Gesch\u00e4ftsbanken waren damit wachsende W\u00e4hrungs- und Laufzeitungleichgewichte entstanden (McKinnon und Schnabl 2004).<\/p>\n<p>Mit dem Platzen der \u00dcberinvestitions- und Spekulationsblasen drehten sich die internationalen Kapitalfl\u00fcsse. Die W\u00e4hrungen werteten stark ab und die ausl\u00e4ndische Verschuldung gerechnet in Inlandsw\u00e4hrung wurde dramatisch aufgeblasen. Die Bankensektoren der s\u00fcdostasiatischen Staaten wurden in den Kollaps gest\u00fcrzt. Das Wirtschaftswunder fand sein j\u00e4hes Ende. Krisen nach dem Muster der dritten Modellgeneration drohen nun in den L\u00e4ndern, die seit 2001 der aus der rasanten Anh\u00e4ufung von Devisenreserven resultierenden Ausweitung der Geldbasis nicht ausreichend entgegengewirkt haben.<\/p>\n<p>Die Abbildung zeigt f\u00fcr zwei L\u00e4ndergruppen die Auswirkungen des geldpolitischen Managements der Kapitalzufl\u00fcsse auf die durchschnittlichen Leistungsbilanzen (als Anteil am BIP). Die Krisenstaaten der Asienkrise \u2013 Thailand, S\u00fcdkorea, Philippinen und Malaysia \u2013 haben aus alten Fehlern gelernt. Sie haben bei rasanter Ausweitung der Devisenreserven und Geldbasis durch umfangreiche Sterilisierungsma\u00dfnahmen die Kreditvergabe der Gesch\u00e4ftsbanken eingeschr\u00e4nkt. In der Praxis wurden insbesondere die Mindestreserveanforderungen deutlich erh\u00f6ht oder Zentralbankbonds verkauft. Inflation\u00e4rer Druck auf G\u00fcter- und Finanzm\u00e4rkten wurde reduziert, sodass die Leistungsbilanzsalden zu \u00dcbersch\u00fcssen tendierten und sogar Nettoauslandsverm\u00f6gen gebildet wurde.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu wurde in Indien, Brasilien, T\u00fcrkei und S\u00fcdafrika weniger sterilisiert. Der Preisdruck auf den G\u00fcter- und Finanzm\u00e4rkten war st\u00e4rker, so dass sich strukturelle Leistungsbilanzdefizite gebildet haben. Dadurch stieg die in Fremdw\u00e4hrung denominierte Auslandsverschuldung, was die L\u00e4nder heute verwundbar f\u00fcr Abwertungsdruck macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schnabl2014.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Leistungsbilanzsalden\" alt=\"Leistungsbilanzsalden\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schnabl2014.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Das f\u00fchrt zu Frage nach den wirtschaftspolitischen Fehlern. Die These des IWF in Folge der Asienkrise, dass flexible Wechselkurse die s\u00fcdostasiatischen Staaten aufgrund der h\u00f6heren Wechselkursunsicherheit vor spekulativen Kapitalzufl\u00fcssen h\u00e4tten sch\u00fctzen k\u00f6nnen, d\u00fcrfte inzwischen widerlegt sein. Viele der jetzt von W\u00e4hrungskrisen bedrohten Staaten haben vergleichsweise flexible Wechselkurse verfolgt. Doch wie H\u00c3\u00a9l\u00c3\u00a8ne Rey (2013) deutlich macht, ist in einer Welt sehr expansiver Geldpolitiken in den gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern die geldpolitische Autonomie in den aufstrebenden Volkswirtschaften unabh\u00e4ngig vom Wechselkursregime eine Illusion. Denn sehr schmerzhafter Aufwertungsdruck zwingt die Zentralbanken in Dollark\u00e4ufe und\/oder Zinssenkungen. Die Ank\u00fcndigung flexibler Wechselkurse kann sogar als Einladung zu risikoloser Spekulation auf Aufwertung gesehen werden, wie dies auch die Schweiz erleben musste. Somit kann heute nur noch durch Kapitalverkehrskontrollen geldpolitische Freiheit schaffen werden. China hat dies vorgemacht.<\/p>\n<p>Weiten sich die Krisen in der Aufstrebenden Welt aus, wird man deshalb wohl bald auf zu expansive Geldpolitiken und zu hohes Kreditwachstum in den Bankensektoren der Krisenl\u00e4nder verweisen. Zudem d\u00fcrfte argumentiert werden, dass engmaschigere Kapitalverkehrskontrollen ratsam gewesen w\u00e4ren. Doch vielleicht lohnt sich auch der Blick nach Washington, wo der Schl\u00fcssel f\u00fcr die finanzmarktgetriebenen Boom-und-Krisen-Zyklen in den aufstrebenden Volkswirtschaften liegt. Denn ohne drastische Zinssenkungen gegen Null und mehrere Runden quantitativer Lockerung w\u00e4re der N\u00e4hrboden f\u00fcr die heutigen Krisen in der aufstrebenden Welt erst gar nicht geschaffen worden.<\/p>\n<p>In den j\u00fcngsten Stellungnahmen zur geldpolitischen Straffung haben die Verantwortlichen der Federal Reserve Bank vorsorglich die aufstrebenden Volkswirtschaften ausgeklammert. Es wird sich zeigen, ob sich die Federal Reserve von den m\u00f6glichen Krisen in der aufstrebenden Welt wirklich isolieren kann. Denn bringt eine Krise in der aufstrebenden Welt kreditgebende US-Finanzinstitute in die Klemme, k\u00f6nnte der geplante geldpolitische Ausstieg der Federal Reserve schnell auf die F\u00fc\u00dfe fallen.<\/p>\n<h4>Literatur:<\/h4>\n<ol>\n<li>Corsetti, Giancarlo \/ Pesenti, Paolo \/ Roubini, Nouriel 1999: Paper Tigers? A Model of the Asian Crisis. <em>European Economic Review<\/em> 43, 1211-1236.<\/li>\n<li>Krugman, Paul 1979: A Model of Balance-of-Payments Crises. <em>Journal of Money, Credit, and Banking<\/em> 11, 3, 311-325.<\/li>\n<li>McKinnon, Ronald \/ Schnabl, Gunther 2004: The East Asian Dollar Standard, Fear of Floating, and Original Sin. <em>Review of Development Economics<\/em> 8, 3, 331-360.<\/li>\n<li>Rey, H\u00c3\u00a9l\u00c3\u00a8ne 2013: Dilemma or Trilemma: The Global Financial Cycle and Monetary Policy Independence. <em>Voxeu<\/em> 31.8.2013.<\/li>\n<\/ol>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die W\u00e4hrungskrisen in den Schwellenl\u00e4ndern sind zur\u00fcck! 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