{"id":14539,"date":"2014-03-31T00:01:52","date_gmt":"2014-03-30T23:01:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14539"},"modified":"2014-04-03T15:17:59","modified_gmt":"2014-04-03T14:17:59","slug":"die-werte-der-wirtschaft-1der-leistungsgedanke-in-unserer-gesellschaft-einige-anmerkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14539","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Werte der Wirtschaft (1)<\/font><br \/>Der Leistungsgedanke in unserer Gesellschaft \u2013 Einige Anmerkungen"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuelle gro\u00dfe Koalition ist gewillt, weitere staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft vornehmen. Die Marktwirtschaft soll damit noch ein St\u00fcck sozialer werden. Ideen wie Mindestl\u00f6hne und M\u00fctterrente stehen auf der neuen Sozial-Agenda der Bundesregierung. Interessant dabei ist, dass von der Idee des Forderns und F\u00f6rderns der h\u00e4ufig gescholtenen Hartz-Gesetze damit nicht einmal abger\u00fcckt wird. Denn Mindestlohn oder M\u00fctterrente wollen nicht jene alimentieren, die nicht leisten, sondern jene, die zwar leisten, deren Leistung man innerhalb der bisherigen Regeln aber nicht ausreichend anerkannt glaubt. Um das genauer zu beleuchten, ist ein kurzer Diskurs \u00fcber den Wert der Leistung angebracht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was definiert unsere Wirtschaft als Leistung? <\/strong><\/p>\n<p>Leistung bzw. Leistungsbereitschaft ist ein zentraler Wert f\u00fcr die fortdauernde Existenz einer jeden Marktwirtschaft. Nur wenn die Bev\u00f6lkerung das Leistungsprinzip akzeptiert, wird sie den Regeln einer Wettbewerbsordnung zustimmen. Leistung wird in einer Marktwirtschaft honoriert. Denn das marktwirtschaftliche System beruht auf Anreizen. Anreize f\u00f6rdern die Leistungsbereitschaft. Leistung wird entlohnt durch Gegenleistung, sie f\u00fchrt zu Wohlstand und Erfolg. Allerdings ist Leistung dabei anders spezifiziert als im \u00fcblichen Sprachgebrauch. Drei verschiedene Definitionen f\u00fcr Leistung sind m\u00f6glich:<\/p>\n<ul>\n<li>Leistung kann Anstrengung bedeuten. Wer sich physisch, psychisch oder geistig mehr anstrengt, leistet mehr (erste Definition).<\/li>\n<li>Leistung kann zudem zeitlichen Aufwand bedeuten. Wer l\u00e4nger arbeitet, erbringt mehr Leistung. Die Leistung beinhaltet den Verzicht auf Freizeit (zweite Definition).<\/li>\n<li>Leistung kann aber auch ergebnisorientiert definiert werden. Wer etwas produziert, was knapp ist und stark nachgefragt ist, leistet ebenfalls \u2013 eventuell auch ohne die oben genannten Anstrengungen zu erbringen oder zeitlichen Aufwand zu haben (dritte Definition).<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einer Marktwirtschaft definiert sich der Leistungsbegriff nach der Produktivit\u00e4t bei der Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen sowie nach der Zahlungsbereitschaft der K\u00e4ufer f\u00fcr die hergestellten G\u00fcter. Wettbewerb erf\u00fcllt nach Erhard Kantzenbach f\u00fcnf Funktionen, darunter in statischer Sicht die Gew\u00e4hrleistung der Konsumentensouver\u00e4nit\u00e4t, die optimale Allokation der Produktionsfaktoren und die leistungsgerechte Verteilung der Markteinkommen (Schmidt, 2012, S.14f.). Markteinkommen werden nach Leistung verteilt. Leistung wird ergebnisorientiert definiert, die Bewertung der Leistung h\u00e4ngt davon ab, welchen Wert ihr derjenige beimisst, dem sie zu Gute kommt.<\/p>\n<p>Eine Leistungsgesellschaft ist eine Gesellschaft, in der die pers\u00f6nlichen in diesem Sinne erbrachten Leistungen des Einzelnen f\u00fcr seine soziale Stellung, sein Ansehen, seinen Erfolg und seinen Wohlstand ausschlaggebend sind. Wird Leistung in der Gesellschaft als positiv wahrgenommen, so z\u00e4hlt sie zu den Werten, die eine Gesellschaft verbinden. Leistungsbereitschaft stellt aber auch, wenn die Gesellschaft Leistung als Wert erachtet, f\u00fcr den Einzelnen keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit dar. Denn Leistung kostet zumeist die oben genannten Anstrengungen, zwingt zum Verzicht auf Freizeit oder erfordert gute Ideen und Kreativit\u00e4t. Damit ist Leistung zumeist von M\u00fchsal begleitet. Dementsprechend ben\u00f6tigt es Anreize, um sich selbst oder andere Menschen zur Leistung zu motivieren. Eine funktionierende Marktwirtschaft belohnt Leistung, sorgt so f\u00fcr Anreize. Ausschlaggebend hierf\u00fcr ist der Preismechanismus. Wer aus Sicht der K\u00e4ufer Wertvolles erstellt, erh\u00e4lt hierf\u00fcr einen hohen Preis. Wer am Arbeitsplatz aus der Sicht seines Arbeitgebers besonders produktiv ist, erh\u00e4lt einen hohen Lohn. L\u00f6hne, Zinsen und Preise honorieren die Marktleistungen. Sie belohnen allerdings lediglich Leistungen nach der dritten genannten Definition. Die Aufgabe der Wettbewerbsordnung ist es, im Rahmen eines funktionierenden Preissystems Leistungswettbewerb zu erm\u00f6glichen. Dieser soll zum einen Anreize zur bestm\u00f6glichen Erf\u00fcllung der Konsumentenw\u00fcnsche und zum anderen zur kostenminimalen Produktion der Waren und Dienstleistungen anhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>F\u00fcr wie wichtig halten wir Leistungsbereitschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Der Wert der Leistung wird von jedem Deutschen unterschiedlich wahrgenommen. Die nachfolgende Grafik stellt das Ergebnis einer Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung dar (2012). Sie gibt Aufschluss dar\u00fcber, inwiefern Leistung hierzulande als sehr wichtig gesehen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Abbildung1\" alt=\"Abbildung1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Leistungsbereitschaft wird f\u00fcr eine gut funktionierende Gesellschaft insgesamt von 46% der Befragten als sehr wichtig empfunden, wobei zwischen der Auffassung dieses Wertes im Westen (45%) und im Osten (47%) kaum Unterschiede zu erkennen sind. Auffallend sind die altersspezifischen Unterschiede: Unter den 25- bis 34-J\u00e4hrigen sehen lediglich 40% in der Leistungsbereitschaft einen wichtigen Wert, wohingegen unter den \u00fcber 60-J\u00e4hrigen die Zustimmung zur Aussage, Leistungsbereitschaft sei sehr wichtig, mit 50% \u00fcberdurchschnittlich hoch ausf\u00e4llt. Dies erlaubt zwei unterschiedliche m\u00f6gliche Interpretationen: Zum einen ist es denkbar, dass jungen Menschen sich der Wert der Leistung noch nicht im selben Umfang erschlie\u00dft wie \u00e4lteren Menschen. Zum anderen ist es aber auch eine plausible Erkl\u00e4rung, dass die heute junge Generation andere Wertvorstellungen als die \u00e4ltere hat. Dies w\u00fcrde einen Wandel des Leistungswertes implizieren.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der verschiedenen Bildungsgruppen l\u00e4sst sich erkennen, dass Hauptsch\u00fcler (49%) und Realsch\u00fcler (48%) dem Wert der Leistung einen h\u00f6heren Stellenwert beimessen als Absolventen von Gymnasium (43%) und Universit\u00e4t bzw. Fachhochschule (43%). Im Vergleich der Berufsgruppen empfinden die Freiberufler und Selbstst\u00e4ndigen (50%) die Leistungsbereitschaft als sehr wichtig f\u00fcr eine gut funktionierende Gesellschaft, w\u00e4hrend nur 38% der Beamten der Leistungsbereitschaft einen hohen Stellenwert zuschreiben. Dies deckt sich mit den unterschiedlichen Anforderungen des Wirtschaftslebens an diese beiden Gruppen: W\u00e4hrend Freiberufler und Selbstst\u00e4ndige kontinuierlich dem Wettbewerbsprozess ausgesetzt und damit zur Leistung gezwungen sind, sind Beamte diesem Prozess weitgehend entzogen.<\/p>\n<p>Die Zahlen der Friedrich-Naumann-Stiftung geben leider keinerlei Auskunft dar\u00fcber, welche der oben genannten drei Definitionen des Begriffes Leistung Grundlage der Einsch\u00e4tzung der Befragten zur Bedeutung des Wertes Leistung bilden. Vermutlich stellen sich die Befragten aber eher Anstrengungen k\u00f6rperlicher oder geistiger Art sowie zeitlichen Aufwand als eine h\u00f6here Produktivit\u00e4t unter dem Begriff Leistung vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wollen wir Geschenke der Gesellschaft ohne eigene Gegenleitung?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die dauerhafte Existenz eines wettbewerblichen Systems ist es ein Eckpfeiler, dass die Menschen Leistung nach der dritten Definition als wertvoll erachten und honoriert sehen wollen. Ist dies nicht der Fall \u2013 sind die Menschen mehrheitlich der Auffassung, Leistung nach der dritten Definition solle nicht belohnt werden \u2013 ist die Implementierung einer Wettbewerbsordnung in einer Gesellschaft schwierig. Die Diskussion etwa um die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens macht dies besonders deutlich: Ihre Bef\u00fcrworter sind der Auffassung, dass Einkommen k\u00f6nne auch oder solle sogar entkoppelt von der Leistung gezahlt werden. Ihre Gegner hingegen stellen die Anreizproblematik ins Zentrum ihrer Ablehnungsgr\u00fcnde. Ein bedingungsloses Grundeinkommen nimmt den Menschen Anreize zur Leistung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was versteht man unter dem bedingungslosen Grundeinkommen?<\/strong><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13583\">bedingungslose Grundeinkommen<\/a> stellt eine staatliche Leistung dar, die jedem einzelnen B\u00fcrger von Geburt an ausbezahlt werden soll. Das bedingungslose Grundeinkommen soll dazu dienen, nicht nur die blo\u00dfe Existenz zu sichern, sondern auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erm\u00f6glichen. Die Zahlung des bedingungslosen Grundeinkommens erfordert keine Pr\u00fcfung der Bed\u00fcrftigkeit des B\u00fcrgers; das bedingungslose Grundeinkommen ist unabh\u00e4ngig von Alter, Einkommen, Familienstand oder Besch\u00e4ftigungsstatus. Der Bezug des bedingungslosen Grundeinkommens setzt keinerlei Leistungsbereitschaft voraus.<\/p>\n<p>Von der Vielzahl der Vorschl\u00e4ge und Ideen sind die folgenden in den letzten Jahren besonders prominent: Der ehemalige th\u00fcringische Ministerpr\u00e4sident Dieter Althaus (CDU) setzt sich f\u00fcr ein Solidarisches B\u00fcrgergeld ein. Sein Modell sieht ein Grundeinkommen (maximal 600\u20ac) zuz\u00fcglich einer pauschalisierten Gesundheitspr\u00e4mie vor. Das Grundeinkommen wird als negative Einkommensteuer ausbezahlt. Basierend auf der Idee der Selbstbestimmung schl\u00e4gt der Unternehmer G\u00f6tz W. Werner ein Grundeinkommen vor, das alle bisherigen Sozialleistungen weitgehend ersetzen soll. Die Partei DIE LINKE diskutiert ein Grundeinkommensmodell, das aufgrund der anstrebten H\u00f6he von bis zu 1000\u20ac vor allem Armut reduzieren soll. Die \u201eGr\u00fcne Grundsicherung\u201c sieht pauschale Einkommen von 500-700\u20ac pro Monat sowie erg\u00e4nzende Leistungen und Angebote im Bereich sozialer Infrastruktur vor. Die <a href=\"http:\/\/www.boell.de\/de\/navigation\/wirtschaft-soziales-2987.html\" target=\"blank\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a> oder der Beitrag von Dominik H. Enste (2008) bieten einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber Idee und konkrete Vorschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung eines bedingungslosen Grundeinkommens ist bei den Deutschen \u00e4hnlich umstritten wie die Bedeutung des Leistungswertes. Viele Deutsche sind der Meinung, wer viel leistet, soll auch dementsprechend gut entlohnt werden, wohingegen jemand, der wenig oder gar nicht leistet, eine geringere oder gar keine Gegenleistung erhalten soll. Aus dem World Values Survey, der die Frage stellte, ob es besch\u00e4mend sei, Geld zu erhalten, ohne daf\u00fcr zu arbeiten, l\u00e4sst sich erkennen, dass 41% der Deutschen der Meinung sind, dass staatliche Geldleistungen ohne jegliche Gegenleistung des Empf\u00e4ngers besch\u00e4mend seien. 32,8% &#8211; also immerhin jeder Dritte \u2013 sieht in staatlichen Leistungen ohne Erbringen einer Gegenleistung hingegen kein Problem.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Abbildung2\" alt=\"Abbildung2\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb2.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Offen bleibt dabei die Frage, aus welchen Motiven manche Personen es nicht besch\u00e4mend finden, staatliche Leistungen ohne jegliche Gegenleistung zu beziehen. Viele Menschen, die eine staatliche Leistung erhalten, ohne daf\u00fcr zu arbeiten, erhalten diese, weil sie krank oder arbeitsunf\u00e4hig sind und damit nicht in der Lage sind zu arbeiten. Wer nicht f\u00e4hig ist, etwas zu leisten, habe ein Anrecht auf gesellschaftliche Hilfe und m\u00fcsse sich daf\u00fcr nicht sch\u00e4men. Dies k\u00f6nnte genauso ein Grund sein wie die Auffassung, jeder Mensch habe auch ohne eine eigene Leistung ein Anrecht auf Zuweisung gesellschaftlicher Ressourcen. Die Umfrage kl\u00e4rt dies nicht auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Abbildung3\" alt=\"Abbildung3\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb3.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Der Einf\u00fchrung eines bedingungslosen Grundeinkommens steht die deutsche Bev\u00f6lkerung grunds\u00e4tzlich positiv gegen\u00fcber. Die Zustimmung bei Arbeitslosen, Hausfrauen\/-m\u00e4nnern, Auszubildenden und aus anderen Gr\u00fcnden Nichterwerbst\u00e4tigen ist dabei \u00fcberdurchschnittlich hoch. Von Erwerbst\u00e4tigen und Rentnern hingegen wird das Grundeinkommen weniger bef\u00fcrwortet. In der Einf\u00fchrung des bedingungslosen Grundeinkommens wird zudem die Gefahr gesehen, die Empf\u00e4nger eines Grundeinkommens verl\u00f6ren die Motivation zur Arbeit und seien mit den staatlichen Leistungen vollkommen zufrieden. Laut einer Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen der Gesellschaft f\u00fcr Angewandte Wirtschaftsforschung mbH von 2010 erwarten 45% der Deutschen einen R\u00fcckgang des gesamten Arbeitsangebots. 31% vermuten, es komme zu keiner relevanten Ver\u00e4nderung (Gesellschaft f\u00fcr Angewandte Wirtschaftsforschung mbH, 2010). 39% der Deutschen sind zudem der Meinung, dass bei Einf\u00fchrung des bedingungslosen Grundeinkommens die Leistungsanreize fallen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Abbildung4\" alt=\"Abbildung4\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb4.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ist Leistung eine Pflicht gegen\u00fcber der Gesellschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist es in einer Marktwirtschaft jedermann selbst \u00fcberlassen, ob er leisten will und dementsprechend eine Gegenleistung erhalten m\u00f6chte, um sich einen h\u00f6heren Lebensstandard sowie Erfolg und Anerkennung zu sichern. Dies ist eine Konsequenz daraus, dass in unserer Gesellschaft Freiheit respektive Selbstverwirklichung ebenfalls zentrale Werte sind. Das Leistungsethos ist jedoch f\u00fcr die Weiterentwicklung und den Fortschritt einer Gesellschaft wichtig. Daher kann Leistung auch als gesellschaftliche Pflicht betrachtet werden. Die folgende Grafik veranschaulicht, inwiefern Leistung hierzulande als verpflichtend angesehen wird. 66,2% aller Deutschen empfinden Leistung als eine Pflicht der Gesellschaft gegen\u00fcber. 12,1% fassen den Wert der Leistung nicht als gesellschaftliche Pflicht auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Abbildung5\" alt=\"Abbildung5\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb5.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Soll mehr Leistung besser entlohnt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst scheint es plausibel, dass jemand, der sich physisch, psychisch oder geistig mehr anstrengt als andere, der mehr Zeit aufwendet oder seinen Job produktiver erledigt, auch eine h\u00f6here Verg\u00fctung als andere bezieht. Betrachtet man z.B. zwei Sekret\u00e4rinnen, die beide dieselbe B\u00fcrot\u00e4tigkeit verrichten, wobei die eine Sekret\u00e4rin wesentlich schneller, sorgsamer und demzufolge auch effektiver arbeitet als die andere, so scheint es grunds\u00e4tzlich plausibel, dass die produktivere Leistung auch entsprechend besser entlohnt wird. Die nachfolgende Grafik stellt dar, inwiefern die Deutschen eine h\u00f6here Entlohnung in diesem Falle als gerechtfertigt ansehen. Die Auswertung l\u00e4sst deutlich erkennen, dass bei Erbringen einer h\u00f6heren Leistung eine dementsprechende h\u00f6here Verg\u00fctung von fast allen Befragten als fair angesehen wird (82,9%).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb6.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Abbildung6\" alt=\"Abbildung6\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neum_abb6.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Werden Personen nicht leistungsad\u00e4quat entlohnt, st\u00f6\u00dft dies in unserer Gesellschaft oft auf Unverst\u00e4ndnis. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Erstens kann es an der unterschiedlichen Definition des Leistungsbegriffs liegen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Fris\u00f6r etwa erbringt Leistungen, denen in der Bev\u00f6lkerung nur ein geringer Wert beigemessen wird und die dementsprechend niedrig entlohnt werden. Dabei handelt es sich vor allem um Leistungen nach der ersten und zweiten Definition. Die geringe Entlohnung, die sich aus der Zahlungsbereitschaft ergibt, wird von vielen Menschen aber als nicht fair empfunden. Die breite Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung zur Einf\u00fchrung eines gesetzlichen Mindestlohnes spiegelt dies wider.<\/li>\n<li>Einige Spitzensportler, die hingegen wohlm\u00f6glich nur ihrem Hobby nachgehen, erhalten eine sehr hohe Entlohnung. Dies deckt sich nicht mit dem Leistungsbegriff nach erster und zweiter Definition und wird daher in der Bev\u00f6lkerung oft kritisch gesehen. Die Zahlungsbereitschaft f\u00fcr ihre Auftritte ist jedoch sehr hoch, was ihre Entlohnung am Markt nach der dritten Definition rechtfertigt. Die Diskussion dar\u00fcber, ob etwa einige Fu\u00dfballspieler nicht doch zu viel verdienen und es Gehaltsobergrenzen geben sollte, rei\u00dfen jedoch nicht ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch die Idee der Einf\u00fchrung der Rente mit 63 Jahren folgt diesem Empfinden. Wer 45 Jahre Beitr\u00e4ge eingezahlt habe, der hat seine (Lebens-)Leistung erbracht und ein Anrecht darauf, ohne Abz\u00fcge in Rente zu gehen. Das Bundesministerium f\u00fcr Arbeit und Soziales begr\u00fcndet explizit, die Rente mit 63 sei eine Belohnung f\u00fcr Personen, die bereits in jungen Jahren ins Arbeitsleben eingestiegen sind und \u00fcber Jahrzehnte hinweg durch Besch\u00e4ftigung, Pflege sowie Kindererziehung ihren Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung geleistet haben.<br \/>\nZweitens kann eine als ungerecht empfundene Entlohnung auch aus Produktivit\u00e4tsgesichtspunkten verfehlt sein. Dies ist entweder der Fall, wenn eine nicht vom Staat korrigierte Situation der Marktmacht oder des anomalen Arbeitsangebots vorliegt, oder (was weit h\u00e4ufiger der Fall sein d\u00fcrfte), wenn der Bereich, in dem die Leistung erbracht werden soll, nicht als Markt organisiert ist. Auff\u00e4llig wird dies daher z.B. bei Staatsbediensteten, die sich nicht dem Wettbewerb stellen m\u00fcssen, oder im Haushalt, wo die Arbeitsteilung ebenfalls nicht den Marktgesetzen folgt.<\/p>\n<ul>\n<li>Schon fast sprichw\u00f6rtlich ist die Faulheit des deutschen Beamten. Staatsbedienstete erhalten eine nicht direkt von ihrer Leistung abh\u00e4ngige Entlohnung, dementsprechend gilt ihr Leistungsanreiz als gering. Dies f\u00fchrt zur Volksweisheit, die Leistung des Beamten sei sein Gehalt nicht wert.<\/li>\n<li>Im Haushalt hingegen wird eine Leistung erbracht, f\u00fcr die keine Entlohnung gezahlt wird. Die Erziehung von Kindern wird als selbstverst\u00e4ndlich angesehen, obwohl eine gute Erziehung Grundlage f\u00fcr motivierten und leistungsstarken Nachwuchs ist. Allerdings wird in einem Haushalt zumeist gemeinsam (demokratisch oder diktatorisch) von einer Person \u00fcber die Aufteilung der Ressourcen und die zu erbringenden Leistungen entschieden. Ein Handel, wie er Marktwirtschaften kennzeichnet, kommt so nicht zustande. Dies f\u00f6rdert in der Bev\u00f6lkerung den Eindruck, Leistung im Haushalt werde nicht entsprechend wertgesch\u00e4tzt. Dies ist der Punkt, an dem die Idee der M\u00fctterrente ansetzt. Sie soll die soziale Absicherung der Rentnerinnen, die vor 1992 Kinder erzogen haben, verbessern. Die M\u00fctterrente soll \u2013 so das Arbeits- und Sozialministerium \u2013 die erbrachte Erziehungsleistung anerkennen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt wird deutlich, dass der Wert der Leistung hierzulande nicht die Zustimmung erf\u00e4hrt, die er in einer Marktwirtschaft haben sollte. Zum einen liegt dies daran, dass viele Menschen eher Anstrengungen und zeitlichen Aufwand honoriert sehen wollen als eine hohe Produktivit\u00e4t, zum anderen existiert in vielen Bev\u00f6lkerungsgruppen offenbar die Auffassung, Leistung sei f\u00fcr das Beziehen eines Einkommens nicht notwendig und auch nur von begrenzter Bedeutsamkeit f\u00fcr das gesellschaftliche Zusammenleben. Trotzdem sind die Umfrageergebnisse insgesamt ermutigend: Es besteht in der Gesellschaft ein breiter Konsens, dass Leistung wichtig ist und entsprechend entlohnt werden solle.<\/p>\n<h4>Quellen<\/h4>\n<p>Enste, Dominik H. (2008), Bedingungsloses Grundeinkommen &#8211; Traum oder Albtraum f\u00fcr die Soziale Marktwirtschaft, Roman Herzog Institut Information Nr. 5, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Eucken, Walter (1990): Grunds\u00e4tze der Wirtschaftspolitik, 6. Auflage, T\u00fcbingen<\/p>\n<p>Friedrich-Naumann-Stiftung f\u00fcr die Freiheit (2012), Deutscher Wertemonitor, Berlin<\/p>\n<p>Fritsch, Michael, Thomas Wein und Hans-J\u00fcrgen Ewers (1993): Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 1. Auflage, M\u00fcnchen<br \/>\nGesellschaft f\u00fcr Angewandte Wirtschaftsforschung mbH (2010), Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen, Gesellschaft f\u00fcr Angewandte Wirtschaftsforschung mbH, Innsbruck<\/p>\n<p>Schmidt, Ingo (2012): Wettbewerbspolitik und Kartellrecht, 9. Auflage, Stuttgart<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wvsevsdb.com\/wvs\/WVSAnalizeQuestion.jsp\" target=\"blank\">World Values Survey<\/a>, Datenbankabruf am 05.01.2014<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle gro\u00dfe Koalition ist gewillt, weitere staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft vornehmen. Die Marktwirtschaft soll damit noch ein St\u00fcck sozialer werden. 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