{"id":14704,"date":"2014-04-12T00:01:51","date_gmt":"2014-04-11T23:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14704"},"modified":"2014-04-11T15:51:07","modified_gmt":"2014-04-11T14:51:07","slug":"varianten-des-kapitalismusdie-maer-vom-besseren-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14704","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Varianten des Kapitalismus<\/font><br>Die M\u00e4r vom besseren Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>Gibt es einen besseren Kapitalismus? Die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008\/9 hat diese Debatte wiederbelebt. Manch einer nimmt an, dass es sich bei der Sozialen Marktwirtschaft um diesen besseren Kapitalismus handelt.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> An die Spitze der Bewegung stellt sich kein geringerer als die deutsche Bundeskanzlerin. Eben erst warb sie auf ihrem Staatsbesuch in London f\u00fcr das \u201eEurop\u00e4ische Wirtschaftsmodell\u201c. Das ist nicht neu. Schon 2009 propagierte sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das deutsche Modell als Alternative zur liberalen Marktwirtschaft. Die Briten wiederum stehen dem skeptisch gegen\u00fcber. So ist nicht zuletzt das Gef\u00fchl eines <i>institutionellen Mismatch<\/i> ein wichtiger Faktor f\u00fcr die Euroskepsis der Insel. Doch selbst der Papst fordert nun einen \u201ebesseren\u201c Kapitalismus.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Varianten des Kapitalismus<\/b><\/p>\n<p>Die Debatte nimmt Bezug auf eine Theorie, die mit \u201eVarianten des Kapitalismus\u201c bezeichnet wird. Sie wird in der Regel auf Michel Alberts <i>Capitalisme contre Capitalisme<\/i> (Albert, 1991) zur\u00fcckgef\u00fchrt. Doch schon Shonfield (1965) trifft die Aussage, es g\u00e4be mehr als ein Modell der kapitalistischen Gesellschaft. Als Vertreter der These gelten weiterhin u.a. Sapir (2005), Esping-Andersen (1990), Hall\/Soskice (2001), Whitley (1999), Whittington (2001) oder Streeck (1997). \u00c2\u00a0Eine ausf\u00fchrliche Literature Review zum Thema findet sich in K\u00f6gel (2013).<\/p>\n<p>Der Kern der Theorie von Varianten des Kapitalismus besteht in der Aussage, dass der zeitgen\u00f6ssische Kapitalismus in verschiedenen Auspr\u00e4gungen vorliegt. Diese Wirtschaftsmodelle unterscheiden sich in wesentlichen gesellschaftlichen, institutionellen und \u00f6konomischen Parametern. Bedeutende Unterschiede werden gesehen im Bereich des Sozialstaats, der Arbeitsm\u00e4rkte, der Finanzm\u00e4rkte, der Rolle der Institutionen, aber auch im Bereich der Innovation. Als Archetypen gelten das sogenannte <i>Rheinmodell<\/i>, auch als <i>koordinierte Marktwirtschaft<\/i> bezeichnet, und die <i>angels\u00e4chsische liberale Marktwirtschaft<\/i>. Vertreter des ersten sind u.a. Deutschland, \u00d6sterreich, die skandinavischen L\u00e4nder aber auch Japan, Repr\u00e4sentanten des zweiten u.a. die USA sowie Gro\u00dfbritannien. Handelt es sich also bei der Rheinischen (\u201esozialen\u201c) Marktwirtschaft oder bei der angels\u00e4chsich-liberalen um das bessere Kapitalismusmodell?<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Notwendigkeit einer quantitativen Untersuchung<\/b><\/p>\n<p>Erstaunlich, vor dem Hintergrund der offenkundigen Bedeutung dieses Themas \u2013 schlie\u00dflich soll das Ph\u00e4nomen gem\u00e4\u00df der Theorie nahezu jedes Feld des Wirtschaftslebens beeinflussen \u2013 ist, wie diese Debatte in der Wissenschaft gef\u00fchrt wird \u2013 wenn sie denn \u00fcberhaupt gef\u00fchrt wird. Bef\u00fcrworter des einen wie des anderen Modells haben ihre Argumente an der Hand, doch nur selten Zahlen, um sie auch zu belegen. Dabei mag ein Blick auf die Fakten durchaus hilfreich sein. Eine Untersuchung des Gegenstands mit der richtigen Methodik (K\u00f6gel, 2013) l\u00e4sst den Schluss zu, dass es sich bei \u201eVarianten des Kapitalismus\u201c tats\u00e4chlich um Gruppen von Volkswirtschaften handelt, die sich bezogen auf eine Kombination von Eigenschaften innerhalb einer Gruppe stark \u00e4hneln und zwischen den Gruppen unterscheiden. Dabei handelt es sich um nicht-triviale volkswirtschaftliche und institutionelle Parameter. Die Frage, ob ein Modell eine Alternative zum anderen darstellt, muss auf Basis ihres Erfolgs bewertet werden. Auch hier ist ein Blick auf die Zahlen hilfreich, wie diese Untersuchung zeigen wird.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Eine Untersuchung des Erfolgs<\/b><\/p>\n<p>Die Frage nach dem Erfolg unterschiedlicher Kapitalismusmodelle ist so alt wie die Debatte \u00fcber die Varianten des Kapitalismus selbst. Sie steht vielleicht gar an deren Ausgangspunkt. Schon in der fr\u00fchen Literatur zum Thema werden die Varianten des Kapitalismus als zwei Systeme im Wettbewerb dargestellt. Es geht, wie es einer der Vertreter der Theorie formuliert hat, um \u201edie globale Hegemonie im wirtschaftlichen Denken und Handeln\u201c. Welches Modell besonders propagiert wird, \u00e4ndert sich von Zeit zu Zeit.<\/p>\n<p>Die Frage nach den Unterschieden im Abschneiden verschiedener Varianten des Kapitalismus ist besonders im Hinblick auf die Frage der Zukunft, bzw. des Weiterbestehens der unterschiedlichen Modelle relevant. So sind viele Vertreter der Theorie der Auffassung, ein langfristig schlechteres Abschneiden eines Modells k\u00f6nne seinen eventuellen Umsturz zur Folge haben. Die im Rahmen der Literatur oft als die \u201eneoliberale Position\u201c bezeichnete Sichtweise auf die Thematik der Varianten des Kapitalismus ist ohnehin, dass eine Abweichung einer Gruppe L\u00e4nder von der optimalen Form der wirtschaftlichen Organisation \u2013 man w\u00fcrde vermuten vor dem Hintergrund volkswirtschaftlicher Theorie, weitestgehender wirtschaftlicher Freiheit \u2013 durch Abstriche bei der Leistungsf\u00e4higkeit \u201ebestraft\u201c wird.<\/p>\n<p>Vertreter des \u201eVarianten des Kapitalismus\u201c-Ansatzes hegen meist eine mehr oder minder explizit formulierte Pr\u00e4ferenz f\u00fcr die auch mit \u201e<i>Rheinmodell<\/i>\u201c bezeichnete <i>koordinierte Marktwirtschaft<\/i>. Gegner des Ansatzes pr\u00e4ferieren die <i>liberale<\/i> Marktwirtschaft und sehen sie als Modell f\u00fcr alle kapitalistischen L\u00e4nder. Es gibt allerdings auch Autoren, die davon ausgehen, dass es sich bei den hier als <i>koordinierte<\/i> und <i>liberale<\/i> Marktwirtschaften bezeichneten Kapitalismusvarianten um zwei sich langfristig ebenb\u00fcrtige Systeme handelt. Manch einer mag auch die Position vertreten, dass mehrere Varianten \u00e4hnliche wirtschaftliche Performanz aufweisen, bestimmte jedoch vorzuziehen seien, da sie gr\u00f6\u00dfere Einkommensgleichheit oder ein h\u00f6heres Ma\u00df an sozialer Sicherheit aufweisen, oder dass gar innerhalb gewisser Grenzen die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer schlechter abschneidenden Variante vorzuziehen ist, solange soziale Belange dort eher ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Die Unterschiedlichkeit der Positionen zu diesem Thema zeigt, wie dringend es angebracht ist, hier die Fakten zu kl\u00e4ren. Umso mehr verwundert es, dass dies bislang h\u00f6chstens ansatzweise unternommen wurde. Hall und Soskice zum Beispiel f\u00fchren als Beleg f\u00fcr ihre These der Gleichwertigkeit ihrer beiden Varianten zwar Zahlen zu BIP, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit an (Hall\/Soskice, 2001: 20), jedoch ohne den Beleg zu erbringen, dass die Werte systematisch und signifikant variieren (bzw. gem\u00e4\u00df ihrer Theorie eben nicht variieren).<\/p>\n<p>Entscheidend ist die Frage nach der systematischen und signifikanten Variation zwischen Gruppen. So war die wirtschaftliche Performanz Deutschlands in den letzten Jahren vor der Wirtschaftskrise zweifellos nicht zufriedenstellend, zumindest im direkten Vergleich mit den USA. Weniger klar ist, ob diese Aussage auch f\u00fcr das <i>Rheinmodell<\/i> im Vergleich zum Modell der <i>liberalen Marktwirtschaft<\/i> gilt.<\/p>\n<p>Ein solcher Nachweis ist leicht zu f\u00fchren. Die folgende Untersuchung nutzt Daten aus der Zeit vor der Finanzkrise, in der Annahme, dass wir uns derzeit noch immer in einer wirtschaftlichen Ausnahmesituation befinden. Eine einfache statistische Methodik, das zu bewerkstelligen, ist der t-Test. Er soll Aufschluss dar\u00fcber geben, ob die Kapitalismusvarianten unterschiedlich erfolgreich sind. Auf die Methodik soll an dieser Stelle nicht n\u00e4her eingegangen werden, sie geh\u00f6rt zum statistischen Grundwissen. Interessanter ist es, die Frage zu beantworten, woran denn nun der Erfolg gemessen werden soll.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Auswahl der zu untersuchenden Variablen, L\u00e4nder und Gruppen<\/b><\/p>\n<p>Eine Arbeit im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wird sich aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden zuerst f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg interessieren. Dieser kann zum einen als Bestandsgr\u00f6\u00dfe in Form von Wohlstand, oder als Flussgr\u00f6\u00dfe in Form von Wirtschaftswachstum gemessen werden. Als Ma\u00df f\u00fcr die Leistungsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft wird zudem die Produktivit\u00e4t angesehen. Ungeachtet dessen ist vielen Bef\u00fcrwortern der <i>koordinierten<\/i> Variante des Kapitalismus die soziale Komponente wichtiger. Sie w\u00e4ren durchaus bereit, f\u00fcr weniger Arbeitslosigkeit oder gr\u00f6\u00dfere Gleichheit auf ein gewisses Ma\u00df an wirtschaftlichem Wachstum zu verzichten, und in gewissem Rahmen einen Trade-Off zwischen \u201e<i>Equity<\/i>\u201c und \u201e<i>Efficiency<\/i>\u201c zu akzeptieren. Daher sollen die sozialen Indikatoren Arbeitslosigkeit, Besch\u00e4ftigung und Einkommensverteilung als weitere Performanzgr\u00f6\u00dfen dargestellt werden.<\/p>\n<p>Schon seit langen Jahren steht die Aussagekraft wirtschaftlicher Erfolgsindikatoren in der Diskussion. In diesem Kontext wird oft das Argument vorgebracht, wirtschaftlicher Wohlstand sei gar nicht das Ziel, schon gar nicht das alleinige Ziel vieler Menschen. Vielmehr st\u00fcnde die Lebensqualit\u00e4t im Mittelpunkt ihres Bestrebens. Olson, z.B., der als einer der ersten die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung in Frage stellte, schrieb schon 1969: \u201e[Economic indicators] leave out most of the things that make life worth living.\u201c Er f\u00e4hrt fort: \u201eDie bedeutendste Einschr\u00e4nkung nationaler Einkommensstatistiken ist, dass sie jene externen Kosten und Vorz\u00fcge nicht messen, die nicht in vollem Umfang in Marktpreisen abgebildet werden.\u201c Nationaler Wohlstand habe vielmehr auch mit nicht-monet\u00e4ren Gr\u00f6\u00dfen zu tun. Er nennt Kultur als Beispiel.\u00c2\u00a0 So wird manchmal davon ausgegangen, dass \u201edie Europ\u00e4er\u201c im Vergleich zu \u201eden Amerikanern\u201c ihrer Freizeit einen h\u00f6heren Stellenwert beimessen. Es sei daher nicht aussagekr\u00e4ftig, allein die H\u00f6he der Einkommen zu vergleichen. Die meisten Europ\u00e4er w\u00fcrden mehr Freizeit einem h\u00f6heren Einkommen vorziehen. Sind die B\u00fcrger <i>koordinierter<\/i> Marktwirtschaften also \u201earm aber gl\u00fccklich\u201c? Dieser Frage soll anhand der Indikatoren Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit und \u201estaatliche und private Ausgaben f\u00fcr Kultur und Freizeit\u201c nachgegangen werden.<\/p>\n<p>Die Polit\u00f6konomik sieht politische Entscheidungen als eine Frage des Machtgleichgewichts verschiedener\u00c2\u00a0 Interessensgruppen. Die Entscheidung f\u00fcr das eine oder andere Kapitalismusmodell k\u00f6nnte daher nicht nur davon abh\u00e4ngen, welches die besten gesamtwirtschaftlichen Ergebnisse aufweist, sondern welches bestimmten im politischen Prozess einflussreichen Bev\u00f6lkerungsgruppen am ehesten entgegenkommt. Das Fortbestehen des einen oder anderen Modells k\u00f6nnte davon abh\u00e4ngen, ob die Mitglieder dieser Interessengruppen \u201eihrem\u201c Modell weiterhin zutrauen, die f\u00fcr sie bestm\u00f6gliche Performanz abzuwerfen. Als solche Interessengruppen kommen beispielsweise in Frage: die Gruppe der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer, die \u201eSoziallobby\u201c oder die Gruppe der Unternehmer. Oft wird in diesem Kontext auch der \u201eMedianw\u00e4hler\u201c genannt. M\u00f6glicherweise n\u00fctzt die <i>liberale<\/i> Marktwirtschaft mit ihrer gr\u00f6\u00dferen Effizienz ja \u201eden Reichen\u201c, aber die <i>koordinierte<\/i> Marktwirtschaft ist besser f\u00fcr \u201edie sozial Schwachen\u201c. Andererseits k\u00f6nnte sich gerade der Sozialstaat negativ auf den Zweck auswirken, f\u00fcr den er urspr\u00fcnglich entwickelt wurde: Ein langfristig schw\u00e4cheres Wirtschaftswachstum \u2013 bedingt durch die Kosten der sozialen Sicherheit \u2013 k\u00f6nnte gerade die unteren Schichten verst\u00e4rkt treffen und die <i>liberale<\/i> Marktwirtschaft k\u00f6nnte zwar ungleicher, aber dennoch besser f\u00fcr untere wie obere Bev\u00f6lkerungsschichten sein. Daher werden als die drei letzten Performanzindikatoren die Einkommen des obersten und des untersten Dezils ebenso wie das Medianeinkommen verglichen.<\/p>\n<p>Die verwendeten Daten sind OECD-Daten. Weitere Informationen k\u00f6nnen der in Tab. 1 dargestellten deskriptiven Statistik entnommen werden. Die L\u00e4nder, welche in die Analyse Eingang finden, sind Australien, Kanada, Irland, Neuseeland, Gro\u00dfbritannien und die USA f\u00fcr die Gruppe der <i>liberalen <\/i>Marktwirtschaften und \u00d6sterreich, Belgien, D\u00e4nemark, Finnland, Deutschland, Island, Japan, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Schweden und die Schweiz f\u00fcr die Gruppe der <i>koordinierten<\/i> Marktwirtschaften. Untersucht wird der Zweigruppenfall.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Unterstellt wird, dass es sich bei den real vorzufindenden Vertretern der Kapitalismusvarianten um eine Zufallsziehung aus der Grundgesamtheit der denkbaren oder theoretisch existierenden Vertreter des jeweiligen Modells handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/koegel1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Deskritvive Statistik\" alt=\"Deskriptive Statistik\" src=\"\/wordpress\/bilder\/koegel1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Ergebnisse<\/b><\/p>\n<p>Die Ergebnisse der t-Tests sind in Tab. 2 dargestellt. Die beiden Varianten unterscheiden sich bezogen auf Wohlstand (BIP pro Kopf), Arbeitslosigkeit und Besch\u00e4ftigung, Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit, Ausgaben f\u00fcr Freizeit und Kultur, die H\u00f6he von Medianeinkommen nicht signifikant. Sie unterscheiden sich bezogen auf Wirtschaftswachstum, Produktivit\u00e4t, Ungleichheit und die H\u00f6he der unteren Einkommen statistisch signifikant. Bezogen auf die H\u00f6he der oberen Einkommen liegen die Ergebnisse des t-Tests an der Grenze des signifikanten Bereichs.<\/p>\n<p>Dabei liegt im Durchschnitt das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in <i>liberalen<\/i> Marktwirtschaften unter dem der <i>koordinierten<\/i> (allerdings nicht signifikant), das durchschnittliche j\u00e4hrliche Wirtschaftswachstum (signifikant) \u00fcber dem der <i>koordinierten<\/i>, die Produktivit\u00e4t (signifikant) darunter.<\/p>\n<p>Die Arbeitslosigkeit in <i>liberalen <\/i>Marktwirtschaften war im langfristigen Durchschnitt (nicht signifikant) h\u00f6her als in <i>koordinierten<\/i>, die Besch\u00e4ftigung (nicht signifikant) geringer. Die Ungleichheit, gemessen am GINI-Koeffizienten, war (signifikant) gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/Koegel2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"t-Tests\" alt=\"t-Tests\" src=\"\/wordpress\/bilder\/Koegel2.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Bezogen auf die alternativen Perfomanzindikatoren ergibt sich f\u00fcr die <i>liberalen<\/i> Marktwirtschaften eine (nicht signifikant) geringere Lebenserwartung, eine (nicht signifikant) h\u00f6here Lebenszufriedenheit und (nicht signifikant) niedrigere Ausgaben f\u00fcr Freizeit und Kultur. Die Einkommen der unteren Einkommensgruppe waren in <i>liberalen<\/i> Marktwirtschaften (signifikant) geringer. Das Medianeinkommen war (nicht signifikant) geringer und das Einkommen der oberen Einkommensgruppe an der Grenze des statistisch Signifikanten h\u00f6her.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Es gibt keinen universell besseren Kapitalismus<\/b><\/p>\n<p>Wie sind diese Ergebnisse zu interpretieren? Zuerst einmal l\u00e4sst sich feststellen, dass die Ergebnisse die Aussage st\u00fctzen, wonach in den vergangenen Jahren beide Modelle in der Lage waren, ihren jeweiligen B\u00fcrgern ein hohes und vergleichbares Ma\u00df an Wohlstand zu garantieren. Es gab tats\u00e4chlich \u00fcber mindestens zehn Jahre zwei Erfolgsmodelle des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Aus der sozialen Perspektive stellt man hingegen fest: Die Menschen sind im <i>koordinierten<\/i> Kapitalismus signifikant gleicher. Dieses Mehr an Gleichheit geht in der Tat ohne systematische Nachteile bei Arbeitslosigkeit und Besch\u00e4ftigung einher. Einschr\u00e4nkend muss angemerkt werden: Dies belegt nicht, dass sich weniger Gleichheit nicht positiv auf beide Gr\u00f6\u00dfen auswirken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich Lebensqualit\u00e4t, Lebenserwartung und dem Stellenwert von Kultur und Freizeit schenken sich die Varianten des Kapitalismus nichts. Diese Faktoren sind offenbar von anderen Faktoren abh\u00e4ngig, nicht aber von der Zugeh\u00f6rigkeit zu der einen oder anderen Kapitalismusvariante.<\/p>\n<p>Sodann kann festgestellt werden: Dem Durchschnittsmenschen (Medianb\u00fcrger) kann es \u2013 zumindest bezogen auf seine eigene finanzielle Lage (Medianeinkommen) \u2013 relativ gleichg\u00fcltig sein, in welcher Variante des Kapitalismus er lebt. Es geht ihm deswegen in keiner der Varianten besser oder schlechter. Vielleicht mag dies ein Grund daf\u00fcr sein, dass beide Varianten ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stabiles Gleichgewicht darstellen. Auf den ersten Blick scheint der Medianw\u00e4hler in keinem Fall einen gro\u00dfen Anreiz zu haben, einen Systemwechsel zu w\u00fcnschen. Anders sieht die Lage f\u00fcr denjenigen aus, der sich an der Spitze oder am unteren Ende der Einkommensverteilung befindet: Untere Einkommen stehen im <i>koordinierten<\/i> Kapitalismus eindeutig besser da (p-Wert: 0,043), und zwar um rund 2.200 Dollar (KKP). Die oberen Einkommen hingegen haben ein ernsthaftes Interesse an der Einf\u00fchrung des <i>liberalen<\/i> Kapitalismus: Ihr Einkommen ist dort um 9.994 Dollar h\u00f6her (wenn auch nur auf einem Signifikanzniveau von 0,06). Dies scheint aus polit\u00f6konomischer Sicht die Annahme zu unterst\u00fctzen, dass die Frage, wie schlagkr\u00e4ftig die oberen bzw. unteren Einkommensgruppen organisiert sind, \u00fcber die gew\u00e4hlte Variante des Kapitalismus entscheidet.<\/p>\n<p>Des Weiteren l\u00e4sst sich feststellen, dass die <i>koordinierte<\/i> Variante der <i>liberalen<\/i> in der Tat in einem zentralen Punkt \u00fcberlegen ist: der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Diese \u00dcberlegenheit ist signifikant und von der Gr\u00f6\u00dfenordnung her nicht einmal klein. Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten m\u00f6gen im Gesetz des abnehmenden Grenznutzens zu finden sein (in <i>koordinierten<\/i> Marktwirtschaften wird weniger gearbeitet, deswegen produktiver), in einem h\u00f6heren Kapitaleinsatz in <i>koordinierten<\/i> Marktwirtschaften (da Arbeit teurer ist, wird sie durch Kapital substituiert) oder aber in der Erkl\u00e4rung, dass ein h\u00f6heres Ma\u00df an Kooperation zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu h\u00f6herer Produktivit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Ist also die Frage, welcher Variante man zugeh\u00f6ren m\u00f6chte, ausschlie\u00dflich eine Frage pers\u00f6nlicher Pr\u00e4ferenzen (die gut Situierten w\u00fcrden vom <i>liberalen<\/i> Kapitalismus profitieren, die sozial Schwachen vom <i>koordinierten<\/i>)? Ist die Frage der Wahl der Variante des Kapitalismus wirtschaftlich gleichg\u00fcltig? Ist der <i>koordinierte<\/i> Kapitalismus tats\u00e4chlich wirtschaftlich \u00fcberlegen (h\u00f6here Produktivit\u00e4t), wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders in Deutschland und Japan gemutma\u00dft wurde?<\/p>\n<p>Ganz so einfach ist die Antwort nicht, denn die Zahlen sagen auch aus: In einem Zeitraum von mehr als 10 Jahren lag das Wirtschaftswachstum in der Gruppe der <i>liberalen<\/i> L\u00e4nder um mehr als einen Prozentpunkt h\u00f6her als in den <i>koordinierten<\/i>. Das mag sich \u00fcber die Zeit der Wirtschaftskrise etwas relativiert haben, dennoch: Sollte sich dieser Trend weiter fortsetzen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die <i>liberalen<\/i> Marktwirtschaften die <i>koordinierten<\/i> auch bei anderen Faktoren hinter sich lassen. M\u00f6chten wir dies vermeiden, m\u00fcssen wir \u201eRhein-L\u00e4nder\u201c besser werden bei allem, was Wachstum schafft. Der \u201eSieger\u201c im Wettbewerb der Systeme wird also wohl langfristig \u00fcber die Frage der\u00c2\u00a0 Innovation entschieden.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchung lassen sich in zwei S\u00e4tzen zusammenfassen: Den \u201ebesseren\u201c Kapitalismus gibt es nicht. Die Frage nach dem \u201e\u00fcberlegenen\u201c Modell muss differenziert gesehen werden.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Albert, M. (1991): Capitalisme contre capitalisme, Paris.<\/p>\n<p>Esping-Andersen, G. (1990): The Three Worlds of Welfare Capitalism, Princeton.<\/p>\n<p>Hall, P.A. und D. Soskice (2001): Varieties of Capitalism: The Institutional Foundations of Comparative Advantage, Oxford.<\/p>\n<p>K\u00f6gel, D. (2013): Wettbewerbsvorteil durch Innovation und Unternehmertum in angels\u00e4chsisch-liberalen und rheinischen Volkswirtschaften: Eine empirisch diskriminatorische Untersuchung von \u201cVarianten des Kapitalismus\u201c\u009d, Frankfurt am Main (verf\u00fcgbar <a href=\"http:\/\/www.peterlang.com\/index.cfm?event=cmp.ccc.seitenstruktur.detailseiten&amp;seitentyp=produkt&amp;pk=74589&amp;cid=528&amp;concordeid=262791\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Sapir, A. (2005): Globalisation and the Reform of European Social Models, in: Bruegel Policy Contribution, Sept. 2005.<\/p>\n<p>Shonfield, A. (1965): Modern Capitalism \u2013 The Changing Balance of Public and Private Power, Oxford.<\/p>\n<p>Streeck, W. (1997): German Capitalism: Does it Exist? Can it Survive?, in: New Political Economy, 2(2), S. 237-256.<\/p>\n<p>Whitley, R. (1999): Divergent Capitalisms \u2013 The Social Structuring and Change of Business Systems, Oxford.<\/p>\n<p>Whittington, R. (2001): What is Strategy \u2013 and does it matter?, London.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Dabei verstehen ihre Bef\u00fcrworter unter Sozialer Marktwirtschaft meist ein Wirtschaftsmodell, das die Grunds\u00e4tze der Marktwirtschaft mit einem starken Sozialstaat verbindet, weniger die urspr\u00fcngliche Definition von Ludwig Erhard.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Es wird also zwischen zwei Modellen, der <i>liberalen Marktwirtschaft<\/i> (oft als <i>angels\u00e4chsischer Kapitalismus<\/i> bezeichnet) und der <i>koordinierten Marktwirtschaft<\/i> (bei Albert, 1991, als <i>Rheinmodell<\/i> bezeichnet und in enger Verbindung mit dem Begriff der <i>Sozialen Marktwirtschaft<\/i> stehend) unterschieden. Alternativ w\u00e4re eine Untersuchung auf drei oder mehrere Modelle hin denkbar, wie bei Esping-Andersen oder Sapir beschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zu &#8222;Varianten des Kapitalismus&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=120\">Globalisierung und Sozialstaat &#8211; Wettbewerb oder Koordination?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=157\">S&#8217;Weckle oder s&#8217;Zehnerle &#8211; Abschied von sozialpolitischen Illusionen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5426\">Keynes war gestern &#8211; oder doch nicht? Fiskalpolitik in der Krise<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8599\">Wir sind die 99 Prozent &#8211; Rettet &#8222;Occupy Wall Street&#8220; die Marktwirtschaft?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10738\">Was ist faul im Staate D\u00e4nemark? Flexicurity im H\u00e4rtetest<\/a><\/p>\n<h2 id=\"post-10738\"><a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Varianten des Kapitalismus&lt;\/small&gt;&lt;br \/&gt;Was ist faul im Staate D\u00e4nemark?&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;Flexicurity im H\u00e4rtetest&lt;\/small&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10738\" rel=\"bookmark\">\u00c2\u00a0<\/a><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 id=\"post-120\"><a title=\"Permanent Link to &lt;small&gt;&lt;span class=\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=120\" rel=\"bookmark\">\u00c2\u00a0<\/a><\/h3>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es einen besseren Kapitalismus? Die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008\/9 hat diese Debatte wiederbelebt. 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