{"id":14790,"date":"2014-04-21T00:01:44","date_gmt":"2014-04-20T23:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14790"},"modified":"2014-04-20T12:50:46","modified_gmt":"2014-04-20T11:50:46","slug":"qe-und-der-zim-dollar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14790","title":{"rendered":"QE und der Zim Dollar"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201cThe government\u2019s intervention into the monetary system is invariably inflationary.\u201c<\/em> <em>Murray N. Rothbard (1926 \u2013 1995), Egalitarianism as a revolt against nature and other essays, 2000, S. 233.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Im Euroraum sind die Preise der Lebenshaltung heute etwa 14 Prozent h\u00f6her als Anfang 2007: Der Warenkorb, f\u00fcr den damals 100 Euro zu bezahlen war, kostet nun knapp 114 Euro. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Lebenshaltungskosten folglich nicht gefallen, sie sind vielmehr gestiegen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig liegt das reale Einkommen, wenn auch nur leicht, heute unter dem Niveau, das Ende 2007 erzielt wurde. Da die Lebenshaltungskosten aber um 14 Prozent gestiegen sind, k\u00f6nnen sich die meisten Euro-B\u00fcrger heute weniger leisten als noch 2007.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/polleitqe.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Geldmenge im Euroraum\" alt=\"Geldmenge im Euroraum\" src=\"\/wordpress\/bilder\/polleitqe.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Auch die Preise f\u00fcr viele Anleihen sind deutlich h\u00f6her als sie noch vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise waren. Zum Beispiel ist der Preis einer italienischen Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren derzeit 19 Prozent h\u00f6her als noch Anfang 2007.<\/p>\n<p>Die H\u00e4userpreise im Euroraum sind von Anfang 2007 bis heute nur um durchschnittlich 3 Prozent gesunken. Die Hoffnungen derjenigen, die auf immer weiter steigende H\u00e4userpreise gesetzt haben, wurden entt\u00e4uscht. Ebenso entt\u00e4uscht wurden diejenigen, die gehofft hatten, durch die Krise w\u00fcrde Wohnraum g\u00fcnstiger.<\/p>\n<p>Die Preise, die drastisch gefallen sind, sind die Aktienkurse. Die gesunkenen Aktienkurse reflektieren unmissverst\u00e4ndlich die Kapitalfehllenkung und -zerst\u00f6rung, die der vorgegangene Kreditgeldboom verursacht hat, und die durch die Krise schonungslos zutage bef\u00f6rdert wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Dass die Preise seit Jahr und Tag immer weiter steigen, hat einen Grund: Die Geldmenge w\u00e4chst immer weiter an. Von Anfang 2007 bis heute ist sie um knapp 23 Prozent gestiegen \u2013 w\u00e4hrend die G\u00fcterproduktion, wie gesagt, nahezu unver\u00e4ndert geblieben ist!<\/p>\n<p>Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise wuchs die Geldmenge (bereinigt um die Zunahme der Kassenhaltung) zudem merklich st\u00e4rker als die G\u00fcterproduktion zunahm. Nicht nur die Endverbraucherpreise wurden auf diese Weise inflationiert, sondern vor allem auch die Verm\u00f6genspreise.<\/p>\n<p>Nun aber sind Gesch\u00e4ftsbanken im Euroraum immer weniger bereit, f\u00e4llige Kredite zu verl\u00e4ngern oder neue Kredite zu vergeben. Auch viele Investoren sind weniger kredithungrig. Setzt sich das fort, ist mit einem Schrumpfen der Geldmenge zu rechnen. Ein fortgesetztes Schrumpfen der Geldmenge sollte fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch die Preise auf breiter Front senken.<\/p>\n<p>Was aber wird passieren, wenn die \u00f6ffentliche Meinung vorherrscht, sinkende Preise seien schlecht? Antwort: Die Zentralbank beginnt alles zu tun, um die Geldmenge zu erh\u00f6hen, damit die Preise nicht sinken beziehungsweise weiter steigen. Und das wird ihr gelingen. Schlie\u00dflich ist sie Geldproduktionsmonopolist.<\/p>\n<p>Die Zentralbank kann die Geldmenge auf vielf\u00e4ltige Weise erh\u00f6hen. Wenn der herk\u00f6mmliche Weg \u00fcber die Bankkreditvergabe nicht mehr funktioniert, kann die Zentralbank Wertpapiere kaufen, und zwar von Nichtbanken (Versicherungen, Pensionskassen und privaten Sparern). Den Kaufpreis, den sie mit neu geschaffenem Geld bezahlt, \u00fcberweist sie direkt auf die Konten der Verk\u00e4ufer, und die Geldmengen M1 bis M3 steigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik der Geldmengenausweitung wird heutzutage mit dem \u2013 vermutlich wenig erhellenden \u2013 Begriff \u201eQuantitative Easing\u201c (kurz: QE) belegt. QE wird seit geraumer Zeit in den Vereinigten Staaten, Gro\u00dfbritannien und Japan betrieben. Nun lieb\u00e4ugelt auch die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) mit solch einem gro\u00dfangelegten Geldmengenausweitungsprogramm.<\/p>\n<p>QE gilt bei vielen Marktkommentatoren, Finanzmarktteilnehmern und Gelehrten als \u201erichtige\u201c und \u201e\u00fcberf\u00e4llige\u201c Ma\u00dfnahme im Euroraum. Schlie\u00dflich h\u00e4tte es ja auch in den Vereinigten Staaten Erfolg gehabt. Allerdings gibt es auch Erfahrungsberichte, die zur Vorsicht mahnen. Wie etwa aus Zimbabwe.<\/p>\n<p>In Zimbabwe wurde der Zimbabwe Dollar (\u201eZim Dollar\u201c) durch eine Hyperinflation von 2004 bis 2009 zerst\u00f6rt. Dabei hatte die Reserve Bank of Zimbabwe doch nur QE nach dem Vorbild der amerikanischen Federal Reserve (Fed) und der EZB betrieben.<a id=\"fn1\" href=\"#fn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Am 31. Juli 2012 erkl\u00e4rte der damalige Governeur der Reserve Bank of Zimbabwe, Dr. Gideon Gono, dazu:<\/p>\n<p>2.14<br \/>\n&#8222;[T]he Government of Zimbabwe failed to meet fiscal obligations from budgetary allocations which were severely eroded by rising inflation. As such, the financing of recurrent and capital expenditures presented serious challenges to Government.<\/p>\n<p>2.15<br \/>\nThese negative developments threatened to bring the country\u2019s social service delivery system and the economy at large to a complete halt, thereby further impoverishing the Zimbabwean people.<\/p>\n<p>2.16<br \/>\nIt is against this background that Government stepped in to save the situation through various interventions by the Reserve Bank of Zimbabwe.<\/p>\n<p><b>2.16<br \/>\nThese interventions which were exactly in the mould of bail out packages and quantitative easing measures currently instituted in the US and the EU, were geared at evoking a positive supply response and arrest further economic decline.&#8220;<\/b><a id=\"fn2\" href=\"#fn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Doch, so Dr. Gono, geholfen hat das QE dann doch nicht so wie gehofft:<\/p>\n<p>2.20<br \/>\n&#8222;Despite numerous intervention measures undertaken by Government through the Reserve Bank of Zimbabwe, economic activity continued to decline progressively with inflation peaking at 231 million percent by July 2008. Other challenges that affected the economy include the following:<\/p>\n<ul>\n<li>Frequent power outages;<\/li>\n<li>Cash shortages;<\/li>\n<li>Acute foreign currency shortages;<\/li>\n<li>Skills flight;<\/li>\n<li>Vibrant parallel market for goods and foreign exchange;<\/li>\n<li>Erratic fuel supplies;<\/li>\n<li>Endemic speculative and rent seeking behaviour; and<\/li>\n<li>Rapid rise in production costs.&#8220;<a id=\"fn3\" href=\"#fn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Was sich in Zimbabwe zugetragen hat, wird hierzulande nat\u00fcrlich nicht passieren.<a id=\"fn4\" href=\"#fn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Schlie\u00dflich setzen die Zentralbanken das QE ja nur ein, um Banken zu helfen und eine Deflation abzuwenden, nicht aber den Staat zu finanzieren, wie es in Zimbabwe der Fall war. Und die Verantwortlichen in den hiesigen Zentralbanken wissen bestimmt, wann mit QE aufgeh\u00f6rt werden muss, damit der Geldwert keinen Schaden nimmt. Oder?<\/p>\n<h4>Fu\u00dfnoten<\/h4>\n<p><a id=\"fn1\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna1\">[1]<\/a> Gono bezieht sich in diesem Zusammenhang ganz offensichtlich auf die \u201cLonger-term Refinancing Operations\u201c\u009d (LTROs) der EZB, die erstmalig im Dezember 2011 in H\u00f6he von 489 Mrd. Euro durchgef\u00fchrt wurden, gefolgt von einem weiteren LTRO im Februar 2012 in H\u00f6he von 529,5 Mrd. Euro. Es handelte sich hier um Kreditgew\u00e4hrungen der EZB an die Banken, w\u00e4hrend es sich bei QE in der Regel um Aufk\u00e4ufe von Anleihen handelt. Die LTROs f\u00fchren jedoch zum gleichen Ergebnis: einer Ausweitung der Basisgeldmenge.<\/p>\n<p><a id=\"fn2\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna2\">[2]<\/a> Gono, G., Monetary Policy Statement, 2012 Mid-Term, 31 July 2012, S. 9 \u2013 10; eigene Hervorhebung.<\/p>\n<p><a id=\"fn3\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna3\">[3]<\/a> Ebenda, S. 11 \u2013 12.<\/p>\n<p><a id=\"fn4\" title=\"Zur\u00fcck\" href=\"#fna4\">[4]<\/a> Siehe hierzu auch z. B. Hanke, S. H., Zimbabwe. From Hyperinflation to Growth, Cato Institute, Center For Global Liberty &amp; Prosperity, Development Policy Analysis, No. 6, June 2008.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cThe government\u2019s intervention into the monetary system is invariably inflationary.\u201c Murray N. 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