{"id":14886,"date":"2014-05-23T00:01:09","date_gmt":"2014-05-22T23:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14886"},"modified":"2018-10-25T12:59:17","modified_gmt":"2018-10-25T11:59:17","slug":"ungleichheit-heute-21erhoeht-staatliche-umverteilung-die-soziale-mobilitaeteine-politische-fata-morgana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14886","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Ungleichheit heute (21)<\/font><br \/>Staatliche Umverteilung und soziale Mobilit\u00e4t<br \/><font size=3; color=grey>Eine verteilungspolitische Fata Morgana?<\/font><\/br>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>&#8222;Socialism is the arithmetic of envy, masquerading as the mathematics of justice&#8220; (Winston Churchill)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Hype um das Buch \u201eKapital im 21. Jahrhundert\u201c von Thomas Piketty zeigt, die Verteilungsfrage hat Hochkonjunktur. Das gilt vor allem f\u00fcr die USA, weniger f\u00fcr Europa. Es ist aber nicht so sehr die ungleiche Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen, die Amerika beunruhigt. In den USA akzeptieren alle sozialen Schichten schon immer mehr Ungleichheit als anderswo. Auch liegen die distributiven tektonischen Verschiebungen schon \u00fcber ein Vierteljahrhundert zur\u00fcck. Es ist eher die Angst, unsanft aus dem <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11892\">\u201eamerikanischen Traum\u201c<\/a> aufzuwachen. Auch sehr ungleich verteilte Einkommen &#8211; und Verm\u00f6gen &#8211; werden akzeptiert, wenn alle eine realistische Chance haben, vom \u201eTellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r\u201c aufsteigen zu k\u00f6nnen. Deshalb war die <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14754\">\u201eGreat Gatsby\u201c-Kurve<\/a> ein Schock f\u00fcr die USA. Eine geringe soziale Mobilit\u00e4t lie\u00df die hohe Ungleichheit in einem anderen Licht erscheinen. Die Politik nutzte die Chance und zimmerte aus der Korrelation von wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Mobilit\u00e4t ohne viel Federlesens eine Kausalit\u00e4t. Doch ist es wirklich sinnvoll, soziale Immobilit\u00e4t mit mehr Umverteilung zu bek\u00e4mpfen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mosaiksteine einer Theorie<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint auf den ersten Blick eindeutig: Ungleich verteilte Einkommen behindern die soziale Mobilit\u00e4t. \u00c4rmere Eltern haben geringere finanzielle M\u00f6glichkeiten, in das Humankapital ihrer Kinder zu investieren als reichere. Das zeigt sich nicht nur in der Qualit\u00e4t der fr\u00fchkindlichen Bildung. Es setzt sich auch bei der Qualit\u00e4t der Schulen fort, wenn der Schulbesuch kostet. Die r\u00e4umliche Segregation verst\u00e4rkt diesen Effekt. Schlechtere Schulen sind oft in \u00e4rmeren Wohngegenden. Auch haben \u00e4rmere Eltern nicht die finanziellen Mittel, um ihre Kinder mit au\u00dferschulischen Hilfen, wie Nachhilfeunterricht etc., zu unterst\u00fctzen. Das alles macht den sp\u00e4teren Weg in weiterbildende Schulen und Hochschulen beschwerlicher. Die Anreize \u00e4rmerer Eltern sind geringer, ad\u00e4quat in das Humankapital ihrer Kinder zu investieren. Mit allen diesen Schwierigkeiten haben reichere Eltern viel weniger zu k\u00e4mpfen. Damit haben Kinder \u00e4rmerer Eltern geringere Chancen sozial aufzusteigen, Kinder reicherer Eltern m\u00fcssen weniger bef\u00fcrchten abzusteigen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Realit\u00e4t komplizierter. Die soziale Mobilit\u00e4t h\u00e4ngt von mehr ab als dem Geld. Es sind nicht nur die kognitiven F\u00e4higkeiten, die den sp\u00e4teren beruflichen Erfolg bringen. Es ist ein ganzes B\u00fcndel von Faktoren, wie die Arbeitsethik, die Motivation, die F\u00e4higkeit, Anweisungen von Vorgesetzten zu befolgen oder aber auch Geduld und Hartn\u00e4ckigkeit, das \u00fcber individuellen beruflichen Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Diese nicht-kognitiven F\u00e4higkeiten haben sich empirisch als mindestens so wichtig wie die kognitiven herausgestellt. Daneben spielen noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle: Die geerbten Gene, das elterliche Umfeld, die Stabilit\u00e4t der Familienstrukturen, die Qualit\u00e4t der Nachbarschaft, die G\u00fcte der Schulen und die Breite und Tiefe sozialer Netzwerke sind nur einige Gr\u00f6\u00dfen. Alle diese Faktoren sind mit dem Einkommen korreliert. Es sind somit nicht allein ungleich verteilte Einkommen, sondern auch diese Vielzahl von Faktoren, die \u00fcber die soziale Mobilit\u00e4t mitbestimmen.<\/p>\n<p>Die \u201eGreat Gatsby\u201c-Kurve f\u00fchrt in die Irre, empirisch und wirtschaftspolitisch. Es ist ein ganzes B\u00fcndel von Faktoren, das die soziale Mobilit\u00e4t beeinflusst. Ungleich verteilte Einkommen sind nur ein Faktor unter vielen und nicht der wichtigste. Die USA sind das beste Beispiel. Die Einkommen verteilten sich in den 80er und 90er Jahre sp\u00fcrbar ungleicher als anderswo. Der prim\u00e4re Treiber waren explodierende Top-1 %-Einkommen. Die <a href=\"http:\/\/obs.rc.fas.harvard.edu\/chetty\/mobility_geo.pdf\">Chetty-Studie<\/a> hat allerdings gezeigt, dass sich trotz wachsender Einkommensungleichheit die inter-generative Mobilit\u00e4t in den USA in der Zeit danach kaum ver\u00e4ndert hat. Sie war und ist aber im internationalen Vergleich relativ niedrig. Auch empirische Untersuchungen auf lokaler amerikanischer Ebene zeigen, dass ungleich verteilte Einkommen und inter-generative Mobilit\u00e4t nur wenig oder gar nicht korreliert sind (<a href=\"http:\/\/www.russellsage.org\/sites\/all\/files\/Bloome%20Inequality%20&amp;%20mobility%20April%202013.pdf\">Deirdre Bloome<\/a>). Es war nicht festzustellen, dass die soziale Mobilit\u00e4t in den Bundesstaaten besonders stark zur\u00fcckging, in denen die Ungleichheit der Einkommen am st\u00e4rksten anstieg.<\/p>\n<p>Wer den Blick allein auf den Zusammenhang von ungleich verteilten Einkommen und inter-generativer Mobilit\u00e4t wirft, sitzt m\u00f6glicherweise einer Scheinkorrelation auf. Ein Blick auf die nordischen L\u00e4nder zeigt das Problem. Diese Staaten haben im internationalen Vergleich relativ gleichm\u00e4\u00dfig verteilte Einkommen und eine hohe soziale Mobilit\u00e4t. Es steht aber zu vermuten, dass beide Gr\u00f6\u00dfen von einem dritten Faktor beeinflusst werden. Ein potenter Kandidat ist die staatliche Bildungspolitik. Die skandinavischen L\u00e4nder setzen schon seit vielen Jahrzehnten auf verst\u00e4rkte Investitionen in Humankapital. Dabei machen sie sich die empirische Erkenntnis zu nutze, dass m\u00f6glichst fr\u00fch im Lebenszyklus in Bildung investiert werden sollte. Die Bildungsrenditen sind in diesem Falle auch deshalb besonders hoch, weil die Investitionen die Grundlage schaffen, die es Individuen besser erm\u00f6glicht, sich kognitive und nicht-kognitive F\u00e4higkeiten anzueignen. Eine solche Politik schl\u00e4gt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Einkommen werden gleichm\u00e4\u00dfiger verteilt und die inter-generative Mobilit\u00e4t kommt in Schwung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Einige empirische Anhaltspunkte<\/strong><\/p>\n<p>Der politische \u201eErfinder\u201c der \u201eGreat Gatsby\u201c-Kurve, der Princeton-\u00d6konom Alan B. Krueger, vertritt nach wie vor die Meinung, dass eine gleichm\u00e4\u00dfigere Verteilung der Einkommen zu gr\u00f6\u00dferer sozialer Mobilit\u00e4t beitr\u00e4gt. Staatliche Umverteilung sei ein ad\u00e4quates Mittel, zwei Ziele simultan zu erreichen: Mehr wirtschaftliche Gleichheit und mehr soziale Mobilit\u00e4t. Das aufgezeigte komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Gr\u00f6\u00dfen mahnt allerdings zur wirtschaftspolitischen Vorsicht. Scheinkorrelationen und ungekl\u00e4rte Kausalit\u00e4ten pflastern den steinigen Weg. Es gibt allerdings eine M\u00f6glichkeit, einige Anhaltspunkte zu finden, wie wirksam umverteilungspolitische Ma\u00dfnahmen sind, die soziale Mobilit\u00e4t auf Vordermann zu bringen. Ein Vergleich der \u201eGreat Gatsby\u201c-Kurven vor und nach staatlicher Umverteilung liefert erste empirische Hinweise. Aus den Daten \u00fcber die nationalen Markt- und verf\u00fcgbaren Einkommen lassen sich jeweils GINI-Koeffizienten ermitteln. Die Differenz aus beiden GINIS sind die Umverteilungsaktivit\u00e4ten. Damit ist es auch m\u00f6glich, den Zusammenhang von staatlicher Umverteilung und sozialer Mobilit\u00e4t graphisch darzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sozmob_solt.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Soziale Mobilitaet\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sozmob_solt.png\" alt=\"Soziale Mobilitaet\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick scheint etwas dran an der These, dass mehr staatliche Umverteilung mit einer h\u00f6heren sozialen Mobilit\u00e4t einhergeht. In vielen L\u00e4ndern, in denen in der Vergangenheit mehr umverteilt wurde, sind die Individuen inter-generativ mobiler. Das gilt nicht nur f\u00fcr die ausgew\u00e4hlten 22 L\u00e4nder in der origin\u00e4ren Analyse des kanadischen \u00d6konomen Miles Corak. Es trifft auch zu, wenn in dieser Auswahl nur die OECD-L\u00e4nder ber\u00fccksichtigt werden. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um eine Korrelation, nicht um eine Kausalit\u00e4t. Die Situation \u00e4ndert sich, wenn bei den OECD-L\u00e4ndern die nordischen Staaten ausgeklammert werden. Bei diesen L\u00e4ndern wird vermutet, dass die staatliche Bildungspolitik der eigentliche Treiber von wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Mobilit\u00e4t ist. Staatliche Umverteilung und inter-generative Mobilit\u00e4t sind dann nicht mehr korreliert. Das gilt auch, wenn neben den skandinavischen L\u00e4ndern das wirtschaftlich weniger entwickelte Chile ausgeklammert wird. Es spricht deshalb vieles daf\u00fcr, dass staatliche Umverteilung und inter-generative Mobilit\u00e4t nicht korreliert sind.<\/p>\n<p>Allerdings sind das nicht mehr als erste empirische Anhaltspunkte. Eine sorgf\u00e4ltige Analyse muss die umverteilungspolitischen Aktivit\u00e4ten in ihre konkreten Bestandteile zerlegen. Das geben die Daten im Augenblick aber (noch) nicht her. Nicht alles, was in den \u201eSolt\u201c-Daten als Umverteilung deklariert wird, ist auch Umverteilung. Empirische Untersuchungen deuten darauf hin, dass bis zu einem Drittel des \u201eUmverteilungsvolumens\u201c finanzielle Transfers in den <a href=\"http:\/\/www.lisdatacenter.org\/wps\/liswps\/581.pdf\" target=\"blank\">Alterssicherungssystemen<\/a> sind. Dabei handelt es sich aber nur um Umverteilung, wenn das \u00c4quivalenzprinzip verletzt wird. Das ist bei steuerfinanzierten Systemen eher zu erwarten als bei beitragsfinanzierten. Eines l\u00e4sst sich aus der l\u00f6chrigen Analyse dennoch ableiten. Staatliche Umverteilung und soziale Mobilit\u00e4t sind nicht korreliert. Der Umweg \u00fcber gleicher verteilte Einkommen zu mehr inter-generativer Mobilit\u00e4t, ist wenig effizient. Wirksamer ist der direktere Weg, der simultan die Ungleichheit der Einkommen verringert und die soziale Mobilit\u00e4t erh\u00f6ht. Eine Politik, die Investitionen in Humankapital f\u00f6rdert, scheint daf\u00fcr besonders geeignet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wachsen statt umverteilen!<\/strong><\/p>\n<p>Eines ist sicher: Es gibt einen Trend zu ungleicher verteilten Einkommen. Unsicher ist allerdings, ob die soziale Mobilit\u00e4t abnimmt. F\u00fcr die steigende Ungleichheit ist sie aber m\u00f6glicherweise zu gering. Der Wunsch nach einer gleichm\u00e4\u00dfigeren Verteilung der Einkommen ist weitverbreitet. Er ist besonders stark, wenn die M\u00f6glichkeiten begrenzt sind, sozial aufzusteigen. Dann werden die Forderungen nach staatlicher Umverteilung lauter. Allerdings gilt der alte Glaubenssatz von Arthur Okun noch immer: Alle reale Umverteilung ist effizienzverschlingend. Der allokativ bessere Weg, das distributive Unbehagen einer breiten Mehrheit der Bev\u00f6lkerung zu bek\u00e4mpfen, ist eine h\u00f6here soziale Mobilit\u00e4t. Das beste Instrument sind vermehrte Investitionen in Humankapital. Damit lie\u00dfen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die individuellen M\u00f6glichkeiten aufzusteigen werden gr\u00f6\u00dfer, die Akzeptanz ungleich verteilter Einkommen nimmt zu. Mit der h\u00f6heren sozialen Mobilit\u00e4t kommt aber auch Bewegung in die Einkommensverteilung. Die Chancen nehmen zu, dass sie gleichm\u00e4\u00dfiger wird.<\/p>\n<p>Mehr effiziente Investitionen in Humankapital sind aber nicht nur verteilungspolitisch der staatlichen Umverteilung \u00fcberlegen. Sie tragen auch mit zu h\u00f6herem wirtschaftlichen Wachstum und mehr Wohlstand bei. Geht die Strategie \u201eWachsen statt umverteilen\u201c auf, wird der traditionelle Zielkonflikt zwischen Allokation und Verteilung entsch\u00e4rft. Ideal w\u00e4re ein h\u00f6heres wirtschaftliches Wachstum, das \u201ealle Boote hebt\u201c. Der reale absolute Lebensstandard aller w\u00fcrde steigen. Selbst eine stagnierende soziale Mobilit\u00e4t w\u00e4re in einer Demokratie verteilungspolitisch dann leichter zu ertragen. Ein wichtiger Treiber wirtschaftlichen Wachstums sind effiziente Investitionen in Humankapital. Es muss deshalb prim\u00e4r darum gehen, eine solide Basis f\u00fcr solche Investitionen zu schaffen. Das macht dreierlei erforderlich: Stabile Familien, bessere Schulen und wettbewerbliche Arbeitsm\u00e4rkte. Stabile Familien f\u00f6rdern renditestarke fr\u00fche Investitionen in Humankapital. Gute Schulen, die im Wettbewerb stehen, verbreitern den Bestand an Humankapital. Wettbewerbliche Arbeitsm\u00e4rkte f\u00f6rdern marktverwertbares Humankapital.<\/p>\n<p>Der berufliche Erfolg wird von kognitiven und nicht-kognitiven F\u00e4higkeiten bestimmt. Beide sind \u00e4hnlich wichtig. Die Basis zum lebenslangen Erwerb dieser F\u00e4higkeiten wird <a href=\"https:\/\/www.richmondfed.org\/publications\/research\/economic_brief\/2013\/pdf\/eb_13-07.pdf\">sehr fr\u00fch im Leben<\/a> gelegt. Wer in dieser Phase zur\u00fcckbleibt, kann den R\u00fcckstand sp\u00e4ter kaum noch aufholen. Die Narben dieser \u201eF\u00e4higkeitenl\u00fccke\u201c in der fr\u00fchen Jugend bleiben ein Leben lang. \u00c4rmeren Kindern, die oft in Familien mit alleinerziehenden Elternteilen leben, f\u00e4llt es schwerer, sozial aufzusteigen. Notwendig ist eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Fl\u00e4chendeckende Pl\u00e4tze in Kindergrippen und Kinderg\u00e4rten helfen, flexiblere Arbeitszeitmodelle f\u00fcr Eltern mit (kleinen) Kindern auch. Ohne staatliche Hilfe l\u00e4sst sich die \u201eF\u00e4higkeitenl\u00fccke\u201c kaum schlie\u00dfen. Dabei sollte aber gelten: Die Hilfe des Staates kann umso h\u00f6her ausfallen, je fr\u00fcher im Leben in Humankapital investiert wird. Bei weiteren Investitionen sp\u00e4ter spricht viel f\u00fcr eine h\u00f6here Eigenbeteiligung. Kindergrippen und Kinderg\u00e4rten sollten eher kostenfrei sein. In den Schulen ist ein Schulgeld denkbar. F\u00fcr ein Studium sind Studiengeb\u00fchren nach wie vor sinnvoll.<\/p>\n<p>Qualitativ hochwertige Schulen sind ein wichtiger Baustein rentabler Investitionen in Humankapital. Eine h\u00f6here soziale Mobilit\u00e4t ist m\u00f6glich, wenn es gelingt, die soziale und wirtschaftliche Segregation zu verringern. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13983\" target=\"blank\">Viererlei<\/a> scheint erfolgversprechend: Erstens sollte verhindert werden, dass fr\u00fch im Schulsystem die Sch\u00fcler getrennt werden. Zweitens kann ein \u201eFormula-Funding\u201c-Programm nach niederl\u00e4ndischem Vorbild ein \u201eCream Skimming\u201c der Schulen eind\u00e4mmen. Drittens verringert ein Mix aus staatlichen Bildungsgutscheinen und einem \u201eFormula-Funding\u201c-Programm die Segregation und st\u00e4rkt den Wettbewerb unter den Schulen. Viertens muss nach finnischem Vorbild die Qualifikation der Lehrer entscheidend verbessert und die Betreuung der Sch\u00fcler intensiviert werden. Solche Aktivit\u00e4ten werfen eine doppelte Dividende ab. Auch \u00e4rmere Kinder k\u00f6nnen weitere komplexe kognitive F\u00e4higkeiten erwerben. Die Chancen, sozial aufzusteigen, werden gr\u00f6\u00dfer. Gleichzeitig f\u00fchrt mehr Wissen zu neuen Ideen und neuen Technologien. Mehr wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand f\u00fcr alle ist die Folge.<\/p>\n<p>Ob sich die Investitionen in Humankapital auszahlen, h\u00e4ngt auch davon ab, wie wettbewerblich die Arbeitsm\u00e4rkte sind. Sie bestimmen mit dar\u00fcber, auf welcher Sprosse der Einkommensleiter die Individuen landen. Am Arbeitsmarkt werden nur marktverwertbare F\u00e4higkeiten entlohnt. Familien, vorschulische Institutionen, Schulen und Hochschulen m\u00fcssen daf\u00fcr die Basis schaffen. Einen erheblichen Teil beruflicher F\u00e4higkeiten erwerben Individuen allerdings erst am Arbeitsplatz. Daf\u00fcr ist eine stabile Besch\u00e4ftigung notwendig. Reale L\u00f6hne und Arbeitsproduktivit\u00e4t m\u00fcssen sich entsprechen. Es ist Aufgabe der Tarifpartner, daf\u00fcr zu sorgen, dass diese Bedingung erf\u00fcllt wird. Aber auch der Staat ist gefordert. Er muss eine effiziente aktive Arbeitsmarktpolitik (Flexicurity) organisieren und bei der passiven Arbeitsmarktpolitik (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13302\">ALG II; EITC<\/a>) f\u00fcr anreizkompatible L\u00f6sungen sorgen. Eine nachhaltige Besch\u00e4ftigung stabilisiert Einkommen und Familien. Die Armutsfalle verliert ihren Schrecken, sozialer Aufstieg wird leichter m\u00f6glich. Wettbewerbliche Arbeitsm\u00e4rkte sind eine wichtiger Baustein hoher sozialer Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die soziale Mobilit\u00e4t ist ein wichtiger Treibstoff f\u00fcr den Wachstumsmotor einer Gesellschaft. Sinkt die Mobilit\u00e4t intra- und inter-generativ, geht es auch mit der Chancengleichheit bergab. Die Leistungsanreize schwinden, die wirtschaftliche Dynamik leidet. In den USA grassiert die Angst, dass ungleicher verteilte Einkommen die Chancengleichheit zerst\u00f6ren und einen Teufelskreis in Gang setzen. Das w\u00e4re das Ende des \u201eamerikanischen Traums\u201c. Die Politik versucht, diese \u00c4ngste zu zerstreuen. Der amerikanische Pr\u00e4sident sieht in der Einkommensungleichheit das gegenw\u00e4rtig wichtigste Problem. Er will die soziale Mobilit\u00e4t \u00fcber mehr umverteilenden (Sozial-)Staat wieder in Schwung bringen. Die Fakten sprechen gegen ihn. Unter der steigenden Einkommensungleichheit hat die soziale Mobilit\u00e4t bisher nicht gelitten. Und die <a href=\"http:\/\/blogs.berkeley.edu\/2014\/04\/10\/what-do-average-americans-think-about-inequality\/\" target=\"blank\">Umfragen<\/a> zeigen, dass die Amerikaner trotz steigender Ungleichheit nicht auf staatliche Umverteilung setzen. Sie glauben mehrheitlich, dass verst\u00e4rkte Investitionen in Humankapital das bessere Mittel sind, um die soziale Mobilit\u00e4t auf Trab zu bringen. Damit liegen sie v\u00f6llig richtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beitr\u00e4ge der Serie <em>\u201cUngleichheit heute\u201c\u009d<\/em>:<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14754\">Die &#8222;Great Gatsby&#8220;-Kurve. Mehr als politische Progaganda?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13583\">Des L\u00e4ba isch koin Schlotzer. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist grober Unfug.<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13983\">Bildung hilft, die Ungleichheit zu reduzieren<\/a><\/p>\n<p>Mustafa Coban: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13302\">Kombil\u00f6hne versus Working Poor. Der Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12684\">Geldpolitik und Ungleichheit. Machen Notenbanken die Welt ungleicher?<\/a><\/p>\n<p>Rainer Hank: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13021\">Ungleichheit und Gerechtigkeit: Was hat das miteinander zu tun?<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12673\">Ungleichheit und Krisen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12107\">\u201cReichtum ist distributive Umweltverschmutzung\u201c\u009d. H\u00f6here Steuern oder mehr Wettbewerb?<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12214\">Ungleichheit und Wachstum<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11892\">Der amerikanische Traum \u2013 Bremst Ungleichheit die soziale Mobilit\u00e4t?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11933\">Der Staat pfl\u00fcgt die Verteilung um <\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11584\">Die Ungleichheit wird m\u00e4nnlicher<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11656\">Krieg der Modelle. Technologie oder Institutionen?<\/a><\/p>\n<p>Michael Gr\u00f6mling: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11703\">Einkommensverteilung \u2013 Vorsicht vor der Konjunktur!<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11140\">Die deutsche \u201cMitte\u201c\u009d ist stabil. Wie lange noch?<\/a><\/p>\n<p>Eric Thode: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11396\">Die Mittelschicht schrumpft \u2013 Wo liegt der Handlungsbedarf?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11388\">Geringe Stundenl\u00f6hne, kurze Arbeitszeiten. Treiben Frauen die Ungleichheit?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11133\">Deutschland wird ungleicher. Was sagt die Lohnverteilung?<\/a><\/p>\n<p>Simon Hurst: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10879\">Der Staat strapaziert die Schweizer Mittelschicht<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10851\">Einkommensungleichheit in OECD-L\u00e4ndern. Wo stehen wir?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=98\">Ungleichheit, soziale Mobilit\u00e4t und Humankapital<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0c5d35b2306d4682ac0354c9bb47d3fb\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Socialism is the arithmetic of envy, masquerading as the mathematics of justice&#8220; (Winston Churchill) Der Hype um das Buch \u201eKapital im 21. 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