{"id":15139,"date":"2014-07-27T00:01:24","date_gmt":"2014-07-26T23:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15139"},"modified":"2014-07-26T16:56:27","modified_gmt":"2014-07-26T15:56:27","slug":"der-chefsvolkswirtinvestitionsgueterindustrie-nachhaltiger-erfolg-basiert-auf-zahlreichen-faktoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15139","title":{"rendered":"<small>Der Chefsvolkswirt<\/small><br \/>Investitionsg\u00fcterindustrie &#8211; Nachhaltiger Erfolg basiert auf zahlreichen Faktoren"},"content":{"rendered":"<p>Das weltwirtschaftliche Wachstum wird seit Beginn des letzten Jahrzehnts ma\u00dfgeblich durch eine dynamische Entwicklung in den Emerging Markets bestimmt, die vor allem mit einer forcierten Industrialisierung einhergeht (vgl. Abb. 1). Deren Motor ist der enorme Nachholbedarf an industriellen Produkten in diesen L\u00e4ndern. Aktuell gibt es zwar manche Fragezeichen, ob nicht die wirtschaftliche Entwicklung namentlich in den BRIC-L\u00e4ndern an Dynamik verliert und somit weniger Impulse f\u00fcr die Weltwirtschaft insgesamt und in Sonderheit f\u00fcr die Nachfrage nach Investitionsg\u00fctern liefert. Denn 2013 hat das erlahmende Weltwirtschaftswachstum vor den Toren dieser L\u00e4nder nicht haltgemacht. Nicht nur f\u00fcr Indien und Brasilien haben sich \u2013 mit dem Auslaufen ausl\u00e4ndischer Kapitalzufl\u00fcsse und anschlie\u00dfenden R\u00fcckfl\u00fcssen \u2013 die Wachstumserwartungen nicht erf\u00fcllt. Auch die chinesische Wirtschaft hat eine Wachstumsabschw\u00e4chung erfahren, da sie sich in einem gigantischen, politisch verordneten Umstellungsprozess hin zu einer mehr binnenmarktorientierten Entwicklung befindet. Russland bekommt seine einseitige Abh\u00e4ngigkeit von Rohstoffexporten zu sp\u00fcren. Allgemein sind ungel\u00f6ste strukturelle Probleme und institutionelle Schw\u00e4chen in den Emerging Markets wieder st\u00e4rker in das Blickfeld von Investoren geraten. Die Euphorie ist also verflogen. Dennoch sollte sich vom Trend her das Wachstum in den sogenannten Schwellenl\u00e4ndern, und das sind weit mehr als die oft zitierten BRIC-Staaten, auch in Zukunft fortsetzen, wobei die Dynamik von Jahr zu Jahr durchaus unterschiedlich sein kann. Aber da diese L\u00e4nder im weltweiten Kontext heute \u00fcber ein sp\u00fcrbar gr\u00f6\u00dferes Gewicht als beispielsweise in den 1990er-Jahren verf\u00fcgen, gehen inzwischen selbst von niedrigeren Wachstumsraten, absolut gesehen, st\u00e4rkere Impulse f\u00fcr die Weltwirtschaft aus als seinerzeit. Das Grundmuster des Industrialisierungsprozesses und die sich daraus ableitenden Konsequenzen f\u00fcr die strategische Ausrichtung der auf diese M\u00e4rkte hin orientierten Unternehmen sind nicht in Frage zu stellen. Auch f\u00fcr die Zukunft er\u00f6ffnen sich hier ergiebige Absatzpotenziale.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/demmerabb3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Industrialisierung\" alt=\"Industrialisierung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/demmerabb3.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Der deutschen Wirtschaft ist es bisher sehr gut gelungen, Absatzchancen in den neuen Wachstumsm\u00e4rkten zu nutzen. Das l\u00e4sst sich am Beispiel des deutschen Maschinenbaus belegen. So beruht ein Gro\u00dfteil seines ungew\u00f6hnlich langen und ungew\u00f6hnlich kr\u00e4ftigen Produktionswachstums der Jahre 2005 bis 2008 auf der Investitionsg\u00fcternachfrage der Schwellenl\u00e4nder. Auch die kr\u00e4ftige Erholung nach dem heftigen Einbruch w\u00e4hrend der Wirtschaftskrise geht wesentlich auf das Konto dieser L\u00e4nder, allen voran der Volksrepublik China. Und die Grundvoraussetzungen sind g\u00fcnstig, dass die deutsche Wirtschaft auch k\u00fcnftig in besonderer Weise profitieren wird. Denn sie ist sowohl export- als auch importseitig deutlich st\u00e4rker als andere fortgeschrittene Volkswirtschaften in den globalen Warenaustausch und die internationale Arbeitsteilung eingebunden. Zudem verf\u00fcgt sie durch ihr breit angelegtes Branchenspektrum \u00fcber ein \u00fcberaus vielf\u00e4ltiges Angebot an hochwertigen Produkten, wie es andere L\u00e4nder, die h\u00e4ufig spezialisierter sind, nicht vorweisen k\u00f6nnen. Eine besondere Rolle in diesem industriellen Produktportfolio wiederum nehmen die Investitionsg\u00fcter ein, die generell beim globalen Auf- und Ausbau industrieller Fertigungen gefragt sind und zudem im Rahmen bedeutender \u201eMegatrends\u201c auf weltweit steigende Nachfrage sto\u00dfen, sei es im Bereich des Klimaschutzes und der Ressourcenschonung, in den Bereichen Transport und Mobilit\u00e4t, Gesundheit und Alterung oder Information und Vernetzung.<\/p>\n<p>Trotz guter Ausgangslage ist und bleibt es f\u00fcr deutsche Unternehmen jedoch eine Herausforderung, ihre Position in den neuen Wachstumsm\u00e4rkten dauerhaft zu sichern. Denn der Wettbewerb dort versch\u00e4rft sich. Vor allem wachsen in diesen Regionen selbst starke Konkurrenten heran, die zunehmend auch international aktiv sind. So ist China schon heute weltweit gr\u00f6\u00dfter Exporteur von Industrieg\u00fctern. Im Maschinenbau und ebenso in der Stahlindustrie und im Automobilsektor hat sich das Land innerhalb kurzer Zeit zum gr\u00f6\u00dften Produzenten weltweit entwickelt und nimmt in einigen Produktsparten im Welthandel bereits die f\u00fchrende Position ein. Chinesische Anbieter sind dabei bisher vor allem auf die Segmente der einfacheren und mittleren Technologie ausgerichtet. Die deutschen Anbieter agieren vornehmlich im High-End- und oberen mittleren Segment. Mit dieser \u201eNischenstrategie\u201c sind sie bisher gut gefahren. Doch bei strategischen \u00dcberlegungen zur Verteidigung der eigenen Wettbewerbsposition spielt neben der Notwendigkeit, \u00fcber m\u00f6glichst \u201eeinmalige\u201c, nur schwer imitierbare technologische Kompetenzen zu verf\u00fcgen, die Frage der schieren Marktgr\u00f6\u00dfe eine zunehmend wichtige Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Erfolg der deutschen Investitionsg\u00fcterindustrie basiert auf vielen Faktoren<\/strong><\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht betrachtet, ist eine ganze Reihe von Erfolgsfaktoren f\u00fcr die gute Marktposition der deutschen Anbieter verantwortlich:<\/p>\n<ul>\n<ul>\n<li>Hervorzuheben ist zun\u00e4chst die traditionell starke Auslandsorientierung der deutschen Unternehmen. Der Anteil der Exporte bzw. der Importe am BIP liegt in Deutschland bei rund 50 Prozent, w\u00e4hrend \u00e4hnlich gro\u00dfe Volkswirtschaften wie Italien oder Frankreich Werte von teils weniger als 30 Prozent aufweisen (vgl. Abb. 2). So tr\u00e4gt auch der deutsche Maschinenbau seit Jahren unangefochten den Titel des Exportweltmeisters. Drei von vier in Deutschland produzierten Maschinen bzw. Maschinenkomponenten gehen ins Ausland. Gleichzeitig stammt aber auch mehr als jedes zweite im Inland abgesetzte Maschinenbauerzeugnis aus dem Ausland. Die aktuell kontrovers gef\u00fchrte Diskussion um die Frage deutscher Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse hier einmal au\u00dfen vor, ist die \u00fcber Jahre verteidigte f\u00fchrende Position im Welthandel eindrucksvoller Beleg daf\u00fcr, dass es deutschen Anbietern grunds\u00e4tzlich besser als vielen ihrer Konkurrenten gelingt, in den neuen Wachstumsm\u00e4rkten Fu\u00df zu fassen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/demmerabb2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Au\u00dfenorientierung\" alt=\"Au\u00dfenorientierung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/demmerabb2.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<ul>\n<li>Ihre starke internationale Wettbewerbsposition verdankt die deutsche Wirtschaft vor allem ihrer Innovationskraft. Deutschland liegt bei den transnationalen Patentanmeldungen mit an der Spitze, der deutsche Maschinenbau ist Patentweltmeister. Bei den f\u00fcr den Maschinenbau charakteristischen Produkten der hochwertigen Technologie ist die deutsche Industrie Weltmarktf\u00fchrer.<\/li>\n<li>Diese Spitzenposition w\u00e4re kaum denkbar ohne die hohe Qualifikation der Mitarbeiter. Entscheidend ist das Zusammenwirken von natur- und ingenieurwissenschaftlicher Exzellenz mit einem breiten Know-how der beruflich qualifizierten Fachkr\u00e4fte. Gerade hinsichtlich der Fachkr\u00e4ftekompetenz hebt sich Deutschland von anderen Volkswirtschaften ab. Im deutschen Maschinenbau ist jeder sechste Mitarbeiter qualifiziert als Ingenieur. Hinzu kommt ein hoher Anteil hervorragend ausgebildeter, erfahrener Facharbeiter, Techniker und Kaufleute.<\/li>\n<li>Deutsche Unternehmen sind auch deshalb bei Kunden in aller Welt gesch\u00e4tzt, weil sie in der Lage sind, umfassende \u201eSystemangebote\u201c zu realisieren. Komplexe, ma\u00dfgeschneiderte Probleml\u00f6sungen und eine Palette begleitender Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu k\u00f6nnen statt standardisierter Massenprodukte, erweist sich immer mehr als Wettbewerbsvorteil. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind sich der Chancen eines forcierten Dienstleistungsangebots durchaus bewusst; es steht regelm\u00e4\u00dfig ganz oben auf ihrer strategischen Agenda.<\/li>\n<li>Die F\u00e4higkeit zur Systemintegration resultiert aus einer nahezu einzigartigen branchen\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit in Wertsch\u00f6pfungsketten und Clustern. Dank breiter Industriebasis und wachsender Bereitschaft zur Branchen \u00fcbergreifenden Vernetzung, auch unter Beteiligung \u00f6ffentlicher Forschungseinrichtungen, gelingt es, unterschiedliches Know-how zu verkn\u00fcpfen und so innovative L\u00f6sungen zu erarbeiten. Eine \u00e4hnlich breit aufgestellte Industrielandschaft gibt es in Europa allenfalls noch in Norditalien, dort aber besetzt mit einer Vielzahl von Klein(st)betrieben, die zwar innerhalb Europas als Wettbewerber wahrzunehmen sind, aber mehrheitlich kaum die finanziellen und vor allem personellen Ressourcen besitzen, um wirklich global zu agieren.<\/li>\n<li>Ein Alleinstellungsmerkmal der deutschen Industrie sind ihre besonderen mittelst\u00e4ndischen Strukturen \u2013 ein Garant f\u00fcr die Vielfalt an Innovationsimpulsen wie auch f\u00fcr die F\u00e4higkeit, flexibel auf spezielle Kundenbedarfe zu reagieren. Dabei ist der deutsche Mittelstand im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften durch eine Vielzahl gr\u00f6\u00dferer Familienunternehmen gekennzeichnet, die viel eher als kleinere Firmen in der Lage sind, ihre Produkte international abzusetzen. Mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gte Unternehmen mit Ums\u00e4tzen im dreistelligen Millionenbereich findet man in anderen Volkswirtschaften bei Weitem nicht in dieser Anzahl wie in Deutschland. Davon profitieren wiederum auch kleinere Mittelst\u00e4ndler \u2013 und umgekehrt. Denn der Aufbau effizienter Wertsch\u00f6pfungsketten \u00fcber verschiedene Branchen hinweg wird durch die enge Nachbarschaft und das Zusammenwirken von Mittelst\u00e4ndlern aller Gr\u00f6\u00dfenkategorien bis hin zum \u201eGlobal Player\u201c wesentlich erleichtert.<\/li>\n<li>Als Erfolgsfaktor ist auch zu werten, dass die deutschen Unternehmen heute \u00fcber eine gute Ertragskraft und stabile Finanzierungsstrukturen verf\u00fcgen, wozu Effizienzma\u00dfnahmen in den Unternehmen selbst wie auch g\u00fcnstigere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen beigetragen haben. Der ehemals schwach kapitalisierte Mittelstand hat in den letzten zehn Jahren seine Eigenkapitalausstattung merklich verbessert. Au\u00dferdem haben laufende Prozessoptimierungen die Unternehmen besser in die Lage versetzt, schwankende Auftragslagen mit dem vorhandenen Kapitalstock \u201eauszufedern\u201c. Das Resultat war nach der Weltwirtschaftskrise 2009 ein \u2013 entgegen allen Erwartungen \u2013 nur sehr schwacher Anstieg der Insolvenzen. Das Augenmerk auch auf die betriebswirtschaftliche Seite des Unternehmens zu legen, hat sich in der zur\u00fcckliegenden Krise bew\u00e4hrt. Denn dies war notwendige Bedingung daf\u00fcr, am Erholungsprozess partizipieren zu k\u00f6nnen, und es ist unverzichtbar f\u00fcr eine Teilhabe am zuk\u00fcnftigen Wachstum.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich ist es den deutschen Unternehmen in den letzten Jahren gelungen, ihre preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu verbessern \u2013 dank moderater Lohnabschl\u00fcsse, Flexibilisierung des Arbeitseinsatzes und Optimierung betrieblicher Prozesse. Hier deuten sich f\u00fcr die Zukunft allerdings Belastungen an. Zum einen ist dies die feste Kursentwicklung des Euro. Zum anderen lassen aktuell relativ hohe Lohnsteigerungen, die ausbleibende Absenkung der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge und die zu erwartenden Belastungen aus der Absenkung des Renteneintrittsalters f\u00fcr langj\u00e4hrig Besch\u00e4ftigte die Lohnst\u00fcckkosten wieder st\u00e4rker ansteigen.<\/li>\n<li><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hinweis:<\/strong><br \/>\n<em>Die vollst\u00e4ndige Version dieses Beitrags finden Sie in: <a href=\"https:\/\/vahlen-online.beck.de\/default.aspx?vpath=bibdata%2fzeits%2fWIST%2f2014%2fcont%2fWIST.2014.H07.NAMEINHALTSVERZEICHNIS.htm\">WiSt \u2013 Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 2014, Heft 7.<\/a><\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das weltwirtschaftliche Wachstum wird seit Beginn des letzten Jahrzehnts ma\u00dfgeblich durch eine dynamische Entwicklung in den Emerging Markets bestimmt, die vor allem mit einer forcierten &hellip; 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