{"id":15161,"date":"2014-07-01T00:01:10","date_gmt":"2014-06-30T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15161"},"modified":"2014-11-01T10:42:36","modified_gmt":"2014-11-01T09:42:36","slug":"finanzielle-repression-statt-weltwaehrungsstatus-fuer-den-chinesischen-yuan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15161","title":{"rendered":"Finanzielle Repression statt Weltw\u00e4hrungsstatus f\u00fcr den chinesischen Yuan"},"content":{"rendered":"<p>Die Unzufriedenheit mit dem Dollar als internationaler Leitw\u00e4hrung w\u00e4chst. In den Bilanzen der Zentralbanken der aufstrebenden Welt haben sich immense Dollarreserven aufget\u00fcrmt, die mit wachsenden Risiken f\u00fcr die aufstrebenden Volkswirtschaften verbunden sind. Zuletzt wurden Risiken in Brasilien, der T\u00fcrkei, S\u00fcdafrika und Indonesien in Form von drohenden Zahlungsbilanzkrisen sichtbar. Auch in L\u00e4ndern mit Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen und gro\u00dfen Nettoauslandsverm\u00f6gen wie China w\u00e4chst die Frustration. Denn jede Aufwertung des chinesischen Yuan gegen\u00fcber dem Dollar l\u00e4sst die \u00fcberwiegend in Dollar denominierten Auslandsverm\u00f6gen in Inlandsw\u00e4hrung schrumpfen. Die Lasten der Finanzmarktstabilisierung in den USA werden schleichend auf alle L\u00e4nder \u00fcberw\u00e4lzt, die gro\u00dfe Dollarverm\u00f6gen halten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Devise hei\u00dft deshalb \u201eWeg vom Dollar!\u201c. China hat sich aufgemacht, seine Kapitalm\u00e4rkte zu liberalisieren und seine W\u00e4hrung zu internationalisieren, um die Bedeutung seiner W\u00e4hrung auf den Weltm\u00e4rkten voranzubringen. Denn internationale W\u00e4hrungen werden von gro\u00dfen L\u00e4ndern emittiert, die nicht nur \u00fcber ein gro\u00dfes Volkseinkommen und Handelsvolumen verf\u00fcgen, sondern auch \u00fcber gro\u00dfe und entwickelte Kapitalm\u00e4rkte, wo die Transaktionskosten gering und die Diversifizierungsm\u00f6glichkeiten vielf\u00e4ltig sind. Einschneidende Regulierungen, wie sie bisher in China und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften vorherrschen, sind hingegen ein Hindernis f\u00fcr entwickelte Finanzm\u00e4rkte, da die internationalen Investoren fern bleiben.<\/p>\n<p>Die Bedeutung des chinesischen Yuan auf den Weltdevisenm\u00e4rkten ist derzeit verschwindend gering (siehe Abbildung). Es wurde deshalb viel daf\u00fcr getan, die Liberalisierung der Finanzm\u00e4rkte und die Internationalisierung des Yuan voranzubringen. Die j\u00fcngst forcierte \u201eShanghai Pilot Free Trade Zone\u201c soll der Trainingsraum f\u00fcr zuk\u00fcnftig freie Kapitalm\u00e4rkte in ganz China sein: Dort sollen alle Transaktionen in chinesischen Yuan frei von staatlicher \u00dcberwachung und Intervention sein. Offshore-M\u00e4rkte f\u00fcr den Yuan in Hong Kong, Singapur, London und Frankfurt wurden geschaffen. Umfassende Swap-Abkommen f\u00fcr die Bereitstellung von Yuan mit anderen Zentralbanken sollen das Risiko f\u00fcr Handelsvertr\u00e4ge in Yuan senken. Am Ende der schrittweisen Abschaffung von Zins- und Kapitalverkehrskontrollen sollen gro\u00dfe liquide Kapitalm\u00e4rkte und eine frei schwankende konvertible W\u00e4hrung stehen. Der Yuan k\u00f6nnte in Ostasien und weit dar\u00fcber hinaus zur Leit-, Anker- und Reservew\u00e4hrung heranwachsen. Die Pax Sinica w\u00e4re angebrochen!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/yuanschn1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Chinesischer Yuan\" alt=\"Chinesischer Yuan\" src=\"\/wordpress\/bilder\/yuanschn1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Dem Aufstieg des chinesischen Yuan zum gleichwertigen Partner von Dollar und Euro im Weltw\u00e4hrungssystem steht jedoch der geldpolitische Kurs der Federal Reserve Bank entgegen. Die US-Zentralbank hat \u00fcber Jahrzehnte hinweg das Leitzinsniveau gegen Null gesenkt und seit Ausbruch der Subprime-Krise durch unkonventionelle geldpolitische Ma\u00dfnahmen die Zentralbankbilanz aufgeblasen. Diese beispiellose monet\u00e4re Expansion hat zu starken Kapitalzufl\u00fcssen in die aufstrebenden Volkswirtschaften gef\u00fchrt, wo sich der Aufwertungsdruck auf die W\u00e4hrungen seit der Jahrtausendwende deutlich verst\u00e4rkt hat.<\/p>\n<p>In China, wo Wachstum und Besch\u00e4ftigung stark vom Export abh\u00e4ngen und die Aufwertung das in Dollar denominierte Auslandsverm\u00f6gen entwertet, hat man den Aufwertungsdruck nur bedingt zugelassen. Dadurch wurden immense Devisenreserven angeh\u00e4uft, was in der Regel mit einer Ausweitung der Geldbasis verbunden ist. Da die G\u00fcter- und Kapitalm\u00e4rkte im Vergleich zu den Industriel\u00e4ndern unterentwickelt sind, ist ein Potential f\u00fcr Inflation und nicht nachhaltige Kreditvergabe der Gesch\u00e4ftsbanken an den privaten Sektor herangewachsen. Eine nicht zu untersch\u00e4tzende Gefahr f\u00fcr Blasen auf Aktien- und Immobilienm\u00e4rkten ist entstanden, wie sie im Vorfeld der Asienkrise zu beobachten war.<\/p>\n<p>Um einer neuen Asienkrise vorzubeugen, hat die Peoples Bank of China die monet\u00e4ren Effekte der Anh\u00e4ufung Devisenreserven neutralisiert (im Fachjargon \u201esterilisiert\u201c). Bei marktbasierter Sterilisierung verkauft sie zu Marktzinsen Wertpapiere, um die im Umlauf befindliche Geldmenge zu reduzieren. Nachteil sind die Kosten, da die Wertpapiere verzinst werden m\u00fcssen. Zum anderen zieht der resultierende Zinsanstieg neue spekulative Kapitalzufl\u00fcsse an. Zus\u00e4tzliche Devisenreserven werden angeh\u00e4uft und neue Sterilisierungsrunden werden eingeleitet. Ein Teufelskreis!<\/p>\n<p>China\u2019s Zentralbank hat sich deshalb immer mehr auf nicht-marktbasierte Sterilisierungsinstrumente, insbesondere die Ausweitung der Mindestreservepflichten der Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank verlassen. Dies hat zwei Vorteile: Die Mindestreserven werden gering verzinst, mit ca. zwei Prozent seit der Jahrtausendwende, also mit meist weniger als der Inflationsrate. Zudem kann das Zinsniveau niedriger gehalten werden, was d\u00e4mpfend auf den Zufluss von spekulativem Kapital wirkt. Das Ergebnis ist aber eine von au\u00dfen aufgezw\u00e4ngte finanzielle Repression: Die Zinsstruktur wird durch geringe Mindestreserves\u00e4tze verzerrt.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsbanken geben die Kosten der Mindestreservehaltung an die Kunden in Form von niedrigen Einlagenzinsen weiter. Die Einlagenkunden der Gesch\u00e4ftsbanken tendieren dann dazu, ihre Ersparnisse in den Schattenbankensektor zu transferieren, wo die Verzinsung deutlich h\u00f6her ist. Auf der Kreditvergabeseite w\u00fcrden die Gesch\u00e4ftsbanken dazu tendieren, die Zinsen anzuheben. Dies wird durch staatlich festgesetzte Zinsobergrenzen verhindert, um dem Wachstum nicht zu schaden. Die Zinsobergrenze schafft eine \u00dcbernachfrage nach Kapital, die dazu genutzt wird, die Kredite in staatlich pr\u00e4fierte Sektoren zu lenken. Dies sind in der Regel die besch\u00e4ftigungsreichen Staatsunternehmen und Exportunternehmen. Klein- und Mittelunternehmen gehen leer aus und sind zur Finanzierung ihrer Investitionen auf den Schattenbankensektor angewiesen.<\/p>\n<p>Im Ergebnis hat die Federal Reserve Bank durch ihre sehr expansive Geldpolitik drei un\u00fcberwindbare Hindernisse f\u00fcr den Aufstieg des Yuan zur Weltw\u00e4hrung geschaffen. Erstens verzerren niedrig verzinste Mindestreserven die Zinsstruktur in China. Zweitens m\u00fcssen durch Kapitalverkehrskontrollen Kapitalzufl\u00fcsse abgehalten werden, um weitere Sterilisierungsrunden zu verhindern. Drittens haben sich im weniger regulierten Schattenbankensektor Risiken aufgebaut, die mittelfristig auch den staatlich kontrollierten Gesch\u00e4ftsbankensektor in Schieflage bringen k\u00f6nnten. Der Weg zur einer nachhaltigen Liberalisierung des Finanzmarktes und dem umfassenden Abbau der Kapitalverkehrskontrollen ist damit durch die sehr expansive Geldpolitik der USA versperrt. Es scheint als m\u00fcsse sich China trotz seiner eindrucksvollen Wirtschaftsmacht auch in der langen Frist der w\u00e4hrungspolitischen Hegemonie der USA unterordnen.<\/p>\n<h4>Literatur<\/h4>\n<p>McKinnon, Ronald \/ Schnabl, Gunther 2014: <a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2407891\" target=\"blank\">China\u2019s Exchange Rate and Financial Repression: The Conflicted Emergence of the Renminbi as an International Currency<\/a>,in: China and the World Economy, 22(3), 1-34.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unzufriedenheit mit dem Dollar als internationaler Leitw\u00e4hrung w\u00e4chst. 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