{"id":153,"date":"2008-08-21T06:15:53","date_gmt":"2008-08-21T05:15:53","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=153"},"modified":"2008-08-21T06:15:53","modified_gmt":"2008-08-21T05:15:53","slug":"der-bieterkampf-um-hapag-lloyd-sind-hanseatische-politiker-die-besseren-unternehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=153","title":{"rendered":"Der Bieterkampf um Hapag-Lloyd: Sind hanseatische Politiker die besseren Unternehmer?"},"content":{"rendered":"<p>Der geplante Verkauf von Hapag-Lloyd hat beim Hamburger Senat unternehmerische Instinkte geweckt. Die Container-Reederei geh\u00f6rt bislang noch zum TUI-Konzern, der sich aber unter dem Druck von Gro\u00dfaktion\u00e4ren von seiner Schifffahrtssparte trennen will, um mit dem Verkaufserl\u00f6s seine Schulden abzubauen und sein Tourismusgesch\u00e4ft auszubauen. Zu den interessierten Bietern geh\u00f6rt eine Gruppe Hamburger Kaufleute, die es gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit zur hanseatischen Ehrensache erkl\u00e4ren, dass die Traditionsreederei nach \u00fcber zehn Jahren unter TUI-Kontrolle wieder in Hamburger H\u00e4nde kommt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zu dieser Investorengruppe, die sich nach dem legend\u00e4ren Reeder Albert Ballin benannt hat, z\u00e4hlen immerhin verm\u00f6gende Personen wie der Bankier Christian Olearius (M.M. Warburg) und der Spediteur Klaus-Michael K\u00fchne (K\u00fchne &amp; Nagel). Doch die Gruppe f\u00fchlt sich finanziell nicht stark genug, um den Unternehmenskauf rein privatwirtschaftlich zu finanzieren. Da kommt das Angebot des Hamburger Senats, sich mit einem dreistelligen Millionenbetrag an dem Bieterkonsortium zu beteiligen, wie gerufen.<\/p>\n<p>Der zweite Interessent ist die Reederei Neptun Orient Lines (NOL), die sich mehrheitlich im Besitz des singapurischen Staatsfonds Temasek befindet. Prompt werden Sorgen um den Ausverkauf der deutschen Wirtschaft und um den Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen wach, und prompt macht sich eine Abordnung von 300 Besch\u00e4ftigten von Hapag-Lloyd auf den Weg nach Berlin, um vor der Botschaft von Singapur gegen diesen Investor zu protestieren.<\/p>\n<p>Dem Hamburger Senat kann diese Debatte um den Staatsfonds aus Fernost nur recht sein, denn umso besser kann er seine finanzielle Beteiligung an dem hanseatischen Konsortium mit der Sorge um die heimischen Arbeitspl\u00e4tze begr\u00fcnden. Dabei w\u00e4re der hamburgische Landeshaushalt mehr als \u00fcberfordert, wenn der Senat gegen jeden ausl\u00e4ndischen (oder gar: gegen jeden nicht-hanseatischen) Investor mitbieten wollte. Selbst eine Konzentration auf die Abwehr ausl\u00e4ndischer Staatsfonds d\u00fcrfte k\u00fcnftig schwerfallen, da sich die finanziellen Ressourcen dieser Fonds weitaus dynamischer entwickeln als die des Stadtstaates Hamburg.<\/p>\n<p>Es ist nicht von vornherein abwegig, bei Unternehmensaufk\u00e4ufen von Staatsfonds etwas genauer hinzuschauen als bei privaten Investoren. Ein Schutzinteresse k\u00f6nnte insbesondere dann bestehen, wenn staatliche Investoren nicht auf marktwirtschaftliche Rendite, sondern auf politisch motivierten Technologietransfer abzielen (ausf\u00fchrlicher dazu der <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=73\">Beitrag <\/a>in diesem ordnungspolitischen Blog vom 24. November 2007). Doch f\u00fcr derartige marktwidrige Zielsetzungen der NOL und des Temasek-Fonds gibt es keinerlei Anzeichen.<\/p>\n<p>Offenbar f\u00e4llt es Politik und \u00d6ffentlichkeit immer noch schwer, die mit der Intensivierung der internationalen Handelsverflechtung untrennbar einhergehende Intensivierung der internationalen Kapitalverflechtung zu akzeptieren. Wer kein ausl\u00e4ndisches Kapital ins Land hereinlassen will, sollte auch besser auf die entsprechenden Warenimporte (S\u00fcdfr\u00fcchte, Orientteppiche, preiswerte Textilien etc.) verzichten. Wer jedoch die wirtschaftlichen Vorteile der Exportweltmeisterschaft zu sch\u00e4tzen wei\u00df, sollte auch die internationale Kapitalverflechtung zu sch\u00e4tzen wissen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind die Sorgen des Betriebsrats und des Hamburger Wirtschaftssenators um die Arbeitspl\u00e4tze nachvollziehbar, da umfassende Reorganisationen, wie sie derzeit im hoch verschuldeteten TUI-Konzern anstehen, oft mit Rationalisierungen und Arbeitsplatzverlusten einhergehen. Die Erwartungen allerdings, dass internationale Anteilseigner und insbesondere Staatsfonds eine gr\u00f6\u00dfere Gefahr f\u00fcr die Arbeitspl\u00e4tze darstellen k\u00f6nnten als nationale Anteilseigner, ist schwer nachvollziehbar. So hat sich der kuwaitische Staatsfonds, der schon seit dem Jahre 1974 als Gro\u00dfaktion\u00e4r an der Daimler AG beteiligt ist, als \u00e4u\u00dferst verl\u00e4sslicher, langfristig orientierter Anleger erwiesen, der keinesfalls die inl\u00e4ndischen Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Die Beteiligung der Stadt Hamburg an Hapag-Lloyd k\u00f6nnte langfristig sogar kontraproduktiv sein &#8211; und zwar dann, wenn das Gesch\u00e4ftsverhalten unter politischen Einfluss geriete und das Unternehmen dabei behindert w\u00fcrde, sich zur Sicherung seiner wirtschaftlichen Zukunft an ver\u00e4nderte Marktbedingungen anzupassen \u2013 notfalls auch mit dem Abbau eines Teils der Arbeitspl\u00e4tze, um die verbleibenden Arbeitspl\u00e4tze zu sichern.<\/p>\n<p>Der Hamburger Senat sieht das m\u00f6glicherweise anders. Zu stark sind noch die Erinnerungen an den gegl\u00fcckten Deal um den Kosmetikhersteller Beiersdorf, der im Jahre 2003 vermutlich von Procter &amp; Gamble \u00fcbernommen worden w\u00e4re, wenn die Stadt Hamburg nicht zehn Prozent der Unternehmensanteile aufgekauft h\u00e4tte. Mittlerweile konnte die Stadt ihre Beteiligung sogar mit kleinem Gewinn wieder verkaufen. \u00c4hnliches gelang dem Finanzsenator Michael Freytag in diesem Jahr, als sich die Stadt Hamburg \u00fcber ihre Beteiligungsgesellschaft HGV mit f\u00fcnf Prozent an der Norddeutschen Affinerie beteiligte, um die Entscheidungen der Hauptversammlung des Hamburger Kupferproduzenten in ihrem Sinne beeinflussen zu k\u00f6nnen. Auch diese Beteiligung konnte die Hansestadt mittlerweile mit Gewinn wieder ver\u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Die Politiker aus der Hansestadt trauen es sich offenbar zu, auch als Finanzinvestoren erfolgreich zu sein und auf diese Weise das Wohl des Stadtstaates mehren zu k\u00f6nnen. Doch es fragt sich, ob hanseatische Politiker tats\u00e4chlich die besseren Unternehmer sind oder ob sie bisher einfach nur Gl\u00fcck gehabt haben. Die j\u00fcngsten Erfahrungen mit den Verwicklungen der Landesbanken in die Finanzmarktkrise, die weitaus st\u00e4rkere Blessuren als die deutschen Privatbanken hinnehmen mussten, sprechen eher dagegen, dass Politiker auf unternehmerischem Terrain nachhaltige Wettbewerbsvorteile h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Doch vielleicht wird sich das gesamte Bietergefecht um Hapag-Lloyd im Nachhinein auch als Sturm im Wasserglas herausstellen. Denn aufgrund der sich abschw\u00e4chenden Weltkonjunktur und nachgebender Frachtraten im Seeverkehr gilt es l\u00e4ngst nicht mehr als sicher, dass die f\u00fcr die Reederei abzugebenden Gebote \u00fcberhaupt den Mindesterwartungen des TUI-Konzerns entsprechen werden. Welche Konsequenzen ein Verzicht auf den Verkauf von Hapag-Lloyd f\u00fcr TUI h\u00e4tte, ist schwer zu sagen &#8211; f\u00fcr den Hamburger Steuerzahler w\u00e4re es aber eine gute Nachricht.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der geplante Verkauf von Hapag-Lloyd hat beim Hamburger Senat unternehmerische Instinkte geweckt. 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