{"id":15671,"date":"2014-10-13T11:48:33","date_gmt":"2014-10-13T10:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15671"},"modified":"2014-10-13T11:49:42","modified_gmt":"2014-10-13T10:49:42","slug":"ist-die-share-economy-eine-wiederentdeckung-der-genossenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15671","title":{"rendered":"Ist die Share Economy eine Wiederentdeckung der Genossenschaften?<\/br>"},"content":{"rendered":"<p>Eine kurze Antwort auf diese Frage ist m\u00f6glich. Sie lautet: Ja und nein. Er\u00f6rterungen \u00fcber die Sharing Economy sind inzwischen sehr zahlreich. Nicht wenige sehen in ihr bereits die deutlich \u00fcberlegene Organisationsform wirtschaftlicher Transaktionen der Zukunft, manche sogar ein neues Zeitalter. Das Time Magazin z\u00e4hlte diese Entwicklung bereits 2011 zu jenen, die die Welt ver\u00e4ndern werden: \u201eSomeday we&#8217;ll look back on the 20th century and wonder why we owned so much stuff.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Hier soll nicht den interessanten Fragen nachgegangen werden, ob dies tats\u00e4chlich eine realistische Perspektive ist und wie weit dieser Prozess gegebenenfalls fortgeschritten ist. Die Stossrichtung ist vielmehr zu pr\u00fcfen, ob in der Sharing Economy tats\u00e4chlich v\u00f6llig neue Gesch\u00e4ftsmodelle entstehen. N\u00e4her betrachtet stellen sich interessante Verbindungslinien mit dem traditionsreichen genossenschaftlichen Gesch\u00e4ftsmodell heraus. Doch es gilt zu differenzieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Teilen und nutzen<\/b><\/p>\n<p>\u201eTeilen statt haben\u201c oder \u201enutzen statt besitzen\u201c sind inzwischen gebr\u00e4uchliche und meist positiv assoziierte Beschreibungen von Konsumverhalten geworden. Dabei hat unterschiedliche Auspr\u00e4gungen und zahlreiche Facetten, was heute unter der Share Economy subsumiert wird. Der \u00fcber eine Smartphone-App funktionierende Fahrgastvermittler Uber oder Airbnb, die Plattform f\u00fcr die Vermietung und Buchung von privaten Unterk\u00fcnften, sind schnell bekannt gewordene Unternehmen dieses Wirtschaftssegments: Erfolgreiche Startups, \u00fcber deren geplante B\u00f6rseng\u00e4nge gemunkelt wird. Crowdfunding, die Zusammenf\u00fchrung vieler Kapitalgeber oder Spender zur Finanzierung von Projekten, meist wird dazu im World Wide Web aufgerufen, ist eine andere Auspr\u00e4gung der Share Economy. Nicht neu, aber in der Verbreitung zunehmend sind Carsharing, Booksharing, Kleider- und Schmucksharing, Gardensharing, diverse Verleih- und Verschenkb\u00f6rsen. Auch die Maschinenringe in der Landwirtschaft, die gemeinsame Nutzung von Garten- und Haushaltsger\u00e4ten fallen in die Share Economy.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Global bis nachbarschaftlich<\/b><\/p>\n<p>Bereits hier f\u00e4llt eine ausgepr\u00e4gte Vielfalt der Aktivit\u00e4ten und konkreten Organisationen auf, wobei wesentliche Unterscheidungsmerkmerkmale darin bestehen, \u00fcber welche Medien Anbieter und Nachfrager zusammenkommen, also wie der Markt konkret organisiert ist, und wie die Eigentumsrechte ausgestaltet sind, womit zusammenh\u00e4ngt, wem entstehende Gewinne zuflie\u00dfen. Die Share Economy kennt ihre globalen Auspr\u00e4gungen ebenso wie die lokalen, sie ist kommerziell orientiert oder sie dient dem nachbarschaftlichen Austausch.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Nachhaltige Gesellschaftsordnung<\/b><\/p>\n<p>Die Entwicklung der Share Economy ist in gesellschaftliche Trends eingebunden, die nicht au\u00dfer Acht gelassen werden k\u00f6nnen. So soll die Share Economy Teil einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Gesellschaftsordnung sein, die durch \u201eeine Revolution von unten\u201c entstehen soll, die nicht nur die Menschen von der Abh\u00e4ngigkeit von gro\u00dfen Unternehmen und Dienstleitern befreien, sondern mit gleichen Ressourcen mehr W\u00fcnsche erf\u00fcllen und ein Aufbrechen der traditionellen Konsummuster erm\u00f6glichen soll. Wenn aus Konsumenten Nutzer werden, werden in diesem Prozess als ungerecht eingesch\u00e4tzte Gesch\u00e4ftsmodelle zerst\u00f6rt und wird es m\u00f6glich sich von Regeln zu befreien, die deren Bestand sch\u00fctzen. Generell hat dies nicht nur dazu gef\u00fchrt, Regeln, die die Selbstbestimmung der Individuen einschr\u00e4nken, verst\u00e4rkt auf den Pr\u00fcfstand zu stellen, sondern auch das Eigentum mit seinen Verpflichtungen und Rechten zu hinterfragen, das heute einen wesentlichen Pfeiler der Wirtschafts- und der Gesellschaftsordnung darstellt.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Digitale Plattformen<\/b><\/p>\n<p>In diesem gesellschaftlichen Umfeld der Sharing Economy sind deren neue Praktiken entstanden. Trotz ihrer Vielfalt zeichnen sie sich durch zwei gemeinsame Merkmale aus. Erstens bilden das Fundament der Share Economy Aktivit\u00e4ten einer besseren Auslastung bestehender Kapazit\u00e4ten. W\u00e4hrend die Beschaffung der meist langlebigen G\u00fcter wie Autos, Wohnungen, Haushaltsger\u00e4te, Werkzeuge etc. nach Spitzenlastanforderungen erfolgt oder eben nicht beliebig teilbar ist, stellt die Share Economy Mechanismen bereit, die verf\u00fcgbaren Kapazit\u00e4ten besser zu nutzen und damit die Fixkosten bei meist geringen variablen Kosten \u2013 im Extremfall Grenzkosten von Null \u2013 besser umzulegen. Die Senkung der Durchschnittkosten erfolgt durch die Nutzung von Skalenertr\u00e4gen vor dem Hintergrund unterschiedlicher individueller Pr\u00e4ferenzen. Dieser \u00f6konomische\u00c2\u00a0 Mechanismus ist nicht neu. Wohl aber, dass dies heute vor allem \u2013 das zweite Merkmal \u2013 mit Hilfe der modernen Informationstechnologie, die den daraus folgenden Austausch erleichtert, geschieht. Sie erm\u00f6glicht die Implementation von Plattformen unterschiedlicher Ausgestaltung, die Kapazit\u00e4tsnachfrager und \u2013anbieter zusammenbringt und die eine Implementierung der neuen Gesch\u00e4ftsmodelle erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Wettbewerbsprozesse<\/b><\/p>\n<p>Die zugrunde liegenden technologischen Innovationen, die die Gesch\u00e4ftsmodelle der Sharing Economy erm\u00f6glichen und ihre Durchsetzung beschleunigen, f\u00fchren zum Wettbewerb mit den bisher praktizierten Formen des Leistungsaustausches. Dass Regelungsl\u00fccken genutzt werden k\u00f6nnen oder branchen\u00fcbliche Vorschriften als dem Neuen nicht ad\u00e4quat eingesch\u00e4tzt, nicht akzeptiert werden oder die Aktivit\u00e4ten bislang unreguliert geblieben sind, beschleunigt die Ausbreitung der Sharing-Modelle zus\u00e4tzlich. Marktzutrittsregeln, steuer-, versicherungs- und arbeitsrechtliche Vorgaben, Hygiene und- Brandschutzvorgaben, um nur einige zu nennen, haben eine hohe Regelintensit\u00e4t in der Non Share Economy, in der streng zwischen Anbietern und Nachfragern sowie zwischen Gewerbe und Nicht-Gewerbe differenziert wird, entstehen lassen, die nun zu differenzierten Wettbewerbsbedingungen gef\u00fchrt hat. Dies l\u00e4sst nicht nur positiven Druck entstehen, zu hinterfragen, ob manche Regulierungen vor den aktuellen Rahmenbedingungen noch angebracht sind, sondern auch zu pr\u00fcfen, welche Regeln f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten der Share Economy notwendig sind. Erst dann kann sich zeigen, ob sich die Innovationen im Wettbewerb tats\u00e4chlich durchsetzen. Denn das Ignorieren von bestehenden Regeln in der Share Economy f\u00fchrt dazu, dass deren Schutzwirkung gerade f\u00fcr sozial Schw\u00e4chere ausgehebelt wird, was mit einer Umverteilung zugunsten der Plattformorganisatoren oder -eigent\u00fcmer verbunden ist. Die aktuellen Diskussionen rund um die Uber-Aktivit\u00e4ten zeigen dies sehr deutlich.<a title=\"\" href=\"#_edn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Bef\u00fcrchtete Kommerzialisierung<\/b><\/p>\n<p>Aus diesen Gegebenheiten werden heute zwei miteinander zusammenh\u00e4ngenden Gefahren abgeleitet und kontrovers diskutiert. Erstens wird die totale Kommerzialisierung bef\u00fcrchtet, indem die neu entstandenen Bewertungsm\u00f6glichkeiten, digitale M\u00e4rkte mit einem ausgezeichnet funktionierenden Preismechanismus in Bereichen schaffen, die bislang anders organisiert wurden, so z.B. die Nachbarschaftshilfe. Die Marktkr\u00e4fte sind eben damit verbunden, dass manche Nachfragen nicht (mehr) bedient werden. Dies hat Konsequenzen f\u00fcr das Zusammenleben in der Gesellschaft und l\u00e4ngst ist eine Ethik der Sharing Economy entstanden, die letztlich auf der Kritik an den neu geschaffenen M\u00e4rkten und ihren Anreizen aufbaut.<a title=\"\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Organisationsrenten als Anreiz<\/b><\/p>\n<p>Zweitens aber kommen die Verteilungswirkungen der neuen Gesch\u00e4ftsmodelle in den Fokus. W\u00e4hrend meist die Plattformnutzer und deren Sharing im Vordergrund stehen, wenn von der Share Economy geschw\u00e4rmt wird, bleibt im Dunkeln, dass das Zusammenbringen eines hinreichenden Ausma\u00dfes von Nachfrage und Angebot eine unternehmerische Leistung darstellt, die von den Organisatoren der Plattform erbracht wird. Die Plattform-Unternehmen sind es daher auch, die die Renten des Gesch\u00e4ftsmodells absch\u00f6pfen. Da die Vorteile f\u00fcr Anbieter und Nachfrager mit der Gr\u00f6\u00dfe des Sharing-Netzwerkes steigen und dessen Wachstum nur geringe Grenzkosten verursacht, weisen die Plattformen zudem eine Tendenz zur Monopolisierung mit den bekannten \u00f6konomischen Konsequenzen auf, zu denen z\u00e4hlt, dass die Betreiber der Plattform auch jene sind, die die Gewinne \u00c2\u00a0in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Kritisierter Plattform-Kapitalismus<\/b><\/p>\n<p>Diese Erkenntnis hat inzwischen zu einer gewissen Ern\u00fcchterung beigetragen und der Kritik, dass die Share Economy weniger zu einer Transformation des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems f\u00fchrt, sondern nur zu dessen Anpassung an die digitalen Rahmenbedingungen.<a title=\"\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a> Nicht \u00fcberraschend haben sich f\u00fcr die Share Economy nun auch Etiketten wie digitaler Kapitalismus oder Plattform-Kapitalismus<a title=\"\" href=\"#_edn5\">[5]<\/a> herausgebildet. Dies bezieht nat\u00fcrlich weniger den ehrenamtlich organisierten nachbarschaftlichen Austausch von Haushaltsger\u00e4ten ein als die global, kommerziell und sehr professionell organisierten Plattformen wie Uber, Airbnb und andere. Die Entt\u00e4uschung folgt dem Wiedererkennen der bekannten marktwirtschaftlichen Wirkungsmechanismen, die an den Anspr\u00fcchen gemessen werden, eine neue Gesellschaftsordnung zu entwickeln.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Vernachl\u00e4ssigte Eigentumswirkungen<\/b><\/p>\n<p>Die Ern\u00fcchterung folgt der vorangegangenen Vernachl\u00e4ssigung der Funktionen von Eigentum und entsprechenden Verf\u00fcgungsrechten. Konkret geht es nun um das Eigentum oder die Organisationsrechte an der Plattform, die zum Bezug des Gewinns berechtigen, an dessen Entstehung Leistungsanbieter wie Nachfrager grundlegend mitwirken. Dieser flie\u00dft eben wie in jeder Marktwirtschaft denen \u00c2\u00a0zu, die die Plattform aufbauen und zur Verf\u00fcgung stellen, den Investoren. Es sind Dritte, nicht die Anbieter und nicht die Nachfrager, die die Renten der Zusammenarbeit absch\u00f6pfen. In der Sharing Economy wird eben das Eigentum Anderer gemeinsam genutzt, mit allen Verteilungskonsequenzen, die privates Individualeigentum mit sich bringt. Ein gemeinsames Eigentum gibt es hingegen nicht. Auch teilen, auch nutzen, setzt Eigentum voraus, entscheidend ist wer es hat.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Genossenschaften als organisatorische Innovationen<\/b><\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass Genossenschaften als eine institutionelle Innovation seinerzeit in einer Epoche umfassender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umw\u00e4lzungen entstanden sind. Sie sollten als Akt der Selbsthilfe die Organisation und Verwirklichung von Projekten erm\u00f6glichen, die f\u00fcr einzelne Individuen nicht leistbar waren. Die genossenschaftliche Zusammenarbeit konnte Skalen- und B\u00fcndelungsvorteile nutzen und auf diese Weise eine Kooperationsrente schaffen. Das genossenschaftliche Gesch\u00e4ftsmodell beruht auf einer Netzwerkorganisation selbst\u00e4ndiger Akteure, die zusammen Gemeinschaftsg\u00fcter oder gemeinsam nutzbare Infrastrukturen \u2013 z. B. eine Plattform \u2013 organisieren. Diese strukturelle \u00dcbereinstimmung mit den Organisationen der Share Economy ist eine sehr ausgepr\u00e4gte.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Nutzer als Eigent\u00fcmer<\/b><\/p>\n<p>Doch in der Umsetzung zeigt sich ein markanter Unterschied. Die Nutzer genossenschaftlicher Plattformen sind gleichzeitig deren Eigent\u00fcmer \u2013 die genossenschaftlichen Mitglieder \u2013 und auch dies mit allen \u00f6konomischen Konsequenzen. Konkret hei\u00dft dies, dass die Ergebnisse der Zusammenarbeit, die Kooperationsrente, vor allem in Form der Gewinne, den nutzenden Eigent\u00fcmern zuflie\u00dfen. Es finden keine Abfl\u00fcsse an externe Investoren statt, die selbst nicht unmittelbar an den Plattformleistungen interessiert sind, diese sich also nicht in ihrer Nutzenfunktion finden. Die Nachfrager der Plattformleistungen organisieren sich entweder das Angebot selbst oder sie produzieren es selbst. Uber genossenschaftlich rekonfiguriert w\u00fcrde also so aussehen, dass die Nachfrager und die Anbieter entsprechender Fahrdienstleistungen als Mitglieder von der genossenschaftlichen Plattform koordiniert werden. Alternativ k\u00f6nnten die Nachfrager nach Fahrdienstleistungen als Mitglieder der Genossenschaft von dieser externe Anbieter vermittelt bekommen, die entsprechende Standards erf\u00fcllen oder die Nachfrager k\u00f6nnten als Mitglieder nicht nur in die Plattform, sondern auch in die Fahrzeuge investieren, was dann sehr nahe am Modell des Car Sharing orientiert w\u00e4re.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Gewinne den Nutzern<\/b><\/p>\n<p>Im Ergebnis wird beim genossenschaftlichen Modell der Share Economy aus dem ShareholderValue der Investoren der digitalen Plattformen ein MemberValue, ein Nutzerwert. Das genossenschaftliche Eigentum ist kein Individualeigentum, sondern ein kollektives Nutzungseigentum. Mit dem Eintritt in die Genossenschaft beginnt das Recht der Nutzung der Plattformleistung und mit dem Austritt endet es. Der Leistungsbezug sowie eine Verzinsung der Gesch\u00e4ftsanteile, falls diese vorgesehen ist, f\u00fcr die Dauer der Mitgliedschaft definieren die Mitgliederrechte neben dem Recht (und der Pflicht) der Mitwirkung an strategischen Entscheidungen und zwar mit jeweils einer Stimme. Die Wertsteigerung des gemeinsamen Unternehmens (hier der Plattform) zwischen Ein- und Austritt wird bei einem Verlassen der Genossenschaft nicht mitgenommen, sondern sie bleibt in dieser, um ihre Entwicklung sicherzustellen, die Leistungen zu verbessern etc. Wichtig ist zu erkennen, dass Genossenschaften gewinnorientierte Unternehmen sind. Gewinne entstehen durch die Aktivit\u00e4ten und im Interesse der Plattformnutzer. Das Sharing erm\u00f6glicht eine bessere Kapazit\u00e4tsauslastung vorhandener G\u00fcter und ist daher nicht nur im Interesse des Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft. Daher k\u00f6nnte die Sharing Economy in einer genossenschaftlichen Ausgestaltung auch ein St\u00fcck n\u00e4her an die skizzierten Gesellschaftsentw\u00fcrfe kommen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Verbindliche Regeln<\/b><\/p>\n<p>Das genossenschaftliche Gesch\u00e4ftsmodell zeichnet sich durch eine besondere Governance aus (Netzwerkstrukturen, MemberValue, kapitalunabh\u00e4ngiges Stimmrecht), die gesetzlich verankert ist und auch klare Regeln der Gewinnentstehung, -verwendung und \u2013verteilung beinhaltet. Dies bedeutet verbindliche Regeln, was f\u00fcr Akteure der Sharing Economy auf den ersten Blick befremdend wirken mag. Doch ber\u00fccksichtigt man die gesellschaftlichen Wunschbilder und die Ern\u00fcchterung, die durch die normative Kraft des Faktischen entstanden ist, muss genau dies als Vorteil gesehen werden. Regeln f\u00fcr eine Sharing Economy, die eine heterogene Gesellschaft in m\u00fchsamen Prozessen erst entwickeln m\u00fcsste, sind bereits formuliert und haben sich seit \u00fcber 150 Jahren bew\u00e4hrt. Nicht \u00fcberraschend gibt es auch Beispiele f\u00fcr genossenschaftlich organisierte Aktivit\u00e4ten der Share Economy. Sie beginnen bei den Maschinenringen, die l\u00e4ngst ein umfangreiches Leistungsb\u00fcndel f\u00fcr ihre Mitglieder in ihrem Sortiment haben und gehen \u00fcber genossenschaftlich organisiertes Carsharing und \u00fcber Taxigenossenschaften. Neueste Auspr\u00e4gungen sind genossenschaftlich organisierte Datenclouds.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Eigentum teilen<\/b><\/p>\n<p>Eine Genossenschaft bedeutet, sich ein gemeinsames Unternehmen zu teilen, also Eigentum zu teilen und nicht nur gemeinsam zu nutzen. Eine genossenschaftliche Organisation bietet sich also an, um die Bef\u00fcrchtung und die Gefahren eines \u201ePlattform-Kapitalismus\u201c auszuhebeln, indem die wichtigen Funktionen des Eigentums nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Dabei sollte nicht au\u00dfer Betracht bleiben, dass kollektives Eigentum auch mit Herausforderungen fertig zu werden hat. Dies sind Entscheidungsfindungs- und Anreizprobleme wie sie die Theorie der Clubs und jene der \u00f6ffentlichen G\u00fcter ausgearbeitet hat. Doch f\u00fcr diese sind auch L\u00f6sungen verf\u00fcgbar. Nicht immer wird man sich f\u00fcr genossenschaftlich organisierte Plattformen in der Share Economy entscheiden, entweder weil man sie nicht kennt oder weil man die restriktiven Verhaltensbeschr\u00e4nkungen nicht akzeptieren will oder weil man selbst nicht unternehmerisch t\u00e4tig sein will. Doch unter Ber\u00fccksichtigung der Grundidee der Share Economy und der mit ihr verbundenen Hoffnungen bedeutet die genossenschaftliche L\u00f6sung, dass man die Prinzipien und die Konsequenzen der \u201eneuen Gesch\u00e4ftsmodelle\u201c auch bis zu Ende gedacht hat. Genossenschaften waren also tats\u00e4chlich eine \u201eradikale organisatorische Innovation\u201c, die \u00c2\u00a0vor \u00fcber 150 Jahren entwickelt wurde und die heute moderner denn je ist.<\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a>Vgl. http:\/\/content.time.com\/time\/specials\/packages\/article\/0,28804,2059521_2059717_2059710,00.html).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a>Vgl. z.B. http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Kartellamt-Chef-sieht-positive-Wirkung-von-Uber-auf-die-Taxibranche-2411587.html.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a>Vgl. Z.B. http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/uber-und-airbnb-ethik-der-share-economy-a-988612.html.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a>Vgl. Jeremy Rifkin (2014): The zero marginal cost society, Palgrave Macmillan, New York.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a>Vgl. http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/sascha-lobo-sharing-economy-wie-bei-uber-ist-plattform-kapitalismus-a-989584.html<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kurze Antwort auf diese Frage ist m\u00f6glich. Sie lautet: Ja und nein. Er\u00f6rterungen \u00fcber die Sharing Economy sind inzwischen sehr zahlreich. 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