{"id":15780,"date":"2014-10-29T06:18:40","date_gmt":"2014-10-29T05:18:40","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15780"},"modified":"2014-10-29T06:19:21","modified_gmt":"2014-10-29T05:19:21","slug":"jetzt-gehts-losdie-ergebnisse-des-comprehensive-assessment-als-startschuss-fuer-die-bankenaufsicht-durch-die-ezb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15780","title":{"rendered":"Jetzt geht\u00c2\u00b4s los<br\/><font size=3; color=grey>Die Ergebnisse des \u201ecomprehensive assessment\u201c als Startschuss f\u00fcr die Bankenaufsicht durch die EZB<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Seit vor gut zwei Jahren die Neuordnung der Bankenaufsicht und die Rolle der EZB in die Gestalt annahmen, wurde in diesem Blog immer wieder \u00fcber dieses <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10214\">Thema<\/a> berichtet. Nach einigem hin und her kam es zu einer Konzentration der EZB-Zust\u00e4ndigkeit als \u201eSingle Supervisory Mechanism (SSM)\u201c auf rund 130 Banken, deren \u201eSystemrelevanz\u201c anhand absoluter und relativer Kennzahlen identifiziert wurde.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Vor der \u00dcbernahme der unmittelbaren Kontrolle dieser Kreditinstitute durch die EZB sollte ein initialer Test der finanziellen Stabilit\u00e4t durchgef\u00fchrt werden. Dieses oft etwas oberfl\u00e4chlich als \u201eStresstest\u201c bezeichnete \u201ecomprehensive assessment\u201c hatten neben einer Bestandsaufnahme f\u00fcr die neuen Kontrolleure sicher auch den Nebeneffekt, Wackelkandidaten auszusortieren oder mit entsprechenden Auflagen zu versehen, damit der EZB nicht gleich im ersten Jahr ihrer neuen Funktion das schlechte Image eines gesenkten Daumens drohte, zumal sie selbst ja nicht f\u00fcr die bisherige Solidit\u00e4t der untersuchten Banken verantwortlich war.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Tests, dessen Probanden mit rund 22 Billionen Euro knapp 82% aller unter den SSM fallenden Bankaktiva zum 31.12.2013 repr\u00e4sentierten, wurden als \u201eaggregat report on the comprehensive assessment\u201c am 26.10.2014 (einem Sonntag!) ver\u00f6ffentlicht. Das Vorwort dieses Berichts beginnt mit einer Feststellung, welche die Bedeutung des Tests sicher zutreffend widerspiegelt:<\/p>\n<p><i>\u201cThe completion of the comprehensive assessment is a major milestone towards the operational start of the Single Supervisory Mechanism (SSM) in November 2014.\u201c\u009d<\/i><\/p>\n<p>Entsprechend gro\u00df ist die \u00f6ffentliche Beachtung, welcher dieser Test in der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die sonnt\u00e4gliche Ver\u00f6ffentlichung seiner Ergebnisse geniest \u2013 so gro\u00df, dass sich einige Anmerkungen hierzu beinahe aufdr\u00e4ngen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Vorgeschichte<\/h3>\n<p>Die Problematik eines solchen Tests ist schon an sich vielf\u00e4ltig und beginnt mit der Zielsetzung, einerseits so ernsthaft zu pr\u00fcfen, dass Vertrauen in die damit erzielten Ergebnisse entsteht, aber andererseits keine zu hohen Anforderungen an die Probanden zu stellen, um nicht durch die Identifikation vieler Problembanken einen Fl\u00e4chenbrand am Kapitalmarkt zu entz\u00fcnden. Ein Blick auf die Vorl\u00e4ufer des comprehensive assessment zeigt deutlich, dass hier in Europa ein erheblicher Besserungsbedarf bestand: Im Gegensatz zu den Stresstests in den USA wurde der erste Test durch die European Banking Authority (EBA) als wenig hilfreich f\u00fcr die Marktteilnehmer empfunden, zumal schon relativ bald nach seinem Erscheinen Banken mit testierter Stabilit\u00e4t finanzielle Probleme bekanntgeben mussten.<\/p>\n<p>Dies sowie die oben skizzierte Interessenlage der EZB lie\u00dfen von vornherein ein rigideres Pr\u00fcfverhalten erwarten. Dass dies angesichts der ben\u00f6tigten Menge an Humankapital von geeigneten Pr\u00fcfern, einem durchaus knappen Zeitbudget sowie der Beachtung unterschiedlicher Rahmenbedingungen hinsichtlich nationalen Aufsichts-, Gesellschafts- und Bilanzrechts eine Herkulesaufgabe darstellen w\u00fcrde, war ebenfalls schon vor dem Start klar und kann im Report an verschiedenen Stellen in und zwischen den Zeilen deutlich nachgelesen werden.<\/p>\n<p>Nachdem dieses organisatorische Problem gel\u00f6st und die Arbeiten in die finale Phase gekommen waren, ging es darum, den Kapitalmarkt in geeigneter Weise auf die Ergebnisse vorzubereiten. Entsprechend verwundert es nicht, dass rund einen Monat vor der angek\u00fcndigten Ver\u00f6ffentlichung Signale aus gut unterrichteten Kreisen den Weg in die Medien fanden. Von Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble \u00fcber die Bafin-Chefin Elke K\u00f6nig bis hin zum Co-CEO der Deutschen Bank und Pr\u00e4sident des Bundesverbands Deutscher Banken J\u00fcrgen Fitschen zeichnete sich in entsprechenden \u00c4u\u00dferungen immer deutlicher ab, dass es wohl einige \u201eDurchfaller\u201c geben werde, aber die deutschen Instute kaum dazu geh\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auf EUROp\u00e4ischer Ebene war das Bild nicht so einheitlich, doch hatten viele Wackelkandidaten bereits seit dem Stichtag des Tests, dem 31.12.2013, quasi im vorauseilenden Gehorsam erheblich Kapital (alle untersuchten Banken zusammen gut 57 Mrd. Euro) eingesammelt, so dass die Menge der Problemf\u00e4lle kaum zu allgemeinen B\u00f6rsenersch\u00fctterungen im Euro-Raum und dar\u00fcber hinaus f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>Am 24.10.2014, zwei Tage vor der allgemeinen Ver\u00f6ffentlichung, als die untersuchten Institute bereits die Resultate zugestellt bekommen hatten, machten sich schlie\u00dflich Ger\u00fcchte breit, dass unter Ber\u00fccksichtigung der zwischenzeitlichen Kapitalbeschaffung 11 Banken den Test nicht bestanden hatten, wobei der hohe Anteil italienischer Institute m\u00f6glicherweise zu negativen Kapitalmarktreaktionen f\u00fchren k\u00f6nne.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Ergebnisse und erste Reaktionen<\/h3>\n<p>Die tats\u00e4chliche Ver\u00f6ffentlichung und die B\u00f6rsenreaktionen am folgenden Montag, dem 27.10.2014, waren dann auch nur die Verifikation dieser Signale, deren Basis mehrheitlich gezielte Indiskretionen gewesen sein d\u00fcrften. Von 25 \u201eDurchfallern\u201c zum 31.12.2013 blieben prima facie nach den beschriebenen Kapitalma\u00dfnahmen noch 11 Problembanken \u00fcbrig, von denen wiederum vier aufgrund unterschiedlicher Aspekte der EZB keine wirklichen Sorgen machen m\u00fcssen, obwohl sie zusammen f\u00fcr knapp 4 Mrd. Euro der rund 9,5 Mrd. Kapitall\u00fccke aller verbliebenen 11 Institute sorgen.<\/p>\n<p>Bankaktien z\u00e4hlten dann bei B\u00f6rsenstart am 27.10.2014 in vielen L\u00e4ndern zu den Gewinnern. Nur in Italien, wo die meisten der sieben verbliebenen Kreditinstitute mit \u201eShortfalls\u201c domiziliert sind, gab es schnell teilweise zweistellige Kursabschl\u00e4ge und sogar eine Aussetzung der Notierung. Am Ende des Tages hatte dann auch der Branchenindex \u201eStoxx Europe 600 Banks\u201c nach wechselhaftem Verlauf einen R\u00fcckgang um 1,74% zu verzeichnen, wobei dies nicht nur, aber auch nicht zuletzt, dem Druck auf die italienischen Indexmitglieder geschuldet war. Dabei ist allerdings zu ber\u00fccksichtigen, dass der Index im Oktober angesichts des anstehenden Ver\u00f6ffentlichungstermins, der beschriebenen Nachrichten und einer allgemein volatilen B\u00f6rse bereits zuvor eine stattliche Tal- und Bergfahrt hingelegt hatte. So \u00fcberrascht es dann auch nicht, dass er tags darauf wieder um knapp ein Prozent zulegte.<\/p>\n<p>Allgemein scheint sich nach den ersten Reaktionen die Erleichterung durchzusetzen. Zwar werden es die verbliebenen Problembanken entsprechend nicht leicht haben, die diagnostizierte Kapitall\u00fccke zu f\u00fcllen, doch sind die sie betreffenden rund 5.5 Mrd. Euro angesichts des ehemaligen schwarzen Lochs in der europ\u00e4ischen Bankenwelt und der runden Viertelbillion Euro, welche die teilnehmenden Banken insgesamt seit dem Ausbruch der Finanzkrise an Eigenkapital eingesammelt haben, eine durchaus \u00fcberschaubare Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Gewinner EZB?<\/h3>\n<p>Kann die EZB folglich als Gewinner dieses \u201eVorverfahrens\u201c nun relativ entspannt ihre eigentliche Aufsichtst\u00e4tigkeit beginnen? Wohl nur, wenn das \u201ecomprehensive assessment\u201c tats\u00e4chlich die H\u00e4rte aufweist, die es f\u00fcr sich selbst in Anspruch nimmt. F\u00fcr diese H\u00e4rte spricht neben der bereits skizzierten Interessenlage der EZB im Vorfeld des Tests auch dessen Struktur. Diese beinhaltet neben dem eigentlichen \u201eStresstest\u201c auch eine \u00dcberpr\u00fcfung der Werthaltigkeit der Bankaktiva sowohl im Ausgangszustand als auch in den Stresszenarien.<\/p>\n<p>Selbst wenn das aus den ersten Reaktionen ableitbare Vertrauen gerechtfertigt w\u00e4re, die wenigen Problemf\u00e4lle im Rahmen der daf\u00fcr vorgesehenen Prozedur saniert oder abgewickelt w\u00fcrden und die systemrelevanten Banken weiterhin in ihrer Kapitalstruktur der Politik des vorauseilenden Gehorsams folgen sollten, blieben viele Probleme erhalten. Die vielfach angesprochene Interessenkollision zwischen den Funktionen Aufsicht und Geldpolitik<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> bleibt ebenso eine schwere Hypothek wie die Tatsache, dass zumindest einige Mitgliedsstaaten der Eurozone weiterhin nur z\u00f6gerlich dringende Strukturreformen in Angriff nehmen, weil sie auf die L\u00f6sung ihrer Probleme durch die EZB hoffen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mario Draghi, der diese Reformen als unabdingbares Komplement zu den historisch beispiellosen und \u00fcberaus gef\u00e4hrlichen Ma\u00dfnahmen der EZB angemahnt hat, k\u00f6nnte ein anf\u00e4nglicher Erfolg des SSM sogar zu einem unvermuteten Boomerang werden, weil er Anreize zu weiteren f\u00fcr die EZB nicht w\u00fcnschenswerten Kompetenzverschiebungen von der Politik auf die Notenbank bieten w\u00fcrde. Irgendwann w\u00fcrde dann die EZB zur Resterampe ungel\u00f6ster Strukturprobleme mutieren und unter der Last unl\u00f6sbarer Aufgaben zusammenbrechen. Nicht nur insofern wei\u00df man nicht, ob man ihrer Aufsichtst\u00e4tigkeit publikumswirksame Anfangserfolge w\u00fcnschen soll.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. hierzu sowie zur Einbettung dieser Ma\u00dfnahme in die geplante \u201eEurop\u00e4ische Bankenunion\u201c Vollmer, WiSt 2014, S. 422 ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. nochmals Vollmer, WiSt 2014, hier S. 426 f.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vor gut zwei Jahren die Neuordnung der Bankenaufsicht und die Rolle der EZB in die Gestalt annahmen, wurde in diesem Blog immer wieder \u00fcber &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15780\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eJetzt geht\u00c2\u00b4s los<br \/><font size=3; color=grey>Die Ergebnisse des \u201ecomprehensive assessment\u201c als Startschuss f\u00fcr die Bankenaufsicht durch die EZB<\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":125,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,38,12],"tags":[910,121,1636],"class_list":["post-15780","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaisches","category-institutionelles","category-monetares","tag-bankenaufsicht","tag-ezb","tag-stresstest"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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