{"id":15946,"date":"2014-12-10T09:58:11","date_gmt":"2014-12-10T08:58:11","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15946"},"modified":"2014-12-12T14:37:33","modified_gmt":"2014-12-12T13:37:33","slug":"die-werte-der-wirtschaft-6zur-gesellschaftlichen-mitverantwortung-der-unternehmen-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15946","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Die Werte der Wirtschaft (6)<\/font><br>Zur gesellschaftlichen Mitverantwortung der Unternehmen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Das Gewinnstreben des Unternehmenssektors wird heutzutage in den Medien h\u00e4ufig kritisch kommentiert. Besonders am Pranger stehen seit der Finanzmarktkrise die Banken, aber von Zeit zu Zeit geraten auch Lebensmittelhersteller oder die Bekleidungsindustrie ins Visier. Konsumenten wie B\u00fcrger erwarten von ihren Unternehmen, dass sie Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft \u00fcbernehmen und sich bei ihrem Streben nach Profit an die geschriebenen und ungeschriebenen moralischen Regeln halten. Es wird viel \u00fcber Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship geschrieben und gesprochen.<\/p>\n<p>Von den B\u00fcrgern wird heute verlangt, dass ein Unternehmen in der Lage sein sollte, seine Gesch\u00e4ftsinteressen mit den Interessen der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Mitverantwortung im \u00f6ffentlichen Raum ist in einer Marktwirtschaft eine zentrale gesellschaftliche Forderung, denn aufgrund der L\u00fccken und Grauzonen, die auch in der wohlmeinendsten gesetzlichen Rahmenordnung entstehen, ist der Verzicht auf mitverantwortliches Handeln der Kapitulation vor der Weiterentwicklung der gesetzlichen Regeln gleich zu setzen. Dies gef\u00e4hrdet langfristig das Funktionieren der Wirtschaftsordnung. Denn auch und gerade eine Marktwirtschaft ben\u00f6tigt die <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15697\" target=\"blank\">solidarische Mitwirkung<\/a> ihrer Mitglieder \u2013 auch jene der Unternehmen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wie stehen Mitverantwortung f\u00fcr die Gesellschaft und Gewinnstreben zueinander?<\/strong><\/p>\n<p>Das Gemeinwohl zu f\u00f6rdern und gleichzeitig Gewinne zu erzielen, dies muss keineswegs zwangsweise zu einem moralischen Konflikt f\u00fchren. Im Normalfall entsteht gewinnorientiertes Handeln durch die \u00dcbernahme von gesellschaftlicher Verantwortung, ist unternehmerische Aktivit\u00e4t doch am Wohl der Kunden und der anderen Stakeholder des Unternehmens orientiert. Ein erstes Motiv f\u00fcr mitverantwortliches Agieren im \u00f6ffentlichen Raum ist damit die Ausnutzung der sogenannten Win-win-Situation: Die \u00dcbernahme von Mitverantwortung im \u00f6ffentlichen Raum f\u00f6rdert gleichzeitig Gewinne und Gemeinwohl. Dieser Fall ist zumeist unproblematisch; jeder Unternehmer wird hier in eigenen Interesse das Gemeinwohl f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die Herausforderung der Unternehmer, eine Br\u00fccke zwischen ihrem Profit einerseits und ihrer sozialen Verantwortung andererseits zu schlagen, kann indes gro\u00df sein, wenn die Ziele Gewinnstreben und Gemeinwohl sich als nicht gleichgerichtet erweisen. Der essenzielle Inhalt der Unternehmensethik stellt genau auf dieses Spannungsfeld zwischen Gewinnstreben und Gemeinwohl ab. Hier wird auch dann uneigenn\u00fctziges Handeln auf Seiten der Unternehmen eingefordert, wenn die ethischen oder gesellschaftlichen Anforderungen nicht mit den Gewinninteressen der Unternehmen \u00fcbereinstimmen. Unternehmen stehen damit oftmals \u2013 wenn keine Win-win L\u00f6sung f\u00fcr Gewinn und Gemeinwohl m\u00f6glich ist \u2013 vor der Entscheidung: Gewinn oder Verantwortung?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Warum aber entscheiden sich auch gewinnorientierte Unternehmen in einer solchen Konfliktsituation dazu, Mitverantwortung im \u00f6ffentlichen Raum zu \u00fcbernehmen? <\/strong><\/p>\n<p>Hierf\u00fcr lassen sich zwei unterschiedliche Gr\u00fcnde nennen: Im ersten Fall k\u00f6nnten die CSR-Ma\u00dfnahmen Alibi-Ma\u00dfnahmen sein, um sich f\u00fcr Verantwortungsversagen reinzuwaschen. Fallen Unternehmen Gewinne zu, ist der Grund hierf\u00fcr normalerweise, dass sie sich im Wettbewerb behaupten k\u00f6nnen, dass sie sich abheben von der Konkurrenz und dass ihre Marktstrategien erfolgreich sind. Demnach stehen diese Gewinne den Unternehmen zumeist gerechtfertigt zu, belohnen sie doch eine besondere Leistung. Dies trifft jedoch auf manche Unternehmen nicht zu, wenn sie n\u00e4mlich ihre Gewinne nicht aufgrund besonderer Leistungen, sondern aus ihrer Marktstellung bzw. Marktmacht heraus generieren k\u00f6nnen. Die Gesellschaft g\u00f6nnt solchen marktm\u00e4chtigen Konzernen den Gewinn denn auch oftmals nicht. Gerade von diesen Unternehmen wird daher verlangt, ihre Gewinne wieder auszusch\u00fctten und f\u00fcr soziale Zwecke einzusetzen, wohingegen dieses Verhalten von kleinen Unternehmen nicht in \u00e4hnlichem Ma\u00dfe erwartet wird. Infolgedessen ist Corporate Social Responsibility ein n\u00fctzliches Instrument f\u00fcr Gro\u00dfunternehmen, um Vertrauen bei den Konsumenten und in der Gesellschaft zu erzeugen oder zur\u00fcckzugewinnen. Unternehmen handeln hier sozial, um vom eigentlichen Fehlverhalten bez\u00fcglich des Kerngesch\u00e4ftes (der Ausnutzung von Monopol-Macht auf ihrem Absatzmarkt oder von Monopson-Macht auf ihrem Beschaffungsmarkt) abzulenken. In solch einem Fall kann man den Unternehmern kein mitverantwortliches Handeln bzw. Handeln im Sinne des Allgemeinwohls attestieren, obwohl sie Ressourcen f\u00fcr die Gemeinwohlf\u00f6rderung aufwenden. Diese dunkle Seite des CSR kommt zwar selten vor, weil Marktmacht selten so ausgepr\u00e4gt entsteht, dass sie von gr\u00f6\u00dferer Relevanz ist. Da es sich bei den wenigen F\u00e4llen aber stets um gro\u00dfe, prominente, marktm\u00e4chtige Unternehmen handelt, werden entsprechende CSR-Aktivit\u00e4ten dann auch schnell in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen.<\/p>\n<p>Im zweiten Fall engagieren sich Unternehmen b\u00fcrgerschaftlich, weil die F\u00fchrungsperson im Unternehmen dies so m\u00f6chte. Hier handelt es sich weniger um unternehmerische Mitverantwortung als vielmehr um individuelle Verantwortungs\u00fcbernahme, die nur \u00fcber das Unternehmen wahrgenommen wird. Das Unternehmen wird hier lediglich als Instrument oder Kanal f\u00fcr die Aus\u00fcbung individueller Mitverantwortung genutzt. Die F\u00fchrungsperson wiederum kann z.B. von sozialem Druck oder sozialer Anerkennung angetrieben sein.<\/p>\n<p>Unternehmen leisten mitverantwortliches Engagement im \u00f6ffentlichen Raum, indem sie zum Beispiel Spenden t\u00e4tigen, Mitarbeiter freistellen, die Umwelt sch\u00fctzen, aber auch mit Lobbyaktivit\u00e4ten die gesetzlichen Regeln zum Wohle des Gemeinwesens zu verbessern helfen (wobei der Grat zwischen Lobbyaktivit\u00e4ten zur eigenen Gewinnsteigerung und Aktivit\u00e4ten zur Verbesserung des Gemeinwohls sicherlich schmal ist). Der Erste Engagementbericht der Bundesregierung, der im August 2012 erschien, zeigt, dass unternehmerisches Engagement sehr stark von der Betriebsgr\u00f6\u00dfe abh\u00e4ngt. 96,2 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, 63,4 Prozent der Betriebe mit unter 50 Mitarbeitern und insgesamt 63,8 Prozent aller Unternehmen engagieren sich f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neumannz1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Engagement\" alt=\"Engagement\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neumannz1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Warum aber zeigen nicht alle Unternehmen die geforderte Mitverantwortung?<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00dcbernahme von gesellschaftlicher Mitverantwortung erfordert vom Unternehmen erstens eine gewisse Mindestgr\u00f6\u00dfe: Dass sich kleinere Unternehmen im Vergleich zu den gro\u00dfen Unternehmen weniger oft engagieren, zeugt von einer f\u00fcr gesellschaftliches Engagement notwendigen personellen und finanziellen Mindestgr\u00f6\u00dfe, was die Ressourcenausstattung betrifft. H\u00e4ufig verf\u00fcgen gro\u00dfe Unternehmungen \u00fcber speziell geschulte Arbeitskr\u00e4fte, die sich um Belange rund um das gesellschaftliche Engagement k\u00fcmmern. Kleinunternehmer, die oftmals zugleich Eigent\u00fcmer ihres Unternehmens sind, m\u00fcssen sich hingegen selbst mit den Erfordernissen und Hemmnissen der \u00dcbernahme gesellschaftlicher Mitverantwortung befassen. Nicht au\u00dfer Acht zu lassen ist auch, dass gro\u00dfe Unternehmen von den Medien wahrgenommen und ihrem Beitrag zum Allgemeinwohl daher durchaus Beachtung geschenkt wird. F\u00fcr sie ist es leichter, die Gesellschaft \u00fcber ihr Engagement zu unterrichten, als dies bei kleineren Betrieben der Fall ist. Dieser Informationstransfer ist f\u00fcr das Image von gro\u00dfen Unternehmen von enormer Bedeutung, weswegen f\u00fcr diese gesellschaftliches Engagement besonders lohnenswert ist. Es generiert durch den Informationstransfer Win-win-Situationen. Dies ist bei kleineren Unternehmen oft nicht der Fall. Auch sehen sich kleinere Unternehmungen weniger dem Druck zur \u00dcbernahme gesellschaftlicher Verantwortung ausgesetzt.<\/p>\n<p>Zweitens unterliegen Unternehmen bei der \u00dcbernahme von gesellschaftlicher Mitverantwortung oft einem Gefangenendilemma: Dieses liegt dann vor, wenn das Handeln der Unternehmen einen positiven externen Effekt auf die Gesellschaft und damit auch auf ihren Konkurrenten aus\u00fcbt. Engagiert sich ein Unternehmen, so profitieren viele von den positiven Konsequenzen des gesellschaftlichen Engagements. Die Kosten tr\u00e4gt jedoch im Extremfall nur das eine sich engagierende Unternehmen. \u00dcbersteigen nun die Aufwendungen des Unternehmens seinen zus\u00e4tzlichen Nutzen aus dem Engagement, so kann es abwarten und hoffen, dass ein anderes Unternehmen die Verantwortung f\u00fcr das Engagement \u00fcbernimmt. Denkt jeder Beteiligte auf diese Weise, so handelt niemand. Das Engagement unterbleibt, obwohl der zus\u00e4tzliche Nutzen f\u00fcr alle Gesellschaftsmitglieder die Aufwendungen deutlich \u00fcbersteigen kann.<\/p>\n<p>Auch im Gefangenendilemma bieten sich jedoch Interaktionschancen f\u00fcr die Akteure. Sind die Unternehmen bereit, die Aufwendungen zu teilen, so k\u00f6nnen die Interessen der Gemeinschaft verwirklicht werden. Dies ist in der Praxis jedoch schwierig, da jedes Unternehmen den Anreiz hat, umsonst von den Vorteilen der gesellschaftlichen Verbesserungen zu partizipieren und eigene Aufwendungen zu scheuen. Man spricht vom Trittbrettfahrerverhalten: Die Unternehmen, die sich nicht engagieren, profitieren trotzdem vom gesellschaftlichen Nutzen, ohne selbst eine Leistung erbracht zu haben.<\/p>\n<p>Das dritte Hemmnis gesellschaftlichen Engagements sind asymmetrische Informationen. B\u00fcrger wie Kunden verf\u00fcgen oft nicht \u00fcber alle n\u00f6tigen Informationen bez\u00fcglich des Unternehmerhandelns, der Produkte und ihrer Eigenschaften. Ihnen fehlt auch die F\u00e4higkeit, diese Informationsasymmetrie zu \u00fcberwinden. Dies f\u00fchrt wiederum dazu, dass sich Mitverantwortung insofern nicht auszahlt, als dass mangels Kenntnis die Anerkennung f\u00fcr das mitverantwortliche Handeln unterbleibt. Die Folge ist, dass Unternehmen Kommunikationsaufwand betreiben, um Transparenz hinsichtlich ihres Engagements herzustellen. Dies f\u00fchrt wiederum dazu, dass die Konsumenten die Glaubw\u00fcrdigkeit der Unternehmensstrategie in Frage stellen. Es besteht der Verdacht, dass die Unternehmen sich nur engagieren, weil sie dies als positive PR-Ma\u00dfnahmen sehen.<\/p>\n<p>Diese Hemmnisse erkl\u00e4ren, warum von Seiten der Unternehmen sicherlich nicht in gesellschaftlich gew\u00fcnschtem Ma\u00dfe gesellschaftliche Mitverantwortung ausge\u00fcbt wird. Dies ist aber kein Ruf nach staatlichen Regeln: Den Bedarf an gesellschaftlicher Mitverantwortung mit gesellschaftlichen Institutionen regulieren zu wollen w\u00e4re in der Tat ein fundamentales Missverst\u00e4ndnis! Denn erst die Unvollkommenheit der gesellschaftlichen Institutionen macht die Mitverantwortung ja w\u00fcnschenswert und notwendig. Wenn staatliche Entscheidungstr\u00e4ger also L\u00fccken in der gesellschaftlichen Rahmenordnung erkennen, so haben sie sie direkt zu schlie\u00dfen, statt die Verantwortung anderen zuzuschieben!<\/p>\n<h4>Literatur<\/h4>\n<ol>\n<li>Deutscher Bundestag (2012), Erster Engagementbericht 2012- F\u00fcr eine Kultur der Mitverantwortung, Drucksache 17\/10580, K\u00f6ln und Berlin<\/li>\n<li>Roman Herzog Institut (2012), Ergebnisse zur CSR-Forschung &#8211; Zwischen Gewinn und Verantwortung, RHI Information Nr. 12, K\u00f6ln<\/li>\n<\/ol>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gewinnstreben des Unternehmenssektors wird heutzutage in den Medien h\u00e4ufig kritisch kommentiert. 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