{"id":16125,"date":"2015-01-04T00:01:01","date_gmt":"2015-01-03T23:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16125"},"modified":"2015-01-03T17:36:20","modified_gmt":"2015-01-03T16:36:20","slug":"nobelpreis-1die-industrieoekonomische-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16125","title":{"rendered":"<small>Nobelpreis (1)<\/small><br\/>Die industrie\u00f6konomische Revolution"},"content":{"rendered":"<h3>1. Einf\u00fchrung und \u00dcberblick<\/h3>\n<p>Die k\u00f6nigliche Schwedische Akademie der Wissenschaften hat sich entschieden, den Preis der schwedischen Reichsbank f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an <i>Alfred Nobel<\/i> im Jahre 2014 an den franz\u00f6sischen Wissenschaftler <i>Jean Tirole<\/i> zu vergeben. Nach <i>George Stigler<\/i> (1982) ist dies das zweite Mal, dass der Preis an einen Forscher vergeben wurde, der sich mit industrie\u00f6konomischen Fragen auseinandersetzt. Bemerkenswert ist auch, dass die Akademie nach <i>Paul Krugman<\/i> (2008) den Nobelpreis zum ersten Mal wieder einem einzigen Wissenschaftler verliehen hat. Jean Tirole erh\u00e4lt den Preis f\u00fcr seine Arbeiten zu den theoretischen Grundlagen der <b>Wettbewerbs- und Regulierungs\u00f6konomik<\/b>. Als er Anfang der 80-er Jahre mit seinen Untersuchungen begann, standen sowohl im Gebiet der <b>Spieltheorie<\/b> als auch im Gebiet des <b>Mechanism Design <\/b>neue analytische Werkzeuge zur Verf\u00fcgung. In dieser Zeit nutzten einige Forscher dieses neue Instrumentarium, um u.a. alte Fragen der Wettbewerbs- und Regulierungspolitik neu zu untersuchen, aber <i>Jean Tirole<\/i> ragt in Bezug auf logische Stringenz und Breite der Analysen heraus. Sein Buch \u201eThe Theory of Industrial Organization\u201c von 1988, das bis heute eine Standardreferenz f\u00fcr jeden ist, der sich mit Marktmachtph\u00e4nomenen und Unternehmensstrategien besch\u00e4ftigt, und sein Buch zusammen mit <i>Jean-Jacques Laffont<\/i> \u201eThe Theory of Incentives in Procurement and Regulation\u201c von 1993, das dieselbe Rolle im Bereich der Regulierung einnimmt, geben davon Zeugnis.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es erscheint sinnvoll, an dieser Stelle zun\u00e4chst kurz auf die Fortschritte in der Spieltheorie und in der Theorie des Mechanism Designs einzugehen, die diese Entwicklung der Industrie\u00f6konomik erm\u00f6glicht haben. Mit dem Konzept der <b>Teilspiel-perfekten Gleichgewichte<\/b> von <i>Reinhard Selten<\/i> (Nobelpreistr\u00e4ger 1994, zusammen mit <i>John Nash<\/i> und <i>John Harsanyi<\/i>) stand nun ein Instrument zur Verf\u00fcgung, mit dem strategisches Verhalten von Unternehmen erstmals logisch stringent abgebildet werden konnte. Damit konnten z.B. Marktverschlussstrategien von Unternehmen analysiert werden. Mit dem Konzept des <b>Bayesianischen Gleichgewichts<\/b> von <i>John Harsanyi<\/i> konnte abgebildet werden, dass die Unternehmen bei ihren Entscheidungen keine vollst\u00e4ndige Information haben. Mit Weiterentwicklungen dieses Konzepts (sequential equilibria (Kreps\/Wilson 1982), perfekte Baysianische Gleichgewichte (u.a. Fudenberg\/Tirole (1991a)) wurde es u.a. erstmals m\u00f6glich, Verdr\u00e4ngungsstrategien als rationale Unternehmensstrategien zu analysieren. In beiden F\u00e4llen wurde eine Rationalit\u00e4t solcher Strategien von der Chicago School of Antitrust vorher negiert.<\/p>\n<p>Die Theorie des Mechanism Designs hat die Perspektive \u00f6konomischer formaler Analyse zumindest in zweifacher Hinsicht erweitert. Dabei m\u00f6chte ich die Darstellung einengen auf den Bereich der <b>Vertragstheorie<\/b>. Der erste Aspekt ist die Ber\u00fccksichtigung der Tatsache, dass ein Vertragspartner in aller Regel unvollst\u00e4ndige Information \u00fcber die Ziele und M\u00f6glichkeiten des anderen Vertragspartners hat, das Problem der <b>asymmetrischen Information<\/b>. Der zweite Aspekt ist die <b>Allgemeinheit der m\u00f6glichen Vertragsgestaltungen<\/b>. In der klassischen \u00d6konomik werden oft vorgegebene Vertragsformen angenommen, z.B. bei einem Kaufvertrag Preis pro St\u00fcck, bei einem Arbeitsvertrag Fixbetrag plus leistungsabh\u00e4ngiger Bonus. Im Kontext der Vertragstheorie ist ein Mechanism ein Vertrag. Kennzeichnend f\u00fcr den Ansatz des Mechanism Designs ist, dass der Vertrag gesucht wird, der das beste Ergebnis f\u00fcr den vorschlagenden Vertragspartner garantiert, unabh\u00e4ngig davon wie kompliziert der Vertrag aussieht. Dies erlaubt z.B. nachzuvollziehen, warum Unternehmen, die die Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden nicht kennen, Rabatte gew\u00e4hren, oder zu analysieren, wie sich Exklusivit\u00e4tsklauseln in Vertr\u00e4gen zwischen Herstellern und H\u00e4ndlern auswirken.<\/p>\n<p>Damit d\u00fcrfte klar geworden sein, dass die neuen Werkzeuge aus der Spieltheorie und der Theorie des Mechanism Designs hilfreich sind, um Fragen strategischen Verhaltens und Vertragsgestaltungen zu untersuchen, die vorher in der heute m\u00f6glichen logischen Klarheit nicht erreichbar waren. Was die Spieltheorie betrifft, so wurde schon angedeutet, dass <i>Jean Tirole<\/i> nicht nur Nutzer der Ergebnisse war, sondern auch dazu beigetragen hat (s.o. und Maskin\/Tirole (2001)). Dar\u00fcber hinaus sei auf sein immer noch als Standardreferenz geltendes Buch mit <i>Drew Fudenberg<\/i> \u201eGame Theory\u201c (1991b) verwiesen.<\/p>\n<p>Der zentrale Beitrag von <i>Jean Tirole<\/i> kann wie folgt charakterisiert werden: Er hat auf Grundlage der soeben skizzierten methodischen Fortschritte <b>einen einheitlichen Rahmen f\u00fcr die Wettbewerbs- und Regulierungstheorie<\/b> geschaffen, der auf moderner Oligopol- und Vertragstheorie beruht. Er hat damit einen <b>Standard von logischer Klarheit<\/b> zugrunde gelegt, der an diejenige der allgemeinen Gleichgewichtstheorie erinnert. Von der letztgenannten Theorie grenzen sich seine Beitr\u00e4ge dadurch ab, dass sie stets durch konkrete industrie\u00f6konomische Fragen motiviert sind und die entsprechenden <b>realen Gegebenheiten ber\u00fccksichtigen<\/b>. Er hat aus einer vornehmlich deskriptiv empirischen und weit ausufernden Industrie\u00f6konomik ein methodisch und theoretisch fundiertes Fachgebiet geschaffen, das es erm\u00f6glicht, in konkreten <b>wettbewerbs- oder regulierungspolitischen Fragen Hilfestellungen<\/b> zu geben. Seine allgemeine Politikempfehlung k\u00f6nnte man wie folgt zusammenfassen: Rechtfertigungen f\u00fcr politische Interventionen im Markt sollten auf Probleme beschr\u00e4nkt werden, die durch Informationsasymmetrien oder glaubw\u00fcrdigen Selbstbindungen beruhen. All dies zusammen kann man mit dem Zustand vor 1980 vor Augen mit Fug und Recht die <b>industrie\u00f6konomische Revolution<\/b> nennen und <i>Jean Tirole<\/i> war der zentrale Akteur.<\/p>\n<p>Selbst wenn man sich auf industrie\u00f6konomische Themen beschr\u00e4nkt (Jean Tirole hat auch in allgemeiner Wirtschaftstheorie, Regulierung von Finanzm\u00e4rkten, Finanzmarktblasen, Organisation von Unternehmen, Unternehmensfinanzierung und Verhaltens\u00f6konomik geforscht und publiziert), ist es schwer, alle Beitr\u00e4ge zu w\u00fcrdigen. Daher werden im Folgenden nur beispielhafte Beitr\u00e4ge zu dem Thema Marktverschluss und Regulierung thematisiert. F\u00fcr einen ausf\u00fchrlicheren aber immer noch selektiven \u00dcberblick sei auf die W\u00fcrdigung der Schwedischen Akademie (Schwedische Akademie 2014) verwiesen.<\/p>\n<h3>2. Rationalit\u00e4t von Marktverschlussstrategien<\/h3>\n<p><i>Avinash Dixit<\/i> (1980) war der erste, der das Konzept der Teilspiel-perfekten Gleichgewichte nutzte, um die Rationalit\u00e4t von <b>Eintrittsverhinderungsstrategien<\/b> nachzuweisen. Seine Analyse beruhte auf Kapazit\u00e4ten, deren Aufbau mit versunkenen Kosten verbunden ist. Die Profitabilit\u00e4t der Nutzung dieser Kapazit\u00e4t erm\u00f6glicht es, dass dieses Unternehmen nach einem potentiell erfolgten Eintritt den Absatz soweit steigern \u2013 und damit den Preis senken &#8211; w\u00fcrde, dass das eintretende Unternehmen nicht ohne Verlust aktiv sein kann und deshalb gar nicht erst eintritt. Es ist die strategisch aufgebaute Kapazit\u00e4t, die eine Preissenkung (Absatzerh\u00f6hung) nach erfolgtem Eintritt glaubhaft (und rational) macht. <i>Fudenberg<\/i> und <i>Tirole<\/i> (1984) weisen unter Zuhilfenahme des Konzepts der Teilspiel-perfekten Gleichgewichte darauf hin, dass dieses Ergebnis von einigen Details der Marktumgebung abh\u00e4ngt. Dazu z\u00e4hlt die Unterscheidung, ob die Wettbewerbsinstrumente nach potentiell erfolgten Eintritt <b>strategische Substitute <\/b>oder <b>strategische Komplemente<\/b> sind. Preise sind typischerweise strategische Komplemente, Produktionskapazit\u00e4ten sind meistens strategische Substitute. Ferner z\u00e4hlt die Unterscheidung dazu, ob eine irreversible Investition vor Eintritt das Unternehmen aggressiver werden l\u00e4sst oder nicht. Eine Kosten-senkende Investition f\u00fchrt typischerweise zu niedrigeren Preisen und macht das Unternehmen aggressiver. Mit dem Hinweis von <i>Fudenberg<\/i> und <i>Tirole<\/i> auf die Notwendigkeit, einige Marktgegebenheiten zu unterscheiden, begegnen wir einer zentralen Erkenntnis bei der Einsch\u00e4tzung strategischen Verhaltens: Es gibt keine per se Aussage, die immer gilt. Es bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als die typischen Gegebenheiten eines Marktes im Einzelnen zu ber\u00fccksichtigen, um zu sinnvollen Bewertungen zu kommen. Ob eine bestimmte Strategie das Ziel des Marktverschlusses haben kann, h\u00e4ngt von diesen Gegebenheiten ab.<\/p>\n<p>Als zweites Beispiel betrachten wir eine vertikale Vertragsbeziehung zwischen einem monopolistischen Hersteller und seinen H\u00e4ndlern (Rey\/Tirole (1986)). Hier f\u00fchrt eine Vertragsklausel, die den H\u00e4ndlern <b>Gebietsschutz<\/b> zusichert (und damit dort andere H\u00e4ndler ausschlie\u00dft), zu h\u00f6heren Gewinnen des Herstellers auf Kosten der Endverbraucher. Ein zentraler Grund f\u00fcr dieses Resultat liegt in der realistischen Annahme, dass die Nachfrage schwankt und dass die H\u00e4ndler diese besser beobachten k\u00f6nnen als der Hersteller. Ein Vertrag sieht hier vor, dass der H\u00e4ndler eine fixe Zahlung und einen St\u00fcckpreis an den Hersteller zahlen muss. Wenn ohne Gebietsschutz unter den H\u00e4ndlern sehr intensiver Wettbewerb herrscht, wird sich der Preis unabh\u00e4ngig von der Nachfrage nahe den Grenzkosten einstellen. Folglich kann der Hersteller keine bedeutende fixe Zahlung verlangen. Damit reagiert der Preis nur sehr schwach auf die Nachfrage, was aber nicht im Interesse des Herstellers ist. Bei Gebietsschutz ist der Wettbewerb der H\u00e4ndler unterbunden und jeder H\u00e4ndler wird den Einzelhandelspreis an dem Niveau der Nachfrage ausrichten und einen positiven erwarteten Gewinn erzielen. Allerdings ist dann der Gewinn jedes H\u00e4ndlers unsicher. Aus einem typischen Argument der <b>Prinzipal-Agenten Theorie<\/b> (einfachste Form der Vertragstheorie) folgt, dass der Hersteller (Prinzipal) zwar eine positive fixe Zahlung fordern kann, dass diese jedoch bei Risikoaversion der H\u00e4ndler (Agent) reduziert werden muss. Dies wiederum kann der Hersteller durch eine h\u00f6here Zahlung pro St\u00fcck teilweise kompensieren. Da diese Zahlungen die Grenzkosten erh\u00f6hen, erh\u00f6ht sich auch der Endverbraucherpreis. Somit steigen mit Gebietsschutz die Gewinne von Hersteller und H\u00e4ndlern (f\u00fcr sie ist es effizient) aber auf Kosten der Verbraucher.<\/p>\n<p>Im letzten Beispiel dieses Abschnitts greifen wir auf <i>Hart<\/i> und <i>Tirole<\/i> (1990) zur\u00fcck. Hier wird wieder eine vertikale Vertragsbeziehung zwischen einem monopolistischen Hersteller und mehreren H\u00e4ndlern untersucht, aber auf eine andere Art von Informationsasymmetrie abgestellt. Es geht darum, dass der Hersteller nach Vertragsabschluss mit den H\u00e4ndlern auf die Idee kommen k\u00f6nnte, mit einem H\u00e4ndler in Nachverhandlungen einzutreten. Da dies sich als profitabel herausstellt, ergibt sich hier ein <b>Selbstbindungsproblem<\/b>: Betrachten wir einen Hersteller und zwei H\u00e4ndler. Das Beste f\u00fcr alle Beteiligten w\u00e4re, dass der Hersteller beiden H\u00e4ndlern zu einem profitablen Preis die H\u00e4lfte der Monopolmenge anbietet. Stellen wir uns zun\u00e4chst vor, dass beide H\u00e4ndler einen solchen Vertrag unterschreiben. Da der Endverbraucherpreis dann der Monopolpreis ist, gibt es Verbraucher, die nicht\u00c2\u00a0 bereit sind, den Monopolpreis zu zahlen aber mehr als die Grenzkosten. Der Hersteller kann dann auf die profitable Idee kommen, dass er einem der beiden H\u00e4ndler anbietet, zu einem geringeren Preis als der urspr\u00fcngliche Vertrag vorsieht mehr als die H\u00e4lfte der Monopolmenge zu liefern. Dies ist profitabel f\u00fcr beide. Wenn diese Mengen und Preise in der (geheimen) Nachverhandlung Gewinn-maximierend gew\u00e4hlt werden, wird mehr auf dem Markt angeboten mit der Konsequenz niedrigerer Endverbraucherpreise. Diese werden so niedrig sein, dass der andere H\u00e4ndler Verluste macht. Ein rationaler (\u201eanderer\u201c) H\u00e4ndler w\u00fcrde daher solche Vertr\u00e4ge nicht eingehen. Hart und Tirole zeigen, dass nur Vertr\u00e4ge nachverhandlungssicher sind, wenn sie die <b>Cournotmengen<\/b> vorsehen. Eine Gebietsschutzklausel w\u00fcrde den urspr\u00fcnglichen Vertrag jedoch wieder gegen\u00fcber geheimen Nachverhandlungen sichern. Im jeweiligen Gebiet wird schon der h\u00f6chst m\u00f6gliche Gewinn erzielt. Sie sind also aus Sicht des Herstellers profitabel und daher rational. <b>Meistbeg\u00fcnstigungsklauseln<\/b> oder eine <b>Preisbindung<\/b> der H\u00e4ndler w\u00fcrde im \u00dcbrigen dasselbe Resultat erzielen.<\/p>\n<p>In den gew\u00e4hlten Beispielen liefert <i>Jean Tirole<\/i> damit Argumente, warum (entgegen der Ansicht der Chicago School of Antitrust) Marktverschlussstrategien rational sein k\u00f6nnen. Sie basieren alle auf Selbstbindungsproblemen oder asymmetrischer Information.<\/p>\n<h3>3. Regulierungstheorie<\/h3>\n<p>Die <b>Regulierung von nat\u00fcrlichen Monopolen<\/b> ist ein altes Thema. Zwar wurde schon fr\u00fch auch auf damit verbundene Informationsprobleme hingewiesen (z.B. Coase (1945)), aber eine stringente Analyse, wie unter der typischen <b>asymmetrischen Informationsverteilung<\/b> zwischen Regulierer und reguliertem Unternehmen die Regulierung bestm\u00f6glich gelingt, wurde erst mit der Entwicklung der Theorie des Mechanism Designs, hier in Varianten der Prinzipal-Agenten-Theorie, m\u00f6glich. <i>Tirole<\/i> und <i>Laffont<\/i> haben diese neuen M\u00f6glichkeiten genutzt und weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Das Informationsdefizit, mit dem ein Regulierer zum Zeitpunkt der Regulierungsentscheidung (Festlegung der Preise) umgehen muss, liegt darin, dass er weniger Informationen \u00fcber die voraussichtlichen Kosten des Unternehmens im Verlauf der Regulierungsperiode hat als das Unternehmen selbst. Dar\u00fcber hinaus kann er auch nur sehr eingeschr\u00e4nkt beobachten, inwiefern sich das Unternehmen bem\u00fcht, die Kosten zu senken. <i>Laffont<\/i> und <i>Tirole<\/i> (1986) nehmen diese beiden Probleme in ihrem Modellierungskontext ernst. Der Regulierer hat nur eine Information \u00fcber die Spannweite der m\u00f6glichen Kosten. Ihr Ziel ist es, Regulierungsvertr\u00e4ge zu charakterisieren, die den erwarteten sozialen \u00dcberschuss maximieren. Dieser stellt dem Verbrauchernutzen die Produktionskosten und eventuell notwendige staatliche Zahlungen an das Unternehmen gegen\u00fcber. Es ist ein Kennzeichen ihrer Vorgehensweise, dass diese Zahlungen zugelassen werden und nicht ad hoc verboten werden. Dabei tragen sie der Tatsache durchaus Rechnung, dass solche Zahlungen aus dem staatlichen Haushalt f\u00fcr die Gesellschaft teuer sind.<\/p>\n<p>Unter diesen Annahmen k\u00f6nnen sie die <b>optimale Vertragsgestaltung<\/b> charakterisieren. Am einfachsten ist dies zu erl\u00e4utern, wenn man den Fall betrachtet, dass ein Versorgungsvertrag an ein Unternehmen vergeben werden soll, beispielsweise im regionalen Eisenbahnverkehr. In diesem Fall spielen staatliche Zahlungen immer eine wichtige Rolle. Die Logik l\u00e4sst sich aber auch auf F\u00e4lle \u00fcbertragen, bei denen die beauftragten Unternehmen einen Teil ihrer Einnahmen \u00fcber regulierte Preise erzielen. In diesem Kontext sieht die optimale Vertragsgestaltung ein ganzes <b>Men\u00fc von Vertr\u00e4gen<\/b> vor, aus dem das Unternehmen ausw\u00e4hlen kann. Wenn wir vereinfachend davon ausgehen, dass die Kosten hoch oder niedrig sein k\u00f6nnen, wird das optimale Vertragsmen\u00fc vorsehen, dass f\u00fcr den Fall von hohen Kosten eine Zahlung vorgesehen ist, die gerade die Kosten deckt. F\u00fcr den Fall von niedrigen Kosten wird eine fixe Zahlung vorgesehen, die das Unternehmen anreizt, die Kosten zu senken. Damit das Unternehmen auch den Vertrag w\u00e4hlt, der f\u00fcr seinen Kostentyp vorgesehen ist, muss die Zahlung f\u00fcr den Fall niedriger Kosten so hoch sein, dass das Unternehmen nicht den Vertrag f\u00fcr den Fall der hohen Kosten w\u00e4hlt, wenn es in Wahrheit niedrige Kosten hat. M.a.W. das Vertragsmen\u00fc muss anreizkompatibel gestaltet werden.<\/p>\n<p>Unter <b>Anreizvertr\u00e4gen<\/b> versteht man im Regulierungskontext oft Vertr\u00e4ge, die eine von den Kosten unabh\u00e4ngige Zahlung vorsehen, damit die Unternehmen von Kostensenkungen selbst profitieren und diese deshalb auch durchf\u00fchren. Als Kontrast sind Vertr\u00e4ge, die direkt auf die Kostendeckung bezogen sind (sog. <b>Kostenplus Vertr\u00e4ge<\/b>), zu sehen, die offensichtlich nicht zu Kostensenkungen anreizen. Wenngleich diese extrem vereinfachte Darstellung den Feinheiten des optimalen Vertragsmen\u00fcs nicht ganz gerecht werden kann, so wird doch klar, dass die \u00fcbliche polarisierende Forderung nach Anreizvertr\u00e4gen keine allgemeing\u00fcltige Fundierung hat. Die Bereitstellung von beiden Formen wird der asymmetrischen Informationslage besser gerecht.<\/p>\n<p><i>Laffont<\/i> und <i>Tirole<\/i> erweitern ihr Grundmodell um zahlreiche Aspekte in einer Serie von weiteren Beitr\u00e4gen. Es ist unm\u00f6glich, diese im gegebenen Rahmen alle auch nur zu nennen, weshalb ich auf ihr Buch von 1993 verweise. Stattdessen soll hier nur auf zwei Aspekte kurz eingegangen werden.<\/p>\n<p>Der erste Aspekt betrifft die Tatsache, dass Regulierung nie einmal f\u00fcr alle Zeit vorgenommen wird. Vielmehr wird nach einer gewissen Zeit die Regulierung an neuere Entwicklungen (Nachfrage, Technologie, Kosten) angepasst. Das oben geschilderte Vertragsmen\u00fc f\u00fchrt dazu, dass das Unternehmen durch die Wahl seines Vertrages offenbart, von welchem Kostentyp es ist. Das w\u00e4re kein Problem, wenn Regulierung nur einmal festgelegt w\u00fcrde. Wenn aber der Regulierer den Kostentyp des Unternehmens kennt, hat er keinen Anreiz mehr, einem Unternehmen mit niedrigen Kosten eine hohe Zahlung zukommen zu lassen. Das \u00e4ndert zum einen das Kalk\u00fcl der Unternehmen bei der ersten Regulierungsrunde und hat zum anderen Auswirkungen auf das optimale Vertragsmen\u00fc des Regulierers. Wie <i>Laffont<\/i> und <i>Tirole<\/i> (1988) zeigen, kann das optimale Vertragsmen\u00fc nicht mehr dazu f\u00fchren, dass sich durch die Wahl des Vertrages alle Kostentypen offenbaren und dies schr\u00e4nkt die M\u00f6glichkeit von Men\u00fcbestandteilen mit Anreizvertr\u00e4gen ein. Dies gilt unabh\u00e4ngig davon, ob nur <b>kurzfristige Vertr\u00e4ge<\/b> (pro Periode) (<i>Laffont<\/i> und <i>Tirole<\/i> (1988)) oder ob <b>langfristige wiederverhandlungssichere Vertr\u00e4ge<\/b> (<i>Laffont<\/i> und <i>Tirole<\/i> (1990)) abgeschlossen werden. Technisch sind diese Arbeiten sehr komplex und schwierig und zeigen ihre F\u00e4higkeiten, reale Ph\u00e4nomene trotz dieser Schwierigkeiten in ihren \u00dcberlegungen zu anzustrebenden Vertragsgestaltungen zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Der ganze Beitrag ist in <a href=\"https:\/\/vahlen-online.beck.de\/default.aspx?vpath=bibdata%2fzeits%2fWIST%2f2014%2fcont%2fWIST.2014.H12.gl3.htm\">WiSt &#8211; Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 2014, H. 12<\/a> erschienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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