{"id":162,"date":"2008-10-02T06:17:25","date_gmt":"2008-10-02T05:17:25","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=162"},"modified":"2008-10-02T06:17:25","modified_gmt":"2008-10-02T05:17:25","slug":"die-deutsche-wirtschaft-im-sog-der-internationalen-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=162","title":{"rendered":"Die deutsche Wirtschaft im Sog der internationalen Finanzkrise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Von der US-Immobilien- zur globalen Finanzmarktkrise<\/strong><\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser der mittlerweile in vielen L\u00e4ndern akuten Finanzmarktprobleme waren im Sommer 2007 schlechte Nachrichten \u00fcber zweitrangige Immobilienkredite (subprime credits) in den USA. Im Gefolge entstanden zun\u00e4chst am Interbankenmarkt \u2013 an dem sich Banken untereinander mit Liquidit\u00e4t versorgen \u2013 gro\u00dfe Engp\u00e4sse. Es kam zu einer nennenswerten Vertrauenskrise im Bankensektor. Die Vertrauenskrise entstand, weil lange Zeit nicht sicher war, welche Banken mit welchem Engagement und Risiko und \u00fcber welchen Weg in die Krise am Subprime-Markt verwickelt sind. Die kurzfristigen Zinsen am Interbankenmarkt stiegen \u2013 im Gegensatz zu den Zinsen f\u00fcr Staatliche Anleihen \u2013 deutlich an. Die Notenbanken haben mit Rekordsummen versucht, den Banken gen\u00fcgend Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Krise am Subprime-Markt in den USA hat Kreise gezogen und eine Reihe von Banken kamen unter Druck \u2013 auch in Deutschland. Das Vertrauens- oder Misstrauensproblem ist noch nicht gel\u00f6st. In den letzten Wochen kamen erneut Banken und Versicherungsgesellschaften auf den Pr\u00fcfstand, den einige Institute nicht \u00fcberlebten. Der amerikanische Staat hat massiv eingegriffen, um den Finanzmarkt zu stabilisieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Eintr\u00fcbung der Weltwirtschaft \u2013 aber keine Weltrezession!<\/strong><\/p>\n<p>Die Wachstumsaussichten in allen Weltregionen haben sich in den letzten Monaten sp\u00fcrbar eingetr\u00fcbt. Die US-Wirtschaft tendiert schw\u00e4cher und dies hatte auch in vielen L\u00e4ndern bereits zu einer vorsichtigeren Investitionst\u00e4tigkeit gef\u00fchrt. Der globale Investitionsboom der letzten Jahre wird zwar nicht abreisen, aber eine Beruhigungsphase durchlaufen. H\u00f6here Risikopr\u00e4mien und restriktivere Kreditbedingungen infolge der Finanzmarktkrise werden das globale Investitionsvolumen d\u00e4mpfen. Die globale Wirtschaftsleistung wird nach 4 Prozent in diesem Jahr, im Jahr 2009 nur noch um 3,5 Prozent zulegen. Das ist deutlich weniger als in den vorhergehenden Jahren mit Zuw\u00e4chsen von x Prozent und mehr. Auch der Welthandel wird sich beruhigen und nur noch mit 4 Prozent zulegen \u2013 nach weit \u00fcber 8 Prozent in den letzten Jahren. Es wird erheblicher moderater, aber eine Weltrezession wird aus folgenden Gr\u00fcnden nicht erwartet:<br \/>\n\u00c2\u00b7\u00c2\u00a0Die US-Wirtschaft wird mit 1,5 Prozent im kommenden Jahr erheblich schw\u00e4cher wachsen als zuvor, aber nicht in eine Rezession gleiten. Die Finanzmarktkrise bremst die Investitionst\u00e4tigkeit deutlich ab und belastet den Konsum. Dagegen wird der US-Au\u00dfenhandel wegen steigender Exporte und r\u00fcckl\u00e4ufiger Importe zu einem Wachstumstreiber in den USA. Die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte bilden sich ein St\u00fcck weit zur\u00fcck.<br \/>\n\u00c2\u00b7\u00c2\u00a0Das Wachstum der Schwellenl\u00e4nder bleibt trotz einer Verlangsamung robust. Die Rohstoffeinnahmen in vielen L\u00e4ndern bleiben hoch \u2013 auch wenn sich bei den Rohstoffpreisen eine Beruhigung eingestellt hat. Bremsend d\u00fcrfte \u2013 insbesondere in den asiatischen L\u00e4ndern \u2013 das schw\u00e4chere Ausfuhrgesch\u00e4ft in die USA und nach Europa wirken.<br \/>\n\u00c2\u00b7\u00c2\u00a0Die globale Inflationsbeschleunigung l\u00e4sst vor dem Hintergrund einer Beruhigung an den Energie- und Rohstoffm\u00e4rkten sp\u00fcrbar nach. Das st\u00e4rkt in vielen Volkswirtschaften das Konsumklima.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. Die \u00dcbertragungskan\u00e4le der Finanzmarktkrise<\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Wirtschaft wird von einer abgebremsten Dynamik der Weltwirtschaft nicht unbeeindruckt bleiben. In den letzten Jahren hat der Export\u00fcberschuss rund die H\u00e4lfte des Wirtschaftswachstums beigesteuert. Die Exportquote, also der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt ist derzeit mit 47 Prozent doppelt so hoch wie in der ersten H\u00e4lfte der neunziger Jahre. Diese starke Einbindung der deutschen Wirtschaft in die internationale Arbeitsteilung fordert nun ihren Tribut \u2013 und zwar \u00fcber folgende Kan\u00e4le oder \u00dcbertragungswege:<\/p>\n<p>a.<strong> Handelskanal<\/strong>: Die USA hat seit langer Zeit ein immenses Leistungsbilanzdefizit. Dem stehen hohe Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse vor allem in China, Deutschland und Japan \u2013 und Rohstoffl\u00e4ndern wie etwa Russland oder Saudi-Arabien \u2013 gegen\u00fcber. Eine ruhigere Gangart der US-Wirtschaft wird mit r\u00fcckl\u00e4ufigen US-Importen einhergehen. Vor allem die L\u00e4nder mit hohen Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen k\u00f6nnen mit einem nachlassenden Exportgesch\u00e4ft konfrontiert werden. Der direkte Handel mit den USA, auf den derzeit weniger als 8 Prozent der deutschen Exporte entfallen, hat sich bereits sp\u00fcrbar verlangsamt. Dar\u00fcber hinaus wird das deutsche Exportgesch\u00e4ft in Mitleidenschaft gezogen, wenn sich infolge der von den USA ausgehenden Finanzmarktkrise die wirtschaftliche Lage bei anderen Handelspartnern der deutschen Wirtschaft eintr\u00fcbt. Dies ist der Fall: Die Auftragseing\u00e4nge der deutschen Industrie aus dem Ausland haben sich seit Ende letzten Jahres kontinuierlich zur\u00fcckgebildet. Im Juli 2008 lagen sie in preisbereinigter Betrachtung um 12 Prozent unter dem H\u00f6chstwert vom November 2007. Freilich muss dabei im Blick gehalten werden, dass sich das deutsche Auslandsgesch\u00e4ft im Herbst 2008 noch auf einem hohen Niveau befindet \u2013 vor allem auch vor dem Hintergrund knapper Produktionskapazit\u00e4ten.<\/p>\n<p>b.<strong> Gewinnkanal<\/strong>: Die Unternehmen, die mit ihrem Auslandsgesch\u00e4ft sowie den ausl\u00e4ndischen Niederlassungen in der Vergangenheit gute Gesch\u00e4fte und Ertr\u00e4ge realisiert haben, m\u00fcssen hinsichtlich ihrer Ertragserwartungen f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit Abstriche machen. Wenn die Aktienm\u00e4rkte die zuk\u00fcnftige Gewinnentwicklung der Unternehmen einigerma\u00dfen antizipieren, dann k\u00f6nnen die Einbr\u00fcche an den globalen Aktienm\u00e4rkten in letzter Zeit als eine Gewinnwarnung interpretiert werden. Dies kann schlie\u00dflich auf die Investitionst\u00e4tigkeit dieser Unternehmen durchschlagen.\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>c. <strong>Wechselkurskanal<\/strong>: Die Abschw\u00e4chung der US-Wirtschaft und zuletzt auch der europ\u00e4ischen Volkswirtschaften hat Bewegung ins globale W\u00e4hrungsgef\u00fcge gebracht. Zun\u00e4chst hatte der US-Dollar merklich abgewertet. Der effektive reale Wechselkurs des US-Dollar gegen\u00fcber den Haupthandelspartnern hatte bis zum Sommer 2008 gegen\u00fcber dem Jahresdurchschnitt 2007 um 6,5 Prozent nachgegeben \u2013 das Pfund Sterling sogar um \u00fcber 10 Prozent. Dagegen hatten der Euro und der Schweizer Franken gegen\u00fcber den Haupthandelsl\u00e4ndern im gleichen Zeitraum um \u00fcber 5 Prozent aufgewertet. In letzter Zeit hat sich die Situation wieder etwas zur\u00fcckgebildet. Das Risiko h\u00f6herer Wechselkursschwankungen besteht allerdings weiterhin. Eine markante Aufwertung des Euro kann eine Reihe von bremsenden Effekten auf die wirtschaftliche Situation in den L\u00e4ndern des Euroraums haben:<br \/>\n\u00c2\u00b7\u00c2\u00a0Ein nachlassendes Exportgesch\u00e4ft wegen einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<br \/>\n\u00c2\u00b7\u00c2\u00a0R\u00fcckl\u00e4ufige Ertr\u00e4ge aus dem Exportgesch\u00e4ft, wenn die Aufwertung durch Preiszugest\u00e4ndnisse aufgefangen wird.<br \/>\n\u00c2\u00b7\u00c2\u00a0Steigender Importdruck auf dem Inlandsmarkt aus den L\u00e4ndern, deren W\u00e4hrungen weniger stark aufwerten oder abwerten.<br \/>\nSicherlich darf dabei nicht vergessen werden, dass die Aufwertung des Euro, den hohen Preisen f\u00fcr importierte Rohstoffen entgegenwirkt \u2013 \u00d6l- und Rohstoffimporte, die in US-Dollar fakturiert werden, k\u00f6nnen billiger werden. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn sich die Rohstoffe auf US-Dollar-Basis nicht in dem Ausma\u00df verteuern, wie der US-Dollar abwertet. In j\u00fcngster Zeit war es h\u00e4ufig zu beobachten, dass die Rohstoffpreise dem US-Dollar hinterher laufen.<\/p>\n<p>d. <strong>Finanzmarkt- und Bankenkanal<\/strong>: Die deutschen Banken haben bereits auf direktem Wege erhebliche Lasten der Verwerfungen am US-Subprime-Markt getragen. Nur mit staatlichen St\u00fctzungen und Garantien konnten Banken aufgefangen und schlie\u00dflich \u2013 in einem Fall \u2013 verkauft werden. Dazu kommt, dass sich die Ereignisse an den Finanzm\u00e4rkten \u2013 wie etwa Kursr\u00fcckg\u00e4nge sowie eine h\u00f6here Volatilit\u00e4t am Aktienmarkt \u2013 auch negativ auf die Performance im Bankensektor auswirken k\u00f6nnen. Das hat die Gesch\u00e4ftslage der deutschen Banken bereits beeintr\u00e4chtigt. Die Konsolidierung am deutschen Bankenmarkt ist durch den in letzter Zeit beschlossenen Zusammenschluss von Banken weiter vorangeschritten \u2013 dies d\u00fcrfte das deutsche Bankensystem unterm Strich gest\u00e4rkt haben. Insgesamt hat sich das deutsche Universalbanksystem bisher als vergleichsweise robust erwiesen. Anzeichen f\u00fcr eine Kreditklemme \u2013 also f\u00fcr eine zur\u00fcckhaltende Kreditvergabe an Unternehmen \u2013 gibt es bislang in Deutschland jedenfalls nicht. Das gewerbliche Kreditneugesch\u00e4ft konnte bis zum Sommer 2008 sogar als sehr rege bezeichnet werden. Die Grundausrichtung der deutschen Wirtschaft \u2013 mit ihrer im Vergleich zu anderen hochentwickelten Volkswirtschaften stark auf Investitionsg\u00fcter konzentrierten Industrie in Verbindung mit modernen industrienahen Dienstleistungen \u2013 sollte mittel- bis langfristig gute Investitionsperspektiven liefern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>4. Die Perspektiven der deutschen Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Wirtschaft zeigt sich im Herbst 2008 trotz r\u00fcckl\u00e4ufiger Auslandsauftr\u00e4ge noch in einer relativ robusten Verfassung. Zwar l\u00e4sst neben dem Exportgesch\u00e4ft bereits die Investitionst\u00e4tigkeit nach. Allerdings zeigt sich der Privaten Konsum vor dem Hintergrund der sehr guten Arbeitsmarktentwicklung dynamisch. Die nachlassende Weltwirtschaft und die Finanzmarktkrise werden \u00fcber die genannten \u00dcbertragungswege auf die deutsche Wirtschaft durchwirken. Die deutsche Wirtschaft rutscht allerdings nicht in eine Rezession, sondern vielmehr an den Rand einer Stagnation, die bei einer wieder anziehenden Weltwirtschaft in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2009 allm\u00e4hlich \u00fcberwunden wird. Damit stellt sich gleichwohl die Frage, wie Staat und Wirtschaft reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>1. Wichtig ist eine Stabilisierung im Finanzwesen. Die Vertrauenskrise muss \u00fcberwunden werden. Dabei ist der Bankensektor in erster Linie selbst gefordert. Die Konsolidierungen in j\u00fcngster Zeit d\u00fcrften den deutschen Bankensektor st\u00e4rken.<\/p>\n<p>2. Die Zentralbankzinsen stellen derzeit kein Finanzierungshemmnis f\u00fcr Investoren dar. Wichtig ist eine ausreichende Versorgung der Banken mit Liquidit\u00e4t \u2013 was der Fall ist. Im Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre haben die Notenbanken erheblich gelernt und weisen heute ein besseres Krisenmanagement auf.<\/p>\n<p>3. Ein fiskalpolitisches Konjunkturpaket \u2013 wie in den USA \u2013 scheidet als wirtschaftspolitische Ma\u00dfnahme f\u00fcr Deutschland aus. In der Regel belasten solche Programme den Staat \u00fcber steigende Schulden und Finanzierungslasten, ohne realwirtschaftlich nennenswerte Effekte zu zeigen. Das gilt im \u00fcbrigen auch f\u00fcr die USA.<\/p>\n<p>4. Der Staat muss vielmehr durch einen klaren Kurs die Erwartungen der Haushalte und Unternehmen stabilisieren. In einer von h\u00f6herer Unsicherheit gepr\u00e4gten Welt darf der Staat nicht noch zus\u00e4tzlich durch einen unklaren und aktionistischen Kurs die Unsicherheit der B\u00fcrger erh\u00f6hen. Langfristige und angebotsorientierte Reformen \u2013 wie etwa die Agenda 2010 \u2013 sind auch jetzt gefragt. Wenngleich die derzeitige Politik diese Grundausrichtung vermissen l\u00e4sst. Auch im Wahlkampfjahr 2009 zeichnen sich keine Verbesserungen ab.<\/p>\n<p>5. Die Unternehmen werden von der ruhigeren Gangart der Weltwirtschaft in weit unterschiedlichem Ma\u00dfe getroffen. Die deutsche Exportwirtschaft ist breit aufgestellt. Hauptkunde sind die Europ\u00e4er. Eine zunehmende Bedeutung kommt den aufstrebenden Volkswirtschaften rund um den Globus zu. Gerade der Investitionszyklus in diesen L\u00e4ndern hat die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren befl\u00fcgelt. Derzeit gibt es zwar Anzeichen, dass sich die globale Investitionst\u00e4tigkeit im Gefolge der Finanzmarktkrise verlangsamen sollte. Danach wird die deutsche Wirtschaft mit ihrem auf Investitionsg\u00fcter ausgerichteten Produktportfolio aber wieder an der sich sp\u00e4testens im Jahr 2010 erholenden globalen Investitionst\u00e4tigkeit partizipieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00c2\u00a0<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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