{"id":16306,"date":"2015-01-25T17:51:41","date_gmt":"2015-01-25T16:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16306"},"modified":"2015-04-24T17:33:01","modified_gmt":"2015-04-24T16:33:01","slug":"die-schweiz-nicht-mit-dem-euro-in-die-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16306","title":{"rendered":"<small>Ordnung in der W\u00e4hrungspolitik (1)<\/small><br\/>Die Schweiz: Nicht mit dem Euro in die Krise!"},"content":{"rendered":"<p><b>Die schweizerische Wechselkursillusion ist beendet<\/b><\/p>\n<p>Die L\u00f6sung des Schweizer Frankens (CHF) vom Mindestkurs \u00c2\u00a01,20 gegen\u00fcber dem Euro hat eine mehr als dreij\u00e4hrige Periode der Wechselkursillusion beendet. Wechselkursillusion entsteht immer dann, wenn Zentralbanken auf Devisenm\u00e4rkten intervenieren und damit Informationssignale f\u00fcr die Markteilnehmer aussenden, die den interventionsbedingt g\u00fcltigen Wechselkurs als \u201erichtigen\u201c oder als dauerhaft verl\u00e4sslichen Kurs ansehen sollen, obwohl der interventionsfreie marktdeterminierte vom interventionsbehafteten Wechselkurs abweicht. Entscheidend ist, dass die Marktteilnehmer sich auf die intertemporale Konsistenz im Interventionsverhalten der Zentralbank, die eine Interventionspolitik mit \u201e\u00dcberraschungseffekten\u201c ausschlie\u00dft, verlassen (k\u00f6nnen).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese (vermeintliche)Verl\u00e4sslichkeit und die mit ihr erzeugte Wechselkursillusion ist mit dem \u00dcberraschungscoup der Schweizer Nationalbank (SNB) beendet worden, so dass die Informationssignale zuk\u00fcnftiger Interventionen der SNB f\u00fcr die Marktteilnehmer unsicher geworden sind. Das ist nun die normale Welt flexibler Wechselkurse. Die von der SNB offensichtlich erzeugte Wechselkursillusion vor dem unangek\u00fcndigten Schock der Wechselkursfreigabe bestand darin, dass die Schweiz als im Trend\u00c2\u00a0 klares Aufwertungsland den CHF-Mindestkurs fixierte, um die schon existierende \u00dcberbewertung des CHF nicht noch h\u00f6her werden zu lassen, obwohl jedermann \u2013 zum Beispiel an den interventionsbedingt stetig steigenden Euro-Reserven in der SNB-Bilanz ablesbar\u00c2\u00a0 \u2013 \u00c2\u00a0wissen konnte und musste, dass der \u201ewahre\u201c Wechselkurs sich immer st\u00e4rker vom Fixmindestkurs gegen\u00fcber dem Euro nach unten entfernte.<\/p>\n<p>Die dauerhafte \u201eLeaning against the wind\u201c-Politik der SNB, die zu einer zunehmenden Fehlbewertung des CHF gef\u00fchrt hat, hat der Schweiz geschadet. Es ist deshalb gut, dass diese Periode zu Ende ist \u2013 nicht zuletzt auch und besonders aufgrund der bevorstehenden Draghi-OMT-Politik, die die tats\u00e4chliche Fehlbewertung des CHF noch verst\u00e4rkt h\u00e4tte und auf die verh\u00e4ngnisvolle Abwertungsrutschbahn als Folge der \u2013 \u00f6konomisch wie juristisch h\u00f6chst \u00c2\u00a0umstrittenen \u2013 \u00c2\u00a0gewollt inflationstreibenden (!) und zudem wechselkursorientierten (!) EZB-Politik bef\u00f6rdern w\u00fcrde. Die CHF-Losl\u00f6sung vom Euro und die damit verbundene Einstellung der Euro-K\u00e4ufe durch die SNB waren \u00fcberf\u00e4llig angesichts der Gefahr, dass noch h\u00f6here Euro-W\u00e4hrungsreserven der SNB zu noch h\u00f6heren Abschreibungsverlusten gef\u00fchrt h\u00e4tten \u2013 und das in einem Umfeld eines vermutlich nachhaltig steigenden US-Dollar-Kurses mit der entsprechenden Aufwertung der schweizerischen USD-Reserven, die eine Umschichtung der SNB-Reserven zugunsten des USD nahelegt. So sorgt die EZB in Verbindung mit der politisch initiierten Euro-Rettungsschirmpolitik daf\u00fcr, dass der Euro keine W\u00e4hrung ist, die f\u00fcr andere W\u00e4hrungen die Funktion einer stabilen Referenz- bzw. Ankerw\u00e4hrung aus\u00fcben kann. Denn stabile Ankerw\u00e4hrungen bed\u00fcrfen keiner st\u00e4ndigen und immer wieder neuen monet\u00e4ren, fiskalischen, politischen und appellativen \u00c2\u00a0Rettungsaktionen, die paradoxerweise zudem auf mehr Inflation und W\u00e4hrungsabwertung abzielen.<\/p>\n<p><b>Anpassungsschocks sind teurer als graduelle Anpassung \u00c2\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Diese Feststellung ist die Gegenposition zu derjenigen, die den nunmehrigen \u201eKatzenjammer\u201c \u00c2\u00a0der schweizerischen Wirtschaft herausstellt, weil sich deren internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit aufwertungsbedingt schlagartig verschlechtert habe. Das ist nur oberfl\u00e4chlich richtig. In Wahrheit hat sich die Wettbewerbsf\u00e4higkeit schon w\u00e4hrend der SNB-Interventionsperiode wohl nicht verbessert, was aber durch die Interventionst\u00e4tigkeit der SNB verschleiert wurde. Anders gesagt: Jede l\u00e4ngere interventionsbedingte Unterbewertung der heimischen W\u00e4hrung f\u00fchrt, \u00e4hnlich einer Exportsubventionierung, zu einer k\u00fcnstlichen \u00dcberh\u00f6hung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit, also zu einer Verschleierung der tats\u00e4chlichen Position, die zentralbankgesteuert keineswegs kostenlos erkauft wird.<\/p>\n<p>Denn intern steht die Schweiz nun schockartig vor der Notwendigkeit struktureller Anpassungen. Wechselkursillusionsbedingte \u00c2\u00a0Anpassungsschocks zur internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit, die einer l\u00e4ngeren Periode zunehmender Entfernung von marktdeterminierten Wechselkursen geschuldet ist, ist stets mit h\u00f6heren Kosten verbunden als eine prozess-graduelle Anpassung auf der Basis marktbestimmter, trenderkennbarer und deshalb weitgehend illusionsfreier \u00c2\u00a0Wechselkurse, die keinen Aufwertungsstau produzieren, der sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter explosionsartig entl\u00e4dt\u00c2\u00a0 \u2013 oft genug mit hoher Volatilit\u00e4t und kr\u00e4ftigem Overshooting, die keine trendverl\u00e4sslichen Informationssignale aussenden, weil sie in aller Regel erst nach einiger Zeit zur Ruhe kommen.<\/p>\n<p>Es gibt gen\u00fcgend viele empirische Erfahrungen, die dies best\u00e4tigen. Zu nennen ist die Zeit der\u00c2\u00a0 \u201eAufwertungsdebatte\u201c in Deutschland von Ende der 1950er Jahre bis zum Ende von Bretton Woods: Die DM war permanent interventionsbedingt unterbewertet und hatte also einen st\u00e4ndigen Aufwertungsbedarf, der zumeist gegen die Widerst\u00e4nde der deutschen Industrie und Politik stufenflexiv aufgel\u00f6st wurde, weil das Bretton Woods-System keine frei flexiblen Wechselkurse\u00c2\u00a0 vorsah. Die Wirtschaft wurde durch die vorher nicht nur nicht angek\u00fcndigten, sondern politisch sogar informationsbetr\u00fcgerisch explizit dementierten DM-Aufwertungen vielen Anpassungsschocks ausgesetzt, die man durch interventionsfreie Wechselkurse und entsprechend graduellen Anpassungen der Wirtschaft bei Abwesenheit von politischem Informationsbetrug h\u00e4tte vermeiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Ende des Bretton Woods-Systems liefert eine weitere bedeutende Erfahrung: Nach der tempor\u00e4ren weltweiten Wechselkursfreigabe 1971, die zu turbulenten Wechselkursbewegungen \u00c2\u00a0und nach kurzer Zeit zum Realignment f\u00fchrten, und erst recht nach der endg\u00fcltigen Suspendierung des Bretton Woods-Systems 1973 gab es weltweit \u00fcberschie\u00dfende\u00c2\u00a0 Wechselkursanpassungen, bei denen die Unterbewertung der DM durch kostenintensive \u00c2\u00a0Aufwertungsspr\u00fcnge beseitigt wurde. Nach einer \u00fcberschaubaren Anpassungsperiode beruhigte sich der Suchprozess zu neuen Gleichgewichtskursen ohne ausbrechende Volatilit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Die jahrelange Unterbewertung des chinesischen Renminbi, der eine bewusste politische\u00c2\u00a0 Exportexpansionsstrategie zugrunde liegt, harrt einer Korrektur in Aufwertungsrichtung, weil die mit der Unterbewertung verbundenen Strukturverzerrungen innerhalb Chinas signifikante Ausma\u00dfe angenommen haben. Die chinesische Zentralbank reagiert bereits in Aufwertungsrichtung, vermeidet jedoch den gro\u00dfen Aufwertungsschock durch eine Art crawling peg-Strategie, die allerdings den Aufwertungsnotwendigkeiten hinterher hinkt.<\/p>\n<p><b>Die Kapitalbilanz dominiert die Handelsbilanz<\/b><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Schweiz. In der Aufwertungsbewegung des CHF spiegelt sich u. a. wider, dass die\u00c2\u00a0 Kapitalbilanz die Leistungsbilanz der Schweiz nach wie vor signifikant dominiert und mithin vor allem der Nettokapitalimport den Aufwertungsdruck erzeugt. Wenn nun der Wechselkurs freigegeben und also nicht mehr manipuliert wird, kann eine unerw\u00fcnschte zu starke CHF-Aufwertung vornehmlich \u00fcber die Reduzierung des Attraktivit\u00e4tsgrades der Institutionen des schweizerischen Banken- und Finanzsektors f\u00fcr ausl\u00e4ndische\u00c2\u00a0 Kapitaldisponenten zum Beispiel durch negative Einlagenzinsen (gegenw\u00e4rtig 0,75 % bei der SNB), durch h\u00f6here Depotgeb\u00fchren ( \u201eGuthabenkommission\u201c) oder auch durch vielf\u00e4ltige Swap-Arrangements abgewehrt werden..<\/p>\n<p>Allerdings gilt es auch zu erkennen, dass \u2013 wie die deutschen Erfahrungen immer wieder gezeigt haben \u2013 Aufwertungen der heimischen W\u00e4hrung wie eine Wettbewerbsf\u00e4higkeit stimulierende Produktivit\u00e4tspeitsche f\u00fcr die Wirtschaft wirken. In Verbindung mit einer internen Abwertung \u00fcber Preise und L\u00f6hne\u00c2\u00a0 sowie durch Arbeitsmarktderegulierungen kann diese Produktivit\u00e4tspeitsche die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz mit ihrer hoch attraktiven politischen Infrastruktur stimulieren, was dann auch der Handelsbilanz langfristig zugutekommt. Dabei muss bedacht werden, dass eine Handelsbilanzanpassung Zeit braucht und normalerweise in drei Phasen abl\u00e4uft: In der (sehr) kurzfristigen \u201e Kontraktphase\u201c findet durch die Wechselkurs\u00e4nderung lediglich eine Neubewertung der in Auslandsw\u00e4hrung fakturierten Transaktionen statt, ohne dass es zu wesentlichen Preis- und Mengenreaktionen im Au\u00dfenhandel kommt. Die Au\u00dfenhandelspreise ver\u00e4ndern sich erst in der darauf folgenden \u201ePass-through-Phase\u201c als Reaktion auf die Wechselkurs\u00e4nderung. Mit der wiederum danach folgenden dritten Phase der Mengenreaktion wird schlie\u00dflich die \u2013 dem Elastizit\u00e4tsansatz der Zahlungsbilanztheorie zugrunde liegende \u2013 l\u00e4ngerfristige Periodenanalyse charakterisiert. In der Realit\u00e4t \u00fcberlappen sich die Anpassungsphasen umso st\u00e4rker, je geringer die Wechselkursstabilit\u00e4t ausgepr\u00e4gt ist.<b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><b>Die Euro-Zone mutiert zum Schwachw\u00e4hrungs-Club\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 <\/b><\/p>\n<p>Die Abkehr des CHF von der Bindung an den Euro ist ein Signal: Die Euro-Zone wird immer mehr zum Schwachw\u00e4hrungs-Club, zu dem ein stabilit\u00e4tsorientiertes Land wie die Schweiz nicht angekoppelt sein \u2013 geschweige ihm angeh\u00f6ren \u2013 will. Das hat der Pr\u00e4sident der SNB\u00c2\u00a0 implizit und explizit der \u00d6ffentlichkeit offenbart. Welches Land, das sich \u2013 wie zum Beispiel D\u00e4nemark \u2013 an den Euro gekoppelt hat, wird als n\u00e4chstes seinen Wechselkurs gegen\u00fcber dem Euro freigeben, um sich von der absch\u00fcssigen W\u00e4hrungsrutschbahn zu befreien? Und welches Land, das \u2013 wie zum Beispiel \u00c2\u00a0China \u2013 seinen Wechselkurs an einen W\u00e4hrungskorb mit signifikantem Euro-Anteil bindet, wird die Euro-Gewichtung im Korb alsbald reduzieren? Und welches Land, das \u2013 wie zum Beispiel Griechenland \u2013 vom Wechselkurs und den Stabilit\u00e4tsanforderungen des Euro geradezu \u201eerdr\u00fcckt\u201c wird, wird die Eurozone als erstes verlassen (m\u00fcssen)? Es steht \u2013 nach wie vor \u2013 nicht gut um Europas Gemeinschaftsw\u00e4hrung. Der Befreiungsschlag der Schweizerischen Nationalbank gibt ein sichtbares Zeichen f\u00fcr die nachvollziehbare Erwartung, dass die Situation vermutlich noch \u00e4rger wird. Und dies erst recht, nachdem der Generalanwalt des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs, ein Jurist, die Draghi-Strategie der quasi unbegrenzten Staatsanleihek\u00e4ufe grunds\u00e4tzlich abgesegnet hat. Die Euro-Rutschbahn ist sichtbar er\u00f6ffnet, und wenn der Europ\u00e4ische Gerichtshof, was zu erwarten ist, mit seinem Urteil im Herbst dem Generalanwalt folgt, dann rutscht die Euro-Zone noch tiefer in die unberechenbare Instabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schweizerische Wechselkursillusion ist beendet Die L\u00f6sung des Schweizer Frankens (CHF) vom Mindestkurs \u00c2\u00a01,20 gegen\u00fcber dem Euro hat eine mehr als dreij\u00e4hrige Periode der Wechselkursillusion &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16306\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Ordnung in der W\u00e4hrungspolitik (1)<\/small><br \/>Die Schweiz: Nicht mit dem Euro in die Krise!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,39,12,434],"tags":[1790,701,149],"class_list":["post-16306","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaisches","category-interventionistisches","category-monetares","category-waehrungspolitisches","tag-schweizer-franken","tag-schweizer-nationalbank","tag-wechselkurs"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ordnung in der W\u00e4hrungspolitik (1)Die Schweiz: Nicht mit dem Euro in die Krise! 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