{"id":16935,"date":"2015-03-15T00:01:19","date_gmt":"2015-03-14T23:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16935"},"modified":"2015-03-20T07:33:16","modified_gmt":"2015-03-20T06:33:16","slug":"griechische-manoever-in-der-eurozonedroht-aus-spanien-aehnliches-ungemach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16935","title":{"rendered":"<small>Griechenland (12)<\/small><br\/>Griechische Man\u00f6ver in der Eurozone<br\/><font size=3; color=grey>Droht aus Spanien \u00e4hnliches Ungemach?<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>In die Eurozone will Normalit\u00e4t einfach nicht einkehren.<\/p>\n<ul>\n<li>Zwar ist die Wirtschaft auf einen moderaten Wachstumspfad eingeschwenkt, und die von Rezession geplagten Eurol\u00e4nder S\u00fcdeuropas befinden sich ebenfalls auf Erholungskurs. Die Konjunkturaussichten f\u00fcr das laufende Jahr sind g\u00fcnstig und dort, wo die Arbeitslosigkeit und insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch ist (Griechenland, Spanien) mehren sich die Anzeichen einer leichten Besserung.<\/li>\n<li>Aber: Es ist beklemmend, dass ein einziges Euroland \u2013 Griechenland -, zumal eines mit einer vergleichsweise geringen Wirtschaftsleistung (anteilig zwei Prozent) seit nun schon f\u00fcnf Jahren am Rande der Staatsinsolvenz verharrt und die europ\u00e4ischen Entscheidungstr\u00e4ger (Euro-Gruppe, Ecofin-Rat, Europ\u00e4ischer Rat der Staats- und Regierungschefs, EZB-Rat) in einen permanenten Krisenmodus versetzt. Die neue, aus den Parlamentswahlen im Januar hervorgegangene Regierung unter Ministerpr\u00e4sident Alexis Tsipras, Chef der linksradikalen Syriza-Partei, setzt jetzt noch einen drauf, indem er die Vereinbarungen der Vorg\u00e4ngerregierungen mit ausl\u00e4ndischen Kreditgebern (EFSF, IWF, EZB) in Sachen Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen f\u00fcr obsolet erkl\u00e4rt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Obwohl gegenw\u00e4rtig Griechenland alle Aufmerksamkeit der europ\u00e4ischen Entscheidungstr\u00e4ger und der Medien auf sich zieht, sollten in diesem Zusammenhang die j\u00fcngsten innenpolitischen Entwicklungen in Spanien nicht aus dem Auge verloren gehen. Dort greift eine der Syriza-Partei ideologisch verbundene Bewegung \u2013 genannt Podemos (\u201eWir schaffen das\u201c) um sich und hofft auf R\u00fcckenwind aus Tsipras-Griechenland. Auf die Eurozone k\u00f6nnten neue, unerw\u00fcnschte Konflikte zukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i>Das Syriza-Motto: Konfrontation statt Kooperation<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Welches ist das Grundproblem mit Griechenland? In breiten Kreisen der griechischen Politik und Gesellschaft wollte man in der Vergangenheit und will man heute nicht verstehen, dass ein Club von souver\u00e4nen Staaten, wie ihn die Europ\u00e4ische W\u00e4hrungsunion darstellt,\u00c2\u00a0 nur funktionieren kann, wenn alle Mitgliedsl\u00e4nder die Spielregeln befolgen, so wie diese im Maastricht-Vertrag und &#8211; eine juristische Ebene darunter -\u00c2\u00a0 in verschiedenen zwischenstaatlichen Vereinbarungen festgelegt worden sind. Die jeweiligen griechischen Regierungen haben stets zugestimmt.<\/p>\n<ul>\n<li>Zu den ordnungspolitischen Grundregeln in der W\u00e4hrungsunion z\u00e4hlen das Gebot der Haushaltsdisziplin bei der \u00f6ffentlichen Hand und die Verpflichtung zu einer nationalen Wirtschaftspolitik, die marktwirtschaftlich fundiert ist und im Einklang mit den Zielen der Gemeinschaft steht. Will hei\u00dfen: Jede Regierung ist frei, ihre wirtschaftspolitischen Anliegen selbst zu bestimmen und umzusetzen. F\u00fcr etwaige Fehlentwicklungen muss sie selber geradestehen, eine Externalisierung von selbstverursachten Kosten darf sie nicht ins Kalk\u00fcl nehmen (Prinzip der Eigenverantwortung).<\/li>\n<li>Mit Griechenland ist das alles in Unordnung geraten. Das Land erh\u00e4lt seit 2010 milliardenschwere finanzielle Haushaltshilfen von den Partnerstaaten, trotz des im Maastricht-Vertrag verankerten Beistandsverbots (No bail-out clause); und die Europ\u00e4ische Zentralbank versorgt die griechischen Banken gro\u00dfz\u00fcgig mit Liquidit\u00e4t im Rahmen des Notkreditprogramms (Emergency Liquidity Assistance), obwohl dies eigentlich nur bei gesicherter Zahlungsf\u00e4higkeit des Staates zul\u00e4ssig ist, was im Falle Griechenlands ja gerade nicht zutrifft. Von politischer Seite, die Bundesregierung eingeschlossen, wurden die europarechtlichen Verst\u00f6\u00dfe damit begr\u00fcndet, dass \u201eZeit gekauft werden solle\u201c, um die f\u00fcr die Sanierung des Landes notwendigen Reformma\u00dfnahmen umzusetzen und im erwarteten Sinne wirksam werden zu lassen. Die Erfahrung lehrt indes, dass in Griechenland die Zeit eben nicht entschlossen genutzt wurde. Wichtige Strukturreformen wurden gar nicht erst konzipiert, zahlreiche versprochene Reformvorhaben wurden nur halbherzig angepackt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die neue Regierung beklagt, die Rettungsprogramme h\u00e4tten das Land ins Elend getrieben und die W\u00fcrde des Volkes verletzt. Deshalb soll damit Schluss sein, wie auch mit den Kontrollen durch die ausw\u00e4rtigen Kreditgeber (Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF). Au\u00dferdem fordern Tsipras und sein Finanzminister Giannis Varoufakis einen erneuten Schuldenschnitt (es w\u00e4re der dritte seit 2012), obwohl die aktuelle Schuldenlast gar nicht so dr\u00fcckend ist wie sie behaupten, weil die R\u00fcckzahlungsfristen f\u00fcr die erhaltene Darlehen inzwischen gro\u00dfz\u00fcgig bemessen sind und der Zinssatz sehr niedrig ist. Andere Eurol\u00e4nder, die sich am Kapitalmarkt finanzieren (k\u00f6nnen), haben einen h\u00f6heren Schuldendienst zu leisten.<\/p>\n<p>Die neuen griechischen Amtsinhaber erkl\u00e4ren nicht, wieso andere Krisenl\u00e4nder des Euroraums (Irland, Portugal, Spanien) und au\u00dferhalb (Island) ordentliche Ergebnisse gerade dank jener Konsolidierungs- und Reformpolitik erzielt haben, die sie lauthals verdammen. Sie bleiben auch die Antwort auf die so wichtige Frage schuldig, wie das Wachstumspotential der griechischen Wirtschaft gehoben und die Schaffung neuer, rentabler Arbeitspl\u00e4tze verst\u00e4rkt werden k\u00f6nnen, wenn ihnen nur danach ist, (i) soziale Wohltaten zu verteilen und mit einem Geld zu finanzieren, das sie nicht haben, (ii) entlassene \u00f6ffentliche Bedienstete wieder einzustellen, auch wenn sie nicht wirklich gebraucht werden, sowie (iii) weitere Strukturreformen sein zu lassen und mit Privatisierungen aufzuh\u00f6ren, obwohl alle Fachleute (auch griechische mit Ausnahme der Syriza-Anh\u00e4nger) dies f\u00fcr unerl\u00e4sslich halten, um das Land endg\u00fcltig aus der Krise herauszuf\u00fchren. Unklar ist zudem, wie das Land das Vertrauen der internationalen Investoren (Anleger, Unternehmen) zur\u00fcckgewinnen soll, wenn es sich politisch als ein unzuverl\u00e4ssiger Schuldner geb\u00e4rdet.<\/p>\n<p>Die Tsipras-Regierung wird f\u00fcr ihr weiteres Auftreten gegen\u00fcber der Eurogruppe vermutlich zwischen drei Optionen abw\u00e4gen:<\/p>\n<ul>\n<li>Erstens, einlenken! Damit w\u00fcrde allerdings ein zentrales Wahlversprechen &#8211; keine Auslandshilfe unter Auflagen \u2013 gebrochen. Ob das in der in Griechenland emotional aufgeheizten Stimmung, die Tsipras selbst erzeugt hat, \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, wei\u00df niemand. Die Wahrscheinlichkeit liegt nach meinem Daf\u00fcrhalten bei h\u00f6chstens 10 Prozent.<\/li>\n<li>Zweitens, erpressen! Die Regierung kann den Europartnern am st\u00e4rksten damit drohen, dass das Land den Euroraum verl\u00e4sst. Noch tut sie es nicht, sondern begn\u00fcgt sich mit einer aggressiven Rhetorik gegen\u00fcber der Bundesregierung (und der Regierungen von Spanien und Portugal, die auf Vertragstreue pochen). Vertrauensbildung sieht anders aus. Noch will in Europa kein ma\u00dfgeblicher Politiker davon reden h\u00f6ren, nicht nur weil die Mitgliedschaft von Rechts wegen unwiderruflich ist (das w\u00e4re zu heilen nach dem Motto \u201eWo kein Kl\u00e4ger, kein Richter\u201c), sondern weil bei einem \u201eGrexit\u201c die bislang gew\u00e4hrten B\u00fcrgschaften, anders als der Bev\u00f6lkerung vorgegaukelt, doch haushaltswirksam werden, also sich als echte Schulden und Belastungen f\u00fcr die Steuerzahler erweisen. Die Bundestagsabgeordneten, die bislang die Griechenlandhilfen auf Druck des Bundesfinanzministers mehrheitlich durchgewinkt haben &#8211; eine ernsthafte Sachdebatte wurde im Deutschen Bundestag nie gef\u00fchrt die Warnung durch sachkundige \u00d6konomen stets ignoriert -, w\u00e4ren in ihren Wahlkreisen dem Zorn der B\u00fcrger ausgeliefert und m\u00fcssten um die M\u00f6glichkeit\u00c2\u00a0 einer erneuten Kandidatur bei k\u00fcnftigen Wahlen bangen. Wer will das schon? Aus Eigeninteresse ist es attraktiver, einen sanften Kurs gegen\u00fcber Tsipras und Varoufakis zu fahren und deren Reformversprechen f\u00fcr bare M\u00fcnze zu nehmen, wohlwissend, wie wenig davon r\u00fcberkommen wird. Sprachregelungen, die das Ganze gegen\u00fcber der heimischen \u00d6ffentlichkeit kaschieren, werden sich finden lassen (wie bisher). Der Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Kommission Jean-Claude Juncker ist bereits eingeknickt, der Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Parlaments Martin Schulz steht allem Anschein nach kurz davor, nachdem er sich anfangs noch unnachgiebig gegeben hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Erpressungsversuch erfolgreich ist, sch\u00e4tze ich auf mindestens 70 Prozent.<\/li>\n<li>Drittens, einen Offenbarungseid leisten! Die Regierung k\u00f6nnte einseitig die Zahlungsunf\u00e4higkeit des Landes erkl\u00e4ren und den Schuldendienst verweigern, ganz nach dem Beispiel einiger s\u00fcdamerikanischer Staaten, zuletzt Argentiniens. Den hohen Preis, dass dem Land auf unbestimmte Zeit der Zugang zu den internationalen Kapitalm\u00e4rkten versperrt bliebe, w\u00fcrde in Kauf genommen. Hilfen durch andere Staaten (Russland, China) lie\u00dfen sich wom\u00f6glich mobilisieren. Wahrscheinlichkeit f\u00fcr dieses Szenario: 20 Prozent.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Griechenland meint, die Spielregeln des Euroraums seien zu streng, w\u00e4re die sauberste L\u00f6sung die des Ausstiegs.<\/p>\n<ul>\n<li>Dies stand bereits beim Ausbruch der Schuldenkrise in Griechenland um die Jahreswende 2009\/10 zur Debatte. Aber die Politik (Merkel, Sarkozy, Barroso) beharrte darauf, Griechenland in der Eurozone zu halten (nach der Devise: \u201eWir lassen kein Land fallen, koste es, was es wolle\u201c) und nahm die von angesehenen \u00d6konomen pr\u00e4sentierten Ausstiegsmodellierungen einfach nicht zur Kenntnis. Die Erwartung war (und ist?), dass die jeweilige Bev\u00f6lkerung nicht merken w\u00fcrde, dass sie von der Politik hinters Licht gef\u00fchrt wird, wenn es regierungsamtlich hei\u00dft, es w\u00fcrden doch nur B\u00fcrgschaften f\u00fcr die Kredite an Griechenland gegeben und das sei nicht haushaltswirksam und w\u00fcrde somit auch nicht den Steuerzahler belasten. Ein Politikversagen, wie es im Lehrbuch\u00c2\u00a0 steht!<\/li>\n<li>Ein Ausstieg heute h\u00e4tte f\u00fcr Griechenland sp\u00fcrbare Kosten: die gesamtwirtschaftliche Produktion w\u00fcrde wohl erneut einbrechen, die Arbeitslosigkeit wieder kr\u00e4ftig steigen und die Inflation sp\u00fcrbar anziehen. Aber auf mittlere Sicht g\u00e4be es die begr\u00fcndete Perspektive f\u00fcr eine Sanierung, weil der Weg dorthin durch eine autonome Geld- und W\u00e4hrungspolitik geebnet werden k\u00f6nnte.<\/li>\n<li>F\u00fcr die Eurozone d\u00fcrfte ein \u201eGrexit\u201c verkraftbar sein, zumal deutsche, franz\u00f6sische und anderer Eurol\u00e4nder Banken kaum noch nennenswerte Au\u00dfenst\u00e4nde in dem Land haben (anders als 2010). Die Eurozone k\u00f6nnte sogar gest\u00e4rkt werden. Denn andere Mitgliedsl\u00e4nder h\u00e4tten nun einen st\u00e4rkeren Anreiz, ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik eurokonform zu gestalten und sich damit die Zugeh\u00f6rigkeit zum gemeinsamen W\u00e4hrungsraum zu sichern.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i>Von Syriza zu Podemos in Spanien<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Griechenland sollte nicht als ein Sonderfall gesehen werden. Was heute dort abl\u00e4uft, k\u00f6nnte lange Schatten auf Spanien werfen. In Spanien ger\u00e4t gerade das etablierte Parteiengef\u00fcge durcheinander. Mit Podemos greift eine dem populistischen Linksextremismus Syrizas in nichts nachstehende Bewegung nach der Macht. Der\u00c2\u00a0 charismatische F\u00fchrer, Pablo Iglesias, ein junger Professor der Politischen Wissenschaften an der gr\u00f6\u00dften Universit\u00e4t von Madrid (Complutense) hat dort\u00c2\u00a0 mehrere Gleichgesinnte um sich geschart , die Jahre lang diskutiert haben, wie das Land wirtschaftlich, institutionell und gesellschaftlich umgekrempelt und mit einer neuen Verfassung und Staatsordnung versehen werden kann. In der \u00d6ffentlichkeit blieb dieses akademische Treiben unbeachtet \u2013 bis ein wichtiger privater Fernsehsender (La Sexta) den Anf\u00fchrer entdeckte und zu einem Medienstar aufbaute. Bei den Wahlen zum Europ\u00e4ischen Parlament im vergangenen Jahr erlangt diese Partei auf Anhieb sieben Sitze \u2013 ohne ein Wahlprogramm gehabt und einen Wahlkampf gef\u00fchrt zu haben (die Gew\u00e4hlten haben sich in die kommunistische Fraktion eingebracht). In den aktuellen Umfragen f\u00fcr die allgemeinen Parlamentswahlen in Spanien Ende dieses oder Anfang n\u00e4chstens Jahres steht Podemos bereits als zweitst\u00e4rkste Kraft da (nur knapp hinter der regierenden konservativen Volkspartei PP, die deutlich unter die absolute Mehrheit, die sie im Parlament noch hat, abgerutscht ist). In den bevorstehenden Regionalwahlen und den landesweiten Kommunalwahlen werden dieser Partei gute Chancen einger\u00e4umt, erstmals in die Parlamente einzuziehen und gegebenenfalls in Koalitionsregierungen (mit der Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE und der Vereinigten Linkspartei IU) einzutreten. Das Gleiche k\u00f6nnte auf nationaler Ebene passieren.<\/p>\n<p>Was sich in Spanien zusammenbraut ist gef\u00e4hrlicher als das, was wir derzeit mit Griechenland erleben.<\/p>\n<ul>\n<li>Iglesias ist bekennender Marxist (dagegen ist Tsipras harmlos) und ein Bewunderer des verstorbenen venezolanischen Staatspr\u00e4sidenten Hugo Ch\u00c3\u00a1vez, dessen sozialistische (bolivarianische) Revolution er nach Spanien \u00fcbertragen und von dort ins \u00fcbrige Europa transportieren will (woran Tsipras \u00fcberhaupt nicht denkt). Es ficht Iglesias \u00fcberhaupt nicht an, dass Venezuela trotz seines \u00d6lreichtums unter Ch\u00c3\u00a1vez und dessen Nachfolger Nicol\u00c3\u00a1s Maduro im Chaos versinkt: galoppierende Inflation, hohe Arbeitslosigkeit, enorme Engp\u00e4sse bei der Lebensmittelversorgung. Dass die Ursachen hierf\u00fcr in der ungebremsten\u00c2\u00a0 Expansion der \u00f6ffentlichen Ausgaben, dem \u00fcberbordenden staatlichen Interventionismus auf den M\u00e4rkten, den \u00f6ffentlichen Anfeindungen des privaten Unternehmertums und in der fortschreitenden Einschr\u00e4nkung der privaten Eigentumsrechte, auch die ausl\u00e4ndischer Investoren, liegen, l\u00e4sst Iglesias und die Seinen kalt. Sie halten von freier Marktwirtschaft nichts, von staatlicher Planwirtschaft um so mehr. Ein gro\u00dfer staatlicher Sektor samt verstaatlichter Schl\u00fcsselindustrien und Banken ist f\u00fcr diese Politiker ein Muss.<\/li>\n<li>In der Podemos-Partei f\u00fchlen sich zum einen die vielen Wutb\u00fcrger wohl, die sich als Opfer des harten Krisenmanagements der Rajoy-Regierung mit zahlreichen Einschnitten in liebgewonnene Besitzst\u00e4nde f\u00fchlen (was h\u00e4ufig gar nicht zutrifft) und es der neuen Partei abnehmen, dass mit ihr alles wieder besser wird. Dazu sch\u00fcrt Podemos geschickt den Sozialneid: versprochen wird u.a. nicht nur eine Reichensteuer und die staatliche Beschlagnahme leer stehender Privatwohnungen zwecks Unterbringungen von bed\u00fcrftigen Wohnungssuchenden, sondern auch ein garantiertes Mindesteinkommen f\u00fcr jedermann und die gesetzliche Festlegung eines H\u00f6chsteinkommens. Podemos wirbt \u00fcberdies damit, im Falle einer Regierungsbeteiligung die Haushaltskonsolidierung zu beenden und die Abschaffung der europ\u00e4ischen Rettungsprogramme betreiben zu wollen. Zum anderen erh\u00e4lt diese Partei Unterst\u00fctzung von vielen normalen B\u00fcrgern aller Altersklassen, die des langj\u00e4hrigen Klientelismus der beiden gro\u00dfen Parteien und der zahllosen Korruptions- und Steuerhinterziehungsskandale im Lande \u00fcberdr\u00fcssig sind. Diese B\u00fcrger lassen sich gerne von den Podemos-Parolen einer reinigenden Systemver\u00e4nderung verf\u00fchren, ohne das angestrebte Neue genau erkl\u00e4rt zu bekommen. Niemand st\u00f6rt sich daran, dass das Wirtschaftsprogramm von Podemos schwammig ist, viele Widerspr\u00fcche enth\u00e4lt und keine seri\u00f6sen Finanzierungen von Ausgabenprogrammen enth\u00e4lt. Der repressive Charakter der politischen Agenda, ganz nach dem Vorbild der autorit\u00e4ren Regierungsform in Venezuela, bereitet den Anh\u00e4ngern von Podemos keine Sorgen, was schon erstaunlich\u00c2\u00a0 ist; offenbar ist bei diesen Menschen das Grundverst\u00e4ndnis f\u00fcr die demokratischen Grundfreiheiten und den Rechtsstaat nicht besonders ausgepr\u00e4gt und die Sicherung der Menschenrechte nicht ein Herzensanliegen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>K\u00e4me die Podemos-Partei an die Macht, w\u00fcrde sich sofort eine gro\u00dfe Unsicherheit unter den Marktteilnehmern ausbreiten, was wie eine Steuer auf die wirtschaftliche Aktivit\u00e4t wirkt. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr die unternehmerischen Investitionen w\u00fcrden sich bestimmt nachhaltig verschlechtern. Eine gro\u00dfe Kapitalflucht w\u00e4re programmiert. Die Finanzlage des Staates w\u00fcrde erneut untragbar werden, weil mit einem deutlichen Anstieg der Neuverschuldung zu rechnen w\u00e4re und damit umfangreich unproduktive Ausgaben finanziert w\u00fcrden. Spaniens Wirtschaft w\u00fcrde abst\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die Eurozone w\u00e4re gro\u00dfen Spannungen ausgesetzt. Denn bei Spanien handelt es sich um die derzeit viertgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft des Euroraums (anteilig fast 11 Prozent des euroweiten Bruttoinlandsprodukts), die intensive Handels-, Investitions- und Finanzverflechtungen mit den europ\u00e4ischen Partnerl\u00e4ndern aufweist. Das verschafft einer eventuellen Podemos-Regierung ein gro\u00dfes Erpressungspotential: zum einen gegen\u00fcber den anderen Regierungen und der Europ\u00e4ischen Kommission, zwecks Aufweichung der Verschuldungsregeln des Europ\u00e4ischen Fiskalpaktes; zum anderen gegen\u00fcber der Europ\u00e4ischen Zentralbank, damit die ultra-expansive Geldpolitik auf unbestimmte Zeit und ohne R\u00fccksicht auf die allgemeine Preisentwicklung im Euro-Raum fortgesetzt wird und das gerade in Gang gekommene Programm der Anleihek\u00e4ufe als Schutzschild gegen steigende Risikopr\u00e4mien am Kapitalmarkt voll zur Wirkung kommt. \u00dcber die Tilgung der 2012\/13 im Zuge der Bankensanierung erhaltenen Kredite aus der Europ\u00e4ischen Finanzstabilisierungsfazilit\u00e4t EFSF (41 Milliarden Euro) will Podemos ohnehin neu verhandeln mit dem Ziel eines Schuldenschnitts. Wenn die europ\u00e4ischen Regierungen nachg\u00e4ben, w\u00fcrden sie den euroskeptischen Parteien in anderen Eurol\u00e4ndern (u.a. FN in Frankreich, AfD hierzulande) Auftrieb geben. Wenn sie hart blieben, m\u00fcssten sie das Risiko eines \u201eHispaexit\u201c eingehen, was die W\u00e4hrungsunion vor eine Zerrei\u00dfprobe br\u00e4chte &#8211; mit unkalkulierbaren \u00f6konomischen und politischen Folgen f\u00fcr alle Eurol\u00e4nder.<\/p>\n<p>All dies macht die derzeitige Behandlung des Problemfalles Griechenland so wichtig. Wenn sich Tsipras mit seiner Erpressungsstrategie durchsetzt, w\u00fcrde das in Spaniern die Podemos-Partei befl\u00fcgeln. Es w\u00e4re erwiesen, dass man in Europa mit Chuzpe viel erreichen kann. Wenn aber der griechische Ministerpr\u00e4sident letztlich doch einlenkt und akzeptiert, dass ohne eine entschlossene Haushaltskonsolidierung und ernsthafte Strukturreformen keine stabilen Perspektiven f\u00fcr mehr Wachstum und Besch\u00e4ftigung im Lande entstehen k\u00f6nnen, und wenn daraufhin die Syriza-W\u00e4hler ihre Entt\u00e4uschung \u00f6ffentlich demonstrieren, w\u00e4re die Signalwirkung in Spanien eine andere, eine positive: dass n\u00e4mlich auch ein noch so linker Radikalismus und Populismus an den Realit\u00e4ten nicht vorbeikommt. Dies k\u00f6nnte spanischen B\u00fcrgern, die jetzt noch von Podemos illusioniert sind, die Augen \u00f6ffnen und dazu bewegen, bei Wahlen ihre Stimme einer der verfassungstreuen politischen Parteien im Lande (es gibt derer mehrere) zu geben. Aus Spanien h\u00e4tte die Eurozone dann, aber nur dann, keine St\u00f6rungen zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Griechenland-Poker:<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16894\">Briefe in die griechische Vergangenheit. Giannis Varoufakis: Abgezockt oder unf\u00e4hig?<\/a><\/p>\n<p>Wolf Sch\u00e4fer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16864\">Mit \u201eGewissheit\u201c im Euro. Das strategische Spiel der Griechen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16670\">Immer \u00c4rger mit Griechenland. Ein Pyrrhus-Sieg der \u201cInstitutionen\u201c\u009d?<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16687\">Nach der Rettung ist vor der Rettung. Griechenland und kein (Rettungs-)Ende!<\/a><\/p>\n<p>Roland Vaubel: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16626\">Sch\u00e4ubles Scherbenhaufen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16600\">Trojanisches Pferd. Der Brief des Giannis Varoufakis<\/a><\/p>\n<p>Uwe Vollmer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16535\">Scheidung auf griechisch. Wie realistisch ist der \u201cGrexit\u201c\u009d?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16544\">Was erlauben Griechenland? Schwach wie Flasche leer<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16520\">Poker um Griechenland<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16470\">Sie kamen, sahen und verloren. Haben sich Alexis Tsipras und Giannis Varoufakis verzockt?<\/a><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16445\">Hexenmeister und Reformer. Was Varoufakis von Balcerowicz lernen kann. <\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In die Eurozone will Normalit\u00e4t einfach nicht einkehren. 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