{"id":17125,"date":"2015-04-13T09:14:03","date_gmt":"2015-04-13T08:14:03","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17125"},"modified":"2015-04-17T06:15:56","modified_gmt":"2015-04-17T05:15:56","slug":"der-mindestlohn-und-was-er-dem-berufsausbildungsmarkt-antut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17125","title":{"rendered":"Der Mindestlohn und was er dem Berufsausbildungsmarkt antut"},"content":{"rendered":"<p>Zumeist wird die Einf\u00fchrung des gesetzlichen Mindestlohnes hinsichtlich ihrer allokativen Nebenwirkungen auf dem Arbeitsmarkt oder hinsichtlich ihrer <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16419\" target=\"blank\">distributiven Konsequenzen<\/a> diskutiert. Daneben verursacht sie \u2013 von vielen gar nicht wahrgenommen \u2013 aber zudem auch allokative Wirkungen im Ausbildungsbereich, die alles andere als erfreulich sind. Denn auch hier beeinflusst der Mindestlohn die Lohnunterschiede.<\/p>\n<p>Lohnunterschiede geben auf einem Arbeitsmarkt in der Regel Produktivit\u00e4tsunterschiede wieder. Produktivit\u00e4tsunterschiede zwischen Besch\u00e4ftigten wiederum entstehen \u00fcblicherweise aus Unterschieden im am Arbeitsplatz anwendbaren Humankapital der betreffenden Personen. Dies bedeutet, dass Personen mit einer Berufsausbildung, die in ihrem erlernten Beruf arbeiten, mehr verdienen sollten und d\u00fcrfen als Personen ohne eine solche Berufsausbildung. Ist die Berufsausbildung schwierig und stark nachgefragt, so ist die Entlohnung h\u00f6her, als wenn die Berufsausbildung leicht zu erlangen ist und\/oder wenig nachgefragt. Entfallen die Lohnunterschiede, entf\u00e4llt auch der Anreiz zur Berufsausbildung. Ist diese Berufsausbildung dann auch noch schwierig oder verursacht sonstige Kosten wie den Verzicht auf den Lohn bei einer alternativen Besch\u00e4ftigung, lohnt sie sich f\u00fcr viele Personen nicht mehr.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Genau dieses Szenario ist zunehmend auf dem deutschen Berufsausbildungsmarkt zu beobachten. Es gibt zunehmend mehr offene Ausbildungsstellen, ohne dass die Zahl der Ausbildungswilligen, die keinen Ausbildungsplatz finden, weiter zur\u00fcckgeht. Man spricht im Amtsdeutsch von Passungsproblemen auf dem Ausbildungsmarkt. Hierf\u00fcr gibt es zwei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr manche Ausbildungsstellen mangelt es den Bewerbern aus der Sicht der Unternehmen an der notwendigen Qualit\u00e4t. Dies ist der eine Grund.<\/li>\n<li>F\u00fcr viele Ausbildungsstellen gibt es aber auch gar keine Bewerber, weil die Ausbildungsstellen aus der Sicht der potenziellen Auszubildenden von der Art der T\u00e4tigkeit und der Entlohnung her unattraktiv sind \u2013 und dies, obwohl viele dieser Ausbildungsplatzsuchenden ohne Ausbildungsplatz bleiben. Dies ist der zweite Grund.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun treffen die Besetzungsprobleme vor allem Berufe in der Gastronomie, aber auch den Fachverk\u00e4ufer im Lebensmittelhandwerk, den Beruf des Klempners, des B\u00e4ckers oder des Kochs (siehe Tabelle). Dies alles sind Berufsbilder, die unter Jugendlichen als eher wenig prestigetr\u00e4chtig gelten und sowohl mit einer geringen Ausbildungsverg\u00fctung als auch mit einem \u00fcberschaubaren Erwerbseinkommen nach Ende der Ausbildung einhergehen. So verdient etwa der Auszubildende im Lebensmittelhandwerk knapp \u00fcber 400 Euro im Osten und etwas \u00fcber 500 Euro im Westen. In einigen Berufsbildern kommt hinzu, dass auch die Arbeitsbedingungen oder die Arbeitszeiten nicht wie gew\u00fcnscht sind.<br \/>\nIn diesen Berufen waren die Erfolgsaussichten in den letzten Jahren der Ausbildungsplatznachfrager sehr hoch. Der Anteil unbesetzter Ausbildungspl\u00e4tze betr\u00e4gt hier bis zu 30 Prozent (beim Restaurantfachmann\/-frau)!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/neumtab1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"Bestzungsprobleme\" alt=\"Bestzungsprobleme\" src=\"\/wordpress\/bilder\/neumtab1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Das Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung f\u00fchrt dies auf ein ver\u00e4ndertes Berufswahlverhalten der Jugendlichen zur\u00fcck. \u201eDie Motivation, sich f\u00fcr einen bestimmten Beruf zu bewerben, h\u00e4nge vom <em>Anreiz<\/em> (Attraktivit\u00e4t des Berufs) und der vermuteten <em>Erfolgswahrscheinlichkeit<\/em> ab\u201c (Matthes et al., 2014).<\/p>\n<p>Nun \u00e4ndert sich im Rahmen des demografischen Wandels die Gesamtrelation von Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt, was auch die subjektiv vermutete Erfolgswahrscheinlichkeit der Jugendlichen bei der Suche nach den gew\u00fcnschten Ausbildungspl\u00e4tzen beeinflussen wird (Schier\/Ulrich, 2014). Neben dieser Erfolgswahrscheinlichkeit hat sich aber auch der Anreiz, die Wahrnehmung der Attraktivit\u00e4t eines Berufes, ge\u00e4ndert. Der neue Mindestlohn suggeriert den Ausbildungsplatzsuchenden n\u00e4mlich, dass als unqualifizierte Erwerbsperson ein \u00e4hnlich hohes Lohneinkommen wie mit einer Berufsausbildung in einem solchen Beruf erzielt werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Dies mag f\u00fcr manche Jobs auch zumindest tempor\u00e4r gelten. Was dabei aber von den Ausbildungsplatzsuchenden \u00fcbersehen oder nicht richtig interpretiert wird, ist die verzerrende Wirkung des Mindestlohns auf dem Arbeitsmarkt. Denn der Mindestlohn ist ja kein Knappheitssignal f\u00fcr den Wert unqualifizierter Arbeit an sich. Er geht mit einer h\u00f6heren Arbeitslosigkeit unter Geringqualifizierten einher. Schon heute sind Geringqualifizierte in einem wesentlichen h\u00f6heren Prozentsatz von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen mit einer Berufsausbildung. Diese h\u00f6here Arbeitslosigkeit wird nicht vom Mindestlohn widergespiegelt.<\/p>\n<p>Der Anteil junger Menschen ohne Berufsausbildung, der seit einigen Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig war und von 2005 (16,5 Prozent der 20 bis 24-J\u00e4hrigen) auf 2011 (13,1 Prozent) um \u00fcber drei Prozentpunkte gefallen war (Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung, 2014, S.285), wird demn\u00e4chst damit wohl wieder ansteigen. Dies ver\u00e4ndert wiederum das Angebot und den \u00dcberschuss an formal Unqualifizierten am Arbeitsmarkt, womit die Arbeitslosenquote, die hier in den letzten zehn Jahren im Trend r\u00fcckl\u00e4ufig war, noch einmal (zus\u00e4tzlich zu den direkten Mindestlohnwirkungen) steigen d\u00fcrfte.<\/p>\n<h4>Quellen<\/h4>\n<ol>\n<li>Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung, 2014, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2014- Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung, Bonn<\/li>\n<li>Matthes, Stephanie, Joachim G. Ulrich, Elisabeth M. Krekel und G\u00fcnter Walden (2014): Wachsende Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt: Analysen und L\u00f6sungsans\u00e4tze, Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung, Fachbeitr\u00e4ge im Internet, urn:nbn:de:0035-0531-8<\/li>\n<li>Schier\/Friedel, Ulrich\/Joachim G. (2014): \u00dcberg\u00e4nge wohin? Auswirkungen sinkender Schulabg\u00e4ngerzahlen auf die Berufswahl und Akzeptanz von Ausbildungsangeboten, Zeitschrift f\u00fcr Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogik, Heft 110, S.358-373<\/li>\n<\/ol>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zumeist wird die Einf\u00fchrung des gesetzlichen Mindestlohnes hinsichtlich ihrer allokativen Nebenwirkungen auf dem Arbeitsmarkt oder hinsichtlich ihrer distributiven Konsequenzen diskutiert. 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