{"id":17284,"date":"2015-05-03T06:16:09","date_gmt":"2015-05-03T05:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17284"},"modified":"2015-05-09T07:24:30","modified_gmt":"2015-05-09T06:24:30","slug":"griechenland-17die-griechische-tragoediewarum-sich-niemand-zu-handeln-traut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17284","title":{"rendered":"<small>Griechenland (17)<\/small><br\/>Die griechische Trag\u00f6die<br><font size=3; color=grey>Warum sich niemand zu handeln traut<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die Konditionalit\u00e4t von Hilfsprogrammen war immer eine umstrittene Sache. Unter Konditionalit\u00e4t versteht man, dass Kreditzusagen und Schuldenerlasse gegen verbindliche Reformzusagen getauscht wurden. Hauptspieler ist neben dem jeweils betroffenen Land in der Regel der Internationale W\u00e4hrungsfonds, welcher unter definierten Bedingungen Kreditzusagen gibt und auch immer eine zentrale Rolle bei der Verhandlung von Schuldenerlassen spielt. Wo sie funktionierte, half die Konditionalit\u00e4t den Regierungen, sich auf der Zeitachse glaubw\u00fcrdig an ein Reformprogramm zu binden, und das war ihre Idee. Auch wenn es zwischendurch zu einem Regierungswechsel kommt, kann ein Reformprogramm gegen Widerst\u00e4nde mit dem Argument durchgehalten werden, dass die Kreditzusagen und in Aussicht gestellten Schuldenerlasse gef\u00e4hrdet sind, sobald man vom Reformprogramm abweicht. Gegeben, dass das Reformprogramm makro\u00f6konomisch tauglich ist, k\u00f6nnen sich L\u00e4nder durch die Konditionalit\u00e4t an einen Reformweg binden, der die Bewohner dieser L\u00e4nder am Ende besserstellt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Allerdings muss die Konditionalit\u00e4t selbst glaubw\u00fcrdig sein, damit sie funktioniert, und das bedeutet, dass alle Beteiligten ernsthaft erwarten m\u00fcssen, dass die Hilfszusagen gestrichen oder zumindest gek\u00fcrzt werden, sollte man vom Reformpfad abweichen. Erfolg und Misserfolg von IWF-Programmen h\u00e4ngen damit stets an der Frage, ob die Drohung des IWF, bei Abweichungen vom Reformprogramm die Hilfszusagen ganz oder teilweise zu streichen, glaubw\u00fcrdig ist. Glaubw\u00fcrdigkeit einer Drohung bedeutet hier etwas genau Definiertes: dass n\u00e4mlich der Drohende in genau der Situation, in der er seine Drohung wahr machen muss, dazu auch einen Anreiz hat. Man stelle sich ein junges Elternpaar vor, das seinem Kind versprochen hat, am Samstagabend bei Oma schlafen zu d\u00fcrfen, wenn es bis dahin lieb war. Zugleich hat das Paar vor den Augen des Kindes seine Vorfreude auf einen Kinobesuch am Samstagabend zum Ausdruck gebracht, den es freilich nur realisieren kann, wenn das Kind bei Oma schl\u00e4ft und damit versorgt ist. Wei\u00df das Kind nun, dass den Eltern der Kinobesuch mehr bedeutet als das erzieherische Prinzip, dem Kind im Falle schlechten Benehmens den Oma-Besuch zu streichen, dann ist die Drohung der Eltern zur Streichung des Oma-Besuches strukturell unglaubw\u00fcrdig, und es kann sich gefahrlos schlecht benehmen.<\/p>\n<p>Ganz analog dazu kann der IWF seine Konditionalit\u00e4t wirkungsvoll nur einsetzen, wenn alle Beteiligten wissen, dass es im Falle eines Bruchs der Reformversprechen in dem betreffenden Land f\u00fcr die Entscheider im IWF selbst das Beste sein wird, f\u00fcr die Streichung oder K\u00fcrzung der Hilfen der zu optieren. Ob und unter welchen Bedingungen die Dinge in der realen Welt so strukturiert waren, soll nicht unser Thema sein. Unser Thema ist Griechenland, und die Hilfszusagen kommen von den Institutionen, die fr\u00fcher einmal Troika hie\u00dfen. Die wichtigsten unter diesen Institutionen sind solche der EU. Deshalb wollen wir uns hier auf die EU-Institutionen konzentrieren. Sie sind der Hauptakteur, wenn es um die Streichung von Hilfen und damit um den Verlust der Zahlungsf\u00e4higkeit Griechenlands geht.<\/p>\n<p>Griechenlands Schulden gegen\u00fcber den verschiedenen EU-Institutionen belaufen sich derzeit auf rund 260 Mrd. \u20ac. Nehmen wir einmal vereinfachend an, dass es diese Summe an die EU zur\u00fcckzuzahlen habe, wenn es sich an die derzeit g\u00fcltigen Abkommen halten will. In Wahrheit ist das zwar alles komplizierter, doch spielt das f\u00fcr unsere \u00dcberlegungen keine entscheidende Rolle. Unterscheiden wir zwei Szenarien: In einem davon nehme die EU eine Zahlungsverweigerung schlicht hin. In diesem Falle bek\u00e4me sie nichts von den 260 Mrd. \u20ac, und umgekehrt m\u00fcsste Griechenland auch nichts zahlen. Das Alternativszenario w\u00e4re, dass die EU mit einem \u201eGrexit\u201c reagieren w\u00fcrde, wenn Griechenland definitiv die Zahlungen verweigerte. Nehmen wir f\u00fcr diesen Fall nachhaltige schlimmste Konsequenzen f\u00fcr die griechische Wirtschaft und Gesellschaft an, die ein Mehrfaches ihres Bruttoinlandsprodukts ausmachen; sagen wir, man k\u00f6nnte diese Konsequenzen mit einer Summe von 1000 Mrd. \u20ac bewerten. Zugleich w\u00fcrde auch die EU erheblich darunter leiden, wobei es sich dabei allerdings mehr um interne politische, aber auch um geostrategische Verluste handelte, sofern wir der verbreiteten \u00f6konomischen Einsch\u00e4tzung folgen, dass Ansteckungsgefahren heute nicht mehr sehr bedeutend sind. Wie auch immer, nehmen wir einmal an, dass diese Verluste dem Gegenwert von 100 Mrd. \u20ac entspr\u00e4chen. Wie noch zu sehen sein wird, kommt es erst einmal nicht darauf an, wie hoch die Verluste der EU tats\u00e4chlich sind, wenn es nur Verluste sind. Sollte es zum Beispiel doch Ansteckungseffekte geben, wird das Ergebnis unserer \u00dcberlegungen nur umso eindeutiger ausfallen.<\/p>\n<p>Der folgenden Abbildung k\u00f6nnen wir entnehmen, ob eine Drohung der EU mit dem Entzug der Hilfen glaubw\u00fcrdig ist oder nicht. Sie zeigt einen Entscheidungsbaum, an dessen Anfang links zun\u00e4chst die Regierung Griechenlands (RG) dar\u00fcber entscheidet, ob sie ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommt oder nicht. Ausgangslage ist \u2013 vereinfacht gesagt \u2013 immer, dass die EU Griechenland 260 Mrd. \u20ac geliehen hat und diese nun entweder zur\u00fcckerh\u00e4lt oder nicht. Erh\u00e4lt die EU das Geld zur\u00fcck, dann wird das wie ein Zahlungseingang in H\u00f6he von 260 Mrd. \u20ac im Vergleich zur Ausgangslage verbucht. Erh\u00e4lt sie das Geld dagegen nicht zur\u00fcck, dann wird das wie ein Zahlungseingang von null gebucht. Es reicht f\u00fcr unsere Zwecke vollkommen aus, diese Zahlungseing\u00e4nge zu betrachten. Dass diese Zahlungseing\u00e4nge aus bestimmten Schuldbeziehungen folgen, spielt f\u00fcr unsere \u00dcberlegungen keine Rolle.<\/p>\n<p>Daraus folgt: Kommt die griechische Regierung ihren Zahlungsverpflichtungen nach, so verliert Griechenland im Vergleich zur Ausgangslage 260 Mrd. \u20ac, weil sie diese an die EU zahlt \u2013 auch wenn sie sie nur zur\u00fcckzahlt. Aus dem gleichen Grunde gewinnt die EU genau diese Summe, erneut im Vergleich zur Ausgangslage. Bedient die griechische Regierung die Schulden hingegen nicht und verbleibt dennoch in der EU, so gewinnt und verliert niemand etwas, wiederum im Vergleich zur Ausgangslage. Die Regierung Griechenlands zahlt nichts und die EU bekommt nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/apoltegrabb1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"apoltegrabb1\" alt=\"apoltegrabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/apoltegrabb1.png\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Wenn die EU nun aber ihre Drohung wahr macht, im Falle einer Zahlungsverweigerung die Hilfen einzustellen, so f\u00fchrt das zur Zahlungsunf\u00e4higkeit Griechenlands, was ein Ausscheiden aus der W\u00e4hrungsunion nach sich zieht, einen Grexit also. In diesem Falle erlebt Griechenland eine Katastrophe, allerdings leidet auch die EU unter den politischen Verwerfungen. Die Summe -100 deutet das an, und diese Summe ist dem Betrage nach gr\u00f6\u00dfer, wenn es zum Beispiel Ansteckungseffekte gibt, wenn die geostrategischen Verwerfungen dramatischer werden oder wenn der Grexit die EU in ihren Grundfesten zu zerrei\u00dfen droht. Je mehr also die Kritiker jedweder Grexit-Szenarien Recht haben, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Verlust, der in der Abbildung f\u00fcr die EU eingetragen ist.<\/p>\n<p>Was wird nun das Ergebnis sein? Wenn die Regierung Griechenlands entscheidet, ob sie den Zahlungsverpflichtungen nachkommen will oder nicht, dann muss sie eine Erwartung dar\u00fcber bilden, was geschieht, wenn sie die Zahlungen verweigert. Hierzu sieht sie sich einfach an, was aus Sicht der EU die beste Reaktion auf eine Zahlungsverweigerung w\u00e4re, und das Ergebnis ist eindeutig: Stellt die EU die Hilfen ein, kommt es zum Grexit und die EU verliert 100 Mrd. \u20ac \u2013 vielleicht auch sehr viel mehr, wenn die Gegner der Grexit-Szenarien Recht haben. Stellt die EU dagegen die Hilfen nicht ein, verbleibt Griechenland in der W\u00e4hrungsunion und die EU hat weder einen Gewinn, noch einen Verlust \u2013 gegeben nat\u00fcrlich, dass die griechische Regierung die Zahlung der Schuld Griechenlands verweigert hatte. Also ist die beste Reaktion der EU auf eine Zahlungsverweigerung Griechenlands eine Fortsetzung der Hilfen, verbunden mit dem Verbleib Griechenlands in der EU \u2013 aus demselben Grunde wie es die beste Reaktion des Elternpaares auf schlechtes Benehmen seines Kindes ist, das Kind trotzdem zur Oma zu bringen, um ins Kino gehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das erkennend, kann die Regierung Griechenlands den mittleren Entscheidungspfad in der Abbildung \u2013 also den Entscheidungspfad \u201ebedient Schulden nicht\u201c und \u201eGrexit\u201c \u2013 streichen, denn diesen Entscheidungspfad wird es nicht geben. Im Anschluss kann die Regierung Griechenlands zwischen den Entscheidungen \u201ebedient Schulden\u201c und dem Entscheidungspfad \u201ebedient Schulden nicht\u201c und \u201eVerbleib in der EU\u201c w\u00e4hlen. Im ersten Falle zahlt sie 260 Mrd. \u20ac, im zweiten nichts, und keiner wei\u00df das besser als Yanis Varoufakis.<\/p>\n<p>Nun haben allerdings verschiedene \u00d6konomen \u2013 unten ihnen Hans-Werner Sinn \u2013 immer wieder und zu Recht darauf hingewiesen, dass ein Verbleib Griechenlands in der EU das Land zu einem Fass ohne Boden machen wird, wenn es seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Ihnen nachzukommen w\u00fcrde allerdings voraussetzen, dass das Land Reformen vorantreibt, weil es ansonsten gar nicht in der Lage dazu w\u00e4re. Ob Griechenland unter irgendwelchen Bedingungen heute noch in der Lage zur Bedienung seiner Schuld w\u00e4re, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Aber eines ist gewiss: Ohne eine durchgreifende Reform wird es weder die 260 Mrd. \u20ac noch eine irgendwie gesch\u00f6nte Variante davon bedienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn Griechenland aus diesem Grunde ein Fass ohne Boden wird \u2013 oder besser gesagt bleibt \u2013, dann sind die Kosten eines Grexit f\u00fcr die EU nicht mehr so eindeutig. Statt der -100 Mrd. \u20ac k\u00f6nnte dann sogar etwas Positives f\u00fcr die EU aus dem Entscheidungspfad \u201ebedient Schulden nicht\u201c und \u201eGrexit\u201c herauskommen, und dann w\u00e4re die Drohung der EU glaubw\u00fcrdig. Wahrscheinlicher ist aber, dass niemand so genau wei\u00df, ob der Grexit f\u00fcr die EU die bessere Wahl w\u00e4re, weil niemand von uns wei\u00df, welche politischen und \u00f6konomischen Konsequenzen das im Einzelnen nach sich ziehen w\u00fcrde. Wenn das stimmt, dann kann sich die griechische Regierung nicht mehr sicher dar\u00fcber sein, was geschieht, wenn es die Zahlung verweigert. Wenn der Grexit zugleich f\u00fcrchterliche Folgen f\u00fcr Griechenland hat, dann k\u00f6nnte die Drohung mit dem Grexit sogar unter der Bedingung wirksam sein, dass die EU selbst im Mittel leichte Verluste im Falle eines Grexit f\u00fcr sich erwartet. Zwar ist die Drohung unter diesen Bedingungen erst einmal unglaubw\u00fcrdig, denn bei einem Verzicht auf den Grexit k\u00f6nnte sich die EU auch diese geringen Verluste sparen. Das Risiko, dass eine Zahlungsverweigerung die EU aber dennoch \u2013 und sei es nur aufgrund falscher Erwartungen \u2013 zu einem Grexit bewegen k\u00f6nnte, wird f\u00fcr Griechenland dann m\u00f6glicherweise zu hoch sein, weil die Verluste Griechenlands aus einem Grexit so hoch und zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass er \u2013 wenn auch nur versehentlich \u2013 geschieht, nicht null ist.<\/p>\n<p>So eindeutig scheint das Ergebnis der \u00dcberlegungen unter Ber\u00fccksichtigung dieser Verfeinerungen also nicht mehr zu sein. Allerdings: Sollte die EU es auf einen Grexit ankommen lassen, dann werden die Folgen schlagartig sp\u00fcrbar sein. Der Grexit w\u00fcrde zumindest Griechenland in eine tiefe Krise st\u00fcrzen, vielleicht auch die EU, vielleicht sogar mehr als das, und f\u00fcr alles das wird man die Institutionen der EU direkt verantwortlich machen. Wer unter den Entscheidungstr\u00e4gern der EU wollte daran wohl schuld sein? Die Folgen eines Griechenlands als Fass ohne Boden im Falle seines Verbleibes in der EU werden dagegen erst langfristig zum Tragen kommen, und tats\u00e4chlich ist die gesamte Rettungspolitik Griechenlands sogar aktiv darauf angelegt, finanzielle Belastungen erst in vielen Jahren sp\u00fcrbar werden zu lassen. Nicht wenige Politiker f\u00fchren das gern als Vorteil der Rettungspolitik an. Es hat aber vor allem f\u00fcr sie selbst Vorteile: Denn wenn diese Belastungen erst nach fr\u00fchestens einem Jahrzehnt sp\u00fcrbar werden, dann werden die jetzigen Entscheidungstr\u00e4ger praktisch alle nicht mehr im Amt sein. In der Sprache der \u00d6konomen k\u00f6nnen sie diese Belastungen also diskontieren, so dass sie aus heutiger Sicht weniger ins Gewicht fallen, und die Rettungspolitik ist so angelegt, dass die Politiker sie sogar derart stark diskontieren k\u00f6nnen, dass sie fast keine Rolle mehr spielen. Tun sie das, dann sind wir gleich wieder bei unserem urspr\u00fcnglichen und sehr eindeutigen Ergebnis, dass n\u00e4mlich jedwede Drohung gegen die griechische Regierung unglaubw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p>Etwas ganz \u00e4hnliches gilt indes auch f\u00fcr Griechenland, allerdings in zweifacher Hinsicht. Riskiert die griechische Regierung wirklich einen Grexit, dann w\u00fcrde dieser das Land wiederum schlagartig in eine manifeste Krise st\u00fcrzen, f\u00fcr die man zwar in weiten Teilen die EU, dann aber gewiss auch die griechische Regierung verantwortlich machen w\u00fcrde. Stellt sich die griechische Regierung umgekehrt der Einsicht, dass sie in einer \u00e4hnlichen Lage ist wie die ehemals sozialistischen Staaten Mittel- und Osteuropas nach 1989, dann m\u00fcsste sie daraus ein umfassendes Reformprogramm ableiten, welches praktisch alle Privilegien infrage stellen und f\u00fcr zwei oder drei Jahre eine wom\u00f6glich heftige \u00dcbergangskrise in Kauf nehmen muss. Sowohl die durchgreifende Reform als auch eine allzu deutlich Reform- und Zahlungsverweigerung sind f\u00fcr eine griechische Regierung also gleicherma\u00dfen unattraktiv. Das gilt zumindest, wenn die griechische Regierung k\u00fcnftige Ertr\u00e4ge gegen\u00fcber heutigen Belastungen ebenfalls stark diskontiert, und das ist gewiss sehr realistisch.<\/p>\n<p>Ber\u00fccksichtigen wir das alles, so kommen wir recht genau zu jenem Ergebnis, das wir in der Realit\u00e4t vorfinden: Die griechische Regierung tut so, als ob sie zu Reformen bereit w\u00e4re und die EU tut so, als ob sie mit Sanktionen drohe f\u00fcr den Fall, dass die griechische Regierung Reformen verweigert. Beides aber hat keine Substanz: Weder die Reformen, noch die Drohungen. Was die griechische Regierung angeht, so wirft sie mit Nebel, lanciert hier eine Meldung, nach der sie zu Reformen bereit sei, dort eine, wonach sie aber nur zu diesen oder jenen Reformen bereit sei, dann wieder eine, wonach man einer Einigung sehr nahe sei, nur um an anderer Stelle zu verk\u00fcnden, dass man sich zu einer solchen nicht zwingen lasse; und was die europ\u00e4ischen Politiker aus den \u00fcbrigen EU-Staaten angeht, so drohen sie, ohne ernsthaft drohen zu wollen. Hier erw\u00e4gen sie Ma\u00dfnahmen, die auf einen Grexit hinauslaufen w\u00fcrden, und dort versichern sie mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem Pathos, dass man sich f\u00fcr alle Zeiten zu einer W\u00e4hrungsunion zusammengeschlossen habe und dass man s\u00e4mtliche nach den schrecklichen Weltkriegen hart erarbeiteten Grundwerte verraten w\u00fcrde, wenn man dieses Prinzip auch nur entfernt infrage stellte; und an wieder anderer Stelle berichten sie, dass man nunmehr auf einem guten Weg sei.<\/p>\n<p>Weil alle Drohungen aber unglaubw\u00fcrdig sind und die griechische Regierung diesen Umstand am besten durch Nebelkerzen unterst\u00fctzen kann, andererseits aber die unmittelbaren Wirkungen einer echten Reform politisch niemals \u00fcberleben k\u00f6nnte, geschieht substanziell genau gar nichts. Griechenland bleibt ein Fass ohne Boden, der Grexit h\u00e4ngt dennoch wie ein Damokles-Schwert \u00fcber der griechischen Wirtschaft, und das Land versinkt im wirtschaftlichen Chaos. Alle zusammen sitzen die Akteure in dem ganzen Spiel wie ein Frosch im Topf, dessen Wasser langsam aber sicher erhitzt wird, wohl wissend, dass der Verbleib im Topf in die Katastrophe f\u00fchrt, aber doch unf\u00e4hig, herauszuspringen.<\/p>\n<p>G\u00e4be es die ganze Vorgeschichte nicht und w\u00e4re Griechenland nie Mitglied der W\u00e4hrungsunion geworden, dann k\u00f6nnte man die Schuld Griechenlands weitgehend abschreiben und in Kauf nehmen, dass das Land f\u00fcr ein paar Jahre vom Kapitalmarkt abgekoppelt bleibt; derweil k\u00f6nnte es sein Geld- und Finanzsystem reformieren und sich dar\u00fcber neue Glaubw\u00fcrdigkeit erarbeiten. Wollte man das Land in eine solche Lage zur\u00fcckversetzen, dann setzte dies voraus, dass es zumindest eine Weile aus den Strukturen der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion entlassen wird, wie abermals von Sinn und einigen anderen \u00d6konomen gefordert wird \u2013 und zwar ohne dass diese bestimmten Parteien oder politischen Grundhaltungen nahestehen w\u00fcrden, ohne dass ihnen das Schicksal der griechischen Bev\u00f6lkerung egal w\u00e4re und ohne dass ihre Forderung irgendwelchen Vorurteilen folgen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine solche Reformstrategie \u00f6konomische, politische und diplomatische Wege zu finden und vor allem auch Prozeduren, die es dem Land erlaubten, schnell und zielgerichtet zur\u00fcck zu stabilen monet\u00e4ren und fiskalischen Verh\u00e4ltnissen zu gelangen, darum sollte man sich sp\u00e4testens jetzt aktiv bem\u00fchen. Technisch geht das alles, in Mittel- und Osteuropa ist das nach 1989 viele Male vorexerziert worden, obwohl viele, wenn nicht die meisten Beobachter L\u00e4ndern wie beispielsweise Polen den daraus folgenden Erfolg niemals zugetraut h\u00e4tten. Man zieht es aber noch immer vor, gemeinsam wie ein Frosch im Topf hocken zu bleiben, w\u00e4hrend das Wasser immer hei\u00dfer wird. Derweil hofft man auf ein Wunder. Ein solches wird es aber nicht geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Griechenland-Poker:<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17170\">Die EWU verwahrlost ordnungspolitisch. Ein Drama in f\u00fcnf Akten<\/a><\/p>\n<p>Jan Schnellenbach: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (15)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Kann man verlorene Steuermoral wieder aufbauen?&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Ein (nicht nur) griechisches Problem&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17119\" rel=\"bookmark\">Kann man verlorene Steuermoral wieder aufbauen? Ein (nicht nur) griechisches Problem<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17109\">Allein gegen Alle. Griechenland spielt weiter Vabanque. <\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (13)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Die EWU am Scheideweg&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Permanente Transfers oder tempor\u00e4rer Grexit?&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16967\" rel=\"bookmark\">Die EWU am Scheideweg. Permanente Transfers oder tempor\u00e4rer Grexit?<\/a><\/p>\n<p>Juergen B. Donges: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16935\">Griechische Man\u00f6ver in der Eurozone. Droht aus Spanien \u00e4hnliches Ungemach?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16894\">Briefe in die griechische Vergangenheit. Giannis Varoufakis: Abgezockt oder unf\u00e4hig?<\/a><\/p>\n<p>Wolf Sch\u00e4fer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16864\">Mit \u201eGewissheit\u201c im Euro. Das strategische Spiel der Griechen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16670\">Immer \u00c4rger mit Griechenland. Ein Pyrrhus-Sieg der \u201cInstitutionen\u201c\u009d?<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16687\">Nach der Rettung ist vor der Rettung. Griechenland und kein (Rettungs-)Ende!<\/a><\/p>\n<p>Roland Vaubel: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16626\">Sch\u00e4ubles Scherbenhaufen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16600\">Trojanisches Pferd. Der Brief des Giannis Varoufakis<\/a><\/p>\n<p>Uwe Vollmer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16535\">Scheidung auf griechisch. Wie realistisch ist der \u201cGrexit\u201c\u009d?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16544\">Was erlauben Griechenland? Schwach wie Flasche leer<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16520\">Poker um Griechenland<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16470\">Sie kamen, sahen und verloren. Haben sich Alexis Tsipras und Giannis Varoufakis verzockt?<\/a><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16445\">Hexenmeister und Reformer. Was Varoufakis von Balcerowicz lernen kann. <\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konditionalit\u00e4t von Hilfsprogrammen war immer eine umstrittene Sache. Unter Konditionalit\u00e4t versteht man, dass Kreditzusagen und Schuldenerlasse gegen verbindliche Reformzusagen getauscht wurden. 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