{"id":17351,"date":"2015-05-15T05:47:52","date_gmt":"2015-05-15T04:47:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17351"},"modified":"2015-05-15T07:12:22","modified_gmt":"2015-05-15T06:12:22","slug":"hilft-nicht-schadet-nur-zentralbanken-machen-trotzdem-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17351","title":{"rendered":"Hilft nicht, schadet nur<br\/><font size=3; color=grey>Zentralbanken machen trotzdem weiter<\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><em>\u201eA world-system of payments, however, which relies to a large proportion on credit money, is subject to rapid deflation, if this airy credit structure is once shaken and crushed down.\u201c (<\/em>Gottfried Haberler, 1996, Money and the Business Cycle, S. 59<em>).<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>I.<\/b><\/p>\n<p>L\u00e4sst sich der Wohlstand einer Volkswirtschaft mehren, wenn die Geldmenge ausgeweitet wird? Nein. Geld hat nur eine Funktion, und das ist die Tauschmittelfunktion. Alle \u00fcbrigen Funktionen \u2013 die Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion \u2013 sind lediglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion. Alles, was ein Ausweiten der Geldmenge bewirkt, ist ein Schwinden der Kaufkraft des Geldes \u2013 im Vergleich mit einer Situation, in der die Geldmenge unver\u00e4ndert bleibt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jede gerade verf\u00fcgbare Geldmenge ist ausreichend, jede beliebige Menge an G\u00fctern und Dienstleistungen umzusetzen. Bei einer gr\u00f6\u00dferen Geldmenge fallen die G\u00fcterpreise h\u00f6her aus, bei einer kleineren Geldmenge entsprechend geringer. Um den Tauschverkehr abwickeln zu k\u00f6nnen, ist es daher unerheblich, ob die Geldmenge gro\u00df oder klein ist. Nicht die H\u00f6he der Geldmenge ist \u00f6konomisch bedeutsam, sondern vielmehr ihre <i>Ver\u00e4nderung<\/i>.<\/p>\n<p>Steigt die Geldmenge, sind diejenigen, die das neu geschaffene Geld als erste erhalten, die Beg\u00fcnstigten. Sie k\u00f6nnen G\u00fcter zu noch unver\u00e4nderten Preisen kaufen. Diejenigen, die das neu geschaffene Geld erst sp\u00e4ter erhalten (oder nichts von ihm abbekommen), sind die Gesch\u00e4digten: Sie k\u00f6nnen die G\u00fcter nur noch zu erh\u00f6hten Preisen kaufen. Das Anwachsen der Geldmenge beg\u00fcnstigt die Erstempf\u00e4nger auf Kosten der Sp\u00e4t- beziehungsweise der Nicht-Empf\u00e4nger.<\/p>\n<p>Ein Ausweiten der Geldmenge ber\u00fchrt die Preise unterschiedlicher G\u00fcter zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlichem Umfang. Wenn die Wirkung einer Geldmengenerh\u00f6hung sich voll entfaltet hat, wird die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung anders aussehen im Vergleich zur Situation, die vor der Geldmengenausweitung bestand. Ein Ausweiten der Geldmenge ist daher niemals \u201eneutral\u201c, weder f\u00fcr die Preisrelationen noch f\u00fcr die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung der Menschen in der Volkswirtschaft.<\/p>\n<p><b>II.<\/b><\/p>\n<p>Wenn Kredite vergeben werden, denen keine echte Ersparnis zugrunde liegt, stellen sich <i>Verzerrungen<\/i> in der Produktions- und Besch\u00e4ftigungsstruktur ein. Der Marktzins f\u00e4llt n\u00e4mlich unter den \u201enat\u00fcrlichen Zins\u201c (das ist der Zins, der sich einstellt, wenn die Geldmenge nicht per Kreditvergabe ausgeweitet wird). Das Sparen nimmt ab, der Konsum steigt, und gleichzeitig belebt der gesunkene Zins die Investitionsnachfrage.<\/p>\n<p>Die Volkswirtschaft erf\u00e4hrt einen Schein-Aufschwung (\u201eBoom\u201c), der nachfolgend in sich zusammenfallen, in einen Abschwung (\u201eBust\u201c) m\u00fcnden <i>muss<\/i>. Denn nicht alle Investitionen, die durch den gesenkten Zins angeregt wurden, lassen sich fertigstellen. Nachdem der <i>Einschuss<\/i> des zus\u00e4tzlichen Geldes seine Wirkung entfaltet hat, kehren Sparen und Konsum auf ihre urspr\u00fcngliche Relation zur\u00fcck, und der Marktzins steigt auf sein nat\u00fcrliches Niveau.<\/p>\n<p>Die Unternehmen merken nun, dass ihre Investitionsrechnung falsch war. Der gesunkene Zins hat ihnen vorgegaukelt, es g\u00e4be ein erh\u00f6htes Sparangebot. Doch das war nicht der Fall, und nun m\u00fcssen sie die Mittel zur Fertigstellung ihrer Investitionen teurer einkaufen, als sie es urspr\u00fcnglich geplant hatten. Sie schr\u00e4nken ihre Nachfrage nach Produktionsmitteln ein, liquidieren Investitionsprojekte. Arbeitspl\u00e4tze gehen verloren. Der Boom schl\u00e4gt in einen Bust um.<\/p>\n<p><b>III. <\/b><\/p>\n<p>Was aber, wenn die Geldmengenausweitung per Kreditvergabe in einer Situation erfolgt, in der <i>Unterbesch\u00e4ftigung<\/i> herrscht? Eine solche Situation erkl\u00e4rt sich aus Fehlern der Vergangenheit: Unternehmer und Arbeitnehmer haben die Nachfrage falsch eingesch\u00e4tzt. Wenn Warenvorr\u00e4te sich anh\u00e4ufen und Arbeitslosigkeit herrscht, so liegt das daran, dass Unternehmer nicht bereit sind, ihre Produkte zu niedrigeren Preisen zu verkaufen, und dass Arbeitnehmer nicht bereit sind, zu geringeren L\u00f6hnen zu arbeiten.<\/p>\n<p>Man nehme einmal an, die Bauwirtschaft sei unterausgelastet. Wenn man meint, das lie\u00dfe sich durch eine Ausweitung der Kredit- und Geldmenge \u201ebeheben\u201c, so m\u00fcsste man davon ausgehen, dass die Absatzpreise der Baug\u00fcter und die L\u00f6hne der in der Bauwirtschaft Besch\u00e4ftigten unber\u00fchrt bleiben, w\u00e4hrend <i>alle \u00fcbrigen<\/i> Preise und L\u00f6hne der Volkswirtschaft steigen. Nur so w\u00fcrde die preisliche Situation wiederhergestellt, um die Bauwirtschaft wettbewerbsf\u00e4hig zu machen.<\/p>\n<p>Damit die Nachfrage nach den Erzeugnissen der Bauwirtschaft steigt, bedarf es eines Zuwachses an <i>Kapitalg\u00fctern<\/i> in anderen Sektoren. Das ist nur bei erh\u00f6hter Spart\u00e4tigkeit (also einer Verringerung des Konsums) m\u00f6glich. Wird aber nicht mehr gespart, und steigt die Nachfrage in den anderen Sektoren nur deshalb, weil Unternehmer ihre Ausgaben erh\u00f6hen als Folge der Kredit- und Geldmengenausweitung, der keine echte Ersparnis zugrunde liegt, kommt es genauso zur Kapitalfehllenkung und zu Boom und Bust, wie vorangehend beschrieben wurde.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, eine Unterauslastung der Volkswirtschaft k\u00f6nne eine Kredit- und Geldmengenexpansion \u201eaus dem Nichts\u201c rechtfertigen, weil sie die Reste der \u00e4lteren Kapitalfehllenkung \u201esaniere\u201c und f\u00fcr produktive Zwecke nutzbar mache, ist nicht richtig. Eine monet\u00e4re Manipulation der Marktzinsen f\u00fchrt vielmehr <i>immer und<\/i> <i>notwendigerweise<\/i> \u2013 ob nun Voll- oder Unterauslastung herrscht \u2013 zu Wirtschaftsst\u00f6rungen.<\/p>\n<p><b>IV.<\/b><\/p>\n<p>Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken sorgt daf\u00fcr, dass Produktion und Besch\u00e4ftigung nicht mehr auf die Erf\u00fcllung der dringlichsten Bed\u00fcrfnisse ausgerichtet, sondern systematisch fehlgelenkt werden. Der \u201eBoom\u201c f\u00fchrt zu einer Verschwendung knapper Ressourcen (weil sie keiner anderen Verwendungen mehr zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, wie dies beispielsweise bei \u201eBauruinen\u201c der Fall ist). Er macht die Volkswirtschaften \u00e4rmer, als sie es ohne den Boom sein w\u00fcrden. Und je l\u00e4nger der \u201eBoom\u201c andauert, desto gr\u00f6\u00dfer f\u00e4llt die Kapitalfehllenkung aus, und je schwerer wird der \u201eBust\u201c sein.<\/p>\n<p>Geldpolitische Zinsman\u00f6ver und das Auftreten von \u201egl\u00fccklichen Umst\u00e4nden\u201c (wie zum Beispiel einkommenssteigernde technologische Neuerungen) m\u00f6gen das ein oder andere Mal einen Bust \u201eabwehren\u201c und in einen neuerlichen \u201eBoom\u201c umm\u00fcnzen k\u00f6nnen. Das ist auch der Grund, warum die Zentralbanken weitermachen mit ihrer Politik, die Kredit- und Geldmengen immer weiter anschwellen zu lassen. Das sollte aber nicht hoffen lassen, man werde dem Bust, der auf den Boom folgen muss, auf ewig entkommen k\u00f6nnen. Es deutet nur an, dass der Geldwert, die Ersparnisse, erst noch ruiniert werden, bevor es zum Bust kommt.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eA world-system of payments, however, which relies to a large proportion on credit money, is subject to rapid deflation, if this airy credit structure is &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17351\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eHilft nicht, schadet nur<br \/><font size=3; color=grey>Zentralbanken machen trotzdem weiter<\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1897,33,12],"tags":[1898,1899,196,781,234,647],"class_list":["post-17351","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geldpolitisches","category-makrooekonomisches","category-monetares","tag-boom","tag-bust","tag-geldpolitik","tag-naturlicher-zins","tag-zentralbank","tag-osterreichische-konjunkturtheorie"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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