{"id":17604,"date":"2015-07-01T06:40:10","date_gmt":"2015-07-01T05:40:10","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17604"},"modified":"2015-07-01T14:22:16","modified_gmt":"2015-07-01T13:22:16","slug":"wie-geht-es-weiter-mit-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17604","title":{"rendered":"Wie geht es weiter mit Griechenland?"},"content":{"rendered":"<p>Am Dienstag um Mitternacht lief das aktuelle \u2013 zweimal verl\u00e4ngerte \u2013 Hilfsprogramm f\u00fcr Griechenland aus. F\u00fcnf Monate wurde dar\u00fcber spekuliert, ob es zur staatlichen Insolvenz Griechenlands und zum Austritt aus der W\u00e4hrungsunion, dem Grexit, kommen w\u00fcrde oder nicht. Am letzten Freitag sah es dann \u2013 nach langem Hin und Her \u2013 zun\u00e4chst nach einer Einigung aus. Die Gl\u00e4ubiger-Institutionen EU, EZB und IWF erkl\u00e4rten sich bereit, das aktuelle Hilfsprogramm erneut zu verl\u00e4ngern \u2013 und zwar um weitere f\u00fcnf Monate bis Ende November 2015. In diesem Rahmen bot man Griechenland nicht nur die ausstehenden 7,2 Mrd. Euro an, um die es zun\u00e4chst ging, sondern einen Gesamtbetrag in H\u00f6he von 15,5 Mrd. Euro, damit Griechenland seinen Schuldendienst \u2013 in Ermangelung eines Prim\u00e4r\u00fcberschusses \u2013 bis November h\u00e4tte bedienen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus wurde ein drittes Hilfspaket in Aussicht gestellt. Griechenland h\u00e4tte also umfangreiche Hilfen erhalten, ohne selbst (im Vorhinein) wesentliche Spar- und Reformauflagen erf\u00fcllen oder zugestehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Doch am Freitagabend wurde dann bekannt, dass die griechische Regierung dieses \u201e\u00e4u\u00dferst gro\u00dfz\u00fcgige Angebot\u201c der Gl\u00e4ubiger-Institutionen als nicht akzeptabel zur\u00fcckgewiesen hatte. Mehr noch, in der Nacht zum Samstag k\u00fcndigte Ministerpr\u00e4sident Tsipras eine Volksbefragung f\u00fcr den 5. Juli an, die Samstagnacht vom griechischen Parlament beschlossen wurde. Die griechische Regierung empfiehlt dabei der Bev\u00f6lkerung, gegen die Annahme der Spar- und Reformauflagen zu votieren. Die Ank\u00fcndigung eines Referendums war verbunden mit dem Antrag an die Eurogruppe, das laufende Hilfsprogramm f\u00fcr einige Tage oder Wochen zu verl\u00e4ngern, um dem Ergebnis des Referendums Rechnung zu tragen. Wohl wissend, dass man die Tilgungszahlungen Ende Juni und im Juli ohne weitere (Vorab-)Hilfen der Gl\u00e4ubiger-Institutionen nicht w\u00fcrde leisten k\u00f6nnen. Diesem Antrag wurde aber von Seiten der Eurogruppe nicht stattgegeben, so dass das aktuelle Hilfsprogramm am 30. Juni auslief und die noch ausstehenden Mittel verfielen. Gleichzeitig beschloss die EZB am Sonntagnachmittag, die ELA-Kredite f\u00fcr die griechischen Banken fortzuf\u00fchren, ihren Umfang von etwa 90 Mrd. Euro (zun\u00e4chst) jedoch nicht auszuweiten. Was bedeuten diese Entscheidungen nun f\u00fcr die weitere Entwicklung in Griechenland und in der Eurozone?<\/p>\n<p>Die Entscheidung der EZB, die ELA-Notkredite zwar nicht auszuweiten, aber gleichwohl \u00fcber den 30. Juni hinaus fortzuf\u00fchren, widerspricht zun\u00e4chst einmal der bisherigen Argumentation der EZB selbst. Die Notkredite an das griechische Bankensystem wurden n\u00e4mlich damit gerechtfertigt, dass die Solvenz der Institute durch das Hilfsprogramm der Gl\u00e4ubiger-Institutionen gesichert w\u00e4re. Sp\u00e4testens mit dem Auslaufen des Programms am 30. Juni ist diese Solvenz allerdings nicht mehr gegeben und die EZB h\u00e4tte eigentlich die Hilfen einstellen m\u00fcssen. Dies h\u00e4tte allerdings den Zusammenbruch des griechischen Bankensystems bedeutet, da es nicht mehr \u00fcber die notwendige Liquidit\u00e4t verf\u00fcgt h\u00e4tte. Aufgrund der unver\u00e4nderten H\u00f6he der ELA-Kredite und den zunehmenden Barabhebungen durch die griechische Bev\u00f6lkerung sah sich die Regierung Tsipras jedoch gezwungen, auf Dr\u00e4ngen der Griechischen Zentralbank hin die Banken und die B\u00f6rse ab dem 29. Juni (zun\u00e4chst bis zum 6. bzw. 7. Juli) zu schlie\u00dfen und gleichzeitig Kapitalverkehrsbeschr\u00e4nkungen einzuf\u00fchren. Dadurch wird der Bev\u00f6lkerung wohl noch deutlicher, welche Folgen die Regierungspolitik hat. W\u00e4ren die Banken nicht geschlossen worden, h\u00e4tte das zwar auf der einen Seite der griechischen Bev\u00f6lkerung die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, noch mehr Geld abzuheben und sich vor einer Umbewertung im Rahmen eines m\u00f6glichen Austritts aus der Eurozone zu sch\u00fctzen. Auf der anderen Seite h\u00e4tte dies aber auch die Gefahr eines Zusammenbruchs der Banken erh\u00f6ht \u2013 zumal man wohl nicht mehr sicher war, ob die EZB im Notfall die ELA-Kredite doch noch einmal erh\u00f6ht h\u00e4tte. Obgleich die EZB h\u00e4ufig betont, ihr obliege es nicht, eine politische Entscheidung \u00fcber den Austritt eines Mitgliedslandes durch den Wegfall der ELA-Kredite zu f\u00e4llen, muss man auf der anderen Seite auch sehen, dass deren Gew\u00e4hrung ebenfalls eine politische Entscheidung beinhaltet, n\u00e4mlich diejenige f\u00fcr den vorl\u00e4ufigen Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Wenn die EZB zur Rettung Griechenlands permanent ihr Mandat dehnt oder gar \u00fcberschreitet, dann wird dies ihrer Reputation sicherlich nicht f\u00f6rderlich sein.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn sich die EZB dazu durchringen sollte, die ELA-Hilfskredite nicht zu verl\u00e4ngern bleibt offen, ob dies wirklich zu einem (unmittelbaren) Zusammenbruch des griechischen Bankensystems f\u00fchren w\u00fcrde. Man k\u00f6nnte sich n\u00e4mlich durchaus vorstellen, dass die Griechische Zentralbank \u2013 m\u00f6glicherweise auf Anweisung von Finanzminister Varoufakis \u2013 in Ermangelung von ELA-Krediten den griechischen Banken weiterhin Zentralbankgeld in Form von neu gedruckten Euro (gegen griechische Staatsschuldtitel) zur Verf\u00fcgung stellt, obgleich sie dazu nicht mehr berechtigt w\u00e4re. Es erscheint gegenw\u00e4rtig unklar, wie die EZB auf eine solche Entwicklung reagieren k\u00f6nnte. Ein m\u00f6gliches Druckmittel k\u00f6nnte sein, Griechenland im Gegenzug vom europ\u00e4ischen Zahlungsverkehr (TARGET) auszuschlie\u00dfen, was einer \u00f6konomischen Isolierung gleichk\u00e4me und verheerende Wirkungen auf die griechische Wirtschaft ausl\u00f6sen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>F\u00fcr die griechische Regierung kam am Dienstag, den 30. Juni, die Stunde der Wahrheit, als die Tilgungsrate in H\u00f6he von 1,6 Mrd. Euro beim IWF f\u00e4llig wurde. Diese Tilgungsrate wurde nicht gezahlt, so dass Griechenland sich faktisch im Zahlungsverzug befindet. Dies f\u00fchrt aber nicht unmittelbar zur formalen Staatsinsolvenz und auch nicht zu einem Austritt aus der Eurozone. Es ist weder am 30. Juni zum Grexit gekommen, noch wird das Referendum am n\u00e4chsten Sonntag diese unmittelbare Konsequenz mit sich bringen. Ein Austritt wird eher ein schleichender Prozess sein \u2013 wenn er denn \u00fcberhaupt zustande kommt. Der Prozess selber ist unklar. Es gibt keine Anleitung zum Ausstieg, weil dieser Fall in den Europ\u00e4ischen Vertr\u00e4gen nicht vorgesehen ist. Der Austrittsprozess wird aber dadurch eingeleitet, dass die griechische Regierung aufgrund ihres Prim\u00e4rdefizits [die laufenden Ausgaben \u00fcbersteigen die (Steuer-)Einnahmen] ohne ein neues Hilfspaket nicht mehr alle Ausgaben in Euro finanzieren kann. Und dieser Prozess wird sich in der n\u00e4chsten Zeit noch verst\u00e4rken, weil die aktuelle Entwicklung \u2013 die Unsicherheit in Griechenland \u2013 die Steuereinnahmen weiter wird sinken lassen. Als Folge wird die griechische Regierung Schuldscheine oder eine eigene neue W\u00e4hrung \u2013 die dann als Parallelw\u00e4hrung umlaufen w\u00fcrden \u2013 ausgeben m\u00fcssen, um ihren Verpflichtungen etwa in Form von Lohn- und Rentenzahlungen nachkommen zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend diese Parallelw\u00e4hrung formal einen Wechselkurs zum Euro von 1:1 aufweisen w\u00fcrde, wird es faktisch zu einer deutlichen Abwertung gegen\u00fcber dem Euro kommen.<\/p>\n<p>Auch die Ratingagenturen werden den Zahlungsverzug Griechenlands nicht zum Anlass nehmen, um das <b>Land<\/b> auf \u201e(selective) default\u201c herabzustufen. Grund hierf\u00fcr ist, dass sich das Rating auf die F\u00e4higkeit und die Bereitschaft eines Landes bezieht, seinen Schuldendienst gegen\u00fcber <b>privaten<\/b> Gl\u00e4ubigern zu leisten. Explizit ausgenommen sind dabei Schulden gegen\u00fcber supranationalen Institutionen wie dem IWF sowie anderen Staaten. Darunter fallen aber auch die EFSF und die EZB. Von Seiten der Ratingagenturen wird aber auch darauf hingewiesen, dass ein solcher Zahlungsverzug bzw. -ausfall gleichwohl R\u00fcckwirkungen auf das Rating hat, da die R\u00fcckzahlungswahrscheinlichkeit gegen\u00fcber privaten Gl\u00e4ubigern damit ebenfalls sinkt. Das aktuelle Rating von Standard &amp; Poor\u2019s, CCC, wurde daraufhin am 29. Juni auf CCC- mit weiterhin negativem Ausblick gesenkt \u2013 ohne dass dies jedoch irgendeine Wirkung h\u00e4tte, da sich Griechenland sowieso nicht am privaten Kapitalmarkt finanzieren kann. Die Ratingagentur Fitch hat allerdings die vier gro\u00dfen griechischen Gesch\u00e4ftsbanken vor dem Hintergrund der Kapitalverkehrskontrollen auf das Niveau \u201ebegrenzter Zahlungsausfall\u201c\u00c2\u00a0 (selective default) herabgestuft. Nur die EZB glaubt weiterhin beharrlich an die Solvenz dieser Institute.<\/p>\n<p>Am kommenden Sonntag wird dann (wahrscheinlich) das Referendum stattfinden. Formal wird das griechische Volk \u00fcber die Annahme oder Ablehnung des Hilfsprogramms und der darin enthaltenen Spar- und Reformauflagen abstimmen, faktisch geht es aber um den Austritt oder den Verbleib in der Eurozone. Wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble allerdings gegen\u00fcber Unionsabgeordneten erkl\u00e4rt, dass Griechenland auch bei einem &#8222;Nein&#8220; im Referendum am Sonntag in der Euro-Zone bleibt,\u00c2\u00a0 st\u00fctzt er damit indirekt die Regierung Tsipras, die ebenfalls argumentiert, dass die beiden Fragen vollkommen unabh\u00e4ngig voneinander zu sehen sind.<\/p>\n<p>Votieren die Griechen mehrheitlich daf\u00fcr, das Hilfsprogramm abzulehnen<b>,<\/b> wird der Austritt aus dem Euro kaum mehr zu verhindern sein. Wahrscheinlich spekuliert die gegenw\u00e4rtige griechische Regierung zwar darauf, in diesem Fall ein (noch) gr\u00f6\u00dferes Erpressungspotenzial gegen\u00fcber den Geldgebern zu besitzen. Durch die aktuellen Entwicklungen entsteht ja sogar der Eindruck, als w\u00fcrde das Referendum selbst als Erpressungspotenzial von Seiten der griechischen Regierung eingesetzt. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass sich diese Einsch\u00e4tzung als Irrtum herausstellt. Kommt vor diesem Hintergrund (kurzfristig) kein neues Hilfspaket zustande, dann muss sich die griechische Regierung nach der (Einnahmen-)Decke strecken. Dies w\u00fcrde in zunehmendem Ma\u00dfe den oben beschriebenen R\u00fcckgriff auf eine Parallelw\u00e4hrung erfordern und damit den faktischen Austritt aus der Eurozone immer weiter vorantreiben. Sollte die EZB auch weiterhin die ELA-Notkredite nicht ausweiten, w\u00fcrde der griechische Staat zunehmend Probleme bekommen, seine kurzfristigen T-Bills bei den griechischen Banken zu verl\u00e4ngern, da ihnen die notwendige Liquidit\u00e4t fehlt. Das k\u00f6nnte zu einer Herabstufung des griechischen Staates auf \u201e(selective) default\u201c f\u00fchren, weil damit der Schuldendienst gegen\u00fcber privaten Gl\u00e4ubigern ausf\u00e4llt. Dieser Prozess k\u00f6nnte dadurch weiter forciert werden, dass etwa Bedienstete des \u00f6ffentlichen Sektors, deren L\u00f6hne und Geh\u00e4lter nicht mehr (in vollem Umfang) in Euro gezahlt werden k\u00f6nnen, den \u00f6ffentlichen Sektor (H\u00e4fen, Flugh\u00e4fen, F\u00e4hren usw.) durch Streiks lahm legen und dadurch das Wirtschaftswachstum und die Steuereinnahmen immer weiter reduzieren. Da die ausgegebene Parallel-w\u00e4hrung auch nur in Griechenland (mit entsprechenden Abschl\u00e4gen) Akzeptanz finden wird, k\u00f6nnen ferner sehr schnell Versorgungsengp\u00e4sse bei importierten Produkten wie Benzin und Medikamenten auftreten, die die \u00f6konomische Entwicklung weiter versch\u00e4rfen w\u00fcrden. Diese \u00f6konomischen Zw\u00e4nge lassen sich auch dann nicht abmildern oder ausschalten, wenn man \u2013 wie verlautbart \u2013 von griechischer Seite eine Klage beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof auf weitere Mitgliedschaft in der Eurozone anstrebt.<\/p>\n<p>Votieren die Griechen allerdings gegen die Empfehlung der Regierung Tsipras und sprechen sich f\u00fcr die Annahme der Spar- und Reformauflagen aus, dann m\u00fcsste sie konsequenterweise zur\u00fccktreten. Keiner wird ernsthaft erwarten, dass diese Regierung \u2013 entgegen ihren eigenen Beteuerungen und Empfehlungen \u2013 ein Hilfspaket akzeptieren und die entsprechenden Spar- und Reformauflagen ernsthaft umsetzen wird. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr ein am Dienstag kurzfristig angek\u00fcndigtes neues \u201eVerhandlungsangebot\u201c von griechischer Seite, bei dem es um ein zwei Jahre laufendes Hilfspaket im Umfang von etwa 30 Mrd. Euro aus dem ESM gehen soll. Gelingt es hingegen, m\u00f6glichst schnell eine handlungsf\u00e4hige (neue) Regierung zu bilden, dann werden die Gl\u00e4ubiger-Institutionen \u2013 nach allen Bekundungen, Griechenland auch weiter in der Eurozone halten zu wollen \u2013 im Zweifel bereit sein, das letzte \u201e\u00e4u\u00dferst gro\u00dfz\u00fcgige Hilfsangebot\u201c wieder aufleben zu lassen. Der allgemeine politische Wunsch, Griechenland im Euro zu halten, sollte aber nicht dazu f\u00fchren, dass man \u2013 bezogen auf das letzte Hilfsangebot \u2013 nochmals weitere Zugest\u00e4ndnisse macht und dadurch \u201eHilfe gegen Reformen\u201c zu \u201ebedingungsloser Hilfe\u201c wird.\u00c2\u00a0 Doch selbst wenn es zu neuen Verhandlungen kommen sollte, werden diese sicherlich nicht kurzfristig zum Abschluss gebracht werden k\u00f6nnen \u2013 auch wenn man nicht bei Null beginnen w\u00fcrde. In der Zwischenzeit w\u00fcrden die oben beschriebenen (\u00f6konomischen) Turbulenzen selbst in diesem Fall in Griechenland aber eher noch zunehmen.<\/p>\n<p>Sollte es nach dem Referendum am n\u00e4chsten Sonntag nicht zu einer zeitnahen Einigung kommen und ferner die Zahlungsunf\u00e4higkeit Griechenlands formal festgestellt werden, dann wird es in absehbarer Zukunft zu einer Schuldenkonferenz kommen m\u00fcssen. Die ersten beiden Betroffenen werden der IWF und die EZB sein, bei denen im Juli und August Tilgungsbetr\u00e4ge in H\u00f6he von etwa 8 Mrd. Euro f\u00e4llig werden und die ohne neues Hilfsprogramm mit Sicherheit nicht bedient werden k\u00f6nnen. Die anderen Eurostaaten w\u00e4ren zun\u00e4chst von einer Insolvenz nicht unmittelbar betroffen, weil die Tilgungszahlungen f\u00fcr das erste Griechenland-Rettungspaket erst 2020 f\u00e4llig werden und die Tilgungen f\u00fcr das zweite Griechenland-Rettungspaket erst 2022. Gleichwohl ist zu erwarten, dass es bei einer solchen Schuldenkonferenz zu einer umfassenden \u2013 alle Gl\u00e4ubiger ber\u00fccksichtigenden \u2013 Umstrukturierung der griechischen Schulden kommen wird. Dies mag ein offener Schuldenschnitt sein, die gleiche Wirkung h\u00e4tte aber auch eine (nochmalige) deutliche Laufzeitverl\u00e4ngerung der ausstehenden Staatsanleihen, das Hinausschieben des Tilgungsbeginns und eine \u2013 kaum noch m\u00f6gliche \u2013 Reduktion der Zinszahlungen. Die Betroffenen w\u00e4ren nun aber \u2013 im Gegensatz zum Februar 2012 \u2013 die \u00f6ffentlichen Geldgeber in Form der Gl\u00e4ubiger-Institutionen, da sich nur noch ein kleiner Teil der Schulden in privater Hand (ohne griechische Banken) befindet. Die Vorstellung, diese Belastung w\u00e4re l\u00e4ngerfristig tragf\u00e4hig, war von vornherein eine Illusion. Dieses Luftschloss konnte nur dadurch vor dem Einsturz bewahrt werden, indem man das Wirtschaftswachstum in Griechenland Jahr f\u00fcr Jahr (bewusst) in eklatanter Weise \u00fcbersch\u00e4tzte und damit die (prognostizierten) Verschuldungsquoten k\u00fcnstlich klein rechnete. Ein Schuldenschnitt ohne gleichzeitigen Austritt aus der W\u00e4hrungsunion w\u00fcrde aber auch bedeuten, dass dieser Forderungsverzicht ohne entsprechende Spar- und Reformauflagen zustande k\u00e4me.<\/p>\n<p>Durch das Taktieren der Regierung Tsipras wird auf die griechische Wirtschaft und insbesondere auf die Bev\u00f6lkerung in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten ein beschwerlicher Weg mit weiteren erheblichen Entbehrungen zukommen. Vielleicht ist dies aber auch eine Chance, au\u00dferhalb der Eurozone die verlorengegangene Wettbewerbsf\u00e4higkeit wieder zur\u00fcckzuerlangen. Eine Illusion d\u00fcrfte es hingegen sein, eine schnelle R\u00fcckkehr Griechenlands in die Eurozone in Aussicht zu stellen. Abgesehen von der hohen Schuldenstandsquote \u2013 die man ja auch beim erstmaligen Eintritt allgemein gro\u00dfz\u00fcgig interpretiert hat \u2013 wird der \u00dcbergang zu einer eigenen W\u00e4hrung sicherlich dazu f\u00fchren, dass die dann wieder autonome Griechische Zentralbank das Defizit im Staatshaushalt gro\u00dfz\u00fcgig finanzieren wird, was die Inflationsrate auf altbekannte hohe Werte wird ansteigen lassen. Da man bei einem erneuten Beitrittsersuchen Griechenlands aber sicherlich genauestens auf die Erf\u00fcllung der Konvergenzkriterien achten w\u00fcrde, werden diese zu erwartenden Entwicklungen in Griechenland f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit die R\u00fcckkehr in den Euro versperren. F\u00fcr den Rest der Eurozone hat sich hingegen gezeigt, dass die B\u00f6rsen und die Renditen der Staatsanleihen auf die aktuelle Entwicklung in der Griechenlandkrise zwar reagiert haben, man sich von den anf\u00e4nglichen Verlusten an den internationalen Aktienm\u00e4rkten aber doch relativ schnell wieder erholt hat. Der Anstieg der Renditen f\u00fcr Staatsanleihen von anderen (ehemaligen) Euro-Krisenl\u00e4ndern hielt sich mit ungef\u00e4hr 0,30 Prozentpunkten auf zehnj\u00e4hrige Staatsanleihen ebenfalls in engen Grenzen. Der Euro verzeichnete zwar am Wochenende leichte Verluste, konnte aber ansonsten seinen Wert mit 1,1133 US-Dollar am Dienstag gegen\u00fcber 1,1168 US-Dollar am vergangenen Freitag behaupten. Damit sind zumindest bisher keine wesentlichen Ansteckungseffekte zu beobachten gewesen und f\u00fcr den weiteren Verlauf dieses griechischen Schuldendramas wohl auch nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Blog-Beitr\u00e4ge zum Griechenland-Poker:<\/b><\/p>\n<p>Wolf Sch\u00e4fer: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Kurz kommentiert&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Grexit jetzt!\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17601\" rel=\"bookmark\">Grexit jetzt!<\/a><\/p>\n<p>Uwe Vollmer: <a title=\"Permanent Link: Das Eurosystem in der griechischen ELA-Falle\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17595\" rel=\"bookmark\">Das Eurosystem in der griechischen ELA-Falle<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17580\">A Never Ending Story. Greece, the final act? Hardly likely!<\/a><\/p>\n<p>Hartmut Kliemt: <a title=\"Permanent Link: Was wir \u00fcber den \u201cGrexit\u201c\u009d jetzt schon wissen\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17569\" rel=\"bookmark\">Was wir \u00fcber den \u201cGrexit\u201c\u009d jetzt schon wissen<\/a><\/p>\n<p>Henning Klodt: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17564\">Nach dem Grexit<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (22)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Das Tauziehen um Griechenlands Schulden\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17526\" rel=\"bookmark\">Das Tauziehen um Griechenlands Schulden<\/a><\/p>\n<p>Wolf Sch\u00e4fer: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (21)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Wenn der Euro zur Staatsr\u00e4son \u00fcberh\u00f6ht wird\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17517\" rel=\"bookmark\">Wenn der Euro zur Staatsr\u00e4son \u00fcberh\u00f6ht wird<\/a><\/p>\n<p>Mathias Erlei: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (20)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Rettungsprogramme in der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Eine spieltheoretische Rekonstruktion&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17451\" rel=\"bookmark\">Rettungsprogramme in der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion. Eine spieltheoretische Rekonstruktion <\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (19)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Eine unendliche Geschichte&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Griechenland, Klappe die letzte? Wohl kaum!&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17439\" rel=\"bookmark\">Eine unendliche Geschichte. Griechenland, Klappe die letzte? Wohl kaum!<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17290\">Europa, Marktwirtschaft und Varoufakis. Ist ein Grexit \u201eanti-europ\u00e4isch\u201c?<\/a><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (17)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Die griechische Trag\u00f6die&lt;br \/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Warum sich niemand zu handeln traut&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17284\">Die griechische Trag\u00f6die. Warum sich niemand zu handeln traut<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (16)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Europa w\u00e4hlt den harten Marktkern des Euros ab&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Ein Drama in f\u00fcnf Akten&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17170\">Die EWU verwahrlost ordnungspolitisch. Ein Drama in f\u00fcnf Akten<\/a><\/p>\n<p>Jan Schnellenbach: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (15)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Kann man verlorene Steuermoral wieder aufbauen?&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Ein (nicht nur) griechisches Problem&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17119\">Kann man verlorene Steuermoral wieder aufbauen? Ein (nicht nur) griechisches Problem<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17109\">Allein gegen Alle. Griechenland spielt weiter Vabanque. <\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Griechenland (13)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Die EWU am Scheideweg&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Permanente Transfers oder tempor\u00e4rer Grexit?&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16967\">Die EWU am Scheideweg. Permanente Transfers oder tempor\u00e4rer Grexit?<\/a><\/p>\n<p>Juergen B. Donges: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16935\">Griechische Man\u00f6ver in der Eurozone. Droht aus Spanien \u00e4hnliches Ungemach?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16894\">Briefe in die griechische Vergangenheit. Giannis Varoufakis: Abgezockt oder unf\u00e4hig?<\/a><\/p>\n<p>Wolf Sch\u00e4fer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16864\">Mit \u201eGewissheit\u201c im Euro. Das strategische Spiel der Griechen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16670\">Immer \u00c4rger mit Griechenland. Ein Pyrrhus-Sieg der \u201cInstitutionen\u201c\u009d?<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16687\">Nach der Rettung ist vor der Rettung. Griechenland und kein (Rettungs-)Ende!<\/a><\/p>\n<p>Roland Vaubel: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16626\">Sch\u00e4ubles Scherbenhaufen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16600\">Trojanisches Pferd. Der Brief des Giannis Varoufakis<\/a><\/p>\n<p>Uwe Vollmer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16535\">Scheidung auf griechisch. Wie realistisch ist der \u201cGrexit\u201c\u009d?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16544\">Was erlauben Griechenland? Schwach wie Flasche leer<\/a><\/p>\n<p>Dieter Smeets: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16520\">Poker um Griechenland<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16470\">Sie kamen, sahen und verloren. Haben sich Alexis Tsipras und Giannis Varoufakis verzockt?<\/a><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=16445\">Hexenmeister und Reformer. Was Varoufakis von Balcerowicz lernen kann. <\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag um Mitternacht lief das aktuelle \u2013 zweimal verl\u00e4ngerte \u2013 Hilfsprogramm f\u00fcr Griechenland aus. 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