{"id":17755,"date":"2015-08-03T05:29:29","date_gmt":"2015-08-03T04:29:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17755"},"modified":"2015-08-03T05:29:29","modified_gmt":"2015-08-03T04:29:29","slug":"finger-weg-vom-ticket-schwarzmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17755","title":{"rendered":"Finger weg vom Ticket-Schwarzmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Die Fu\u00dfball Bundesliga erreichte in der vergangenen Saison 2014\/2015 den zweith\u00f6chsten Zuschauerschnitt in Ihrer Geschichte. Insgesamt macht der Ticketverkauf ca. 20% der Gesamteinnahmen aus. Seit Jahren ist eine steigende Tendenz der Zahl der Stadionbesucher zu erkennen. Im internationalen Vergleich liegt die Fu\u00dfball Bundesliga damit auf Platz eins. Da sich die professionellen Fu\u00dfballvereine in Deutschland zum Ziel gesetzt haben, ihre Tickets zu sozialvertr\u00e4glichen Preisen anzubieten, liegen allerdings auch die Ticketpreise in Deutschland deutlich unter denen in England oder in Spanien. Aufgrund der g\u00fcnstigen Ticketpreise und der Kapazit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen der Stadien \u00fcbersteigt daher die Nachfrage sehr oft das Angebot. So liegen die offiziellen Verkaufspreise auf dem Erstmarkt h\u00e4ufig unter den auf dem freien Markt erzielbaren Preisen. Die hohen Gewinnmargen durch Weiterverk\u00e4ufe f\u00fchren dazu, dass der nicht autorisierte Zweitmarkt mit Fu\u00dfballtickets eine Hochkonjunktur erlebt. Nicht selten werden dazu auch vor dem Stadion, beispielsweise vor Fan-Bussen oder von Fanclubs, kurzfristig noch \u00fcbriggebliebene Tickets aufgekauft. Der Gro\u00dfteil des Ticket-Schwarzmarkts erfolgt inzwischen aber nicht mehr vor dem Stadion, sondern \u00fcber verschiedene Online-Plattformen wie Viagogo, Seatwave oder ebay. Diese Plattformen dienen als Vermittler und erm\u00f6glichen so dem Ticketverk\u00e4ufer einen hohen Grad an Anonymit\u00e4t.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Seit Jahren ist dieser Ticket-Schwarzmarkt vielen Veranstaltern ein Dorn im Auge. Zum einen kritisieren sie, dass das beabsichtigt sozialvertr\u00e4glich g\u00fcnstige Preisniveau zur individuellen Bereicherung ausgenutzt wird und dadurch auch der effektive Durchschnittspreis f\u00fcr ein Ticket steigt. Zum anderen \u00e4u\u00dfern sie Sicherheitsbedenken, da Personen mit einem Stadionverbot auf diesem Weg T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet werden, ein Ticket ohne Personenkontrolle zu erwerben. Ebenso k\u00f6nne nicht mehr f\u00fcr eine Trennung der unterschiedlichen Fangemeinden in den Bl\u00f6cken im Stadion gesorgt werden. Der Schwarzmarkt birgt zudem das Risiko, dass m\u00f6glicherweise keine Originaltickets zum Kauf angeboten werden und daher Bezieher von Schwarzmarkttickets anschlie\u00dfend keinen Zugang zum Stadion erhalten.<\/p>\n<p>Mit Hilfe von unterschiedlichen Vertragsbestandteilen versuchen die Veranstalter, den nicht autorisierten Handel von Tickets zu unterbinden. In den meisten Allgemeinen Ticket-Gesch\u00e4ftsbedingungen (ATGB) sind Regelungen bzgl. des Weiterverkaufs enthalten. So sei nur bei pers\u00f6nlicher Verhinderung ein privater Verkauf zul\u00e4ssig, sofern die Preisobergrenze von 15% \u00fcber dem Nennpreis des Tickets nicht \u00fcberschritten wird. Bei Versto\u00df gegen die ATGB drohen Vertragsstrafen sowie Entsch\u00e4digungszahlungen. Rechtlich sind die ATGB jedoch nur f\u00fcr die direkt vertragsschlie\u00dfenden Parteien bindend. Gibt nun der Ticketk\u00e4ufer sein Ticket privat an eine dritte Partei weiter, ist diese wiederum nicht an die ATGB gebunden (BGH, Urteil v. 11.09.2008, Az. I ZR 74\/06). Daher kann auch ein gewerblicher Weiterverkauf von Tickets durch Dritte aufgrund der ATGB nicht vollst\u00e4ndig unterbunden werden. Zudem handelt es sich bei Fu\u00dfballtickets grunds\u00e4tzlich erstmal um ein freies Wirtschaftsgut, so dass ein generelles Verbot des Weiterverkaufs durch Privatpersonen i.S.d. \u00c2\u00a7 307 BGB als unzul\u00e4ssig erscheint.<\/p>\n<p>Letztlich w\u00fcrde ein Verbot des Ticketweiterverkaufs auch gegen die Grunds\u00e4tze der freien Marktwirtschaft versto\u00dfen. Im Prinzip agieren die Schwarzmarkth\u00e4ndler als Arbitrageure und bieten eine Dienstleistung als Beschaffer von Eintrittskarten f\u00fcr Veranstaltungen an, die l\u00e4ngst ausgebucht sind. Gleichzeitig m\u00fcssen sie das Risiko einkalkulieren, dass sie ihre Tickets nicht rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn ver\u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen und damit die Tickets schlagartig an Wert verlieren. Diese beiden Komponenten lassen sie sich recht gro\u00dfz\u00fcgig bezahlen. Somit haben Schwarzmarkth\u00e4ndler eine kleine, aber lukrative Nische f\u00fcr sich gefunden.<\/p>\n<p>Aufgrund der beschriebenen komplizierten Rechtslage sowie der Anonymit\u00e4t der Ticketh\u00e4ndler auf den Online-Plattformen ist es f\u00fcr Veranstalter \u00e4u\u00dferst schwierig, tats\u00e4chliche Erfolge im Kampf gegen den Schwarzmarkt zu erzielen.<\/p>\n<p>Der Ticketschwarzmarkt bringt aber auch positive Seiten f\u00fcr die Vereine oder Organisatoren von Veranstaltungen mit sich. \u00dcber die zus\u00e4tzlichen \u201eVertriebswege\u201c des Schwarzmarktes kann f\u00fcr den Veranstalter tendenziell von einer erh\u00f6hten Ticketabsatzmenge ausgegangen werden, da eine vermehrte Ansprache von potentiellen Ticketk\u00e4ufern stattfindet. Auf diese Weise k\u00f6nnen Veranstalter Ihre Leerkosten reduzieren. Ebenso erm\u00f6glicht der nicht autorisierte Zweitmarkt Ticketinhabern, die aus bestimmten Gr\u00fcnden auf den Stadionbesuch verzichten m\u00fcssen, ihr Ticket ohne gro\u00dfen Verlust, loszuwerden. So findet eine Risikoverschiebung zwischen den einzelnen Parteien statt. Die Schwarzmarkt-H\u00e4ndler \u00fcbernehmen letztlich das Risiko, K\u00e4ufer finden zu m\u00fcssen, um die Tickets abzusetzen. Beispielhaft k\u00f6nnen hier die letzten beiden Fu\u00dfball Europameisterschaften genannt werden. Bei der EM 2008 in \u00d6sterreich und der Schweiz, sowie bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine sind zahlreiche Schwarzmarkth\u00e4ndler Ihre Tickets nicht losgeworden, da der Besucheransturm aufgrund verschiedener Umwelteinfl\u00fcsse entgegen den Erwartungen gering war. Speziell bei der EM in Polen und der Ukraine waren die Veranstalter froh \u00fcber die Schwarzmarkth\u00e4ndler, da diese durch ihren Handel noch daf\u00fcr sorgten, dass mehr Besucher in die Stadien kamen. Eine schlecht besuchte Veranstaltung mit TV-\u00dcbertragung sorgt einerseits f\u00fcr eine schlechte Atmosph\u00e4re im Stadion und andererseits wirft es ein schlechtes Licht auf die Veranstaltung und die Veranstalter. Letztlich hat der Schwarzmarkt daf\u00fcr gesorgt, dass kaum Sitzpl\u00e4tze frei blieben und dadurch die Leerkosten f\u00fcr die Veranstalter verringert werden konnten. Diese positiven Effekte m\u00f6gen u.a. auch der Grund f\u00fcr einige Vereine gewesen sein, mit der Onlineplattform viagogo eine Kooperation eingegangen zu sein.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kann der Schwarzmarkt auch als Lerninstrument wirken. Anhand von Ticketpreisen beim Auktionshaus ebay.de wird deutlich, um welch ein Vielfaches die Marktpreise \u00fcber dem Nennpreises des Tickets liegen. Damit zeigt der Schwarzmarkt auf, welches Erl\u00f6spotenzial noch im Zuschauermarkt liegt. Dabei kann der Zuschauermarkt insbesondere in preissensible und preisunsensible Kunden unterteilt werden. Auf dem Schwarzmarkt beziehen fast ausschlie\u00dflich preisunsensible Kunden ihre Tickets. Veranstalter k\u00f6nnten sich geeignete Strategien \u00fcberlegen, um dieses Erl\u00f6spotenzial zu nutzen. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re, das generelle Preisniveau anzuheben und gleichzeitig bestimmte Ticketkontingente mit Rabatten f\u00fcr Studenten, Sch\u00fcler, Rentner etc. anzubieten, um die soziale Preisstruktur zu gew\u00e4hrleisten. Weiter k\u00f6nnte bei der Ticketing Strategie, \u00e4hnlich wie im Schwarzmarkt, eine st\u00e4rkere Fokussierung auf die Klassifizierung anhand von Gegner, Zeitpunkt des Spiels und Zeitpunkt des Ticketkaufs erfolgen. Durch die Preiserh\u00f6hungen k\u00f6nnten die Veranstalter Ihre eigenen Erl\u00f6se steigern und gleichzeitig einen gr\u00f6\u00dferen Anteil der preisunsensiblen Ticketk\u00e4ufer erreichen, sodass f\u00fcr die Schwarzmarkth\u00e4ndler weniger potenzielle Kunden verbleiben. Ebenso w\u00fcrde sich aufgrund der Preiserh\u00f6hungen deren Gewinnmarge reduzieren, sodass sich die Attraktivit\u00e4t des Schwarzmarktes verringert.<\/p>\n<p>Allerdings zeigen die Erfahrungen aus den anderen europ\u00e4ischen Ligen, dass solche Preiserh\u00f6hungen zu gro\u00dfen Unmutsbekundungen bei den Fans sorgen, wodurch die Sympathiewerte und die Identifikation mit dem Verein sinken k\u00f6nnen. Ebenso k\u00f6nnte es dazu kommen, dass in Zukunft vermehrt Spiele nicht mehr ausverkauft sind, wodurch unerw\u00fcnschte Leerkosten f\u00fcr die Veranstalter entstehen w\u00fcrden. Mit jedem freien Platz entgehen dem Veranstalter auch Erl\u00f6se aus dem Verkauf von Speisen und Getr\u00e4nken sowie von Merchandising Artikeln im Rahmen des Stadionbesuchs.<\/p>\n<p>Um dem Schwarzmarkt ohne Regulierungen entgegenzuwirken stellen einige Vereine inzwischen eigene Ticketplattformen als Zweitmarkt zur Verf\u00fcgung. Aktuell ist in der \u00dcberlegung, dass die DFL in Zukunft eine zentrale Ticketplattform f\u00fcr alle Begegnungen anbietet und betreibt. Auf diesem Zweitmarkt k\u00f6nnen Ticketbesitzer ihre erstandenen Tickets zum Nennpreis wieder abgeben. Dieses Angebot gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr Dauerkartenbesitzer, die das Recht des Stadionbesuchs f\u00fcr einen Spieltag abtreten m\u00f6chten. Anschlie\u00dfend k\u00f6nnen Ticketk\u00e4ufer sie zum Tageskartenpreis inklusiver einer Bearbeitungsgeb\u00fchr erwerben. Auf diese Weise wird auf dem Zweitmarkt das Prinzip der sozialvertr\u00e4glichen Preise weiterverfolgt. Ebenso erfolgt durch den plattformbetreibenden Veranstalter die Personenpr\u00fcfung zur Einhaltung von Stadionverboten. Allerdings kann auch der Verkauf durch autorisierte Ticketverkaufsstellen nicht verhindern, dass Personen mit einem Stadionverbot an Tickets gelangen, da bei einer Tickettransaktion bis zur vier Tickets erworben werden k\u00f6nnen, jedoch nur eine Person kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit sind Optionstickets. Diese wurden erstmals bei der WM 2006 in Deutschland erfolgreich eingesetzt. Hier k\u00f6nnen sich Ticketinteressierte nach dem Ausverkauf eines Spiels auf eine Art Warteliste setzen lassen. Werden Tickets zur\u00fcckgegeben, greift die Option f\u00fcr die Optionsticketinhaber.<\/p>\n<p>Es kann festgehalten werden, dass sich der Ticketschwarzmarkt alleine durch die Interventionen der Veranstalter wohl kaum unterbinden l\u00e4sst. Zudem entstehen aufgrund der beschriebenen Rechtslage sowie der Anonymit\u00e4t der Ticketh\u00e4ndler auf den Online-Plattformen hohe monet\u00e4re und zeitliche Aufwendungen, um Schwarzmarkt-H\u00e4ndler zu identifizieren. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich diese Ausgaben rechtfertigen lassen. Au\u00dferdem hat der nicht autorisierte Zweitmarkt auch positive Effekte. Und solange sich zahlungskr\u00e4ftige Abnehmer f\u00fcr Schwarzmarktkarten finden lassen, wird dieses Gesch\u00e4ftsmodell nicht aussterben. Schlussendlich muss sich ein Markt selbst regulieren; eine staatliche Intervention, um einen Schwarzmarkt f\u00fcr Tickets zu verhindern, l\u00e4sst sich in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht begr\u00fcnden. Wenn Stadionbesucher Solidarit\u00e4t und Zusammenhalt f\u00fcr faire Preise zeigen und den Schwarzmarkt boykottieren, geben sie damit auch ein klares Signal an die Vereine, dass sie h\u00f6here Preise nicht akzeptieren.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Quellen: <\/span><\/p>\n<p>BGH, Urteil v. 11.09.2008, Az. I ZR 74\/06, <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=2008&amp;Sort=3&amp;nr=45177&amp;linked=pm&amp;Blank=1\">http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=2008&amp;Sort=3&amp;nr=45177&amp;linked=pm&amp;Blank=1<\/a>. Abgerufen am 21.07.2015.<\/p>\n<p>Chatrath, S. &amp; Voerste, K. (2014). <i>Yield Management im Profifu\u00dfball-Ticketing<\/i>. In: S. Chatrath (Hrsg.), Ticketing: Themenheft der Sciamus &#8211; Sport und Management, 3\/2014, S. 7-24.<\/p>\n<p>DFL (2015). <i>Bundesliga Report 2015<\/i>. <a href=\"http:\/\/s.bundesliga.de\/assets\/doc\/501988_original.pdf\">http:\/\/s.bundesliga.de\/assets\/doc\/501988_original.pdf<\/a>.<\/p>\n<p>Hellmann, F. (2012). <i>Ausverkauf der Leerstellen<\/i>. Beitrag auf taz.de. <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Tickets-fuer-die-EM\/!5091566\/\">http:\/\/www.taz.de\/Tickets-fuer-die-EM\/!5091566\/<\/a>. Abgerufen am 21.07.2015.<\/p>\n<p>Hellmann, F. (2008). <i>Schwarzh\u00e4ndler in Not<\/i>. Beitrag auf taz.de. <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Ueberangebot-an-EM-Tickets\/!5179952\/\">http:\/\/www.taz.de\/Ueberangebot-an-EM-Tickets\/!5179952\/<\/a>. Abgerufen am 21.07.2015.<\/p>\n<p>Holzh\u00e4user, F. &amp; Bagger, T. (2014). <i>Der Weiterverkauf von Bundesliga-Tickets \u2013 eine Analyse aus rechtlicher Sicht<\/i>. In S. Chatrath (Hrsg.), Ticketing: Themenheft der Sciamus &#8211; Sport und Management, 3\/2014, S. 41-55.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fu\u00dfball Bundesliga erreichte in der vergangenen Saison 2014\/2015 den zweith\u00f6chsten Zuschauerschnitt in Ihrer Geschichte. Insgesamt macht der Ticketverkauf ca. 20% der Gesamteinnahmen aus. 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