{"id":17798,"date":"2015-08-07T00:01:03","date_gmt":"2015-08-06T23:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17798"},"modified":"2021-02-09T08:46:54","modified_gmt":"2021-02-09T07:46:54","slug":"krach-in-der-hayek-gesellschaft-2was-der-hayek-gesellschaft-nottut4-ergaenzungen-zu-thomas-apolte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17798","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Krach in der Hayek-Gesellschaft (2) <\/font><br\/>Was der Hayek-Gesellschaft nottut? <br\/><font size=3; color=grey>4 Erg\u00e4nzungen zu Thomas Apolte <\/font>"},"content":{"rendered":"<p>1. Schaut man auf die politische Realit\u00e4t in Deutschland, so kann ein gewisses Kopfsch\u00fctteln \u00fcber die in der \u2013 dem freiheitlichen Denken zugewandten \u2013 Hayek-Gesellschaft urpl\u00f6tzlich schwarmgef\u00fchrte Diskussion zur Notwendigkeit der politischen Abgrenzung vor allem \u201enach rechts\u201c durchaus Verst\u00e4ndnis erzeugen. Denn ein Blick auf die Bedeutung des politisch organisierten Liberalismus in Deutschland zeigt die ern\u00fcchternde Wirklichkeit: Im Deutschen Bundestag ist das organisierte \u201eLiberale\u201c nicht mehr anwesend, es wurde herausgew\u00e4hlt. In der Regierungskoalition verschwimmen sich die eigenpolitischen Konturen der gro\u00dfen Volksparteien zur Unkenntlichkeit in Richtung freiheitavers-paternalistisch unterf\u00fctterten Staatsinterventionismus, in beiden Parteien ohne ordnungspolitischen Kompass. Sie sind mithin schwerlich im erkennbaren Dunstkreis liberaler Politikgestaltung zu verorten. Und vielleicht auch aus diesem Grund wurde die kleinere sich selbst als liberal bezeichnende Partei eher als Mainstream-Plagiat der Gro\u00dfen denn als wirklich liberale parlamentarische Alternative vom W\u00e4hler abgestraft. Die Opposition im Bundestag ist gr\u00fcn-links, sie opponiert gegen die Regierung nicht wegen ihrer zu gro\u00dfen, sondern zu geringen Bereitschaft, die Ergebnisse der \u2013 angeblich \u2013 kapitalistischen Marktwirtschaft interventionistisch oder gar durch Systemver\u00e4nderung zu korrigieren. Mithin: Im Deutschen Bundestag als Spiegelbild der in Deutschland vorherrschenden parteipolitischen Pr\u00e4ferenzen der Wahlb\u00fcrger ist das organisierte Liberale ausgestorben, die Parteienlandschaft hat ihre Kompassnadel sichtbar nach \u201elinks\u201c verschoben. In einem solchen Kontext gedeiht der allgemeine Mainstream zur Abgrenzung. Man w\u00fcrde vermuten, dass \u2013 wenn freiheitlich Denkende sich \u00fcberhaupt an diesen politikbegrifflichen Abgrenzungsdiskussionen beteiligen wollen \u2013 dies unter diesen Umfeldbedingungen wohl eher nach \u201elinks\u201c denn nach \u201erechts\u201c erfolgen m\u00fcsste, was immer diese wieselwort\u00e4hnlichen Kategorien konkret beinhalten m\u00f6gen. Aber weil die meisten Medien vornehmlich die Repr\u00e4sentanten derjenigen Parteien zu Wort kommen lassen, die im Parlament sitzen, transportieren sie den Abgrenzungsmainstream nach \u201erechts\u201c verst\u00e4rkend in die \u00d6ffentlichkeit und sogar bis hin zur Hayek-Gesellschaft. Solange das politisch organisierte \u201eliberale\u201c Denken sich diesem Mainstream der Illiberalit\u00e4t aus politischer Mutlosigkeit nicht versagt, wird der Sprung in die bundesparlamentarische Wiedermitwirkung wohl schwer. Was folgt daraus f\u00fcr die Abgrenzungsdebatte innerhalb der Hayek-Gesellschaft?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>2. In Anbetracht dieser Politikanalyse sowie der empirischen Evidenz, dass in Deutschland die Rechtsparteien schon seit Jahren gottlob keine Chance haben, einen bedrohlichen parlamentarischen Resonanzboden zu bilden, und wenn ja, dann allenfalls als tempor\u00e4re Landes- oder Regionalparlamentserscheinung, kommt die Hayek-Gesellschaft wohl nicht umhin zu fragen, ob sie sich tats\u00e4chlich vornehmlich um Abgrenzungsprobleme \u201enach rechts\u201c k\u00fcmmern m\u00fcsse, deretwegen zum Beispiel mein sehr gesch\u00e4tzter liberal denkender Blogger-Kollege Thomas Apolte die Gesellschaft mit vielen anderen so \u00fcberraschend pl\u00f6tzlich verlassen hat. Apolte kritisiert, wie andere auch, dass es \u201ekonservative\u201c Mitglieder der Gesellschaft gibt, die zudem in nicht-liberalen Medien publizieren. Konservativismus steht in der Tat dem Hayekschen Liberalismus grunds\u00e4tzlich entgegen, aber es kommt doch sehr darauf an, in welchem Kontext und in welcher Semantik beide Begriffe in der heutigen Zeit konkret verwendet werden (k\u00f6nnen). Ein Beispiel mag dies demonstrieren: Bekanntlich gibt es in der EU seit Jahren den Streit, ob nicht angesichts der sichtbaren EU-Tendenzen der zunehmend ineffizienten Zentralisierung von Politikaktivit\u00e4ten wieder eine Debatte \u00fcber die R\u00fcckf\u00fchrung einzelner bereits vergemeinschafteter Politikbereiche in nationale Disposition sinnvoll sei. Einige Politikakteure argumentieren, eine solche R\u00fcckf\u00fchrung sei Ausdruck eines r\u00fcckst\u00e4ndigen konservativen Nationalismus, den es zu bek\u00e4mpfen gelte, weil er der europ\u00e4ischen Integration zuwiderlaufe. Die Gegenposition basiert auf dem auch im EU-Vertrag kodifizierten Subsidiarit\u00e4tsprinzip: Derjenigen EU-Ebene, auf der die komparativen Vorteile f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der in Frage stehenden Politikaktivit\u00e4ten aufgrund der B\u00fcrgerpr\u00e4ferenzn\u00e4he und Kosteneffizienz am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt sind, sollten die Politikaktivit\u00e4ten zugewiesen werden. Und das hat dann nichts mit Konservativismus oder gar \u201erechtem\u201c Nationalismus zu tun, sondern entspricht modernen Prinzipien einer effizienten internationalen Arbeitsteilung und damit der offenen Gesellschaft im Hayekschen Sinne. Das ist, nebenbei bemerkt, auch die britische Position, die dem Denken des freiheitlich-klassischen Liberalismus bekanntlich n\u00e4her steht als der Mainstream der EU-Akteure francophoner Provenienz.<\/p>\n<p>Weitere Beispiele lassen sich zuhauf anf\u00fcgen: Ist es konservativ-r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt, wenn man f\u00fcr Griechenland das Ausscheiden aus dem Euro-Arrangement mit zugleich wieder eingef\u00fchrter nationaler Landesw\u00e4hrung empfiehlt, oder ist das Verbleiben im Euro mit der Folge einer sich immer st\u00e4rker entwickelnden Euro-Transferunion die Zukunftsl\u00f6sung Hayekschen Freiheitsdenkens? Hayek, der ja neben der Freiheit des Individuums auch die mit ihr verbundene Selbstverantwortung f\u00fcr eigenes Tun propagierte, h\u00e4tte das wohl verneint. Und wenn nicht alles t\u00e4uscht, ist dies auch mehrheitlicher <i>common sense<\/i> innerhalb der Hayek-Gesellschaftsmitglieder, die sich manchem Vorwurf der Europa-Zentralisten, sie seien r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte europafeindliche Nationalkonservative, mit Fug und Recht entgegentreten. Jedenfalls bleibt Europa sicher eins der ganz gro\u00dfen Zukunftsthemen der Freiheit auch f\u00fcr die Hayek-Gesellschaft.<\/p>\n<p>Kann man dies zum Beispiel auch f\u00fcr die von der ehemaligen Vorsitzenden Karen Horn eingebrachte Debatte \u00fcber \u201ekonservativ\u201c versus \u201eliberal\u201c sagen, die das deutsche Ehegattensplitting betrifft? Offensichtlich ja, denn f\u00fcr Thomas Apolte hat unter anderem dieser Diskurs zu seinen Austrittsgr\u00fcnden beigetragen. Und es ist ja richtig: Diese Diskussion ist doch <i>innerhalb<\/i> der Gesellschaft f\u00fcr Lernwillige und offene Geister anregend, und wenn hier kontroverse Positionen bestehen, dann bestehen sie eben. Man sollte auch und besonders in der Hayek-Gesellschaft grunds\u00e4tzlich die Tugend der Duldung von Unterschieden pflegen, der Toleranz gegen\u00fcber dem lerneinladenden Kontrapunkt, dies sicher nicht in jeder Beliebigkeit des Nichtmehrdefinierbaren, aber doch unbedingt in einzelnen Teilbereichen, auch wenn sie dem einen oder anderen als zu wenig oder gar nicht liberal vorkommen. Dazu ist die pers\u00f6nliche Definition \u201edes\u201c Liberalen doch stets zu subjektiv. In einem freiheitlichen lernaffinen Diskursumfeld sollte sich deshalb niemand legitimiert f\u00fchlen, abgrenzungsaktiv die einen gegen\u00fcber den anderen zu stigmatisieren, als ginge es um Freund oder Feind in einer ideologischen Fundamentalangelegenheit. \u00c4hnlich ist f\u00fcr die unterschiedlichen Positionen in Sachen Zuwanderung zu argumentieren: Ist \u2013 unabh\u00e4ngig von Detailfragen \u2013 eine Zuwanderungsbegrenzung national-konservativ und deshalb r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt anti-liberal und also die beliebige \u00d6ffnung liberal und damit zukunftsorientiert? Auch dies wird in der Hayek-Gesellschaft nicht einheitlich gesehen. Vielleicht hilft hier anstelle der kompromisslosen Liberalposition die bekannte Moral des Machbaren, die in gar keiner Weise eine mit Rechtskonservativismus begr\u00fcndete Ausgrenzung erlauben kann.<\/p>\n<p>3. Was folgt nun aus alldem f\u00fcr die Hayek-Gesellschaft? Wenn diese Gesellschaft nicht zum Sektiererclub sich abgrenzungsaffin duellierender Intellektueller ohne wesentliche Ausstrahlung nach au\u00dfen degenerieren will, sollte sie sich thematisch breiter strukturieren. Es waren ja neben Wissenschaftlern auch und gerade Unternehmer und Publizisten, die die Gesellschaft gegr\u00fcndet haben und zunehmend umf\u00e4nglich die Mitgliederstruktur bestimmen. Deshalb darf die Hayeksche Botschaft der Freiheit sich nicht auf intellektuelle Debattenzirkel beschr\u00e4nken, sondern muss auch und insbesondere auf die Akteure in der Unternehmenswelt ausgerichtet sein. Denn sie sind es, die Unternehmer (und Arbeitnehmer), die die schleichende Staatsbedr\u00e4ngnis zunehmender wirtschaftlicher Freiheitseinschr\u00e4nkungen in einem kompetitiven Umfeld der nationalen und internationalen Marktwirtschaft zuvorderst bew\u00e4ltigen m\u00fcssen. In diesem Umfeld steht weniger die intellektuelle Debatte um Konservativismus oder Liberalismus im Fokus, sondern es sind vielmehr die realwirtschaftlichen Probleme von Wettbewerb, Innovation, Arbeitsmarkt, F&amp;E, IT, Wissensproduktion und anderer Bereiche der Realwirtschaft bedeutsam. Man kann sich vorstellen, dass innerhalb der Hayek-Gesellschaft Arbeitsgruppen gebildet werden, die diese Themen mit interessierten fachkundigen Mitgliedern (und auch Nichtmitgliedern als externen Experten) aufbereiten und zum Beispiel auf Hayek-Tagen und weit dar\u00fcber hinaus in Wirtschaft und \u00d6ffentlichkeit kundig machen.<\/p>\n<p>4. Die Idee der Freiheit und des Wettbewerbs verlangt danach, das Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Markt immerw\u00e4hrend nicht nur theoretisch, sondern auch im empirischen Kontext zum Beispiel in Deutschland und Europa zu fokussieren. Hayek hat, wie wir wissen, viel dar\u00fcber r\u00e4soniert. Man kommt heute nicht umhin, die moderne Institutionen\u00f6konomie zentral ins Spiel zu bringen. Mit ihr lassen sich bekanntlich die dominanten <i>incentives <\/i>aufzeigen, die zum Beispiel von staatlich gesetzten Regeln, Gesetzen, Erlassen, Anweisungen, Kontrollen usw. auf das Verhalten von Menschen und Organisationen ausgehen und die sowohl freiheitserweiternd als auch freiheitsberaubend sein k\u00f6nnen. In diesem intitutionen\u00f6konomischen Kontext kann sich hoheitliches freiheitsbeschr\u00e4nkendes Handeln nicht mehr auf organstaatliche Begr\u00fcndungen zur\u00fcckziehen, sondern muss sich im internationalen Wettbewerb selbst bew\u00e4hren: Der Staat ist (zunehmend) marktlicher Mitbewerber und wird (zunehmend) nicht mehr als politischer Monopolist betrachtet. So steht dann der Staat international im institutionellen Freiheitswettbewerb um die mobilen Ressourcen dieser Welt. Er kann damit gegen\u00fcber den B\u00fcrgern und Unternehmen in seinem freiheitsbeschr\u00e4nkenden Tun gez\u00e4hmt werden. In diesem Sinne ist doch die traditionelle Debatte um \u201eStaat versus Markt\u201c, die Karen Horn nicht ganz zu Unrecht als von konservativer Seite zu reflexhaft-statisch gef\u00fchrt wird, zukunftsorientiert neu ausgerichtet und hat mit der gegenw\u00e4rtigen Art der Auseinandersetzung um Konservativismus versus Liberalismus in der Hayek-Gesellschaft nicht viel zu tun. Es ist schade, dass der so kundige Institutionen\u00f6konom Thomas Apolte und all die anderen tollen Geister, die ausgetreten sind, innerhalb der Hayek-Gesellschaft nicht mehr in diesen modernen Linien des freiheitlichen Denkens mitmachen.<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zur Hayek-Gesellschaft:<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17784\">Warum Hayek wirklich kein Konservativer war. Gr\u00fcnde f\u00fcr den Austritt aus der Hayek Gesellschaft<\/a><\/p>\n<h2 id=\"post-17784\"><\/h2>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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