{"id":17829,"date":"2015-09-07T05:23:44","date_gmt":"2015-09-07T04:23:44","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17829"},"modified":"2015-10-06T13:39:19","modified_gmt":"2015-10-06T12:39:19","slug":"saekulare-stagnation-2-krise-des-angebots-schwaecht-das-wachstum-ist-die-eurosklerose-bald-ueberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17829","title":{"rendered":"<small>S\u00e4kulare Stagnation (3)<\/small> <br>Angebotsdefizite bremsen Wachstum<br> <font size=3; color=grey>Ist die \u201eEurosklerose\u201c bald \u00fcberall?<\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eMan kann das Computer-Zeitalter \u00fcberall sehen \u2013 au\u00dfer in den Produktivit\u00e4tsstatistiken.\u201c<\/em> (Robert Solow, 1987)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das wirtschaftliche Wachstum kommt nicht richtig in Fahrt. Auch sieben Jahre nach der Finanzkrise d\u00fcmpelt es vor sich hin. In Europa versch\u00e4rft die Euro-Krise das Problem. Der Euro-Raum w\u00e4chst im Trend nicht mehr. Die USA stehen etwas besser da. Sie wachsen zwar, wenn auch nur schwach. Es droht Stagnation. An Nachfrage mangelt es allerdings nicht. \u00dcberall schlie\u00dfen sich die Output-L\u00fccken, weil das Produktionspotential langsamer w\u00e4chst. Der zyklische Schatten der Finanzkrise verschwindet. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17427\">Keynesianische Stagnationstheoretiker<\/a> liegen falsch. Wie schnell ein Land langfristig w\u00e4chst, wird auf der Angebots- nicht auf der Nachfrageseite entschieden. Menge und Qualit\u00e4t von Arbeit und Kapital und der technische Fortschritt sind die entscheidenden Gr\u00f6\u00dfen. Die keynesianische Medizin staatlicher Nachfrage entfacht ein Strohfeuer, schafft aber kein langfristiges Wachstum. Wer verhindern will, dass der wirtschaftliche Wohlstand stagniert, muss auf der Angebotsseite ansetzen. Die kurze \u00c4ra von Keynes nach der Finanzkrise ist vorbei. Das spannende Zeitalter von Schumpeter liegt vor uns.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Determinanten des Wachstums<\/b><\/p>\n<p>Das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens ist nicht erst seit der Finanzkrise r\u00fcckl\u00e4ufig. Einen ersten D\u00e4mpfer erhielt das Trend-Wachstum nach den \u00d6lpreis-Krisen in den 70er Jahren. Im Euro-Raum erholte es sich danach nie mehr richtig. Nach der Jahrtausendwende wurde es von einem zweiten, technologischen Schock getroffen. Ein \u00e4hnliches Muster ist in den USA zu beobachten. Die Entwicklung in Deutschland verlief zeitlich etwas anders. Die Wiedervereinigung schob in den 90er Jahren das Wachstum an. Danach ging es stetig bergab. Warum L\u00e4nder mehr oder weniger stark wachsen, ist unter \u00d6konomen nicht grunds\u00e4tzlich umstritten. Ein Land w\u00e4chst schneller als andere, wenn es \u00fcber bessere und billigere Produktionsfaktoren verf\u00fcgt. Diese Faktoren k\u00f6nnen von inl\u00e4ndischen Anbietern stammen. Sie entstehen durch tempor\u00e4ren Konsumverzicht. Aber sie k\u00f6nnen auch im Standortwettbewerb von au\u00dferhalb attrahiert werden. Dazu m\u00fcssen allerdings inl\u00e4ndische immobile Faktoren f\u00fcr mobile ausl\u00e4ndische attraktiv sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/secstag11.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Wachstum\" src=\"\/wordpress\/bilder\/secstag11.png\" alt=\"Wachstum\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Wie schnell das Pro-Kopf-Einkommen w\u00e4chst, h\u00e4ngt von zweierlei ab: Vom Qualit\u00e4ts- und Mengenwachstum der Produktionsfaktoren<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>. Das Wachstum der Arbeitsstundenproduktivit\u00e4t gibt wichtige Hinweise auf die Entwicklung des ersten Faktors. Mit dem Wachstum der Besch\u00e4ftigung kann man grob absch\u00e4tzen, wie sich die zweite Komponente entwickelt. Im Euro-Raum ist die Trend-Wachstumsrate der Arbeitsstundenproduktivit\u00e4t schon seit Anfang der 90er Jahre r\u00fcckl\u00e4ufig. Sie n\u00e4hert sich der Nullgrenze. Das gilt auch f\u00fcr Deutschland. Etwas anders sieht es in den beiden angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern aus. In Gro\u00dfbritannien nimmt das Wachstum der Arbeitsstundenproduktivit\u00e4t im Trend der 90er Jahren zun\u00e4chst noch leicht zu. Erst um die Jahrtausendwende bricht es dann ein. Am aktuellen Rand liegt es nahe Null. Die Entwicklung in den USA ist noch pointierter. Bis zur Jahrtausendwende verdoppelt sich das Trendwachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t, danach halbiert es sich. Es ist aktuell mit etwas \u00fcber 1 % aber weiter positiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/secstag22.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Arbeitsproduktivit\u00e4t\" src=\"\/wordpress\/bilder\/secstag22.png\" alt=\"Arbeitsproduktivit\u00e4t\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Der zweite Treiber des Wachstums der Pro-Kopf-Einkommen ist das Wachstum der Arbeitsstunden pro Kopf. Sein Einfluss war \u00fcberall im Trend lange Zeit eher negativ. In den L\u00e4ndern der EU-15 schrumpften die Arbeitsstunden pro Kopf seit 1990 fast immer. Ein kleiner Lichtblick war ein kurzer Moment nach der Jahrtausendwende. Auch in Gro\u00dfbritannien dominierte bis zur Finanzkrise mehr oder weniger ein Nullwachstum der Arbeitsstunden pro Kopf. Erst seither leistet es im Trend wieder einen positiven Beitrag zum Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens. In den USA geriet das Wachstum der Arbeitsstunden gegen Ende des letzten Jahrtausends ins Minus. Diese Entwicklung hielt bis 2012 an. Seither treibt das Wachstum der Arbeitsstunden das Wachstum der Pro-Kopf-Einkommen. Auch Deutschland reiht sich in das Muster ein. Bis zur Finanzkrise war die durchschnittliche Wachstumsrate der Arbeitsstunden pro Kopf durchweg negativ. Erst seither f\u00fchrt der steigende Trend zu einem positiven Impuls f\u00fcr das Wachstum der Pro-Kopf-Einkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/secstag33.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Arbeitsstunden\" src=\"\/wordpress\/bilder\/secstag33.png\" alt=\"Arbeitsstunden\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Schw\u00e4chelt der technische Fortschritt?<\/b><\/p>\n<p>Die treibenden Kr\u00e4fte hinter dem Wachstum der Arbeitsstundenproduktivit\u00e4t sind die Qualit\u00e4t der Arbeit, die Vertiefung des Kapitalstocks und die totale Faktorproduktivit\u00e4t. Quantitativ am wichtigsten ist die totale Faktorproduktivit\u00e4t. Sie misst den Einfluss aller Faktoren, die nicht Arbeit und Kapital zugeschrieben werden k\u00f6nnen. Dabei kommt dem technischen Fortschritt eine besondere Rolle zu. Seit einiger Zeit schw\u00e4chelt nun aber die totale Faktorproduktivit\u00e4t. Das gilt \u00fcberall. Die Wachstumsraten sind seit Anfang der 90er Jahre f\u00fcr die EU-19 r\u00fcckl\u00e4ufig. Besonders stark f\u00e4llt der R\u00fcckgang allerdings in Deutschland aus. Seit der Jahrtausendwende geht auch in Gro\u00dfbritannien die Wachstumsrate zur\u00fcck. Das Zeitalter der wirtschaftlichen Konvergenz scheint zu Ende zu gehen. Die Europ\u00e4er k\u00f6nnen immer weniger Honig saugen, indem sie auf die neuste amerikanische Technologie zur\u00fcckgreifen. Das eigentlich Beunruhigende ist allerdings, dass die Wachstumsrate der totalen Faktorproduktivit\u00e4t auch in den USA schw\u00e4chelt. Sie bewegt sich sp\u00e4testens seit 2005 auf relativ niedrigem Niveau.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/secstag44.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"TFP\" src=\"\/wordpress\/bilder\/secstag44.png\" alt=\"TFP\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Vielleicht ist das r\u00fcckl\u00e4ufige Trendwachstum der Arbeitsstundenproduktivit\u00e4t aber auch nur eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t. Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zu den \u00d6lpreiskrisen war eine Epoche \u00fcberm\u00e4\u00dfig hoher Wachstumsraten. Sie halbierten sich von Mitte der 70er bis Mitte der 90er Jahre. Dann kam ein Jahrzehnt, in dem die Wachstumsraten der Arbeitsproduktivit\u00e4t die hohen Werte der Nachkriegszeit wieder erreichten. Seit Mitte der 00er Jahre ist aber alles wieder so wie direkt nach den beiden \u00d6lpreiskrisen. Das \u201egoldene\u201c Jahrzehnt um die Jahrtausendwende scheint also eher die Ausnahme zu sein. Die Wachstumsraten der Arbeitsproduktivit\u00e4t seit Mitte der 70er\u00c2\u00a0 Jahre sind wohl die Regel. Das ausnahmsweise gute Jahrzehnt f\u00fcr das Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t um die Jahrtausendwende hat viel mit dem Aufschwung der ICT-Branchen zu tun. Davon profitierten vor allem Sektoren, die ICT entwickelten und <a href=\"https:\/\/www.econbiz.de\/Record\/the-growth-crisis-of-germany-a-blueprint-of-the-developed-economies-berthold-norbert\/10010983345\">einsetzten<\/a>. Darauf deuten zumindest die hohen Wachstumsraten der Investitionen in ICT-Kapital in den USA, Gro\u00dfbritannien und Deutschland in dieser Zeit hin. Die atypisch hohen Wachstumsraten des ICT-Kapitals in Deutschland seit 2010 lassen f\u00fcr das k\u00fcnftige Wachstum hierzulande hoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/secstag5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Kapital und ICT\" src=\"\/wordpress\/bilder\/secstag5.png\" alt=\"Kapital und ICT\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Sinkt die Erwerbsquote weiter?<\/b><\/p>\n<p>Die Arbeitsstunden pro Kopf lassen sich in drei Faktoren<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> zerlegen: Wie viele Stunden arbeiten die Erwerbst\u00e4tigen? Wie viele der Erwerbsf\u00e4higen sind erwerbst\u00e4tig? Welcher Anteil der Bev\u00f6lkerung steht dem Arbeitsmarkt zur Verf\u00fcgung? Neben der L\u00e4nge der Arbeitszeiten der Erwerbst\u00e4tigen bestimmen also die Besch\u00e4ftigungs- und Erwerbsquote mit dar\u00fcber, wie hoch die Arbeitsstunden pro Kopf sind. Wie schnell in einem Land die Arbeitsstunden pro Kopf wachsen, h\u00e4ngt deshalb davon ab, wie sich die Arbeitszeiten, die Besch\u00e4ftigungs- und die Erwerbsquote ver\u00e4ndern. Die Arbeitsstunden pro Erwerbst\u00e4tigen gehen eher zur\u00fcck. Das gilt durchgehend f\u00fcr die EU-15. Die Fortschritte in der Arbeitsproduktivit\u00e4t werden f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hnen und k\u00fcrzere Arbeitszeiten verwandt. Lange Zeit dominierte der Arbeitszeit-Effekt. Dieses Muster gilt auch f\u00fcr die USA und Gro\u00dfbritannien. Bis Mitte der 00er Jahre ging die Arbeitszeit zur\u00fcck. Seither scheint allerdings der Trend zu immer k\u00fcrzeren Arbeitszeiten gebrochen. Diese Entwicklung ist aber eher zyklisch. Sie ist der besseren Lage auf den Arbeitsm\u00e4rkten geschuldet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/secstag6.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Arbeitsstunden\" src=\"\/wordpress\/bilder\/secstag6.png\" alt=\"Arbeitsstunden\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigungsquoten entwickeln sich \u00fcberall eher zyklisch. Ein s\u00e4kularer Trend ist nicht auszumachen. Das gilt zumindest f\u00fcr die beiden angels\u00e4chsischen L\u00e4nder. Es trifft aber nicht f\u00fcr die EU-15 zu. Dort verringern strukturelle Faktoren die Besch\u00e4ftigungsquoten kontinuierlich. Deutschland tanzt aus der Reihe. Die Besch\u00e4ftigungsquote erh\u00f6ht sich seit den Hartz-Reformen stetig. Der eigentlich spannende Aspekt ist allerdings die Entwicklung der Erwerbsquote. Sie geht schon lange vor der Finanz- und Euro-Krise zur\u00fcck. Das gilt nicht nur f\u00fcr die EU-15, es trifft auch f\u00fcr die USA zu. Die Gr\u00fcnde sind strukturell. Alternde Baby-Boom-Generationen, entmutige junge und weniger qualifizierte Arbeitslose und l\u00e4ngere Ausbildungszeiten der jungen Altersjahrg\u00e4nge pr\u00e4gen den Trend. Alle drei Faktoren verringern die Erwerbsquote. In den USA wird die H\u00e4lfte durch die Baby-Boomer erkl\u00e4rt. Dem steht allerdings gegen\u00fcber, dass mehr l\u00e4nger lebende und ges\u00fcndere \u00c4ltere erwerbst\u00e4tig bleiben und auch die Erwerbsquote der Frauen weiter ansteigen wird. Gegenw\u00e4rtig dominieren die ersten Effekte die zweiten. Da die j\u00fcngsten Baby-Boomer erst Anfang 50 sind, wird die Erwerbsquote noch eine Weile sinken.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Spekulationen \u00fcber die Zukunft<\/b><\/p>\n<p>Es ist offensichtlich: Das Wachstum schw\u00e4chelt sowohl in Europa als auch den USA. Eine neue Entwicklung ist das aber nicht. Die Finanz- und Euro-Krise haben sie nicht ausgel\u00f6st. Der Wachstumstrend zeigt schon l\u00e4nger nach unten. Ob diese Entwicklung anh\u00e4lt, ist ungewiss. Das Gespenst der s\u00e4kularen Stagnation spukt allerdings schon. Es existieren keine soliden Prognosen \u00fcber das k\u00fcnftige Wachstum. Die Spekulation dominiert. Es gibt aber Hinweise, welche Faktoren relevant sind. Empirische Studien zum wirtschaftlichen Wachstum zeigen, dass die Einkommensunterschiede zwischen L\u00e4ndern zu 10 \u2013 30 % auf Unterschiede im Humankapital, zu ungef\u00e4hr 20 % auf Differenzen im Realkapital und zu 50 \u2013 70 % auf Unterschiede in der totalen Faktorproduktivit\u00e4t zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Der technische Fortschritt beeinflusst das wirtschaftliche Wachstum am st\u00e4rksten. Schw\u00e4chelt die technologische Entwicklung, wird auch der materielle Wohlstand stagnieren. Kein Wunder, dass sich die Prognosen auf die totale Faktorproduktivit\u00e4t konzentrieren.<\/p>\n<p>Wie das k\u00fcnftige Wachstum der totalen Faktorproduktivit\u00e4t ausf\u00e4llt, ist h\u00f6chst umstritten. Robert J. Gordon artikuliert die Meinung der Pessimisten. Er glaubt, dass die tief h\u00e4ngenden Fr\u00fcchte der letzten wichtigen technologischen Entwicklung (ICT) abgeerntet sind. Neue grundlegende Entwicklungen, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten und die Wirtschaft grundlegend umw\u00e4lzen, seien in der n\u00e4chsten Zeit nicht zu erwarten. Das gilt auch f\u00fcr die n\u00e4chsten 25 \u2013 40 Jahre. Er sieht auch nichts, was die Lage verbessern k\u00f6nnte. Das Wachstum sto\u00dfe an Grenzen. Ihm bliesen vier \u201eWinde\u201c ins Gesicht: Die demographische Entwicklung bewirke, das die Erwerbsquote weiter sinken werde. Die Bildung f\u00fcr breite Schichten sto\u00dfe an Grenzen, die Erziehung verl\u00f6re weiter an Qualit\u00e4t. Die Ungleichheit der Einkommen verringere die Investitionen in Humankapital, f\u00fchre zu mehr Umverteilung und nehme den Unternehmen die Lust am Investieren. Die staatliche Verschuldung steige weiter und verzerre die Allokation der Ressourcen noch st\u00e4rker. Das alles trage dazu bei, dass die totale Faktorproduktivit\u00e4t weiter vor sich hin d\u00fcmpeln werde.<\/p>\n<p>Nicht alle sehen die k\u00fcnftige technologische Entwicklung so d\u00fcster. \u00dcberall revolutionieren neue Technologien die \u00d6konomie. Der Einsatz der ICT- und Nano-Technologie, der Bionik, der Medizintechnik und Robotik krempelt die Prozesse der Produktion um. Neue Produkte schie\u00dfen nicht nur im digitalen Bereich wie Pilze aus dem Boden. Die Nano-Technologie gilt vielen als neue \u201eBasisinnovation\u201c. T\u00e4glich entstehen neue M\u00e4rkte. Der Bereich der Dienstleistungen w\u00e4chst rasant. Neue Unternehmen expandieren auf Feldern, die bisher unbekannt waren. Unternehmen organisieren sich grundlegend neu (Industrie 4.0). Das ist \u201eSchumpeter pur\u201c. Eigentlich m\u00fcsste das wirtschaftliche Wachstum explodieren. Nur: In der Realit\u00e4t sieht man davon (noch) recht wenig. <a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/america-china-output-per-worker-productivity-paradox-by-stephen-s--roach-2015-06\">Stephen S. Roach<\/a> formuliert es in Anlehnung an die rhetorische Spitze von Robert Solow in den 80er Jahren zum \u201eProduktivit\u00e4tsr\u00e4tsel\u201c so: \u201eDas ,Internet of Everything\u201c\u02dc ist \u00fcberall erkennbar au\u00dfer in den Produktivit\u00e4tsstatistiken.\u201c Barry Eichengreen, der bekannte Wirtschaftshistoriker aus Berkley, r\u00e4t zu mehr Geduld. Das h\u00f6here Produktivit\u00e4tswachstum warte um die Ecke. Die Angst vor s\u00e4kularer Stagnation sei unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Das Wachstum der Pro-Kopf-Einkommen in reichen L\u00e4ndern schw\u00e4chelt. Ausl\u00f6ser war aber weder die Finanz- noch die Euro-Krise. Mit dem Wachstum geht es schon l\u00e4nger bergab. Das tr\u00e4ge Wachstum der Besch\u00e4ftigung hat die Misere verst\u00e4rkt. Eine r\u00fcckl\u00e4ufige Erwerbsquote war der wichtigste Treiber. Diese Entwicklung w\u00e4chst sich allerdings mit der Generation der Baby-Boomer aus. Eine s\u00e4kulare Stagnation kann sie nicht begr\u00fcnden. Die wichtigste Ursache der Wachstumsschw\u00e4che ist das r\u00fcckl\u00e4ufige Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Der eigentliche St\u00f6renfried ist die r\u00fcckl\u00e4ufige Rate des technischen Fortschritts. Die Produktion von marktverwertbarem Wissen lahmt und verbreitet sich zu langsam. Noch hat die \u00d6konomie keine brauchbare Theorie, mit der sie k\u00fcnftige technologische Entwicklungen seri\u00f6s prognostizieren k\u00f6nnte<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>. Alle Prognosen sind eine Anma\u00dfung von Wissen. Es ist Aufgabe der Unternehmer herauszufinden, welche Technologien zukunftstr\u00e4chtig sind. Sie sind die <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5774\">Tr\u00fcffelschweine der Marktwirtschaft<\/a>. Mehr wirtschaftliche Freiheit macht ihnen das Leben leichter und uns alle wohlhabender.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Die Wachstumsrate des realen Einkommens pro Kopf kann in die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivit\u00e4t (Produktivit\u00e4tswachstum) und die Wachstumsrate der Arbeitsstunden pro Kopf (Besch\u00e4ftigungswachstum) zerlegt werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Die Wachstumsrate der Arbeitsstunden pro Kopf l\u00e4sst sich in die Wachstumsrate der Arbeitsstunden pro Erwerbst\u00e4tigen, die Wachstumsrate der Erwerbst\u00e4tigten pro Erwerbspersonen (Besch\u00e4ftigungsquote) und die Wachstumsrate der Erwerbspersonen pro Kopf (Erwerbsquote) zerlegen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Der Physiker Niels Bohr hat es so formuliert: \u201ePrognosen sind im Allgemeinen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beitr\u00e4ge der Serie &#8222;S\u00e4kulare Stagnation&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17427\">Nachfragemangel schw\u00e4cht langfristiges Wachstum. Gute Idee oder hei\u00dfe Luft?<\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/2161116bf8da490a95f658b09871c8e2\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMan kann das Computer-Zeitalter \u00fcberall sehen \u2013 au\u00dfer in den Produktivit\u00e4tsstatistiken.\u201c (Robert Solow, 1987) Das wirtschaftliche Wachstum kommt nicht richtig in Fahrt. 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