{"id":17896,"date":"2015-08-29T06:18:29","date_gmt":"2015-08-29T05:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17896"},"modified":"2021-12-12T10:50:35","modified_gmt":"2021-12-12T09:50:35","slug":"schuldenkrise-austeritaet-und-strukturreformenein-paar-einfache-wahrheiten-ueber-die-ewu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17896","title":{"rendered":"Schuldenkrise, Austerit\u00e4t und Strukturreformen <br\/><font size=3; color=grey>Ein paar &#8222;einfache&#8220; Wahrheiten \u00fcber die EWU <\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eSparen hei\u00dft, Geld, das man hat, nicht auszugeben \u2013 nicht, Geld nicht auszugeben, das man nicht hat&#8220;<\/em> (Manfred Rommel)<i><\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Wer st\u00e4ndig mehr ausgibt als er einnimmt, bekommt ein Problem, eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter. Zuerst schmilzt das Nettoverm\u00f6gen, dann wachsen die Schulden. Die Kredite werden teurer, der Schuldendienst nimmt zu, neue Kredite sind notwendig. Es wird immer schwieriger, das Leben \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse weiter zu finanzieren. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die Gl\u00e4ubiger den Hahn zudrehen. Dem Schuldner bleiben nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder er verringert seine Ausgaben oder er erh\u00f6ht seine Einnahmen. Das gilt f\u00fcr Haushalte und Unternehmen. Es ist aber auch bei L\u00e4ndern nicht anders.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Schuldenkrise<\/b><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens die Eurokrise brachte es an den Tag: In der EWU ist die staatliche Verschuldung zu hoch. Schon bei Ausbruch der Krise standen viele ihrer Mitglieder zu stark in der Kreide. Mit den Krediten finanzierten die Staaten immer seltener staatliche Investitionen. Immer \u00f6fter wurden auch gro\u00dfe Teile des (konsumtiven) Sozialstaates auf Pump gekauft. Das wirtschaftliche Wachstum litt. In der Finanz- und Euro-Krise wuchs der staatliche Schuldenturm weiter. In einigen L\u00e4ndern wurde die staatliche Verschuldung nicht mehr tragf\u00e4hig. Das Vertrauen der privaten Kapitalm\u00e4rkte schwand rapide. In L\u00e4ndern der Peripherie kam es zum \u201esudden stop\u201c.<\/p>\n<p>Nun war in den Krisenl\u00e4ndern der EWU guter Rat teuer. \u00d6ffentliche Kapitalgeber ersetzten private. Fiskalische (und monet\u00e4re) Rettungsschirme machten es m\u00f6glich. Die Steuerzahler der Gl\u00e4ubigerl\u00e4nder hatten aber wenig Lust, die Zeche der Schuldnerl\u00e4nder zu zahlen. Sie forderten von ihnen ein Ende der \u201eParty\u201c. Es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, die staatlichen Haushalte der Schuldnerl\u00e4nder zu konsolidieren. Nachhaltig in Ordnung gebracht werden sie aber meist nur, wenn konsumtive staatliche Ausgaben zur\u00fcckgefahren werden. Schief geht es oft, wenn allein die Steuern erh\u00f6ht werden. Die erste Variante ist eine \u201egute\u201c Austerit\u00e4t, die zweite eine \u201eschlechte\u201c.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Haushaltskonsolidierung<\/b><\/p>\n<p>Es ist nicht damit getan, konsumtive staatliche Ausgaben zu k\u00fcrzen. Auch die Struktur von Ausgaben und Einnahmen muss auf den Pr\u00fcfstand. Investive Ausgaben m\u00fcssen ein gr\u00f6\u00dferes, konsumtive ein geringeres Gewicht erhalten. Damit f\u00fchrt aber an einer Reform des Sozialstaates kein Weg vorbei. Das senkt die konsumtiven Ausgaben. Solche Reformen sind aber ein politisches Himmelfahrtskommando. Auch die Struktur der Einnahmen kann nicht so bleiben. Das Gewicht der direkten Steuern auf Einkommen muss sinken, das der indirekten Steuern auf den Konsum (\u201efiskalische\u201c Abwertung) weiter steigen. Vor allem der (verteilungs-)politische Widerstand ist aber erheblich.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die Politik oft versucht, defizit\u00e4re staatliche Haushalte \u00fcber die Einnahmeseite zu konsolidieren. Der Versuch scheitert meist, wenn Steuern und Abgaben erh\u00f6ht werden. H\u00f6here effektive Steuer- und Abgabens\u00e4tze schw\u00e4chen die Anreize von Arbeitnehmern und Unternehmen zu arbeiten, zu sparen und zu investieren. Damit werden die Quellen des wirtschaftlichen Wachstums versch\u00fcttet. H\u00f6here Einnahmen erweisen sich als Illusion. Der Schuldenfalle entkommen L\u00e4nder nur, wenn sie es schaffen, st\u00e4rker zu wachsen. Die staatlichen Einnahmen nehmen dann zu, ohne dass die anreizsch\u00e4dlichen marginalen Belastungen mit Steuern und Abgaben steigen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Strukturreformen<\/b><\/p>\n<p>Wirtschaftliches Wachstum f\u00e4llt nicht wie Manna vom Himmel. Die L\u00e4nder m\u00fcssen schon etwas daf\u00fcr tun. Eine h\u00f6here internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist eine gro\u00dfe Hilfe. Gerade daran mangelt es aber in den Krisenl\u00e4ndern in der EWU. Mit der Einf\u00fchrung des Euro sanken dort die realen Zinsen. Das verzerrte die Allokation. Human- und Realkapital wurden wenig produktiv eingesetzt. Die holl\u00e4ndische Krankheit griff um sich. Der (Sozial)Staat wurde weiter ausgebaut. Das alles lie\u00df die Kosten der Produktion explodieren. Die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit ging verloren. Die L\u00e4nder in der Krise haben nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder sie werden besser oder billiger.<\/p>\n<p>Das eine wie das andere gelingt nicht ohne Strukturreformen. Der Wettbewerb auf G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkten muss intensiver werden. Nicht nur in den Krisenl\u00e4ndern sind die Arbeitsm\u00e4rkte verriegelt. Stark segmentierte Arbeitsm\u00e4rkte dominieren. Die Arbeitslosigkeit ist skandal\u00f6s hoch. Das geht vor allem zu Lasten der jungen Generation. Aber auch die G\u00fcter- und Dienstleistungsm\u00e4rkte sind oft verriegelt. Der Zugang ist versperrt, Vetternwirtschaft bl\u00fcht. Junge, dynamische Unternehmen kommen nur schwer in den Markt. Die Produktivit\u00e4tsfortschritte lassen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Eine hohe Arbeitslosigkeit und zu wenig Innovation bremsen das wirtschaftliche Wachstum.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Krisenl\u00e4nder der EWU k\u00e4mpfen mit zweierlei: Einer Verschuldung, die nicht tragf\u00e4hig ist und strukturellen Defiziten, die G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte verriegeln. Dagegen helfen nur eine Politik der \u201eguten\u201c Austerit\u00e4t und mehr Wettbewerb auf den M\u00e4rkten. Das eine ist wie das andere kurzfristig sehr schmerzhaft. Ohne diese bittere Medizin gesunden allerdings die Krisenl\u00e4nder wirtschaftlich nicht. Schon auf mittlere Sicht verspricht diese Therapie aber mehr wirtschaftliches Wachstum und mehr Wohlstand f\u00fcr alle. Austerit\u00e4t und Strukturreformen sind alternativlos. Richtig ist allerdings auch: Mit einer eigenen W\u00e4hrung w\u00fcrden die Krisenl\u00e4nder schneller wachsen und gesunden.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Eine k\u00fcrzere Version des Beitrages erscheint in <a href=\"https:\/\/www.bdvb.de\/de\/medien-presse\/bdvb-aktuell.html\">bdvd-aktuell<\/a>, Nr. 130.<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: Austerit\u00e4t und Strukturreformen&lt;br\/&gt;&lt;small&gt;Wenn nicht jetzt, wann dann?&lt;\/small&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9188\" rel=\"bookmark\">Austerit\u00e4t und Strukturreformen. Wenn nicht jetzt, wann dann?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: Austerit\u00e4t und Strukturreformen&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;Wirtschaftspolitisches Teufelszeug oder bittere Medizin?&lt;\/small&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12343\" rel=\"bookmark\">Austerit\u00e4t und Strukturreformen. 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