{"id":17994,"date":"2015-09-18T09:19:51","date_gmt":"2015-09-18T08:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17994"},"modified":"2026-01-13T16:09:51","modified_gmt":"2026-01-13T15:09:51","slug":"ungleichheit-heute-30wirtschaftliche-ungleichheit-staatliche-umverteilung-und-soziale-mobilitaetbesteht-wirtschaftspolitischer-handlungsbedarf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17994","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Ungleichheit heute (30)<\/font><br\/>Ungleichheit, Umverteilung und Mobilit\u00e4t <br\/><font size=3; color=grey>Besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf? <\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eIm Allgemeinen besteht die Kunst des Regierens darin, einem Teil der Bev\u00f6lkerung so viel Geld wie m\u00f6glich wegzunehmen, um es dem anderen Teil nachzuwerfen.\u201c (Voltaire)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es gibt nicht viel, was die Welt immer wieder aufs Neue erregt. Die ungleiche Verteilung der Einkommen z\u00e4hlt dazu. Dabei entwickelt sich die Ungleichheit eher ambivalent. Die Kluft zwischen armen und reichen L\u00e4ndern wird weltweit kleiner. Allerdings verteilen sich die Einkommen in den L\u00e4ndern ungleicher. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15366\">Externe Konvergenz <\/a>und interne Divergenz gehen Hand in Hand. Die Diskussion um Ungleichheit ist ein politischer Dauerbrenner. Vor allem in Europa wird der Ruf nach mehr staatlicher Umverteilung lauter. Er wird von der moralisierenden Kraft der \u201eGerechtigkeit\u201c getrieben. Allokative und politische Risiken und Nebenwirkungen der Ungleichheit spielen eher eine Nebenrolle. In den USA l\u00e4uft die Diskussion trotz international relativ hoher Ungleichheit anders. Dort steht nicht so sehr die Ergebnis-, sondern die Chancengleichheit vorne auf der verteilungspolitischen Agenda. Nicht die steigende Ungleichheit der Einkommen, sondern die soziale Mobilit\u00e4t ist das Thema, das vor allem die Mittelschicht besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Wirtschaftliche Ungleichheit<\/b><\/p>\n<p>Es ist unbestritten, die Einkommen verteilen sich seit einiger Zeit in den meisten entwickelten L\u00e4ndern ungleicher. Die entscheidende Gr\u00f6\u00dfe ist das Haushaltseinkommen. Es enth\u00e4lt neben dem Arbeitseinkommen alle anderen Arten von Eink\u00fcnften der Haushaltsmitglieder, auch Kapitaleinkommen. Bei den Haushaltseinkommen muss zwischen Markt- und verf\u00fcgbarem Einkommen unterschieden werden. Die Markteinkommen sind die Einkommen vor staatlicher Umverteilung, die verf\u00fcgbaren Einkommen die Einkommen nach Umverteilung. Vor allem die Markteinkommen verteilen sich seit langem ungleicher. In der angels\u00e4chsischen <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=120\">Welt<\/a> begann der Prozess der Ungleichheit schon Mitte der 70er Jahre. Dagegen entwickelten sich die Einkommen in den anderen drei \u201eWelten\u201c erst ein Jahrzehnt sp\u00e4ter ungleicher. Das h\u00f6chste, fast gleiche Niveau der Ungleichheit weisen seit Mitte der 80er Jahre durchgehend die L\u00e4nder der angels\u00e4chsischen und der mediterranen Welt auf. Die L\u00e4nder der nordischen und kontinentalen Welt spielen bei den Markteinkommen in einer anderen, \u201egleicheren\u201c Liga.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Ungleichheit\" src=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb1.png\" alt=\"Ungleichheit\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Allerdings entwickeln sich die Ungleichheiten in den L\u00e4ndern der Welten recht unterschiedlich. In der nordischen Welt fallen seit Mitte der 00er Jahre sowohl D\u00e4nemark (stark steigend) als auch Norwegen (stark fallend) aus dem Rahmen. Den st\u00e4rksten Anstieg der Ungleichheit in der angels\u00e4chsischen Welt weisen nicht die USA auf. In Gro\u00dfbritannien stieg die Ungleichheit noch st\u00e4rker. Den h\u00f6chsten Anstieg der Ungleichheit in den L\u00e4ndern der kontinentalen Welt weist Deutschland auf. Es unterscheidet sich kaum von Frankreich, dem langj\u00e4hrigen Spitzenreiter der Marktungleichheit. In der mediterranen Welt h\u00e4lt Portugal die Spitze der Ungleichheit. Den gr\u00f6\u00dften Anstieg verzeichnete Spanien in der Zeit des enormen wirtschaftlichen Aufschwungs in den 90er Jahren. Die Euro-Krise hat allerdings die Ungleichheit noch einmal verst\u00e4rkt. In den Welten entwickelt sich die Ungleichheit der Markteinkommen durchaus unterschiedlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Ungleichheit\" src=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb2.png\" alt=\"Ungleichheit\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>\u00dcber die Ursachen ungleicher Markteinkommen herrscht unter \u00d6konomen keine Einigkeit. Es tobt ein <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11656\">\u201eKrieg der Modelle\u201c<\/a>. Die Fronten sind un\u00fcbersichtlich. Unbestritten ist: Vor allem Globalisierung, Technologie und Institutionen treiben die Ungleichheit. Die ersten beiden k\u00f6nnen erkl\u00e4ren, warum die Ungleichheit der Markteinkommen in allen vier Welten in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Globalisierung und technischer Fortschritt erh\u00f6hen den Wohlstand aller. Allerdings meinen sie es mit den unteren Einkommen weniger gut als mit den oberen. Die Unterschiede in den einzelnen L\u00e4ndern resultieren aus unterschiedlichen institutionellen Arrangements. Das gilt nicht nur f\u00fcr die demographische Entwicklung, es trifft auch f\u00fcr die Arrangements auf den nationalen Arbeitsm\u00e4rkten zu. National ungleiche Entwicklungen in den Arbeitszeiten von Hoch- und Niedrigl\u00f6hnern, des strukturellen Wandels, der Frauenerwerbsquote, der Haushaltsgr\u00f6\u00dfe und der Homogamie tragen dazu bei, dass L\u00e4nder unterschiedlich stark vom Trend abweichen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Staatliche Umverteilung<\/b><\/p>\n<p>Die ungleiche Verteilung der Markteinkommen l\u00f6st bei der Politik <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/dspace\/bitstream\/10419\/112728\/1\/829622683.pdf\">umverteilungspolitische Reflexe<\/a> aus. \u00dcberall fordert die Politik (noch) mehr Umverteilung von oben nach unten. Nur: Was ist eigentlich schlecht an marktlicher Ungleichheit? Orientiert man sich an der \u00f6konomischen Effizienz, gibt es \u201egute\u201c und \u201eschlechte\u201c Ungleichheit. \u201eGut\u201c ist sie, wenn sie Anreize setzt, verst\u00e4rkt in Human- und Realkapital sowie technisches Wissen zu investieren. \u201eSchlecht\u201c ist sie, wenn sie entsteht, weil fehlende wettbewerbliche Strukturen auf den M\u00e4rkten zu monopolistischen Renten f\u00fchren. Tats\u00e4chlich wird die Forderung nach mehr Umverteilung aber zumeist nicht allokativ begr\u00fcndet, sondern mit mehr \u201eGerechtigkeit\u201c. Gerechtigkeit ist keine \u00f6konomische, sie ist eine philosophische Kategorie. Normative Kriterien dominieren. Was gerecht ist, h\u00e4ngt stark vom Standpunkt des Betrachters ab. Eine Einigung ist bei individuellen Werturteilen schwer m\u00f6glich. Allerdings gibt es ein allgemein akzeptiertes Werturteil: Die Garantie eines Existenzminimums.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t sieht anders aus. \u00dcberall wird mehr umverteilt, als notwendig w\u00e4re, Armut wirksam zu bek\u00e4mpfen. Der Grund ist ein polit-\u00f6konomischer. Staatliche Umverteilung ist in Demokratien auch ein Parameter der Politiker im Wettbewerb auf den W\u00e4hlerstimmenm\u00e4rkten. Allerdings verteilen die Politiker in den vier Welten unterschiedlich viel um. In der nordischen Welt wird traditionell mehr als anderswo umverteilt, obwohl die Markteinkommen weniger ungleich verteilt sind. Beides trifft auch f\u00fcr die L\u00e4nder der kontinentalen Welt zu. Allerdings f\u00e4llt dort die Umverteilung nicht nur geringer aus als in den nordischen L\u00e4ndern. Die Politik hat auch weniger stark auf den Anstieg der marktlichen Ungleichheit reagiert. In der mediterranen und angels\u00e4chsischen Welt wird am wenigsten umverteilt. Die angels\u00e4chsischen L\u00e4nder haben schnell und sp\u00fcrbar auf die steigende Ungleichheit reagiert. Das war in der mediterranen Welt anders. Dort reagierte die Politik nur mit Verz\u00f6gerung auf die steigende Ungleichheit der Markteinkommen. Erst ab der Jahrtausendwende verteilte sie mehr um.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Ungleichheit\" src=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb3.png\" alt=\"Ungleichheit\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Verteilung der verf\u00fcgbaren Einkommen ist \u00fcberall weniger ungleich als die Verteilung der Markteinkommen. An der Spitze der Ungleichheit \u00e4ndert sich allerdings wenig. Die angels\u00e4chsische Welt ist noch ungleicher als die mediterrane. In beiden Welten sind die Markteinkommen und die verf\u00fcgbaren Einkommen am ungleichm\u00e4\u00dfigsten verteilt. Die Unterschiede in der Ungleichheit sind aber gering. Am gleichm\u00e4\u00dfigsten sind die verf\u00fcgbaren Einkommen in der nordischen Welt verteilt. Die kontinentale Welt folgt mit gewissem Abstand. Den L\u00e4ndern der nordischen Welt gelingt es mit umverteilungspolitischen Aktivit\u00e4ten, die Rangfolge der Ungleichheit der Markteinkommen umzukehren. Von der These der stark wachsenden Ungleichheit bleibt in den nordischen und kontinentalen L\u00e4ndern nicht viel, wenn man auf die Verteilung der verf\u00fcgbaren Einkommen schaut. Das ist in den mediterranen und angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern anders. Dort steigt nicht nur die Ungleichheit der Markt-, sondern auch die der verf\u00fcgbaren Einkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Ungleichheit\" src=\"\/wordpress\/bilder\/ung30abb4.png\" alt=\"Ungleichheit\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Soziale Mobilit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p>Die Ungleichheit der Markteinkommen steigt an, die staatliche Umverteilung nimmt zu, an der Verteilung der verf\u00fcgbaren Einkommen \u00e4ndert sich wenig. Dieses Muster gilt f\u00fcr nordische und kontinentale Welten. Es trifft nicht f\u00fcr die mediterranen und angels\u00e4chsischen L\u00e4nder zu. Dort h\u00e4lt die staatliche Umverteilung mit der steigenden Ungleichheit der Markteinkommen nicht Schritt. Das kann zum einen daran liegen, dass die Nachfrage \u00e4rmerer Schichten nach staatlicher Umverteilung gering ist. Die signifikant geringere Wahlbeteiligung \u00e4rmerer Schichten ist ein Indikator. Es ist auch denkbar, dass die Stimmen der Reicheren im politischen Prozess mehr wert sind als die Stimmen der \u00c4rmeren. Die W\u00e4hler fragen staatliche Umverteilung zum anderen aber vielleicht auch deshalb weniger nach, weil die Pr\u00e4ferenz f\u00fcr (Ergebnis-)Gleichheit wenig, die f\u00fcr (Chancen-)Gleichheit dagegen stark ausgepr\u00e4gt ist. Das d\u00fcrfte der Fall sein, wenn \u00e4rmere W\u00e4hler fest davon \u00fcberzeugt sind, dass sie oder ihre Kinder gute Chancen haben, sozial aufzusteigen.<\/p>\n<p>In den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern scheint der Wunsch nach Chancengleichheit st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als anderswo. Von Ergebnisgleichheit und Umverteilung halten sie eher weniger. Vor allem in den USA ist der Glaube nach wie vor gro\u00df, vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r aufsteigen zu k\u00f6nnen. Auch die Hoffnung, dass es die eigenen Kinder einmal besser haben werden, ist noch immer weit verbreitet. Tats\u00e4chlich ist aber weder die berufliche (intra-generative) noch die inter-generative Mobilit\u00e4t sehr ausgepr\u00e4gt. Sie ist eine gepflegte Illusion. Die USA befindet sich unter den reichen L\u00e4ndern eher im Hinterfeld. Ganz vorne sind die nordischen L\u00e4nder, die aber auch mehr als alle anderen umverteilen. Allerdings setzen sie weniger auf direkte, monet\u00e4re Umverteilung \u00fcber Steuern und Transfers. Sie verteilen st\u00e4rker <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14886\">indirekt<\/a> um, indem sie in vieles (Kinderg\u00e4rten, Schulen etc.) investieren, das Humankapital f\u00f6rdert. Auf diesem Weg erh\u00f6hen sie die soziale Mobilit\u00e4t. Damit werden eine gleichm\u00e4\u00dfigere Verteilung und ein hohes wirtschaftliches Wachstum m\u00f6glich. Der Zielkonflikt zwischen Allokation und Verteilung wird entsch\u00e4rft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/berthold\/berthold_umvert5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Mobilit\u00e4t\" src=\"\/wordpress\/bilder\/berthold\/berthold_umvert5.png\" alt=\"Mobilit\u00e4t\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/dspace\/bitstream\/10419\/102662\/1\/797133321.pdf\">Was treibt die soziale Mobilit\u00e4t<\/a>? Bildung, Familie und Arbeitsm\u00e4rkte sind die neuralgischen Punkte. Private und staatliche Investitionen in Humankapital erh\u00f6hen die soziale Mobilit\u00e4t. Eine geringere Streuung der Qualit\u00e4t der Schulen wirkt in dieselbe Richtung. Ebenfalls positiv ist alles, was die soziale Segregation verringert. So wird auch f\u00fcr \u00e4rmere Schichten der Zugang zu den Institutionen der Bildung leichter. Ebenfalls positiv auf die soziale Mobilit\u00e4t wirken stabile Familienstrukturen. Kinder, die in Familien mit zwei Elternteilen aufwachsen, haben bessere berufliche Aufstiegschancen. Ein gut ausgebautes staatliches Kindergarten- und Schulsystem kann allerdings den negativen Einfluss instabiler Familien verringern. Positiv auf die soziale Mobilit\u00e4t wirkt auch ein funktionierender Arbeitsmarkt. Er f\u00fchrt zu stabileren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen gerade auch einfacher Arbeit im forcierten strukturellen Wandel. Die popul\u00e4re These des Princeton-\u00d6konomen Alan B. Krueger allerdings, dass gleichm\u00e4\u00dfiger verteilte Einkommen die soziale Mobilit\u00e4t erh\u00f6hen (\u201eGreat Gatsby\u201c-Kurve), <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15746\">steht empirisch auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/berthold\/berthold_umvert6.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Great-Gatsby\" src=\"\/wordpress\/bilder\/berthold\/berthold_umvert6.png\" alt=\"Great-Gatsby\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Politischer Handlungsbedarf<\/b><\/p>\n<p>Wer die ungleiche Verteilung der Einkommen verringern will, ohne gro\u00dfe allokative Risiken einzugehen, sollte weniger auf monet\u00e4re staatliche Umverteilung setzen. Die ist allerdings nach wie vor notwendig, um ein Existenzminim zu garantieren. Er sollte vielmehr alles tun, die soziale Mobilit\u00e4t zu f\u00f6rdern. Die <a href=\"http:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007%2Fs10273-014-1737-z\">wichtigsten Ansatzpunkte<\/a> liegen auf der Hand: Stabilere Familien, bessere Schulen und flexiblere Arbeitsm\u00e4rkte. Zweierlei kann helfen, Familien zu stabilisieren. Fl\u00e4chendeckende Kindergrippen, Kinderg\u00e4rten und Ganztagsschulen sind das eine. Flexiblere Arbeitszeit-Modelle sind das andere. Beides tr\u00e4gt dazu bei, dass sich Beruf und Familie leichter vereinbaren lassen. Dabei tun sich zwei Probleme auf: 1) Wie stark soll sich der Staat an der Finanzierung der Investitionen in Humankapital beteiligen? Die Diskussion um Geb\u00fchren f\u00fcr Kinderg\u00e4rten und Studium ist kontrovers. 2) Wie intensiv soll sich der Staat in die Erziehung der Kinder einmischen? Die Diskussion um das Betreuungsgeld wird hierzulande nicht weniger erregt gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t der Schulen l\u00e4sst sich nur mit einem <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13983\">ganzen B\u00fcndel<\/a> von Ma\u00dfnahmen verbessern. Das zeigt zumindest die <a href=\"http:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/docserver\/download\/9612021ec011.pdf?expires=1442505522&amp;id=id&amp;accname=oid021421&amp;checksum=844E9A11886925F640DB5D67ACBDC0EB\">internationale Bildungsforschung<\/a>. Ein wichtiges Element ist die nicht zu fr\u00fche Trennung der Sch\u00fcler im Schulsystem. Damit Schulen kein \u201eRosinenpicken\u201c betreiben und bessere Sch\u00fcler bevorzugt aufnehmen, sollten daneben die staatlichen finanziellen Zuweisungen an die Schulen f\u00fcr schlechtere Sch\u00fcler h\u00f6her dotiert sein. Das niederl\u00e4ndische \u201eFormula-Funding\u201c-Programm zeigt, wie es gehen k\u00f6nnte. Ein drittes Element k\u00f6nnten Bildungsgutscheine sein. Sie entfalten ihre Wirkung aber nur, wenn sie mit \u201eFormula-Funding\u201c kombiniert werden. Dann allerdings schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Segregation der Sch\u00fcler nach sozio-kulturellem und \u00f6konomischem Hintergrund wird verringert, der Wettbewerb zwischen den Schulen intensiviert. Schulen werden aber auch besser, wenn es auch die Lehrer werden. Der Staat muss deshalb daf\u00fcr Sorge tragen, dass die Lehrer besser ausgebildet werden. Schlie\u00dflich erh\u00f6ht auch eine intensivere Betreuung der Sch\u00fcler die Qualit\u00e4t der Schulen.<\/p>\n<p>Ein anderer wichtiger Baustein f\u00fcr eine h\u00f6here soziale Mobilit\u00e4t sind flexible Arbeitsm\u00e4rkte. Der berufliche Aufstieg h\u00e4ngt ganz wesentlich davon ab, wie stabil die individuelle Besch\u00e4ftigung ist. Eine stabile Besch\u00e4ftigung entscheidet durch \u201etraining on the job\u201c, wie sich die individuelle Arbeitsproduktivit\u00e4t und damit die Arbeitseinkommen entwickeln. Alle Unterbrechungen durch Arbeitslosigkeit hinterlassen Narben in der individuellen Karrierebiographie. Die Gefahr von Arbeitslosigkeit ist gering, wenn L\u00f6hne, Lohnstrukturen und Arbeitszeiten flexibel und die Arbeitnehmer r\u00e4umlich und beruflich mobil sind. Den Tarifvertragsparteien f\u00e4llt die Aufgabe zu, f\u00fcr solche Bedingungen zu sorgen. Aber auch der Staat kann helfen, die Besch\u00e4ftigung zu stabilisieren. Die nordischen L\u00e4nder haben gezeigt, dass eine Politik der <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10738\">\u201eFlexicurity\u201c<\/a> dazu beitragen kann, die Arbeitslosigkeit gering zu halten. Ein geringer K\u00fcndigungsschutz, eine gro\u00dfz\u00fcgige Arbeitslosenversicherung, eine effiziente aktive Arbeitsmarktpolitik und dezentrale Tarifverhandlungen auf betrieblicher Ebene sind die wichtigsten Zutaten einer solchen Politik.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die traditionelle Antwort auf mehr wirtschaftliche Ungleichheit ist mehr monet\u00e4re staatliche Umverteilung. Wirklich effizient ist allerdings eine solche L\u00f6sung in der Regel nicht. Alle Steuer-Transfer-Systeme haben allokative Risiken und Nebenwirkungen. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, das wirtschaftliche Wachstum leidet. Oft ist diese konventionelle Form der staatlichen Umverteilung nicht nur effizienzverschlingend, sie ist auch distributiv nur \u201eHandelsklasse C\u201c. Die Logik demokratischer Ordnungen verhindert, dass in erster Linie von \u201eReich zu Arm\u201c umverteilt wird. Der politische Wettbewerb erzwingt prim\u00e4r eine Umverteilung in der Mittelklasse von den \u201enicht ganz Reichen zu den nicht ganz Armen\u201c (Bernhard K\u00fclp). Das Grund\u00fcbel liegt darin, dass zumeist Ergebnisgleichheit angestrebt wird. Der Zielkonflikt zwischen Allokation und Verteilung kann allerdings verringert werden, wenn verst\u00e4rkt <a href=\"http:\/\/ftp.iza.org\/dp7520.pdf\">Chancengleichheit<\/a> angepeilt wird. Das ad\u00e4quate Instrument ist mehr soziale Mobilit\u00e4t. Setzt man an den wichtigsten Treibern der sozialen Mobilit\u00e4t an, schl\u00e4gt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Ungleichheit sinkt und das wirtschaftliche Wachstum steigt.<\/p>\n<p><strong>Beitr\u00e4ge der Serie <em>\u201cUngleichheit heute\u201c\u009d<\/em>:<\/strong><\/p>\n<p>Marcus Fraa\u00df: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Ungleichheit heute (29)&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Verm\u00f6gensmobilit\u00e4t&lt;br \/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Sind wir noch selbst unser Gl\u00fcckes Schmied?&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17039\" rel=\"bookmark\">Verm\u00f6gensmobilit\u00e4t. Sind wir noch selbst unser Gl\u00fcckes Schmied?<\/a><\/p>\n<p>Marcus Fraa\u00df: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15933\">Beamte und Selbstst\u00e4ndige \u2013 die Stars der Verm\u00f6gensverteilung. Welche Personengruppen besitzen das h\u00f6chste Verm\u00f6gen?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15790\">Warum wird nicht noch viel mehr umverteilt?<\/a><\/p>\n<p>Marcus Fraa\u00df: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15623\">Die Treiber der Verm\u00f6gensungleichheit. Warum besitzen 10 % der Bev\u00f6lkerung mehr als die H\u00e4lfte des Verm\u00f6gens?<\/a><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15529\">Lohngef\u00e4lle und Bildung in der offenen Gesellschaft<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15366\">Wie ungleich ist die Welt? Mythen, Fakten und Politik<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15065\">Rettet den Kapitalismus vor den Kapitalisten. Thomas Piketty auf den Spuren von Karl Marx.<\/a><\/p>\n<p>Marcus Fraa\u00df: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15057\">Wie ungleich ist die Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland? Noch ungleicher als die Einkommensverteilung<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14886\">Staatliche Umverteilung und soziale Mobilit\u00e4t. Eine verteilungspolitische Fata Morgana?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14754\">Die \u201cGreat Gatsby\u201c\u009d-Kurve. Mehr als politische Progaganda?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13583\">Des L\u00e4ba isch koin Schlotzer. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist grober Unfug.<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13983\">Bildung hilft, die Ungleichheit zu reduzieren<\/a><\/p>\n<p>Mustafa Coban: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13302\">Kombil\u00f6hne versus Working Poor. Der Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12684\">Geldpolitik und Ungleichheit. Machen Notenbanken die Welt ungleicher?<\/a><\/p>\n<p>Rainer Hank: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13021\">Ungleichheit und Gerechtigkeit: Was hat das miteinander zu tun?<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12673\">Ungleichheit und Krisen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12107\">\u201cReichtum ist distributive Umweltverschmutzung\u201c\u009d. H\u00f6here Steuern oder mehr Wettbewerb?<\/a><\/p>\n<p>Klaus Gr\u00fcndler: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=12214\">Ungleichheit und Wachstum<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11892\">Der amerikanische Traum \u2013 Bremst Ungleichheit die soziale Mobilit\u00e4t?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11933\">Der Staat pfl\u00fcgt die Verteilung um <\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11584\">Die Ungleichheit wird m\u00e4nnlicher<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11656\">Krieg der Modelle. Technologie oder Institutionen?<\/a><\/p>\n<p>Michael Gr\u00f6mling: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11703\">Einkommensverteilung \u2013 Vorsicht vor der Konjunktur!<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11140\">Die deutsche \u201cMitte\u201c\u009d ist stabil. Wie lange noch?<\/a><\/p>\n<p>Eric Thode: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11396\">Die Mittelschicht schrumpft \u2013 Wo liegt der Handlungsbedarf?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11388\">Geringe Stundenl\u00f6hne, kurze Arbeitszeiten. Treiben Frauen die Ungleichheit?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11133\">Deutschland wird ungleicher. Was sagt die Lohnverteilung?<\/a><\/p>\n<p>Simon Hurst: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10879\">Der Staat strapaziert die Schweizer Mittelschicht<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10851\">Einkommensungleichheit in OECD-L\u00e4ndern. Wo stehen wir?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=98\">Ungleichheit, soziale Mobilit\u00e4t und Humankapital<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/90ea1d5379734714b5c63b3cf440f9a8\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIm Allgemeinen besteht die Kunst des Regierens darin, einem Teil der Bev\u00f6lkerung so viel Geld wie m\u00f6glich wegzunehmen, um es dem anderen Teil nachzuwerfen.\u201c (Voltaire) &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17994\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Ungleichheit heute (30)<\/font><br \/>Ungleichheit, Umverteilung und Mobilit\u00e4t <br \/><font size=3; color=grey>Besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf? 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