{"id":18211,"date":"2015-10-30T06:18:37","date_gmt":"2015-10-30T05:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18211"},"modified":"2018-07-21T13:59:38","modified_gmt":"2018-07-21T12:59:38","slug":"koennen-open-access-modelle-das-geschaeftsmodell-der-wissenschafts-verlage-aufbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18211","title":{"rendered":"K\u00f6nnen Open Access Modelle das Gesch\u00e4ftsmodell der Wissenschaftsverlage aufbrechen?!"},"content":{"rendered":"<p>Schon allein die Name der etablierten Wissenschaftsmagazine wie \u201eNature\u201c, \u201eScience\u201c oder \u201eCell\u201c l\u00f6sen in der Fachwelt Ehrerbietung aus und sind selbst au\u00dferhalb der Wissenschaft wohl bekannt. So \u00fcberrascht es selbst den Laien nicht, dass Verlage im wissenschaftlichen Segment lukrative Unternehmen sind. Dass deren Gesch\u00e4ftsmodell jedoch auf Monopolrenditen, der \u00f6ffentlichen Finanzierung ihrer Beitr\u00e4ge und einem zumindest teilweisen Unterminieren des Wissensflusses beruht, ist in der breiten \u00d6ffentlichkeit weniger gel\u00e4ufig. Jedoch k\u00f6nnten Initiativen, die die vermehrte Nutzung von Open Access Verfahren zur Ver\u00f6ffentlichung von wissenschaftlichen Beitr\u00e4gen etablieren, dabei helfen, dieses Gesch\u00e4ftsmodell in seine Schranken zu weisen \u2013 sofern es die Forschungsgemeinde schafft sich von eingefahrenen und ausgetretenen Pfaden zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bedeutung der Wissenschaftsverlage f\u00fcr \u00d6ffentlichkeit und Fachwelt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der noch genauer zu erl\u00e4uternden berechtigten Kritik an den Wissenschaftsverlagen erf\u00fcllen diese nichtsweniger zahlreiche wichtige Funktionen im wissenschaftlichen Betrieb. Wohl eine der wichtigsten Aufgaben der Fachmagazine ist die Organisation der Selbstkontroll-Instanzen in der Forschungsgemeinde, dem sogenannten Peer Review. Hierbei \u00fcberpr\u00fcfen andere Wissenschaftler die Arbeit ihrer Kollegen, die ihre Forschungsergebnisse in den entsprechenden Fachmagazinen ver\u00f6ffentlichen wollen. Um diesen Kontrollmechanismus gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Verlage eine breite Basis mit gut vernetzten Wissenschaftler aufbauen und verwalten. Forschungsergebnisse m\u00fcssen in der Fachwelt disseminiert, Kritikpunkte erfasst und eine breite wissenschaftliche Diskussion erm\u00f6glicht werden. Es ist fraglich, inwiefern diese Funktionen \u00fcber Selbstorganisation durch Open Access Modelle in gleicher Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen. Neuere, auf Selbstorganisation der Forschungsgemeinde beruhende Kontroll-Instanzen, die denen der Wissenschaftsverlage in Nichts nachstehen, m\u00fcssen sich auch im Zeitalter der Digitalisierung erst einmal etablieren. Diese sollten neben einer ausreichenden Anzahl an Wissenschaftlern, die sich am Peer Review beteiligen, ebenso ein breites Spektrum an unterschiedlichen Disziplinen umfassen, um so ihr Open Access Modell zu komplementieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der erl\u00e4uterten Qualit\u00e4tskontrolle der eingereichten Artikel \u00fcbernehmen die Fachmagazine der Wissenschaftsverlage zugleich Filterfunktionen von wissenschaftlichen Arbeiten. Denn vor dem eigentlichen Peer Review pr\u00fcfen die Redakteure der Fachmagazine die generelle G\u00fcte der eingereichten Manuskripte und damit deren Annahmef\u00e4higkeit. Hierdurch unterbinden die Magazine jedoch den freien Wissensaustausch in der Fachwelt, zumal insbesondere die namhaften Fachmagazine ein sogenanntes Informationsembargo verh\u00e4ngen. Dabei wird der Wissenschaftler gen\u00f6tigt, seine Forschungsergebnisse exklusiv nur an das entsprechende Fachmagazin weiterzugeben und darf fr\u00fchestens eine Woche vor der eigentlichen Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber seine Erkenntnisse mit anderen Pressevertretern sprechen. Widersetzen sich die Forscher dieser Auflage, droht die Publikation im Fachmagazin zu platzen und der damit einhergehende Prestigegewinn in einer renommierten Fachzeitschrift plaziert worden zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit wagt es kaum ein Wissenschaftler, auf andere Pressevertreter konkurrierender Magazine zu zugehen, wodurch sich die Fachmagazine wie \u201eNature\u201c und \u201eScience\u201c das Monopol auf die Erstver\u00f6ffentlichung sichern. Dank dieser vorteilhaften Wettbewerbsposition, der im Wesentlichen auf den Impact Factor des jeweiligen Magazins zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, k\u00f6nnen es sich die Verlage erlauben, den Autoren und den am Peer Review beteiligten Wissenschaftlern kein Honorar f\u00fcr ihre Beitr\u00e4ge zu zahlen \u2013 schlie\u00dflich ist diese Arbeit Teil des Ehrenkodexes in der Wissenschaft. Somit profitieren diese Magazine von \u00f6ffentlich finanzierter Forschung w\u00e4hrend ihre hauseigenen formalen Vorgaben die Wissenschaftler gleichzeitig n\u00f6tigen, Redakteurs- und Layouter-Funktionen zu \u00fcbernehmen. Zudem f\u00e4llen die Wissenschaftsmagazine ihre endg\u00fcltige Entscheidung \u00fcber Annahme eines Beitrages oftmals erst Monate nach dessen Einreichen, w\u00e4hrend der Forscher gleichzeitig unter dem Informationsembargo keine M\u00f6glichkeit hatte, weiteren Magazinen sein Manuskript vorzulegen. Gerade in hochaktuellen Forschungsfragen an welchem zahlreiche konkurrierende Forschungsteams arbeiten, kann es somit passieren, dass nicht die Erstendecker, sondern die Erstver\u00f6ffentlicher den Ruhm ernten. Gegebenenfalls k\u00f6nnten hier zeitliche Obergrenzen \u2013 insbesondere f\u00fcr die meist langwierigen Peer Review Prozesse \u2013 Abhilfe schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Monopol in Gefahr!?<\/strong><\/p>\n<p>Ihr gro\u00dfes Renommee sichert den Verlagen nicht nur Exklusivrechte an den Beitr\u00e4gen, sondern gew\u00e4hrt Ihnen durch ihre Monopolstellung eine gesicherte Nachfrage, da Forschungseinrichtungen und Universit\u00e4tsbibliotheken an deren Magazine gebunden sind. Diese mangelnde Konkurrenz erm\u00f6glicht die horrenden Abonnement- und Anzeigenpreise in den Zeitschriften. Mit diesem Gesch\u00e4ftsgebaren bereiten sie jedoch nicht nur gr\u00f6\u00dferen Wissensinstitutionen Probleme. Selbst \u00c4rzten wird der freie Zugang zu medizinischen Ver\u00f6ffentlichungen untersagt und eine Geb\u00fchr f\u00fcr deren Abruf verlangt, was folglich den Einsatz neuerer Therapien verhindert bzw. unn\u00f6tig hinausz\u00f6gert.<br \/>\nZugegebenerma\u00dfen kommen diese Einnahmen nicht nur privaten Verlagsgruppen wie Holtzbrinck (\u201eNature\u201c) zugute. Beispielsweise steckt hinter \u201eScience\u201c die US-amerikanische Non-Profit-Organisation American Association for the Advancement of Science (AAAS), die die Einnahmen in den internationalen Wissenschaftsbetrieb reinvestiert. Dies mag zwar immer noch keine ausreichende Legitimation f\u00fcr die Monopolpreispolitik darstellen, aber zumindest werden in diesem Fall entstehende Renditen dem wie auch immer definierten Gemeinwohl zugef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mittlerweile gibt es jedoch Entwicklungen, die die Marktmacht der gro\u00dfen Wissenschaftsmagazine ins Wanken bringen. Wie in vielen Bereichen des (Wirtschafts-)Lebens spielt hierbei das Internet eine entscheidende Rolle. Beispielsweise ist die im Jahr 2001 von Wissenschaftler gegr\u00fcndete \u201ePublic Library of Science\u201c (PLoS) eine Initiative, das Informationsembargo zu brechen. Diese NGO fungiert als Plattform, wo Forscher Ihre Artikel online ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen und diese anschlie\u00dfend frei zug\u00e4nglich sind sowie einem Peer Review unterzogen werden k\u00f6nnen. Obwohl bei diesem Open Access Modell die Kosten einer Ver\u00f6ffentlichung von ca. 2000 US-Dollar die Wissenschaftler selbst tragen, ist es mittlerweile so erfolgreich, dass mehrere Ableger f\u00fcr unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen entstanden. Weniger kostenintensiv, aber in aller Regel weniger publikumswirksam sind die Universit\u00e4tsserver, auf denen Wissenschaftler ihre Beitr\u00e4ge nach einer entsprechenden Begutachtung hochladen k\u00f6nnen und fortan ebenfalls kostenfrei zug\u00e4nglich sind. Online-Ver\u00f6ffentlichungen bieten zudem die M\u00f6glichkeit, weitere multimediale Inhalte wie Bilder, Videos und Scans zu erg\u00e4nzen. Gleichzeitig kann der gesamte Forschungsprozess genau dokumentiert werden anstatt wie bei der analogen Variante, welche weiterhin das \u00fcbliche Medium der Wissenschaftsverlage ist, nur dessen Resultate zu pr\u00e4sentieren. Auch die wissenschaftliche Diskussion kann auf vielf\u00e4ltigere und vor allem direktere Weise vonstattengehen, als dies auf dem klassischen Wege via Printmedien m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Trotz derartiger Projekte und der \u00dcberlegenheit digitaler Ver\u00f6ffentlichungen wird sich das Monopol der Wissenschaftsverlage in den meisten Forschungsfeldern wohl auch zuk\u00fcnftig nur schwer brechen lassen. Denn auch heute h\u00e4ngen wissenschaftliche Karrieren noch immer vor allem vom eigenen Renommee ab, das gerade durch Ver\u00f6ffentlichungen in namhaften Zeitschriften aufgebaut wird. Solange sich diese Einstellung in der Wissenschaftsgemeinde nicht \u00e4ndert, bleibt zu hoffen, dass erste Experimente der gro\u00dfen Wissenschaftsverlage mit Open Peer Review (\u201eNature\u201c) und digitalen Ver\u00f6ffentlichungen sich etablieren und der wissenschaftliche Diskurs angeregt und beschleunigt wird. Sollten sich die angestammten Wissenschaftsverlagen jedoch weiterhin zu zaghaft der digitalen Welt \u00f6ffnen und exorbitante Abonnementpreise verlangen, werden sie damit wom\u00f6glich nur Ihre internetbasierte Open Access Konkurrenz st\u00e4rken, was auf kurz oder lang ihre eigene Obsoleszenz bedingen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon allein die Name der etablierten Wissenschaftsmagazine wie \u201eNature\u201c, \u201eScience\u201c oder \u201eCell\u201c l\u00f6sen in der Fachwelt Ehrerbietung aus und sind selbst au\u00dferhalb der Wissenschaft wohl &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18211\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eK\u00f6nnen Open Access Modelle das Gesch\u00e4ftsmodell der Wissenschaftsverlage aufbrechen?!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":23281,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2042],"tags":[2046,2043,2047,2044,2045],"class_list":["post-18211","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-publizistisches","tag-nature","tag-open-access","tag-science","tag-wissenschaftsverlage","tag-zeitschriften"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>K\u00f6nnen Open Access Modelle das Gesch\u00e4ftsmodell der Wissenschaftsverlage aufbrechen?! 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