{"id":18255,"date":"2015-11-09T00:01:39","date_gmt":"2015-11-08T23:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18255"},"modified":"2015-11-08T16:44:41","modified_gmt":"2015-11-08T15:44:41","slug":"gastbeitragder-fluechtlingsstrom-wird-das-deutsche-demografie-problem-kaum-loesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18255","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br\/>Der Fl\u00fcchtlingsstrom wird das deutsche Demografie-Problem kaum l\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland altert, so viel ist sicher. Seit den 1970er Jahren sinken die Geburtenzahlen und die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge (1955-1969) r\u00fccken in der \u201eAlterspyramide\u201c immer weiter nach oben. Die \u00c4lteren von ihnen n\u00e4hern sich allm\u00e4hlich dem Renteneintritt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Das umlagefinanzierte Sozialversicherungssystem kommt in Bedr\u00e4ngnis, wenn die Zahl der Leistungsempf\u00e4nger im Verh\u00e4ltnis zu den Leistungserbringern deutlich steigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"quitzabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb1.png\" alt=\"quitzabb1\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00d6ffentliche Finanzen: Nachhaltigkeitsl\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Die Folgen der demografischen Entwicklung f\u00fcr das Sozialversicherungssystem lassen sich in Zahlen fassen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der sogenannte Altenquotient im Jahr 2013 bei rund 34\u00c2\u00a0%. Der Altenquotient wird gebildet, indem die Anzahl der Personen im Alter von \u00fcber 65 Jahren durch die Anzahl der Personen im erwerbsf\u00e4higen Alter (20 bis 65 Jahre) geteilt wird. Auf 100 Personen im erwerbsf\u00e4higen Alter kamen 2013 also 34 Personen im Rentenalter. Bis zum Jahr 2030 wird der Altenquotient laut der 13. koordinierten Bev\u00f6lkerungsvorausberechnung auf 50\u00c2\u00a0% und bis 2060 auf rund 65\u00c2\u00a0% steigen. Die erwerbsf\u00e4hige Bev\u00f6lkerung wird demnach im Jahr 2060 ungef\u00e4hr doppelt so viele Personen im Ruhestand finanzieren m\u00fcssen wie heute.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"quitzabb2\" src=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb2.png\" alt=\"quitzabb2\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Das deutsche Sozialversicherungssystem ist angesichts dieser Zahlen nicht nachhaltig finanziert. Das Forschungszentrum Generationenvertr\u00e4ge der Universit\u00e4t Freiburg errechnet f\u00fcr Deutschland und die \u00fcbrigen EU-Staaten regelm\u00e4\u00dfig die im Sozialversicherungssystem versteckte implizite Staatsverschuldung. Die Leistungsversprechen des Staates, die bei gegebenen Steuer- und Abgabes\u00e4tzen angesichts der demografischen Konstellation nicht durch entsprechende Einnahmen gedeckt sind, sind betr\u00e4chtlich. Zwar h\u00e4ngt die H\u00f6he der Nachhaltigkeitsl\u00fccke von den Annahmen \u2013 zum Beispiel \u00fcber das k\u00fcnftige Wirtschaftswachstum \u2013 ab. Selbst unter g\u00fcnstigen Bedingungen d\u00fcrfte die implizite Staatsschuld den offiziellen Schuldenstand der Bundesrepublik (aktuell rund 75\u00c2\u00a0% des BIP) aber verdoppeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wege aus der Demografie-Falle<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe von M\u00f6glichkeiten, die sich abzeichnende Versorgungsl\u00fccke zu schlie\u00dfen bzw. die fiskalischen Konsequenzen abzufedern. Dabei wird voraussichtlich nicht eine einzelne Ma\u00dfnahme, sondern eine Kombination aller Ma\u00dfnahmen die bevorstehenden Probleme l\u00f6sen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>H\u00f6here Abgaben:<\/strong> Theoretisch lie\u00dfen sich die Beitragss\u00e4tze so weit erh\u00f6hen, dass das versprochene Leistungsniveau aufrechterhalten werden kann. Jedoch w\u00fcrden angesichts der zu erwartenden Kostenbelastung des Faktors Arbeit Arbeitspl\u00e4tze und damit Beitragszahler verloren gehen. H\u00f6here Beitragss\u00e4tze sind nicht unbedingt gleichbedeutend mit h\u00f6heren Einnahmen (Laffer-Effekt).<\/li>\n<li><strong>Niedrigere Leistungen:<\/strong> Prinzipiell k\u00f6nnten auch Rentenk\u00fcrzungen oder mehr private Eigenbeteiligung im Gesundheitsbereich das Problem entsch\u00e4rfen. Doch auch hier sind Grenzen gesetzt, denn die Sprengkraft einer solchen Politik liegt auf der Hand. Die Rentenkasse lie\u00dfe sich aber entlasten, ohne die monatlichen Leistungen zu k\u00fcrzen, indem die Rentenbezugsdauer gek\u00fcrzt wird.<\/li>\n<li><strong>Private Vorsorge:<\/strong> Die Antwort der Finanzbranche auf den demografischen Wandel lautet seit Langem: Private Altersvorsorge. Tats\u00e4chlich wird sie einen Teil des Problems l\u00f6sen k\u00f6nnen. Gleichwohl k\u00f6nnen sich auch die Kapitalm\u00e4rkte dem demografischen Wandel nicht vollst\u00e4ndig entziehen. Wenn die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge in den Ruhestand gehen und ihre Ersparnisse sukzessive aufl\u00f6sen, d\u00fcrfte es an den Finanzm\u00e4rkten sp\u00fcrbaren Verkaufsdruck mit sinkenden Kursen geben. Der Wert der privaten Vorsorge kann also durchaus niedriger als erhofft ausfallen. Hilfreich ist in jedem Fall eine breite internationale Diversifikation, um auch an M\u00e4rkten mit g\u00fcnstigerer demografischer Ausgangslage investiert zu sein.<\/li>\n<li><strong>Mehr Einzahler:<\/strong> Die finanzielle Basis der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) lie\u00dfe sich durch insgesamt mehr Besch\u00e4ftigung, durch eine h\u00f6here Erwerbsquote von Frauen oder durch die zwangsweise Einbeziehung Selbstst\u00e4ndiger st\u00e4rken. Allerdings k\u00f6nnen solche Ma\u00dfnahmen die grundlegenden Finanzierungsprobleme nicht l\u00f6sen. Mehr Beitragszahler f\u00fchren kurzfristig zwar zu h\u00f6heren Einnahmen der Rentenversicherung, doch erwerben die neuen Beitragszahler ihrerseits Rentenanspr\u00fcche, sodass langfristig auch die Ausgaben steigen. Die Probleme werden also lediglich in die Zukunft verschoben, nicht aber behoben.<\/li>\n<li><strong>Zuwanderung:<\/strong> Schlie\u00dflich kann das deutsche Sozialversicherungssystem mit jungen, qualifizierten Zuwanderern neue Beitragszahler und der Staat neue Steuerzahler gewinnen. Das System w\u00fcrde dadurch vorerst stabiler. Zudem steigt durch j\u00fcngere Menschen tendenziell die wirtschaftliche Dynamik, weil sie risikofreudiger und innovativer sind. Allerdings gilt auch hier wie bei Punkt 4, dass die hinzugewonnenen Beitragszahler Rentenanspr\u00fcche erwerben und somit langfristig die Ausgaben weiter steigen. Besonders hilfreich w\u00e4re es insofern, wenn Zuwanderer aus L\u00e4ndern mit hohen Geburtenraten gewonnen werden k\u00f6nnen. Die Vergangenheit liefert allerdings Hinweise darauf, dass Zuwanderer ihr generatives Verhalten relativ schnell an die niedrigen deutschen Geburtenraten anpassen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Anforderungen an eine rationale Zuwanderungspolitik<\/strong><\/p>\n<p>Punkt 5 wird aufgrund der aktuellen Fl\u00fcchtlingskrise am intensivsten diskutiert. Allerdings geht in der Diskussion viel durcheinander. Ein Land, das aus Eigeninteresse gezielt Einwanderer \u2013 also Menschen, die auf Dauer im Land bleiben sollen \u2013 anwerben m\u00f6chte, muss von diesen Einwanderern selbstverst\u00e4ndlich andere Eigenschaften einfordern, als sie vor\u00fcbergehend Schutzbed\u00fcrftige typischerweise mitbringen.<\/p>\n<p>Dabei ist eine Zuwanderungspolitik, mit der die negativen wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels abgefedert werden sollen, alles andere als trivial. Denn Zuwanderungspolitik ist auf Dauer angelegt, deshalb muss beim Auswahlverfahren bereits ber\u00fccksichtigt werden, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland nicht immer so gut bleiben wird, wie sie derzeit ist. Politische Entscheidungen, deren Auswirkungen weit in die Zukunft reichen, sollten aber nicht auf Basis des wirtschaftlichen Status quo getroffen werden. Vielmehr gilt es, auch wirtschaftliche Schlechtwetterphasen zu antizipieren. Dazu geh\u00f6ren zyklische Abschw\u00fcnge, strukturelle Fehlentwicklungen, aber auch grundlegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen wie etwa die Digitalisierung. So kann nach jetzigem Kenntnisstand niemand sicher ausschlie\u00dfen, dass durch die Digitalisierung der Wirtschaft deutlich mehr Arbeitspl\u00e4tze vernichtet als neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Zunehmende Verteilungsk\u00e4mpfe sind k\u00fcnftig durchaus wahrscheinlich. Umso wichtiger ist, dass Zuwanderung, die das soziale Sicherungssystem stabilisieren soll, Probleme l\u00f6st und keine neuen schafft.<\/p>\n<p>Wenn Zuwanderung die wirtschaftlichen Folgen der alternden Gesellschaft lindern soll, muss es immer um Zuwanderung in den Arbeitsmarkt gehen. Zuwanderer m\u00fcssen also Eigenschaften mitbringen, die zu einem schnellen Erfolg am Arbeitsmarkt f\u00fchren. Einwanderungsl\u00e4nder wie Kanada praktizieren schon lange eine Positivauslese anhand eines Kriterienkataloges bzw. Punktesystems. Gute Ausbildung, gute Sprachkenntnisse, Arbeitserfahrungen, das Alter, ein vorliegendes Arbeitsangebot und Anpassungsverm\u00f6gen sind die Kriterien, nach denen Kanada ausw\u00e4hlt. Je mehr L\u00e4nder mit einer \u00e4hnlichen Bev\u00f6lkerungsentwicklung wie Deutschland auf diese Weise ihr demografisches Problem zu l\u00f6sen versuchen, umso intensiver wird der Wettbewerb um junge, leistungswillige, hochqualifizierte und kulturell anpassungsbereite Arbeitskr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Anpassungsbereitschaft ist eine vielfach untersch\u00e4tzte Eigenschaft. Umverteilung funktioniert besonders gut in relativ kleinen und relativ homogenen Gruppen. In gro\u00dfen und heterogenen Gruppen f\u00e4llt es hingegen schwer, die n\u00f6tige Bereitschaft f\u00fcr solidarische Umverteilung herzustellen. Gerade f\u00fcr Deutschland ist dies relevant. Der gut ausgebaute Sozialstaat braucht die Akzeptanz derjenigen, die den Sozialstaat ma\u00dfgeblich finanzieren. Die Solidargemeinschaft funktioniert dann besonders gut, wenn es untereinander Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die jeweiligen Lebenssituationen gibt und wenn die Leistungsmotivationen und die Weltanschauungen einigerma\u00dfen \u00e4hnlich sind. Mit einer Sozialausgabenquote von knapp 26\u00c2\u00a0% gibt Deutschland im Vergleich zu L\u00e4ndern wie den USA (19,2\u00c2\u00a0%), Australien (19,0\u00c2\u00a0%) und Kanada (17,0\u00c2\u00a0%) viel f\u00fcr soziale Zwecke aus. Ist es Zufall, dass Deutschland mit einer in den vergangenen Jahrzehnten eher homogenen Gesellschaft einen deutlich besser ausgebauten Sozialstaat hat als Einwanderungsl\u00e4nder mit ihren vergleichsweise heterogenen Bev\u00f6lkerungen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"quitzabb3\" src=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb3.png\" alt=\"quitzabb3\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die experimentelle Wirtschaftsforschung liefert zudem Hinweise daf\u00fcr, dass es den Menschen bei Verteilungsfragen nicht nur um die absolute H\u00f6he ihres Einkommens geht, sondern auch um die relative Position in der Einkommensskala. Mit anderen Worten: Mehr Einkommen allein macht nicht zwangsl\u00e4ufig gl\u00fccklich. Wenn es gleichzeitig allen oder den meisten anderen noch besser geht, kann sich trotz eines gestiegenen Lebensstandards Frust aufbauen. Bezogen auf Migranten bedeutet dies: Angesichts der eigenen Qualifikation haben Zuwanderer \u2013 genau wie Inl\u00e4nder \u2013 eine gewisse Erwartungshaltung. Wird diese Erwartungshaltung entt\u00e4uscht, weil es dem Zuwanderer auch l\u00e4ngerfristig nicht gelingt, in seiner neuen Umgebung einen Arbeitsplatz zu finden, der seiner formalen Qualifikation entspricht, dann ist Frust vorprogrammiert. Hochqualifizierte werden auf Dauer nicht zufrieden sein, wenn sie dauerhaft lediglich im einfachen Dienstleistungsbereich besch\u00e4ftigt werden. Und das selbst dann nicht, wenn sie mit dieser T\u00e4tigkeit mehr Geld verdienen k\u00f6nnen, als sie in ihrem Herkunftsland mit einem ihrer Qualifikation entsprechenden Arbeitsplatz verdienen w\u00fcrden. Auf Dauer geht es eben nicht nur um die absolute, sondern auch um die relative H\u00f6he des Einkommens. Die Gefahr, dass es \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 zu einer Besch\u00e4ftigung weit unter der formalen Qualifikation kommt, ist umso gr\u00f6\u00dfer, je st\u00e4rker sich das wirtschaftliche und kulturelle Umfeld im Herkunftsland und im Aufnahmeland unterscheiden und je gr\u00f6\u00dfer auch die Sprachbarrieren ausfallen. Soziale Spannungen k\u00f6nnen die Folge derart entt\u00e4uschter Erwartungen sein.<\/p>\n<p>Zusammengefasst hei\u00dft dies: Um die wirtschaftlichen Folgen der Alterung durch Zuwanderung in den Griff zu bekommen, br\u00e4uchte Deutschland junge, gut ausgebildete und leistungsbereite Zuwanderer, die sich wirtschaftlich und politisch leicht und problemlos integrieren lassen. Typischerweise w\u00e4ren dies B\u00fcrger aus anderen Industrienationen, ggf. aus h\u00f6her entwickelten Schwellenl\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"quitzabb4\" src=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb4.png\" alt=\"quitzabb4\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Ungl\u00fccklicherweise sieht es aber nicht danach aus, als k\u00f6nnte Zuwanderung einen gr\u00f6\u00dferen Teil des Problems l\u00f6sen. Es bietet sich folgendes Bild: Viele der L\u00e4nder, deren B\u00fcrger die Kriterien erf\u00fcllen k\u00f6nnten, sehen sich \u00e4hnlich wie Deutschland mit einer alternden Gesellschaft konfrontiert (s. Abb. 4). Beim Kampf um die auswanderungswilligen Talente aus diesen L\u00e4ndern wird es Deutschland schwer fallen zu punkten, weil L\u00e4nder wie die USA, Kanada oder Australien f\u00fcr ambitionierte Auswanderer einen deutlich h\u00f6heren Unterhaltungs- und Freizeitwert haben.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Hingegen sind die L\u00e4nder mit einer besonders jungen Bev\u00f6lkerung (s. Abb 5) wirtschaftlich und politisch im Regelfall so weit von den Industrienationen entfernt, dass eine Integration der von dort stammenden B\u00fcrger in Wirtschaft und Gesellschaft \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur unter erheblichen Anstrengungen und Kosten m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"quitzabb5\" src=\"\/wordpress\/bilder\/quitzabb5.png\" alt=\"quitzabb5\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Hoffnungen, die aktuelle Fl\u00fcchtlingswelle k\u00f6nnte die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Problems in Deutschland nennenswert l\u00f6sen, werden sich deshalb als Illusion erweisen. Kein Wunder, denn die Krisen dieser Welt lassen ganz \u00fcberwiegend andere Menschen wandern, als die, die von den auf Wohlstandssicherung ausgerichteten alternden Industrienationen ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Die oben skizzierten Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Integration in die gut bezahlten Segmente des Arbeitsmarktes d\u00fcrften von der Mehrheit der Fl\u00fcchtlinge kaum erf\u00fcllt werden, auch wenn es sicher einzelne Erfolgsf\u00e4lle geben wird. Angesichts der in Deutschland au\u00dfer Kontrolle geratenen Fl\u00fcchtlingserfassung, m\u00fcssen alle Angaben zur Qualifikation mit gro\u00dfer Vorsicht interpretiert werden. Nach Angaben des ifo-Instituts legen aber Zahlen aus t\u00fcrkischen Fl\u00fcchtlingslagern nahe, dass fast 50\u00c2\u00a0% der Fl\u00fcchtlinge aus Syrien nicht \u00fcber grundlegende Bildungskenntnisse verf\u00fcgen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> Da Geringqualifizierte allenfalls Aussicht auf Besch\u00e4ftigung im Niedriglohnsektor haben, ist der Mindestlohn in H\u00f6he von 8,50 Euro pro Stunde mit Blick auf die Fl\u00fcchtlingskrise ein besonderes Hindernis.<\/p>\n<p>Eine im Sinne des Arbeitsmarktes und der Sozialversicherung gut gesteuerte Zuwanderung kann einen Beitrag zur L\u00f6sung des demografischen Problems leisten. Es ist aber unrealistisch zu erwarten, dass sich durch Zuwanderung alle Probleme beseitigen lassen. Eine wesentliche Belastung f\u00fcr das Sozialversicherungssystem ist die steigende Lebenserwartung, die aufgrund der l\u00e4ngeren Rentenbezugsdauer zu einer indirekten Rentenerh\u00f6hung f\u00fchrt. Wegen der h\u00f6heren Lebenserwartung ist neben all den oben skizzierten Ma\u00dfnahmen eine systemische L\u00f6sung n\u00f6tig, die wohl darin liegen muss, das Renteneintrittsalter zu erh\u00f6hen und immer wieder an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Die Einf\u00fchrung der \u201eRente mit 63\u201c f\u00fcr einen Teil der Versicherten war somit ein v\u00f6llig falsches Signal. Wenn die Politik jetzt noch mit Blick auf die vielen jungen Fl\u00fcchtlinge zu der Fehleinsch\u00e4tzung kommt, die Sozialversicherung sei dadurch nun zukunftsfest, wird sie die n\u00f6tigen Reformen verschlafen und damit wertvolle Zeit verlieren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Berenberg\/HWWI (2014), <a href=\"http:\/\/berenberg.de\/fileadmin\/user_upload\/berenberg2013\/Publikationen\/Studie_Strategie_2030\/Band_18_Strategie_2030_Demografie.pdf\">Demografie \u2013 Strategie 2030<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hinzu kommen noch die Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahre, die ebenfalls von der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung mitfinanziert werden m\u00fcssen. Der Jugendquotient wird bis 2060 vergleichsweise stabil bei rund 30\u00c2\u00a0% liegen. Da Jugend- und Altenquotient zusammen bis 2060 auf insgesamt fast 97\u00c2\u00a0% steigen sollen, wird dann also jeder Erwerbst\u00e4tige einen Nicht-Erwerbst\u00e4tigen (jung oder alt) mitfinanzieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bei diesen Zahlen ist eine j\u00e4hrliche Netto-Zuwanderung von 100.000 Personen unterstellt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (2011), Generatives Verhalten und Migration \u2013 Eine Bestandsaufnahme des generativen Verhaltens von Migrantinnen in Deutschland, Forschungsbericht 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. dazu Berenberg\/HWWI (2015), <a href=\"http:\/\/berenberg.de\/fileadmin\/user_upload\/berenberg2013\/Publikationen\/Studie_Strategie_2030\/Berenberg_HWWI_Digitaloekonomie_ONLINE_De_-_Kopie.pdf\">Digital\u00f6konomie \u2013 Strategie 2030<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Erfreulicherweise hat die Eurokrise zumindest bewirkt, dass wanderungswillige Arbeitskr\u00e4fte innerhalb Europas dorthin gehen, wo offene Jobs sind. Das ist derzeit ein Pluspunkt f\u00fcr Deutschland. Allerdings sind es weniger die B\u00fcrger der Krisenl\u00e4nder, die sich unter dem Druck der Krise auf den Weg gemacht haben. Vielmehr haben vorwiegend Arbeitskr\u00e4fte aus Mittel- und Osteuropa die ehemaligen Boom-Regionen verlassen, um sich in den wirtschaftlich st\u00e4rkeren Regionen neue Besch\u00e4ftigung zu suchen. Vgl. dazu Berenberg\/HWWI (2014), <a href=\"http:\/\/www.berenberg.de\/fileadmin\/user_upload\/berenberg2013\/Publikationen\/Studien_Volkswirtschaft\/2014-08-25_HWWI_Arbeitskraeftemobilitaet_DE_ANSICHT.pdf\">Arbeitskr\u00e4ftemobilit\u00e4t \u2013 Macht der Euro mobil?, Strategie 2030.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Battisti und Felbermayr (2015), Migranten im deutschen Arbeitsmarkt: L\u00f6hne, Arbeitslosigkeit, Erwerbsquoten, in: ifo Schnelldienst 20\/2015, S. 39-47.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zur Fl\u00fcchtlingskrise:<\/strong><\/p>\n<p id=\"post-18249\">Dieter Br\u00e4uninger, Heiko Peters und Stefan Schneider: <a title=\"Permanent Link: &lt;small&gt;Gastbeitrag&lt;\/small&gt;&lt;br\/&gt;Fl\u00fcchtlingszustrom: Eine Chance f\u00fcr Deutschland\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18249\" rel=\"bookmark\">Fl\u00fcchtlingszustrom: Eine Chance f\u00fcr Deutschland<\/a><\/p>\n<p id=\"post-18126\">Norbert Berthold: <a title=\"Permanent Link: Die \u201emoderne\u201c V\u00f6lkerwanderung&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=grey&gt;Europa vor der Zerrei\u00dfprobe&lt;\/font&gt;&lt;br\/&gt;&lt;font size=3; color=red&gt;5. Update&lt;\/font&gt;\" href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18126\" rel=\"bookmark\">Die \u201emoderne\u201c V\u00f6lkerwanderung. Europa vor der Zerrei\u00dfprobe. 5. Update<\/a><\/p>\n<p>Tim Krieger: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17987\">Grenze zu, Schengen tot (reloaded)<\/a><\/p>\n<p>Wolf Sch\u00e4fer: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18043\">Migration: Von der Euphorie des Unbegrenzten zur Moral des Machbaren<\/a><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18033\">Chance oder Last? Wie wir die Fl\u00fcchtlinge integrieren m\u00fcssen<\/a><\/p>\n<p>Razi Farukh und Steffen J. Roth: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18093\">Wir brauchen eine Bildungsoffensive. Ohne gezielte Unterst\u00fctzung bleiben nicht nur die Fl\u00fcchtlinge unter ihren M\u00f6glichkeiten<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland altert, so viel ist sicher. 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