{"id":18415,"date":"2015-11-30T08:13:47","date_gmt":"2015-11-30T07:13:47","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18415"},"modified":"2015-11-30T08:13:47","modified_gmt":"2015-11-30T07:13:47","slug":"gastbeitragun-konferenz-klimaschutz-kosteneffizient-erreichenenergie-infrastruktur-und-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18415","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br\/>UN-Konferenz: Klimaschutz kosteneffizient erreichen<br\/><font size=3; color=grey>Energie, Infrastruktur und Umwelt<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die 21. UN- Klimakonferenz statt. Ziel ist es, ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen f\u00fcr alle 194 Mitgliedsstaaten der UN- Klimarahmenkonvention abzuschlie\u00dfen. Damit soll ein Nachfolgevertrag f\u00fcr das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll vereinbart werden, in dem sich die Industriestaaten erstmals v\u00f6lkerrechtlich bindend zu einer Begrenzung des Treibhausgasaussto\u00dfes verpflichtet haben. Allerdings haben die USA als wichtiger Emittent von Treibhausgasen das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert und Kanada ist 2011 aus dem Abkommen ausgestiegen. Die Bem\u00fchungen um ein Folgeabkommen haben bisher zu keiner Einigung gef\u00fchrt, da die Differenzen insbesondere \u00fcber Umfang und Verteilung der k\u00fcnftigen Verpflichtungen zur Treibhausgasreduktion, den Beitrag der Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder sowie die H\u00f6he der Finanztransfers zu gro\u00df waren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nachdem die G7-Regierungschefs auf Schloss Elmau im Juni 2015 beschlossen haben, dass bereits bis 2050 die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen um 40 bis 70 Prozent gegen\u00fcber 2010 reduziert werden sollen und bis zum Ende des 21. Jahrhunderts vollst\u00e4ndig auf den Verbrauch fossiler Energietr\u00e4ger wie Kohle und Erd\u00f6l verzichtet werden soll, ist die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss der Pariser Konferenz gestiegen. \u201eDer Beschluss der G7 \u00fcbt deutlichen Druck auf die M\u00e4rkte aus\u201c, sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung Berlin. Im Vorfeld der Konferenz von Paris haben mehr als 170 der 196 Vertragsstaaten, die \u00fcber 95 Prozent der weltweiten Treibhausgase emittieren, Ma\u00dfnahmen benannt, mit denen sie bis 2030 Treibhausgase reduzieren wollen. Allerdings w\u00fcrden die benannten \u201eIntended Nationally Determined Contributions\u201c (INDCs) in der Summe lediglich dazu f\u00fchren, dass sich das Wachstum der Treibhausgasemissionen abschw\u00e4cht. Um das Ziel zu erreichen, die Erderw\u00e4rmung in diesem Jahrhundert auf h\u00f6chstens 2 Grad Celsius zu begrenzen, w\u00e4re es hingegen notwendig, wesentlich umfangreichere Ma\u00dfnahmen umzusetzen und die Emissionen bis 2030 um mindestens 20 Prozent zu senken.<\/p>\n<p>\u201eEine verbindliche Festlegung der INDCs w\u00e4re dennoch als Erfolg der Pariser Konferenz zu werten\u201c, urteilt Claudia Kemfert, trotz aller Schwierigkeiten: so sind die von den L\u00e4ndern vorgelegten Ma\u00dfnahmen nicht vergleichbar und eine gegenseitige \u00dcberpr\u00fcfung nur schwer m\u00f6glich. Dazu m\u00fcsste zun\u00e4chst ein einheitliches Bewertungssystem etabliert und Einigkeit dar\u00fcber erzielt werden, dass die Umsetzung der Ma\u00dfnahmen \u00fcberwacht und ihre Nichterf\u00fcllung sanktioniert wird.<\/p>\n<p>Nationale Klimareduktionsziele f\u00fchren zudem nicht dazu, dass Treibhausgasemissionen dort vermieden werden, wo es am kosteng\u00fcnstigsten m\u00f6glich ist. \u201eBesser als \u00fcber l\u00e4nderspezifische Reduktionsverpflichtungen zu verhandeln, w\u00e4re es, sich auf einen einheitlichen Preis f\u00fcr jede ausgesto\u00dfene Tonne CO2 zu einigen\u201c, sagt Georg Meran von der Technischen Universit\u00e4t Berlin. Denn grundlegendes Hindernis f\u00fcr verbindliche Reduktionsverpflichtungen ist einerseits das Trittbrettfahrerproblem \u2013 jedes Land hofft auf Beitr\u00e4ge anderer, um selbst ohne Reduktionsverpflichtungen davon zu kommen \u2013 und andererseits das starke Gewicht, das Verteilungsfragen in den Verhandlungen haben. W\u00e4hrend 1990 die Industriel\u00e4nder einen Anteil von 62 Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen hatten, ist ihr Anteil bis 2013 auf 37 Prozent zur\u00fcckgegangen. Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder emittieren inzwischen deutlich \u00fcber die H\u00e4lfte der weltweiten Treibhausgase, sehen sich aber \u00fcberfordert, die finanziellen Lasten und \u00f6konomischen Auswirkungen von Klimaschutzma\u00dfnahmen zu tragen. \u201eDaher ist es entscheidend, die Frage, wo wieviel CO2 vermieden wird, von der Frage zu trennen, wer die Kosten daf\u00fcr tr\u00e4gt. Da die Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder die gr\u00f6\u00dften Belastungen zu tragen haben, m\u00fcssen sie durch entsprechende Transfers bzw. kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten in einem Emissionshandelssystem entsch\u00e4digt werden. In Paris einen Prozess anzusto\u00dfen, der zu einer kosteneffizienteren Klimapolitik f\u00fchrt und einen Mechanismus f\u00fcr die Lastenteilung etabliert, w\u00e4re ein gro\u00dfer Erfolg\u201c, konstatiert Joachim Weimann von der Universit\u00e4t Magdeburg.<\/p>\n<p>Allerdings mangele es an politischem Willen f\u00fcr ein weltweites Emissionshandelssystem. Dies d\u00fcrfte nicht zuletzt polit- \u00f6konomisch zu erkl\u00e4ren sein. Die F\u00f6rderung der heimischen Industrie im Rahmen der Energiewende weg von fossilen Energietr\u00e4gern hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz sehen wiederwahlinteressierte Politiker lieber im eigenen Land, als \u00fcber Transfers andere L\u00e4ndern zu unterst\u00fctzen und so ein ambitioniertes internationales Klimaabkommen zu erm\u00f6glichen. Nationale Industrie- und Klimapolitik sind hier eine unheilige Allianz eingegangen.<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Dieser Policy Brief entstand auf Grundlage des ECONWATCH-Panels \u201eAuf dem Weg zu einem neuen Klimaschutzabkommen: Hinweise f\u00fcr einen erfolgreichen Abschluss der UN-Klimakonferenz in Paris\u201c mit Prof. Dr. Claudia Kemfert (DIW Berlin), Prof. Dr. Georg Meran (Technische Universit\u00e4t Berlin) und Prof. Dr. Joachim Weimann (Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg) am Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung Berlin<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die 21. UN- Klimakonferenz statt. 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