{"id":1861,"date":"2009-10-15T06:34:57","date_gmt":"2009-10-15T05:34:57","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=1861"},"modified":"2009-10-15T06:34:57","modified_gmt":"2009-10-15T05:34:57","slug":"nobelpreis-ieine-gute-ordnung-fuer-die-wirtschaft-und-ihre-organisationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=1861","title":{"rendered":"<small>Nobelpreis I:<\/small><br\/>Eine gute Ordnung f\u00fcr die Wirtschaft und ihre Organisationen"},"content":{"rendered":"<p>Zusammen mit Elinor Ostrom wird Oliver E. Williamson, einer der bekanntesten Institutionen\u00f6konomen in diesem Jahr den Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften \u00fcberreicht bekommen. Als Begr\u00fcndung wird vom Nobelpreis-Komitee seine konsequente Analyse der Governancestrukturen wirtschaftlicher Organisationen angef\u00fchrt, vor allem seine Arbeiten \u00fcber die Grenzen des Unternehmens. Organisationen sind nicht einfach da und funktionieren automatisch, sondern \u2013 so Williamson \u2013 es geht darum, gute Organisationen zu schaffen und dabei zu ber\u00fccksichtigen, wie sich Menschen tats\u00e4chlich verhalten und wie sie auf Regeln, Organisations- und Kontrollstrukturen reagieren. Was heute als Corporate Governance weithin bekannt ist, l\u00e4sst sich letztlich auf Williamson zur\u00fcckf\u00fchren. Allerdings ist sein Ansatz wesentlich umfassender, l\u00e4sst er sich doch neben Unternehmen auf alle anderen Organisationen anwenden. Er ist der Begr\u00fcnder der Theorie der \u00f6konomischen Governance. Neben vielen anderen Themen ging er immer wieder der Frage nach, weshalb eigentlich Unternehmen existieren, so wie es Ronald Coase bereits vor ihm tat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So wurden Unternehmen lange Zeit als eine Black Box betrachtet, in der Inputs in Outputs transformiert werden, ohne der konkreten Organisation Bedeutung beizumessen, klagte Williamson. Dass dabei auch Fragen wie die geeignete Gr\u00f6\u00dfe von Unternehmen, deren optimale Grenzen sowie ihre Ausgestaltung und ihre Alternativen zu kurz kamen, ist nicht \u00fcberraschend. Williamson hat genau diese Fragen beherzt, n\u00fcchtern und akribisch immer wieder gestellt und zunehmend differenzierter beantwortet.<\/p>\n<p>Auf diese Weise ist ein nobelpreisw\u00fcrdiges wissenschaftliches Werk zustande gekommen, das nicht nur ein systematisches Analyseraster f\u00fcr alle Fragen der \u00f6konomischen Governance enth\u00e4lt, sondern in dem auch ein Kriterium f\u00fcr den Vergleich unterschiedlicher Organisationen angeboten wird. Williamson betont, dass die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung jeder Transaktion mit Kosten verbunden ist, den Organisations- oder Transaktionskosten: das Fundament der Transaktionskosentheorie. Wann soll ein Unternehmen zum Beispiel selbst eine Entwicklungsabteilung unterhalten, unter welchen Voraussetzungen besser eine Lizenz erwerben oder bietet sich ein Gemeinschaftsunternehmen mit Wettbewerbern an? Diese Frage kann laut Williamson nicht beantwortet werden ohne einen Vergleich all dieser Kostenelemente durchzuf\u00fchren. Dessen Ergebnis wiederum h\u00e4ngt von wichtigen Faktoren ab, etwa der Spezifit\u00e4t der Investitionen f\u00fcr diese Entwicklung, die mit Abh\u00e4ngigkeit und Ausbeutbarkeit verbunden sein k\u00f6nnen. Die Gefahr der Ausbeutung ist mit Absicherungs-, also Transaktionskosten verbunden. Ein hoher Spezifit\u00e4tsgrad wird also tendenziell f\u00fcr eine eigene Entwicklungsabteilung eines Unternehmens sprechen, wenn die entsprechenden Elemente entscheidend f\u00fcr seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit sind. Anders stellt es sich f\u00fcr unspezifische, standardisierte Elemente dar, die \u00fcber Markttransaktionen organisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Markt und integrierte Unternehmen sind die Organisationsalternativen. Wie Williamson immer wieder hervorgehoben hat, gewinnen in der Wirtschaft zunehmend hybride Organisationen Bedeutung: Zwischenformen, die von beidem etwas haben. Unternehmensnetzwerke, Strategische Allianzen, Genossenschaften, Public Private Partnerships. Unternehmen verlieren ihre festen Grenzen. Mit dem von ihm entwickelten Werkzeug gelingt es, die Frage zu beantworten, unter welchen Voraussetzungen welche Organisationsform zu w\u00e4hlen ist. Jede hat ihre Vorz\u00fcge, aber auch ihre Kosten. Dieses Kalk\u00fcl bleibt nicht auf die Privatwirtschaft beschr\u00e4nkt. Williamson selbst hat es etwa auch auf die Organisation der staatlichen Aufgaben angewendet ebenso auf Verb\u00e4nde und andere Nonprofit-Organisationen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund seiner Forschungsfragen und seiner wissenschaftlichen Ergebnisse ist es nicht \u00fcberraschend, dass der am Massachusetts Institute of Technology, an der Stanford University und an der Carnegie-Mellon University ausgebildete \u00d6konom bald auch Eingang in die Betriebswirtschaftslehre und in die Rechtswissenschaft fand. So kann Oliver E. Williamson auch als ein Br\u00fcckenbauer verstanden werden, wenn er sagt, dass die wenigsten Probleme so gut definiert sind, dass sie einer einzigen Disziplin zugeordnet werden k\u00f6nnen. Nicht nur durch die realen Problemstellungen des wirtschaftlichen Lebens sei er diesbez\u00fcglich immer wieder gefordert worden, sondern auch durch seine Professur an der Universit\u00e4t Berkeley, verankert in den Bereichen Economics, Business and Law. Diese Ausrichtung entspricht auch einer weiteren einflussreichen Leistung Williamsons, n\u00e4mlich dem Einbezug von Effizienz\u00fcberlegungen in die Wettbewerbspolitik, bekannt geworden unter der Bezeichnung des \u201eWilliamson trade-off\u201c. Neben sch\u00e4dlichen Wirkungen, die durch die Macht gro\u00dfer Unternehmen entstehen kann, sind auch die Effizienzgewinne zu ber\u00fccksichtigen und zwar f\u00fcr die gesamte Gesellschaft.<\/p>\n<p>Oliver E. Williamson hat Wesentliches zur Entwicklung der Neuen Institutionen\u00f6konomik geleistet und steht nun in einer Reihe mit den Nobelpreistr\u00e4gern Ronald Coase (1991) und Douglass C. North (1993), die ebenso der Institutionen\u00f6konomik zuzurechnen sind. Die Entwicklung der Institutionenanalyse zu einem Bestandteil der \u00f6konomischen Wissenschaft, deren Bedeutung heute unbestritten ist, ist nicht zuletzt mit Williamson verbunden. Dabei sieht er durchaus n\u00fcchtern, dass es noch viel zu tun gilt, vor allem eine Intensivierung der empirischen Institutionen\u00f6konomik, die die Aussagekraft der institutionen\u00f6konomischen Erkenntnisse f\u00fcr die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme noch weiter sch\u00e4rft.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammen mit Elinor Ostrom wird Oliver E. Williamson, einer der bekanntesten Institutionen\u00f6konomen in diesem Jahr den Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften \u00fcberreicht bekommen. 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