{"id":18692,"date":"2016-01-15T10:11:04","date_gmt":"2016-01-15T09:11:04","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18692"},"modified":"2016-01-16T07:40:32","modified_gmt":"2016-01-16T06:40:32","slug":"one-year-after-die-schweiz-nach-dem-frankenschock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18692","title":{"rendered":"One Year After<br\/><font size=3; color=grey>Die Schweiz nach dem Frankenschock<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Vor genau einem Jahr, am 15. Januar 2015, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Wechselkursuntergrenze des Schweizer Frankens (CHF) gegen\u00fcber dem Euro in H\u00f6he von 1,20 CHF\/Euro \u00fcberraschend aufgehoben und damit erhebliche Schockwellen nicht nur an den Devisen- sondern auch an anderen Finanzm\u00e4rkten ausgel\u00f6st. Nachdem die SNB um 10.30 Uhr angek\u00fcndigt hatte, die St\u00fctzung des CHF aufzugeben, kam es zun\u00e4chst zu einer \u00fcberschie\u00dfenden Aufwertung auf etwa 0,85 CHF f\u00fcr einen Euro, die sich aber im Laufe des Tages bei einem Wechselkurs von etwa einem Franken f\u00fcr einen Euro einpendelte. Daran schloss sich \u2013 wie Abbildung 1 zeigt \u2013 zun\u00e4chst eine Erholung des Euros bis auf etwa 1,07 Franken f\u00fcr einen Euro an, bevor es dann im Rahmen der (zun\u00e4chst erfolglosen) Verhandlungen mit Griechenland erneut zu Wertverlusten des Euros bis auf etwa 1,02 Franken kam. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss des dritten Griechenland-Rettungspakets Anfang August 2015 erholte sich der Euro wieder etwas und hat sich mittlerweile bei einem Wert von etwa 1,09 Franken f\u00fcr einen Euro stabilisiert. Dies entspricht einer Aufwertung des Schweizer Frankens gegen\u00fcber dem Vorjahr von knapp 10 Prozent.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smejan1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Schweiz\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smejan1.png\" alt=\"Schweiz\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Trotz einer gewissen Schw\u00e4chung w\u00e4hrend der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 2015 weist der Schweizer Franken gegen\u00fcber dem Euro \u2013 gemessen an der in Abbildung 2 dargestellten Kaufkraftparit\u00e4t \u2013 eine deutlich st\u00e4rkere \u00dcberbewertung auf als vor einem Jahr. Das bedeutet, dass sich die (Preis-)Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft (nochmals) verschlechtert hat und damit zu einer weiteren Herausforderung f\u00fcr die au\u00dfenhandelsabh\u00e4ngigen Unternehmen wurde. Der Druck, Kosten zu senken, wird also in der n\u00e4chsten Zeit noch einmal deutlich zunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smejan2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Schweiz\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smejan2.png\" alt=\"Schweiz\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Dieser Verlust an Wettbewerbsf\u00e4higkeit insbesondere gegen\u00fcber der Eurozone war bereits ein entscheidendes Argument f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Wechselkursuntergrenze im Jahre 2011. Hierdurch sollte die Schweizer Exportindustrie gesch\u00fctzt werden. Dies galt sowohl f\u00fcr Dienstleistungen und dort insbesondere f\u00fcr den Tourismus als auch f\u00fcr den Warenhandel. Abbildung 3 zeigt, dass der neuerliche Wettbewerbsverlust den Au\u00dfenhandel der Schweiz mit der EU w\u00e4hrend des Jahres 2015 deutlich beeinflusst hat. Insbesondere in den ersten Monaten des Jahres 2015 ging der Warenexport in die EU gravierend zur\u00fcck und verharrt mittlerweile etwa auf dem Vorjahresniveau. Positive Wachstumsimpulse f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft sind folglich von dieser gesamtwirtschaftlichen Nachfragekomponente gegenw\u00e4rtig nicht zu erwarten. Diese Entwicklung gilt in \u00e4hnlicher Weise f\u00fcr die Dienstleistungen insgesamt und den Tourismus im Speziellen. In diesem Fall ergeben sich sogar (fortlaufend) negative Beitr\u00e4ge zum Wirtschaftswachstum.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smejan3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Schweiz\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smejan3.png\" alt=\"Schweiz\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Ebenfalls vor dem Hintergrund abnehmender internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit verlor der Schweizer Aktienindex SMI im Tagesverlauf des 15. Januar 2015 zeitweise bis zu 14 Prozent, wobei sich zum B\u00f6rsenschluss immer noch ein Verlust von 9 Prozent gegen\u00fcber dem Vortag einstellte. Damit wurden entsprechende negative Erwartungen der Marktteilnehmer \u2013 in einem informationseffizienten Markt \u2013 bereits kurzfristig in die Kurse eingepreist. Betrachtet man den Verlauf des SMI in der Folgezeit, so zeigt Abbildung 4 aber auch, dass der Gesamtindex bereits im M\u00e4rz wieder das Niveau vor der Wechselkursfreigabe und sogar dar\u00fcber hinausgehende Werte erreichte. Seinen H\u00f6chstwert w\u00e4hrend dieses Zeitraums erreichte er mit 9527 Punkten am 5. August 2015 \u2013 verglichen mit einem Wert von 9198 Punkten am 14. Januar 2015, also einem Tag vor der Freigabe des Frankens. Die darauf folgenden Verluste des SMI sind wohl nicht mehr auf die Wechselkursfreigabe, sondern auf andere (weltwirtschaftliche) Einflussfaktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren. Abbildung 4 veranschaulicht aber auch, dass es bis heute durchaus erhebliche Unterschiede beim Verlauf der Einzelwerte gibt. So hat ein binnenorientiertes Unternehmen wie die Swisscom AG als Folge des Wechselkursschocks sogar deutliche Kursgewinne verzeichnen k\u00f6nnen, weil deren Gesch\u00e4ft weitgehend in Inland erfolgt und daher unabh\u00e4ngig von der Wechselkursentwicklung ist. Deutliche Verlierer waren hingegen diejenigen Unternehmen, die prim\u00e4r in der Schweiz produzieren, jedoch einen erheblichen Umsatz im Ausland t\u00e4tigen. Als Beispiel hierf\u00fcr zeigt Abbildung 4 die Swatch Group AG, die w\u00e4hrend des gesamten Jahres deutlich schw\u00e4cher bewertet wurde als der SMI insgesamt. Entsprechende Portfolio-Umschichtungen kamen in diesem Zusammenhang wiederum binnenorientierten Unternehmen wie der Swisscom AG zugute. International t\u00e4tige Konzerne wie Nestl\u00c3\u00a9, Roche und Novartis sind hingegen deutlich eher in der Lage, W\u00e4hrungsnachteile durch Produktion im Ausland auszugleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smejan4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Schweiz\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smejan4.png\" alt=\"Schweiz\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Neben der (kurzfristigen) Wirkung auf die Aktienkursentwicklung hat sich aber auch das tats\u00e4chliche Wirtschaftswachstum \u2013 wie Abbildung 5 zeigt \u2013 als Folge der Wechselkursfreigabe deutlich abgeschw\u00e4cht. Nachdem das reale Wirtschaftswachstum im Jahre 2014 (auf Jahresbasis) noch 1,8 Prozent betrug, wurden Ende 2014 f\u00fcr das kommende Jahr nochmals steigende Wachstumsraten in H\u00f6he von 1,8 Prozent von der UBS, von 2,1 Prozent vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (SECO), von 1,6 Prozent von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF) und in H\u00f6he von 1,9 Prozent von der Credit Suisse prognostiziert. Diese Werte wurden dann nach der Wechselkursfreigabe, also zu Beginn des Jahres 2015, mit Werten zwischen 0,2 und 0,8 Prozent deutlich nach unten korrigiert. Den letztgenannten Wert wird die Schweizer Wirtschaft nach ersten Sch\u00e4tzungen wohl auch erreichen und damit einen Konjunktureinbruch erleben, der allerdings kleiner ausf\u00e4llt als nach dem ersten Schock und der deutlichen Aufwertung des CHF erwartet. F\u00fcr die Folgejahre werden bereits wieder steigende Werte von 1,5 Prozent (SECO) und 1,2 Prozent (OECD) f\u00fcr 2016 sowie 1,9 Prozent (SECO) und 1,6 Prozent (OECD) f\u00fcr 2017 prognostiziert. Diese Entwicklung w\u00fcrde daf\u00fcr sprechen, dass es der Schweizerischen Wirtschaft im Laufe dieses und des n\u00e4chsten Jahres gelingen w\u00fcrde, den Frankenschock weitgehend zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smejan5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Schweiz\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smejan5.png\" alt=\"Schweiz\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>(Tempor\u00e4re) Verluste erleidet dar\u00fcber hinaus die SNB selbst aufgrund der Neubewertung ihrer Devisenreserven. Der f\u00fcr das Jahr 2014 von der SNB in H\u00f6he von 38 Mrd. CHF erwirtschaftete Gewinn, der zum Teil an den Bund und die Kantone ausgesch\u00fcttet wird, hat sich nach ersten Berechnungen f\u00fcr 2015 in einen Verlust von 23 Mrd. CHF umgekehrt, den auch die Gewinne aus den negativen Einlagenzinsen in H\u00f6he von etwa einer Mrd. CHF nur wenig abmildern konnten. Die Bewertungsverluste h\u00e4tten allerdings bei einer sp\u00e4teren Wechselkursfreigabe aufgrund der erwarteten massiven weiteren Zunahme der Devisenreserven im Verlaufe des Jahres 2015 noch deutlich h\u00f6her ausfallen k\u00f6nnen, so dass man die so entstandenen Kosten m\u00f6glicherweise als das kleinere \u00dcbel angesehen hat.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Geldpolitik der SNB, so hat sie sich mit der Wechselkursfreigabe f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu einer eigenst\u00e4ndigen Geldpolitik und gegen eine zwangsweise Parallelpolitik zur EZB entschieden. Der Grund daf\u00fcr waren wohl die im Vorfeld der Wechselkursfreigabe erfolgten Ank\u00fcndigungen der EZB, eine noch expansivere Geldpolitik zu betreiben, sowie die Versch\u00e4rfung der Griechenlandkrise zu Beginn des Jahres 2015. Es wurde bef\u00fcrchtet, dass Anleger (aus der Eurozone) wieder verst\u00e4rkt Alternativen zum Euro suchen und dabei in noch gr\u00f6\u00dferem Umfang die Flucht auch in den CHF antreten w\u00fcrden, was zu erneuten umfangreichen Interventionsverpflichtungen der SNB und einer damit verbundenen Ausweitung ihrer Bilanzsumme gef\u00fchrt h\u00e4tte. Abbildung 6 zeigt, dass sich die Bilanzsumme der SNB w\u00e4hrend der Zeit der Wechselkursbindung durch den zwangsweisen Ankauf von Devisen (Euro) etwa verdreifacht hat. Durch weitere Interventionen w\u00e4ren aber das (l\u00e4ngerfristige) inflation\u00e4re Potential \u2013 was allerdings bisher nicht zum Tragen gekommen ist \u2013 und die Gefahr von Immobilienblasen f\u00fcr die Schweiz immer weiter angestiegen. Die interventionsbedingte Ausweitung der Geldbasis hat in der Zeit von 2012 bis Ende 2014 \u2013 wie Abbildung 6 ebenfalls zeigt \u2013 allerdings \u201enur\u201c dazu gef\u00fchrt, dass die Kerninflationsrate, die insbesondere die Preisentwicklung im Energiebereich ausklammert, von -1,2 Prozent auf +0,4 Prozent gestiegen ist. Danach ist die (Kern-)Inflationsrate aber wie in vielen anderen L\u00e4ndern durch den starken Preisverfall beim \u00d6l, das auch als Vorprodukt in viele andere Produktionsbereiche eingeht, erneut deutlich in den negativen Bereich gesunken \u2013 was aber zum Zeitpunkt der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze wohl in dem Umfang noch nicht abzusehen war. M\u00f6glicherweise h\u00e4tte das Wissen um diese Entwicklung die Entscheidung der SNB anders ausfallen lassen.<\/p>\n<p>Das Handeln der SNB spricht also daf\u00fcr, dass sie nicht l\u00e4nger zu einer weitgehenden Einschr\u00e4nkung ihrer (autonomen) Geldpolitik bereit war, da bei einem Wechselkursziel das nationale Gleichgewicht (in Form der Preisniveaustabilit\u00e4t) dem au\u00dfenwirtschaftlichen Gleichgewicht, hier im Sinne eines Mindestwechselkurses, untergeordnet werden muss. Flankiert wurde die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze durch eine weitere Senkung des Leitzinses. Ferner hat die SNB den Negativzins f\u00fcr Guthaben von Gesch\u00e4ftsbanken bei der SNB (Einlagensatz) von 0,25 Prozent auf 0,75 Prozent heraufgesetzt. All dies soll(te) den Anreiz, Kapital in der Schweiz anzulegen und damit eine (weitere) Aufwertung des CHF auszul\u00f6sen, reduzieren. Der aus Abbildung 6 abzulesende Zuwachs an W\u00e4hrungsreserven auch nach dem Wegfall der Interventionsverpflichtung spricht jedoch in gewissem Ma\u00dfe daf\u00fcr, dass die SNB auch nach dem 15. Januar 2015 \u2013 nun allerdings \u201efreiwillig\u201c \u2013 zur Schw\u00e4chung der heimischen W\u00e4hrung Euro angekauft und Franken verkauft hat. M\u00f6glicherweise wollte man dadurch die Wogen des von ihr ausgel\u00f6sten Schocks etwas gl\u00e4tten. Die aktuell niedrige Inflation in der Schweiz w\u00fcrde ein solches Vorgehen plausibel erscheinen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/smejan6.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Schweiz\" src=\"\/wordpress\/bilder\/smejan6.png\" alt=\"Schweiz\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man schlussfolgern, dass die SNB durch die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze des CHF gegen\u00fcber dem Euro die Eigenst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit ihrer Geldpolitik zu Lasten nicht unerheblicher Kosten f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft und insbesondere f\u00fcr den Au\u00dfenhandel mit Waren und Dienstleistungen (Tourismus) zur\u00fcckgewonnen hat. Ein Teil dieser Kosten ist aber auch bei der SNB selbst in Form von Abschreibungsverlusten auf Euro-Reserven und -Anlagen angefallen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau einem Jahr, am 15. 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