{"id":19169,"date":"2016-04-25T15:46:04","date_gmt":"2016-04-25T14:46:04","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19169"},"modified":"2016-04-25T15:46:04","modified_gmt":"2016-04-25T14:46:04","slug":"geld-und-gewerbehier-darf-jeder-tun-was-wir-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19169","title":{"rendered":"Geld und Gewerbe<br\/><font size=3; color=grey>Hier darf jeder tun, was wir wollen!<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die Entwicklung moderner medizinischer Technologien geht uns alle an. Wir tun allerdings so, als sei das nicht so. Wir verdr\u00e4ngen und \u00fcberlassen die Diskussion weltanschaulich gefestigten Kreisen. In der bioethischen Debatte hat die Freiheit organisierte Feinde, aber keine organisierten Freunde. Eine akademische Diskussion kann solche Organisationsf\u00e4higkeit weder ersetzen noch herbeif\u00fchren, sie kann aber wom\u00f6glich die Gruppe derer vergr\u00f6\u00dfern, die jenseits der ethischen Fachdebatten f\u00fcr Selbstbestimmung eintreten. Unter allen akademischen Disziplinen bietet sich insoweit vor allem die \u00d6konomik an. Sie hat ohnehin Grund, die Diskreditierung der Disziplin als moralische Irrlehre, die menschliche \u201eGier\u201c f\u00f6rdert, zu bek\u00e4mpfen. Die \u00d6konomik ist der nat\u00fcrliche \u201edisziplin\u00e4re Alliierte\u201c von Werten individueller Autonomie und Selbstbestimmung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Selbstbestimmung und externe Effekte<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In westlichen Gesellschaften, k\u00f6nnen die Menschen heute im Bereich der pers\u00f6nlichen Lebensf\u00fchrung viele Dinge ohne Angst vor moralischer und rechtlicher Verfolgung tun, die sie fr\u00fcher \u2013 insbesondere vor der sogenannten sexuellen Revolution \u2013 nicht oder nur unter pers\u00f6nlichem Stress zu tun wagten. Insoweit sind wir ohne Zweifel freier geworden.<\/p>\n<p>Mittlerweile wird eher derjenige, der bestimmte Praktiken kritisiert und nicht derjenige, der sie praktiziert, diskreditiert. Insoweit sind wir nicht freier geworden. Es stimmt zwar nicht, dass Meinungen, weil sie nur Worte sind, niemanden verletzen k\u00f6nnen. Aber physische Verletzungen im engeren Sinne gehen von ihnen gewiss nicht aus. Insgesamt sollte es jedem frei stehen, etwa religi\u00f6se oder sexuelle Praktiken zu kritisieren, solange es klar ist, dass die Freiheit, die Praktiken auszu\u00fcben, samt der von diesen ausgehenden externen Effekte gesch\u00fctzt bleibt.<\/p>\n<p>Bei praktisch allem, was in der Welt geschieht, sind externe Effekte auf Dritte, deren Einverst\u00e4ndnis nicht vorher eingeholt werden kann, m\u00f6glich. Entscheidend ist nicht, dass bestimmte Arten von Akten \u00fcberhaupt keine externen Effekte haben, sondern, dass wir normativ erwarten, dass diese externen Effekte toleriert werden. Es geht nicht darum, zu erlauben, was keine externen Effekte hat, sondern externe Effekte zuzulassen. In einer freien Gesellschaft erwarten wir, dass externe Effekte in weiten Bereichen hingenommen werden. Sie d\u00fcrfen allenfalls zivilrechtlich bestimmte Ausgleichszahlungen, aber keine Verbote nach sich ziehen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Rechtliche Bestimmung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Bereich, in dem externe Effekte ohne Entsch\u00e4digung und ohne Verbotsm\u00f6glichkeit toleriert werden m\u00fcssen, wird in unserer Gesellschaft rechtlich zunehmend genauer bestimmt. Die rechtliche Bestimmung f\u00f6rdert einerseits die Freiheit. Sie ist aber andererseits nur dann ungef\u00e4hrlich, wenn die Rechtsprechung versteht, dass es eine Art impliziten Austausch gibt: Wir reden dem anderen nicht hinein, sofern er uns nicht hineinredet. Gew\u00f6hnlich ist es uns wichtiger, etwas selbst bestimmen zu k\u00f6nnen, als es f\u00fcr einen anderen bestimmen zu k\u00f6nnen. Soweit der Andere f\u00fcr sich Dinge in einer Weise bestimmt, die uns nicht gef\u00e4llt, hat dies negative Effekte auf uns. Diese nehmen wir aber hin, um selbstbestimmen zu d\u00fcrfen, auch was ihm nicht gef\u00e4llt. (Die Meinungssph\u00e4re scheint insoweit anders, als wir tendenziell st\u00e4rker daran interessiert sind, dass bestimmte Aussagen \u00fcber uns nicht gemacht werden d\u00fcrfen, als dass wir sie \u00fcber andere machen d\u00fcrfen.)<\/p>\n<p>Die meisten B\u00fcrger haben durchaus ein Bewusstsein daf\u00fcr, dass ihnen die Selbstbestimmung zumal in einer pluralen Gesellschaft wichtiger ist, als die M\u00f6glichkeit etwas f\u00fcr alle und damit f\u00fcr andere zu entscheiden. Besonders prinzipientreu sind die B\u00fcrger in dieser Hinsicht jedoch nicht. Sobald gr\u00f6\u00dfere Gruppen \u00fcberzeugt sind, f\u00fcr eine bestimmte Auffassung gute moralische Gr\u00fcnde zu haben, haben sie wenig Hemmungen, ihre \u00dcberzeugungen auch wenn es daf\u00fcr keinen guten Grund gibt, f\u00fcr alle verbindlich durchzusetzen.<\/p>\n<p>Vor allem die sogenannte Bioehtik ist ein Exerzierfeld f\u00fcr die weltanschauliche Kavallerie der billig und gerecht Denkenden. Gesellschaftliche Bevormundungsgel\u00fcste k\u00f6nnen hier besonders hemmungslos ausgelebt werden. Rechtlich wurde und wird insoweit eher auf- als abger\u00fcstet. Man w\u00e4hnt sich auf dem hohem ethischen Ross des Gemeinwohls, obwohl man eigentlich nur pers\u00f6nliche weltanschauliche Steckenpferde reiten will.<\/p>\n<p>Um davon abzulenken, dass man nur pers\u00f6nliche Vorlieben anderen aufdr\u00e4ngen will, erweist es sich als besonders hilfreich, Geld und Gewerbe als Wurzeln moralischer Korruption zu bem\u00fchen. Die Debatten um Selbstt\u00f6tung und deren sogenannte gewerbsm\u00e4\u00dfige F\u00f6rderung, um das Verbot eines Verkaufs menschlicher Organe, die Prostitution, die Leihmutterschaft, die Eizellenspende gegen Geld etc. sind hier alle einschl\u00e4gig. Wo ernst zu nehmende Argumente fehlen, l\u00e4sst man das Ressentiment gegen den niederen Kommerz die Arbeit machen. Wenn es um Geld dabei geht, dann h\u00f6rt der Spa\u00df auf. Aber selbst, wenn wir f\u00fcr uns etwas dagegen haben, unseren Samen oder unsere Eizellen, \u00fcberhaupt oder gegen Geld herzugeben, wenn wir weltanschaulich etwas dagegen haben, uns selbst das Leben zu nehmen, niemand will uns das aufdr\u00e4ngen. Geht es uns etwas an, wenn jemand Samen oder Eizellen spendet und daf\u00fcr \u2013 Oh Horror! \u2013 Geld nimmt? Wenn jemand aus dem Leben scheiden will und daf\u00fcr zahlen will, dass ihm jemand dabei hilft, warum sollte er das nicht d\u00fcrfen? Kommerzialisierung ist eher Ausdruck derjenigen gesellschaftlichen Mechanismen, die die Optionen schaffen, die Selbstbestimmung erm\u00f6glichen und nicht das Gegenteil.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Haarstr\u00e4ubendes von Kant<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Unfug, der \u00fcber die Subversion von moralischen Werte durch den \u201eKommerz\u201c geredet wird, ist historisch und weltweit endemisch. Er wird uns angeboten, weil die biologische Entwicklungsgeschichte unserer Art uns zwar die Schaffung von Gro\u00dfgesellschaften erm\u00f6glichte, uns aber schlecht auf das Leben unter deren allgemeinen Regeln vorbereitete. Der Mensch ist von seiner Natur als Kleingruppenwesen einfach nicht eingerichtet auf das Leben in gro\u00dfen Gruppen, die von formalen insbesondere vertraglichen Beziehungen gesteuert und gepr\u00e4gt werden. Er m\u00f6chte gern seine eigene Entfremdung \u00fcberh\u00f6hen. Daf\u00fcr eignet sich nichts besser, als kantische Stelzen unterzubinden:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eSich eines integrierenden Teils als Organ berauben (verstu\u00cc\u02c6mmeln), z. B. einen Zahn zu verschenken, oder zu verkaufen, um ihn in die Kinnlade eines andern zu pflanzen, oder die Kastration mit sich vornehmen zu lassen, um als S\u00e4nger bequemer leben zu k\u00f6nnen, u. dgl. geh\u00f6rt zum partialen Selbstmorde; aber nicht, ein abgestorbenes oder die Absterbung drohendes, und hiemit dem Leben nachteiliges Organ durch Amputation, oder, was zwar ein Teil, aber kein Organ des K\u00f6rpers ist, z. E. die Haare, sich abnehmen zu lassen, kann zum Verbrechen an seiner eigenen Person nicht gerechnet werden; wiewohl der letztere Fall nicht ganz schuldfrei ist, wenn er zum \u00e4u\u00dferen Erwerb beabsichtigt wird.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Kant, Immanuel: Die Metaphysik der Sitten., in: ders., \u201eWerke in zw\u00f6lf B\u00e4nden\u201c, Bd. 8, Hrsg. von Wilhelm Weischedel, Frankfurt am Main 1968, S. 555.<\/p>\n<p>In Kants Bemerkung, es sei nicht ganz schuldfrei, wenn man Haar zum Zwecke des \u201e\u00e4u\u00dferen Erwerbs\u201c ver\u00e4u\u00dfert, dr\u00fcckt sich der allgemeine Kommerz-Schmerz aus. Im Hintergrund steht die sogenannte Zweckformel des kategorischen Imperativs. Selbstbestimmung ist nicht einfach Selbstbestimmung. Selbstbestimmung setzt Freiheit voraus und ist damit gebunden an den kategorischen Imperativ. Freiheit hat man nur, wenn man nach allgemeinen Gesetzen handelt (als ob nach ein \u201cNaturgesetz\u201c\u009d laut der Naturgesetzformel des Imperativs).<\/p>\n<p>Es geht um Vernunftzwecke, ohne die \u201cW\u00fcrde\u201c\u009d f\u00fcr den Kantianer nicht zu verstehen ist. Das ist praktisch, denn wer die Interpretationsmacht hat, wenn es um \u201eW\u00fcrde\u201c geht, hat zumal in der deutschen Debatte viel gewonnen. Kant und die Kantianer legen mit Erkenntnisanspruch fest, worin W\u00fcrde liegt. Darin gleichen sie den Verfassungsjuristen, die auf ihren Spuren wandelnd, \u00fcber den W\u00fcrde-Artikel ihre je eigenen politischen Vorlieben erst in die Verfassung projizieren, um sie dann als Interpretation wieder herauszulesen.<\/p>\n<p>Da haben wir einfachen Anh\u00e4nger der Selbstbestimmung nicht mitzubestimmen und schon gar nicht selbst zu bestimmen. Der Kantianer und er Verfassungsrichter lesen aus dem Kaffeesatz der Vernunft, was f\u00fcr das gute und richtige Leben zu halten ist. Und dann d\u00fcrfen alle machen, was die gro\u00dfen Geister wollen!<\/p>\n<p>Die denkerische Disziplin und Brillianz von Kant bei der Analyse einer fiktiven Welt vern\u00fcnftiger Wesen muss man anerkennen und zugleich deren Anwendung auf die reale Welt ablehnen. Es handelt sich in der Tat um ebensolchen (Un-)Sinn, wie wir ihn von der Anwendung des strikten Homo oeconomicus Modells auf die reale Welt kennen. Beide Arten von eleganten Idealisierungen heben normative Vorstellungen auf theoretische Rechtfertigungsstelzen. Die Kantianer verstehen es aber im Gegensatz zu den \u00d6konomen, ihre irref\u00fchrenden Fiktionen vollkommener Rationalit\u00e4t zu wirkm\u00e4chtigen sozialen Meinungskr\u00e4ften werden zu lassen. Dem muss man mit handfestem Alltagsverstand entgegentreten.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Handfestes gegen Kant und Vernunftkonsorten<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der vollkommen rationale Homo oeconomicus tut immer, was in seinem langfristigen eigenen Interesse ist. Er kann nicht in die Irre geleitet werden. Er ist manipulationsfest. Deshalb muss man sich keine Sorgen um seine Autonomie machen. Insbesondere steht nicht zu bef\u00fcrchten, dass er aufgrund von Augenblicksversuchungen sein Einverst\u00e4ndnis zu etwas gibt, das nicht dem entspricht, was er in seinem langfristigen (egoistischen oder selbstlosen) Interesse f\u00fcr sich bestimmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Selbst wenn man ihre rationale Zielverfolgung nicht auf egoistische Ziele ausgerichtet sieht, ist es Unfug anzunehmen, Menschen verhielten sich auch nur ann\u00e4hernd so wie der Homo oeconomicus. Ebensolcher Unfug ist es jedoch, nur Entscheidungen, die mit dem Eigeninteresse nichts zu tun haben, als selbstbestimmt anzusehen. Egoismus ist weder hinreichend daf\u00fcr, dass Entscheidungen wohl\u00fcberlegt und selbstbestimmt sind, noch notwendig.<\/p>\n<p>Der Alltagsverstand sagt uns, dass Autonomie, nicht darin besteht, dass zu tun, was andere wollen bzw. f\u00fcr richtig halten, sondern was man selbst will. Alles, was man dazu sicherstellen muss, ist, dass die Entscheidungen mit k\u00fchlem Kopf \u2013 wohl\u00fcberlegt z.B. nach einer Abk\u00fchlungsphase best\u00e4tigt &#8211;\u00c2\u00a0 zu treffen sind.<\/p>\n<p>Wenn etwa jemand seine Organe postmortal spenden will und daf\u00fcr Geld verlangt, warum sollte er das nicht tun d\u00fcrfen? Warum soll nicht der Spender auch im Falle der Lebendspende festlegen d\u00fcrfen, wem er spendet? Wenn er nur f\u00fcr schwarzhaarige, blonde oder deutsche Empf\u00e4nger spenden will, was geht uns das an, solange wir selbst auch bestimmen d\u00fcrfen, an wen unsere Organe gehen? Wenn jemand nur an die spenden will, die selbst spenden, um moralische Werte wechselseitiger Solidarit\u00e4t zu f\u00f6rdern und Freifahrerverhalten zu verhindern, welchen guten Grund gibt es eigentlich, das nicht zulassen zu wollen? Dies sind alles Akte der Selbstbestimmung. Wenn Selbstbestimmtheit ein H\u00f6chstwert ist, wie kann man ihn noch an andere als die selbstgesetzten Zwecke des verf\u00fcgenden Individuums binden?<\/p>\n<p>Weil man kein anderes Argument sieht, tut man so, als ob von Geldzahlungen als solchen ein die Autonomie untergrabender Zwang auf den Empf\u00e4nger ausgeht. Das ist absurd, da man au\u00dferhalb von Notsituationen durch Geld allenfalls gelockt aber nicht gezwungen wird. Es f\u00fchrt zugleich zu Inkoh\u00e4renzen.<\/p>\n<p>Diese kann man mit besonderer Eindringlichkeit am Falle der posthumen Gewebespende studieren. Damit aus den Geweben hilfreiche medizinische Heilmittel werden, m\u00fcssen sie aufbereitet werden. Daran m\u00fcssen diejenigen, die das tun, verdienen d\u00fcrfen. Nur so kann den Empf\u00e4ngern geholfen werden. Am Ende profitieren alle die helfenden Aufbereiter und die Empf\u00e4nger. Warum dann aber nicht auch die Hinterbliebenen von den Verstorbenen durch entsprechende Verf\u00fcgungen in die Lage versetzt werden d\u00fcrfen, von der Gewebeentnahme zu profitieren, ist nicht ersichtlich. Warum man solche Akte jemandem untersagen soll, um seine Selbstbestimmung zu sch\u00fctzen, ist f\u00fcr den Alltagsverstand ein vollkommenes Geheimnis. Es erschlie\u00dft sich wohl nur dem, der sich einem rationalen Mysterienkult wie der Kantischen Philosophie oder insoweit ehrlicher einer Religion anschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Wenn es wirklich um Selbstbestimmung ginge, dann w\u00fcrde man sich damit befassen, den Informationsstand der Verf\u00fcgenden zu verbessern und freie Vereinbarungen mit anderen erlauben, aber nicht damit, ihnen den Inhalt der Verf\u00fcgungen vorzuschreiben. Die Menschenw\u00fcrde, die in solchen Fragen gern herangezogen wird, um andere zu bevormunden, verlangt bei vern\u00fcnftiger Interpretation, den Schutz der Selbstbestimmung. Sie zu sch\u00fctzen, heisst, die B\u00fcrger darin zu st\u00e4rken, ihre eigenen langfristigen Ziele informiert verfolgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir sollten sie davor sch\u00fctzen, manipuliert zu werden, aber die B\u00fcrger nicht im Namen des Schutzes der Menschenw\u00fcrde manipulieren. Wir sollten die B\u00fcrger im Zweifel das tun lassen, was sie wollen, und nicht zwingen das zu tun, was wir wollen.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Geht uns das vorangehende etwas an?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Fragen gehen uns leider alle an, obschon wir es gern auf die lange Bank schieben, uns mit ihnen zu befassen. Wir leben in einer Welt, deren nur durch die Freiheit zur Innovation und die M\u00f6glichkeiten des Kommerzes erm\u00f6glichten Technologien uns zunehmend Aufschub gegen\u00fcber Tod und Krankheit gew\u00e4hrten. Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben.<\/p>\n<p>Da jeder von uns betroffen ist, soweit es um den eigenen Tod geht, sollten wir uns beispielsweise klar machen, dass das, was sich wieder einmal als Kampf gegen kommerzielle Sterbehilfe getarnt hat, nur ein weiterer Vorwand ist, unsere pers\u00f6nliche Selbstbestimmung zu unterminieren. Kommerzielle Sterbehilfe ist gewiss besser als keine Sterbehilfe. Und kompetente Hilfe werden wir eher erhalten, wenn wir anst\u00e4ndig daf\u00fcr bezahlen, als wenn wir nichts daf\u00fcr geben.<\/p>\n<p>Es sollte uns mit tiefem Misstrauen erf\u00fcllen, wenn verboten wird, anderen eine Gegenleistung f\u00fcr Leistungen anzubieten, die wichtig und nicht gegen Dritte gerichtet sind. Das gilt bis hin zu so harmlosen Leistungen wie die Zustimmung zu einer postmortale Organ- oder Gewebeentnahme. Diejenigen, die die Zustimmungsbereitschaft f\u00f6rdern wollen, d\u00fcrfen uns daf\u00fcr nicht einmal anbieten, die Beerdigungskosten zu tragen.<\/p>\n<p>Dass es sich dabei um pekuni\u00e4re Motive handelt, erweist sich als starke politische Waffe. Es ist als Begr\u00fcndung aber arg d\u00fcnn. Die Marschmusik der Marktfundamentalisten ist zwar auch nicht viel \u00fcberzeugender, aber unter dem Aspekt der Selbstbestimmung immer noch besser als das, womit sich unsere Priester und Philosophen dicketun.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entwicklung moderner medizinischer Technologien geht uns alle an. Wir tun allerdings so, als sei das nicht so. 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