{"id":19317,"date":"2016-05-28T00:01:29","date_gmt":"2016-05-27T23:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19317"},"modified":"2016-05-27T15:47:46","modified_gmt":"2016-05-27T14:47:46","slug":"frieden-braucht-eigentum-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19317","title":{"rendered":"Frieden braucht Eigentum"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eEine jede Handlung ist recht, die oder nach deren Maxime die Freiheit der Willk\u00fcr eines jeden mit jedermanns Freiheit nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann.\u201c<\/em> (Immanuel Kant (1724 \u2013 1804))<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4ren G\u00fcter nicht knapp, g\u00e4be es keine zwischenmenschlichen Konflikte. Beispielsweise w\u00fcrde mein Verzehr eines Apfels mir keinen Verzicht auf einen Apfel in der Zukunft abverlangen. Auch einer anderen Person w\u00fcrde durch meinen Apfelverzehr weder heute noch k\u00fcnftig etwas entgehen. Weil aber in der Welt, in der der Mensch lebt, G\u00fcter knapp sind, gibt es Rivalit\u00e4t um sie. Wie l\u00e4sst sich diese Rivalit\u00e4t in zivilisierter Weise in den Griff bekommen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine plausible Antwort w\u00e4re: Jeder muss den Unterschied zwischen Mein und Dein akzeptieren. Denn wenn ich wei\u00df, was deins ist, und du wei\u00dft, was meins ist, lassen sich Konflikte vermeiden \u2013 und wenn sie dennoch auftreten, ist es prinzipiell m\u00f6glich, sie zu schlichten. Das unbedingte Respektieren des Eigentums stellt also ein f\u00fcr alle akzeptables Zusammenleben der Menschen in der Gemeinschaft in Aussicht.<\/p>\n<p>Doch halt: Ist nicht das Eigentum (an Boden) eine ganz und gar willk\u00fcrliche Einrichtung, die, wie zum Beispiel der franz\u00f6sische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712 &#8211; 1778) es seinen Lesern glauben machen will, gewisserma\u00dfen erst das Unheil in die Welt gebracht hat? Es braucht nicht viel, um diese Position zu entkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Als handelnde Menschen k\u00f6nnen wir uns die Kategorie Eigentum nicht wegdenken, ohne in einen logischen Widerspruch zu verfallen. Wer sagt, dass das Eigentum \u201eunnat\u00fcrlich\u201c oder \u201everzichtbar\u201c sei, der unterstellt mit dieser Aussage, dass er Eigentum an seiner Person hat, dass er \u00fcber <em>Eigentum an eigenen K\u00f6rper<\/em> (Selbsteigentum) verf\u00fcgt. Ansonsten h\u00e4tte er diese Aussage gar nicht machen k\u00f6nnen. Das Eigentum ist f\u00fcr uns Menschen ein <em>a priori<\/em>: eine nicht widerspruchsfrei bestreitbare Erkenntnis.<\/p>\n<p>Aus dem Selbsteigentum folgt, dass jede Person das Recht hat, seinen K\u00f6rper zu erhalten, sich knappe G\u00fcter zu beschaffen (wie zum Beispiel Nahrung, Kleidung, Behausung). Weil aber G\u00fcter knapp sind, braucht man eine <em>Norm<\/em>, um die dabei zwangsl\u00e4ufig auftretenden Rivalit\u00e4ten zu entsch\u00e4rfen. Mehr noch: Man braucht eine <em>ethische<\/em> Norm: Eine, die f\u00fcr alle Menschen gleicherma\u00dfen und \u00fcberall gilt, und die zudem sicherstellt, dass die Menschen, die ihr Handeln an dieser Norm ausrichten, \u00fcberleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Eigentum erweist sich als das zentrale Element der gesuchten ethischen Norm. Dazu f\u00fchrt man sich am besten einmal vor Augen, wie Eigentum an G\u00fctern <em>konfliktfrei<\/em> in die Welt kommt. Dies kann nur auf drei Wegen geschehen: (1) Durch Landnahme (\u201eHomesteading\u201c), durch Inbesitznahme von nat\u00fcrlichen Ressourcen, die nachweislich zuvor von keinem anderen in Besitz genommen wurden; (2) durch Produktion, durch das \u201eVermischen\u201c der eigenen Arbeitsleistung mit nat\u00fcrlichen Ressourcen; und (3) durch freiwilliges Tauschen und Verschenken.<\/p>\n<p>Menschliches Handeln, das sich durch den unbedingten Respekt vor dem Eigentum auszeichnet, ist eines, das f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen und unabh\u00e4ngig von Ort und Zeit gelten kann, und es stellt zudem auch sicher, dass die menschliche Existenz bewahrt wird. Diese \u00dcberlegungen lassen sich zum \u201eNicht-Aggressionsprinzip\u201c zusammenfassen: Demnach handelt der ethisch, der das Eigentum seiner Mitmenschen respektiert.<\/p>\n<p>Genau das ist der Fall in einer <em>freien Marktwirtschaft<\/em>. Eigentum an G\u00fctern wird hier in <em>nicht-aggressiver<\/em> Weise durch <em>freiwilliges Handeln<\/em> erworben. (Selbstredend w\u00e4re auch in einer freien Marktwirtschaft mit zum Beispiel Diebstahl, Betrug und Geldf\u00e4lschung zu rechnen. Aber solche Taten w\u00fcrden als Regelverst\u00f6\u00dfe geahndet und entsprechend sanktioniert.)<\/p>\n<p>Eine freie Marktwirtschaft setzt produktive Kr\u00e4fte frei, weil die Menschen ihrem <em>nat\u00fcrlichen Drang<\/em> zur Arbeitsteilung nachkommen k\u00f6nnen: Ein jeder erstellt das, was er am vergleichsweise besten kann. Selbst diejenigen, die alles besser k\u00f6nnen als andere, werden die Kooperation mit den weniger Leistungsf\u00e4higen suchen; das ist eine Erkenntnis, die der englische \u00d6konomen Richard Ricardo (1772 \u2013 1823) unter dem Begriff \u201eTheorie der komparativen Kosten\u201c bekannt gemacht hat.<\/p>\n<p>Doch f\u00fchrt das nicht dazu, dass die, die Eigentum besitzen \u2013 insbesondere die, die Land und Unternehmen ihr Eigen nennen \u2013, gegen\u00fcber denen, die derartiges Eigentum nicht besitzen, ungerechterweise bevorteilt werden? Die Antwort ist <em>nein<\/em>. In einer freien Marktwirtschaft erwirbt derjenige Eigentum an G\u00fctern, der die Nachfragew\u00fcnsche seiner Mitmenschen bestm\u00f6glich erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Erfolgreiche Unternehmen machen Gewinne, weil sie etwas anbieten, was die Nachfrager wollen, und sie ihre Produkte zu einem Preis verkaufen, der \u00fcber den Produktionskosten liegt. Gelingt es dem Unternehmer nicht, die Kundenw\u00fcnsche zu erf\u00fcllen, macht er Verluste. Sein Eigentum geht an andere Produzenten \u00fcber, die aus Sicht der Kunden erfolgreicher wirtschaften als er.<\/p>\n<p>Zudem k\u00f6nnen viele Menschen, die weniger unternehmerisch ausgerichtet sind, ein Einkommen erzielen, an das sie ohne den erfolgreichen Unternehmer gar nicht gelangen w\u00fcrden. In einer freien Marktwirtschaft, in der es Konkurrenz um die Arbeitskraft gibt, gewinnen folglich auch die Arbeitnehmer, wenn Unternehmer erfolgreich wirtschaften.<\/p>\n<p>Man mag nun beklagen, dass die einen schneller sind als die anderen; dass einige gr\u00f6\u00dfer sind als die anderen; dass manche viele gute Ideen haben, vielen aber kaum N\u00fctzliches in den Sinn kommt. Menschen sind aber nun einmal unterschiedlich. W\u00e4ren sie gleich, so k\u00f6nnten sie rein gar nichts miteinander anfangen! Eine freie Marktwirtschaft w\u00e4re unm\u00f6glich \u2013 und die Lebensbedingungen f\u00fcr die meisten Menschen, die das \u00fcberleben w\u00fcrden, w\u00e4ren extrem miserabel.<\/p>\n<p>Der <em>unbedingte Respekt vor dem Eigentum<\/em> \u2013 dem Selbsteigentum am eigenen K\u00f6rper und dem Eigentum an den rechtm\u00e4\u00dfig erworbenen G\u00fctern \u2013 stellt folglich eine praktikable ethische Norm f\u00fcr das Zusammenleben in der Gemeinschaft dar. So gesehen f\u00fchren alle politischen Bestrebungen, das Eigentum zu relativieren oder gar abzuschaffen, zu Unfrieden und Ungerechtigkeit, die letztlich den materiellen Wohlstand der Gemeinschaft verschlechtern oder gar zerst\u00f6ren.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine jede Handlung ist recht, die oder nach deren Maxime die Freiheit der Willk\u00fcr eines jeden mit jedermanns Freiheit nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19317\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFrieden braucht Eigentum\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1317,30,38,34,1571,21],"tags":[2208,487,989],"class_list":["post-19317","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dogmengeschichtliches","category-ethisches","category-institutionelles","category-kapitalistisches","category-marktliches","category-unternehmerisches","tag-eigentum","tag-ethik","tag-frieden"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Frieden braucht Eigentum - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19317\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Frieden braucht Eigentum - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u201eEine jede Handlung ist recht, die oder nach deren Maxime die Freiheit der Willk\u00fcr eines jeden mit jedermanns Freiheit nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen &hellip; 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