{"id":19362,"date":"2016-06-08T00:01:37","date_gmt":"2016-06-07T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19362"},"modified":"2016-06-09T07:19:17","modified_gmt":"2016-06-09T06:19:17","slug":"kurz-kommentiertkuka-und-die-gelbe-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19362","title":{"rendered":"Kuka und die gelbe Gefahr"},"content":{"rendered":"<p>Barack Obama m\u00f6chte zum Schluss seiner Amtszeit auch der Wirtschaft noch etwas Gutes tun. Er aktiviert gerade seine weitreichenden Kontakte zu US-Gro\u00dfkonzernen, um sie f\u00fcr ein finanzielles Engagement bei Monsanto zu gewinnen. Ben\u00f6tigt werden gut 60 Milliarden US-Dollar, um das \u00dcbernahmeangebot der deutschen Bayer-AG auszustechen. Das ist wahrlich nicht zu viel des Geldes, wenn man die strategische Bedeutung des Agrarsektors f\u00fcr die amerikanische Exportwirtschaft und die strategische Bedeutung des Saatgut- und Pflanzenschutzspezialisten aus St. Louis f\u00fcr den amerikanischen Agrarsektor bedenkt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sie halten das f\u00fcr eine abstruse Geschichte, die zudem v\u00f6llig unglaubw\u00fcrdig sei? Da haben Sie Recht. Denn so hat es sich nicht zugetragen und so wird es sich wohl auch nicht zutragen. Ich habe n\u00e4mlich ein paar Namen und Regionen verwechselt. Es geht nicht um US-Pr\u00e4sidenten Obama, sondern um EU-Kommissar G\u00fcnther Oettinger (assistiert von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel). Und es geht auch nur um 4,5 Milliarden Euro, die der chinesische Hausger\u00e4tehersteller Midea f\u00fcr die Aufstockung seiner Anteile am Augsburger Roboterhersteller Kuka von derzeit etwa zehn Prozent auf drei\u00dfig Prozent bieten will. Oettinger regt ein Alternativangebot des Gro\u00dfaktion\u00e4rs Voith oder den Einstieg anderer europ\u00e4ischer Firmen an, um sicherzustellen, dass Kuka mit seiner strategischen Bedeutung f\u00fcr die Automobilindustrie in europ\u00e4ischen H\u00e4nden bleibt.<\/p>\n<p>\u201eWir sind offen, aber nicht dumm\u201c, verk\u00fcndet Oettinger im Interview der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 4.\/5. Juni 2016. Grunds\u00e4tzlich seien ausl\u00e4ndische Investoren willkommen, aber bei Kuka sei das Risiko gro\u00df, dass Know-how und technologieintensive Arbeitspl\u00e4tze ins Ausland abflie\u00dfen. Die robuste ordnungspolitische Antwort auf ein solches Argument w\u00e4re, der Staat solle sich aus den Standortentscheidungen von Unternehmen grunds\u00e4tzlich heraushalten \u2013 egal, ob es dabei um technologisch hochwertige oder um weniger hochwertige Unternehmensaktivit\u00e4ten handelt.<\/p>\n<p>Die Au\u00dfenhandelstheorie dagegen gibt eine etwas differenziertere Antwort.<\/p>\n<ul>\n<li>Auch nach ihr gilt, dass die industriepolitische Intervention begr\u00fcndungsbed\u00fcrftig ist und nicht der Verzicht auf die Intervention. Au\u00dferdem gilt, dass bei funktionierenden M\u00e4rkten der Abfluss von Know-how bei Firmen\u00fcbernahmen durch ausl\u00e4ndische Investoren im Kaufpreis angemessen entgolten wird, so dass weder dem aufgekauften Unternehmen noch dem Sitzland des aufgekauften Unternehmens ein Wohlstandsverlust droht.<\/li>\n<li>Staatliche Markteingriffe im Inland k\u00f6nnten allerdings gerechtfertigt sein, wenn sich das Ausland nicht an die marktwirtschaftlichen Spiel\u00c2\u00adregeln h\u00e4lt und seinen Unternehmen erm\u00f6glicht, Know-how und technologieintensive Arbeitspl\u00e4tze ins Land zu holen, ohne dass sich das betriebswirtschaftlich rechnen muss. Hier kann es unter Umst\u00e4nden volks\u00c2\u00adwirtschaftlich vorteilhaft sein kann, auf ausl\u00e4ndische Markteingriffe mit inl\u00e4ndischen Gegenma\u00dfnahmen zu reagieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Umst\u00e4nde, auf die es dabei ankommt, liegen bei den komparativen Vorteilen und Nachteilen der beteiligten L\u00e4nder, die wir zur Vereinfachung mit A (Sitzland des Aufk\u00e4ufers) und \u00dc (Sitzland des \u00dcbernahmeobjekts) bezeichnen wollen.<\/p>\n<ul>\n<li>Hat Land A in der Branche des \u00dcbernahmeobjekts einen komparativen Vorteil und Land B einen komparativen Nachteil, dann ist die \u00dcbernahme zum gegenseitigen Vorteil, da sie f\u00fcr beide L\u00e4nder zu Handelsgewinnen f\u00fchrt.<\/li>\n<li>Hat Land A in der betreffenden Branche einen komparativen Nachteil und \u00dc einen komparativen Vorteil, dann schadet sich Land A zwar selbst durch die Firmen\u00fcbernahme, aber es schadet auch Land \u00dc, das seine komparativen Vorteile nicht mehr wie bisher ausspielen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In ersterem Fall w\u00e4re eine industriepolitische Abwehrma\u00dfnahme von Land \u00dc zum Nachteil beider L\u00e4nder und sollte deshalb eindeutig unterbleiben. In letzterem Fall k\u00f6nnte \u00fcber industriepolitische Gegenma\u00dfnahmen nachgedacht werden. Das Mittel der Wahl w\u00e4re sicherlich eine Konsultation auf diplomatischer Ebene, um Land A zu verdeutlichen, dass es sich letztlich selbst schadet, wenn es seinen (Staats-)Unternehmen Akquisitionen erm\u00f6glicht, die weder volks- noch betriebswirtschaftlich Sinn machen. Erst wenn das nichts fruchtet, k\u00f6nnten industriepolitische Gegenma\u00dfnahmen ins Auge gefasst werden.<\/p>\n<p>Wie ist vor diesem Hintergrund die geplante \u00dcbernahme von Kuka durch Midea zu bewerten? Spontan k\u00f6nnte man vermuten, Industrieroboter w\u00fcrden eher zu den komparativen Vorteilen Europas als zu denen Chinas passen. Doch man sollte sich h\u00fcten, die technologische Kraft der chinesischen Wirtschaft zu untersch\u00e4tzen. China ist l\u00e4ngst kein r\u00fcckst\u00e4ndiges Entwicklungsland mehr, auch wenn die regionalen Unterschiede in diesem Riesenreich betr\u00e4chtlich sind. Vor allem aber erscheint es keineswegs als ausgemacht, dass tats\u00e4chlich technologieintensive Arbeitspl\u00e4tze von Europa nach China abflie\u00dfen, denn Midea k\u00f6nnte durchaus gut beraten sein, sich auch k\u00fcnftig f\u00fcr die Produktion \u00c2\u00a0von Industrierobotern das Fachwissen der schw\u00e4bischen Arbeitskr\u00e4fte zu sichern.<\/p>\n<p>Kommissar Oettinger plagt aber auch noch eine andere Sorge: Die EU hat sich den Aufbau der technologischen Exzellenz von Kuka einiges kosten lassen, und zwar rund 15 Millionen Euro an EU-Forschungsgeldern. Wenn Midea letztlich doch noch den Kuka-Standort nach China verlagern sollte, dann h\u00e4tten die EU-F\u00f6rdergelder der Exzellenz von China und nicht der von Europa gedient.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich die eigentliche Lektion des Kuka-Falls, die von all jenen Standortpolitikern ber\u00fccksichtigt werden sollte, die danach streben, mit FuE-Subventionen die komparativen Vorteile zu Gunsten der eigenen Region zu ver\u00e4ndern. Bei offenen M\u00e4rkten und international mobilem Kapital kann das auf Dauer nicht funktionieren, da das mit Hilfe der Subventionen in den inl\u00e4ndischen Unternehmen akkumulierte technologische Wissen jederzeit vom Ausland weggekauft werden kann. Eine nachhaltige Standortpolitik, die die komparativen Vorteile Europas bei technologisch hochwertigen Produktionen sichern will, sollte sich auf die F\u00f6rderung von Bildung und Ausbildung konzentrieren anstatt auf FuE-Subventionen, denn gut ausgebildete Arbeitskr\u00e4fte verfl\u00fcchtigen sich nicht so leicht ins Ausland.<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnte Oettinger sich problemlos trauen, offen und nicht dumm zu agieren. Solange die technologieorientierte Standortpolitik der EU dagegen vorrangig auf das Instrument der FuE-Subventionen setzt, k\u00f6nnte das \u201enicht\u201c in dem erw\u00e4hnten Zitat leicht vom hinteren in den vorderen Teil des Satzes wandern. Und das w\u00e4re bedauerlich.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barack Obama m\u00f6chte zum Schluss seiner Amtszeit auch der Wirtschaft noch etwas Gutes tun. 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