{"id":19714,"date":"2016-09-01T06:45:26","date_gmt":"2016-09-01T05:45:26","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19714"},"modified":"2016-09-01T06:46:02","modified_gmt":"2016-09-01T05:46:02","slug":"varianten-des-kapitalismuslets-face-it-britain-is-differentbrexit-entrepreneurship-und-das-angelsaechsische-modell-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19714","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Varianten des Kapitalismus<br\/><\/font>Let\u2019s face it! Britain is Different<br\/><font size=3; color=grey>Brexit, Entrepreneurship und das angels\u00e4chsische Modell<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die Briten haben sich mit knapper Mehrheit f\u00fcr den Brexit entschieden. Das Ergebnis der Volksabstimmung hat viele \u00fcberrascht. Aber es kam nicht \u00fcberraschend. Am Ende war es wohl die Immigration, die den Ausschlag gab. \u00c2\u00a0Auch hat die euroskeptische Presse mit ihrer Berichterstattung drei\u00dfig Jahre lang den Boden f\u00fcr diese Entscheidung bereitet. Boris Johnson, damals noch Journalist, soll auf einer Pressekonferenz die symptomatische Frage gestellt haben: \u201eOk, tell me what\u2019s going on and why it is bad for Britain!\u201c Auch die britische Politik hat ihren Beitrag geleistet, indem sie \u00fcber Jahrzehnte hinweg kaum eine Chance vers\u00e4umt hat, unpopul\u00e4re Entscheidungen den \u201eungew\u00e4hlten B\u00fcrokraten\u201c aus Br\u00fcssel anzulasten. Und schlie\u00dflich \u2013 \u201eDon\u2019t mention the War!\u201c \u2013 mag auch das Selbstbewusstsein des Inselvolks nie ganz \u00fcberwunden haben, Teil eines Staatenbunds zu sein, in dem die Feinde von einst eine starke Rolle innehaben.\u00c2\u00a0 Zumindest mag man aus der Geschichte ableiten, nicht zwangsl\u00e4ufig Teil Europas zu sein, sondern die Freiheit zu haben, zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Doch die Ursachen f\u00fcr das Brexit-Votum gr\u00fcnden tiefer. Neben dem in der Geographie begr\u00fcndeten Bewusstsein, noch immer ein Meer zwischen sich und dem Kontinent zu haben, und neben der \u00fcber Jahrhunderte praktizierten politischen Tradition der \u201eBalance of Power\u201c, also der Politik, stets m\u00f6glichst eine kontinentale Gro\u00dfmacht gegen die jeweils andere auszuspielen \u2013 und so das Heranwachsen eines potentiell zu m\u00e4chtigen Rivalens auf der anderen Seite des Kanals zu verhindern \u2013 ist es ein diffuses Unbehagen gegen\u00fcber Regulierung aus Br\u00fcssel, das zu einem in unterschiedlichster Weise und \u00fcber Jahre auch von den unterschiedlichsten Akteuren artikulierten Gef\u00fchl gef\u00fchrt hat, dass die Politik der EU nicht im Interesse der britischen Wirtschaft sei.<\/p>\n<p>Dieses Unwohlsein hat eine reale Grundlage: Gro\u00dfbritannien geh\u00f6rt einem anderen Wirtschaftsmodell an als der Gro\u00dfteil des Rests der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Varianten des Kapitalismus<\/strong><\/p>\n<p>Worum geht es? Vor 200 Jahren eroberte Napoleon fast ganz Europa. Mit im Gep\u00e4ck ein neues Rechtssystem: Das Kodexrecht. Nicht mehr die Gewohnheit definierte nun Recht oder Unrecht, sondern das Gesetzbuch. Nicht Tradition oder Pragmatismus sollten Standards vorgeben, sondern universell g\u00fcltige Prinzipien. Ein Fu\u00df war eine bew\u00e4hrte Ma\u00dfeinheit, doch nun wurde der Meter definiert als der zehnmillionste Teil der Entfernung zwischen \u00c2\u00a0Nordpol und \u00c4quator. Platon statt Protagoras! Descartes und Kant statt Locke und Hobbes! W\u00e4hrend dessen exportierte Gro\u00dfbritannien sein Common Law nicht nur in die neu gegr\u00fcndeten Vereinigten Staaten von Amerika, sondern in eine immer gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Kolonien weltweit. Das Habsburgerreich, in dem lange Zeit \u201edie Sonne nie unterging\u201c, ebenso Preu\u00dfen und sp\u00e4ter das Deutsche Reich, beeinflussten zur gleichen Zeit mit ihren Traditionen die Institutionenbildung in einer Vielzahl vor allem mitteleurop\u00e4ischer L\u00e4nder \u2013 die sp\u00e4teren Kernlande der Europ\u00e4ischen Union. Der Bismarck\u2019sche Sozialstaat, ausgelegt mehr auf den Erhalt sozialer Schichten als die reine Unterst\u00fctzung Notleidender, unterscheidet sich in seinen Prinzipien deutlich vom Beveridge\u2019schen, auf dem heute noch der NHS basiert. Individuelle Tugend ist indes Grundlage (legitimen) pers\u00f6nlichen Wohlstands im Protestantismus, insbesondere in der calvinistisch gepr\u00e4gten Variante. Der katholischen Soziallehre wiederum ist jeder Reichtum suspekt \u2013 au\u00dfer (wie k\u00f6nnte es anders sein!) jener der Kirche oder des Staats. Unn\u00f6tig, hier zu erkl\u00e4ren, welche Tradition welche L\u00e4nder jeweils mehr gepr\u00e4gt hat. Seit dem siebzehnten Jahrhundert muss das House of Commons dem britischen Monarchen jede Steuer genehmigen, die Rechte des Einzelnen sind in der Magna Carta von 1215 verbrieft. W\u00e4hrenddessen entsteht in Preu\u00dfen der Korporatismus: Man beteiligt \u201edie Wirtschaft\u201c in Form von Kaufmannsgilden sowie andere Interessensgruppen kollektiv an der politischen Entscheidungsfindung, ohne echte Demokratie wagen zu m\u00fcssen. Japan, in vielfacher Hinsicht Deutschland nicht un\u00e4hnlich, \u00fcbernimmt mit der Meiji-Revolution viele institutionelle Ans\u00e4tze aus dem deutschen Kaiserreich. So bilden sich Varianten marktwirtschaftlich orientierter L\u00e4nder. L\u00e4nder, die innerhalb ihrer Gruppe viele Gemeinsamkeiten teilen, die gegen\u00fcber den Mitgliedern anderer Gruppen gr\u00f6\u00dfere Unterschiede aufweisen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die auf historisch gewachsenen Institutionen basieren. Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die geeignet sind, wirtschaftliches Handeln nicht unwesentlich in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten betreffen unter anderem die Ausgestaltung von Sozialstaaten und Finanzsystemen, die Arbeitsgesetzgebung und Produkthaftung, das Wettbewerbsrecht, die Corporate Governance, die Bildung und andere wichtige Aspekte im Innovationssystem. Sie werden in der Literatur zu \u201eVarianten des Kapitalismus\u201c beschrieben (vgl. z.B. Esping-Andersen, 1990; Albert, 1991; Hall und Soskice, 2001; Sapir, 2005). Sie lassen sich \u2013 zumindest teilweise \u2013 empirisch nachweisen (vgl. u.a. K\u00f6gel, 2013; K\u00f6gel, 2014). Und sie wirken sich aus auf die Wirtschaftsstruktur, indem sie auf dem Wege unterschiedlicher Anreizsysteme jeweils unterschiedliche Arten \u00f6konomischer Aktivit\u00e4ten (auch Aktivit\u00e4ten unterschiedlicher Branchen) erleichtern oder erschweren (vgl. Hall und Soskice, 2001; K\u00f6gel, 2013). Als bedeutendste dieser Gruppen \u2013 und gleichsam Antipoden \u2013 werden Rheinmodell (auch rheinischer Kapitalismus oder koordinierte Marktwirtschaft, kurz CME) und das angels\u00e4chsische Kapitalismusmodell (auch liberale Marktwirtschaft oder LME) gehandelt.<\/p>\n<p>Da die Europ\u00e4ische Union von den Vertretern der koordinierten Marktwirtschaften (des Rheinmodells) dominiert ist, ergibt sich f\u00fcr die Briten als liberale Marktwirtschaft (angels\u00e4chsisches Modell) vielfach ein institutioneller Mismatch, der ein diffuses Unbehagen hervorruft. Eine umgekehrt gelagerte Situation ist aktuell mit Bezug auf das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen TTIP feststellbar. Hier rufen starke Ankl\u00e4nge der angels\u00e4chsischen Rechts- und Wirtschaftstradition in Kontinentaleuropa Widerstand hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bedingungen f\u00fcr Unternehmertum<\/strong><\/p>\n<p>Unterschiede in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigen sich \u2013 \u00c2\u00a0nicht nur, aber auch \u2013 an den Bedingungen f\u00fcr Unternehmertum. Jedes Jahr f\u00fchrt die Weltbank unter dem Titel \u201eDoing Business\u201c eine Untersuchung durch, um die Bedingungen f\u00fcr Unternehmertum weltweit vergleichbar zu machen. Die Weltbank-Studie zeichnet dazu den Lebenszyklus eines Unternehmens von Gr\u00fcndung bis Aufl\u00f6sung nach. Sie bewertet an insgesamt zehn Punkten im Lebenszyklus die Interaktion zwischen Unternehmen und (meist staatlichen nationalen) Institutionen. Zum Beispiel: Die Schritte zur Gr\u00fcndung eines Unternehmens, das Einstellen bzw. K\u00fcndigen von Mitarbeitern, die Finanzierung, Export- und Importbestimmungen oder die Komplexit\u00e4t von Insolvenzverfahren. Unternehmertum kann durchaus als die Essenz wirtschaftlichen Handelns betrachtet werden. Wo, wenn nicht am zarten Pfl\u00e4nzchen Unternehmertum sollten sich Unterschiede in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders sp\u00fcrbar auswirken?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Unternehmertum: Deutliche Unterschiede zwischen Gro\u00dfbritannien und dem Rheinmodell<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ein Blick auf die Daten der Weltbank-Studie entdeckt deutliche Unterschiede in den Bedingungen f\u00fcr Unternehmertum zwischen den unterschiedlichen Kapitalismusmodellen und damit dem Vereinigten K\u00f6nigreich und der in der EU dominanten Gruppe und macht so den institutionellen Mismatch ersichtlich.<\/p>\n<p>Am deutlichsten sind die Unterschiede in den Bereichen Unternehmensgr\u00fcndung, Arbeitnehmerschutz, Finanzierung und Investorenschutz, gefolgt von den Au\u00dfenhandelsbestimmungen (weniger relevant mit Blick auf das Vereinigte K\u00f6nigreich, aufgrund der Einheitlichkeit der Bedingungen innerhalb der Europ\u00e4ischen Union) und die Bedingungen zur Abwicklung eines Unternehmens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kogelabb1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"kogelabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kogelabb1.png\" alt=\"kogelabb1\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>So dauert die Gr\u00fcndung eines Unternehmens im rheinischen Kapitalismusmodell im Mittel 10,8 Tage, im Modell der liberalen Marktwirtschaft 5,4, und ist mit f\u00fcnf mal so hohen Kosten verbunden. Im OECD Labour Protection Index reflektieren sich wesentliche Unterschiede in der Arbeits- und Sozialgesetzgebung. Hier liegen koordinierte Marktwirtschaften bei Werten um 2,17, liberale bei Werten um 1,18 (Vereinigtes K\u00f6nigreich: 1,27). Im Legal Rights Index genie\u00dfen Aktion\u00e4re in liberalen Marktwirtschaften Werte um die 10,27 (Vereinigtes K\u00f6nigreich 9,85), in koordinierten Werte um 6,96. Die effektive Unternehmensbesteuerung liegt schlie\u00dflich im Vereinigten K\u00f6nigreich bei einem f\u00fcr liberale Marktwirtschaften (Mittelwert 35,31%) typischen Wert von 34,63% (koordinierte Marktwirtschaften 42,20%).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kogelabb2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"kogelabb2\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kogelabb2.png\" alt=\"kogelabb2\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Insgesamt unterstreicht die kleine Analyse die Aussage der Theorie von Varianten des Kapitalismus, n\u00e4mlich dass im angels\u00e4chsischen und im rheinischen Kapitalismus ein nicht deckungsgleiches Set an institutionellen Rahmenbedingungen existiert, auf welches sich die Wirtschaftsstruktur \u00fcber die Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte im Sinne der klassischen Au\u00dfenhandelstheorie angepasst haben muss.<\/p>\n<p>Deshalb, und aufgrund von institutionellen Komplementarit\u00e4ten innerhalb der einzelnen Modelle, ergibt sich im Falle eines selektiven Transfers institutioneller Gegebenheiten durch ein exogenes Set an Regulierung, das sich an einem \u201efremden\u201c Kapitalismusmodell orientiert \u2013 geschehen durch Applikation von EU-Recht auf das Vereinigte K\u00f6nigreich \u2013 ein institutioneller Mismatch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kogelabb3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"kogelabb3\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kogelabb3.png\" alt=\"kogelabb3\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Folgen des Mismatch<\/strong><\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl, einem institutionellen Mismatch ausgeliefert zu sein, mag den Briten nicht zu verdenken sein. Doch ist der Brexit die richtige Antwort?<\/p>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass, auch wenn ein Mismatch existiert, das Vereinigte K\u00f6nigreich aufgrund seiner Minderheitenposition im Club keine Chance hat, eine f\u00fcr seine Erfordernisse ad\u00e4quate Regulierung in Br\u00fcssel durchzusetzen. In den demokratischen Strukturen der europ\u00e4ischen Institutionen wird sich in der Regel die Mehrheitsposition durchsetzen. Stark vereinfacht, ist davon auszugehen, dass bei 28 Mitgliedsstaaten die \u00fcbrigen Gro\u00dfbritannien bis zu einem Achtundzwanzigstel des Weges entgegenkommen. Man gewichte dies wahlweise mit Einwohnerzahl oder Wirtschaftskraft und man erh\u00e4lt eine Indikation, dass die Regulierung der Europ\u00e4ischen Union den institutionellen Erfordernissen des Vereinigten K\u00f6nigreichs und seiner durch diese gepr\u00e4gten Wirtschaftsstruktur nie hinreichend gerecht werden kann. Ist dies nun eine Argumentation f\u00fcr den Brexit?<\/p>\n<p>Nein. Nicht zwingend. Denn erstens greift dieser Mechanismus nur, wo sich die institutionellen Traditionen wirklich zwischen den Kapitalismusmodellen unterscheiden \u2013 und das ist bei weitem nicht bezogen auf alle Wirtschafts- und Regulierungsbereiche der Fall. Zweitens w\u00e4re die korrekte \u00f6konomische Herangehensweise die, sicherlich aufgrund des Mismatch auftretende Kosten mit den Vorteilen der Mitgliedschaft in Form von Freihandel ebenso wie der aus der Europ\u00e4ischen Einigung resultierenden Friedensdividende gegenzurechnen. Damit mag der Vorteil durch die Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Gro\u00dfbritannien zwar geringer ausfallen als f\u00fcr die Mitgliedsstaaten des dominanten Kapitalismustypus, kann aber dennoch deutlich positiv sein. Die Mitgliedschaft in der EU bliebe dann nach wie vor im Interesse Gro\u00dfbritanniens.<\/p>\n<p>Rational betrachtet, spricht der institutionelle Mismatch folglich eher f\u00fcr einen Britenrabatt in Kombination mit Opt-Outs als f\u00fcr ein Verlassen der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was nun, Britannia?<\/strong><\/p>\n<p>Nun hat sich Gro\u00dfbritannien f\u00fcr den Brexit entschieden. Die Diskussion, ob der Austritt nun sinnvoll ist oder nicht, wird dadurch zu einer akademischen \u2013 er wird passieren. Wie also damit umgehen?<\/p>\n<p>Insbesondere die Gegner der EU-Mitgliedschaft Gro\u00dfbritanniens sehen im Brexit ja vor allem eine Chance.<\/p>\n<p>Offensichtlich ist: Sollte die letztlich durch Gro\u00dfbritannien zu erzielende Verhandlungsl\u00f6sung im Gegenzug zum Zugang zum Europ\u00e4ischen Binnenmarkt nach wie vor die G\u00fcltigkeit des Europ\u00e4ischen Rechts auf der Insel bedeuten, h\u00e4tte sich das Problem des Mismatch in keinster Weise gel\u00f6st. Ja, es w\u00fcrde gar noch verst\u00e4rkt, da in diesem Fall Gro\u00dfbritannien \u00fcber keine Stimme mehr in den Institutionen verf\u00fcgt, die Anforderungen des britischen Modells also nicht mehr nur zu wenig, sondern gar nicht mehr ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Eine L\u00f6sung, die dem Vereinigten K\u00f6nigreich die M\u00f6glichkeit gibt, Regulierung wieder an den eigenen Erfordernissen auszurichten, mag wiederum eine Chance sein: Denn wie die vorstehende Analyse zeigt, sind gerade die Bedingungen f\u00fcr Unternehmertum im angels\u00e4chsischen Kapitalismusmodell nach wie vor deutlich besser. Unternehmerischer Kapitalismus wiederum ist mit radikaler Innovation und mit hohen Wachstumsraten assoziiert. Die Folge wiederum w\u00e4re ein Gro\u00dfbritannien, das aus der neu gewonnnen Freiheit tats\u00e4chlich Wachstumsimpulse generiert \u2013 f\u00fcr sich, wie die verbleibenden EU-Staaten. Gro\u00dfbritannien also als Innovationsschmiede Europas?<\/p>\n<p>Eine Illusion? \u2013 Wohl m\u00f6glich. Aber wir haben ja auch alle nicht an den Brexit geglaubt.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Albert, M. (1991): Capitalisme contre capitalisme, Paris.<\/p>\n<p>Esping-Andersen, G. (1990): The Three Worlds of Welfare Capitalism, Princeton.<\/p>\n<p>Hall, P.A. und D. Soskice (2001): Varieties of Capitalism: The Institutional Foundations of Comparative Advantage, Oxford.<\/p>\n<p>K\u00f6gel, D. (2013): Wettbewerbsvorteil durch Innovation und Unternehmertum in angels\u00e4chsisch-liberalen und rheinischen Volkswirtschaften: Eine empirisch diskriminatorische Untersuchung von \u201cVarianten des Kapitalismus\u201c\u009d, Frankfurt am Main (verf\u00fcgbar <a href=\"http:\/\/www.peterlang.com\/index.cfm?event=cmp.ccc.seitenstruktur.detailseiten&amp;seitentyp=produkt&amp;pk=74589&amp;cid=528&amp;concordeid=262791\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>K\u00f6gel, D. (2014): Die M\u00e4r vom besseren Kapitalismus, Wirtschaftliche Freiheit \u2013 Das ordnungspolitische Journal.<\/p>\n<p>OECD (2016): OECD IDB Employment Protection Database.<\/p>\n<p>Sapir, A. (2005): Globalisation and the Reform of European Social Models, in: Bruegel Policy Contribution, Sept. 2005.<\/p>\n<p>Weltbank (2010-2016): Doing Business, Washington DC.<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zu \u201eVarianten des Kapitalismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=120\">Globalisierung und Sozialstaat \u2013 Wettbewerb oder Koordination?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=157\">S\u2019Weckle oder s\u2019Zehnerle \u2013 Abschied von sozialpolitischen Illusionen<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5426\">Keynes war gestern \u2013 oder doch nicht? Fiskalpolitik in der Krise<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8599\">Wir sind die 99 Prozent \u2013 Rettet \u201eOccupy Wall Street\u201c die Marktwirtschaft?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10738\">Was ist faul im Staate D\u00e4nemark? Flexicurity im H\u00e4rtetest<\/a><\/p>\n<p id=\"post-14704\">Dominik K\u00f6gel: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14704\">Die M\u00e4r vom besseren Kapitalismus<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Briten haben sich mit knapper Mehrheit f\u00fcr den Brexit entschieden. Das Ergebnis der Volksabstimmung hat viele \u00fcberrascht. Aber es kam nicht \u00fcberraschend. 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