{"id":19728,"date":"2016-09-16T10:42:51","date_gmt":"2016-09-16T09:42:51","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19728"},"modified":"2016-09-16T10:42:51","modified_gmt":"2016-09-16T09:42:51","slug":"gastbeitragwarum-riskiert-der-wirtschaftsminister-die-zukunft-unserer-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19728","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag<\/font><br\/>Warum riskiert der Wirtschaftsminister die Zukunft unserer Kinder?"},"content":{"rendered":"<p>Der ber\u00fchmte amerikanische Komiker Graucho Marx hat einmal gesagt \u201cWhy should I care about posterity? What&#8217;s posterity ever done for me?\u201c\u009d. Das ist in der Tat witzig, solange es ein Scherz auf einer Cocktail-Party bleibt. Wenn aber der Wirtschaftsminister einer ausgewiesenen Exportnation Aussagen trifft, die genau diesen Tenor verspr\u00fchen, ist es etwas ganz anderes.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In welcher Weise richtet sich Minister Gabriel gegen die Jugend? An zwei Aussagen kann diese Tendenz festgemacht werden. Erstens erkl\u00e4rte der Minister die Verhandlungen zum transatlantischen Freihandels und Investitionsabkommen (TTIP) am vergangenen Wochenende bereits vorzeitig f\u00fcr gescheitert. Zum zweiten arbeitet er ma\u00dfgeblich mit an einer eklatanten Schw\u00e4chung des Rentensystems, indem er seiner Parteifreundin und Arbeitsministerin Frau Nahles nicht klar macht, dass weitere Rentengeschenke nicht nachhaltig sind, und gleichzeitig die Bundesbank polternd daf\u00fcr beschimpft, dass sie das Rentenalter im Moment f\u00fcr zu niedrig h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Beide Aussagen kann man so interpretieren, dass der Minister sich nicht um die Zukunftsf\u00e4higkeit Deutschlands beziehungsweise Europas schert. Denn sowohl ein Scheitern von TTIP als auch eine weitere Verschleppung einer demographisch gerechtfertigten Erh\u00f6hung des Renteneinstiegsalters werde dauerhaft die heutige Jugend benachteiligen.<\/p>\n<ul>\n<li>Mit Blick auf transatlantischen Freihandel muss klar werden, dass die wesentliche Funktion von TTIP nicht darin bestehen kann, einige Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum, einige zehntausende Arbeitspl\u00e4tze und etwas h\u00f6heren Gewinn f\u00fcr die Unternehmen zu erzielen. Seine Bedeutung erh\u00e4lt TTIP erstens dadurch, dass sein Abschluss ein Zeichen an die Welt ist, dass diejenigen L\u00e4nder, die den eigenen Wohlstand ihrer Offenheit sowie ihrer Bereitschaft zum Wettbewerb und zur Marktwirtschaft verdanken, auch weiterhin an offenen Grenzen und internationaler Arbeitsteilung interessiert sind. Scheitert TTIP hingegen, ist dies ein Sieg der Vereinfacher und Nationalisten, der zu Lasten der n\u00e4chsten Generation gehen wird. Ein Land wie Deutschland kann nur in einer offenen Welt erfolgreich sein und Wohlstand genie\u00dfen. Zweitens erm\u00f6glicht TTIP es der Europ\u00e4ischen Union, auch weiterhin die Regeln im Welthandel mitzugestalten. Wenn TTIP nicht zustande k\u00e4me, w\u00e4re es unwahrscheinlich, dass die hohen Standards, die wir gewohnt sind, sich in der Welt durchsetzen werden. Wahrscheinlich wird es ohne TTIP weniger Verbraucherschutz als mit TTIP geben. Insofern kommt die Erkl\u00e4rung des Ministers einer Selbstaufgabe gleich; anstatt f\u00fcr ein gutes Abkommen (mit hohen Standards, Regulierungshoheit bei uns und einem ad\u00e4quaten \u2013 m\u00f6glichst multilateralen \u2013 Investitionsschutz zu k\u00e4mpfen, gibt der Minister auf.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\u00c4hnlich schwach sind die gegenw\u00e4rtige Rentenpolitik und die Antwort auf Vorschl\u00e4ge zur Verl\u00e4ngerung der Lebensarbeitszeit. Dabei kann sich jeder ausrechnen, dass in einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft ein konstantes \u2013 oder gar gesunkenes Rentenalter \u2013 nur dadurch erm\u00f6glicht werden kann, dass entweder die Rentenauszahlungen an die Alten sinken (mit der Folge zunehmender Altersarmut) oder aber die Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Jungen steigen. Im Moment scheint die gro\u00dfe Koalition entschlossen zu sein, letzteres durchzusetzen. \u00c2\u00a0Da muss gerade der Wirtschaftsminister, dessen Aufgabe einmal darin bestand, ordnungspolitische Konsistenz von Politikma\u00dfnahmen zu pr\u00fcfen, eigentlich eingreifen. Die ministerielle Einlassung, der Vorschlag der Bundesbank zur Erh\u00f6hung der Lebensarbeitszeit sei bekloppt, entspricht dieser Vorgabe wohl nicht. Vielmehr m\u00fcsste der Minister f\u00fcr diese Sicht in der Bev\u00f6lkerung werben und den Leuten die oben beschriebene Logik erkl\u00e4ren.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Das P\u00e4ppeln der Rentner<\/strong><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sind beide Vorst\u00f6\u00dfe als nicht nachhaltig im \u00f6konomischen und sozialen Sinne zu bezeichnen; von daher richten sie sich \u2013 ob gewollt oder ungewollt \u2013 gegen die Jugend. Was treibt den Minister dazu, die Zukunft so leichtfertig aufs Spiel zu setzen?<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man es sich leicht machen und argumentieren, der Minister sei eben kein Fachmann und w\u00fcsste es nicht besser. Er verst\u00fcnde halt weder die Logik der offenen M\u00e4rkte noch die der Alterssicherung. Das ist nat\u00fcrlich zu einfach und obendrein arrogant. Selbst wenn der Minister kein Fachmann ist, d\u00fcrfte die \u00f6konomische Logik f\u00fcr ihn keine Geheimwissenschaft darstellen. Au\u00dferdem verf\u00fcgt er \u00fcber ausgezeichnete Fachleute in seinem Ministerium, die zu befragen ihm m\u00f6glich sein sollte, wenn er denn wollte. Sei es wie es ist, diese Erkl\u00e4rung d\u00fcrfte nicht richtig sein.<\/p>\n<p>Wahlkampf ist da schon eher ein Thema; es wirkt so, als wolle der Minister die linken Sozialdemokraten f\u00fcr sich einnehmen und extreme \u2013 nicht unbedingt linke \u2013 Positionen \u00fcbernehmen. Das P\u00e4ppeln der Rentner betreiben die Sozialdemokraten (SPD) schon l\u00e4nger, auf die Angstkarte bei TTIP setzt sie erst seit einigen Monaten.<\/p>\n<p>Besonders \u00fcberzeugend ist der Vorsto\u00df nicht, zumal der Minister ja das Freihandelsabkommen mit CETA verteidigt, vermutlich weil er glaubt, der Widerstand dagegen sei geringer. Das scheint nicht zu stimmen: Die Vereinfacher von Foodwatch, Pegida, Campact, der Linkspartei, den Gr\u00fcnen und der AfD k\u00e4mpfen auch gegen CETA. Insofern scheint es eine Verzweiflungstat zu sein, die den Minister trieb, TTIP abzuschreiben.<\/p>\n<p>Er muss sich jetzt schon mit Widerstand auseinandersetzen, so zum Beispiel seitens der Wirtschaftsverb\u00e4nde, der Christdemokraten, der Europ\u00e4ischen Kommission und der amerikanischen Regierung. Leider bleiben die Hauptbetroffenen dieser schwachen Politiken, die Generation der 15-35-j\u00e4hrigen, ruhig. Sie m\u00fcssten auf die Stra\u00dfe gehen und dem Minister klar machen, dass es um ihre Zukunft geht. Ob es hilft, bleibt unklar: Offenbar w\u00e4hlen die Alten eher die Sozialdemokraten als die Jungen. Hoffentlich hat man im Willy-Brandt-Haus nicht beschlossen, diese Klientel abzuschreiben. Es w\u00e4re bitter, wenn das die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Aussagen des Ministers w\u00e4re!<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ber\u00fchmte amerikanische Komiker Graucho Marx hat einmal gesagt \u201cWhy should I care about posterity? What&#8217;s posterity ever done for me?\u201c\u009d. 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