{"id":19863,"date":"2016-10-14T00:01:48","date_gmt":"2016-10-13T23:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19863"},"modified":"2016-10-18T05:35:48","modified_gmt":"2016-10-18T04:35:48","slug":"die-deutsche-bank-im-spiegel-der-veroeffentlichten-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19863","title":{"rendered":"Die Deutsche Bank und die Presse<br\/><font size=3; color=grey>Eine verh\u00e4ngnisvolle Beziehung<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Zur Zeit vergeht kaum ein Tag ohne Berichte, Interviews und Kommentare zum Niedergang derer Deutschen Bank. Selbst der Bundeswswirtschaftsminister ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Welt lange genug auf seine Stellungnahme gewartet hat. Folgerichtig bereichert er die vielf\u00e4ltigen Profilierungsversuche zu Lasten deutscher Interessen um einen herausragenden eigenen Beitrag: <em>&#8222;Ich wei\u00df nicht, ob ich lachen oder weinen soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Gesch\u00e4ftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer erkl\u00e4rt&#8220;<\/em>.\u00c2\u00a0 Sollte das etwa ein Signal an ausl\u00e4ndische Regierungen sein, sie k\u00f6nnten\u00c2\u00a0 sich von der Annahme leiten lassen, in Berlin verstehe man es nicht als vergeltungsbed\u00fcrftige Ma\u00dfnahme in einem Wirtschaftskrieg, sondern akzeptiere es als angemessene Wiedergutmachung, wenn deutsche Unternehmen mit abnormen Strafzahlungen zur Ader gelassen werden?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der oberste Vertreter deutscher Wirtschaftsinteressen h\u00e4tte f\u00fcr seinen heute v\u00f6llig deplatzierten Spruch leicht einen Zeitpunkt finden k\u00f6nnen, in dem er Beifall verdient gehabt h\u00e4tte. Jeder, der nicht v\u00f6llig blind f\u00fcr die permanenten Fehlgriffe war, die sich die Deutschen Bank beim Ausbau des Investmentbanking unter dem Trio infernale Kopper, Breuer und Ackermann leistete, musste sich fragen, ob die in diesem Gesch\u00e4ftszweig \u201emarkt\u00fcbliche\u201c Verg\u00fctungsexplosion etwas mit einer fehlerhaften Einsch\u00e4tzung von Risiken zu tun hat, die am Ende bei den Aktion\u00e4ren liegen bleiben und die Existenz der Bank in Gefahr bringen konnten. Aber noch im September 2007 wartete Gabriels damaliger Kabinettskollege Steinbr\u00fcck als f\u00fcr das Bankwesen zust\u00e4ndiger Minister mit der Feststellung auf: \u201eDie Deutsche Bank ist v\u00f6llig stabil aufgestellt.\u201c Den Autoren ist nicht erinnerlich, dass die Wirtschaftspresse dagegen Sturm gelaufen w\u00e4re. Sie erinnern sich\u00c2\u00a0 allerdings an gegen sie ergangene Entscheidungen des \u00c2\u00a0Oberlandesgerichts Frankfurt, \u00c2\u00a0das noch nie durch ein erkennbares Verst\u00e4ndnis f\u00fcr berechtigte Aktion\u00e4rsinteressen aufgefallen ist. Nach langj\u00e4hriger Kritik an der au\u00dfer Kontrolle geratenen Verg\u00fctungspolitik verlangten die Autoren erstmals f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2003 eine gerichtliche Entscheidung, mit der die Bank wenigstens zu einer anonymisierten Offenlegung der Fallzahlen von Geh\u00e4ltern im Millionenbereich gezwungen werden sollte. Das Oberlandesgericht stellte dazu fest, es handle sich \u2013 bei der Frage nach der Anzahl und\u00c2\u00a0 Staffelung von Millionengeh\u00e4ltern \u2013 \u00c2\u00a0nicht \u201eum wesentliche Informationen \u2026 aus der Sicht eines vern\u00fcnftigen Durchschnittsaktion\u00e4rs\u201c; \u201ekonkrete Anhaltspunkte f\u00fcr eine sachlich nicht gebotene, \u00fcberh\u00f6hte Dotierung\u201c seien \u201enicht zu erkennen\u201c.<\/p>\n<p>Sah die Wirtschaftspresse in dieser Entscheidung einen Anlass f\u00fcr Kritik an den verantwortlichen Richtern? Nicht im Geringsten! Also durften sich Vorstand und Aufsichtsrat ermuntert f\u00fchlen, die Auspl\u00fcnderung der Bank im Interesse ihres Spitzenpersonals \u2013 wir wollen hier bewusst nicht von Spitzen<em>verdienern<\/em> reden \u2013\u00c2\u00a0 weiter voranzutreiben.<\/p>\n<p>Bis das in der Presse explizit angeprangert wurde, sollte es noch eine Weile dauern. So lange die Deutsche Bank noch stark genug war, um sich die Presse einigerma\u00dfen \u00c2\u00a0gef\u00fcgig zu machen, verbrannte man sich lieber nicht die Finger.\u00c2\u00a0 Das Magazin Focus schrieb dann Ende Juli 2016: \u201eDie Deutsche Bank .. wurde \u00fcber mehr als 15 Jahre von Teilen ihrer Belegschaft systematisch ausgepl\u00fcndert \u2026 Wo waren die Aufsichtsr\u00e4te, Anteilseigner \u2013 und die Regulatoren? Die dramatische Situation, in der das Institut steckt, ist auch oder vor allem die Folge eines Mangels an Kontrolle\u201c .<\/p>\n<p>Wir Kleinaktion\u00e4re fragen da zuerst einmal: Wo war Focus \u2013 und nat\u00fcrlich auch: Wo war der Rest der Presse, der heute mit sichtlichem \u00dcbereifer nachzuholen versucht, was nicht 15, sondern knapp 27 Jahre lang vers\u00e4umt wurde? Denn es war Hilmar Kopper, der im Herbst 1989 trotz interner Warunungen vor kultureller Unvertr\u00e4glichkeit den v\u00f6llig \u00fcberteuerten Einkauf des Investmentladens Morgan Grenfell vollzog. Kurz vor ihrer \u00dcbernahme durch die Deutsche Bank mussten bei dieser Firma\u00c2\u00a0 wegen investmentbanktypischer Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten Teile des Spitzenpersonals ausgewechselt werden \u2013 und danach dauerte es auch nicht allzu lange, bis ein vermeintlicher \u201eStar\u201c der Branche mit Scheingesch\u00e4ften einen Milliardenbetrag in den Sand setzte. Willf\u00e4hrig transportierte die Wirtschaftspresse dazu das vom sp\u00e4teren Vorstandssprecher Rolf Breuer in die Welt gesetzte Bild vom \u201efaulen Apfel\u201c, den man von einem gesunden Baum \u201eabges\u00e4gt\u201c habe, um das Investmentbanking-Gesch\u00e4ft weiter auszubauen. Kurze Zeit sp\u00e4ter folgte denn auch die noch viel verh\u00e4ngnisvollere Weichenstellung, f\u00fcr die ebenfalls von investmentbanktypischen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten geplagte Schrottbude Bankers Trust einen Mondpreis hinzulegen und den Top-Managern noch ein paar Hundert Millionen hinterherzuwerfen \u2013 den einen, damit sie bleiben, und dem Chef, damit er verschwindet. Damit war eine weitere Stufe der Verg\u00fctungsrakete gez\u00fcndet, deren Verbrennungskraft nun auch den Rest der Bank zunehmend in Mitleidenschaft zog.<\/p>\n<p>Man darf wohl davon ausgehen, dass sich die Deutsche Bank viele Bes\u00e4nftigungsma\u00dfnahmen hat einfallen lassen, um \u00f6ffentliche Kritik an den immer deutlicher zutage tretenden Fehlentwicklungen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. So wurde auch einer der Autoren zur Zielscheibe einer Charme-Offensive des frisch gebackenen Aufsichtsratvorsitzenden Clemens B\u00f6rsig, der ihn zu einem Mittagessen einlud, um \u00fcber seine Anliegen f\u00fcr die bevorstehenden Hauptversammlung\u00c2\u00a0 zu sprechen. Es ging naturgem\u00e4\u00df um die bereits eingetretene Verg\u00fctungsexplosion und die noch im Verborgenen bl\u00fchenden Risiken des Investmentbanking.\u00c2\u00a0 Nachdem das Gespr\u00e4ch \u2013 wie zu erwarten war \u2013 ohne Ergebnis zu Ende ging, waren die Autoren f\u00fcr die Hauptversammlung des Jahres 2008 auf\u00c2\u00a0 eine gesteigerte \u00d6ffentlichkeitswirksamkeit ihrer Kritik bedacht.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund wurde die Tagesordnung der Hauptversammlung 2008 um mehrere Punkte erweitert. Darunter waren Ma\u00dfnahmen der Risiko-Begrenzung f\u00fcr das US-Gesch\u00e4ft, die Aufdeckung von treuwidrigem Abstimmungsverhalten und insbesondere die Abspaltung des Investmentbank-Gesch\u00e4fts mit der Begr\u00fcndung, es unterscheide sich nur unwesentlich von einem schlecht gef\u00fchrten Fu\u00dfballverein, wo alles an die Spieler verteilt wird und f\u00fcr den Verein au\u00dfer unkalkulierbaren Risiken nichts \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n<p>Die Hoffnung auf erh\u00f6hte Publizit\u00e4t lief \u2013 jedenfalls im Inland \u2013 voll ins Leere. Es gab zwar im Vorfeld der Hauptversammlung etliche Anfragen von Journalisten aus \u00dcbersee \u2013 nicht nur aus den USA, sondern auch aus Japan \u2013 aber die Inlandspresse schwieg unsere Anliegen praktisch tot und wir k\u00f6nnen uns auch denken, warum. Nur die B\u00f6rsenzeitung erwiderte pflichtgem\u00e4\u00df in der Person des Redakteurs Bernd Wittkowski, der uns dann vorrechnete,\u00c2\u00a0 wie toll das Investmentbanking-Gesch\u00e4ft bei der Deutschen Bank angeblich lief, und die sich bereits deutlich abzeichnenden Risiken ebenso totschwieg wie der Rest der Presse. Sein Artikel schloss mit der denkw\u00fcrdigen\u00c2\u00a0 Formulierung, es gebe im Fu\u00dfball wie im Investmentbanking zwar \u201eschon mal\u201c auch \u201eeklatante Fehlleistungen\u201c; entscheidend aber sei, dass \u201eder 1. FC Deutsche Bank in der globalen Champions League ganz vorne mitspielt und dem Publikum viel Freude macht.\u201c Wenige Monate sp\u00e4ter w\u00e4re die Deutsche Bank pleite oder auf die Hilfe des deutschen Staates angewiesen gewesen, h\u00e4tte nicht der amerikanische Staat den Versicherungskonzern AIG gerettet und der Deutschen Bank einen zweistelligen Milliardenbetrag f\u00fcr das Gegenpartei-Risiko aus den AIG-Gesch\u00e4ften zukommen lassen.<\/p>\n<p>Wo war Focus? Wo war die \u00fcbrige Presse, als sich Josef Ackermann auf der Hauptvesammlung im Mai 2008 damit br\u00fcstete, was f\u00fcr eine tolle Bank er f\u00fchre? Wo war die Kritik, als er Folien auflegte, in denen die sich abzeichnenden Risiken und die Verg\u00fctungsexplosion naturgem\u00e4\u00df nicht auftauchten, und die Deutsche Bank als vermeintliches Paradeunternehmen dargestellt wurde, weil Vergleichsobjekte pr\u00e4sentiert wurden, vor deren Hintergrund die Deutsche Bank als damals noch scheinbar Ein\u00e4ugige unter Blinden hervorstach?\u00c2\u00a0 Wo war die Reaktion darauf, dass nach Ackermanns Propagandafolien keine Erwiderung mehr m\u00f6glich war, weil der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens B\u00f6rsig als Sitzungsleiter einfach keinen Aktion\u00e4r mehr zu Wort kommen lie\u00df? Das war wohl das, was die Deutsche Bank unter einer Diskussion nach akademischen\u00c2\u00a0 Standards verstand, auf die sich ausgerechnet Ackermann zuvor berufen hatte.<\/p>\n<p>Die Kr\u00f6nung all dieser Absurdit\u00e4ten aber erfolgte acht Wochen sp\u00e4ter in der allern\u00e4chsten Nachbarschaft des Hauptversammlungsorts. Ende Juli 2008 beschloss der Senat der Universit\u00e4t Frankfurt, Josef Ackermann die W\u00fcrde eines Honorarprofessors zu verleihen. Der damalige Universit\u00e4tspr\u00e4sident Rudolf Steinberg erkl\u00e4rte, die Berufung Ackermanns biete \u201eeine hervorragende Basis f\u00fcr die weitere Verkn\u00fcpfung von Theorie und Praxis im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften\u201c. Der damalige und\u00c2\u00a0 heutige Direktor des zur Universit\u00e4t geh\u00f6renden \u201eHouse of Finance\u201c, Wolfgang K\u00f6nig, lie\u00df gar verlauten, Ackermann sei ein \u201esehr gute(r)\u201c Kopf, der den \u201eFinanz- \u2026Platz Frankfurt st\u00e4rke( )\u201c, und die Studenten seien von den Seminaren, die er bislang gegeben habe, \u201ehellauf begeistert\u201c \u2013 konnten sie doch bei ihm lernen, wie man eine Bank kurzfristig auspl\u00fcndert und langfristig ruiniert. Allerdings m\u00fcssen unter den Studenten auch Zweifler zu finden gewesen sein; aus deren Kreisen wurde immerhin ein Transparent in den Senatssaal geschmuggelt, auf dem zu lesen stand: \u201eEin ,Abzocker ist zu wenig, Honorarprofessur auch f\u00fcr Zumwinkel\u201c.<\/p>\n<p>H\u00e4tte die Universit\u00e4t Frankfurt einen solchen Schritt gewagt, wenn sie mit einem entsprechenden Echo in\u00c2\u00a0 der b\u00fcrgerlichen Presse h\u00e4tte rechnen m\u00fcssen? Diese Frage beantwortet sich von selbst; einschr\u00e4nkend ist hier nur zu vermerken, dass ein Presseorgan, das man wohl glaubte, ignorieren zu k\u00f6nnen, n\u00e4mlich die im linken Spektrum verortete Frankfurter Rundschau, in Ackermann als Honorarprofessor schon damals eine \u201eschlechte Wahl\u201c sah.<\/p>\n<p>Naturgem\u00e4\u00df w\u00e4re es nicht nur an der Wirtschaftspresse gewesen, gegen den verheerenden Kurs des Trio infernale der Vorstandssprecher, aus dem dann sp\u00e4ter\u00c2\u00a0 mit Anshu Jain ein infernalisches Quartett geworden ist, Stellung zu beziehen. Die Focus-Frage, wo die\u00c2\u00a0 Aktion\u00e4re waren, ist in dieser Allgemeinheit zwar deutlich verfehlt, hat aber durchaus ihre Berechtigung, wenn man sie auf die vom Stimmengewicht her bedeutsamsten Aktion\u00e4re beschr\u00e4nkt. Wo waren all die institutionellen Anleger, die sich in letzter Zeit mit Kritik \u00fcberschlagen, im Jahre 2008, und warum haben sie nicht schon viel fr\u00fcher auf den Alarmknopf gedr\u00fcckt und gegen die Verwaltung gestimmt?<\/p>\n<p>Wie ist zu erkl\u00e4ren, dass institutionelle Anleger und mit Stimmrechtsvollmachten ausgestattete Depotbanken die notorischen Verg\u00fctungsexzesse bei praktisch allen Gro\u00dfbanken trotz im allgemeinen bescheidener und vielfach sogar miserabler Kursentwicklung von Gro\u00dfbank-Aktien mitgetragen haben? Warum haben sie die Risiken des Investmentbanking einfach ausgeblendet, obwohl es immer wieder \u2013 und nicht nur bei der Deutschen\u00c2\u00a0 Bank und auch schon lange vor 2008 \u2013 zu eklatanten Fehlleistungen gekommen ist, die trotz Milliardenkosten oft erst mit Versp\u00e4tung erkannt wurden und selbst Gro\u00dfbanken ruinieren oder in die Arme des Staates treiben konnten?<\/p>\n<p>Wer glaubt, dass Institutionen, die nicht mit eigenem Geld unterwegs sind, sondern nur fremder Leute Geld verwalten, eigentlich (!) im Aktion\u00e4rsinteresse abstimmen m\u00fcssten, hat das fundamentale Problem der heutigen Publikums-Aktiengesellschaft leider nicht verstanden. Man muss schon entsetzlich naiv sein, wenn man \u2013 wie etwa der Gesetzgeber \u2013 unterstellt, Abstimmungsergebnisse in Hauptversammlungen seien Ausdruck der Interessen derer, die die Verm\u00f6gensrisiken der Aktienanlage letztlich tragen m\u00fcssen. \u00c2\u00a0Warum sollte ein institutioneller Anleger \u2013 oder noch pr\u00e4ziser: ein Angestellter einer mit der Verwaltung fremden Geldes betrauten Institution \u2013 sich nicht nach seinen eigenen Interessen richten, sondern nach den Interessen derer, deren Geld er verwaltet? Wenn das Anreiz-\u00c2\u00a0 und ,Sanktionssystem, dem er unterliegt, ihn nicht wirksam von Untreuehandlungen abschreckt, spricht die \u00f6konomische Logik daf\u00fcr, dass er Untreuehandlungen begehen wird.<\/p>\n<p>Weder 2008 noch heute sind die Sanktions- und Anreizsysteme f\u00fcr Verwalter fremden Geldes so ausgestaltet, dass Abstimmungsmehrheiten in Hauptversammlungen sich nicht weit von den Interessen der Aktion\u00e4re entfernen k\u00f6nnen. Institutionelle Anleger k\u00f6nnen zur Verwaltung einer Aktiengesellschaft in vielf\u00e4ltigen anderen Gesch\u00e4ftsbeziehungen stehen, die f\u00fcr sie wichtiger sind, als die Interessen von Aktion\u00e4ren, die oft gar nicht oder jedenfalls viel zu sp\u00e4t bemerken, dass sie Opfer von Untreuerhandlungen geworden sind. Hinzu kommt, dass Widerstand gegen Verg\u00fctungssysteme erst recht nicht zu erwarten ist, wenn der zur Abstimmung aufgerufene Manager eines Investmentfonds selbst von einem \u00e4hnlichen Verg\u00fctungssytem profitiert. Auf genau dieses Argument hat sich ein Angeh\u00f6riger einer Fondsverwaltung auch berufen, als er einem der Autoren vor Jahren erkl\u00e4rte, warum er sich gegen das Verg\u00fctungssystem der Deutschen Bank \u201enicht aus dem Fenster h\u00e4ngen\u201c k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Wer erreichen\u00c2\u00a0 will, dass zuk\u00fcnftig eher im Aktion\u00e4rsinteresse abgestimmt wird als bisher, muss sich mit zwei Schlussfolgerungen anfreunden. Erstens ist der Gesetzbeger dazu aufgerufen, die Rolle institutioneller Anleger \u00c2\u00a0zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und den privaten Anlegern, die mit eigenem Geld unterwegs sind, eine st\u00e4rkere Stellung einzur\u00e4umen. Das hei\u00dft unter anderem, dass der Direktanleger keineswegs, wie dies bisher der Fall ist, gegen\u00fcber dem Fondsanleger steuerlich diskriminiert werden darf. \u00c2\u00a0Zweitens ist daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass die Abgabe von Stimmen durch institutionelle Anleger so reguliert wird, dass das Ausleben von Interessenkonflikten auf Kosten der wirtschaftlich betroffenen Inhaber der Verm\u00f6gensrechte schwieriger und vor allem gef\u00e4hrlicher wird. Einen Vorschlag hierzu haben die Autoren der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Jahre 2008 unterbreitet. Man kann ihn nach wie vor via Bundesanzeiger abrufen (Ausgabe vom 7.4.2008). Er hat damals knapp 5 % Zustimmung erhalten \u2013 sicher nicht von institutionellen Anlegern und Depotbanken, die bis heute ihre Interessenkonflikte ungeniert ausleben, wenn sie selbst davon profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie die Anreize f\u00fcr Journalisten verbessert werden k\u00f6nnen, damit die Neigung zu selektiver Berichterstattung zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird, ist eine Angelegenheit, mit der sich vor allem die Presse selbst zuk\u00fcnftig intensiver befassen sollte, bevor stark verk\u00fcrzte Kritik, wie sie in dem wenig schmeichelhaften Wort \u201eL\u00fcgenpresse\u201c zum Ausdruck kommt, weiter an Zustimmung gewinnt.<\/p>\n<p>Unser Beitrag zu diesem Thema beschr\u00e4nkt sich vorl\u00e4ufig auf die Feststellung, dass von vorgestern ist, wer heute noch mit Geschichten aus\u00c2\u00a0 Zeiten vor Ackermanns R\u00fccktritt\u00c2\u00a0 auf die Deutsche Bank eindrischt. Daf\u00fcr war genug Zeit \u2013 und wer die vers\u00e4umt hat, muss sich jetzt nicht nochmals blamieren.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Zeit vergeht kaum ein Tag ohne Berichte, Interviews und Kommentare zum Niedergang derer Deutschen Bank. 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