{"id":19896,"date":"2016-10-24T00:01:34","date_gmt":"2016-10-23T23:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19896"},"modified":"2016-10-23T16:11:13","modified_gmt":"2016-10-23T15:11:13","slug":"gastbeitragwas-muessen-wir-tun-damit-afrika-wirtschaftlich-erfolgreich-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19896","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag<\/font><br\/>Was m\u00fcssen wir tun, damit Afrika wirtschaftlich erfolgreich wird?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Angela Merkel will, dass sich weniger Afrikaner auf den Weg nach Europa machen. Wie die deutsche Wirtschaft, insbesondere der Mittelstand, dabei helfen kann und warum wir eine neue Entwicklungshilfe brauchen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mali, Niger und \u00c4thiopien \u2013 so hei\u00dfen die drei afrikanischen Staaten, <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/kanzlerinnen-reise-nach-afrika-merkels-bekaempfung-der-fluchtursachen-macht-falsche-hoffnungen\/14652398.html\">die die Bundeskanzlerin j\u00fcngst besucht hat<\/a>. Es sind Staaten, aus denen besonders viele Menschen nach Europa aufbrechen.\u00c2\u00a0 Ziel der Reise war es im Wesentlichen, die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me zu unterbinden. Dies ergibt grunds\u00e4tzlich Sinn, denn die meisten Menschen wollen ihre Heimat gar nicht verlassen. Sie werden vor allem durch Not oder Gewalt dazu gezwungen.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr die Betroffenen ist die erzwungene Wanderung ein Problem; auch die Zur\u00fcckgebliebenen leiden darunter, dass relativ produktive und unternehmerische Typen abwandern. Es ist davon auszugehen, dass die wirklich Bed\u00fcrftigen eher nicht gehen, sondern vor allem die aktiven Bewohner \u2013 es findet ein sogenannter Brain Drain statt. Es fehlen damit in Zukunft genau diejenigen, die f\u00fcr einen Aufschwung und eine politische Stabilisierung gebraucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Entwicklungshilfe erreicht ihr Ziel zu oft nicht<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings k\u00f6nnen diese Menschen in den Ziell\u00e4ndern ihre potentielle Produktivit\u00e4t nur selten abrufen und somit zum eigenen Wohl und im Interesse der Ziell\u00e4nder einsetzten. An der humanit\u00e4ren beziehungsweise moralischen Pflicht, Menschen in Not zu helfen zweifelt niemand, au\u00dfer den dumpfen Rechten wie Herrn H\u00f6cke von der AfD. Deshalb ist es auch f\u00fcr die Ziell\u00e4nder von Vorteil, wenn es Afrikanern in Ihren Heimatl\u00e4ndern gut geht und sie gar nicht erst aufbrechen m\u00fcssen. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung mehr Unterst\u00fctzung f\u00fcr afrikanische L\u00e4nder initiiert.<\/p>\n<p>Mit Geld und guten Worten ist es jedoch nicht getan. Zu oft hat sich erwiesen, dass Entwicklungshilfe ihre Ziele nicht erreicht, sondern eher die Probleme versch\u00e4rft, weil korrupte Eliten das Geld missbrauchen und weil die Hilfe zu einer passiven Haltung der Empf\u00e4nger und verzerrten Anreizen bei den Geberorganisationen f\u00fchrt (\u201eEntwicklungshilfe schafft Jobs, aber nur bei den Hilfsorganisationen!\u201c). Ganz ohne geht es auch nicht, aber sie sollte dann zum Aufbau einer umfassenden Infrastruktur und von Bildungskapazit\u00e4ten eingesetzt werden. Vorschl\u00e4ge daf\u00fcr gibt es gen\u00fcgend.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Mittelschicht Afrikas hat weniger Grund auszuwandern<\/strong><\/p>\n<p>Auch Ermahnungen, Menschenrechte ernst zu nehmen, sind richtig, aber wenig effektiv; die Kanzlerin erntete in \u00c4thiopien offenbar h\u00f6fliches Schweigen. Warum sollte ein Diktator in Subsahara-Afrika sich \u00e4ndern, nur weil Angela Merkel ihn h\u00f6flich daran erinnert, die Bev\u00f6lkerung menschenw\u00fcrdig zu behandeln. Solange ein totalit\u00e4rer F\u00fchrungsstil nicht zu pers\u00f6nlichen Konsequenzen f\u00fchrt, wird in Diktaturen selten etwas ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die beste Entwicklungshilfe f\u00fcr afrikanische Staaten sind Handelsbeziehungen und Investitionen deutscher und europ\u00e4ischer Unternehmen. In welchen Bereichen der deutsche Mittelstand Afrika unterst\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Deshalb ist es f\u00fcr die Bundesregierung wichtig, eine alternative Strategie zu w\u00e4hlen, die viel Zeit kostet und gleichzeitig noch eine Reihe von politischen Konflikten im Inland hervorrufen wird. Diese Strategie kann mit den Worten Markt\u00f6ffnung und Integration pr\u00e4gnant zusammengefasst werden. Mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung kann in Afrika eine breite &#8211; zum Teil bereits erkennbare \u2013 Mittelschicht entstehen, die sowohl weniger Anreiz besitzt auszuwandern als auch dazu beitr\u00e4gt, die Fluchtursachen \u2013 Konflikt und Unterdr\u00fcckung durch Regierungen \u2013 abzuschw\u00e4chen. Denn die Mittelschicht ist das R\u00fcckgrat einer modernen, demokratisch verfassten und offenen Gesellschaft. Die Probleme, die eine zumindest der Wahrnehmung nach schrumpfenden Mittelschicht k\u00f6nnen wir im amerikanischen Wahlkampf beobachten.<\/p>\n<p>Die aus einer \u00f6konomisch rationalen Strategie der Entwicklungszusammenarbeit resultierenden Konflikte innerhalb Deutschlands sind interessanterweise mit mindestens zwei Gruppen zu erwarten, die sich ansonsten eher kontrovers gegen\u00fcberstehen: Interessenvertreter, wie zum Beispiel die konventionelle Landwirtschaft \u2013 und die Globalisierungsgegner. Zusammen \u2013 nicht notwendigerweise gemeinsam \u2013 haben sie in der Vergangenheit bereits einige sinnvolle Politikma\u00dfnahmen blockiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Industrien agieren gegen die Interessen der \u00c4rmsten<\/strong><\/p>\n<p>Fangen wir mit den organisierten Interessen am Beispiel der Landwirtschaft an: Die Landwirte wollen den Schutz vor Wettbewerb aus Entwicklungsl\u00e4ndern nicht aufgeben, der trotz einiger Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europ\u00e4ischen Union (EU) immer noch extrem hoch ist und viele Arbeitspl\u00e4tze in Afrika gar nicht erst entstehen l\u00e4sst, weil sich Landwirtschaft oberhalb der Bedarfswirtschafts zur reinen Selbstversorgung vielfach nicht lohnt. Andere Sektoren, die Importe aus Entwicklungsl\u00e4ndern immer blockieren, sind die Textil- und Bekleidungsindustrie und die Stahlindustrie.<\/p>\n<p>Aber nicht nur sie agieren gegen die Interessen der \u00c4rmsten. Die Globalisierungsgegner m\u00f6gen zwar die Landwirtschaft in Deutschland nicht, weil sie zu industriell ist. Sie m\u00f6gen es aber auch nicht, wenn die Landwirtschaft in Entwicklungsl\u00e4ndern produktiver wird. Sie tr\u00e4umen von \u00f6kologisch produzierenden Kleinbauern und regionalen (lokalen) Wertsch\u00f6pfungsketten. Sie sollten bedenken, dass diese Vorstellung sich nicht realisieren l\u00e4sst, letztlich nicht nachhaltig ist und die Entwicklung in Afrika massiv behindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die M\u00e4rkte m\u00fcssen sich Produkten aus Afrika \u00f6ffnen<\/strong><\/p>\n<p>Vielmehr bedarf es der \u00f6konomischen Zusammenarbeit. Entwicklung findet vor allem dort statt, wo die Unternehmen und Besch\u00e4ftigten sich gut in die Weltwirtschaft integriert haben &#8211; dies wird besonders an den Schwellenl\u00e4ndern sichtbar, die in den vergangenen Dekaden stark gewachsen sind und in denen sich eine Mittelschicht gebildet hat.<\/p>\n<p>Aus Sicht der deutschen Politik und der deutschen Wirtschaft geht es also um zweierlei. Zum einen die schon erw\u00e4hnte Markt\u00f6ffnung f\u00fcr Produkte aus den L\u00e4ndern Afrikas \u2013 dies sind neben Rohstoffen vor allem landwirtschaftliche Produkte und eher einfache Industriewaren. Hier liegt nach wie vor viel Potential. Allerdings bedarf es einer gemeinsamen europ\u00e4ischen Initiative, denn sowohl Agrarpolitik als auch Handelspolitik liegen in der Zust\u00e4ndigkeit der EU. Da das Fl\u00fcchtlingsproblem ein europ\u00e4isches ist, kann man es auch mit europ\u00e4ischen Politiken, vor allem mit deren Reform l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Neben der Markt\u00f6ffnung ist es zum anderen sehr wichtig, dass Jobs in Afrika nicht nur in der Produktion von traditionellen Produkten am unteren Ende der Wertsch\u00f6pfungskette entstehen, sondern auch qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze weiter oben in der Kette. Dazu kann die deutsche Wirtschaft aktiv mit Investitionen beitragen, muss daf\u00fcr aber von der deutschen Politik sinnvolle Unterst\u00fctzung erhalten. Hier gibt es M\u00f6glichkeiten mit Export- und Investitionsgarantien, deren volles Potential die Bundesregierung erst noch erfassen muss \u2013 und offenbar will. Dies w\u00e4re ein Fortschritt, denn f\u00fcr viele Unternehmen stellen die Governance-Probleme in Afrika ernsthafte Barrieren f\u00fcr Investitionen dar. Gerade f\u00fcr den innovativen deutschen Mittelstand b\u00f6te Afrika viele Chance, die die Bundesregierung mit einem geschickten Instrumentenmix aus Wirtschaftsf\u00f6rderung und Entwicklungszusammenarbeit f\u00f6rdern kann \u2013 ohne dabei in die Probleme mit direkten Subventionen zu laufen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist der Einsatz der Bundeskanzlerin extrem wichtig und kann sehr wertvoll sein \u2013 f\u00fcr die Partner in Afrika und die deutsche Wirtschaft gleicherma\u00dfen. Gleichzeitig kann er dazu beitragen, dass es in Zukunft weniger Anl\u00e4sse f\u00fcr Menschen in Afrika geben wird, ihre Heimat zu verlassen. Wenn es Afrika besser geht, geht es auch Europa besser. Und anders als viele glauben, ist die \u00f6konomische Integration ein Positivsummenspiel.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkel will, dass sich weniger Afrikaner auf den Weg nach Europa machen. 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