{"id":20100,"date":"2016-12-16T00:01:09","date_gmt":"2016-12-15T23:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20100"},"modified":"2016-12-16T06:54:39","modified_gmt":"2016-12-16T05:54:39","slug":"nobelpreisvertragstheorieder-nobelpreis-fuer-oliver-hart-und-bengt-holmstroem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20100","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Nobelpreis<\/font><br\/>Vertragstheorie<br\/><font size=3; color=grey>Der Nobelpreis f\u00fcr Oliver Hart und Bengt Holmstr\u00f6m<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Jahr wurden <em>Oliver Hart<\/em> und <em>Bengt Holmstr\u00f6m <\/em>mit dem Preis der schwedischen Reichsbank f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an <em>Alfred Nobel<\/em> ausgezeichnet. Die beiden Wissenschaftler gelten als Begr\u00fcnder der \u00f6konomischen <strong>Vertragstheorie<\/strong>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Vertragstheorie besch\u00e4ftigt sich mit der Ausgestaltung von Regeln bzw. Mechanismen oder Institutionen, die Wirtschaftssubjekten <strong>Anreize<\/strong> geben sollen, sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten (z.B. um einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Gewinn oder eine m\u00f6glichst hohe Wohlfahrt zu erzielen). Es kann sich hierbei um Vertr\u00e4ge im engeren Sinn handeln (z.B. Arbeits-, Versicherungs- oder Kreditvertr\u00e4ge), aber beispielsweise auch um eine Unternehmensverfassung, um politische Entscheidungsregeln oder um informelle Vereinbarungen in wiederholten Beziehungen. Vertragstheoretische Probleme werden immer dann interessant, wenn <strong>Informationsasymmetrien<\/strong> vorliegen, so dass ein Gericht nicht einfach \u00fcberpr\u00fcfen kann, ob die gew\u00fcnschten Handlungen vorgenommen wurden.<\/p>\n<p>Die Vertragstheorie kann in zwei Teilgebiete gegliedert werden. In der <strong>Theorie vollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge <\/strong>wird die Klasse der m\u00f6glichen Vereinbarungen in keiner Weise eingeschr\u00e4nkt. Es sind also beliebig komplizierte Vertr\u00e4ge m\u00f6glich. In der <strong>Theorie unvollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge<\/strong> hingegen wird davon ausgegangen, dass zun\u00e4chst nur bestimmte Vereinbarungen getroffen werden k\u00f6nnen und weitere Details der Vertragsbeziehung erst in zuk\u00fcnftigen Nachverhandlungen geregelt werden. W\u00e4hrend beide Preistr\u00e4ger wichtige Beitr\u00e4ge zu beiden Teilgebieten der Vertragstheorie geleistet haben, lassen sich die bedeutsamsten Arbeiten von <em>Bengt Holmstr\u00f6m<\/em> der Theorie vollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge zuordnen, w\u00e4hrend <em>Oliver Hart<\/em> als Begr\u00fcnder der Theorie unvollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bengt Holmstr\u00f6m und die Theorie vollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p><em>Bengt Holmstr\u00f6m<\/em> wurde 1949 in Helsinki geboren. Er promovierte 1978 an der Universit\u00e4t Stanford und ist seit 1994 Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Seine wichtigsten Beitr\u00e4ge besch\u00e4ftigen sich mit der <strong>Prinzipal-Agent<\/strong> Theorie.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der Klassifizierung von <em>Hart<\/em> und <em>Holmstr\u00f6m<\/em> (1987) bezeichnet man Prinzipal-Agent Modelle, in denen der Agent bereits zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses \u00fcber private Information verf\u00fcgt, als <strong>\u201eadverse selection\u201c<\/strong> Modelle. In <strong>\u201emoral hazard\u201c<\/strong> Modellen hingegen entstehen Informationsasymmetrien erst nach Vertragsabschluss, entweder weil der Agent private Information z.B. \u00fcber seine Kosten erlangt (<strong>\u201ehidden information\u201c<\/strong>) oder weil der Agent eine unbeobachtbare Handlung (<strong>\u201ehidden action\u201c<\/strong>) vornimmt. <em>Bengt Holmstr\u00f6m<\/em> hat sich insbesondere mit dem letztgenannten Modelltyp besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><em>Holmstr\u00f6m<\/em> (1979) untersucht das klassische \u201emoral hazard\u201c Problem mit verborgener Handlung. Ein risikoneutraler Prinzipal (z.B. ein Arbeitgeber) macht einem Agenten (z.B. einem Arbeitnehmer) ein ultimatives Vertragsangebot. Wenn der Agent ablehnt, erh\u00e4lt er seinen Reservationsnutzen. Wenn der Agent annimmt, w\u00e4hlt er eine verborgene Aktion (z.B. ein Anstrengungsniveau). Die Aktion bestimmt in stochastischer Weise den verifizierbaren Ertrag des Prinzipals. Ein Vertrag kann eine Zahlung in Abh\u00e4ngigkeit vom Ertrag vorsehen (w\u00e4hrend der Vertrag nicht auf die gew\u00e4hlte Aktion konditioniert sein kann, weil diese unbeobachtbar ist). Da der Zusammenhang zwischen Aktion und Ertrag nicht deterministisch ist, kann man vom Ertrag nicht einfach auf die gew\u00e4hlte Aktion zur\u00fcckschlie\u00dfen. Wenn der Prinzipal erreichen m\u00f6chte, dass der Agent ein hohes Anstrengungsniveau w\u00e4hlt, muss er den Vertrag so gestalten, dass es im Eigeninteresse des Agenten ist, eine hohe Anstrengung zu w\u00e4hlen. Der Vertrag muss also eine entsprechende <strong>Anreizvertr\u00e4glichkeitsbedingung<\/strong> erf\u00fcllen. Ferner muss es im Interesse des Agenten sein, den Vertrag zu unterzeichnen, d.h. die <strong>Teilnahmebedingung<\/strong> muss erf\u00fcllt sein. Wenn der Agent risikoneutral ist, kann der Prinzipal die gleiche L\u00f6sung erzielen, welche erreicht w\u00fcrde, wenn die Aktion verifizierbar w\u00e4re (die <strong>\u201efirst-best\u201c<\/strong> L\u00f6sung). Hierzu \u00fcberl\u00e4sst er dem Agenten den gesamten realisierten Ertrag, verlangt daf\u00fcr jedoch vom Agenten unabh\u00e4ngig von der Realisierung eine feste Zahlung in H\u00f6he des erwarteten \u201efirst-best\u201c Gesamt\u00fcberschusses. Auf diese Weise wird der Agent zum <strong>\u201eresidual claimant\u201c<\/strong>, er maximiert also den Gesamt\u00fcberschuss abz\u00fcglich einer Konstanten. Jedoch tr\u00e4gt der Agent bei dieser L\u00f6sung das gesamte Risiko. Wenn der Agent risikoavers ist, w\u00e4re er dazu nur bereit, wenn der Prinzipal ihm eine Risikopr\u00e4mie \u00fcberl\u00e4sst. Somit muss der Prinzipal eine Abw\u00e4gung zwischen der Versicherung des Agenten und der Anreizsetzung treffen. Im Ergebnis kommt es im Fall des risikoaversen Agenten daher nur zu einer <strong>\u201esecond-best\u201c<\/strong> L\u00f6sung. Auch wenn der Agent zwar risikoneutral, aber verm\u00f6gensbeschr\u00e4nkt ist (so dass er keine Zahlung an den Prinzipal leisten kann), wird der Prinzipal im Allgemeinen nicht die \u201efirst-best\u201c L\u00f6sung herbeif\u00fchren.<\/p>\n<p>Neben dem Ertrag des Prinzipals k\u00f6nnen weitere Signale existieren, die es erlauben, R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Aktion des Agenten zu ziehen. Das von <em>Holmstr\u00f6m<\/em> (1979) bewiesene <strong>\u201einformativeness principle\u201c<\/strong> besagt, dass die Zahlung an den Agenten im optimalen Vertrag auf solche Signale konditioniert ist. Zum Beispiel sollte die Entlohnung eines Managers nicht nur vom Aktienkurs des eigenen Unternehmens abh\u00e4ngen, sondern auch vom Kurs anderer Unternehmen in der gleichen Industrie: Wenn es exogene Schocks gibt, die die Kurse aller Unternehmen in der Industrie beeinflussen, erlaubt ein derartiger Vertrag einen besseren R\u00fcckschluss auf die Leistung des Managers.<\/p>\n<p><em>Holmstr\u00f6m<\/em> und <em>Milgrom <\/em>(1987) zeigen, dass lineare Vertr\u00e4ge in einem spezifischen Umfeld optimal sind (in diesem Modell ist der Agent durch eine konstante absolute Risikoaversion gekennzeichnet und steuert die Driftrate einer <em>Brownschen<\/em> Bewegung). Im Allgemeinen kann der optimale Vertrag jedoch sehr komplex sein.<\/p>\n<p>Oftmals arbeiten in der Praxis mehrere Agenten an einem Projekt. <em>Holmstr\u00f6m<\/em> (1982) untersucht das <strong>\u201emoral hazard in teams\u201c<\/strong> Problem: Mehrere Agenten w\u00e4hlen unbeobachtbare Handlungen, die den gemeinsam erwirtschafteten Output beeinflussen. <em>Holmstr\u00f6m<\/em> (1982) zeigt, dass es oftmals ineffizient ist, den gesamten Output auf die Agenten zu verteilen. Wenn eine dritte Partei hinzugezogen wird, die im Fall eines geringen Outputs die Agenten bestraft, indem sie ihnen nicht den gesamten Output zukommen l\u00e4sst, kann eine Verbesserung des Ergebnisses erzielt werden.<\/p>\n<p>In der Realit\u00e4t hat ein Agent oftmals mehr als eine Aufgabe zu erf\u00fcllen. <em>Holmstr\u00f6m<\/em> und <em>Milgrom<\/em> (1991) besch\u00e4ftigen sich mit dem <strong>\u201emulti-tasking\u201c<\/strong> Modell, in dem der Agent mehrere unbeobachtbare Aktionen w\u00e4hlt. Beispielsweise kann ein Lehrer seine Sch\u00fcler auf Tests vorbereiten und ihnen Kreativit\u00e4t vermitteln. Angenommen, man kann das Abschneiden der Sch\u00fcler in Tests leicht messen, w\u00e4hrend die Kreativit\u00e4t weniger gut messbar ist. Ein Vertrag, der gutes Abschneiden in Tests belohnt, w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass der Lehrer die Vermittlung von Kreativit\u00e4t vernachl\u00e4ssigt. Es kann daher optimal sein, auf eine leistungsabh\u00e4ngige Entlohnung zu verzichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Oliver Hart und die Theorie unvollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge <\/strong><\/p>\n<p><em>Oliver Hart<\/em> wurde 1948 in London geboren. Er promovierte 1974 an der Universit\u00e4t Princeton und ist seit 1993 Professor an der Universit\u00e4t Harvard. Er hat bedeutende Beitr\u00e4ge zu vielen Bereichen der mikro\u00f6konomischen Theorie geleistet. Seine bekanntesten Arbeiten beziehen sich jedoch auf die Theorie unvollst\u00e4ndiger Vertr\u00e4ge. Diese stellt die Grundlage der auf Eigentumsrechten basierenden Theorie der Unternehmung (<strong>\u201eproperty rights approach\u201c<\/strong>) dar.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der \u00f6konomischen Literatur zur Theorie der Unternehmung ist eine Arbeit von <em>Coase<\/em> (1937), in der er die Frage aufwirft, was Transaktionen innerhalb von Unternehmen von solchen Transaktionen unterscheidet, die \u00fcber den Markt abgewickelt werden. Mit anderen Worten, was kennzeichnet die Grenzen der Unternehmung (<strong>\u201eboundaries of the firm\u201c<\/strong>)? Die neoklassische Theorie, welche die Unternehmung mit einer Produktionsfunktion identifiziert, kann keine befriedigende Antwort auf diese Frage geben. Auch die Prinzipal-Agent Theorie kann die Frage nicht \u00fcberzeugend beantworten: Solange vollst\u00e4ndige Vertr\u00e4ge m\u00f6glich sind, ist nur von Bedeutung, welche Entscheidungen die Akteure zu welchem Zeitpunkt zu treffen haben und wie die jeweilige Informationsstruktur lautet. Die Anreize unter einer Eigentumsstruktur k\u00f6nnen durch geeignete Vertr\u00e4ge unter jeder anderen Eigentumsstruktur repliziert werden. In der Transaktionskostentheorie (<em>Williamson<\/em>, 1975) werden die Vor- und Nachteile der Organisation von Transaktionen innerhalb bzw. au\u00dferhalb von Unternehmen durch unterschiedliche Friktionen erkl\u00e4rt. Diese Theorie ist jedoch nicht formal. Erst <em>Grossman<\/em> und <em>Hart<\/em> (1986) entwickelten einen formalen Modellrahmen, der Vor- und Nachteile unterschiedlicher Eigentumsstrukturen schl\u00fcssig erkl\u00e4ren kann.<\/p>\n<p><em>Grossman <\/em>und <em>Hart<\/em> (1986) argumentieren, dass es oft unm\u00f6glich ist, Vertr\u00e4ge zu schreiben, die jede zuk\u00fcnftige Eventualit\u00e4t ber\u00fccksichtigen. In der Praxis sind Vertr\u00e4ge zwangsl\u00e4ufig unvollst\u00e4ndig; sie k\u00f6nnen nicht f\u00fcr jeden zuk\u00fcnftig denkbaren Zustand der Welt optimale Handlungsanweisungen beinhalten. <em>Grossman<\/em> und <em>Hart<\/em> (1986) definieren <strong>Eigentum <\/strong>als <strong>residuales Kontrollrecht<\/strong>, d.h. das Recht immer dann zu entscheiden, wenn der urspr\u00fcnglich vereinbarte Vertrag nicht spezifiziert, was zu geschehen hat.<\/p>\n<p>Zur Veranschaulichung betrachte man den Produzenten eines Zwischenproduktes (Partei A), welches auf die spezifischen Bed\u00fcrfnisse des Herstellers eines Endproduktes (Partei B) ma\u00dfgeschneidert ist. Zur Herstellung des Zwischenproduktes ist eine spezielle Maschine n\u00f6tig. Wer sollte Eigent\u00fcmer dieser Maschine sein, Partei A (Nicht-Integration) oder Partei B (Integration)? <em>Grossman <\/em>und <em>Hart<\/em> (1986) nehmen an, dass zun\u00e4chst nur die Eigentumsstruktur festgelegt werden kann; dar\u00fcberhinausgehende Vertr\u00e4ge sind nicht m\u00f6glich. Nach Wahl der Eigentumsstruktur t\u00e4tigt Partei A eine <strong>beziehungsspezifische Investition<\/strong>, die zwar von Partei B beobachtet, aber nicht vor Gericht verifiziert werden kann. Danach verhandeln die beiden Parteien dar\u00fcber, ob sie kooperieren (d.h., das Zwischenprodukt wird von Partei A an Partei B geliefert) oder nicht. Kooperation ist effizient, weil das spezialisierte Zwischenprodukt f\u00fcr andere Hersteller von Endprodukten weniger n\u00fctzlich ist. Partei A antizipiert, dass sie in den zuk\u00fcnftigen Verhandlungen einen Teil des Ertrages ihrer beziehungsspezifischen Investition an Partei B abgeben muss, so dass es zu Unterinvestitionen kommt (<strong>\u201ehold-up problem\u201c<\/strong>). Diejenige Eigentumsstruktur ist optimal, welche das Unterinvestitionsproblem bestm\u00f6glich mildert.<\/p>\n<p><em>Grossman<\/em> und <em>Hart<\/em> (1986) modellieren die Verhandlungen mithilfe der <strong><em>Nash<\/em>-Verhandlungsl\u00f6sung<\/strong>, d.h. die Parteien einigen sich immer darauf zu kooperieren; die Aufteilung des gemeinsam erwirtschafteten \u00dcberschusses h\u00e4ngt jedoch davon ab, was im Falle der Nichteinigung geschehen w\u00fcrde. Die Gewinne, die die beiden Parteien im Fall der Nichteinigung erzielen w\u00fcrden, h\u00e4ngen von der Eigentumsstruktur ab. Ist Partei A Eigent\u00fcmer der Maschine, kann sie das Zwischenprodukt produzieren und es an einen anderen Hersteller verkaufen. Ist Partei B Eigent\u00fcmer der Maschine, hat Partei A diese M\u00f6glichkeit nicht. Gem\u00e4\u00df der <em>Nash<\/em>-Verhandlungsl\u00f6sung erh\u00e4lt jede Partei den Gewinn, den sie im Fall der Nichteinigung erwirtschaften k\u00f6nnte, plus die H\u00e4lfte des Nachverhandlungs\u00fcberschusses (also des Mehrwerts, der durch die Kooperation geschaffen wird). Somit hat Partei A st\u00e4rkere Investitionsanreize wenn sie selbst Eigent\u00fcmer ist. In einer Situation, in der nur eine der beiden Parteien nicht-verifizierbare Investitionen zu t\u00e4tigen hat, sollte diese Partei Eigent\u00fcmer sein.<\/p>\n<p>Das Modell l\u00e4sst sich in vielf\u00e4ltiger Hinsicht verallgemeinern. Wenn beide Parteien nicht-verifizierbare Investitionen t\u00e4tigen, sollte die Partei Eigent\u00fcmer sein, deren Investition wichtiger ist. Wenn auch zur Produktion des Endproduktes eine spezielle Maschine (oder ein anderer physischer Verm\u00f6genswert wie z.B. ein Grundst\u00fcck) notwendig ist, unterscheiden <em>Grossman <\/em>und <em>Hart <\/em>(1986) zwischen <strong>Nicht-Integration<\/strong> (Partei A ist Eigent\u00fcmer der ersten Maschine, Partei B ist Eigent\u00fcmer der zweiten Maschine) und zwei verschiedenen Arten der <strong>Integration<\/strong> (entweder ist Partei A oder Partei B Eigent\u00fcmer beider Maschinen). <em>Grossman<\/em> und <em>Hart <\/em>(1986) stellt die erste Arbeit dar, in der zwischen den beiden m\u00f6glichen Formen der Integration (A-Eigentum und B-Eigentum) unterschieden wurde.<\/p>\n<p><em>Hart <\/em>und <em>Moore<\/em> (1990) verallgemeinern das Modell von <em>Grossman<\/em> und <em>Hart <\/em>(1986) u.a. dadurch, dass sie mehr als zwei Vertragsparteien zulassen. In diesem Fall werden die Verhandlungen mithilfe des <em>Shapley<\/em>-Werts modelliert. Ein bekanntes Resultat lautet, dass gemeinsames Eigentum (<strong>\u201ejoint ownership\u201c<\/strong>) nicht optimal sein kann, wenn die Parteien nur in ihr Humankapital investieren (d.h., die Investition von Partei A beeinflusst nicht den Gewinn, den Partei B im Fall der Nichteinigung erzielen kann). Im Fall von Investitionen in physisches Kapitel hingegen kann gemeinsames Eigentum optimal sein.<\/p>\n<p>Der \u201eproperty rights approach\u201c wird oftmals auch als <em>Grossman-Hart-Moore<\/em> Theorie bezeichnet. Neben den pionierhaften Arbeiten von <em>Grossman<\/em> und <em>Hart<\/em> (1986) und <em>Hart<\/em> und <em>Moore<\/em> (1990) ist auch die Darstellung in dem Buch von <em>Hart<\/em> (1995) zu empfehlen.<\/p>\n<p>Die <em>Grossman-Hart-Moore<\/em> Theorie wurde von zahlreichen Autoren erg\u00e4nzt und verallgemeinert, u.a. durch die Betrachtung anderer Verhandlungsl\u00f6sungen oder die Ber\u00fccksichtigung von asymmetrischer Information. Die Theorie wurde in vielen Gebieten (Unternehmensfinanzierung, Industrie\u00f6konomik, Organisations\u00f6konomik, Au\u00dfenhandel, Innovations\u00f6konomik, politische \u00d6konomie, etc.) erfolgreich angewandt. Zum Beispiel untersuchen <em>Hart, Shleifer<\/em> und <em>Vishny<\/em> (1997) die Vor- und Nachteile der <strong>Privatisierung<\/strong> bei der Bereitstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter. Privates Eigentum verst\u00e4rkt die Anreize, nicht-verifizierbare Investitionen zu t\u00e4tigen, welche die Produktionskosten senken. Dies kann jedoch auch zu einer geringeren Qualit\u00e4t f\u00fchren. Es kommt somit auf die jeweiligen Umst\u00e4nde an, ob privates oder \u00f6ffentliches Eigentum vorzuziehen ist.<\/p>\n<p>Ein zentraler Kritikpunkt an den <em>Grossman-Hart-Moore<\/em> Modellen ist die unklare <strong>theoretische Fundierung der Unvollst\u00e4ndigkeit von Vertr\u00e4gen<\/strong>. Ausgangspunkt dieser Diskussion ist eine Arbeit von <em>Hart<\/em> und <em>Moore<\/em> (1988). Einen H\u00f6hepunkt erreichte die Diskussion, als <em>Maskin<\/em> und <em>Tirole<\/em> (1999) darauf hinwiesen, dass in der <em>Grossman-Hart-Moore<\/em> Literatur die erwarteten zuk\u00fcnftigen Gewinne vorhersehbar sind. Daher ist nicht die Unvorhersehbarkeit zuk\u00fcnftiger Ereignisse, sondern lediglich deren heutige Unbeschreibbarkeit konsistent mit der Modellierung. Das Problem,\u00c2\u00a0 dass zum heutigen Zeitpunkt morgige Ereignisse noch nicht beschrieben werden k\u00f6nnen, l\u00e4sst sich jedoch durch raffinierte Vertr\u00e4ge umgehen, die auf Ideen der Implementierungstheorie beruhen. <em>Hart <\/em>und <em>Moore<\/em> (1999) erwidern, dass diese (u.U. sehr komplizierten) Mechanismen aber voraussetzen, dass man einvernehmliche Nachverhandlungen ausschlie\u00dfen kann, was in der Realit\u00e4t oftmals nicht m\u00f6glich ist. Die von <em>Maskin<\/em> und <em>Tirole<\/em> (1999) vorgeschlagenen Mechanismen stellen zudem hohe Anforderungen an die Rationalit\u00e4t der Akteure. In einer neueren Arbeit geben <em>Hart<\/em> und <em>Moore<\/em> (2008) hingegen die Annahme der unbeschr\u00e4nkten Rationalit\u00e4t auf und ber\u00fccksichtigen <strong>verhaltens\u00f6konomische Aspekte<\/strong>, indem sie die Rolle von Vertr\u00e4gen als Referenzpunkte f\u00fcr zuk\u00fcnftige Transaktionen betonen.<\/p>\n<p><strong>Literatur <\/strong><\/p>\n<p><em>Coase, R.H.,<\/em> 1937. The nature of the firm. Economica 4, 386-405.<\/p>\n<p><em>Grossman, S.J., Hart, O.D.,<\/em> 1986. The costs and benefits of ownership: A theory of vertical and lateral integration. Journal of Political Economy 94, 691-719.<\/p>\n<p><em>Hart, O.D.,<\/em> 1995. Firms, Contracts and Financial Structure. Oxford: Clarendon Press.<\/p>\n<p><em>Hart, O., Holmstr\u00f6m, B.<\/em> (1987), The theory of contracts. In: Bewley, T. (ed.), Advances in Economics and Econometrics, Econometric Society Monographs, Fifth World Congress. Cambridge: Cambridge University Press, 71-155.<\/p>\n<p><em>Hart, O., Moore, J.,<\/em> 1988. Incomplete contracts and renegotiation. Econometrica 56, 755-785.<\/p>\n<p><em>Hart, O.D., Moore, J.,<\/em> 1990. Property rights and the nature of the firm. Journal of Political Economy 98, 1119-1158.<\/p>\n<p><em>Hart, O., Moore, J.,<\/em> 1999. Foundations of incomplete contracts. Review of Economic Studies 66, 115-138.<\/p>\n<p><em>Hart, O., Moore, J.,<\/em> 2008. Contracts as reference points. Quarterly Journal of Economics 123, 1-48.<\/p>\n<p><em>Hart, O., Shleifer, A., Vishny, R.W.,<\/em> 1997. The proper scope of government: Theory and application to prisons. Quarterly Journal of Economics 112, 1127-1161.<\/p>\n<p><em>Holmstr\u00f6m, B., <\/em>1979. Moral hazard and observability. Bell Journal of Economics 10, 74-91.<\/p>\n<p><em>Holmstr\u00f6m, B.,<\/em> 1982. Moral hazard in teams. Bell Journal of Economics 13, 324-340.<\/p>\n<p><em>Holmstr\u00f6m, B., Milgrom, P.,<\/em> 1987. Aggregation and linearity in the provision of intertemporal incentives. Econometrica 55, 303-328.<\/p>\n<p><em>Holmstr\u00f6m, B., Milgrom, P.,<\/em> 1991. Multitask principal-agent analyses: Incentive contracts, asset ownership, and job design. Journal of Law, Economics, &amp; Organization 7, 24-52.<\/p>\n<p><em>Maskin, E., Tirole, J.,<\/em> 1999. Unforeseen contingencies, property rights, and incomplete contracts. Review of Economic Studies 66, 83-114.<\/p>\n<p><em>Williamson, O.E.,<\/em> 1975. Markets and Hierarchies. New York: Free Press.<\/p>\n<p>Hinweis: Den vollst\u00e4ndigen Beitrag k\u00f6nnen Sie in der <a href=\"http:\/\/elibrary.vahlen.de\/10.15358\/0340-1650-2016-12\/wist-wirtschaftswissenschaftliches-studium-jahrgang-45-2016-heft-12\">Dezember-Ausgabe 2016<\/a> der Fachzeitschrift WiSt nachlesen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr wurden Oliver Hart und Bengt Holmstr\u00f6m mit dem Preis der schwedischen Reichsbank f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an Alfred Nobel ausgezeichnet. 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