{"id":20192,"date":"2016-12-17T07:59:06","date_gmt":"2016-12-17T06:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20192"},"modified":"2018-08-09T17:59:45","modified_gmt":"2018-08-09T16:59:45","slug":"oekonomie-leicht-erklaert-1wohl-und-wehe-des-internationalen-freihandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20192","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>\u00d6konomie leicht erkl\u00e4rt (1)<\/font><br\/>Wohl und Wehe des internationalen Freihandels"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem in den Jahren von 1948 \u2013 1993 die multilaterale Liberalisierung im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) die handelspolitische Entwicklung dominierte, haben danach bilaterale Freihandelsabkommen zunehmend an Bedeutung gewonnen<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> \u2013 wohl nicht zuletzt deshalb, weil die multilaterale Liberalisierung seit dem Ende der 1990er Jahre ins Stocken geraten ist. Seit der Finanzkrise 2008 und der folgenden weltweiten Rezession ist sogar ein verst\u00e4rkter R\u00fcckgriff auf handelsbeschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahmen zu beobachten.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Betrachtet man die aktuelle Diskussion um CETA und TTIP, so scheint es aber auch im bilateralen Bereich zunehmend schwieriger zu werden, internationalen Freihandel durchzusetzen. Die neue Generation von Freihandelsabkommen ist allerdings deutlich breiter ausgerichtet als ihre Vorg\u00e4nger und nicht nur auf den Abbau von Z\u00f6llen begrenzt. Neben Markt\u00f6ffnungen f\u00fcr Dienstleistungen und \u00f6ffentliche Auftr\u00e4ge sowie dem Abbau anderer (nichttarif\u00e4rer) handelsbeschr\u00e4nkender Ma\u00dfnahmen wie Normen oder Zulassungsverfahren sind es insbesondere Sonderklagem\u00f6glichkeiten f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren bei (privaten) Schiedsgerichten<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a>, die die j\u00fcngste Debatte bestimmt haben. Ohne auf diese Besonderheiten einzugehen und eine umfassende Bewertung von CETA und TTIP vornehmen zu wollen, soll im weiteren Verlauf \u201enur\u201c auf die \u00f6konomischen Wirkungen des internationalen Freihandels im g\u00fcterwirtschaftlichen Bereich f\u00fcr die beteiligten L\u00e4nder und Sektoren (Branchen) eingegangen werden, da bereits hieran immer wieder umfassende Kritik vorgebracht wird.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<br \/>\n<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Den Ausgangspunkt der weiteren \u00dcberlegungen bildet eine Situation, in der es zwischen den zwei hier exemplarisch betrachteten L\u00e4ndern keinen Au\u00dfenhandel gibt \u2013 die so genannte Autarkiesituation. Die Konsumenten in Land 1 und Land 2 (repr\u00e4sentiert durch die Nachfragekurven N<sup>1<\/sup> und N<sup>2<\/sup>) k\u00f6nnen das hier exemplarisch betrachtete Gut oder G\u00fcterb\u00fcndel ausschlie\u00dflich bei den jeweils inl\u00e4ndischen Anbietern (repr\u00e4sentiert durch die Angebotskurven A<sub>1 <\/sub>und A<sub>2 <\/sub>) erwerben, so dass sich im Land 1 ein Autarkiepreis in H\u00f6he von P<sup>1<\/sup><sub>A<\/sub> und im Land 2 von P<sup>2<\/sup><sub>A<\/sub> ergibt. Die H\u00f6he der Autarkiepreise (P<sub>A<\/sub>) wird dabei von den Angebots-, Nachfrage- und den Marktbedingungen in dem jeweiligen Land bestimmt. Hat ein Land zum Beispiel Kostenvorteile bei der Produktion eines Gutes \u2013 etwa aufgrund niedriger Lohn- oder Kapitalkosten oder aufgrund der Ausstattung mit nat\u00fcrlichen Ressourcen \u2013 so kann dies zu einem entsprechend niedrigeren Autarkiepreis im Verh\u00e4ltnis zu anderen L\u00e4ndern f\u00fchren. In Extremf\u00e4llen kann die (nicht vorhandene) Ausstattung mit nat\u00fcrlichen Ressourcen auch dazu f\u00fchren, dass Produkte in einzelnen L\u00e4ndern gar nicht produziert werden k\u00f6nnen, was einem unendlich gro\u00dfen Kostennachteil entsprechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/freihandel.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/freihandel.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die zuvor beschriebenen Autarkiesituationen (Punkte a und g in Abbildung 1) k\u00f6nnen dadurch zustande kommen, dass Handelshemmnisse (Hh in Abbildung 1) in absoluten Betr\u00e4gen ausgedr\u00fcckt mindestens der Preisdifferenz P<sup>1<\/sup><sub>A<\/sub> \u2013 P<sup>2<\/sup><sub>A<\/sub> entsprechen. Dabei kann man zwischen<\/p>\n<ul>\n<li>nat\u00fcrlichen Handelshemmnissen [zum Beispiel Transportkosten] und<\/li>\n<li>k\u00fcnstlichen (staatlichen) Handelshemmnissen [zum Beispiel Z\u00f6lle, mengenm\u00e4\u00dfige Beschr\u00e4nkungen wie Kontingente sowie nichttarif\u00e4re Hemmnisse wie Normen, Standards und Zulassungsverfahren]<\/li>\n<\/ul>\n<p>unterscheiden. Wird der Ausschluss des Handels durch Z\u00f6lle hervorgerufen, so spricht man von einem Prohibitivzoll, geht er auf entsprechend hohe Transportkosten zur\u00fcck, so entstehen international nicht-handelsf\u00e4hige G\u00fcter. Hierzu geh\u00f6ren (immer noch) etwa traditionelle Dienstleistungen wie zum Beispiel eine Theaterauff\u00fchrung oder gastronomische Leistungen. Die Grenze zwischen handelsf\u00e4higen und nicht-handelsf\u00e4higen G\u00fctern ist dabei nicht (dauerhaft) fixiert, sondern kann sich insbesondere vor dem Hintergrund technischen Fortschritts verschieben.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Globalisierung ist es nun im Bereich des G\u00fcterhandels dazu gekommen, dass durch stetig sinkende Transport- und Kommunikationskosten immer mehr fr\u00fcher einmal nicht-handelsf\u00e4hige G\u00fcter zu international handelsf\u00e4higen G\u00fctern geworden sind. Beispiele hierf\u00fcr sind etwa landwirtschaftliche Produkte (Blumen und Fr\u00fcchte) aus fernen L\u00e4ndern oder auch Bankdienstleistungen, die heute weit weniger an eine \u00f6rtliche Filiale gebunden sind als dies fr\u00fcher der Fall war. Die Differenz Hh in Abbildung 1 ist also immer kleiner geworden. Parallel zu dieser Entwicklung wurden auch die Z\u00f6lle im Rahmen multilateraler Verhandlungen des GATT beziehungsweise der WTO immer weiter gesenkt. Im Extremfall eines kompletten Wegfalls von Transportkosten und Z\u00f6llen w\u00fcrde sich uneingeschr\u00e4nkter internationaler Freihandel ergeben, der in Abbildung 1 durch den einheitlichen Weltmarkt- oder Freihandelspreis P<sub>FH<\/sub> repr\u00e4sentiert wird. Er ergibt sich zwischen den beiden Autarkiepreisen P<sup>1<\/sup><sub>A<\/sub> und P<sup>2<\/sup><sub>A<\/sub> und f\u00fchrt in dem hier vereinfachten Fall zweier L\u00e4nder dazu, dass der in Land 1 bei diesem Preis entstehende Nachfrage\u00fcberschuss (N\u00dc) nach dem betrachteten Gut dem Angebots\u00fcberschuss (A\u00dc) in Land 2 entspricht. Im Falle verbleibender Z\u00f6lle oder Transportkosten bleibt eine Differenz zwischen dem Preis im Inland und dem Preis im Ausland erhalten, der internationale Handel kommt aber nicht komplett zum Erliegen.<\/p>\n<p>Betrachtet man nun den \u00dcbergang von der Autarkie- zur Freihandelssituation, der durch gesunkene Transportkosten sowie multilaterale (WTO) oder bilaterale (Freihandels-)Abkommen zustande kommen kann, so stellen sich folgende Wirkungen ein: Land 1 hat in Abbildung 1 einen Preisnachteil bei der Produktion des betrachteten Gutes (P<sup>1<\/sup><sub>A<\/sub> &gt; P<sup>2<\/sup><sub>A<\/sub>) und wird daher in diesem Bereich zum Importland. Beim Freihandelspreis P<sub>FH<\/sub> ergibt sich im Inland eine \u00dcberschussnachfrage (N &gt; A), die durch den Kauf dieses Gutes im Land 2 (Import des Landes 1 = Export des Landes 2) gedeckt wird. F\u00fcr Land 2 gelten die umgekehrten \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p>Der im Verh\u00e4ltnis zur Autarkiesituation gesunkene Preis im Inland f\u00fchrt dazu, dass ein Teil der inl\u00e4ndischen Unternehmen aufgrund der Auslandskonkurrenz entweder seine Produktion vermindern oder ganz einstellen muss. Dies kommt in der Bewegung auf der Angebotskurve von a nach b zum Ausdruck. Folglich sinkt die Produktion und damit m\u00f6glicherweise auch die Besch\u00e4ftigung im Land 1 von der produzierten Menge x<sub>0<\/sub> auf x<sub>1<\/sub>. Im Gegensatz dazu f\u00fchrt der auf P<sub>FH<\/sub> gesunkene Preis dazu, dass die Konsumenten eine gr\u00f6\u00dfere Menge (x<sub>2<\/sub> statt x<sub>0<\/sub>) des betrachteten Gutes zu einem niedrigeren Preis erwerben k\u00f6nnen. Insgesamt f\u00fchrt dies zu einem Import des Landes 1 aus Land 2 in H\u00f6he von (x<sub>2<\/sub> \u2013 x<sub>1<\/sub>). Damit stehen im Importbereich belastende Wirkungen bei den Produzenten und Besch\u00e4ftigten positiven Wirkungen bei den Konsumenten gegen\u00fcber. Es l\u00e4sst sich allerdings zeigen, dass die positiven Konsumwirkungen per Saldo gr\u00f6\u00dfer sind als die negativen Produktionswirkungen.<\/p>\n<p>In Land 2 \u2013 dem Exportland bezogen auf das hier betrachtete Gut \u2013 sind es hingegen in erster Linie die Produzenten, die durch die \u00d6ffnung des Handels und die damit verbundene h\u00f6here Produktion (x<sub>4<\/sub> statt x<sub>3<\/sub>) profitieren. In diesem Land sind es die Konsumenten, die durch den im Verh\u00e4ltnis zur Autarkiesituation gestiegenen Preis P<sub>FH<\/sub> schlechter gestellt werden. Sie konsumieren nur noch die Menge x<sub>5<\/sub> statt vorher x<sub>3<\/sub>. Auch in diesem Fall l\u00e4sst sich allerdings zeigen, dass die Vorteile der Produzenten die Nachteile der Konsumenten \u00fcberwiegen und insgesamt erneut ein Wohlfahrtsgewinn zustande kommt. Die zunehmende Produktion in Land 2 und die verminderte Produktion in Land 1 veranschaulicht dabei, dass sich die betrachteten L\u00e4nder auf die Produktion derjenigen G\u00fcter spezialisieren, bei denen sie einen Kostenvorteil besitzen.<\/p>\n<p>Wird nun zum Beispiel der landwirtschaftliche Bereich der EU durch Land 1 in der vorstehenden Abbildung repr\u00e4sentiert, dann besteht in der Tat die Gefahr, dass es in dieser Produktgruppe durch die freihandelsbedingte Auslandskonkurrenz zu Problemen bei den inl\u00e4ndischen Landwirten kommen kann. Dies \u00fcbersieht jedoch, dass einem m\u00f6glichen Produktionsr\u00fcckgang\u00a0 auf der Angebotsseite entsprechende (gr\u00f6\u00dfere) Vorteile bei den Konsumenten und den Importeuren von Vorprodukten gegen\u00fcberstehen. Hinzu kommt, dass es im Rahmen von Freihandelsabkommen zu einem gegenseitigen Abbau von handelsbeschr\u00e4nkenden Ma\u00dfnahmen kommt. Dies bedeutet auf der einen Seite zwar, dass sich eine Volkswirtschaft wie etwa die EU in einigen Produktgruppen in der Position des Landes 1 befinden wird und belastende Anpassungsprozesse in den entsprechenden (Import-)Produktionsbereichen vollziehen muss. Die gegenseitige Liberalisierung f\u00fchrt aber auf der anderen Seite auch dazu, dass sich diese Volkswirtschaft in (vielen) anderen Bereichen in der Position des Landes 2 befinden wird und daher eine positive Produktions- und Besch\u00e4ftigungsentwicklung aufgrund der \u00d6ffnung neuer M\u00e4rkte erfahren wird.<\/p>\n<p>Neben den bisher erl\u00e4uterten (Wohlfahrts-)Effekten des Freihandels k\u00f6nnen jedoch weitere (positive) Wirkungen auftreten: So kann etwa die Ausweitung der Absatzm\u00e4rkte zu Gr\u00f6\u00dfenvorteilen (economies of scale) bei der Produktion f\u00fchren, die in- und ausl\u00e4ndischen Konsumenten in Form (weiter) sinkender Preise zu Gute kommen k\u00f6nnen. Die \u00d6ffnung der Grenzen und der dadurch ausgel\u00f6ste oder erh\u00f6hte Wettbewerb kann ferner zur Folge haben, dass monopolistische Marktstrukturen aufgebrochen werden und dass der Druck auf Unternehmen, Kostensenkungspotenziale sowie M\u00f6glichkeiten des technischen Fortschritts zu nutzen, w\u00e4chst. Insbesondere durch verst\u00e4rkte Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten und den dadurch ausgel\u00f6sten dynamischen Wettbewerbsprozess im Schumpeter\u2019schen Sinne ergeben sich erh\u00f6hte Wachstumschancen. Die Erweiterung der M\u00e4rkte k\u00f6nnte dar\u00fcber hinaus\u00a0 zus\u00e4tzliche Vorteile f\u00fcr die Konsumenten mit sich bringen, weil ihnen \u2013 je nach der Art der gehandelten Produkte \u2013 insgesamt eine gr\u00f6\u00dfere Vielfalt an Produktvarianten zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Die Umlenkung der Produktionsfaktoren zwischen den Import- und den Exportsektoren vollzieht sich dabei umso reibungsloser, je flexibler die Faktorm\u00e4rkte auf diese Ver\u00e4nderungen reagieren. Probleme k\u00f6nnen wiederum insbesondere dann zustande kommen, wenn die Produktionsfaktoren \u2013 insbesondere der Faktor Arbeit \u2013 r\u00e4umliche \u00c2\u00a0(fehlende Bereitschaft zum Umzug) oder sachliche Immobilit\u00e4t (die Qualifikationsanforderungen stimmen nicht \u00fcberein) aufweisen. Solche Immobilit\u00e4ten im Zusammenspiel mit politik\u00f6konomischen Reaktionen f\u00fchren h\u00e4ufig dazu, dass sich die Partikularinteressen in den von Auslandskonkurrenz besonders betroffenen Importsektoren gegen\u00fcber den Gewinnern des Freihandels durchsetzen und entsprechende Abkommen verz\u00f6gern oder gar verhindern. Dies l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass es in der Regel einfacher ist, die privaten Kosten des Freihandels \u2013 etwa in Form geschlossener Unternehmen und arbeitsloser Arbeitnehmer \u2013 zu quantifizieren und in der \u00f6ffentlichen Diskussion zu vermitteln als die gleichzeitig anfallenden Vorteile des Freihandels. Dar\u00fcber hinaus haben die Konsumenten als prim\u00e4re Nutznie\u00dfer in den Importbereichen m\u00f6glicherweise gar kein Interesse, sich gegen protektionistische Ma\u00dfnahmen zu organisieren, weil einzelne Wirtschaftssubjekte nur marginal besser gestellt werden. Doch selbst wenn die Grenze der F\u00fchlbarkeit \u00fcberschritten w\u00fcrde, lie\u00dfen sich die Freihandelsinteressen wohl kaum effektiv b\u00fcndeln, da es sich bei den Konsumenten um eine gro\u00dfe anonyme Gruppe handelt, die zudem mit einem erheblichen Trittbrettfahrer-(Free-Rider-)Problem zu k\u00e4mpfen hat, weil jeder auf die Initiative der anderen wartet und vertraut. Zugleich wird deutlich, warum sich gebildete und mobile Menschen in der Regel eher f\u00fcr Freihandel aussprechen. Dabei w\u00e4re es grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich, dass die Gewinner des Freihandels die Verlierer durch umverteilende (staatliche) Ma\u00dfnahmen kompensieren und damit deren Anpassung erleichtern.<\/p>\n<p>Die zuvor erl\u00e4uterten Wirkungen des Freihandels gelten nicht nur f\u00fcr einen Abbau von Z\u00f6llen, sondern analog auch f\u00fcr den Abbau nichttarif\u00e4rer Handelshemmnisse, die \u00d6ffnung \u00f6ffentlicher Auftr\u00e4ge und die Liberalisierung \u2013 zumindest eines Teils \u2013 von Dienstleistungen, die h\u00e4ufig auch Gegenstand moderner Freihandelsabkommen sind. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die verbliebenen Z\u00f6lle \u2013 wie <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/booksp_e\/tariff_profiles15_e.pdf\">Tabelle 1<\/a> zeigt \u2013 bis auf Ausnahmen insbesondere im Agrarbereich ohnehin recht niedrig sind und nur einen kleinen Teil des Handels betreffen. Da Kanada und die EU im Rahmen von CETA vereinbart haben, 99% aller noch existierenden Z\u00f6lle abzubauen, ist es vordergr\u00fcndig nachvollziehbar, dass sich ausgerechnet wallonische Bauern und die Regionalregierung gegen das Abkommen und den weitgehenden Wegfall der noch existierenden Z\u00f6lle ausgesprochen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/zoll1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/zoll1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall, dass es zu einer unerwarteten und zugleich ernsthaften Bedrohung von Importsektoren aufgrund von Liberalisierungsvereinbarungen kommt, bietet der Artikel XIX WTO-Vertrag grunds\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit, vor\u00fcbergehend den Handel wieder zu beschr\u00e4nken. Die M\u00f6glichkeit, auf Artikel XIX WTO-Vertrag zur\u00fcckzugreifen, wurde jedoch in der j\u00fcngeren Vergangenheit im Rahmen einiger Freihandelsabkommen explizit ausgeschlossen. Aus diesem Grund hat sich Belgien m\u00f6glicherweise im Rahmen der CETA Nachverhandlungen das Zugriffsrecht auf eine (bzw. diese) Schutzklausel zusichern lassen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend soll auf eine weitere M\u00f6glichkeit, Freihandel legal einzuschr\u00e4nken, eingegangen werden. Bisher wurde stets angenommen, dass die Preisvorteile der ausl\u00e4ndischen Konkurrenten aufgrund von Marktbedingungen \u2013 insbesondere durch Kostenvorteile bei der Produktion \u2013 und deshalb durch \u201efairen\u201c Handel zustande kamen. Es gibt aber auch F\u00e4lle, in denen die Preisvorteile als \u201eunfair\u201c erworben angesehen werden, n\u00e4mlich wenn sie auf (staatliche) Subventionen oder das sogenannte Dumping zur\u00fcckgehen. Im Falle von (nachgewiesenen) Subventionen ist die Einschr\u00e4nkung als \u201eunfairer\u201c Handel nachvollziehbar und Art. VI des WTO-Vertrags sieht legitime Ausgleichsz\u00f6lle vor, um den k\u00fcnstlich erzeugten Wettbewerbsvorteil der ausl\u00e4ndischen Anbieter zu kompensieren. Ob und in welcher H\u00f6he Ausgleichsz\u00f6lle eingef\u00fchrt werden d\u00fcrfen, h\u00e4ngt dabei insbesondere auch ab von der Art der Subventionen.<\/p>\n<p>Rein rechtlich sieht die Situation beim Dumping \u00e4hnlich aus. Auch hier k\u00f6nnen Ausgleichsz\u00f6lle eingef\u00fchrt werden, um die \u201eunfaire\u201c Handelspraktik zu kompensieren oder abzustellen. Weniger eindeutig ist aus \u00f6konomischer Sicht allerdings, ob (jegliche Form von) Dumping als \u201eunfair\u201c klassifiziert werden sollte. Hierzu z\u00e4hlt insbesondere das sogenannte Lohn-, Sozial- oder \u00d6kodumping. Eine solche Einsch\u00e4tzung setzt allerdings voraus, dass Einigkeit \u00fcber die richtige und angemessene H\u00f6he von Sozial- oder \u00f6kologischen Standards besteht. Davon auszugehen, dass stets die Standards des von der Auslandskonkurrenz betroffenen Importlandes als Ma\u00dfstab zu gelten haben, greift aber sicherlich zu kurz. In allen anderen F\u00e4llen von Dumping ist der Nachweis zu f\u00fchren, dass ausl\u00e4ndische Unternehmen (Branchen) das betrachtete Produkt unterhalb des \u201enormalen\u201c Preises verkaufen und die Konkurrenz in der importierenden Volkswirtschaft dadurch erheblich gesch\u00e4digt wird.<\/p>\n<p>Der Fall des \u00d6kodumpings kann auch als eine Situation interpretiert werden, bei der negative (ausschlie\u00dflich national wirkende) externe Effekte wie zum Beispiel die Umweltbelastung in den beiden hier betrachteten L\u00e4ndern unterschiedlich hoch eingesch\u00e4tzt oder in unterschiedlicher H\u00f6he den Verursachern zugerechnet (internalisiert) werden. Die daraus resultierenden unterschiedlichen Standards k\u00f6nnen dann zur Aufnahme von internationalem Handel f\u00fchren, bei dem das Land mit den niedrigeren Standards \u2013 unter sonst gleichen Bedingungen \u2013 aufgrund niedrigerer Preise zum Exportland wird. Dies erh\u00f6ht zwar auf der einen Seite die Produktion im Exportsektor, eine nicht hinreichende Internalisierung der externen Effekte f\u00fchrt aber auf der anderen Seite zu einem gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlust im Exportland. Angemessene (Mindest-)Standards \u2013 insbesondere bei grenz\u00fcberschreitenden externen Effekten \u2013 sollten daher im Rahmen bi- oder multilateraler Verhandlungen festgelegt werden. Mit einer solchen Einigung sind aber in der Regel hohe Verhandlungskosten verbunden.<\/p>\n<p>Kommt es jedoch zur (Wieder-)Einf\u00fchrung protektionistischer Ma\u00dfnahmen, so wird das betroffene Land in der Regel \u00fcber die WTO auf eine R\u00fccknahme dieser Ma\u00dfnahmen dringen oder aber \u2013 wenn dies einerseits ohne Erfolg bleibt und andererseits mit den Regeln der WTO vereinbar ist \u2013 selbst wiederum Vergeltungsma\u00dfnahmen einf\u00fchren, die im Extremfall in einen \u201eHandelskrieg\u201c m\u00fcnden und die positiven Effekte des Freihandels ins Gegenteil umkehren.<\/p>\n<p>Die zuvor angestellten \u00dcberlegungen haben gezeigt, dass internationaler Freihandel grunds\u00e4tzlich allen beteiligten L\u00e4ndern per Saldo sowohl im Import- als auch im Exportbereich statische sowie dynamische Wohlfahrtsgewinne beschert. Gesamtwirtschaftliche Vorteile ergeben sich selbst dann, wenn es \u201enur\u201c zu einer einseitigen Liberalisierung kommt. Ein anschauliches Beispiel hierf\u00fcr ist die Bundesrepublik Deutschland in den 1950er Jahren<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>. Gleichwohl wurde deutlich, dass insbesondere im Produktionsbereich der Importsektoren ein erheblicher Anpassungsdruck durch die gestiegene Auslandskonkurrenz zustande kommen kann, der eine ablehnende Haltung gegen\u00fcber dem Freihandel und der Globalisierung im g\u00fcterwirtschaftlichen Bereich auszul\u00f6sen vermag. Bereits die unbestimmte M\u00f6glichkeit eines solchen Anpassungsdrucks scheint allerdings mittlerweile zu gen\u00fcgen, um \u2013 zu Unrecht \u2013 gegen den internationalen Freihandel Sturm zu laufen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a>\u00c2\u00a0 Vergleiche hierzu etwa: <a href=\"http:\/\/www.wto.org\/english\/tratop_e\/region_e\/region_e.htm\">http:\/\/www.wto.org\/english\/tratop_e\/region_e\/region_e.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> \u00c2\u00a0Zur Entwicklung des internationalen Handels und handelsbeschr\u00e4nkender Ma\u00dfnahmen siehe etwa: <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/news_e\/news16_e\/g20_wto_report_november16_e.pdf\">http:\/\/www.wto.org\/english\/news_e\/news16_e\/g20_wto_report_november16_e.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a>\u00c2\u00a0 Vergleiche hierzu etwa: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17776\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17776<\/a> sowie <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18891\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18891<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> \u00c2\u00a0Vgl. hierzu auch beispielhaft die Debatte im amerikanischen Wahlkampf unter: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/globale-wirtschaft-die-rueckkehr-des-protektionismus.724.de.html?dram:article_id=370813\">http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/globale-wirtschaft-die-rueckkehr-des-protektionismus.724.de.html?dram:article_id=370813<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a>\u00c2\u00a0 Siehe: <a href=\"http:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/booksp_e\/tariff_profiles15_e.pdf\">http:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/booksp_e\/tariff_profiles15_e.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> \u00c2\u00a0Siehe hierzu etwa: Gr\u00f6ner, Helmut und Heinz-Dieter Smeets: Grundlagen der Reintegration in die Weltwirtschaft. In: Vaubel, Roland und Hans D. Babier (Hrsg.): Handbuch Marktwirtschaft. Pfullingen 1986,\u00c2\u00a0 S. 150-156.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem in den Jahren von 1948 \u2013 1993 die multilaterale Liberalisierung im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) die handelspolitische Entwicklung dominierte, haben danach &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20192\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>\u00d6konomie leicht erkl\u00e4rt (1)<\/font><br \/>Wohl und Wehe des internationalen Freihandels\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":89,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1200,2364,23],"tags":[539,1187],"class_list":["post-20192","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-freihandlerisches","category-protektionistisches","category-wettbewerbliches","tag-freihandel","tag-zolle"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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