{"id":20290,"date":"2016-12-31T00:01:18","date_gmt":"2016-12-30T23:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20290"},"modified":"2016-12-30T18:03:34","modified_gmt":"2016-12-30T17:03:34","slug":"die-europaeische-zentralbank-stoert-die-verwertung-des-wissens-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20290","title":{"rendered":"Die Europ\u00e4ische Zentralbank st\u00f6rt die Verwertung des Wissens in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank unter Mario Draghi hat j\u00fcngst beschlossen, ihre Niedrig-, Null- und Negativzinsen beizubehalten und ihre Ankaufprogramme f\u00fcr Staatsanleihen weiter fortzusetzen. Im Gegensatz zu den USA, wo man sich dem Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik zugewendet hat, werden in Europa weiterhin mit aller Gewalt die Zinsen manipuliert. Friedrich August von Hayek hat bereits 1945 in seinem Aufsatz \u201eDie Verwertung des Wissens in der Gesellschaft\u201c verdeutlicht, warum der Wohlstand sinkt, wenn der Staat die Preise verzerrt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hayeks Grundthese war, dass das Wissen einer Gesellschaft \u00fcber diese verteilt ist. Niemand besitzt alle Informationen. \u00dcber Preise und Wettbewerb wird das verstreute Wissen sichtbar gemacht und die Pl\u00e4ne der einzelnen Individuen koordiniert. Die Effizienz steigt, weil die Ressourcen gem\u00e4\u00df den Pr\u00e4ferenzen der Individuen eingesetzt werden. Es herrscht Konsumtensouverenit\u00e4t, weil die Menschen \u00fcber die Produktionsstruktur entscheiden. Der Schl\u00fcssel liegt in der Informationsfunktion von Preisen, die Knappheiten anzeigen und \u00fcber Anreize Angebot und Nachfrage ausgleichen.<\/p>\n<p>Preisver\u00e4nderungen bewirken die Anpassung der Wirtschaftsstruktur an ver\u00e4nderte Gegebenheiten und Pr\u00e4ferenzen, wie Hayek an einem Beispiel deutlich machte: Wenn irgendwo auf der Welt die Nachfrage nach einem Rohstoff steigt (oder das Angebot sinkt), m\u00fcssen Unternehmen nicht Heerscharen von Detektiven aussenden, um davon zu erfahren. Es gen\u00fcgt ein Blick auf den Preis. Steigende Kosten signalisieren den Unternehmen, den Rohstoff sparsamer zu verwenden, oder ein Substitut zu finden.<\/p>\n<p>Hayek (1945) spricht von einem Wunder, wenn er \u201e<em>das Preissystem als eine Art von Maschinerie zur Registrierung von Ver\u00e4nderungen bezeichnet [\u2026], von denen Unternehmer nie mehr zu wissen brauchen, als sich in der Preisbewegung widerspiegelt<\/em>.\u201c Aber dieses Wunder ist fragil. Wenn Preise starr sind oder vom Staat manipuliert werden, verlieren sie ihre Informationsfunktion. Es entstehen strukturelle Verzerrungen, die das Wachstum hemmen, weil dann der Staat statt den Konsumenten die Wirtschaftsstruktur bestimmt.<\/p>\n<p>Aus dieser Sicht st\u00f6rt die Europ\u00e4ischen Zentralbank die effiziente Allokation von Ressourcen, weil sie der schleichenden europ\u00e4ischen Finanz- und Schuldenkrise mit immer gr\u00f6\u00dferen geldpolitischen \u201eBazookas\u201c (Originalton Mario Draghi) begegnet. \u00dcber die gemeinsame Zentralbank werden Ressourcen in die Krisenstaaten gelenkt, damit der Euro \u00fcberlebt. Doch das verhindert den Restrukturierungsprozess in S\u00fcdeuropa, der f\u00fcr eine nachhaltige L\u00f6sung der Krise notwendig ist. Durch die immensen Staatsanleihek\u00e4ufe h\u00e4lt die Europ\u00e4ische Zentralbank Zombiebanken und Zombieunternehmen am Leben, die wie ein M\u00fchlstein am Hals der Krisenstaaten h\u00e4ngen. Ressourcen bleiben in ineffizienten Teilen der Wirtschaften gebunden. Sie k\u00f6nnen nicht hin zu neuen, renditetr\u00e4chtigeren Investitionen verlagert werden (siehe Schnabl 2016).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/aktien.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/aktien.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Hayek w\u00fcrde wohl auch erkennen, dass die als Krisentherapie gedachte Niedrig-, Null- und Negativzinspolitik derzeit eine Blase auf den deutschen Aktien- und Immobilienm\u00e4rkten treibt, indem sie die Preise auf den Kapitalm\u00e4rkten verzerrt. Da der gemeinsame Leitzins f\u00fcr die gute deutsche Konjunktur viel zu niedrig ist (und die Menschen den Wertverlust des Geldes f\u00fcrchten), treibt Mario Draghi viele Menschen in den Immobilienkauf. Die Immobilienpreise in den Ballungszentren steigen rasant.<\/p>\n<p>Weil das billige Geld zudem den Euro schw\u00e4cht, werden zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten im Exportsektor aufgebaut, die ohne die versteckten Subventionen so nicht entstanden w\u00e4ren. Die Abbildung vergleicht die j\u00fcngste Entwicklung der deutschen Aktienpreise (DAX) mit der japanischen Blase der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre (Nikkei 225) (deren Platzen Japan in bisher 26 Jahre Krise gest\u00fcrzt hat). Seit Beginn der geldpolitischen Krisentherapie im Jahr 2008 ist der DAX dramatisch angestiegen. Man beachte die unterschiedliche Skalierung der Achsen! Platzt die deutsche Blase eines Tages, dann wird wohl auch Deutschland tief in den Sumpf der europ\u00e4ischen Finanz- und Schuldenkrise hineingezogen.<\/p>\n<p>Die geldpolitische Krisenpolitik schafft damit nicht mehr als die Illusion, dass unser Wohlstand auch ohne das st\u00e4ndige Streben jedes Einzelnen nach Effizienz m\u00f6glich ist. Die Realit\u00e4t ist eine andere. Da die Produktivit\u00e4tsgewinne und das Wachstum in Europa wegen der Flut des billigen Geldes inzwischen gegen null konvergieren, f\u00fchlen sich immer mehr Menschen abh\u00e4ngt. Sie wenden sich von den etablierten Parteien ab. Dieser Prozess geht mit einem wachsenden Misstrauen gegen\u00fcber dem europ\u00e4ischen Integrationsprozess einher, der einst mit der Freiheit f\u00fcr die Bewegung von G\u00fctern, Dienstleistungen, Arbeit und Kapital die Grundlage f\u00fcr den Wohlstand in Europa geschaffen hat. Wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass sich Mario Draghi bald auf Hayeks Werke besinnen wird.<\/p>\n<p><strong>Literatur \u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Hayek, Friedrich August (1945): The Use of Knowledge in the Society. American Economic Review 35, 4, 519-530.<\/p>\n<p>Schnabl, Gunther (2016): The Central Banking and Crisis Management from the Perspective of Austrian Business Cycle Theory. <em>CESifo Working Paper<\/em> 6179.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2885839\">https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2885839<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank unter Mario Draghi hat j\u00fcngst beschlossen, ihre Niedrig-, Null- und Negativzinsen beizubehalten und ihre Ankaufprogramme f\u00fcr Staatsanleihen weiter fortzusetzen. 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