{"id":20505,"date":"2017-02-24T00:01:27","date_gmt":"2017-02-23T23:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20505"},"modified":"2017-02-23T18:13:50","modified_gmt":"2017-02-23T17:13:50","slug":"was-bedeutet-die-wahl-donald-trumps-fuer-uns-und-fuer-die-amerikanische-volkswirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20505","title":{"rendered":"Was bedeutet die Wahl Donald Trumps f\u00fcr uns und f\u00fcr die amerikanische Volkswirtschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Niemand wei\u00df, welchen Verlauf die Amtszeit Donald Trumps nehmen wird. Trotzdem ist es wichtig, halbwegs plausible Erwartungen zu bilden, um gegebenenfalls m\u00f6glichst effizient reagieren zu k\u00f6nnen. Um abzusch\u00e4tzen, wie Trump regieren wird, ist es wichtig zu verstehen, wie er denkt. Im Folgenden gehen wir davon aus, dass der neue amerikanische Pr\u00e4sident seine wirtschaftspolitische Strategie nicht aus der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur ableitet, sondern aus seiner pers\u00f6nlichen Lebenserfahrung als sehr erfolgreicher Unternehmer.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da der Erfolg eines Unternehmers an seinen monet\u00e4ren \u00dcbersch\u00fcssen gemessen wird, ist naheliegend, dass er dies auch auf den Erfolg einer Volkwirtschaft \u00fcbertr\u00e4gt. So k\u00f6nnte er zum Beispiel im Au\u00dfenhandel dann einen Erfolg wahrnehmen, wenn ein m\u00f6glichst gro\u00dfer Leistungsbilanz\u00fcberschuss \u2013 gewisserma\u00dfen als Gewinn der amerikanischen Volkswirtschaft \u2013 erzielt wird. Dies legt eine Pr\u00e4ferenz f\u00fcr eine merkantilistisch-protektionistische Au\u00dfenwirtschaftspolitik nahe. Tats\u00e4chlich best\u00e4tigt er das in seiner Antrittsrede deutlich: \u201eWe must protect our borders from the ravages of other countries making our products, stealing our companies and destroying our jobs. Protection will lead to great prosperity and strength. I will fight for you with every breath in my body and I will never ever let you down\u201c (Trump 2017a).<\/p>\n<p>Eine zweite Erfahrung k\u00f6nnte lauten: \u201eGeht es Unternehmen gut, dann stellen sie neue Arbeitskr\u00e4fte ein und die Wirtschaft floriert.\u201c Welche Ma\u00dfnahmen erleichtern den Unternehmen nun ihr Gesch\u00e4ft? Zwei Elemente, die hierbei wichtig sein k\u00f6nnten, sind eine hohe Nachfrage, die letztlich auch durch den Staat induziert werden kann, und niedrige Steuern. Ersteres best\u00e4tigt Trump eher indirekt: \u201eWe will build new roads and highways and bridges and airports and tunnels and railways all across our wonderful nation\u201c (Trump 2017a). Seine Steuerpl\u00e4ne werden vor allem auf seiner Homepage deutlich (Trump 2016). Er plant deutliche Steuersenkungen f\u00fcr alle Einkommensklassen, m\u00f6chte die Erbschaftssteuer streichen und beabsichtigt, M\u00f6glichkeiten der steuerlichen Absetzbarkeit erheblich einzuschr\u00e4nken. Aus der Verbindung von Ausgabenerh\u00f6hungen und Steuersenkungen folgen allerdings \u2013 zumindest kurzfristig \u2013 h\u00f6here Haushaltsdefizite.<\/p>\n<p>Aus der Sicht eines einzelnen Unternehmers sind auch Regulierungsvorschriften ein \u00c4rgernis: Sie verbrauchen Zeit und andere Ressourcen, schr\u00e4nken die Anpassungsflexibilit\u00e4t ein und schm\u00e4lern die Unternehmensgewinne. Dies l\u00e4sst vermuten, dass Trump auch in der R\u00fccknahme solcher Vorschriften ein Instrument zur Belebung der Wirtschaft sieht. Tats\u00e4chlich hat Trump inzwischen zwei Direktiven (executive orders; Trump 2017c und 2017d) unterzeichnet, die eine Lockerung der Regulierungsvorschriften zum Ziel haben.<\/p>\n<p>Als Unternehmer war es f\u00fcr Trump vermutlich weitgehend selbstverst\u00e4ndlich, dass seine Entscheidungen von niemandem innerhalb seiner Unternehmen in Frage gestellt wurden. Da er zudem im Allgemeinen sehr erfolgreich war, ist er auch nicht an Kritik au\u00dferhalb seines Unternehmens gew\u00f6hnt. Dies l\u00e4sst es denkbar erscheinen, dass er f\u00fcr sein neues Amt ein vergleichbares Ma\u00df an Entscheidungsfreiheiten erwartet. Letzteres k\u00f6nnte insbesondere dann zu ungew\u00f6hnlichen Problemen f\u00fchren, wenn sein neues Amt nunmehr in komplexe Entscheidungsverfahren eingebunden ist. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist Trumps Kritik an Gerichten, die sein Einreiseverbot f\u00fcr B\u00fcrger ausgew\u00e4hlter muslimischer Nationen aufgehoben haben. Die Art und Weise, wie diese Kritik formuliert wurde \u2013 man denke etwa an Formulierungen wie \u201eDie Meinung dieses sogenannten Richters\u201c \u2013, l\u00e4sst einen mangelnden Respekt an den Institutionen der Gewaltenteilung bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hat Trump \u2013 ganz im Stile eines verhandelnden Unternehmers \u2013 auch in der Sicherheitspolitik den Versuch angedeutet, Lasten auf andere Parteien umzuverteilen.<\/p>\n<p>Gehen wir diese Punkte im Folgenden nacheinander durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>1. Protektionismus<\/strong><\/p>\n<p>Trumps Vorstellungen einer Au\u00dfenhandelspolitik, deren Erfolg am Leistungsbilanz\u00fcberschuss (je gr\u00f6\u00dfer desto besser) zu messen ist, stellen einen R\u00fcckfall in merkantilistische Zeiten dar. Das Verkennen der wechselseitigen Vorteilhaftigkeit und das Denken in Nullsummenspielen l\u00e4sst eindeutig protektionistische Ma\u00dfnahmen erwarten.<\/p>\n<p>In der kurzen Frist k\u00f6nnte dies zun\u00e4chst dazu f\u00fchren, dass \u00fcber Handelshemmnisse und Wechselkursbeeinflussung US-amerikanische Importe sinken, w\u00e4hrend die Exporte zunehmen. Dies ist jedoch keineswegs sicher. Das Handelsdefizit der USA erm\u00f6glicht es den amerikanischen Konsumenten seit Jahrzehnten, mehr zu konsumieren als es \u00fcber die heimische Produktion m\u00f6glich w\u00e4re. Finanziert wird dies zum Teil damit, dass der US-Dollar als Leitw\u00e4hrung in internationalen Transaktionen verwendet wird und andere Nationen ihre Devisenreserven vor allem in US-Dollar halten. Mit anderen Worten: Die USA importieren Konsumg\u00fcter, die sie mit selbstgedruckten Dollar bezahlen. Doch anstatt, dass die Exportl\u00e4nder das Geld zu K\u00e4ufen bei US-Unternehmen verwenden, kursiert es dauerhaft au\u00dferhalb der Vereinigten Staaten und wird zur Zahlung von internationalen Transaktionen verwendet. Es ist jedoch unklar, ob die dominante Rolle des Dollars nicht doch zu weltweit steigenden Reserven in US-Dollar und damit zu Handelsdefiziten f\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus ist fraglich, ob die amerikanischen Konsumenten (in einer weitgehend vollbesch\u00e4ftigten Volkswirtschaft) ihren Konsum so weit einschr\u00e4nken werden, wie er ohne Au\u00dfenhandelsdefizite m\u00f6glich ist. Hinzu kommt, dass eine Abwertung des Dollar importierte Vorprodukte verteuert und damit einer Verbesserung der Leistungsbilanz entgegenwirkt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland und die EU k\u00f6nnten protektionistische amerikanische Ma\u00dfnahmen zu einer Verringerung des Au\u00dfenhandels\u00fcberschusses f\u00fchren. Das Ausma\u00df dieses Effekts d\u00fcrfte jedoch begrenzt sein. Etwa 8,6% der deutschen Exporte gingen im Jahr 2014 in die USA. Diese werden jedoch nicht gegen null gehen, da die US-Wirtschaft deutsche Luxusautomobile oder Maschinen nicht beliebig ersetzen kann. Insofern m\u00f6gen derartige Ma\u00dfnahmen der deutschen Wirtschaft kurzfristig Schmerz zuf\u00fcgen, ein dramatischer Einbruch ist aber unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Noch wichtiger aber sind die langfristigen Wirkungen. Dazu muss man sich klarmachen, dass der Au\u00dfenhandel zu einer immer st\u00e4rker ausgepr\u00e4gten internationalen Arbeitsteilung gef\u00fchrt hat. Selbst innerhalb einer einzigen Wertsch\u00f6pfungskette (f\u00fcr ein bestimmtes Produkt) erfolgen sowohl Im- als auch Exporte. Human- und sachkapitalintensive Produktionsstufen werden in den kapitalreichen Industriel\u00e4ndern durchgef\u00fchrt. Die daraus resultierenden Zwischenprodukte werden gegebenenfalls exportiert, um in arbeitsreichen Nationen arbeitsintensive Produktionsstufen vorzunehmen. Diese Form der internationalen Arbeitsteilung, die auch unter dem Stichwort \u201eglobale Wertsch\u00f6pfungskette\u201c diskutiert wird, bewirkt erhebliche Effizienzgewinne. Trumps angek\u00fcndigte Eingriffe in den Au\u00dfenhandel behindern diese Art der Arbeitsteilung und verursachen somit Ineffizienzen, die vorrangig die US-amerikanische Wirtschaft treffen werden. Dadurch sinkt die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der amerikanischen Exportsektoren, was die angestrebten Handels\u00fcbersch\u00fcsse ma\u00dfgeblich gef\u00e4hrdet. Au\u00dferdem wird der amerikanische Konsument h\u00f6here Preise f\u00fcr die von ihm konsumierten G\u00fcter zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland und die EU ergibt sich eine im Vergleich zu den Vereinigten Staaten steigende Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Sie f\u00fchrt entweder zu weiteren Handels\u00fcbersch\u00fcssen, was eigentlich nicht w\u00fcnschenswert w\u00e4re, oder zu Abwertungen des Dollars, die den deutschen Verbrauchern zugutekommen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es noch wichtig zu betonen, dass es kein Ziel des Au\u00dfenhandels sein kann, dauerhafte Export\u00fcbersch\u00fcsse zu erzielen. Denn dies bedeutet, dass die B\u00fcrger der den \u00dcberschuss erzielenden Nation in jedem Jahr einem anderen Land wertm\u00e4\u00dfig mehr G\u00fcter liefern als sie zur\u00fcckbekommen. Im Gegenzug erh\u00e4lt das exportierende Land durch Nettokapitalexporte oder Devisenzufl\u00fcsse zwar Forderungen gegen\u00fcber den Importnationen, doch stellen diese keinen Endzweck dar. Letzter Zweck des Wirtschaftens ist immer der G\u00fcterkonsum. Wo dieser auf Dauer durch den Aufbau von Forderungen ersetzt wird, bildet sich eine \u00dcberschuldung des Importlandes. Die daraus resultierenden Schuldenerlasse stellen sp\u00e4ter die ex post-Best\u00e4tigung dar, dass dauerhafte Export\u00fcbersch\u00fcsse mit einem reinen Verschenken von G\u00fctern gleichzusetzen sind.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist es f\u00fcr Deutschland <em>derzeit<\/em> aus demographischen Gr\u00fcnden sinnvoll, Handels\u00fcbersch\u00fcsse zu erzielen. Damit werden Forderungen gegen\u00fcber dem Ausland aufgebaut, die sp\u00e4ter, wenn die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge in Rente gehen, durch Import\u00fcbersch\u00fcsse wieder aufgel\u00f6st werden und damit zur Sicherung des Lebensstandards im Alter beitragen.<\/p>\n<p><strong>2. Ausgabenprogramme und Steuersenkungen<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfe staatliche Investitionsvorhaben in Verbindung mit sinkenden Steuers\u00e4tzen f\u00fchren nolens volens zu Defiziten in den Staatshaushalten. Kurzfristig f\u00fchrt dies zu einer Erh\u00f6hung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in einer derzeit praktisch ausgelasteten Wirtschaft. Die zus\u00e4tzliche Staatsnachfrage wird dann entweder zu steigender Inflation oder zu vermehrten Importen (oder beiden Effekten) f\u00fchren. Hier spielt nat\u00fcrlich die Geldpolitik eine Rolle. Solange Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, standhaft bleibt und bei zunehmender Auslastung der Wirtschaft die Leitzinsen erh\u00f6ht, wird die Hauptwirkung in zus\u00e4tzlichen Importen und einer Verdr\u00e4ngung der privaten Investitionsnachfrage bestehen. Sollte sie hingegen \u2013 wie Trump anscheinend beabsichtigt \u2013 entmachtet werden, dann k\u00f6nnte die westliche Welt die Wiederauferstehung der Inflation erleben. Beides d\u00fcrfte f\u00fcr die amerikanischen B\u00fcrger wenig w\u00fcnschenswert sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland und Europa werden die Ausgabenerh\u00f6hungen und Steuersenkungen kurzfristig eher vorteilhaft sein, insbesondere weil die amerikanischen Importsteigerungen teilweise durch europ\u00e4ische Exporte vollzogen werden. Das Ausma\u00df der Auswirkung wird wegen der absehbaren protektionistischen Ma\u00dfnahmen jedoch eher moderat sein.<\/p>\n<p>Mittel- und langfristig werden aus den von Trump geplanten Ma\u00dfnahmen auch Angebotsreaktionen der US-Wirtschaft folgen. Insbesondere die Steuersenkungen k\u00f6nnen einen belebenden Effekt aufweisen. Es bleibt jedoch v\u00f6llig unklar, inwieweit diese Wirkungen durch die Verschuldungsproblematik \u00fcberlagert werden und welcher Effekt \u00fcberwiegen wird.<\/p>\n<p><strong>3. Deregulierung<\/strong><\/p>\n<p>In zwei Direktiven hat sich der amerikanische Pr\u00e4sident der Eind\u00e4mmung von Regulierungskosten gewidmet. In der ersten (vom 30. Januar) fordert er eine strikte Kontrolle und Reduzierung der Regulierungskosten. Eine neue Regulierungsma\u00dfnahme soll zum Beispiel nur dann eingef\u00fchrt werden, wenn daf\u00fcr zwei bereits existierende gestrichen werden. Au\u00dferdem d\u00fcrfen durch jegliche \u00c4nderung der Regulierungsvorschriften (inkl. Streichung alter Regeln) die Gesamtregulierungskosten nicht steigen.<\/p>\n<p>Meines Erachtens ist dieser Vorsto\u00df durchaus zu begr\u00fc\u00dfen! Tats\u00e4chlich hat es den Anschein, als w\u00fcrde der Gesetzgeber bei der Einf\u00fchrung von Regulierungsvorschriften nur allzu oft die B\u00fcrokratiekosten, die er damit verursacht, vernachl\u00e4ssigen. Durch die neue Direktive setzt Trump den Regulierern eine Restriktion, die sie zwingt, die Regulierungskosten zu ber\u00fccksichtigen. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich eine solche Regel nur \u00fcber eine bestimmte Zeit aufrechterhalten, ansonsten konvergiert die Gesamtzahl der Vorschriften notwendigerweise gegen eins. F\u00fcr einige Jahre k\u00f6nnte es jedoch durchaus effizienzf\u00f6rdernd sein, wenn alle Regulierungsvorschriften systematisch auf ihre Eignung \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>In der zweiten Direktive stellt er zentrale Grunds\u00e4tze (core principles) zur Regulierung des Finanzsektors auf. Die Formulierungen bleiben dabei sehr allgemein und lassen gro\u00dfe Interpretationsspielr\u00e4ume. Das Ziel scheint der Dodd-Frank-Act zu sein, also die Regulierungsvorschriften, die die Obama-Regierung im Anschluss an die Finanzkrise eingef\u00fchrt hat. Offenbar h\u00e4lt Trump die Vorschriften f\u00fcr zu restriktiv und strebt Lockerungen an. Andererseits erw\u00e4hnt Trump darin explizit die Stichworte Systemrisiken und Marktversagen durch asymmetrische Informationen. Zudem fordert Section 1 (b) die Verhinderung steuerfinanzierter Bailouts. Grunds\u00e4tzlich sollte man auch einem Pr\u00e4sidenten Donald Trump einen Vertrauensvorschuss im Hinblick auf die Konkretisierung der Direktive geben. Gleichwohl bleibt die Sorge, dass eine zu weitreichende Deregulierung zu erneuten Finanzmarktausw\u00fcchsen f\u00fchren k\u00f6nnte. Letzteres w\u00e4re auch f\u00fcr Europa im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen sehr problematisch.<\/p>\n<p><strong>4. Milit\u00e4rpolitik, Vertragstreue und Rechtsstaatlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Nicht ganz zu Unrecht kritisiert Trump, dass viele NATO-L\u00e4nder einen zu geringen Beitrag f\u00fcr die Verteidigungsma\u00dfnahmen des B\u00fcndnisses leisten. Deutschland ist hier vielleicht das Paradebeispiel. Wenn er nun fordert, dass die Verteidigungsaufwendungen der entsprechenden Nationen angepasst werden m\u00fcssten, so ist dem vergleichsweise wenig entgegenzusetzen, selbst wenn die USA in der Vergangenheit ihre milit\u00e4rische Dominanz innerhalb der NATO bewusst gepflegt haben. Ob oder in welchem Umfang dies zu K\u00fcrzungen im US-amerikanischen Milit\u00e4rhaushalt f\u00fchrt, bleibt unklar.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland und Europa bedeutet dies aller Voraussicht nach steigende Milit\u00e4rausgaben. Wie diese finanziert werden, ist offen. Aus polit-\u00f6konomischer Sicht ist wohl am ehesten mit einer Erh\u00f6hung der Verschuldung zu rechnen. Das wird zwar einerseits die Konjunktur st\u00e4rken, mittelfristig k\u00f6nnte es jedoch die noch nicht \u00fcberwundene europ\u00e4ische Staatsschuldenkrise verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte von allen Probleme mit dem neuen US-Pr\u00e4sidenten k\u00f6nnte jedoch in seinem Verh\u00e4ltnis zu den Institutionen des Rechts bestehen. Wiederholt stellt sich der Eindruck ein, er unterwerfe sich selbst den allgemeinen Regeln des Rechts nur dann, wenn sie ihm gelegen sind. Die Vielzahl seiner Fehltritte in so kurzer Zeit ist alarmierend: Internationale Abkommen, die seine Vorg\u00e4nger unterzeichnet haben, sind ihm anscheinend gleichg\u00fcltig: (1) Willk\u00fcrliche angedrohte Zolls\u00e4tze widersprechen den Vereinbarungen der WTO und das Klimaschutzabkommen von Paris sieht er als f\u00fcr sich nicht bindend an. Vertragstreue im Sinne eines \u201epacta sunt servanda\u201c scheint bei ihm eine nur geringe Priorit\u00e4t zu haben. (2) Im Vorfeld der Wahlen hat er sich geweigert, ein Wahlergebnis, das zu seinen Ungunsten ausfallen k\u00f6nnte, anzuerkennen. (3) Bel\u00e4stigungen von Frauen scheint er als Kavaliersdelikt einzustufen. (4) Die Anzahl seiner falschen oder nicht belegbaren Beschuldigungen von politischen Gegnern grenzt an Verleumdung. (5) Der Einreisestopp f\u00fcr B\u00fcrger aus ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern scheint nicht verfassungskonform zu sein, in jedem Fall ist seine Einf\u00fchrung wenig sorgf\u00e4ltig vorgenommen worden. (6) Gerichte, die gegen seine Direktive entscheiden, belegt er mit einer demonstrativen \u00f6ffentlichen Verachtung, die seinem Amt nicht zusteht. (7) Sein Sicherheitsberater hat noch vor Trumps Amtsantritt und damit rechtswidrig Kontakte mit russischen Beh\u00f6rden aufgenommen. Wie t\u00f6richt m\u00fcsste dieser Mann sein, dies ohne Trumps Wissen zu tun? (8) Schlie\u00dflich \u2013 man mag es kaum glauben \u2013 missbraucht er offen sein Amt, um seinen privaten Interessen, hier den Gesch\u00e4ften seiner Tochter Ivanka, nachzugehen, indem er die Kaufhauskette Nordstrom \u00f6ffentlich daf\u00fcr kritisiert, dass sie die Modekollektion seiner Tochter aus dem Programm genommen hat. Doch damit nicht genug: In einem Fernsehinterview (aus dem Wei\u00dfen Haus!) l\u00e4sst er seine enge Vertraute und Beraterin Kellyanne Conway offen Werbung f\u00fcr Ivanka Trumps Kollektion betreiben.<\/p>\n<p>Nur zum Vergleich: Als der damalige Wirtschaftsminister J\u00fcrgen W. M\u00f6llemann mit dem offiziellen Briefkopf des Ministeriums Werbung f\u00fcr einen Kunststoffchip seines Vetters machte, musste er nach k\u00fcrzester Zeit von seinem Amt zur\u00fccktreten.<\/p>\n<p>Die einmalig hohe Zahl von Skandalen in so kurzer Zeit legt die Vermutung nahe, dass Trump die Restriktionen, die ihm das Rechtssystem setzt, nicht hinreichend ernst nimmt. Eine solche Haltung steht jedoch in einem unaufl\u00f6slichen Konflikt mit der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung. Man stelle sich vor, Trumps willk\u00fcrlicher Umgang mit dem Recht w\u00fcrde auch in weiteren L\u00e4ndern Schule machen. Warum ist dies wichtig? Weil der Schutz privater Freiheits- und Eigentumsrechte durch eine von der Politik unabh\u00e4ngige Judikative und einen funktionierenden Rechtsstaat unverzichtbare Grundvoraussetzung f\u00fcr die Funktionsf\u00e4higkeit von freien Gesellschaften und marktwirtschaftlichen Systemen ist (siehe z.B. Hodgson 2015, Kapitel 3 und 4, oder meinen <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20032\">letzten Blog-Beitrag<\/a>).<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise erf\u00fcllen die amerikanischen Gerichte derzeit noch ihre Kontrollfunktion und selbst Mitglieder der Republikanischen Partei gehen vermehrt auf Distanz zu Trumps Eskapaden. Hoffen wir, dass sie standhaft bleiben.<\/p>\n<p><strong>Literatur <\/strong><\/p>\n<p>Hodgson, Geoffrey Martin (2015): <em>Conceptualizing capitalism: Institutions, evolution, future<\/em>, Univ. of Chicago Press: Chicago, Ill.<\/p>\n<p>Trump, Donald J. (2016): \u201eDonald J. Trumps Vision\u201c, <a href=\"https:\/\/www.donaldjtrump.com\/policies\/tax-plan\">https:\/\/www.donaldjtrump.com\/policies\/tax-plan<\/a> [zuletzt heruntergeladen am 01.02.2017].<\/p>\n<p>Trump, Donald J. (2017a): \u201eInauguration Speech\u201c, <em>The Washington Post<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/the-fix\/wp\/2017\/01\/20\/donald-trumps-full-inauguration-speech-transcript-annotated\/?utm_term=.6d7445bd6e49#annotations:11208428\">https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/the-fix\/wp\/2017\/01\/20\/donald-trumps-full-inauguration-speech-transcript-annotated\/?utm_term=.6d7445bd6e49#annotations:11208428<\/a> [zuletzt heruntergeladen am 01.02.2017].<\/p>\n<p>Trump, Donald J. (2017b): \u201eFull transcript of interview with Donald Trump\u201c, The Times, <a href=\"http:\/\/www.thetimes.co.uk\/article\/full-transcript-of-interview-with-donald-trump-5d39sr09d\">http:\/\/www.thetimes.co.uk\/article\/full-transcript-of-interview-with-donald-trump-5d39sr09d<\/a> [zuletzt heruntergeladen am 01.02.2017].<\/p>\n<p>Trump, Donald J. (2017c): \u201ePresidential Executive Order on Reducing Regulation and Controlling Regulatory Costs\u201c, <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2017\/01\/30\/presidential-executive-order-reducing-regulation-and-controlling\">https:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2017\/01\/30\/presidential-executive-order-reducing-regulation-and-controlling<\/a> [zuletzt heruntergeladen am 15.02.2017].<\/p>\n<p>Trump, Donald J. (2017d): \u201ePresidential Executive Order on Core Principles for Regulating the United States Financial System\u201c, <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2017\/02\/03\/presidential-executive-order-core-principles-regulating-united-states\">https:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2017\/02\/03\/presidential-executive-order-core-principles-regulating-united-states<\/a>, [zuletzt heruntergeladen am 15.02.2017].<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema<\/strong>:<\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20465\">Die Voodoo-\u00d6konomie des Donald Trump. Keynesianismus, Protektionismus und anti-mexikanischer Schutzwall<\/a><\/p>\n<p>Hartmut Kliemt: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20440\">Die neue Weltunordnung<\/a><\/p>\n<p>Jan Schnellenbach: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20429\">Fake News: Viel Hysterie, geringer Effekt<\/a><\/p>\n<p>Andreas Freytag: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20416\">Eine Handelsverschw\u00f6rung gegen die USA<\/a><\/p>\n<p>Michael Gr\u00f6mling: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20404\">Zeit der Nullsummenspieler<\/a><\/p>\n<h2 id=\"post-20465\"><\/h2>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand wei\u00df, welchen Verlauf die Amtszeit Donald Trumps nehmen wird. 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