{"id":20537,"date":"2017-03-12T00:01:27","date_gmt":"2017-03-11T23:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20537"},"modified":"2019-02-06T08:31:57","modified_gmt":"2019-02-06T07:31:57","slug":"strukturwandel-1schoepferische-zerstoerung-ueberalltreiber-reaktionen-und-populisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20537","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Strukturwandel (1)<\/font><br\/>Sch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung \u00fcberall!?<br\/><font size=3; color=grey>Treiber, Optionen und Populisten<\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>\u201c<\/em><\/strong><em>Die F\u00f6rderung einer Branche ist der sicherste Weg, sie zu ruinieren&#8220;\u009d. (<\/em>Raghuram Rajan; ehemaliger indischer Zentralbankpr\u00e4sident<em>)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Gespenst geht wieder um, das Gespenst des Populismus. Es spukt nicht nur in Europa. Auch in den USA treibt es sein Unwesen. Was populistische Entwicklungen befeuert, ist aber alles andere als klar. Sicher spielen auch \u00f6konomische Faktoren eine Rolle. Ein wichtiges Element ist der strukturelle Wandel. Schwere \u00f6konomische Krisen, wie die Finanzkrise, gehen Hand in Hand mit ver\u00e4nderten wirtschaftlichen Strukturen. Der Columbia-\u00d6konom Bruce Greenwald ist schon lange der Meinung, dass wir uns, wie schon in der Gro\u00dfen Depression, in einer solchen Phase wirtschaftlicher Umw\u00e4lzungen befinden. Damals starb der dominierende Agrarsektor, heute liegt der industrielle Sektor im Sterben. Viele Industriebesch\u00e4ftigte verlieren in diesem Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c (Joseph A. Schumpeter). Sie wenden sich immer \u00f6fter Politikern zu, die ihnen versprechen, das Rad der \u00f6konomischen Geschichte zur\u00fcckzudrehen. Das ist die Stunde von Populisten wie Donald Trump in den USA oder Marine Le Pen in Frankreich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was sagt die Empirie?<\/strong><\/p>\n<p>Der strukturelle Wandel hat zwei Gesichter: Ein inter-sektorales und ein intra-sektorales<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Der inter-sektorale Wandel folgt einem Muster. Mit wachsendem Wohlstand verliert zun\u00e4chst der Agrarsektor an Bedeutung. Das gilt sowohl f\u00fcr den Anteil des Sektors an der Wertsch\u00f6pfung einer Volkswirtschaft. Es trifft aber auch f\u00fcr die gesamtwirtschaftlichen Besch\u00e4ftigungsanteile zu. Ein (gro\u00dfer) Teil der Arbeitnehmer, die im Agrarsektor besch\u00e4ftigt sind, verliert ihren Arbeitsplatz. Gewinner des Wandels ist der industrielle Sektor. Die neuen Arbeitspl\u00e4tze entstehen vor allem dort. Der Beitrag zur Wertsch\u00f6pfung nimmt zu. Diese sektorale Verschiebung ist aber nicht von Dauer. W\u00e4chst der Wohlstand, ger\u00e4t auch der Industriesektor auf die Verliererstra\u00dfe. Obwohl der Beitrag zur Wertsch\u00f6pfung sp\u00fcrbar abnimmt, verringert sich der Output sehr viel weniger. Das ist bei der Besch\u00e4ftigung etwas anders. Auch dort sinkt der Anteil an der Besch\u00e4ftigung einer Volkswirtschaft. Allerdings gehen massenhaft industrielle Arbeitspl\u00e4tze verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/beschaeftigung.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/beschaeftigung.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>\u00dcberall in den L\u00e4ndern der OECD hat der industrielle Sektor in der Zeit zwischen 1999 und 2015 Arbeitspl\u00e4tze abgebaut, mehr oder weniger stark. In Luxemburg, Gro\u00dfbritannien, Schweden, Irland und D\u00e4nemark gingen viele Arbeitspl\u00e4tze im Verarbeitenden Gewerbe verloren. Auch die USA haben in dieser Zeit fast ein Drittel der Industriearbeitspl\u00e4tze eingeb\u00fc\u00dft. Von dieser Entwicklung etwas weniger stark betroffen sind unter den wirtschaftlich \u201eGro\u00dfen\u201c vor allem Deutschland oder Italien. Aber auch dort waren die Arbeitsplatzverluste erheblich. Immerhin verlor Italien mehr als 20 %, Deutschland etwas weniger als 20 % der Arbeitspl\u00e4tze im Verarbeitenden Gewerbe. Der Gewinner des inter-sektoralen Wandels ist der Dienstleistungssektor. Alle L\u00e4nder gewannen, einige mehr, andere weniger. Unter den \u201eGro\u00dfen\u201c wuchs vor allem in Spanien der Dienstleistungssektor in den letzten 15 Jahren besonders stark. Den gr\u00f6\u00dften Besch\u00e4ftigungsanteil hat dieser Sektor allerdings in Luxemburg, den USA, Gro\u00dfbritannien und den Niederlanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/temo.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/tempo.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Das Tempo des sektoralen Strukturwandels hat sich ver\u00e4ndert (<a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/beitrag\/iw-strukturbericht-offenheit-siegt-252397\">hier<\/a>). Es war in den 10 Jahren zwischen Mitte der 90er und Mitte der 00er Jahre relativ hoch. In dieser Zeit war der Prozess der De-Industrialisierung in vielen L\u00e4ndern voll im Gang. Der Industriesektor verlor Arbeitspl\u00e4tze, der Dienstleistungssektor gewann. Nach 2010 kam der Strukturwandel langsamer voran. Das gilt f\u00fcr die meisten L\u00e4nder, unabh\u00e4ngig davon, wie stark der Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor unterwegs ist. Der sektorale Wandel hat sich verlangsamt, weil das Tempo der De-Industrialisierung geringer ist. In manchen L\u00e4ndern, wie etwa Deutschland, sind auch tempor\u00e4re Tendenzen zu einer leichten Re-Industrialisierung zu beobachten. Es erstaunt deshalb, dass der sektorale Strukturwandel als ein wesentlicher Treiber heutiger populistischer Tendenzen angesehen wird. In Zeiten eines hohen Tempos des Strukturwandels, war Populismus nicht en vogue. Heute, da der Strukturwandel an Geschwindigkeit verloren hat, verbreitet er sich wie ein Lauffeuer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wer treibt den Strukturwandel?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind vor allem drei Faktoren, die den weltweiten inter-sektoralen strukturellen Wandel treiben (<a href=\"https:\/\/ideas.repec.org\/a\/fip\/feddel\/00013.html\">hier<\/a>). Ein ver\u00e4ndertes Ausgabenverhalten privater Haushalte ist ein erster Faktor. Mit steigendem Wohlstand nimmt der S\u00e4ttigungsgrad mit Industrieg\u00fctern zu. Haushalte verwenden mehr ihres Einkommens f\u00fcr Dienstleistungen. Das Erwerbsverhalten der Frauen verst\u00e4rkt diese Entwicklung. Die L\u00f6hne der Frauen gleichen sich st\u00e4rker an die der M\u00e4nner an. Der Anreiz der Frauen steigt, st\u00e4rker in Humankapital zu investieren und ihre Arbeit auf privaten M\u00e4rkten anzubieten. Die Haushaltsproduktion geht zur\u00fcck. Dienstleistungen, wie Kochen oder Kinderbetreuung, werden auf private M\u00e4rkte ausgelagert. Die Nachfrage nach Dienstleistungen steigt aber auch, weil Gesellschaften reicher und \u00e4lter werden. Personenbezogene Dienstleistungen werden verst\u00e4rkt nachgefragt. Erziehung, Unterhaltung und Gesundheitsleistungen sind nur einige von ihnen. Die Ausgaben f\u00fcr Dienstleistungen nehmen aber auch zu, weil deren Preise st\u00e4rker steigen als im Agrar- und Industriesektor. Eine Ursache ist ein geringeres Wachstum der Produktivit\u00e4t und eine geringere internationale Handelbarkeit von personenbezogenen Dienstleistungen.<\/p>\n<p>Nicht nur private Haushalte ver\u00e4ndern mit wachsendem Wohlstand ihr Ausgabenverhalten. Auch Unternehmen tun es. Sie fragen verst\u00e4rkt G\u00fcter aus dem Dienstleistungssektor als Vorleistungen nach. Dazu z\u00e4hlt eine Vielzahl produktnaher Dienste, wie etwa Finanzierung, Bankdienste, Rechtsberatung, Consulting, Informationstechnologien und Ausbildung der Arbeitnehmer. Die Entwicklung der \u201eIndustrie 4.0\u201c zeigt, dass sich auch Software-Dienstleistungen zu einer unentbehrlichen Vorleistung f\u00fcr den Industriesektor entwickelt haben. Industrieg\u00fcter werden immer dienstleistungsintensiver. Die Produktivit\u00e4t des industriellen Sektors h\u00e4ngt stark am Tropf des technischen Fortschritts im Dienstleistungssektor. Dort macht die Informations- und Kommunikationstechnologie gro\u00dfe Fortschritte. Wie der Agrarsektor in der Vergangenheit seine Produktivit\u00e4t durch den Industriesektor signifikant steigern konnte, gelingt dieses Kunstst\u00fcck nun auch dem industriellen Sektor. Ein wichtiger Treiber ist der Dienstleistungssektor.<\/p>\n<p>Der Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c durch strukturellen Wandel wird auch durch weltweite offenere G\u00fcterm\u00e4rkte getrieben. Das ist ein dritter Faktor, der den inter-sektoralen Strukturwandel beeinflusst. Der industrielle Sektor in reichen L\u00e4ndern verliert durch die Globalisierung an Boden. Weltweit offenere G\u00fcterm\u00e4rkte setzen etablierte Anbieter von Industrieg\u00fctern unter Druck. Das geschieht vor allem bei Low-Tech-Produkten. Dort haben Unternehmen, die arbeitsintensive G\u00fcter kosteng\u00fcnstiger produzieren, die Nase vorn. Industrieorientierte Unternehmen in hochentwickelten L\u00e4ndern weichen auf High-Tech-Produkte aus. Es findet im industriellen Sektor eine Spezialisierung statt. Das Massengesch\u00e4ft einfacher Industrieprodukte geht in reichen L\u00e4ndern zur\u00fcck. Im Spezialit\u00e4tengesch\u00e4ft human- und technologiekapitalintensiver G\u00fcter werden aber nach wie vor gute Gewinne gemacht. Der deutsche industrielle Sektor ist das beste Beispiel. Allerdings nimmt der industrielle Beitrag zur Wertsch\u00f6pfung und der Besch\u00e4ftigung l\u00e4ngerfristig ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wie kann man reagieren?<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem inter-sektoralen Strukturwandel verschiebt sich auch die Struktur der Nachfrage nach Arbeit im Industrie- und Dienstleistungssektor. Die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze im industriellen Sektor geht zur\u00fcck, die Spezialisierung auf High-Tech-Produkte nimmt zu. Low-Tech-Arbeitspl\u00e4tze werden abgebaut, neue High-Tech-Arbeitspl\u00e4tze entstehen. Einfache Arbeit verliert, qualifizierte Arbeit gewinnt. Die Qualifikationsstruktur im industriellen Sektor \u00e4ndert sich. Demgegen\u00fcber steigt im Dienstleistungssektor die Nachfrage nach Arbeit. Das gilt f\u00fcr Wirtschaftsdienstleistungen und personenbezogene Dienstleistungen. Sowohl einfache als auch qualifizierte Arbeit wird st\u00e4rker nachgefragt. Eine klare Spezialisierung ist nicht zu erkennen. Der Strukturwandel scheint im Dienstleistungssektor allen Qualifikationen zugute zu kommen. Hoch und niedrig qualifizierte Arbeitnehmer gewinnen. Das tut nicht nur der Besch\u00e4ftigung gut, es heizt auch die Ungleichheit der L\u00f6hne zwischen einfacher und qualifizierter Arbeit nicht weiter an.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sektor.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sektor.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Auf die sektorale Verschiebung der Arbeitsnachfrage kann ein Land mit Preisen (L\u00f6hnen) und\/oder Mengen reagieren. In einer ersten Variante sinken die Reall\u00f6hne im industriellen Sektor soweit, dass sich die Besch\u00e4ftigung nicht ver\u00e4ndert (Punkt B). Sch\u00f6pfen die Insider im Dienstleistungssektor die m\u00f6glichen Lohnsteigerungen voll ab (Punkt A), bleibt dort die Besch\u00e4ftigung so hoch wie zuvor. Die Arbeitnehmer im industriellen Sektor tragen die gesamten Lasten des Strukturwandels. Setzen dagegen die Insider im Industriesektor durch, dass die Reall\u00f6hne nicht sinken, werden Arbeitspl\u00e4tze abgebaut (Punkt C). Das ist die zweite Variante. Ein Teil der Industriearbeiter verliert den Arbeitsplatz. Gesamtwirtschaftlich k\u00f6nnte dennoch Arbeitslosigkeit vermieden werden, wenn die Reall\u00f6hne im Dienstleistungssektor nicht steigen. Die Industriearbeiter m\u00fcssten bereit und in der Lage sein, die neuen Arbeitspl\u00e4tze im Dienstleistungssektor anzunehmen (Punkt D). Das erfordert eine hohe sektorale und berufliche Mobilit\u00e4t. Die haben sie meist nicht.<\/p>\n<p>In der dritten Variante gelingt es den Insidern im industriellen Sektor, die Reall\u00f6hne nach unten relativ starr zu halten. \u00dcber die Arbeitslosenversicherung, Ma\u00dfnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, sektorale Subventionen und staatliche Besch\u00e4ftigung w\u00e4lzen die Arbeitnehmer des Industriesektors die Lasten der strukturellen Anpassung auf Dritte (Beitrags- und Steuerzahler) ab. Kurzfristig werden auf diesem Weg die tats\u00e4chlichen Besch\u00e4ftigungsverluste maskiert (Punkt C und Punkt A). L\u00e4ngerfristig lassen sie sich aber nicht mehr verheimlichen. Den Industriearbeitnehmern bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als sich einen neuen Arbeitsplatz im Dienstleistungssektor zu suchen, allerdings oft mit anderen beruflichen Anforderungen. Im Bereich der Dienstleistungen werden viele neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen. Oft sind sie aber zun\u00e4chst schlechter bezahlt und verlangen andere Qualifikationen. Die L\u00f6hne steigen aber st\u00e4rker als im Industriesektor. Dennoch gelingt der Transfer meist nicht. Erst der Generationenwechsel entspannt die Lage.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was ist zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Populisten sprie\u00dfen gegenw\u00e4rtig wie Pilze aus dem Boden. Als S\u00fcndenbock muss auch der Strukturwandel herhalten. Er beschleunige den Prozess der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung. Das Ergebnis seien zu viele Verlierer, immer \u00f6fter auch aus der Mittelklasse. Populistische Politiker nutzen das Potential unzufriedener W\u00e4hler. Sie versprechen, das Rad der \u00f6konomischen Entwicklung zur\u00fcckzudrehen (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20465\">hier<\/a>). Protektionistischer Schutz vor ausl\u00e4ndischer Konkurrenz, staatliche Subventionen f\u00fcr inl\u00e4ndische Unternehmen, gesetzliche und soziale Mindestl\u00f6hne f\u00fcr Geringqualifizierte, Hilfe f\u00fcr arbeitslose inl\u00e4ndische Arbeitnehmer aber auch hohe Schutzz\u00e4une gegen unerw\u00fcnschte Zuwanderer. Mit diesen Versprechen gehen (populistische) Politiker auf W\u00e4hlerstimmenfang. Nichts von dieser halbseidenen Medizin wird anschlagen. Was allerdings hilft ist mehr wirtschaftliches Wachstum. Das d\u00fcmpelt aber schon seit einiger Zeit vor sich hin. Eine Trendwende ist nur m\u00f6glich, wenn der Prozess der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung wieder Fahrt aufnimmt. Er ist, wie es Joseph A. Schumpeter ausgedr\u00fcckt hat, das Dienstm\u00e4dchen des wirtschaftlichen Wachstums. Ohne strukturellen Wandel stockt dieser marktbereinigende Prozess. Marktwidrige Ma\u00dfnahmen der Populisten bremsen ihn aus.<\/p>\n<p>Der Chicago-\u00d6konom John H. Cochrane hat es auf den Punkt gebracht (<a href=\"http:\/\/johnhcochrane.blogspot.de\/2015\/10\/economic-growth.html\">hier<\/a>). Wer mehr wirtschaftliches Wachstum will, sollte nicht hemmungslos (fiskalisch und monet\u00e4r) d\u00fcngen, er muss konsequent (marktwidriges) Unkraut j\u00e4ten. Das beste Mittel sind offene G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte. Wettbewerb entmachtet (Franz B\u00f6hm). Daran mangelt es aber. \u00dcberall ist der Zutritt zu M\u00e4rkten beschr\u00e4nkt. Staatliche Regulierungen, vielf\u00e4ltige Subventionen und verbandspolitische Macht beschr\u00e4nken den Wettbewerb. Der Protektionismus feiert fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd. Merkantilistische Tendenzen werden wieder salonf\u00e4hig. Tarif\u00e4re und immer neue nicht-tarif\u00e4re Handelshemmnisse kommen in Mode. Schon in Betrieb ist der wechselkurspolitische Protektionismus. China praktiziert ihn intensiv. Aber auch die EWU verzerrt mit ihrer ultra-expansiven Politik die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Ein Profiteur sind deutsche Exporteure. Der britische FT-Journalist Martin Wolf spricht von strukturellem Merkantilismus. Und er hat damit nicht Unrecht, auch wenn Deutschland daf\u00fcr nicht verantwortlich ist. Das deutsche \u201eGesch\u00e4ftsmodell\u201c steht auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8912\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Populistische Tendenzen lassen sich mit (inklusivem) Wachstum in Schach halten. Das erreicht man allerdings nur, wenn die gegenw\u00e4rtige ordnungspolitische Verwahrlosung ein Ende hat (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=19064\">hier<\/a>). Die Wirkungskette ist einfach: Weltweit offenere M\u00e4rkte, ein intensiverer Wettbewerb, mehr struktureller Wandel \u00c2\u00a0und h\u00f6heres Wachstum. Knappe Ressourcen werden an den Ort der besten Verwendung transportiert. Das alles geht aber nicht ohne Blessuren ab. Notwendig ist staatliche Hilfe f\u00fcr die Verlierer. Dabei geht es um zweierlei: Um Notfall-Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe. Eine versicherungsad\u00e4quatere Arbeitslosenversicherung und eine anreizkompatiblere Grundsicherung puffern den Notfall ab. Die Hilfe zur Selbsthilfe muss an der Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit ansetzen. Eine bessere aktive Arbeitsmarktpolitik, vor allem aber das Lernen am Arbeitsplatz sollen marktverwertbare F\u00e4higkeiten vermitteln. Das ist ohne eine ad\u00e4quate berufliche Ausbildung, flexiblere Einstiegsl\u00f6hne und gr\u00f6\u00dfere (berufliche, sektorale und regionale) Mobilit\u00e4t nicht denkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Populismus hat wieder Konjunktur. Schuld daran sei der strukturelle Wandel. Der Prozess der De-Industrialisierung schreite (zu) schnell voran. Er produziere viel zu viele Verlierer. Das sei der Humus, auf dem Populismus gedeihe. Es sei an der Zeit, diesen Prozess zu stoppen. Intervention, Protektionismus und Subventionen seien die Mittel der Wahl. Das ist grundverkehrt. Strukturwandel ist ein notwendiger Prozess der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung. Er pulverisiert alte sektorale Strukturen und schafft neue. Knappe Ressourcen machen sich dorthin auf, wo sie den h\u00f6chsten Ertrag abwerfen. Der Strukturwandel ist nicht zu stoppen. \u00d6konomisches Gesetz dominiert politische Macht (Eugen von B\u00f6hm-Bawerk). Er treibt wirtschaftliches Wachstum und individuellen Wohlstand. Allerdings bleiben \u00f6konomische, soziale und politische Friktionen nicht aus. Dennoch sollte die Politik den strukturellen Wandel weder aufhalten noch industriepolitisch (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10084\">hier<\/a>) gestalten. Sie sollte keine altbackene Strukturpolitik betreiben. Notwendig ist eine Politik f\u00fcr den Strukturwandel. Ihre Aufgabe besteht darin, f\u00fcr offene M\u00e4rkte zu sorgen und f\u00fcr die Verlierer wirksame (humankapitalintensive) Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren. Dann haben die gespenstischen Spie\u00dfgesellen des Populismus ausgespukt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der intra-sektorale Strukturwandel besch\u00e4ftigt sich mit den beruflichen und unternehmerischen Ver\u00e4nderungen in einem Sektor. Er ist Gegenstand eines weiteren Blog-Beitrages.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/30fda908ebcc495ebd7d2814170ab497\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cDie F\u00f6rderung einer Branche ist der sicherste Weg, sie zu ruinieren&#8220;\u009d. 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