{"id":20879,"date":"2017-06-12T00:01:51","date_gmt":"2017-06-11T23:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20879"},"modified":"2017-06-14T13:00:10","modified_gmt":"2017-06-14T12:00:10","slug":"gastbeitragpotenzial-des-griechischen-exportsektorsneues-wirtschaftswachstum-zur-eindaemmung-der-schuldenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20879","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Junge Ordnungs\u00f6konomik<\/font><br\/>Potenzial des griechischen Exportsektors<br\/><font size=3; color=grey>Neues Wirtschaftswachstum zur Eind\u00e4mmung der Schuldenkrise?<\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eWir k\u00f6nnen den Wind nicht \u00e4ndern, aber die Segel anders setzen.\u201c (Aristoteles)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Nach der Wahl im Herbst 2009 wurden in Griechenland erstmals Informationen \u00fcber die tats\u00e4chliche H\u00f6he des Haushaltsdefizits bekannt, das bedeutend h\u00f6her ausfiel, als die Regierung bis zu diesem Zeitpunkt vorgeben hatte. Seitdem bestimmt eine tiefe Rezession verbunden mit finanzpolitischen Restriktionen die griechische Wirtschaft. Nachdem die Binnennachfrage schwach zu bleiben scheint, bietet sich f\u00fcr Griechenland insbesondere der Exportsektor als potenzieller Wachstumstreiber an. Auch die griechische Regierung hat bereits 2012 angek\u00fcndigt, bei der Konjunkturbelebung bevorzugt auf den Au\u00dfenhandel setzen zu wollen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Entwicklung und Struktur der griechischen Exporte<\/strong><\/p>\n<p>Um Aussagen \u00fcber die Entwicklung der griechischen Exportaktivit\u00e4t treffen zu k\u00f6nnen, zeigt Abb. 1 zun\u00e4chst die Exportquote zwischen 1999 und 2015. Dabei zeigt sich, dass die Exportquote Griechenlands deutlich unter dem EWU-Durchschnitt liegt. Zu Beginn der Wirtschaftskrise 2009 kann sowohl in Griechenland als auch in der EWU ein deutlicher Einbruch beobachtet werden. Auf diesen Knick folgt jedoch ein starker Aufw\u00e4rtstrend.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sauer1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sauer1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Da die Exportquote das Verh\u00e4ltnis der Exporte zum Bruttoinlandsprodukt darstellt, kann der beobachtete Anstieg entweder durch eine Erh\u00f6hung des Exportvolumens oder durch ein gesunkenes Bruttoinlandsprodukt erkl\u00e4rt werden. Abb. 2 zeigt daher die j\u00e4hrliche \u00c4nderungsrate des Exportvolumens und des Bruttoinlandsprodukts zwischen 1999 und 2015. Es wird ersichtlich, dass Griechenland seit 2008 \u2013 mit einer Ausnahme in 2014 \u2013 ein negatives Wirtschaftswachstum aufweist. Gleichzeitig hat Griechenland im Zuge der Wirtschaftskrise einen massiven Einbruch seines Exportvolumens verzeichnet und sich bisher nur schwach erholt. Der Aufw\u00e4rtstrend der griechischen Exportquote seit 2009 kann daher offensichtlich vor allem auf einen R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts und nicht auf einen Anstieg des Exportvolumens zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sauer2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sauer2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Abb. 3 zeigt den Beitrag einzelner Hauptg\u00fctergruppen zum gesamten G\u00fcterexport. Die Darstellung macht deutlich, dass Griechenland beim Export von Agrarprodukten sowie Kraftstoffen und Bergbauerzeugnissen deutlich \u00fcber dem EU-Durchschnitt liegt. Im Hinblick auf den Export von Industrieerzeugnissen zeigt sich Griechenland jedoch erkennbar schw\u00e4cher.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sauer3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sauer3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Warum es Griechenland nicht gelungen ist, beim Industrieg\u00fcterexport \u00e4hnlich erfolgreich zu sein wie andere EU-Mitgliedsstaaten, kann unter anderem aus der Technologiestruktur der Industrieexporte abgeleitet werden. Griechenland hat sich dabei offensichtlich auf Produkte mit niedrigem Technologieniveau spezialisiert (vgl. Abb. 4). Beinahe 80 Prozent aller griechischen Industrieexporte im Jahr 2012 weisen einen geringen oder mittleren-geringen Technologiegrad auf. Im L\u00e4ndervergleich steht Griechenland damit an letzter Stelle. Diese Spezialisierung auf Low-Tech-Produkte macht es Griechenland schwer, seine Industrieg\u00fcter in andere entwickelte L\u00e4nder zu verkaufen. Zudem ist Griechenland dadurch mit einer starken Konkurrenz aus L\u00e4ndern mit deutlich geringeren Lohnst\u00fcckkosten wie Bulgarien, China oder der T\u00fcrkei konfrontiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sauer4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sauer4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Abb. 5 stellt abschlie\u00dfend den Beitrag einzelner Dienstleistungsgruppen zum gesamten Dienstleistungsexport dar. Hier zeigt sich, dass Griechenland in den Sektoren Tourismus und Transport eine \u00fcberdurchschnittliche Exportleistung aufweist. Bei den Transportdienstleistungen ist dabei vor allem der maritime Transport entscheidend. Bei den g\u00fcterbezogenen Dienstleistungen weist Griechenland wiederum einen vergleichsweise geringen Exportanteil auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sauer5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sauer5.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bisherige Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n<p>Kurzfristig ist f\u00fcr Griechenland vor allem die Wiederherstellung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit durch interne Abwertung der W\u00e4hrung von Bedeutung. In Kooperation mit der EU, der EZB und dem IWF wurden daher weitreichende strukturelle Reformen implementiert. Ziel ist eine K\u00fcrzung der Haushaltseinkommen, um die Reall\u00f6hne wieder an die Produktivit\u00e4t anzupassen. Daf\u00fcr wurden zun\u00e4chst die Lohn- und Tarifverhandlungen dezentralisiert, wodurch L\u00f6hne und Geh\u00e4lter zuk\u00fcnftig einfacher an firmenspezifische Bed\u00fcrfnisse und Produktivit\u00e4tsentwicklungen angepasst werden k\u00f6nnen. Bis zur Krise z\u00e4hlte Griechenland mit langen K\u00fcndigungsfristen und hohen Abfindungszahlungen au\u00dferdem zu den L\u00e4ndern mit den im OECD-Vergleich restriktivsten Besch\u00e4ftigungsschutzregelungen. Diese wurde in einem weiteren Schritt gelockert. Dar\u00fcber hinaus wurde der bestehende Mindestlohn um ein Drittel gek\u00fcrzt und die Arbeitszeitflexibilit\u00e4t erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Wie erfolgreich die bisherigen Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Wiederherstellung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit waren, wird durch einen Vergleich der Entwicklung der Lohnst\u00fcckkosten gegen\u00fcber der Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus deutlich. Abb. 6 zeigt seit 2010 eine anhaltende Reduktion der Lohnst\u00fcckkosten. Die Entwicklung des Preisniveaus verl\u00e4uft dagegen vergleichsweise konstant, erst ab 2012 ist ein leichter Abw\u00e4rtstrend erkennbar. Offensichtlich konnten die bisherigen Ma\u00dfnahmen also nur in begrenztem Umfang Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sauer6.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sauer6.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung ist, dass griechische Unternehmen bisher nur bedingt von den gesunkenen L\u00f6hnen profitieren konnten, da die gleichzeitige Erh\u00f6hung der Steuers\u00e4tze auf Arbeits- und Gewerbeeinkommen sowie der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge den Kostenvorteil erheblich schm\u00e4lern. Daneben ist aber vor allem der fehlende Wettbewerb auf den Produktm\u00e4rkten f\u00fcr die Rigidit\u00e4t der Preisentwicklung verantwortlich.<\/p>\n<p>Problematisch ist zum einen die Existenz \u00fcberholter Rechtsvorschriften. So wurden \u00c4nderungen nicht explizit in der Gesetzgebung erfasst, was zu Rechtsunsicherheit f\u00fchrt und die Qualit\u00e4t des Betriebsumfeldes beeintr\u00e4chtigt. Zum anderen existiert eine Vielzahl von Markteintrittsbarrieren. Beispielsweise wird im Tourismussektor der Markteintritt durch strikte Anforderungen zum Erhalt von Baugenehmigungen oder Lizenzen durch verschiedene Institutionen erschwert. Dar\u00fcber hinaus hemmen preisverzerrende Vorschriften den Wettbewerb. Dazu z\u00e4hlt unter anderem die Setzung von Mindestpreisen. Gro\u00dfer Reformbedarf besteht dabei vor allem im Dienstleistungssektor.<\/p>\n<p>Um die Exportpreise zu senken, ist eine zus\u00e4tzliche Reform der Produktm\u00e4rkte daher zwingend notwendig. Zum einen werden Unternehmen durch steigende Konkurrenz gezwungen, die gesunkenen Lohnst\u00fcckkosten an die Konsumenten weiterzugeben. Zum anderen schafft ein intensiverer Wettbewerb aber auch Anreize zur Steigerung der Produktivit\u00e4t und kann damit f\u00fcr eine weitere Verbesserung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit sorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Potenzial des griechischen Exportsektors<\/strong><\/p>\n<p><em>Exportpotenzial griechischer KMUs<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 2013 waren 99,94 Prozent aller griechischen Unternehmen kleine bis mittelst\u00e4ndische Unternehmen (KMUs). Trotzdem wurden nur 29,95 Prozent der gesamten Industrieexporte in 2013 von KMUs gefertigt. KMUs nennen als einen der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr ihre mangelnde Exportt\u00e4tigkeit die fehlende institutionelle Flexibilit\u00e4t Griechenlands. Dabei werden vor allem die zu stark ausgepr\u00e4gte B\u00fcrokratie und die Ineffizienz der Zollverfahren kritisiert. Insbesondere sind davon Exporteure betroffen, die auf Inputs aus dem Ausland angewiesen sind.<\/p>\n<p>Ein entscheidender Schritt ist bereits im Jahr 2012 erfolgt, als sich die griechische Regierung zur Umsetzung einer nationalen Strategie zur Handelserleichterung verpflichtet hat. Der Fokus liegt dabei auf einer effizienteren Gestaltung der Zollverfahren und der Prozesse im Vorfeld, um Hindernisse wie doppelte Abl\u00e4ufe, komplizierte Dokumentationsprozesse, Rechtsunsicherheit oder mangelnde Transparenz abzubauen. Eine erfolgreiche Umsetzung k\u00f6nnte die ben\u00f6tigte Zeit und die administrativen Kosten f\u00fcr Exporteure bedeutend senken und die Basis f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines einzigen, integrierten Informationssystems schaffen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bem\u00e4ngeln griechische KMUs Schw\u00e4chen im Vertriebsnetz und der Transportinfrastruktur. Dabei wird vor allem die zu geringe Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien einschlie\u00dflich des Internets hervorgehoben. Steht beispielsweise die Nutzung von E-Commerce zur Verf\u00fcgung, so wird es auch f\u00fcr KMUs m\u00f6glich, effizient auf dem Weltmarkt zu agieren und \u00fcber die Landesgrenzen hinaus zu wachsen. W\u00e4hrend im Jahr 2013 durchschnittlich 21 Prozent der Unternehmen in den OECD-L\u00e4ndern E-Commerce in Anspruch nahmen, waren es in Griechenland gerade einmal 10,4 Prozent. Von den wenigen griechischen Unternehmen, die sich im E-Commerce engagierten, nutzten es zudem nur 44 Prozent dazu, mit anderen EU-L\u00e4ndern zu handeln.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich nennen KMUs den mangelnden Zugang zu speziellen Finanzprodukten f\u00fcr Exporteure als hemmend f\u00fcr ihre Exportwettbewerbsf\u00e4higkeit. 31 Prozent der griechischen KMUs beurteilen den fehlenden Zugang zu Finanzierungsm\u00f6glichkeiten als ihr aktuell gr\u00f6\u00dftes Problem. Die Existenz der angef\u00fchrten Exporthindernisse hat dazu gef\u00fchrt, dass im Jahr 2014 rund 16 Prozent der griechischen KMUs nur potentielle Exporteure waren. Sie exportierten zum Zeitpunkt der Umfrage nicht, w\u00fcrden jedoch die Exportaktivit\u00e4t aufnehmen, sofern bestimmte Hindernisse abgebaut werden. Dies deutet darauf hin, dass das Exportpotenzial griechischer KMUs bisher nicht vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft wird und ein bedeutend gr\u00f6\u00dferer Beitrag von KMUs zum Wirtschaftswachstum durch Exporte m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p><em>Exportpotenzial des Tourismussektors<\/em><\/p>\n<p>Der Tourismus ist f\u00fcr Griechenland von besonderer Bedeutung. Im Jahr 2013 entfielen 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 9,1 Prozent der Besch\u00e4ftigung auf diesen Sektor. Die Tatsache, dass die Ums\u00e4tze im Tourismussektor zwischen 2013 und 2014 einen weiteren Anstieg von 10,2 Prozent aufweisen, deutet daraufhin, dass auch hier Potenzial f\u00fcr eine Erh\u00f6hung des Exportvolumens besteht.<\/p>\n<p>Griechenland ist mit einem nationalen Strategieplan f\u00fcr den Tourismus 2014-2020 auch hier bereits aktiv geworden. Zu den Zielen geh\u00f6rt beispielsweise eine Verbesserung der f\u00fcr den Tourismus relevanten Infrastruktur. Dar\u00fcber hinaus soll die Existenzgr\u00fcndung in der Tourismusbranche durch eine Online-Plattform erleichtert werden, auf der die ben\u00f6tigten Informationen zur Unternehmensgr\u00fcndung bereitgestellt werden. Zus\u00e4tzlich sollen Anreize f\u00fcr neuartige Investitionen und die Entwicklung alternativer Tourismusangebote abseits des klassischen Badeurlaubs geschaffen werden.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlt zum Beispiel der Medizintourismus, der sich auch in Griechenland zunehmend entwickelt. Bereits heute k\u00f6nnen bestimmte medizinische Dienstleistungen wie Sch\u00f6nheitsoperationen, Fruchtbarkeitsbehandlungen sowie Zahn- oder Augenoperationen mit den klassischen Tourismusangeboten kombiniert werden. Auch das Potenzial von Gesch\u00e4ftsreisen wurde bislang nicht vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft. So besa\u00dfen im Jahr 2009 fast ausschlie\u00dflich Hotels mit h\u00f6chster Sternebewertung die n\u00f6tige Infrastruktur f\u00fcr die Ausrichtung von Tagungen und Konferenzen. Eine h\u00f6here Angebotsvielfalt k\u00f6nnte zus\u00e4tzlich die Problematik der besonders hohen Saisonalit\u00e4t in der griechischen Tourismusbranche abschw\u00e4chen: Im Jahr 2011 entfielen 57 Prozent aller Hotelbuchungen auf den Zeitraum zwischen Juni und August.<\/p>\n<p>Ein weiterer Wachstumstreiber k\u00f6nnte eine Verbreiterung des Absatzmarkts f\u00fcr Tourismusdienstleistungen sein. Im Jahr 2012 stammten 86 Prozent der Anreisenden aus Europa, der gr\u00f6\u00dfte Teil davon aus Deutschland und Gro\u00dfbritannien. Mit einer j\u00e4hrlichen Wachstumsrate von durchschnittlich 38 Prozent zwischen 2008 und 2012 ist aber insbesondere Russland zu einem bedeutenden Markt f\u00fcr den griechischen Tourismus geworden. Wie wichtig es ist, diesen Absatzmarkt weiter zu st\u00e4rken, wird auch durch die h\u00f6heren Durchschnittsausgaben deutlich. So betrugen im Jahr 2012 die durchschnittlichen Ausgaben eines ausl\u00e4ndischen Besuchers in Griechenland 646 Euro, wohingegen die durchschnittlichen Ausgaben eines russischen Besuchers mit 1.079 Euro beinahe das Doppelte betrugen. Neben Russland existieren weitere potentielle M\u00e4rkte f\u00fcr griechische Tourismusdienstleistungen, von denen Griechenland bisher kaum profitiert. So sind die Besucherzahlen von Touristen aus L\u00e4ndern wie Japan und China bisher sehr gering.<\/p>\n<p><em>Exportpotenzial des maritimen Transportsektors<\/em><\/p>\n<p>Griechenland besitzt mit 43 Prozent den gr\u00f6\u00dften Anteil an der gesamten EU-Flotte. Die geographische Lage des Landes tr\u00e4gt zu seiner starken Position im maritimen Sektor bei. So liegt Griechenland nicht nur an einer der am st\u00e4rksten befahrenen Schifffahrtsstra\u00dfen \u2013 dem Suezkanal und dem Mittelmeer \u2013, sondern auch am Schnittpunkt dreier Kontinente und bildet damit eine Drehscheibe f\u00fcr den internationalen Handel. Griechenlands Erfolge bei maritimen Transportdienstleistungen konnten in der Vergangenheit den steigenden Leistungsbilanzdefiziten teilweise entgegenwirken.<\/p>\n<p>Dass Griechenland bislang nicht sein gesamtes Potenzial im maritimen Transportsektor aussch\u00f6pft, macht ein Vergleich der durchschnittlichen Einnahmen der griechischen Flotte mit den Einnahmen anderer L\u00e4nder deutlich. W\u00e4hrend Griechenland zwischen 2010 und 2012 durchschnittliche Einnahmen von rund 60 Euro pro Tonne generierte, betrugen die Einnahmen Japans mit einer \u00e4hnlich gro\u00dfen Flotte rund 104 Euro pro Tonne. Andere L\u00e4nder wie D\u00e4nemark (638 Euro pro Tonne), Belgien (556 Euro pro Tonne) und die Niederlande (426 Euro pro Tonne) erzielten ein Vielfaches dieser Erl\u00f6se (vgl. Bank of Greece, 2014). Die hohe Differenz ist zum Teil auf die unterschiedliche Struktur der Flotten zur\u00fcckzuf\u00fchren. Griechenland hat sich auf den Bereich der Tanker und Trockengutfrachter spezialisiert. Dar\u00fcber hinaus zeichnen sich die Chartervertr\u00e4ge der griechischen Flotte durch \u00fcberwiegend kurze Laufzeiten aus. In anderen L\u00e4ndern dominieren hingegen Containerschiffe, bei denen tendenziell Chartervertr\u00e4ge mit einer deutlich l\u00e4ngeren Laufzeit geschlossen werden.<\/p>\n<p>Trotz der vorteilhaften Lage der zwei gr\u00f6\u00dften H\u00e4fen, dem Hafen von Thessaloniki und dem Hafen von Pir\u00e4us, wird Griechenland bisher kaum f\u00fcr den Durchgangsverkehr von Containerschiffen genutzt. Dies kann zu einem gro\u00dfen Teil mit der schwachen Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Verkehrsnetzes in Griechenland und seinen Nachbarl\u00e4ndern erkl\u00e4rt werden. So f\u00e4llt die Qualit\u00e4t der griechischen Stra\u00dfen- und Schieneninfrastruktur nicht nur verglichen mit vielen nordeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern schwach aus, sondern auch im Vergleich zu den meisten seiner mediterranen Konkurrenten. Auch die OECD berichtet \u00fcber dringend notwendige Verbesserungen der Logistikstruktur. Insbesondere wird dabei auf fehlende Verkn\u00fcpfungen zwischen dem maritimen Transport, dem Schienennetz und dem Stra\u00dfenverkehr hingewiesen. So existiert beispielsweise in Thessaloniki keine Verbindung des Containerhafens mit dem Schienennetzwerk. Um das vorhandene Potenzial besser aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen, gilt es somit, die EU-F\u00f6rdermittel vor allem im Transportsektor effizient f\u00fcr Infrastrukturprojekte einzusetzen und Privatisierungen in diesem Sektor weiter zu f\u00f6rdern. Daneben k\u00f6nnten mit der Vergabe von Konzessionen auch private Gelder zur Entwicklung des griechischen Transportnetzes beitragen. Nachdem vor allem Schifffahrtsgesellschaften solche Konzessionsvereinbarungen treffen, k\u00f6nnten diese nicht nur die n\u00f6tige Finanzierung f\u00fcr wichtige Investitionen liefern, sondern dar\u00fcber hinaus auch Erfahrung und Wissen f\u00fcr eine effizientere Hafenorganisation einbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Griechenland sieht sich aktuell gro\u00dfen strukturellen Hindernissen gegen\u00fcber. So besteht zwar gro\u00dfes Exportpotenzial bei griechischen KMUs, das aber durch den mangelnden Zugang zu Krediten und andere Exporthindernisse zu gro\u00dfen Teilen nicht genutzt wird. Auch im Tourismus- und Transportsektor, in denen Griechenland komparative Vorteile besitzt, k\u00f6nnten die Exporte deutlich h\u00f6her ausfallen. Griechenlands geographische Lage bietet dem Land optimale Voraussetzungen, jedoch verhindern auch hier strukturelle Schw\u00e4chen eine bestm\u00f6gliche Auslastung. Solange es Griechenland nicht gelingt, die bestehenden institutionellen Probleme zu beheben, wird der griechische Export keine Schl\u00fcsselrolle bei der Konjunkturbelebung Griechenlands einnehmen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir k\u00f6nnen den Wind nicht \u00e4ndern, aber die Segel anders setzen.\u201c (Aristoteles) Nach der Wahl im Herbst 2009 wurden in Griechenland erstmals Informationen \u00fcber die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20879\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Junge Ordnungs\u00f6konomik<\/font><br \/>Potenzial des griechischen Exportsektors<br \/><font size=3; color=grey>Neues Wirtschaftswachstum zur Eind\u00e4mmung der Schuldenkrise?<\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":258,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,2523,2170],"tags":[2524,57],"class_list":["post-20879","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaisches","category-griechisches","category-handelspolitisches","tag-exportsektor","tag-griechenland"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Junge Ordnungs\u00f6konomikPotenzial des griechischen ExportsektorsNeues Wirtschaftswachstum zur Eind\u00e4mmung der Schuldenkrise? 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