{"id":21048,"date":"2017-07-02T00:01:47","date_gmt":"2017-07-01T23:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21048"},"modified":"2017-07-01T17:07:11","modified_gmt":"2017-07-01T16:07:11","slug":"warum-wir-mehr-roboter-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21048","title":{"rendered":"Warum wir mehr Roboter brauchen"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder wird behauptet, Roboter oder neue Algorithmen k\u00fcnstlicher Intelligenz w\u00fcrden uns in Zukunft die Arbeit wegnehmen. Viele f\u00fcrchten sogar, der technische Fortschritt f\u00fchre zu Massenarbeitslosigkeit und wir w\u00fcrden dadurch massiv verarmen. Dabei wird genau das Gegenteil der Fall sein: Es wird immer zu wenige Roboter geben, um unsere ganze Arbeit zu erledigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Technischen Fortschritt gibt es bereits seit langem, ohne, dass er unsere Gesellschaften arbeitslos gemacht h\u00e4tte. So geh\u00f6ren Faustkeile zu den \u00e4ltesten, bekannten Werkzeugen des Menschen und bereits sie haben die Arbeit vieler H\u00e4nde beim Hacken oder Schaben eingespart. Heute verf\u00fcgen wir zum Gl\u00fcck \u00fcber weit bessere Maschinen, die es erlauben, uns anderer Arbeit zu widmen. Nun kann nicht behauptet werden, Maschinen w\u00fcrden die menschliche Arbeitskraft nicht auch ersetzen und verdr\u00e4ngen. Aber der Einsatz von Werkzeug, Maschinen, Robotern bringt nicht nur eine Verdr\u00e4ngung von Arbeitskr\u00e4ften, vielmehr ergibt sich dadurch Wohlstand f\u00fcr viele und der Einsatz von Technik er\u00f6ffnet neue Chancen. Dagegen predigen Angstmacher und Technikkritiker, die Welt ver\u00e4ndere sich sehr schnell und der technische Fortschritt w\u00e4re diesmal ganz anders als bisher: In nur wenigen Jahrzehnten w\u00fcrden ganze Berufszweige aussterben und viele Branchen nahezu keine Arbeitskr\u00e4fte mehr ben\u00f6tigen. Dabei gibt es gewichtige \u00f6konomische Gr\u00fcnde gegen diese Technikangst.<\/p>\n<p>Zuallererst zeigen empirische Befunde eines klar und deutlich: Gesellschaften, die viel physisches Kapital, also Maschinen oder Roboter einsetzen, sind wohlhabender als jene, die dies nicht tun. So ist das Problem vieler \u00e4rmerer L\u00e4nder der Welt, dass die Arbeitskraft dort im Vergleich zu hier weniger wert ist, da sie immer noch unzureichend durch Maschinen unterst\u00fctzt wird. Und auch die Arbeitslosigkeit ist in armen L\u00e4ndern nicht systematisch h\u00f6her oder tiefer als in technisch automatisierten, reichen L\u00e4ndern. Sprich: Alle Menschen tun was f\u00fcr ihr Leben und Maschinen helfen uns, es produktiver zu tun. Wir sind deshalb so reich, weil Maschinen so viel f\u00fcr uns machen. Werden keine Roboter eingesetzt ist die Arbeit schwierig und die erstellten Produkte teuer.<\/p>\n<p>Zentral ist beim Einsatz von Maschinen, Robotern oder Algorithmen der relative Preis im Vergleich zu menschlichen Arbeitskr\u00e4ften. So verdr\u00e4ngen technische Neuerungen den Menschen dann, wenn sie bei gleicher Qualit\u00e4t kosteng\u00fcnstiger sind, oder bei gleichen Kosten bessere Qualit\u00e4t liefern. Dadurch werden die erstellten Produkte und Dienstleistungen der betreffenden Branche g\u00fcnstiger und besser. Die Automobilindustrie dient als Beispiel: Dank dem Einsatz von Maschinen und Robotern sind Autos heute von besserer Qualit\u00e4t als vor f\u00fcnfzig Jahren und auf unser reales Einkommen bezogen sind sie auch bedeutend g\u00fcnstiger. Da durch den Einsatz von Technik die Produkte billiger werden, k\u00f6nnen sich die Menschen nun mit dem ersparten Geld von allen anderen Branchen mehr kaufen und das reale Einkommen sowie realen Konsumm\u00f6glichkeiten steigen. So machen Maschinen uns reicher. Der steigende Reichtum steigert nun aber auch die Attraktivit\u00e4t anderer Berufe, die bisher von vielen Arbeitnehmern zwar als sch\u00f6n wahrgenommen wurden aber oft zu wenige Einkommensm\u00f6glichkeiten boten. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise das Handwerk, Design oder Musik. Insgesamt profitieren Betriebe, die flexibel sind und auf individuelle Eigenheiten der nunmehr reicheren Konsumenten eingehen \u2013 eine kleine Renaissance des Handwerks k\u00f6nnte bevorstehen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bieten die neuen Informationstechnologien ungeahnte M\u00f6glichkeiten, v\u00f6llig neue M\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen. Wer heute eine Idee hat und seine Arbeit gut macht, kann diese vergleichsweise einfach auf dem Weltmarkt anbieten. Kunstschaffende oder Kleinbetriebe die spezielle, einzigartige Produkte herstellen, f\u00fcr die sich aus einer Million Personen nur ein Hundert begeistern k\u00f6nnen, w\u00e4ren vor zwanzig Jahren gescheitert. Heute finden sie dank Internet und Suchalgorithmen einen Markt von potentiell mehreren Hunderttausend Abnehmern.<\/p>\n<p>Suchalgorithmen helfen uns aber nicht nur beim Verkauf von Produkten sondern nat\u00fcrlich auch bei der Suche nach neuen Jobs. Suchen und finden ist weitaus einfacher, schneller und effizienter geworden. Ja sogar die Partnersuche wird uns erleichtert. Zwar gibt es immer noch Kleinanzeigen in Zeitungen aber um die Dating-Seiten im Internet hat sich ebenfalls eine ganze Industrie entwickelt und Werbung daf\u00fcr ist st\u00e4ndig im \u201ealten\u201c Fernsehen zu sehen. Neben Partnern f\u00fcr die Gef\u00fchle, lassen sich nat\u00fcrlich auch neue Gesch\u00e4ftspartner viel einfacher finden. Insbesondere der Erfolg von Computern belegt au\u00dferordentlich, wie sich Lebensqualit\u00e4t und das Selbstverst\u00e4ndnis von Arbeitnehmern \u00fcber die Zeit mit Hilfe Technik zum Besseren wendet: Die einfache Schreibkraft aus den 50er Jahren, wurde zum Sekret\u00e4r, der Sekret\u00e4r zum Sachbearbeiter und der Sachbearbeiter zum Berater. Sobald Algorithmen die auch Beratert\u00e4tigkeit \u00fcbernehmen, wird der menschliche Berater zur einf\u00fchlsamen Vertrauensperson. Nat\u00fcrlich haben sich \u00fcber die Zeit die Berufe und die Branchen ver\u00e4ndert, und die \u201eeinfache Schreibkraft\u201c gibt es nicht mehr wirklich. Jedoch gab es weder Massenarbeitslosigkeit noch ist die Gesellschaft verarmt. Zuletzt erm\u00f6glicht die neue Informationstechnologie ein einfacheres Lernen denn je. Riesige Enzyklop\u00e4dien sind gratis per Mausklick verf\u00fcgbar und Foren, Videos etc. bieten schnelle und oft akkurate Antworten auf vielf\u00e4ltige Fragen.<\/p>\n<p>Branchenverschiebungen durch Technik gab es immer. So lag der Anteil an der Besch\u00e4ftigten in der Landwirtschaft in Deutschland vor einigen Jahrzehnten noch um ein Vielfaches h\u00f6her als heute. Es liegt die Vermutung nahe, dass in Zukunft noch weitere Teile der Landwirte durch bessere Maschinen oder Feldroboter verdr\u00e4ngt werden. Melkroboter sowie K\u00e4sepflegeroboter leisten schon hervorragende Arbeit ohne zu jammern. Wie in der Vergangenheit muss man sich um die Bauern aber nur wenig Sorgen machen. Bauern sind hart-arbeitend, selbst\u00e4ndig, gewieft und vielseitig begabt, was sie zu attraktiven Mitarbeitern f\u00fcr viele Unternehmen macht. Ein richtiger Bauer kann eben vieles und kennt sich selbst im Umgang mit zunehmender staatlicher Regulierung und B\u00fcrokratie aus \u2013 was man von Robotern oder Algorithmen wohl eher nicht behaupten kann.<\/p>\n<p>Dabei verwundert, dass die Technikfeinde und Angstmacher nur h\u00f6chst selten die staatliche Verwaltung erw\u00e4hnen, wenn es wegfallende Branchen in der Zukunft geht. Dabei sollten im Prinzip viele Angestellte in staatlichen Verwaltungen von der Automatisierung und der den Entwicklungen in der Informationstechnologie h\u00f6chst betroffen sen. Der Typus f\u00fcr einen Verwaltungsangestellten w\u00e4re nach dem Soziologen Max Weber durch Merkmale wie \u201eTrennung von Amt und Person\u201c, \u201eRegelgebundenheit\u201c, \u201eUnpers\u00f6nlichkeit\u201c, gepr\u00e4gt. Roboter oder Algorithmen sollten aus dieser Sicht besonderes gute Rechtsautomaten sein. Niemand glaubt aber ernsthaft, dass viele Staatsangestellte bald arbeitslos werden. Vielmehr finden sich in der Verwaltung immer schnell viele neue Aufgaben und die Komplexit\u00e4t nimmt weiter zu statt ab. Wir sollten daher eher spekulieren, dass der Einsatz von Robotern in der Verwaltung dazu f\u00fchrt, dass diese ihre Aufgaben ausdehnt. Dementsprechend werden wir bald hoffen, es m\u00f6ge mehr Roboter geben, damit der ganze neue Dokumentations- und Regulierungsaufwand m\u00f6glichst effizient erledigt werden kann. Wie die Geschichte schon gezeigt hat, gibt es so viel Arbeit zu tun, dass es immer zu wenige Maschinen und Roboter gibt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erfordert der technische Fortschritt eine anpassungsf\u00e4hige Wirtschaft. Dabei soll die Politik keinesfalls versuchen, den technischen Fortschritt zu stoppen, denn das w\u00fcrde uns alle nur verarmen lassen. Genauso wenig soll Industriepolitik betrieben werden, da diese im Regelfall auf wenige Industriezweige setzt und scheitert. Besser ist es, sich auf einfache, traditionelle Konzepte zu verlassen: Erstens, nicht alle Eier in einen Korb legen, also auf Diversifikation achten. Neben Industrie, sind Handwerk und ein breiter Dienstleistungssektor zentral. Zweitens, die universit\u00e4re Bildung hoch aber nicht zu hoch sch\u00e4tzen, denn gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte dank der dualen Berufsbildung sind vielseitiger einsetzbar als hoch-spezialisierte Universit\u00e4tsabg\u00e4nger ohne Erfahrung. Drittens, eine ausgewogene Fiskalpolitik betreiben, denn dann k\u00f6nnen unerwartete Schocks und Krisen ausgeglichen werden. Viertens, Wirtschaftstreibende und Unternehmer nicht speziell f\u00f6rdern, sondern einfach nicht durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Regulierung und Kontrollwahn bestrafen. Und zuletzt, auf regionale Flexibilit\u00e4t achten, denn nationale Einheitsl\u00f6sungen passen nicht f\u00fcr alle und bergen gro\u00dfe Risiken.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Der Beitrag erschien am 19. Juni 2017 in modifizierter Form im digitalen Wirtschaftsmagazin WiMO der <a href=\"https:\/\/spark.adobe.com\/page\/hIIl00wcHAKdw\/\">Frankenpost<\/a>.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder wird behauptet, Roboter oder neue Algorithmen k\u00fcnstlicher Intelligenz w\u00fcrden uns in Zukunft die Arbeit wegnehmen. 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