{"id":21464,"date":"2017-09-05T00:01:31","date_gmt":"2017-09-04T23:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21464"},"modified":"2017-09-06T11:56:49","modified_gmt":"2017-09-06T10:56:49","slug":"gehaltsexzesse-im-profifussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21464","title":{"rendered":"Gehaltsexzesse im Profifu\u00dfball"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Wechsel des brasilianischen Fu\u00dfballspielers Neymar zum Pariser Club St Germain wurde ein neuer Rekord bei der Abl\u00f6sesumme aufgestellt. So erhielt der abgebende Verein FC Barcelona 222 Mio. Euro f\u00fcr diesen Wechsel. Zudem wird kolpotiert, da\u00df Neymar zuk\u00fcnftig ein Jahresgehalt von 30 Mio. Euro netto bezieht. Nun sind das nicht Ergebnisse einer fernen Welt (Paris ist von Aachen mit dem Zug in weniger als drei Stunden erreichbar), sondern die Fu\u00dfballspieler verdienen auch in der Bundesliga erhebliche Summen: So werden die Geh\u00e4lter von Thomas M\u00fcller und Manuel Neuer (beide Bayern M\u00fcnchen) mit etwa mit 15 Mio. Euro beziffert. Auch Marco Reus und Mario G\u00f6tze (beide Borussia Dortmund) verdienen mit 10 Mio. bzw. 8 Mio. vergleichsweise gut (<a href=\"http:\/\/fussball-geld.de\/1-bundesliga\/\">hier<\/a>). Insgesamt liegen die Durchschnittsgeh\u00e4lter der Fu\u00dfballprofis in der 1. Bundesliga bei etwa 1,5 Mio. Euro.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Einerseits k\u00f6nnte man unter dem Aspekt des Neids dies als unversch\u00e4mt hohe Summen bezeichnen; anderseits k\u00f6nnte man sich auch freuen, da\u00df es m\u00f6glich ist, ein derartig hohes Einkommen erzielen. Beides wollen wir nicht weiter vertiefen \u2013 hierzu sei auf den Post <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3302\">\u201eVerdient Ronaldo zuviel?\u201c<\/a> verwiesen. Uns soll interessieren, warum derartig hohe Geh\u00e4lter entstehen.<\/p>\n<p>Der Markt f\u00fcr Profifu\u00dfballer ist ein typischer Faktormarkt, auf dem die Nachfrage eine aus den Absatzm\u00e4rkten abgeleitete ist. Wenn auf diesem Faktormarkt ein typisches Angebot herrscht, d.h., mit steigendem Lohn wird mehr \u201eArbeitskraft\u201c angeboten, dann f\u00fchrt eine steigende Nachfrage nach Spielern zu h\u00f6heren Geh\u00e4ltern.<\/p>\n<p>Laut DFL-Report 2017 vereinnahmten die achtzehn Bundesligaklubs in der Saison 2015\/16 eine Gesamtsumme von 3.244 Mio. Euro, die sich aus 16,26% (= 528 Mio. Euro) Ticketeinnahmen, 23,81% (= 773 Mio. Euro) Werbeeinnahmen, 28,77% (= 933 Mio. Euro) Einnahmen medialer Verwertung (insbesondere Einnahmen aus der Ver\u00e4u\u00dferung von TV-\u00dcbertragungsrechten), 16,41% (= 533 Mio. Euro) Transfereinnahmen, 6,22% (= 201 Mio. Euro) Merchandising-Einnahmen und 8,52% (= 277 Mio. Euro) sonstige Einnahmen zusammensetzt. Dabei betrugen die Ausgaben f\u00fcr Spieler, Trainer und den Betreuerstab lediglich 34,9% der Gesamtkosten, wobei die durchschnittlichen Kosten der Klubs deutlich unter den durchschnittlichen Einnahmen liegen.<\/p>\n<p>Wenn man sich die Entwicklung der Gesamteinnahmen der achtzehn Bundesligaklubs betrachtet, so haben sich diese in den letzten zehn Jahren von 1.287 Mio. Euro (2005\/06) auf 3.244 Mio. Euro (2015\/16), also um nominal etwa 150%, erh\u00f6ht. Die bedeutendste Einnahmenkomponente (Einnahmen aus der medialen Verwertung) stieg von 291 Mio. Euro (2005\/6) auf 933 Mio. Euro in der Saison 2015\/16: Diese Einnahmen haben sich nominal mehr als verdreifacht. Die bislang ungebrochene Zunahme der Nachfrage nach der Unterhaltungsdienstleistung Bundesligafu\u00dfball hat also den Klubs erhebliche Einnahmenzuw\u00e4chse verschafft. \u00c4hnliche Entwicklungen finden wir bei allen anderen bedeutenden Fu\u00dfballigen (Premier League, Primera Division, Serie A, Ligue 1).<\/p>\n<p>Betrachtet man auf der anderen Seite das Angebot, so stellt man folgendes fest: Die Produktion der Unterhaltungsdienstleistung \u201eFu\u00dfballspiel\u201c ist sehr arbeitsintensiv; der Produktionsfaktor Arbeit kann nur in geringem Umfang durch Kapital ersetzt werden (dies erfolgt vielleicht in Form der Verletzungsbehandlung \u2013 ein \u201enormaler\u201c Mensch w\u00fcrde wahrscheinlich bei einer Ruptur der Au\u00dfenb\u00e4nder des Sprunggelenks mit acht Wochen Ausfallzeit rechnen m\u00fcssen, Profifu\u00dfballer spielen in der Regel bei einer derartigen Verletzung nach einer wesentlich k\u00fcrzeren Zeit wieder). Zudem ist das Risiko bei der Berufswahl und -aus\u00fcbung sehr hoch: Zum einen existieren hohe Opportunit\u00e4tskosten, d.h., die meisten angehenden Profifu\u00dfballer finden kaum zeitliche M\u00f6glichkeiten, eine simultane Berufsausbildung oder ein Studium zu realisieren. Zum anderen gibt es nur geringe M\u00f6glichkeiten, die Talententwicklung im Vorfeld einzusch\u00e4tzen (meist wird eine altersbedingte k\u00f6rperliche Entwicklung als Talent fehlinterpretiert, was sich darin \u00e4u\u00dfert, da\u00df Spieler, die im ersten Quartal eines Jahres geboren wurden, wesentlich st\u00e4rker in vielen Profimannschaften vertreten sind als Spieler, die am Ende des Jahres geboren wurden). Weiterhin besteht f\u00fcr die Spieler eine hohe Verletzungsgefahr, die vergleichsweise schnell in Sportinvalidit\u00e4t m\u00fcnden kann. Und die Dauer der Karriere ist mit maximal 10 bis 15 Jahren vergleichsweise kurz. Mit anderen Worten ist die Erfolgswahrscheinlichkeit f\u00fcr einen jungen Menschen, der sich dem Fu\u00dfball verschrieben hat, als Profi Karriere zu machen, sehr gering, was viele potentielle Talente (und vor allem auf Intervention deren Eltern) davon abhalten wird, diesen Karriereweg einzuschlagen. Das Angebot an hochklassigen und leistungsf\u00e4higen Spieler d\u00fcrfte daher eher knapp ausfallen.<\/p>\n<p>Die Ausweitung der Nachfrage auf der einen Seite und das eher knappe Angebot auf der anderen Seite erkl\u00e4ren die hohen Geh\u00e4lter der Spieler. Werden die Einnahmen der Klubs in der Zukunft \u00e4hnlich wachsen wie in der Vergangenheit und bleibt das Angebot an Spielern auf demselben Niveau, dann werden sich auch die Geh\u00e4lter der Spieler weiter erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man dem Neidaspekt nachgeben und eine Gehaltsobergrenze (salary cap) fordern (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=95\">hier<\/a>), die etwa ein maximales Spielergehalt von zwei Millionen vorsehen w\u00fcrde. Ein derartiger proze\u00dfpolitischer Eingriff w\u00e4re nicht nur ordnungsinkonform, da er die freie Preisbildung auf dem Faktormarkt aushebeln w\u00fcrde, sondern ein derartiger H\u00f6chstpreis h\u00e4tte noch andere Folgen: W\u00fcrden die anderen Ligen nicht mitziehen, dann w\u00fcrden die guten Spieler dorthin abwandern. Dies w\u00e4re vor allem ein Anreiz f\u00fcr Spieler, die in anderen Ligen mehr als zwei Millionen verdienen k\u00f6nnten. Weiterhin w\u00fcrden die Klubs versuchen, derartige Caps zu umgehen, indem etwa den Spielern zus\u00e4tzliche Leistungen angeboten w\u00fcrden (kostenlose Wohnung, Autos etc.) oder aber die Ehefrauen\/Freudinnen der Spieler mit hohen Geh\u00e4ltern bei Sponsoren besch\u00e4ftigt w\u00fcrden. Der Gesetzgeber oder auch die Liga w\u00e4ren also gezwungen nachzusteuern, was eine Interventionsspirale nach sich ziehen w\u00fcrde. Zudem w\u00fcrde eine Begrenzung der Geh\u00e4lter nicht den Zuschauern zugutekommen, sondern dazu f\u00fchren, da\u00df die wirtschaftliche Situation der Profiklubs sich verbessern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Alles in allem kann man wohl feststellen, da\u00df die Ursache der Gehaltsentwicklung im Profifu\u00dfball die Zahlungsbereitschaft der Nachfrage ist, die auf eine geschickte Vermarktung dieser Unterhaltungsdienstleistung trifft. Proze\u00dfpolitische Eingriffe in diesem Markt w\u00fcrden nicht nur die freie Preisbildung beeintr\u00e4chtigen und w\u00e4ren damit nicht ordnungskonform, sondern w\u00fcrden auch erhebliche negative Folgewirkungen nach sich ziehen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Wechsel des brasilianischen Fu\u00dfballspielers Neymar zum Pariser Club St Germain wurde ein neuer Rekord bei der Abl\u00f6sesumme aufgestellt. 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