{"id":21650,"date":"2017-10-20T00:01:27","date_gmt":"2017-10-19T23:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21650"},"modified":"2018-11-16T18:57:55","modified_gmt":"2018-11-16T17:57:55","slug":"strukturwandel-2das-ende-des-wettbewerbsdie-neue-realitaet-des-intra-sektoralen-strukturwandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21650","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Strukturwandel (2)<\/font><br\/>Das Ende des Wettbewerbs?<br\/><font size=3; color=grey>&#8222;Super-Firmen&#8220;, Marktmacht und Ungleichheit<\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>&#8222;Fortschritt ist ohne Ver\u00e4nderung unm\u00f6glich; und wer seine Denkweise nicht ver\u00e4ndern kann, kann gar nichts ver\u00e4ndern.&#8220;<\/em> (G. B. Shaw)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der strukturelle Wandel hat viele Facetten. Meist steht der inter-sektorale Aspekt im Mittelpunkt. Ein Prozess der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung krempelt ganze \u00d6konomien um. Sektorale Ruinen pflastern seinen Weg. Unrentable Arbeitspl\u00e4tze verschwinden, individuelle Lebenstr\u00e4ume platzen, der Wohlstand der Verlierer erodiert. Das ist die eine, unerfreuliche Seite. Aus der sektoralen Asche entsteht allerdings Neues. Produktivere Besch\u00e4ftigung in anderen Sektoren wird m\u00f6glich, f\u00fcr viele er\u00f6ffnen sich neue Chancen, der Wohlstand der Gewinner steigt. Das ist die andere, erfreuliche Seite. Sie ist die Quelle unseres Wohlstandes. Unter der Oberfl\u00e4che des inter-sektoralen Wandels tut sich aber mehr, viel mehr. Im Strukturwandel gewinnen und verlieren nicht nur Sektoren. Auch intra-sektoral gibt es Gewinner und Verlierer. Das zeigt sich an den Gewinnen der Unternehmen, einem Indikator f\u00fcr Erfolg<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Sie streuen st\u00e4rker als je zuvor. Das geht auch an den Verdiensten der Arbeitnehmer nicht spurlos vorbei. Die Einkommen \u00e4hnlich produktiver Arbeitnehmer sind ungleich verteilt. In wirtschaftlich st\u00e4rkeren Unternehmen ist nicht nur ihre Besch\u00e4ftigung stabiler als in schw\u00e4cheren. Sie werden auch besser entlohnt. Die intra-sektorale Struktur der Unternehmen ver\u00e4ndert sich. Gro\u00dfe Unternehmen gewinnen. Die Besch\u00e4ftigung verschiebt sich zu ihren Gunsten. L\u00f6hne und Arbeitseinkommen verteilen sich ungleicher.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Aufstieg der \u201eSuper-Firmen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Strukturwandel hinterl\u00e4sst Spuren. Als inter-sektoraler Wandel folgt er dem traditionellen Muster. Er ver\u00e4ndert das sektorale Gesicht eines Landes. Die Anteile der Sektoren an der Wertsch\u00f6pfung und der Besch\u00e4ftigung verschieben sich. In den Verlierer-Sektoren m\u00fcssen sich arbeitslos gewordene Arbeit und nicht mehr rentables Kapital eine neue Besch\u00e4ftigung suchen. Der Niedergang des industriellen Sektors geht nicht ohne Blessuren ab. Das ist \u00f6konomisch sp\u00fcrbar, regional problematisch und politisch heikel. Die Langzeitarbeitslosigkeit vor allem einfacher Arbeit steigt an, Regionen ver\u00f6den wirtschaftlich und populistische Parteien saugen daraus Honig. Der sektorale Strukturwandel ist der m\u00e4chtigste Treiber des strukturellen Wandels. Unter der Oberfl\u00e4che des inter-sektoralen Wandels kommt es zu massiven tektonischen Verschiebungen der intra-sektoralen Strukturen. Die Gewinne in den Sektoren verteilen sich ungleicher auf die Unternehmen. Dabei gewinnen vor allem die Gro\u00dfen. Seit Mitte der 80er Jahre streuen die Unternehmensgewinne st\u00e4rker als zuvor. Das gilt vor allem f\u00fcr die USA und Gro\u00dfbritannien, wie Studien zeigen. Es kristallisieren sich einige wenige \u201eSuperstar-Unternehmen\u201c heraus, wie etwa Microsoft, Facebook, Google, Apple, Amazon, Goldman Sachs, McKinsey oder Walmart. Sie operieren erfolgreicher als die vielen anderen Unternehmen der gleichen Branche.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mono1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mono1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In den USA haben die Ertr\u00e4ge der meisten Unternehmen seit Mitte der 60er Jahre nur leicht zugenommen (<a href=\"https:\/\/obamawhitehouse.archives.gov\/sites\/default\/files\/page\/files\/20161017_furman_ccny_inequality_cea.pdf\">hier<\/a>).\u00c2\u00a0 Das gilt aber nicht f\u00fcr die nur kleine Zahl der sehr erfolgreichen Unternehmen im 90. Perzentil. Deren Gewinne sind in dieser Zeit extrem stark angestiegen. Geradezu explodiert sind sie seit Anfang des neuen Jahrtausends. Diese Unternehmen sind auf den Absatzm\u00e4rkten erfolgreicher und ertragreicher. Sie sind in der Lage, h\u00f6here L\u00f6hne als die Konkurrenz zu zahlen. Das ver\u00e4ndert die Verteilung der L\u00f6hne. Seit Mitte der 80er Jahre verteilen sich die L\u00f6hne in den USA ungleicher. Die seither st\u00e4rker streuenden Gewinne der Unternehmen tragen ihren Teil dazu bei. Es scheint folgender Dreisatz zu gelten: Die Gewinne der Unternehmen streuen st\u00e4rker; erfolgreichere Unternehmen zahlen besser als weniger erfolgreiche; die Ungleichheit der L\u00f6hne und Arbeitseinkommen in den USA nimmt zu. Lange Zeit war man der Meinung, dass ungleicher verteilte L\u00f6hne auf die wachsende Ungleichheit der Entlohnung in den Unternehmen zur\u00fcckzuf\u00fchren seien. Individuelle Faktoren dominieren. Tats\u00e4chlich scheinen aber die immer st\u00e4rker ungleich verteilten Ertr\u00e4ge zwischen den Unternehmen den gr\u00f6\u00dferen Teil der wachsenden Lohn- und Arbeitseinkommensungleichheit zu erkl\u00e4ren (<a href=\"http:\/\/stanford.edu\/~djprice\/papers\/FUI_22OCT2016_FINAL_QJE_SUBMIT.pdf\">hier<\/a>). Die Gewinne streuen in den USA nicht nur \u00fcber alle Sektoren hinweg immer st\u00e4rker. Auch in den meisten Branchen entwickeln sich die Ertr\u00e4ge schon seit einiger Zeit ungleicher.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mono2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mono2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Der Strukturwandel ist in vollem Gang, inter- und intra-sektoral. Vor allem gro\u00dfe Unternehmen profitieren. In den oberen Perzentilen der Unternehmen steigen die Gewinne \u00fcberproportional an. Diese sehr erfolgreichen Unternehmen wachsen besonders stark. Sie zahlen (allen) ihren Arbeitnehmern h\u00f6here L\u00f6hne als die kleinere Konkurrenz in der eigenen Branche. Sie entlohnen ihre Arbeitnehmer querbeet auch besser als kleinere Unternehmen in anderen Sektoren. Und sie bieten mehr neue, bessere und sicherere Arbeitspl\u00e4tze. Viele der neuen, innovativen Produkte stammen aus diesen (gro\u00dfen und relativ jungen) Unternehmen. Diese \u201eSuper-Unternehmen\u201c treiben das allgemeine wirtschaftliche Wachstum. Viele neue, besser bezahlte und sicherere Arbeitspl\u00e4tze entstehen in diesen Unternehmen. Diese Entwicklung ver\u00e4ndert die Lage auf den Arbeitsm\u00e4rkten nachhaltig, qualifikatorisch und regional. Allerdings ist der Kampf zwischen den \u201eSuper-Unternehmen\u201c und dem Rest der Unternehmen um die besten Arbeitskr\u00e4fte ungleich. Vor allem weniger erfolgreiche, kleinere, oft \u00e4ltere Unternehmen ziehen oft den K\u00fcrzeren. Ein Teufelskreis kommt in Gang: Die Gewinne streuen noch st\u00e4rker. Auch die regionale Struktur der Arbeitsm\u00e4rkte \u00e4ndert sich. Kleinere Unternehmen agieren oft weitab vom Zentrum. In der Peripherie f\u00e4llt es ihnen aber noch schwerer, an die begehrten Arbeitskr\u00e4fte zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Technologie oder Marktmacht?<\/strong><\/p>\n<p>Der intra-sektorale Wandel gewinnt an Fahrt. Die Heterogenit\u00e4t nimmt zu, die Ertragskraft der Unternehmen l\u00e4uft weiter auseinander. Ein untr\u00fcglicher Indikator sind st\u00e4rker streuende Gewinne. H\u00f6here Gewinne k\u00f6nnen auf \u00fcberlegener Effizienz oder wachsender Marktmacht beruhen. Im ersten Fall ist daran nichts auszusetzen. Der Wohlstand steigt. Im zweiten Fall sinkt der Wohlstand. Es besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf. Unternehmen k\u00f6nnen ihrer Konkurrenz \u00fcberlegen sein, weil sie effizienter produzieren oder h\u00f6here Ertr\u00e4ge erzielen. Es spricht vieles daf\u00fcr, dass sich erfolgreiche Unternehmen besser auf ihre \u201eKernkompetenzen\u201c konzentrieren. Sie lagern kostentr\u00e4chtige Aktivit\u00e4ten, die nicht zum Kerngesch\u00e4ft z\u00e4hlen, rigoroser als weniger erfolgreiche Unternehmen aus. Erfolgreiches \u201eoutsourcing\u201c spart erhebliche Kosten. Der entscheidende Faktor der Ertragsunterschiede von Unternehmen in derselben Branche sind allerdings die Unterschiede in der Produktivit\u00e4t (<a href=\"http:\/\/www.bis.org\/review\/r170322b.pdf\">hier<\/a>). Vor allem Skalenertr\u00e4ge und Netzwerkeffekte treiben die Produktivit\u00e4t. Sie treten insbesondere da auf, wo Informations- und Kommunikationstechnologien massiv zum Einsatz kommen und intensiver als anderswo automatisiert wird. Gro\u00dfe Unternehmen sind produktiver als kleinere. Die Arbeitsproduktivit\u00e4t streut st\u00e4rker im Dienstleistungssektor, weniger im industriellen Sektor. Einige wenige Unternehmen, sch\u00f6pfen den Rahm ab. Eine \u201eWinner-take-most\u201c-Dynamik kommt in Gang.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mono3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mono3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Es gibt bisher mehr Vermutungen als gesicherte Erkenntnisse, warum die Produktivit\u00e4t in den Sektoren st\u00e4rker streut. Einiges spricht daf\u00fcr, dass die technologischen Vorreiter der Branche ihre Produktivit\u00e4t st\u00e4rker erh\u00f6hen k\u00f6nnen als die imitierenden Nachz\u00fcgler (<a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/eco\/growth\/OECD-2015-The-future-of-productivity-book.pdf\">hier<\/a>). Dieser Unterschied hat sich seit der Finanzkrise erheblich versch\u00e4rft. Die technologische Diffusion ist ins Stocken geraten. Woran das liegt, ist unklar. Es k\u00f6nnte sein, dass Unternehmen an der Produktivit\u00e4tsfront seit der Jahrtausendwende im Schnitt signifikant \u00e4lter geworden sind. Technologische Vorreiter sind in der Regel gr\u00f6\u00dfer, profitabler und j\u00fcnger. Zu diesem Befund passt, dass die Rate der \u201estart ups\u201c zur\u00fcckgegangen ist, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Vielleicht ist es aber auch die seit der Finanzkrise hyper-expansive Geldpolitik der Notenbanken weltweit. Diese Politik hat mit dazu beigetragen, dass auch Unternehmen am Markt bleiben, die unter normalen geldpolitischen Umst\u00e4nden l\u00e4ngst ausgeschieden w\u00e4ren. Die \u201eFu\u00dfkranken\u201c sind vor allem unter den technologischen Nachz\u00fcglern zu suchen. Ihr Wachstum der Produktivit\u00e4t ist in der geldpolitisch hyper-aktiven Zeit nach der Finanzkrise geradezu abgest\u00fcrzt. Was die wachsende Streuung der Produktivit\u00e4t verursacht hat, ist allerdings weiter unklar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mono4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mono4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfere Streuung der Gewinne einer Branche muss allerdings nicht nur auf divergierenden Produktivit\u00e4ten der Unternehmen beruhen. Sie kann auch das Ergebnis wachsender marktlicher Macht der Unternehmen sein. Tats\u00e4chlich kann man, zumindest f\u00fcr die USA, feststellen, dass in allen gro\u00dfen Wirtschaftszweigen die Marktkonzentration zugenommen hat (<a href=\"https:\/\/economics.mit.edu\/files\/12979\">hier<\/a>). Die gr\u00f6\u00dften Unternehmen steigern ihren Marktanteil, gemessen am Umsatz der Branche. Es kann sein, dass sie einfach besser als andere sind, die W\u00fcnsche der Konsumenten zu erf\u00fcllen. Dann w\u00e4re dagegen nichts einzuwenden. Es ist aber auch denkbar, dass sie auf ihren M\u00e4rkten monopolartige Strukturen errichten. Darauf deutet hin, dass Unternehmen mit gr\u00f6\u00dferen Marktanteilen schon seit einiger Zeit auch h\u00f6here Preisaufschl\u00e4ge (\u201emark ups\u201c) auf die (Grenz)Kosten durchsetzen (<a href=\"http:\/\/www.janeeckhout.com\/wp-content\/uploads\/RMP.pdf\">hier<\/a>). Sie erzielen \u201e\u00dcbergewinne\u201c zu Lasten der Besch\u00e4ftigung und der Konsumenten. Auf solchen M\u00e4rkten gelingt es oft nur sehr schlecht, \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gewinne weg zu konkurrieren. Das spricht daf\u00fcr, dass Marktzutrittsbarrieren im Spiel sind. Die r\u00fcckl\u00e4ufige technologische Diffusion, die sinkende Rate der \u201estart ups\u201c und die r\u00fcckl\u00e4ufige Mobilit\u00e4t der Arbeitnehmer deuten darauf hin, zumindest f\u00fcr die USA. Wachsende Marktkonzentration k\u00f6nnte sowohl die r\u00fcckl\u00e4ufige Lohnquote als auch die ungleicher verteilten L\u00f6hne erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wettbewerb entmachtet, mehr Wettbewerb entmachtet mehr<\/strong><\/p>\n<p>Der Wohlstand f\u00e4llt nicht wie Manna vom Himmel. Er muss immer wieder neu erarbeitet werden. Findige Akteure m\u00fcssen knappe Ressourcen neu kombinieren. Dieser Prozess l\u00f6st einen strukturellen Wandel aus. Es gibt Gewinner und Verlierer. Inter- und intra-sektoraler Wandel sind zwei Seiten derselben Medaille. Im Prozess der inter-sektoralen Umw\u00e4lzungen gewinnt der Wissenssektor, der Industriesektor verliert. Der intra-sektorale Strukturwandel wird von gro\u00dfen, meist noch relativ jungen \u201eSuper-Unternehmen\u201c dominiert. Sie gewinnen. Kleinere, meist \u00e4ltere Unternehmen verlieren. Das ist unproblematisch, solange die Gewinne dieser Unternehmen im \u201efairen\u201c Wettbewerb entstehen. Der intra-sektorale Strukturwandel hat ein Problem, wenn die Gewinne der \u201eSuper-Unternehmen\u201c auf monopolistischen Strukturen beruhen. Das scheint nicht ausgeschlossen. Diese Unternehmen werden auch deshalb kritisch be\u00e4ugt, weil sie mit dazu beitragen, dass die Gewinne in den Branchen st\u00e4rker streuen. Das bleibt nicht ohne Folgen f\u00fcr die Entlohnung der Arbeit. Die ungleichere Verteilung der Gewinne wird in eine ungleichere Verteilung der L\u00f6hne und Arbeitseinkommen transformiert. Mehr Wettbewerb auf allen M\u00e4rkten kann beide Probleme verringern. Die Wohlfahrtsverluste durch unternehmerische Marktmacht werden kleiner, die als unfair empfundene ungleiche Verteilung der L\u00f6hne und Arbeitseinkommen wird gleichm\u00e4\u00dfiger. Allokative und distributive Ziele harmonieren.<\/p>\n<p>Das genialste Instrument, wirtschaftliche Macht zu schleifen, ist ein intensiver Wettbewerb auf G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkten (Franz B\u00f6hm). Offene M\u00e4rkte garantieren ihn. Das geht nicht ohne ad\u00e4quaten ordnungspolitischen Rahmen, national und international. Politisch unabh\u00e4ngige Wettbewerbsbeh\u00f6rden sind wichtige Akteure. Sie m\u00fcssen wirksam in der Lage sein, monopolistische Praktiken der Unternehmen zu unterbinden. Das ist schon auf nationaler Ebene nicht ganz einfach. Politik und Interessengruppen bremsen. Auf europ\u00e4ischer Ebene ist es noch schwieriger. Unterschiedliche nationale Interessen stehen oft im Wege. Im internationalen Kontext ist es oft schier unm\u00f6glich, Marktmacht wirksam zu begrenzen. Das Scheitern der Doha-Runde zeigt, dass weltweit kaum noch Fortschritte m\u00f6glich sind. Nationale Ma\u00dfnahmen der Deregulierung sind erste wichtige Schritte. Der europ\u00e4ische Binnenmarkt ist ein weiterer gro\u00dfer Schritt in die richtige Richtung. Internationale Freihandelsabkommen vervollst\u00e4ndigen den wettbewerbspolitischen Dreiklang. Weltweit offenere M\u00e4rkte sind ein wichtiges Instrument, international agierende \u201eSuper-Unternehmen\u201c in die Schranken zu weisen. Alles was protektionistische Aktivit\u00e4ten aller Art zur\u00fcckdr\u00e4ngt, ist eine gro\u00dfe Hilfe. Die gegenw\u00e4rtigen Tendenzen der De-Globalisierung und protektionistischer amerikanischer Drohungen sind allerdings nicht sehr ermutigend.<\/p>\n<p>Das Schwert des Wettbewerbs als Instrument der Entmachtung wird gesch\u00e4rft, wenn es gelingt, Kapital- und Arbeitsm\u00e4rkte funktionsf\u00e4higer zu gestalten. Der wettbewerbliche Druck auf die \u201einsider\u201c nimmt zu, wenn die Rate der \u201estart ups\u201c steigt. Es ist klar, dass die Zutrittsbarrieren in viele M\u00e4rkte, in denen \u201eSuper-Unternehmen\u201c operieren, sehr hoch sind. Vor allem Skalenertr\u00e4ge und Netzwerkeffekte schaffen hohe Mauern. Sie l\u00f6sen eine \u201ewinner-take-most\u201c-Dynamik aus. Wenn es allerdings gelingt, b\u00fcrokratische Barrieren und regulatorische Hemmnisse zu beseitigen, einen funktionierenden Risikokapitalmarkt zu schaffen und ein Pool an gut ausgebildeten Arbeitskr\u00e4ften zu installieren, sind diese Mauern f\u00fcr \u201enewcomer\u201c leichter zu \u00fcberwinden. Viel w\u00e4re aber auch gewonnen, wenn Arbeitnehmer mobiler w\u00fcrden. Die intra- und inter-sektorale Ungleichheit der L\u00f6hne kommt auch deshalb zustande, weil sich Arbeitnehmer nach ihrer Ausbildung und ihren F\u00e4higkeiten in verschiedenen Unternehmen sortieren. Daf\u00fcr sorgt der Prozess des \u201eoutsourcing\u201c. Mit verst\u00e4rkten Investitionen in (allgemeines und spezifisches) Humankapital steigen die Chancen der Arbeitnehmer, die in Unternehmen arbeiten, in denen weniger Humankapital ben\u00f6tigt wird, beruflich aufzusteigen. Das w\u00e4re ein wichtiger Schritt hin zu gleicher verteilen L\u00f6hnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der intra-sektorale Strukturwandel ist auf dem Vormarsch. Er produziert Gewinner und Verlierer. \u201eSuper-Unternehmen\u201c treiben den Prozess. Die Gewinne sind sehr ungleich verteilt. Sie streuen seit Anfang des Jahrtausends st\u00e4rker als zuvor. Das schl\u00e4gt auch auf die Entlohnung der Arbeitnehmer durch. Die bisherige Erkenntnis war: Ungleich verteilte L\u00f6hne werden vor allem durch Ungleichheiten der Entlohnung in den Unternehmen getrieben. Der Streit geht nur darum, ist es die Technologie oder sind es Institutionen? Die Erkenntnis aus dem intra-sektoralen Strukturwandel modifiziert diese Ergebnisse. Ungleich verteilte L\u00f6hne werden viel st\u00e4rker von ungleich verteilten Gewinnen der Unternehmen getrieben. Das mag f\u00fcr Philosophen der Ungleichheit ein Problem sein. F\u00fcr liberale \u00d6konomen ist dies wenig problematisch, solange die st\u00e4rker streuenden Gewinne auf h\u00f6herer Effizienz und nicht auf Marktmacht beruhen. Die Empirie deutet aber darauf hin, dass seit der Jahrtausendwende die Konzentration in den Branchen zugenommen hat. Die Aufschlags\u00e4tze der Preisbildung sind erheblich gestiegen. Das spricht f\u00fcr Marktmacht. Das beste Mittel dagegen ist mehr Wettbewerb. Der Einsatz dieses Instrumentes hat einen unsch\u00e4tzbaren Vorteil: Der Konflikt zwischen allokativen und distributiven Zielen erodiert. Mehr Wettbewerb erh\u00f6ht die \u00f6konomische Effizienz und verringert die marktmachtbedingte Ungleichheit.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der intra-sektorale Strukturwandel pfl\u00fcgt auch die Arbeitsm\u00e4rkte um. Die Nachfrage nach kognitiver qualifizierter und weniger qualifizierter Arbeit nimmt weiter zu, die nach routinem\u00e4\u00dfiger einfacher aber auch besser qualifizierter Routine-Arbeit nimmt weiter ab. Mit diesem Thema werde ich mich in einem weiteren Blog-Beitrag besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Andrews, Dan u. a. (2015), Frontier Firms, Technology Diffusion and Public Policy: Micro Evidence from OECD Countries. OECD Main Background Papers<\/p>\n<p>Furman, J. (2016), Inequality: Facts, Explanations, and Policies. City College of New York, Oktober 17, 2016<\/p>\n<p>Haldane, A. G. (2017), Productivity Puzzles. Speech at the London Schools of Economics, 20 March 2017<\/p>\n<p>OECD (2015), The Future of Productivity. Paris 2015<\/p>\n<p>Song, Jae u. a. (2016), Firming Up Inequality. Working Paper. Stanford University<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/1bae41d94f63494a9e945c9efd952d91\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20537\">Strukturwandel (1). Sch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung \u00fcberrall!? Treiber, Optionen und Populisten<\/a><\/p>\n<h2 id=\"post-20537\"><\/h2>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Fortschritt ist ohne Ver\u00e4nderung unm\u00f6glich; und wer seine Denkweise nicht ver\u00e4ndern kann, kann gar nichts ver\u00e4ndern.&#8220; (G. B. Shaw) Der strukturelle Wandel hat viele Facetten. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21650\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Strukturwandel (2)<\/font><br \/>Das Ende des Wettbewerbs?<br \/><font size=3; color=grey>&#8222;Super-Firmen&#8220;, Marktmacht und Ungleichheit<\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":24149,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,2637,21,23],"tags":[556,2558,106,2638,80],"class_list":["post-21650","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-distributives","category-sektorales","category-unternehmerisches","category-wettbewerbliches","tag-berthold","tag-finanzierungsstrukturen","tag-marktmacht","tag-super-unternehmen","tag-wettbewerb"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Strukturwandel (2)Das Ende des Wettbewerbs?&quot;Super-Firmen&quot;, Marktmacht und Ungleichheit - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21650\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Strukturwandel (2)Das Ende des Wettbewerbs?&quot;Super-Firmen&quot;, Marktmacht und Ungleichheit - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"&#8222;Fortschritt ist ohne Ver\u00e4nderung unm\u00f6glich; und wer seine Denkweise nicht ver\u00e4ndern kann, kann gar nichts ver\u00e4ndern.&#8220; (G. 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